Home
Events
Reisen
Aktuell
Kontakt
Archiv
 


***********************************************************

ALKOHOLKONTROLLE - BLASEN BITTE!

Es kam die Frage auf, ob der Wert den ein offizielles Alkoholmessgerät angibt auch wirklich zuverlässig stimmt und man sich somit beruhigt an das Steuer setzen kann, wenn man darunter liegt.

Die Antwort ist Jein, wie die Ausführungen von dem Chef der Luzerner Polizei, Beat Henseler, auf meine Anfrage beweisen 

1. Die im Handel erhältlichen Alkoholmessgeräte sind insofern mit Vorsicht zu geniessen, als dass sie in der Regel nicht vom Bundesamt für Messwesen abgenommen sind und auch nicht regelmässig geeicht werden. Verlässliche Werte sind nur möglich, wenn die amtliche Eichung vorliegt. Meines Wissens macht das Bundesamt für Messwesen keine Eichungen für Private.

2. Die Geräte messen in aller Regel die Atemluft und damit den Atemluftalkoholwert. Dieser weicht in aller Regel von rechtlich relevanten Blutalkoholwert ab. In welche Richtung die Abweichung geht, hängt von der konkreten Situation ab. Wenn beispielsweise unmittelbar nach dem Alkoholkonsum gemessen wird, ist der Blutalkoholwert tiefer, weil der Alkohol via Magen und Darm ja erst ins Blut gelangen muss. Liegt der Alkoholkonsum länger zurück, dürfte der Alkohol bereits im Blut sein und es kann durchaus sein, dass dann der Blutalkoholwert höher liegt als der Atemluftwert. Im Wissen um diese Situation fragen unsere Mitarbeitenden dann auch immer, wann der Alkohol konsumiert wurde. Wenn dann beispielsweise jemand sagt, er hätte „gerade vorhin“ einen Schnapps getrunken, dann wir die Atemluftmessung nach ca. 10 Minuten wiederholt. Liegt der Wert über 0.8 Promille ist zwingend eine Blutprobe erforderlich. Liegt der Wert zwischen 0.5 und 0.8 Promille kann der Betroffene den Wert und damit die Sanktion annehmen oder er kann eine Blutmessung verlangen.

***********************************************************

KÖNNTEN SIE AUF WEIN VERZICHTEN?

Könnten Sie dies? Ja? Wie lange denn? Einfach mal einen Tag auslassen? Eine Woche vielleicht auf jeglichen Weingenuss verzichten? Oder würden Sie versuchen gar einen ganzen Monat ohne Wein auszukommen? Eventuell gar für immer?

Dann lieben Sie den Wein gar nicht! Sie benutzen ihn nur! Sie machen nur mit, weil es gerade so zur Gesellschaft passt! Oder gar schick ist! Oder Ihnen ein Wein etwas besser schmeckt beim Essen als halt eine andere Flüssigkeit. Ich gebe es hiermit offen zu «Ich liebe den Wein!» und zwar von ganzem Herzen. Und wer so intensiv und innig liebt, der liebt täglich. 

Ich muss auch niemandem mehr beweisen, dass ich eine gewisse Zeit ohne den Wein leben könnte. Diesen Beweis lieferte ich bereits die ersten 15 Jahre meines Lebens. Dies mit nur ganz wenigen Ausnahmen. Manchmal schlich ich mich heimlich in die Küche. Dort nahm ein Glas und füllte es zu zwei Drittel mit Hahnenwasser, dann ergänzte ich mit dem stetig in Literflaschen vorhandenen Kochwein und mischte viele Löffel Zucker dazu. Ich rührte diesen önologischen Jugendleichtsinn kräftig, bevor ich mir dann den ersten Schluck gönnte. Manchmal durfte ich am Sonntagmittag einen kleinen Schluck vom Dôle (Walliser Rotwein) von Mutters, mit dem reichlichen Ornamenten verzierten Glas probieren. Und noch ein drittes Weintraining fand bereits in meiner Jugendzeit statt: Zu Sylvester gab es für uns immer süssperligen, billigen Asti Spumante.  

In den folgenden 40 Jahren lerne ich den Wein stufenweise kennen und schätzen. Mit Respekt und Ehrfurcht begegne ich jedem Tropfen. Dabei unterscheide ich klar zwischen Arbeit und Vergnügen. Junge Weine sind Arbeit – reife sind Vergnügen. So einfach trenne ich diese Situation. Bei jungen Weinen bin ich mich gewohnt zu taxieren, notieren, punktieren, manchmal auch zu kritisieren. Bei Gereiften versuche ich intensiv und bewusst ganz und gar der Geniesser zu sein.

Vor ein paar Jahren fragte ich einmal Pomerols berühmtesten Châteaubesitzer Christian Moueix bei einem Mittagessen, wie er es mit dem Weinkonsum halte. Seine Antwort kam postwendend. «Es gibt für mich, ausser dem Frühstück, keine Mahlzeit ohne Wein.»  Ähnlich formulierte es Robert Mondavi bei der Einweihung von der Opus One Winery im Napa Valley vor gut 20 Jahren. «Ein gutes Essen ohne Wein ist nicht wirklich ein gutes Essen!»

Auch ich bin tendenziell ein Esstrinker. Es ärgert mich zuweilen, wenn mir während dem Essen der Wein ausgeht. Dann warte ich, bis es Nachschub gibt und esse erst dann wieder weiter. Die zwei Dinge passen halt einfach so wunderschön zusammen. 

Mit Wein wird jedes Essen besser. Dieselbe Erfahrung machte ich schon, als ich etwa 20 Jahre alt war. Damals war ich ein junger, frisch ausgelernter Koch und wollte das Gastgebertum eigenhändig, im kleinen Kreis, lernen. Ich lud meine Freunde zu mir in die kleine Junggesellenbude ein und knüpfte jeweils jedem «Gast» stolze hundert Franken (ca. 80 Euro) für einen Abend ab. Dafür wurden meine Freunde von mir fürstlich bekocht und ich kaufte dazu damals schon relativ teure Weine. In einem Album verewigte ich dann das gekochte Menu und klebte die Etiketten der getrunkenen Weine mit einem kleinen Kommentar dazu ein. 

Ja – damals konnte man praktisch alle Etiketten noch ganz einfach ablösen indem man die Flaschen ein paar Stunden lang ins kalte Wasser legte. Nur an eine Etikette erinnere ich mich noch, bei der ich das nicht schaffte. Es war ein Château Brane-Cantenac aus Margaux. Dieser hatte (und hat auch heute noch…) ein goldenes Etikett. Auch nach einem Tag im Kaltwasserbad klebte das Ding noch ganz hartnäckig an der Flasche. Da ich auch diese Erinnerung unbedingt in mein Album kleben wollte, wählte ich eine schliesslich Rosskur. Ich nahm eine ganz hohe Pfanne voll Wasser, legte die Flasche hinein und liess das Experiment eine Stunde kochen. Das Resultat war verblüffend; das Etikett war weiss geworden und das Kochwasser golden.     

Heute sind meine Weinnotizen wesentlich intensiver geworden – dafür klebe ich keine Etiketten mehr ein. Und es gibt auch jedes Jahr immer eine klar definierte Zeit, in der ich meinen monatlichen Weingenuss konsequent etwas reduziere.

Das ist immer im Februar. Der hat am wenigsten Tage!  

***********************************************************

MALBEC: EIN SEITENSPRUNG MIT FOLGEN

«Mit jedem Seitensprung wächst die Treue!» Diese mutige Aussage stammt von dem bekannten Schauspieler Mario Adorf. Ob seine Frau wohl auch so denkt? Doch lassen wir das. Bei mir geht es um einen ganz anderen Seitensprung. Nicht dass ich jetzt meinem geliebten Bordeaux untreu werde. Aber ich habe eine neue Liebe (wieder-) entdeckt. Und ich plane jetzt ganz bewusst künftige Seitensprünge…

Wann haben Sie das letzte Mal gemalbect?

Heuer war ich das dritte Mal in meinem Leben Argentinien. Und jedes Mal verliebe ich mich dort wieder neu in den Malbec. Und eine geraume Zeit später vergesse ich ihn dann irgendwie wieder. Er kommt mir nicht einmal wieder in den Sinn, wenn ich in einer Weinkarte blättere. Dabei wäre ein sehr guter Malbec in der verteuerten Weinzeit heutzutage eine geniale und vor allem budgetbewusste Alternative ohne Genussverminderung. Denn diese roten Argentinier schreien nicht automatisch nach Tex-Mex-Küche. Nein – sie würden auch hervorragend zu hoch stehender Europaküche passen. Wie kann man da den Malbec immer wieder vergessen? Schäm Dich Gabriel!

Und das ist sehr dumm von mir, denn ich müsste es ja besser wissen. Für Mövenpick kaufte ich in meiner Zeit als Chefeinkäufer jahrelang Unmengen von Malbec’s in allen Variationen. Bereits die einfachen, respektive günstigen sind in der Regel schon sehr gut. Also ist das eine Rebsorte die von billig bis teuer viel Spass und Genuss liefern kann. Und wenn ich die möglicherweise allerbesten Malbec’s mit dem Rest der kokettierenden Premium-Wein-Welt vergleiche, so schneiden diese Mendoza-Tintos oft mit dem allerbesten Preis-Leistungsverhältnis ab. Also müssten jetzt spätestens jene, die ob der Preisentwicklung in Bordeaux und in Kalifornien schon längst die Faust im Sack machen, langsam hellhörig werden…    

Vor mehr als 20 Jahren lernte ich den antiken Meilenstein des Argentinischen Malbec kennen: 1977 Estrella von der Bodega Weinert. Davon habe ich noch ein paar wohl gehütete Flaschen in meinem Keller. Grad kürzlich öffnete ich eine solche Flasche als ich unter dem Titel «Die besten Weine der Welt» etwa 20 Topweine öffnete. Nebst legendären Bordeaux’ waren auch ein paar «Ausländer» dabei. 1974 Martha’s zum Beispiel und der 1971 Grange von Pendfolds. Und eben – der 1997 Estrella. Hier eine Reminiszenz dieses Eindruckes…

1977 Estrella Bodegas Weinert, Argentinien: Noch recht jugendliche Farbe. Malzige Kräuternoten, sanft buttrig im Ansatz, rotes Pflaumenmus und ein Hauch Kaffee, feinsüsse Colheitaportnuancen. Cremiger, saftiger, eleganter Gaumen, samtene Tannine, veloursartiger Fluss, gebündeltes Finale mit einem Hauch Malmsey-Maderia und getrockneten Feigen im druckvollen Finish. Ein grossartiger Wein der von der Klasse her absolut in diese Weltweinprobe passte. Hält sich noch lange auf diesem Niveau. 19/20 trinken

Revolution bei den Weissen – Evolution bei den Roten

Jetzt war ich, anfangs 2012 für ein paar Tage mit Freunden in Mendoza und Buenos Aires. Bei Visiten diverser Bodegas und Restaurantbesuchen lernten wir alle Facetten des Argentinischen Weinangebotes kennen. Die Weissweine sind – gegenüber meinen früheren Eindrücken – revolutionär besser als noch vor ein paar Jahren. War ja auch einfach. Von ziemlich gelben, apfeligen Pfützen, sind diese zu frisch-fruchtigen, fein pfeffrigen Weissweinen mutiert. Klar machen die Winzer auch legale Raubkopien von Sauvignon Blanc und Chardonnay in Hülle und Fülle. Wer aber etwas autochtones erleben will, der schaut sich mal nach einer Flasche Torrontes um. Das ist eine Art parfümierter Gewürtztraminer-light.

Zu den Rotweinen: Lassen wir mal alle anderen Rebsorten beiseite und schwärmen vom Malbec und von Malbec-Blends.

Wir waren da mit ein paar ganz eingefleischten Bordeaux-Fans unterwegs. Und alle mutierten von Saulus zu Paulus. Gabriel inklusive. Es war das erste Mal in 20 Jahren Ferien, bei denen ich nicht Heimweh nach Bordeaux bekam. 

Da waren nämlich sehr viele grossartige Rotweine aus dieser unterschätzen, oder immer noch zu wenig bekannten Malbectraube dabei. Die Preise sind in den meisten Fällen sehr vernünftig und fast alle der bestellten Weine bewegten sich locker im 17- bis 18 Punktebereich. Ein paar sogar noch höher. Den Topjahrgängen von Catena Zapata, Felipe Rutini und ein paar anderen Topweinen der besten Wineries kann man in deren bestem Alter durchaus oft 19-Punkte und vielleicht sogar die maximale Punktezahl zumuten. Also sind dies mögliche Jahrhundertweine mit Kultpotential. Und danach werde ich jetzt unablässig suchen… 

Zugegeben, auch hier gibt es – wie in jeder bekannten Weinregion – ein paar Bluffer und önolgische Konfitüren. Ein paar dieser Aufschneider schmeckten wie «Nearly-Amarones» mit den fettleibigen Körperkonturen eines Sumo-Ringers. Ein Blick aufs Rückenetikett entlarvte dann diese Schwerenöter definitiv. Denn nicht selten stand bei der Alkoholdeklaration die Zahl 15, manchmal gar 16!

Es kann – aber muss nicht nur Malbec sein! Hauptsache viel Malbec, dann vielleicht noch etwas Cabernet Sauvignon oder auch ein Quäntchen Syrah oder Petit Verdot. Es darf auch Spuren von Merlot im Blend drin haben. Aber wichtig ist immer sehr viel Malbec. Dies ist die absolute Bedingung für meine emotionelle Lobeshymne! Und findet man dann einen ganz grossen, etwa 10jährigen Malbec, dann erlebt man einen genialen Weltklassewein, der nur in Argentinien so vollkommen produziert werden kann. Auch wenn da gewisse Aromenkonturen an einen trüffeligen Pomerol, an einen tiefgründig-korinthigen Pessac, einen kräutrigen Napa oder auch an einen tabakigen Rhône-Klassiker erinnern mögen. Und wenn auch die Aromatik bei einem bewegten Rotweinerlebnis sicherlich eine wichtige Rolle spielen, so kann ein legendärer Malbec auch wie ein vinöser Tango sein. Tief emotionell bewegend, die Genuss-Seele aufwühlend, sämtliche Sinne berauschend. Tempramentvoll und melanchonisch gleichzeitig.  

***********************************************************

CLOS DE LOS SIETE: ARGENTINISCHER BUDGET-WELTMEISTER

Vielleicht haben Sie, aufgrund meiner öffentlichen Liebeserklärung zum Malbec, Lust bekommen bei verschiedenen Weinhandlungen ein paar Einzelflaschen zu ordern. Dann hauen Sie doch dazu ein kräftiges Steak in die Pfanne oder – noch besser – legen Sie ein grosses Stück von einem gut gelagertem Rind auf den Holzkohle-Grill. Laden Sie ein paar Freunde ein und lassen sich an diesem vielleicht besonderen Tag von dieser grossen, aber halt in noblen Weinkreisen noch zu wenig präsenten Rebsorte bezirzen.

Wenn Sie daraus weinklug geworden sind, dann kaufen Sie sich von den nach Ihrem Geschmack besten Malbec’s sofort ein paar Kartons und legen diese für ein paar Jahre in den Keller. Sie werden diese Aktion garantiert nie im Leben bereuen. 

Und wenn Sie weder degustieren, noch einladen, noch grillieren, noch warten wollen, dann kaufen Sie sich den nachfolgenden, genialen Argentinier mit französischem Akzent. Sieben französische Investoren (die meisten davon sind bekannte Châteaubesitzer in Bordeaux…) lancieren seit gut 10 Jahren unter der Regie vom omnipräsenten Star-Önologen Michel Rolland den Clos de los Siete. Es ist eine schier unglaubliche Erfolgsgeschichte. Die jährliche Produktion liegt aktuell bei 1,2 Millionen Flaschen. Tendenz steigend! Und das ist gut so, denn dieser Mega-Value ist praktisch immer schnell ausverkauft. Hier drin liegt der Beweis, welches unglaubliche Potential in Argentinischen Rotweinen steckt und dass man Qualität multiplizieren kann, wenn man über die richtige Grundlage verfügt. Die Investition in die brach liegende Steppe in der Region Vista Flores im Valle de Uco, rund 120 Kilometer südlich von Mendoza, ging vollends auf. Hier wird künftig neue Weingeschichte geschrieben. Wer den Clos de los Siete kauft, kriegt dramatisch mehr Weingenuss als er dafür bezahlen muss!

2008 Clos de los Siete: 56 % Malbec, 21 % Merlot, 11 % Syrah, 10 % Cabernet Sauvignon 2 % Petit Verdot. Sehr dunkles, tiefes Rot mit violett-schwarzen Reflexen. Warmes Beerenbouquet, viel Brombeeren und Black-Currant, Pumpernickelbrot, schwarze Brotkruste. Saftiger Gaumen, feines Extrakt, Holundernote und schwarze Pfefferkörner, zeigt sich schon in der Jugend sehr harmonisch mit tollem, aromatischem Finale. Man kann ihn jetzt schon geniessen. Seine Hochblüte hat er wohl in etwa 4 Jahren. 18/20 trinken – 2019

***********************************************************


1985 und 1989 Felipe Rutini - ein Stück von
Argentiniens Weingeschichte

DIE BESTE WEINKARTE IN BUENOS AIRES

Verschiedene Reiseführer proklamieren verschiedene «beste Weinkarten» in Buenos Aires. Während dem kurzen Aufenthalt in Argentiniens pulsierender Hauptstadt besuchten wir und unsere Freunde verschiedene Toprestaurants. Immer mit dem Augenmerk auf ein möglichst gutes Weinangebot. Für die besten Argentinischen Topweine muss man da schnell mal zwei, dreihundert Franken auf den Tisch legen. 

Am letzten Abend buchten wir einen grossen Tisch im Oviedo. Das Restaurant liegt rund eine Viertel-Taxistunde vom Zentrum entfernt. Ein Weg, welcher sich absolut lohnte. Das Restaurant ist im antiken, italienischen Stil gebaut. Die Kellner alle in schwarz, besonders freundlich und – wie sich zeigte – auch sehr weinkompetent. 
 
Ein Blick in die Weinkarte deutete zwar auf ein gutes, aber nicht besonders grosses Sortiment hin und wir wählten daraus den fantastischen 2009 Chardonnay Luca Altos de Mendoza. Es war der teuerste Weisswein auf der Karte und schwupp brachte der Kellner uns eine andere, wesentlich grössere Weinkarte. Dieses halbgeheime Weinangebot entpuppte sich als wahrer Fundus von absolut raren, reifen Topraritäten aus dem Maradonna-Land. Der beste Wein des Abends und gleichzeitig das allergrösste Weinerlebnis während des ganzen Ferientrips von Chile über Argentinien und Brasilien: 1991 Catena Zapata!!! Nach 20 Jahren Flaschenreife ist dieser äusserst charmante, legendäre Malbec auf einem exorbitanten Höhepunkt, voller Süsse und Geschmeidigkeit mit einer unglaublichen Harmonie, Erhabenheit, Grösse und Klasse. Weltklasse – nota bene! 20/20. 

Den gleichen Wein sah ich am anderen Tag im Wineshop von Nicolas Levy (www.grandcru.com.ar) für den doppelten Preis. Dies erklärt die äusserst attraktiven Preise vom Oviedo noch viel mehr. Kein Wunder also, dass wir die Chance packten und in die Archivkiste griffen. Die bisherigen Rotweine kamen nämlich alle herrlich kühl auf den Tisch und später hatte ich die Gelegenheit den Weinkeller zu besichtigen, alles tadellos perfekt gelagert.             

Also war es ein kleines Risiko sich an zwei besonders alte Flaschen heran zu wagen. Und wir erlebten mit dem 1985 und 1989 Malbec von Felipe Rutini ein Stück Argentinischer Weinhistorie. Vom Stil her eher traditionell vom artisanalen Grundgeschmack her, vielleicht mehr mit einem reifen, grossen Cabernet von Heitz zu vergleichen als mit einem Bordeaux. Herrlich minzig, malzig mit rotbeerigen Fruchtresten, dann auf wilden Rosmarin drehend und enorm viel Kräuter in Form von Appenzeller Likör oder sogar auch Jägermeister. Im Gaumen mit fragiler Konsistenz aber noch durchaus sehr gut trinkbar. Wer solch reife Mendoza-Legenden trinken darf, kann das heutige Potential von den besten Argentiniern viel besser verstehen. Beide Weine hätte ich wohl mit 19-Punkten taxiert, wenn ich analytisch degustiert hätte. Aber mir war nicht zum Degustieren, mir war zum Geniessen. Schliesslich hatte ich Ferien!

A must in Buenos Aires for lovers o great wines! www.oviedoresto.com.ar

***********************************************************

Jetzt neu - ergänzend zu den Südamerikanischen Wein-Eindrücken - auf www.bxtotal.com unter Tastingberichte: Cheval des Andes, Almaviva, Chadwick's Best 

***********************************************************

GIBT ES GUTE WEINE IN BRASILIEN?

Die Weissen könne man vergessen, meinte der Taxifahrer, als wir das Thema Wein anschnitten. Es sei zu warm und deshalb seien fast alle gelb und plump. Das war zwar ein Pauschalurteil aber irgendwie schien dies bei den wenigen Kontakten zuzutreffen. Also versuchten wir wenigstens ab und zu ein paar Rotweine in den diversen Restaurants.

Diese Neugier artete fast in Masochismus aus. Weder ältere noch jüngere Tropfen wussten zu gefallen. Den Beurteilungsmodus – in ein Wort zusammengefasst – war etwa zwischen «mässig» bis «saumässig». Als wir es bereits aufgeben wollten, sah ich auf der Weinkarte des nobel-teuren Restaurant Cipriani im Copacabana Palace in Rio de Janeiro den Lotte 43. Ich musste die Tischrunde richtig überreden, diesen Merlot-Cabernet-Blend zu probieren. Schon vor der Abreise hatte ich von meinem Freund Bärti Stocker gehört, dass dies einer der besten, wenn nicht gar der beste rote Brasilianer sein soll. Das Erlebte war dann immerhin ein Achtungserfolg. 

2008 Lotte 43, Miolo: (Merlot-Cabernet). Funkelndes Rubin von mittlerer Tiefe. Floraler Nasenbeginn, leicht unterreif zwar, aber mit schöner Würze. Mehr Würze wie Frucht eigentlich. Im Gaumen eine feine Schwarzschokobitterkeit im Extrakt zeigend, rote Pflaumenschalen, etwas Tabak, eher vordergründig, bei mittelschlankem Körper aber irgendwie doch mit einem Potential ausgestattet, dass man die Genussreife etwa in zwei, drei Jahren vermuten darf. 17/20 trinken – 2016

***********************************************************


Das Weinbörse-Team trauert um Peter Bertschinger.

Partner, Auktionator, Einschätzer.

Er hat die Weinbörse in den letzten
25 Jahren massgeblich geprägt  

Die Erinnerung ist das einzige Paradies aus dem wir nie vertrieben werden können.

Als Karin und ich vor sechs Jahren wieder einmal bei Bertschinger's zu Gast waren, öffnete Peter den 1874 Mouton Rothschild. Das war und ist mein bisher ältestes Mouton-Erlebnis. Er bekannte sich immer wieder als Mouton-Fan. Nicht wegen dem Etikett, sondern wegen dem Inhalt.

Als Erinnerung lasse ich diesen Abend noch einmal Revue passieren:
06: Von der Fagilität in die Zeitlosigkeit. Peter Bertschinger öffnete diese Flasche an einem lauen Sommerabend bei sich zu Hause in Giebenach. Einfach so. Oder gerade eben deshalb! Wie auch immer. Dabei zu sein war hier mehr als Alles. Und wenn Sie die ersten Eindrücke lesen, dann neigt man vorschnell dazu zu sagen: «das war wohl Nix». Doch gerade eben brauchen alten Weine Verständnis, Musse und Zeit. Also beginnen wir von vorn. Die Flaschenfüllung war für dieses Alter geradzu optimal; obere Schulter. Der Korken zwar entsprechend dem Alter genügend brüchig um das Öffnen zur Notoperation zu erklären. Doch dann ging es los. Die Farbe dunkel, recht braun mit wenigen noch roten Reflexen. Zuerst altes Fass in der Nase zeigend, nasse Wolldecke, Todesssüse und dämpfender Waldboden, später Kampfer, getrocknete Steinpilze, dann Rosenholz und immer mehr Fruchtspuren. Im Gaumen spürte man immer noch stützende Tannine, die geschliffen waren und sich mit dem milden Extrakt verbanden, ziemlich komplex von der Fülle her, viel mehr Süse als in der Nase aufweisend, wieder deutliche Rosen- und auch Süssholznoten, dunkles Malz, schwarze Schokolade, getrockneter Thymian, Pumpernickel und wilde Minze. Der Wein hielt sich nicht nur an der Luft, sondern er verbesserte sich fast 30 Minuten lang. Von der Sonderklasse her bewies dieser mehr als 130 jährige Wein, dass Mouton schon damals auf Premier-Grand-Cru-Niveau lag. Nicht erst 100 Jahre später. Er wurde ja 1973 vom Deuxième auf Premier gestuft. «Danke Peter, dass Du diese so honorige Flasche in einem so kleinen Kreis geöffnet hattest, dass wir auch noch ein zweites, gut gefülltes Glas davon erhielten.»

***********************************************************

BORDEAUX 1979: VERGESSEN – ABER NICHT VERGAMMELT

Viele Leser dieses Artikels werden wohl keine Bouteillen von diesem Jahrgang mehr im Keller haben und froh darüber sein. Bei mir ist es umgekehrt. Ich habe noch ein paar wenige Flaschen vom Bordeaux 1979 und bin froh darüber…

Wenn Sie eingeladen wären, würden Sie dann lieber eine Magnum vom Château Pétrus auf dem Tisch sehen oder nur ein halbes Fläschchen? Dumme Frage! Logisch, lieber eine Magnum. Wir waren froh, dass es nur eine halbes Schöppli war. Warum? Wir waren uns nicht sicher ob der Wein korkte oder einfach unsauber war. Als ich, um mich auf die Verkostungsnotiz einzujustieren, in meinen früheren Beschrieben im Access wühlte, zeigten die bisherigen Erfahrungen eine Achterbahn von wenig Höhen und vielen Tiefen. Also gibt es sehr unterschiedliche Flaschen, die meisten enttäuschen. So wie auch diese jetzige «Mini-Magnum».

Beim La Louvière blanc, den ich als Auftakt plante wusste ich es schon beim Dekantieren. Es roch ranzig in der Nase. Als ich den Wein dann am Gästetisch zelebrierte, war die Farbe Goldgelb mit mattem Schimmer. Also schon im Auge mit Warnsignal versehen. Die Nase plump, stark oxydativ, noch etwas altes Cerealienbouquet und Nuancen von Curry, aber doch fruchtlos in seiner Sherryagonie. Im Gaumen wie ein lascher Brottrunk, kein Weingeschmack mehr, immerhin fand ich im Finale noch etwas billigen Küchenmadeira. Aber das war’s dann schon. Also bewertungslos – weil untrinkbar.

Vier tolle, noch sehr gute bis grossartige 79er: Canon, L'Eglise-Clinet, Margaux und Haut-Brion auf www.bxtotal.com.

***********************************************************

NEUER INSIDER-SKANDAL; NACH PHILIPPE HILDEBRAND HAT ES JETZT AUCH THOMAS BUCHELI VON SF-METEO ERWISCHT

Und wieder deckt die "Weltwoche" eine unerhörte Geschichte auf.
Gemäss Recherchen der oben genannten Zeitung, soll ein Informant den SRG-Generaldirektor Roger de Weck darüber ins Bild gesetzt haben, dass SF-Meteorologe Thomas Bucheli an einem hochbrisanten Insiderdeal beteilligt gewesen sein soll.

Konkret geht es darum, dass Buchelis Frau Mitte Dezember in einem Pneuhaus in Zürich-Altstetten neue Winterreifen gekauft haben soll und zwar genau einen Tag bevor es zum ersten Mal bis ins Flachland geschneit hat.

Dieser Reifenhandel wirft natürlich viele Fragen auf:
- Hat Buchelis Frau vom bevorstehenden Schneefall gewusst?
- Hat Thomas Bucheli selbst den Reifendeal eingefädelt?
- Wer hat alles von der ganzen Sache profitiert?
- Eins ist auf jeden Fall klar. Die Sache stinkt zum Himmel!

Höchst Pikant ist, dass der Informant (ein Hilfsarbeiter des Pneuhauses) mit seinen Beweisen zuerst zum obersten Muotathaler Wetterfrosch Hans-Heiri Tresch (ein seit Jahren vehementer Kritiker von Bucheli) ging, und dieser wiederum spielte die "Reifenakte"  der "Weltwoche" und danach Roger de Weck zu.

Was wiederum die Schlussfolgerung zulässt, dass sich Hans-Heiri Tresch den Moderationsposten auf dem Dach im Studio Leutschenbach unter den Nagel reissen will. Da Tresch im Moment "in der Zeit des Schweigens" ist, war keine Stellungnahme von ihm zu erhalten.

Thomas Bucheli seinerseits weist alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe vehement zurück. Eine Blitz-Umfrage von 20minuten Online hat übrigens ergeben,
das 98% der Userinnen und User nicht wissen, wer Thomas Bucheli ist, was Roger de Weck wiederum auf die sinkenden Einschaltquoten zurückführte.

***********************************************************


Spass mit Gabriel-Glas!

Der weltberühmte Oenologe Michel Rolland trinkt anlässlich der Masseto & Péby-Faugères-Degustation aus der Gold-Edition...

MASSETO, PEBY & PIRATEN: STAR WARS IM MERLOT-ALL

1977 wurde der Film Krieg der Sterne von George Lucas erstmals in amerikanischen Kinos ausgestrahlt. 1986 entschied sich Lodovico Antinori auf Tenuta dell’Ornellaia erstmals einen Merlot separat abzufüllen, welcher dann ein Jahr später Masseto hiess. 1998 lancierte die damalige Besitzerin von Château Faugères in Saint Emillion, Corinne Guisez, zu Ehren ihres verstorbenen Mannes Pierre Bernard den Péby Faugères.

Dies ist die Chronologie von drei verschiedenen Dingen, welche im Prinzip wenig miteinander zu tun haben. Im Prinzip! Im Wesentlichen handelt Star Wars vom ständig andauernden Kampf zwischen Gut und Böse. Und wenn man zwei mondiale Top-Merlot gegenüberstellt, dann kommt auch sehr schnell die Frage auf, wer jetzt der Gute und wer der Böse sein könnte. 

Dabei war der Titel dieser legendären Degustation noch ganz friedlich aufgebaut: «Péby Faugères meets Masseto». Also war ein genüssliches Aufeinandertreffen dieser beiden Merlot- Kontrahenten im Restaurant Old Swiss House in Luzern geplant. Doch ein Blick auf die Gästeliste zeigte; dass sehr viele bekannte, angefressene Weinfreaks aus ganz Europa kampfeslustig an diese beeindruckende Blindverkostung antrabten.

Der Masseto scheint in den ersten 10 Jahren die Merlotfrucht wie fast kein anderer Rotwein der Welt im Bouquet und auch im Gaumen zu versprühen. Doch ist die Frucht einmal weg, kommt nicht mehr viel nach und die Star-Allüren verblassen schnell. So brutal diese Behauptung auch tönt; aber die Jahrgänge 1998, 1999 und auch schon der 2000er leiden unter einer deutlich spürbaren Genuss-Agonie. Die qualitativen Schwankungen zwischen den ganz grossen Masseto’s (2001, 2004 und 2007) gegenüber den schwierigeren Jahrgängen sind gewaltig. Doch die Attraktivität ist ungebrochen und Masseto ist unter allen Top-Merlot der Welt momentan der absolute Superstar.

Der Péby ist nur in warmen und heissen Jahren mit einer ähnlich attraktiven Primärfrucht ausgestattet. Die klassischen Jahrgänge sind oft verschlossen und verlangen nach sehr langer Dekantierzeit oder Flaschenreife. Die schwierigen Jahrgänge sind – im Gegensatz zu seinem toskanischen Sparringpartner – meist wunderschön und mehr als nur gefällig. Das Potential dieses vielleicht noch zu wenig bekannten Merlot-Stars ist beträchtlich und ist der Wein einmal in seiner ersten Reife, verliert er das bombige und balanciert sich zwischen Frucht und Terroir. Etwas was man einem reinsortigen Merlot in Saint Emilion bisher nur wenig zugemutet hatte. Aber die Entwicklung vom Péby 1998 und 2000 bestätigen diese Theorie.

Alle Degustationsnotizen und die restlichen Eindrücke: www.bxtotal.com

Einen Tag später fand dann der Mouton-Memory-Abend, ebenfalls im Old Swiss House in Luzern im gleichen Restaurant statt. Damit Sie sehen, wie so eine Probe auf bxtotal aussieht. Hier ein Gratis-PDF als Januargeschenk. 

***********************************************************

VIER GROSSE TESSINER UND EIN TOSKANA-JOKER

Die Tessiner Rotweine werden immer besser. Nicht wenige davon haben heute Weltklasseformat. Doch mit der Qualität steigt auch die Lebensdauer. Was an sich positiv tönt, kann zu Genussverzögerungen führen… 

Es standen vier Tessiner vom Jahrgang 2005 auf dem Tisch und ein Pirat. Letzterer war schnell gefunden, doch die Suche nach den möglichen Produktions-Quellen der vier Rotweinen aus der helvetischen Sonnenstube war recht schwierig.

Ich liess es gleich bleiben und konzentrierte mich auf deren Eigenschaften, welche dann zu den nachfolgenden Beschreibungen führten. Doch auch dies war nicht einfach, denn der Jahrgang 2005 entwickelt sich offensichtlich langsamer als angenommen und bei den Topweinen, scheint immer noch längeres Dekantieren oder gar Warten angesagt.  

Als wir das Lokal betraten, waren die Weine bereits in Karaffen gefüllt und standen auf dem Tisch. Wo? Im Restaurant Trogen im Nidwaldnerischen Obbürgen. Dort kocht Madeleine Müller auf mindestens so hohem Niveau wie der Betrieb am bergigen Bürgenstock liegt.

Mit einem Dank für die Freundschaft und diese spannenden Abend und die Einladung geht hier an ein paar Obwaldner Weinfreunde.

Voller Finessen ist der 2005 Castello Luigi im Prinzip – wenn er nicht so wahnsinnig verschlossen wäre. Er begann zurückhaltend und war eigentlich bis zum Schluss nicht ganz geöffnet, er scheint sehr langsam zu reifen und scheint irgendwie noch unfertig. 19/20 2014 – 2025

Beim zweiten Wein zeigte sich die Vinifikation etwas stärker als das Grundprodukt. Der lange Ausbau von 36 Monaten waren am 2005 Trentasei Gialdi nicht spurlos vorüber gegangen. So zeigten sich sehr viele Röstaromen, welche Konturen von Caramel und Vanilleschoten aufwiesen. Aber sein Sex-Appeal macht für Liebhaber solcher Weine den gewissen Typizitätsmangel ziemlich wett. 18/20 trinken – 2022

Für mich war der dritte Wein momentan der Beste! Zumindest aktuell. Doch ich hatte den 2005 Vinattieri ja schon von Beginn weg so hoch bewertet. Hier findet man dunkles Cassis, Earl-Greyteenoten, reife Pflaumen und eine ziemlich fleischige Merlotkonsistenz im sehr komplexen Gaumen. 19/20 trinken – 2024

Die Nase vom 2005 Canto della Terra Cantina Monti war ziemlich kompottig zu Beginn und zeigte Aromen von Lebkuchen, Tabak und Szechuanpfefferkörner. Der Gaumen samtig, stoffig, die Reserven zeigen sich in Form von etwas körnigem Extrakt, welches auf der Zunge zurückbleibt. Wir wohl wieder zulegen in seiner vollen Reife. 18/20 trinken – 2024

Der Pirat war einfach herauszufinden, denn er hob sich von den tessinigen Merlot’s ziemlich ab. Dies, obwohl es sich hier auch um einen Merlot handelt. Wer den 2005 Tua Rita Redigaffi im Glas hat, muss sich anschnallen. Hier geht die Post ab. Das Bouquet ist so intensiv, dass es gleich zu Kopf steigt, man findet Pulverkaffe, Rosinen, Portnuancen und Cassisdrops. Der Gaumen ist trockensüss mit massivem Gerbstoffbeschlag, das macht ihn fleischig aber auch ziemlich fordernd. Ein Wein zwischen Vinifikationsgrenze und Genialität – je nach Betrachtungsweise. Strafen darf man ihn deshalb nicht. Aber man muss ihn gleich zu Anfang an beschreiben, denn das Ding fährt gefährlich schnell ein und ist ziemlich Sinne berauschend. 19/20 trinken – 2022

***********************************************************

NEUJAHRSBRÄUCHE WELTWEIT

In Mitteleuropa weit verbreitet sind Speisen aus Schweinefleisch, wie Schweinskopf oder "Saurüssel", die Glück bringen sollen.

Als Süssigkeit verzehrt man Marzipanschweinchen aber auch Backwaren wie Früchtebrot oder die sogen. Neujahrsbrote, in die oft einzelne Münzen eingebacken werden.

Geflügel hingegen sollte zu Neujahr in gar keinem Falle verzehrt werden, da das Glück sonst hinweg fliegt. Eine Ausnahme bilden die Rheinländer, die mit der Neujahrsgans ihrem Schicksal trotzen wollen.

Bei den Griechen gibt es das Basiliusbrot, in welches sie einzelne Münzen einbacken.

In manchen Teilen Englands backt man dreieckige Törtchen, die mit Faschiertem (Hackfleisch) gefüllt und als Geschenke weitergegeben werden.

In England ist es darüber hinaus üblich, daß sich die Nachbarn am Neujahrstag besuchen und gemeinsam selbstgebackenen Kuchen mit Wein verzehren.

In Schottland dagegen serviert man den sogenannten Schwarzen Laib (Black Bun). In gemütlicher Freundesrunde werden Haggis, gefüllte Schafsmägen, verspeist. Das Ganze wird mit reichlich Whisky heruntergespült.

In Russland verzehrt man Borschtsch und Kutya, letzteres ist ein Porridge-ähnliches Gericht aus Weizen- und anderen Getreidekörnen, die für Hoffnung stehen, sowie Honig und Mohn, die Freude und Erfolg bescheren sollen.

In Israel sollen süsse Äpfel in Honig als Neujahrsspeise die Hoffnung ausdrücken, daß das neue Jahr süss werden möge.

In Spanien wird zu jedem mitternächtlichen Glockenschlag eine Weintraube gegessen. Beim 12. Schlag, bevor man sich umarmt und beglückwünscht, muß dann alles verspeist sein, will man nicht Unglück im neuen Jahr haben.

In der Schweiz, also genauer gesagt in der Ortschaft Gunzwil, in einem kleinen Quartier, da zerschlägt man Anfangs Jahr eine Magnumflasche Château La Mission Haut-Brion 1959. Dies deshalb, weil Scherben bekanntlich Glück bringen.

Hier ein Bild von diesem eher fragwürdigen Brauchtum.

***********************************************************


Ein Bild für Schleckmäuler
Crêpe Suzette und Château d'Yquem, genossen im Restaurant Kreuz in Emmen.
Ich musste gleich zum ersten Mal meine guten Vorsätze über Bord werfen. Wer kann da schon widerstehen?



CRÊPE SUZETTE UND CHÂTEAU D'YQUEM 1976

Die Crêpe Suzette ist eine bekannte französische Süssspeise. Ein dünner Pfannkuchen wird in einer Cointreau-Organgensauce flambiert...

Das Rezept wurde angeblich durch einen Zufall erfunden. Eine Anekdote beschreibt, dass am 31. Januar 1896 König Edward VII, im legendären Café de Paris in Monte Carlo zu Gast war. Der 14-jährige Kochlehrling Henri Charpentier sollte anlässlich einer Silvesterfeierlichkeit am Tisch Pfannkuchen machen. Doch während Charpentier die Sosse zubereitete, fing ein Likör plötzlich Feuer. Der Lehrling verzog keine Miene, probierte unauffällig, ob es gut schmeckt, tunkte die Crêpes in die entflammte Marinade, gab noch mehr Likör und Zucker hinzu und erklärte dem erstaunten Prinzen, dass dies ein neues Rezept sei. Edward
kostete und war begeistert.

Spontan soll Charpentier angeblich den Titel Crêpes Princesse zu Ehren des damaligen Prince of Wales erfunden haben, der aber geschmeichelt abwinkte; stattdessen sollten die Crêpes den Namen seiner schönen Begleiterin tragen – und das war an diesem Tag Suzette. 

1976 Château d’Yquem: Aus dem Keller von Yves Beck, weil er «nur» einen 93er Cheval beisteuern konnte. Goldene Farbe mit ocker Reflexen. Das Bouquet ist fett und vollsüss, zeigt dabei viel caramelisierte Orangenschalen, eingelegte Gelatine, Dörraprikosen, mit dabei; ein Hauch Bittermandel und Kumquats und nach 10 Minuten sogar noch etwas Minze, welche erfrischend wirkte. Im Gaumen dick und reich mit einer geballten Ladung von Rosinen. Ein wahrer Sauterneslikör, nahe einem buttonigen Tokajer. Mit dem fantastisch zubereiteten Crêpe Suzette eine Traumhochzeit. 19/20 trinken – 2050

***********************************************************

DAS KREUZ MIT DEM CHEVAL

Mittlerweile darf recht oft an irgend einer Flaschen-Party dabei sein. Ein Datum wird bestimmt. (In diesem Fall der 5. Januar). Ein passendes Lokal wird gesucht. (In diesem Fall das Restaurant Kreuz in Emmen). Ein Thema wird definiert. (In diesem Fall Cheval Blanc). 

Doch wir hatten mit diesem Cheval im Kreuz halt auch ein bisschen das Kreuz. Beim Jahrgang 1953 versprach die Farbe an sich viel, denn das Bild war fast schwarz mit grünlichen Bernsteinreflexen. Die war Nase zeigte sich aber despektierlich mit viel malzigen Essignoten. Trotzdem habe ich einen Schluck in den Gaumen genommen. Da war dieses Ding zwar interessant und zeigte auch eine ehemalige Grösse an. Die Flasche war aber doch definitiv nicht optimal und das befürchteten wir schon am Niveau mit tiefer Schulter. Man kann zwar eine Frau schöntrinken, aber diese Flasche konnte man nicht schönreden. Und 30 Jahre später; beim an sich sehr spannenden Cheval 1983 war da ein fieser Kork. Ich mag lieber, wenn ein Wein so richtig fest korkt. Da weiss man nämlich nicht, was man verpasst. Doch hier hatten wir es halt eben mit einem richtig «fiesen Kork» zu tun. Der war nämlich nur dezent, oben schwingend, zu spüren und so konnte man richtig gut nach empfinden, was dem geneigten Weinfreund da durch die önologischen Lappen ging. Und noch ein weiterer Ausfall war zu beklagen, diesmal beim Cheval 1966: Aufhellend, mit ziegelrotem Schimmer im Innern. Leider eine unsaubere Nase zeigend, korkig oder pilzig-verdorben. Grausliger Gaumen mit gärender Komposterde. Der Cheval 66er sollte eigentlich besser sein. Also: Kork!  

Doch es war reichlich Trost vorhanden. Denn den 12 Teilnehmern am Tisch blieben genau ein Dutzend tadellose Flaschen von diesem just futuristisch renovierten Premier-Grand Cru A aus Saint Emilion. Und als weiteres Trostpflaster waren da noch zwei geniale 1998er, in Form einer Normalflasche Château Figeac und einer schon fast legendären Magnum Château Ausone. Und es wäre noch ein weiterer 1998er auf dem Programm gestanden. Doch der Organisator André Kunz langte zwar in die betreffende Originalholzkiste, doch obwohl vorne auf dem Holzspiegel deutlich 1998 Château Canon La Gaffelière stand, waren da noch ein paar Flaschen vom 2000er drin. Und danach griff er halt und merkte es erst in an der Probe dem Entkorken. Alleine schon deshalb nehme ich immer meine Lesebrille mit, wenn ich in den Keller gehe. Ich bewertete ihn genau gleich, wie an der Fassprobe vor etwas mehr als 10 Jahren…

Zum süssen Finale gab es Crêpe Suzette und einen 1976 d'Yquem (siehe oben).

Wie die 12 guten Cheval Blanc's schmeckten? Sie wissen schon wo...  Hier 

***********************************************************

Ein neues
Jahr beginnt!

Bei Gabriels mit vielen Freunden und feinen Weinen.
2002 Honivogl Hirtzberger Doppelmagnum,
2005 Cabernet Sauvignon Widows Block Laibach Impériale...

***********************************************************

Geschichten, Weinerinnerungen und alles was im 2011 passiert ist:   Archiv

 
Top