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LATOUR IN LUZERN


Die Stadt Luzern hat den Wasserturm. Château Latour hat den Sankt-Lambert Turm. Während der luzernische achteckig ist und im Wasser steht, so weist jener Turm, welcher in Pauillac steht, runde Formen auf. 

Also sind weiter reichende Vergleiche sinnlos. Aber es heisst ja schliesslich auch, dass sich Gegensätze oft anziehen. Und das war in der nachfolgenden Geschichte genau so… 

Die Stadt Luzern bot Gastrecht für einen ganz besonderen Besucher: Château Latour!

Und wer als Tourist in der Stadt besonders gut essen möchte, der pilgert zu einem weiteren historischen Gebäude. 

Im Restaurant Old Swiss House werden während den Servicezeiten im Minutentakt Kalbsschnitzel flach geklopft und dann vor dem Gast paniert und mit wolkig dämpfenden Butterschwaden knusprig gebacken.
Das Ganze passiert im Restaurant im Erdgeschoss. Unsere Gesellschaft feierte das nun folgend beschriebene «Latour-Fest» im oberen Stock, genauer gesagt; im Rittersaal.  

Zutritt verschaffte man sich zu dieser exklusiven Weinprobe mit einer oder mehreren Flaschen Latour aus dem eigenen Weinkeller. 

Somit kostete diese Raritätenprobe nicht den möglicherweise auf den Gesamtwert geteilt durch Anzahl Personen errechneten Beitrag von fast zweitausend Franken, sondern lediglich 400 Franken pro Degustationsnase. 

Dies für den durch Global-Wine upgegradeten Apero in Form von Magnumflaschen Taittinger Comtes de Champagne 1995, für das von Günther Renz toll dazu komponierte Menu, für etwas Mineral und Kaffee und für eine mit Pech behafteten Jéroboam Latour. Die Story auf acht Seiten ist auf www.bxtotal.com aufgeschatet.

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SAINT JULIEN WURDE NACH EINEM RÖMISCHEN HEILIGEN BENANNT!
 
Weil es eben auf Französisch ausgesprochen wird, käme es wohl Wenigen in den Sinn, dass die bekannte Médoc-Appellation Saint Julien ihren heute weinigen Namen von einem römischen Martyrer bekam. Das Dorf selbst heisst Saint-Julien Beychevelle. 

Es ist nämlich wichtig, dieses Detail zu unterscheiden, denn in ganz Frankreich gibt es ganze 92 Gemeinden, welche vorne Saint-Julien heissen. Praktisch hat jedes französische Departement hat mindestens eine Gemeinde mit diesem Begriff vorne. 

Und alle scheinen den christlichen Schimmer über ihrem Dorf vom römischen Heiligen Julian von Antinoë annektiert zu haben. Er lebte um 304 in Antinoë. Heute existieren von diesem ehemaligen Dorf, bei El Roda (Ägypten) nur noch Ruinen. 

Julian betrieb mit seiner Ehefrau Basilissa eine Herberge für Notleidende. In den Christenverfolgungen kam als Martyrer ins Gefängnis und wurde hingerichtet. 

EIN KOMPAKTES FAST-QUADRAT

Mit einer fast eckigen Grösse von 3.5 auf 4 Kilometer bildet Saint Julien nahezu ein Quadrat auf aktuell 910 Hektaren. 

Das mag das Geheimnis sein, dass es sich dabei – obwohl kein Premier auf dem Gebiet heimisch ist – um die homogenste Appellation des ganzen Bordelais handelt. Ganze drei Viertel der gesamten Rebfläche wurden im Jahr 1855 als Grands Crus Classés klassifiziert. 

KLASSIFIZIERTE SAINT-JULIEN’S

Château Beychevelle
Château Branaire-Ducru
Château Ducru-Beaucaillou
Château Gruaud-Larose
Château Lagrange
Château Langoa-Barton
Château Léoville Las-Cases
Château Léoville-Poyferré
Château Léoville-Barton
Château Saint-Pierre
Château Talbot 

Einkauftipp: Unter den klassierten würde ich den Château Saint-Pierre (auch ein Heiliger) am Höchsten einsetzen. Das Weingut lieferte in letzter Zeit ein paar ganz grosse Qualitäten ab 2005 und 2010 müsste man suchen und kaufen! 

Andere Saint Juliens: Teynac, du Glana, Gloria, La Bridane, Moulin de la Rose und Terrey-Cros-Caillou.


EINE TRADITION MIT THEMA

Wir treffen uns immer vor Weihnachten bei uns. Das sind die Schmidlin-Gebrüder, welche mit dieser Einladung eine Revanche für bereits bezogene Gaumen- und Weinfreuden des vergangenen Jahres zurück erhalten. Zusammengefasst ist das eine önologische Gefälligkeitsbank. 

Die «Gefälligkeitsbank» ist die mächtigste Bank Welt. Es fliesst dabei kein Geld, sondern – wie es der Name schon sagt – Gefälligkeiten. Man hat Guthaben bei gewissen Menschen und Schulden bei anderen. Es wird nie richtig ausgeglichen und auch nie genau zurückgezahlt. Diese imaginäre Bank besitzt jeder für sich alleine. Wer dort weder Guthaben noch Schulden hat ist menschlich arm dran. 

Im Detail hat der berühmte Schriftsteller Paolo Cohelo dieses Bank-Gefüge in seinem Buch «der Zahir» beschreiben. Das war noch zu jener Zeit als Cohelo esoterisch noch nicht ganz so abgedriftet war und man als normaler Mensch noch von seinen schriftlich festgehaltenen Weisheiten profitieren konnte.

Wie der Léoville Barton 1937 aus der Magnum schmeckte, oder der 1961er Gruaud, oder der 1982 Talbot...      www.bxtotal.com

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Magnum-Lunch mit Freunden...
  
THERE IS NO BUSINESS UNLESS YOU HAVE FRIENDS


Diesen englischen Leitspruch habe ich vom Mövenpick-Gründer Ueli Prager dereinst gelernt. «Ohne Freunde – kein Geschäft». 


Mit den eingeladenen Mannen pflegte ich im Jahr 2013 durch unser Bauvorhaben besonders intensive Geschäfte. Und als Dank und um die Freundschaft zu pflegen, lud ich zum «Keller-Business-Lunch» mit Gabriel-Hackbraten, hausgemachtem Kartoffelsalat und Käseplatte.                Hier von bxtotal.com ein Gratis-Bericht

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Bordeaux-Flasche öffnen mit einem Schuh?

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FREITAG DER 13! EIN GUTER TAG FÜR CHÂTEAU MUSAR

Wenn Sie unter Paraskavedekatriaphobie oder unter Triskaidekaphobie leiden, dann lesen Sie jetzt bitte nicht mehr weiter! 

Dann gehören Sie nämlich zu jenen Menschen, welche vor dem Datum des Freitag, 13. eines laufenden Monates eine panische Angst haben oder generell alles was mit der Zahl 13 zusammenhängt panisch meiden. 

Aus diesem Grund folgt in vielen Flugzeugen nach der 12. gleich die 14. Reihe. Und genau deshalb verzichten viele Hotelbesitzer auf das dreizehnte Zimmer. 

Diese Phobie kann so weit führen, dass Betroffene Reisen und Termine absagen oder sich an einem Freitag, der auf den Dreizehnten des Monats fällt, gar nicht aus dem Bett trauen. Eine Auswertung von Krankmeldungen der Jahre 2006 bis 2008 ergab, dass an solchen Freitagen drei- bis fünfmal mehr Arbeitnehmer krankgeschrieben sind als im Durchschnitt. Gleichzeitig zeigte eine Auswertung der Zürich Versicherung, dass an Freitagen, welche auf den 13. eines Monats fallen, signifikant weniger Schadensfälle verzeichnet werden als an allen anderen Freitagen im Jahr.

Wohl deshalb, dass viele Leute an diesem Tag viel vorsichtiger unterwegs sind.

M
eist schlummert in mir eine gewisse Vorfreude. Doch es war nur das Datum vorhanden, aber kein Thema. Wir hatten also gar keine Wahl. Die Probe war längst angesagt auf diesen ominösen Tag. Die Teilnehmer sassen alle am Tisch und hatten keine Ahnung worum es ging. 

Uns war klar, dass Caroline und René Wagner diese Weinprobe als eine Art vinologische Hauseinweihung nutzten. 

Sicher war es auch logisch, dass dabei erwartungsgemäss sehr gut gegessen wurde. Und das da auch ganz sicher tolle Weine serviert würden. Doch welche es sein würden, das wussten nur die Gastgeber.

Also schnüffelten wir an der ersten Serie und verkosteten die insgesamt fünf Weine, in den Gabriel-Gold-Gläsern.

René Wagner hat so viele herrliche Weine im Keller, dass man keine Ahnung hat, was da die Thematik sein könnte. Und so degustierte ich halt die Weine, ohne Anhaltspunkt. Als ich dann die ersten fünf Kandidaten kommentieren durfte/musste, war ich mir ganz sicher, dass dies ein Flight ohne jegliche Franzosen war. 

Diesen Verdacht proklamierte ich dann auch tollkühn bei meiner Einleitung. Doch was könnte es sein? Manchmal waren die Farben hell, manchmal dunkel. 

Mal irgendwie noch fruchtig, dann wieder komplett rosinierend. Mal oberflächlich, Mal tief. Es konnte somit ganz sicher nicht immer das gleiche Weingut sein, eher mehr verschiedene Jahrgänge. 

Mit der ersten Vermutung, dass es keine Franzosen waren, lag ich richtig.

Mit der Erwägung, dass es verschiedene Weingüter sein müssten lag ich falsch.

Mit der dritten Idee, dass es verschiedene Jahrgänge sein könnten traf ich wieder ins Schwarze. Und wer die fetten Anfangs-Buchstaben oben genau nach unten las, weiss jetzt auch das Thema…    

Die Verkostungsnotizen zu dieser Vertikalprobe in Köln, Fotos und eine foodmässig waghalsige Geschichte während meines Libanon-Aufenthaltes sind auf einem 7-seitigen Bericht festgehalten.             

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NACHHALTIGE PALMER-VERTIKALE

Unter dem Titel «Raritäten-Diner, Château Palmer» lud die Bonner Weinhändlerin Elke Drescher (bekannt für reife, rare Bordeaux’) zum Wine & Dine mit fast allen, grossen, wichtigen Millésimes dieses Margaux-Stars aus dem Weiler Cantenac. 

Und die Gäste kamen aus verschiedenen Himmelsrichtungen und somit auch mit unterschiedlichen Transportmitteln. Wir flogen mit Air Berlin von Zürich nach Düsseldorf. Heisst; wir wollten von Zürich nach Düsseldorf fliegen. Dummerweise wurde gerade zu jenem Zeitpunkt, als wir in uns in der Luft befanden, in Flughafennähe eine alte Fliegerbombe entdeckt, welche aus Detonationsängsten entschärft werden musste. 

So entschied sich unser Pilot für einen Umweg zum Flughafen Bonn. Dort hätten wir relativ schnell wieder starten und an die vorgesehene Destination fliegen können. Doch weil gleich mehrere Flüge umgeleitet wurden, fehlte es dann an Bussen für die spontan aussteigenden Gäste. Auch die Tankwagen zum Flugpetrol auffüllen waren Mangelware. Zeitdifferenz zum Marschplan: Plus drei Stunden!  

BRITISCHER GENERAL ALS NAMENSGEBER

Ganz früher, genauer bis zum Jahr 1814, hiess das Weingut Château de Gascq. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich vom Spanienfeld-zug, bei welcher er an der Seite von Napoleon kämpfte, liess sich der englische General Charles Palmer im Médoc nieder. Er kaufte das oben erwähnte de Gascq und taufte es in Château Palmer um.

Seit dem Jahr 1938 sind es die Familien Sichel und Mähler welche das Weingut besitzen. Beide Besitzerzweige sind erfolgreiche Bordelaiser Négociants. Und so war es schon fast Tradition, dass die Weinbereitung selbst immer von Drittpersonen ausgeführt wurde.

Lange Zeit waren es die Gebrüder Yves und Claude Chardon. Im Zuge derer Pensionierung und intensiven Erneuerungen wurde die technische Leitung Philippe Delfaut (heute Kirwan) übertragen. Seit 2004 ist der gelernte Landwirtschaftingenieur Thomas Duroux für die neuen Palmer-Jahrgänge verantwortlich.

Unter den ganz grossen Crus weist Palmer mit etwa 47 % einen ungewohnt hohen Anteil von Merlot auf. Ihm werden die Wucht in der Nase und die Fülle im Gaumen zugesprochen. Und mit dem Alter, kann man ihn durchaus auf «Pflaumen-Lieferant» bezeichnen.

Etwa der gleiche Anteil entfällt auf den Cabernet Sauvignon. Er liefert in der Jugend die schwarzen Beeren und später dann die Trüffelnoten. 

Jeweils etwa acht Prozent der Assemblage entfallen auf den Petit Verdot. Er ist ver-antwortlich für das Rückgrat und die Würze. 

In den ertragreichsten Epochen wurden jeweils bis zu 14'000 Zwölferkisten abgefüllt. Die neuesten Jahrgänge liefern selten mehr als 100'000 Flaschen.   

An unserer grossen Palmerprobe in Bad-Neuenahr wurden die Jahrgänge 1928 bis 2005 serviert. Und Gabriel-Sohn Stefan Palmer war auch dabei.

Als extreme Rarität servierte die Gastgeberin Elke Drescher noch einen weissen Palmer vom Jahrgang 1920. Hier im Bild unten...

Alles auf sieben Seiten mit Fotos und Side-Storys. www.bxtotal.com    



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THEMENABEND BEI GABRIEL’S

Montag ist bei uns nicht Fokustag, sondern Jasstag! Also wir spielen Karten. Mit Freunden. Meistens gibt ein definiertes Wein-Thema. Irgendeine Region. Oder einen Jahrgang. Oder ein Weingut. Oder eine Traubensorte. Diesmal war es anders…

Irgendwie hatte ich Lust auf Lauchsuppe. Also legte ich mir ein paar solcher Stängel in den Einkaufskorb. Im Frigo hätte ich noch ein kleines Rinderfilet gehabt, aber ich entschied mich für eine hausgemachte Lasagne. Im Milchregal fiel mir die rot-silberne Packung mit dem Limburger auf. Das ist ein Käse der grad so für eine kleine Nachtischration reicht. Dazu kaufte ich mir in der Brotabteilung einen Silser-Ring aus Laugenbrot.

Weil wir unsere eingeladenen Freunde bis nach dem Neujahr nicht mehr sehen würden, stellte ich einen Laurent-Perrier Rosé in den Kühlschrank. Bei den Rotweinen wollte ich – aus reiner Neugier – ein paar reife und ein paar sehr alte Bouteillen entkorken.

Ich begann mit 1949 Château Lamothe de Bergeron. Heute heisst er Lamothe-Bergeron. Unglaublich gut erhalten. Die Nase war bis zum Schluss faszinierender als der Gaumen, obwohl sich dieser zum Schluss nochmals positiv aufbäumte. Im Gaumen Schuhcreme, kalte Schokolade und eingedickter Birnensaft. Insgesamt noch sehr gut trinkbar. Nase: 18/20, der Rest 16/20 vorbei 

Genial und über eine Stunde lang wunderschön; 1982 Château Lascombes. Eine verrückte, füllige  Nase; Kardamom, Kreuzkümmel, Feigen und Himbeerkerne. Im Gaumen von artisanalem Touch aber mit sublimer, cremiger Fülle. Da lohnt es sich danach zu suchen. 18/20 trinken 

Als Intermezzo kam dann der 1986 Château Lafite-Rothschild aus der halben Flasche auf den Tisch. Da merkte jeder der anwesenden Weinfreaks sofort, dass hier eine grosse Cabernet-Stunde eingeläutet wurde. Die Farbe fast schwarz. Die Nase mit unglaublich viel schwarzen Beeren, minzigen Konturen vielen Kräutern und Black Currant. Die Tannine sind nicht so fett wie beim Mouton 1986, aber auch irgendwie viel eleganter wie ich dies beim 1986 Latour in Erinnerung hatte. Und mit jedem Kontakt spürte man im Untergrund die klassische Lafite-Süsse. Ein unglaubliches halbes Flächchen! Glück dem, wer noch grössere Behältnisse von diesem bald schon denkwürdigen Lafite im Keller hat. 20/20 

Schwierig zu interpretieren war der Château Loudenne 1929. Ich hatte ihn schon früher einmal im Glas und da war er schon schwarzbraun. In der Mitte völlig undurchdringlich mit extrem viel Satz, also Depot. Die Nase ist Malaga pur, etwas Balsamico und dunkles Biermalz, eine schwere, ätherische Süsse und im Gaumen ist das Ding ziemlich dick und strahlt viel von der dokumentarischen 1929er Konzentration und Wärme aus. Sicherlich war er schon längest über dem Zenit aber er reflektierte die legendenhafte Grösse des Jahrganges immer noch deutlich. 17/20 vorbei 

Zum oben erwähnten Käse musste nochmals ein Schöppli her. Ich entschied mich für den 1993 Château Lafleur aus Pomerol Es war die bisher beste halbe Flasche dieses immer speziellen Pomerols. Sehr laktisch, aber gebündelt, dicht mit Pralinen und Himbeerquark. Unglaublich jung. Immerhin sprechen wir von einem bereits 20jährigen Wein – aus der halben Flasche… 

Ach ja – ich vergass noch zu erwähnen, dass ich den Gästen noch de kleinen Rest vom 1998 Léoville Las-Cases zum Verkosten reichte. Auch der passte zum Gabriel’schen Themenabend.

Schade, dass wir für die Süssspeise passen mussten, denn ich hätte da noch etwas Nürnberger Lebkuchen in peto gehabt. Oder kleine Linzertörtchen. Und im Kühlschrank hätte auch noch eine halbe Flasche vom Château Lafaurie-Peyraguey seinem Auftritt entgegen gefiebert.

Dann halt das nächste Mal…

Und bitte, wo ist jetzt da der Themenabend. Haben Sie es heraus gefunden? Wenn nicht, dann habe ich Ihnen hier die Antwort.

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SKANDALÖS: CAFÉ CRÈME 5 RAPPEN TEURER!

Es kam in den Nachrichten. Ganz vorne. Zwischen dem Tod von Nelson Mandela und  weiteren Weltnachrichten. Der Café Crème hat im letzten Jahr in den Gaststätten um durchschnittlich 5 Rappen aufgeschlagen.

Skandalös ist das! Finden Sie nicht auch? Skandalös ist es aber nicht für mich, wegen den 5 Rappen, sondern dass darum ein derartiges Politikum gemacht wird. 

Zudem schrieb meine Hauszeitung noch, dass ja der Kaffee selbst in den letzten Jahren nicht teurer geworden sei…

Wissen Sie überhaupt wie viel Kaffee es für einen Kaffee braucht?

Nein? Etwa 10 Gramm. Kostet das Kilo CHF 16, so reden wir von einem Warenaufwand 16 Rappen. Sie können ja viel Geld sparen, wenn Sie den Kaffee zu Hause trinken. Beispielsweise einen Nespresso. Dafür bezahlen Sie pro Kapsel dem nestligen Riesen 50 Rappen! Will heissen; Nestlé hat einen Gewinnfaktor von mehr als 300 % pro Kaffeekapsel!

Davon können Wirte nur träumen! Lokalmiete, Löhne und viele weitere Faktoren machen ihnen den Kaffee oft teurer als ihm manchmal lieb ist. Sie können dort auf die Toilette gehen und gratis Tageszeitungen lesen und werden in der Regel auch noch freundlich bedient. In drei Viertel aller Fällen, liegt da auch noch ein kleines Schokolädli oder ein Guetsli auf dem Tellerrand. 

Wer pro Arbeitstag einen Kaffee in einem warmen Restaurant (Winter) oder auf einer Gartenterrasse (Sommer) trinkt, musste dafür insgesamt übers Jahr lediglich 10 Franken mehr bezahlen als letztes Jahr.   

Am günstigsten sei der Kaffee übrigens in Bern. Auf nach Bern!   

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Lafite-Rothschild

1846
1865
1870

Ein unvergessliches Tasting.

WWW.BXTOTAL.COM        NEU: JETZT AUCH MIT KREDITKARTE ZAHLBAR

Die Kinderkrankheiten sind ausgemerzt. Das Ding läuft jetzt wie geschmiert.
Und immer mehr User suchen nach Degustationsnotizen und lesen die spannenden Tastingberichte. 

Dieses Jahr habe ich bereits 53 Storys mit Geschichten, Bildern und Verkostungsnotizen aufgeschaltet. Insgesamt sind es über 200 Seiten zum «Weinlesen». Also schon so viel wie ein Buch!

Und mehr als 1000 Weine neu verkostet.

Sie können jetzt - nach dem Registrieren - direkt mit Kreditkarte bezahlen. 

Als kleiner Dank für Ihre Treue schenke ich Ihnen hier meine Eindrücke einer ganz besonderen Lafite-Probe. Nicht neidisch sein - einfach Geniessen.  Gratis-Bericht

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DIE MONOLITHEN DER OBRECHTS

Monolith? Das war doch dieser massige, rostige Würfel an der EXPO 2001 welcher für das am Murtensee gelegene Städtchen Murten ein Wahrzeichen wurde. Ein kolossales Kunstwerk vom Architekten Jean Nouvel. Seit dem weiss die Schweizer Bevölkerung was ein Monolith ist!   

In diesem Artikel ist von einem anderen Monolithen die Rede. Dieser stammt aus dem Bündner Winzerdorf Jenins. Und die dessen  «Architekten» heissen Francisca und Christian Obrecht. 

War das Winzerehepaar vom Murtener Monolith inspiriert, als der Name entstand? 

Nein – meint Christian Obrecht. Schliesslich sei sein allererster Monolith, der Jahrgang 2001, schon ein Jahr vor der Expo entstanden. Zwei Fässchen hatten es ihm besonders angetan und er wollte diese nicht mit dem Rest der Produktion vermischen. Zum privaten  Gebrauch füllte er dann 500 Flaschen ab.

Natürlich öffnete er dann diesen Erstlings-Monolith nicht nur für die Familie, sondern auch für seine Freunde, Winzerkollegen und sehr gute Kunden. So kam es, wie es halt kommen musste: Viele wollten auch ein paar Flaschen Monolith haben und schnell war der Stock redimensioniert. 

Was so gut ankommt, soll wiederholt werden und seit diesem zaghaften Beginn sind jetzt bisher 13 Jahrgänge entstanden. 

Erstmals öffneten die Obrecht’s alle Monolithen und luden zur Vertikalprobe. Bericht

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ICH HABE SO 25'000 FRANKEN AUF LAGER UND MÖCHTE DIESE MÖGLICHST GEWINNBRINGEND IN BORDEAUX INVESTIEREN…

HERR GABRIEL, WAS SOLL ICH DA KAUFEN?

Die Frage kommt oft zu mir. In regelmässigen Abständen. Mal von betuchten Investoren,. meistens aber von Journalisten welche das Thema aufgreifen. Zwei Mal kam die Investitionsidee von Banken, welche mir ein Mandat zuschoben… 

Letzteres nahm ich dann an. Nicht um in diese Richtung zu beraten, sondern um mich – nebst der Honorareinforderung – noch mehr in diese Richtung zu informieren. 

Die einzige Möglichkeit mit grossen Bordeaux’ in mittlerer Frist eventuell, aber nur wenn alles wirklich gut läuft, etwas Geld, oder gutes Geld zu verdienen wäre…

Wenn Sie mit einem Négociant in Bordeaux befreundet sind. Ihm in Auftrag geben, dass er gewisse Allokationen aus erster Hand abzweigt und dann bei sich lagert. So könnte er es später für den Investor gewinnbringend weiter verkaufen. Oder man findet selbst einen «Performance-Akquisator».

Sonst kauft man nämlich schon mal viel teuer ein! Denn – nach dem Bordelaiser-Négociant kommt eine Händlermarge von mindestens 20 % für den offiziellen Weinhändler dazu. Die Transportkosten. Importzölle. Und auch die Mehrwertsteuer, welche in den meisten Fällen nicht wieder einforderbar ist. 

Der Einstieg eines privaten Investors beginnt hier. 

Wenn wir den Verkaufspreis (prix de sortie) vom Châteaux mit 100 % indexieren, der Négociant 20 % hat, der Händler auch mindestens 20 % Marge und die weitern, bereits erwähnten Kosten dazu gezählt werden, so sind wir jetzt bei einem ungefähren Preis-Index von 165 %. 

Der Mutige bezahlt jetzt diesen Preis, schlappt die erworbenen Kisten irgendwo hin und harrt der Dinge die da hoffentlich in positiver Sicht kommen sollten.

Es sei noch erwähnt, dass die gesuchtesten Weine sehr schwer in einer adäquaten Menge zu finden sind und man da schon einen künftigen Steigerungsbonus mit bezahlt. 

Dann braucht es (viel) Zeit, ein positives wirtschaftliches Umfeld und gute Parkerpunkte.

Nach ein paar Jahren könnte es sein, dass der Wein an Wert zugelegt hat und man einen Verkauf in Erwägung ziehen könnte. 

Doch wem verkaufen? Ein Inserat machen? Ricardo? E-Bay? Einem Broker? Auf einer Auktion? Egal wie, man kommt beim Verkauf nicht darum herum die Kisten aus dem Keller zu schleppen und dann das Geld irgendwie wieder den liquiden Mittel zuzuführen. Meist hat man dummerweise vergessen, die Investition in den Steuererklärungen zu deklarieren und bekommt noch Nachfragen vom Fiskus. 

Zusammengefasst: Man nimmt viel Geld in die Hand um in der Regel nichts oder nur wenig an Spitzenweinen zu verdienen. Meist dauert es viel zu lange bis sich der bestmögliche Gewinn einstellt. Das Geld ist im Geller verlocht und bringt keine Zinsen. 

Einen Vorteil hat man aber bei solchen «flüssigen» Investitionen auf jeden Fall…

Man ist immer «liquid»!

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Endlich: die
Gabriel-Karaffe
ist da!

Sie heisst Alpha! Auf dem Bild hat Partner Siegfried Seidl soeben dem René Gabriel die allererste Gabriel-Karaffe übergeben. Mundgeblasen. Formschön. Praktisch. Passt auch für eine Magnum. Und man kann dem Gast vom Tisch her einschenken - ohne Aufstehen zu müssen. Kommt ab Januar 2014 in den Handel... 

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Ein paar Gratis-Eindrücke von der MMMMMMMMMMMMMM-Mega-Metzgete in Zug.

Da es so gut ankam überlege ich mir ernsthaft, nächstes Jahr - wieder im Rütli - eine Merlot-Metzgete zu machen...

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VORBILD BERLUSCONI?

Warum ich darauf kam, mir darüber Gedanken zu machen, weiss ich jetzt nicht mehr. Denn in dem Moment, als ich mich entschloss, darüber zu schreiben, ging es bei mir am Tisch ziemlich helvetisch zu und her.

Es war der Tag des obligaten Sauerkrautes mit Speck, Zungenwurst und Wienerli. Im Gabriel-Gold-Glas ein ehrlich-süffiger, sauber vinifizierter 2010er Pinot Noir vom Weingut Pircher (Eglisau). Im Hintergrund Radio Eviva mit den von mir zur Entspannung so geliebten Hudigäggeler.

Berlusconi? Jetzt weiss ich warum. Ich liess im Kopf meine soeben vergangene Woche Revue passieren. 

Am Montag waren wir mit den «ERWAKIDS» (erwachsenen Kids) beim Notar, um die Zukunft der Vergangenheit zu regeln. Dies, mit einem nachfolgenden Spaghettiessen bei meinem Freund und Edel-Sommelier Patrick Bopp. Der 2003 Phélan-Ségur aus der Magnum war megasuper!

Am Dienstag flog ich mit Peter Krummenacher nach Wien, um bei meinem langjährigen Weinfreund Anton Brandstätter im Café Fiaker mehrere, zum Teil geniale 1953er zu verkosten (der Bericht dazu ist auf (www.bxtotal.com). 

Am Mittwoch war der Rückflug. Genau richtig, um an der Metzgete im Rütli in Zug mit 30 Personen unglaublich viele MMM’s zu feiern (Meursault, Montrose, Mouton, Margaux, Mondavi). Die Überraschung kam nicht aus Bordeaux; es war der Montus 1995. 

Am Donnerstagmittag war ich Koch in Willisau. Marcel Merz ist Truthahnzüchter und seine Kunden wollen irgendwie die Leber nicht essen. So kochte ich als Demo-Lunch für fast ein Dutzend Personen mehrere Läberli-Varianten. Unter Anderem servierte Marcel da den rauchigen 1934 Les Carmes Haut-Brion. 

Den hatte ich noch im Mundwinkel als ich am Abend in Rothrist im Stilhaus eine Bordeaux-Degustation kommentierte und als ersten Wein den 2006 Les Carmes Haut-Brion (weich und anmutig, kaufwert) verkostete. 

Am Freitag kamen ein paar Handwerker flickenderweise zu uns und ich bürolierte, machte Zahlungen und schrieb mehrere Artikel und einverleibte Degustationsnotizen im System. Den Abend zelebrierte ich mit Kühlschrankresten und dem 1990 Trévallon (19/20), welchen ich drei Stunden lang verfolgte...

Und jetzt ist Samstag ich denke an Silvio Berlusconi!

Was für ein Abgang! Genial! Nicht inszeniert – sondern gemusst! Es half nichts mehr. Sämtliche Bescheiss-Ressourcen waren ausgeschöpft. Und auch die letzten, ewig-treuen Italo-Falsch-Patrioten konnten ihm nicht mehr helfen…

Dabei hatte alles so gut, vor zu vielen Jahren, angefangen. Und es ging auch sehr lange gut. Dann wieder nicht mehr so gut. Dann wieder saugut. Dann wieder mässig gut. Und danach wieder übergut. Und kurz darauf gar nicht mehr gut. Dann knapp gut. Dann fast gut. Und noch das letzte Mal ziemlich gut. Und jetzt halt (endlich…) ganz und gar nicht mehr gut.  

Silvio – das Stehaufmännchen! Damit meine ich nicht den kleinen Silvio in seiner Unterhose. Jener Zipfel – der fast so oft ins Gespräch kam wie der mittelkleine Silvio selber, sondern den politisch (ehemals) zu grossen Silvio. 

Erfolgreich in Italien zu sein ist offensichtlich ganz einfach. Mann muss über ein überbordendes, grosses Startkapital verfügen. Mann muss die Medien mehrheitlich beherrschen, damit man im Volk nach Belieben Stimmung machen kann. Das ist die Grundlage sich lange im Sattel zu halten. In dem ganzen, bisher beschriebenen Gefüge braucht es sicherlich auch noch einen gewissen Mafiabonus. Den hatte der glatzköpfige, mit den implantierten Ersatzhaaren korrigierte und stets auf mindestens drei Lagen gepuderte Silvio ganz sicherlich. 

Aber was machte denn Berlusconi letztendlich zum so langjährigen Vorbild von so vielen vorwiegend männlichen Wählern?

- Mann beglücke sich an möglichst vielen (zu) jungen Frauen.
- Mann bereichere sich wo man nur immer kann.
- Mann bescheisse den eigenen Staat mit Steuerhinterziehung.
- Mann mache sich die gesetzliche Hausordnung via Parlament. 

Welcher italienische, männliche Patriot möchte das nicht? Also wählten sie ihn immer wieder, um Einen an der Spitze zu haben, der es auf die Spitze trieb. 

Was lange gärt – wird endlich Wut! Irgendwann fiel dann das potemkinsche Lügendorf zusammen und er musste endlich Leine ziehen. 

Ein gescheiter Clown muss wissen, wann er gehen muss! Aber Silvio Berlusconi ist kein gescheiter Clown. Auch kein lustiger, weil das ganze Berlusconi-Drama ganz und gar nicht zum Lachen ist.  

Ob er Weine liebt, ist mir egal. Der beschämende Silvio Berlusconi wäre der Allerletzte mit dem ich einen «Chianti-Fiasko» saufen möchte.

Ich trinke nämlich lieber – als zu Kotzen!

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Das ist die Nachfolgerin von  Karin Gabriel.

Es gab dafür gute, berechtigte Gründe...

Infos aus erster Hand.

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DER TRÜFFEL-GERHARD

Eine wirksame Schmerztherapie sei nie eindimensional, proklamiert der hier beschriebene Gerhard Müller-Schwefe in seinem Berufsleben. Der in Göppingen praktizierende Arzt ist eine gesuchte Kapazität in Sachen Schmerz- und Paliativmedizin. 

Im privaten Leben gilt er – unter seinen Weinfreunden – ebenfalls als Spezialist. Wenn man ihn aus den Augenwinkeln beobachtet, kann man ihn sehr schnell den Spezies der besonders einfühlsamen Genussmenschen zuordnen. 

Alles im obern, aber doch noch knapp normalen Bereich. Zumindest von der noch nirgends nieder geschriebenen Hausordnung unser Sippschafft betrachtet. 

Einmal im Jahr, immer in der Novemberzeit, da mutiert seine Genussehnsucht dann doch über die obere Grenze und es ergreift ihn das Tuber-Magnutum-Pico-Fieber. Das ist – im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten – ein sehr angenehmer Krankheitsbefall. 

Nur in einem Punkt gleicht dieses vorgängig beschriebene Fieber anderen Krankheiten. Die Therapie, respektive das zur völligen Genesung benötigte «Medikament», ist ebenfalls ziemlich teuer.   

Beim Tuber Magnutum Pico handelt es sich nämlich um den weissen Trüffel!
Nur das Fleisch innen ist eigentlich weiss. Mitunter auch leicht gräulich bis gelblich. Aussen sieht das Ding in ungeputztem Zustand ziemlich erdig aus. Fast schon abstossend. So, wie eine schrullige Kartoffel. 

Doch es ist nicht das generelle Aussehen, welches die Trüffelfans zum Wahnsinn treibt. Es ist der ätherische Duft, der von dieser geheimnisvollen Knolle ausgeht. 

Während es einfach ist, Weine zu beschreiben, ist die geruchliche Definition eines Trüffels gar nicht so einfach. Ich würde da Mal drei Dinge in einer chronologischen Reihenfolge anführen: Aceton, gekochter Kohlrabi und getrocknete Sellerieschalen. 

Im Netz stellte jemand die Frage wonach denn weisse Trüffel schmecken würden?
Es kamen nur ganz spärliche Antworten. Mit Beschrieben wie; nussartig, erdig, torfig, würzig, süss-salzig, Walnuss.

Einer schreib; «logischerweise nach Pilz» und ein Anderer meinte resignierend; «das ist ein Pilz mit besonderem Geschmack», der Trüffel sei aber geschmacklich ebenso schwer zu beschreiben, wie beispielsweise der Geschmack einer Banane…

Und wenn die eingangs beschriebene These stimmt, dass eine Schmerztherapie nie eindimensional sein darf, dann darf auch ein Genussabend dieses Kalibers ebenfalls auf gar keinen Fall eindimensional sein.

An einem erstbeschneiten Novemberabend kam es im Restaurant Farnsburg in Ormalingen zu einem einzigartigen Gruppentherapie-Abend. 16 trüffelkranke Patienten waren angereist um sich vom «Trüffel-Gerhard» heilen zu lassen. 

Im Prinzip war es logischerweise ein klassisches Wine&Dine. Bei dem die Reihenfolge «Wine», also der Wein vorne und «Dine», also das Dinieren hinten stand. 

Doch das wäre eben – und das wollten wir auf jeden Fall verhindern – möglicherweise  eindimensional gewesen. 

Wenn jedoch weisser Trüffel in Spiel kommt, dann ist diese Gefahr gänzlich verschwunden. Denn da hat man die göttliche Chance statt eines herkömmlichen Wine & Dine einen multi-dimensionalen Genussabend zu erleben. 

Da der weisse Trüffel sehr teuer ist, wird er logischerweise meist in Spurenelementen verabreicht. Geht es darum die teure Knolle wirklich demonstrativ dem Gast zu verabreichen, mutieren viele Kellner zu veritablen Showmännern.

Ein kleiner Wagen wird vorgefahren. In der Mitte befindet sich eine silberne Glocke. Dann wird diese theatralisch empor gehoben und es duftet im ganzen Restaurant nach Trüffel. Dann zieht der Trüffel-Verabreicher meist noch einen weissen Handschuh an. Und dann nimmt er in Zeitlupe diese sagenhaft teure Knolle und greift mit der anderen Hand zum Trüffelhobel. 

Schliesslich bewegt er sich gemächlichen Schrittes zum Gast, positioniert den Hobel über der Speise und schabt ein paar winzige dünne, Lamellen und verteilt diese möglichst flächendeckend über dem Gericht. 

Ist er ausser Sichtweite geht er zur Kasse und tippt dort einen geheimnisvollen Code ein. Bei der Begleichung der Zeche sieht man dann eine Linie mit dem Hinweis:

1 Portion Alba-Trüffel                      CHF 48!

Das war bei uns nicht der Fall. Jedenfalls von der Menge her nicht. Jeder Teilnehmer bekam ein eigenes, luftdicht verschlossenes  Einmachglas. Darin lagen zwei bis drei Trüffel-Knollen mit einer Gesamt-Tonnage von mindestens 50 Gramm.

Natürlich gab es zu den vielen, feinen Gängen auch die passenden «Trüffel-Weine». 

1971 Coutet, Cuvée Madame, 1952 Mission, 1955 Mission, 1959, 1979, 1982, 1988 Haut-Brion. 1985 Léoville Las-Cases, 1985 Palmer, 1988, 1989, 1994 L'Eglise-Clinet, 1989 Doisy-Védrines. Viele davon in Magnumflaschen.

Beim 1985 Las Cases dekantierten wir die obere Hälfte der Flasche zwei Stunden in eine Karaffe und verglichen dies dann mit dem undekantieren, unteren Teil der Magnum. Ein spannendes Ergebnis.

Der Bericht mit allen Weinbeschrieben und Fotos: www.bxtotal.com

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GABRIEL'S TRÜFFEL-BASIS-SAUCE

Obwohl der Alba, respektive der weisse Trüffel als intensivster unter allen Tubers gilt, ist es wichtig, dass man ihm geschmacklich etwas auf die Sprünge hilft um ihn zu intensivieren. Dabei sollte man irgendwelche Trüffelöle, Trüffelpasten oder Trüffelbutter eher vermeiden um nicht die Reinheit des Trüffels zu deformieren. 
 
Also nehme ich etwas Hühnerbouillon, koche darin ein paar Kohlrabiwürfel. Püriere das mit dem Stabmixer und fülle es mit Halbrahm auf. Fertig! So schmecken die sonst meist zu trocken angerichteten Nudeln viel besser. Und der Trüffel auch…

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REIFWEINFREAKS – EINE AUSSTERBENDE RASSE?

Ich muss da gar nicht lange suchen. Bereits in meinem engeren Weinfreundeskreis beginnt es zu brodeln.

«Ihr mit Euren alten modrigen Säften», heisst es manchmal despektierlich. Sie würden jetzt gerade mit Vorlieben die Bordeaux 2005 und 2006 trinken.

Irgendwie hätte der vor ein paar Jahren noch sehr gute 2000er in ihren Augen bereits an Aromen verloren…

Das stimmt zwar, ist aber falsch. Er hat nur an Frucht verloren. Die Aromen sind in dieser Konstellation im Wein drin eingefangen. Als Selbstschutz so zu sagen.

Denn nach der ersten Fruchtphase verschliessen sich grosse Weine, weil die Tannine in deren Entwicklung die Aromatik komprimieren und erst wieder langsam frei geben, wenn der Wein in seine erste Reife gelangt.

Ein junger Wein in der Fruchtphase, sagen wir einmal ein Grand-Puy-Lacoste, duftet nach fruchtigem Cabernet Sauvignon. Also nach dunklen Beeren und nach Toasting und etwas Eiche.

Erst in seiner späteren, richtigen Lebensphase wird er nach vielen Jahren erst zum Médoc, dann zum Pauillac, dann zum Grand-Puy-Lacoste.

Wer nicht warten kann, trinkt halt lediglich die Vorstufe dessen, was er einmal werden könnte. Nicht wenige meiner ketzerischen Weinfreunde sind, aufgrund Erfahrungen mit ein paar schönen Altweinerlebnissen mutiert. Von Saulus zu Paulus… 

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Pétrus 1945

Getrunken an der Altweinprobe von Robert Langer im Restaurant 20/20 in Zürich.



1945 Pétrus, Pomerol: Unbekannte Händlerabfüllung. Fast schwarz mit undurchdringlicher Mitte. Im Untergrund ist zuerst nasser Keller, doch darüber spielt sich ein gewaltiger, gereifter Merlot-Süss-Reigen ab. Dunkles Malz, Caramel, viel Minze, kandierte Frucht, unglaublicher Nasenpower, homogene Fülle, dunkle Edelhölzer Pralinen und wieder frische Kräuter in jeglicher Form. Einzigartig und unvergleichlich. Im Gaumen mundfüllend, mürbe, stützende Tannine, eine schon fast dramatische Konzentration zeigend, das Extrakt ist feinsandig und man bringt es fast nicht über die Zunge, alles ist im schwarzen Bereich und jetzt mit einer unglaublichen Ration würzigem Brazil-Tabak und Nussschalen begleitet. Ich dachte es und Jürg Richter sagte es in der gleichen Sekunde: «Erinnert mich an den 1926er Haut-Brion». Blieb minutenlang zurück. Ein maskuliner Pétrus mit einem Potential für weitere Jahrzehnte. Also eine sehr glückhafte Händlerfüllung. Ich gebe ihm die Maximalwertung und ignoriere dabei wohlwollend den im Untergrund dahin schleichenden, artisanalen Vinifikations-Touch. 20/20 austrinken

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JETZT HANDELN - FORDERN SIE 1:12!!!

Beim Bundesrat geht die Rechnung auf. Ueli Maurer der aktuelle Bundespräsident verdient heuer einen Jahreslohn von CHF 443'000 Franken. Hinzu kommt eine Spesenpauschale von CHF 30'000 und für das Präsidialjahr eine zusätzliche Entschädigung von CHF 12'000. Macht total CHF 485'000 Bruttolohn. Geteilt durch 12 ist das CHF 40'417. 

Damit will ich nicht vorrechnen, wie viel der SVP-Ueli im Monat verdient, sondern beweisen, dass der best bezahlte Bundesrat sich nicht vor der aktuellen Abstimmung zur Initiative 1:12 fürchten müsste. Denn wer in der Schweiz mit dem Mindestlohn von CHF 3'850 pro Monat abgespiesen wird, verdient immerhin noch knapp mehr als einen Zwölftel vom Bundespräsidenten… 

Wenn man sich aber an jenen Formeln stösst welche bei den Einnahmen das Zwölffache übertreffen, der muss konsequenterweise auch den Hebel bei den Ausgaben ansetzen und entsprechende Forderungen stellen! 

Also darf ein Hotelzimmer in einem Luxushotel nirgends zwölf Mal mehr kosten als ein Bett in der Jugendherberge.

Eine noble Havanna-Cigarre darf auf keinen Fall so viel kosten wie fünfzig Villiger-Stumpen.

Für CHF 8'900 könnte ich eine nigelnagelneuen Dacia kaufen. Pech für den Maibach, wenn die 1:12-Initiative für Konsumenten angenommen würde...

Einen billigen Kugelschreiber finden Sie schnell für einen Franken. Wenn Sie aber einen noblen Mont Blanc als Schreibgerät möchten, dann müssten Sie für das Modell Mozart CHF 410 blechen. Das heisst nur noch im Moment noch, bis die noch zu lancierende Konsumenteninitiative 1:12 vom Volk angenommen würde. 

Bei Recherchieren habe ich auf Homegate eine Wohnung in Braunwald für CHF 165'000 gefunden. Pech für den Besitzer des grossen Appartementes in Zürich, welches er grad zum gleichen Zeitpunkt verkaufen möchte. Er muss seinen Kaufpreis – 1:12 – sei dann Dank von CHF 6'300'000 dramatisch nach unten anpassen. 

In den Restaurants würde dann der Wurstsalat in der Beiz teurer, oder halt die getrüffelte Taube beim Spitzenkoch wesentlich billiger. Sonst geht auch diese Formel nicht mehr richtig auf. 

Freude herrscht dann auch für uns Weingeniesser! Als günstigster Massstab wäre dann die Bag-In-Box bei Aldi die Grundlage. Die drei Liter im Karton kosten momentan CHF 8.49. Macht auf die 75cl.-Flasche umgerechnet noch CHF 2.12253. Kalkuliert man dies an die dann gesetzlich festgelegte, zwölffache Obergrenze ergibt sich ein Betrag vorbei CHF 25.47. Also kosten bei Annahme der 1:12-Konsumenten-Initiative neu alle jetzt noch völlig überteuerten Spitzenweine nur noch maximal so viel.  

Also 1:12 ja oder nein? Sie haben es in der Hand…

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CHÂTEAU TROTANOY -  EINE MÜHSAME SACHE

Einen Trotanoy zu trinken, das ist unbeschwerlich. Einen Trotanoy herzustellen scheint aber ein eher mühsames Unterfangen zu sein. Das mag der Grund sein, dass das Weingut früher entweder «trop anoi» oder «trop ennuie» genannt wurde. Sinngemäss meinte man damit «viele Leiden». Damit bezog man sich auf den schwierig zu bearbeitenden Boden, weil Mann oder Pferd bei Nässe schnell und tief im stark lehmigen Boden einsanken.

Unter dem alten Namen bewirtschafteten es zuerst die Familie Savinien und Guiraud welche diesen Pomerol dann an die Familie Pecresse verkauften. Die ursprüngliche Grösse von einst 25 Hektar schrumpfte nach und nach zusammen. Als Jean Pierre Moueix das Weingut im Jahr 1953 kaufte taufte er es in den heutigen Namen Trotanoy um. Auf der heutigen Grösse von 7.2 Hektar sind 90 % Merlot und 10 % Cabernet Franc angepflanzt. Die jährliche Produktion beträgt um die 25'000 Flaschen. Einen Zweitwein gibt es keinen. Etwaige Deklassements landen jeweils im grossen Moueix-Topf für recht anständige Pomerol Markenweine. 

Die Produktion des Weines erfolgt klassisch. Handlese. Vergären bei relativ hohen Temperaturen. Ausbau in etwa einem Drittel neuen Holz, der Rest in gebrauchten Barriques. Der Trotanoy ist ein Langsamstarter und zeigt sich in der Jugend oft recht verhalten. Als Faustregel sollte man ihn bei kleineren Jahren etwa acht Jahre und bei grösseren etwa ein Dutzend Jahre lang nicht anrühren.  

Der Besitzer Christian Moueix berichtete einmal, dass er eine Flasche nicht ganz ausgetrunken hätte und den Rest am anderen Tag genehmigte. Er schien ihm da noch besser. Er empfiehlt auf alle Fälle den Trotanoy immer recht lange zu Dekantieren. 

Das haben wir auch gemacht! Bereits am Mittag vor dem grossen Trotanoy-Abend öffnete ich alle Flaschen, dekantierte diese sorgfältig, entfernte das Depot aus der Flasche, wusch diese dann aus und goss den zuvor dekantierten Wein wieder vorsichtig zurück in die Originalflasche. Diesen Vorgang nennt man in der Fachsprache «doppeltes Dekantieren». Und das verhindert dann auch auf jeden Fall irgendwelche Verwechslungen im Degustationstrubel…

In der Folge wurden am grossen Trotanoy-Tasting 17 Jahrgänge im Sempacherhof serviert. Suchen und kaufen würde ich unbedingt den 2000er...

2000 Château Trotanoy: Extrem dunkel, fast nur schwarz. Black Currant, reife dunkle Pflaumen, Valrhona-Schokonoten, Lakritze, Cassis, Brombeerengelée, Rauchnuancen, extrem tiefgründig, gibt sich reif im Ansatz. Im Gaumen Pomerol-Dreamland, sehr reife Frucht, alles im schwarzbeerigen Bereich, Vanilleschote, Brazil-Tabak, Périgourd-Trüffel. Ein grosser 2000er der vielleicht etwas weniger Klassik als der noch um eine Nuance grössere 1998er ausstrahlt. Er punktete aber mit seiner verschwenderischen Aromatik. Nahe bei 20/20! 19/20 trinken – 2035

TTTTTTTTTT ALS ABENDMOTTO

Klar stand die Vertikale vom Château Trotanoy im Mittelpunkt. Schliesslich waren ja ausgewiesene Weinfreaks welche in den Sempacherhof nach Sempach-Saltion (LU) angereist waren. 

Als Gag baute ich noch weitere mit «T» beginnende Elemente als Rahmenbedingungen in den weinigen Abend ein.

So begann der Abend mit Champagne Taittinger und hörte mit dem Château La Tour-Blanche auf. 

Zu diesem Bordelaiser Sauternes gab es eine Süssspeise welche gleich zwei Mal mit einem «T» begann, nämlich einen Tarte-Tatin.

Die Sempacherhof-Crew kochte dazu Truthahn-Variationen in vielen Facetten.
Zum Apero gab es Truthahnmostbröckli.
Als erste Vorspeise wurde eine Galantine in einer Art Taccino Tonnato serviert. 

Das Blankett (gekocht, an weisser Sauce)  konnte man kaum von dem gleichnamigen Kalbsragout-Gericht unterscheiden.

Zum Hauptgang folgte dann die getrüffelte Trutenbrust mit Kartoffel-Selleriepurée.

Wo sie die restlichen Verkostungsnotizen nachlesen können/könnten, wissen Sie ja bereits.

Hier gäbe/gibt es Truthahn und rindige feine Sachen: www.willisauerfleisch.ch


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Bin ich jetzt im Fernsehen?

SRF bi de Lüüt.
Sendung Landfrauenküche.

Da wird mit dem Gabriel-Glas angestossen.

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Eine Gala für den Jahrgang 1953 und für Paolo Cattaneo
(auch 1953) im Principe Leopoldo
in Lugano.

Unten Eindrücke von der Magnum Mission 1953 -
im Netz den Rest


1953 La Mission Haut-Brion: Magnum. Noch sehr dunkel, fast schwarze Reflektionen in der Mitte. Kompaktes, geballtes Bouquet, viel süsses Malz, Pedro-Ximenez, Ratafianoten, Birnel, gehacktes Pflaumenmark, Teer und Irish-Moos, im zweiten Ansatz einen gewaltigen Kräuterreigen zeigend. Im Gaumen komplex, mundfüllend, eine unbändige, tabakige Cabernetsüsse dokumentierend, das Finale extrem nachhaltig. Zeigt auf, was einen Jahrhundertwein ausmacht; Power und Finesse. Ein sehr bewegender Moment des vielleicht allerbesten Weines dieses Jahrganges. Gehört zu meinen «eingefahrensten» Magnum-Erlebnissen. 20/20 trinken

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SAUTERNES-DEKADEN

Es war einmal ein sehr altes Schloss. Das lag in Aquitanien. Niemand wohnte darin… Bis eines Tages ein paar Freunde eine wenig beschwerliche Reise von der Schweiz nach Bordeaux unternahmen und es für drei Tage bewohnten. Von dort aus fuhr deren Chauffeur mehrere Male in der vinösen Umgebung herum und führte die ziemlich gefrässigen und auch sehr durstigen Herren in andere schöne Schlösser. Als die Truppe des Reisens müde war, beschloss Mann, dass der letzte Abend im historischen Schloss zu verbringen sei. Mit wenig jungen Süssweinen und vielen ganz alten Sauternes…

Was wie ein altes Märchen klingt ist eine junge, wahre Begebenheit. Gabriel war Reiseleiter und bekam, Dank langjähriger Freundschaft den Hausschlüssel zum Château Lafaurie-Peyraguey. 

Das ist ein grosser Sauternes! Einer des goldenen Dutzends! Als nämlich nur gerade vier Rotweine im Jahr 1855 den begehrten Rang eines Premier-Grand-Crus-Classés zugeteilt bekamen, waren es ganze zwölf Sauternes und Barsac’s, welche genau den gleichen Status zugesprochen bekamen. Heute wird diese Tatsache, angesichts des unermüdlichen Rotwein-Boomes leider vergessen, respektive ignoriert…

Drei Tage rund um Sauternes ein Gratis-Reisebericht von www.bxtotal.com

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RARER SALZBERG: DER GOLSER GRAND CRU - AUF NEUEN WEGEN
 
Er kam sah und siegte! Der erste Jahrgang 1999 vom neuen Wein von Gernot Heinrich schlug ein wie eine Bombe. Alle wollten den Salzberg. Seit langem war es kein Début einer neuen Cuvée, sondern der Salzberg war ein richtiger, neuer Rotwein-Cru. Also kein Selektionsblend vom Besten vom Besten, sondern eine klar definierte Lage. 

Vielleicht ist da - aus topografischer Sicht - die Bezeichnung «Berg» etwas anmutend, denn wer vor den Reben dieser Südhanglage steht, würde diese sanfte Anhöhe doch her als dieser Hügel bezeichnen. Doch es geht hier ja nicht um einen Berg im eigentlichen Sinne, sondern um einen ganz besonderen Rebberg. 

PARATSCHERNOSEM = TERROIR?

Es seien die ideale Sonnenexposition und die faszinierende Vielschichtigkeit der Böden, welche das Potential des Salzbergs ausmachen würden. Beim «Gernot-Heinrich-Surfen» bekommt man irgendwo sogar den Hinweis auf Paratschernosem. Was kompliziert tönt, ist dann per Definition relativ einfach. Es sei feines Lockermaterial eines kalkhaltigen, mit Humus überschobenen Kulturrohboden aus feinen Tertiärsedimenten. Alles klar?

Wie gross das Terroir wirklich ist, wird sich mit zunehmendem Alter der Rebstöcke sicherlich noch mehr ausdrücken können. Momentan ist das Alter bei etwa 15 bis 25 Jahren. Fest steht, wenn man Gernot Heinrich’s Salzberg mit anderen Austria-Premium-Weinen vergleicht, dann hat er etwas Einzigartiges und beeindruckt durch seine Tiefgründigkeit. Zumindest bei den früheren Jahrgängen. 

DEN BODEN KANN MAN NICHT VERÄNDERN – DEN WEIN ABER SCHON

Seit dem ersten Salzberg ist viel passiert. Die Reben wurden logischerweise jedes Jahr älter. Diese Evolution liegt in der geraden Linie. 

Es ist vielmehr die Zusammensetzung und der Ausbau, welche heute zu einer neuen Identität vom Salzberg führten. Aus dem ehemaligen Kompetitions-Bulldozer ist ein finessenreicher Grand Cru geworden.

Vielleicht zum Nachteil der Liebhaber der modern ausgebauten Allerwelts-Bomben-Trinker. Zum Vorteil jener Weinfreaks, welche die Klasse eines grossen Weines in der Balance und in deren hochfeinen Tanninen suchen.


Kostnotizen aller
je produzierten Salzberg von 1999 bis 2011.

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PENFOLDS GRANGE 2008

Bald kommt der neueste Grange auf dem Markt - so teuer wie noch nie!

In Weggis durfte ich ihn bereits verkosten. Der Penfolds-Mann Seve Lienert nahm in mit zu einem Grange-Vertikal-Tasting von 1966 bis eben 2008.

Eine 13 seitige Grange-Story ist im www.bxtotal.com aufgeschaltet.

2008 Penfolds Grange: Produktion: ca. 95'000 Flaschen. Sattes Purpur mit lila und rubinen Reflexen. Frisches, florales Bouquet, viel Waldbeeren, Cassis und minzige Konturen, süsslich mit vielen, eng verpackten Schichten. Im Gaumen ein Riesenpaket an hyper-konzentriertem, grossem Shiraz, extrem dicht, fleischig, massiv, noch stark adstringierend. Endlich wieder ein fragloser, legendärer Grange, der in dessen eigene Geschichte eingehen wird. Hatte jemals eine Grange so viel verschwenderisches Cassis? Er ist jetzt auf dem Markt und mit rund 500 Franken Release-Preis die bisher teuerste Grange-Lancierung. 20/20 2022 – 2060

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Drehkorken?

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EUROPAS BESTE WEINE - EIN BUNTES ALLERLEI 

Für die Verkostungen von raren Weinen gibt es zwei bekannte Formen. Das eine ist die Vertikalverkostung. Da wird ein Weingut mit verschiedenen Jahrgängen «vertikal» degustiert. Dann gibt es die Horizontalverkostung. Hier geht es um einen einzigen Jahrgang mit verschiedenen Weinen. Dann gäbe es noch themenbezogene Verkostungen mit Ländern, respektive Regionen. Oder halt mal ein Cabernet-Tasting oder eine Shiraz-Competition. 

Wie wäre es denn, wenn die Weine aus verschiedenen Regionen kommen, verschiedene Rebsorten aufweisen und mit verschiedenen Jahrgängen bestückt sind? So schlimm ist das gar nicht! Im Gegenteil – man kann die Vergleiche für einmal fallen lassen, sich zurück lehnen und ganz einfach den Abend hemmungslos geniessen. Und… es funktioniert. Kein Wunder bei dieser Selektion!

Unterscheiden sich gewisse Weine nur ganz wenig, ist man genötigt die minimen Unterschiede zu eruieren und dass kann dann ziemlich anstrengend sein. 

Ich persönlich bin nicht so für all zu viel Gemisch. Auch hatte ich solche Events auch schon schnöde als «Fruchtsalat-Verkostungen» kritisiert. Nach dem Frage: Welches ist die beste Frucht im Fruchtsalat? Nur – ohne verschiedene Früchte wäre das Ganze handkehrum dann auch gar kein Fruchtsalat. Hat man eine Vertikalverkostung, so ist jedem Teilnehmer klar, dass es da kleinere und grössere Jahrgänge nacheinander geben muss. Nimmt man an einer Horizontalverkostung teil, so ist man automatisch aufgefordert, eine Tagesrangliste zu erstellen. Schliesslich will man ja dann am Schluss einen Sieger haben. Meist gewinnt der Sieger dann mit ein paar Kommastellen…

Doch wie müsste man dann einen Weinabend benennen, bei dem es eigentlich ausser dem Genuss von grossen Weinen keine gemeinsamen Parallelen gibt? Der Veranstalter Thorsten Grubmüller hatte die Lösung und schaffte den erklärbaren Begriff «Europas beste Weine». Der Event im Gut Steinbach (Reit im Winkel / D) war schnell ausgebucht. Grubmüller hätte diesen Abend gar doppelt führen können, wären die Flaschen in ausreichender Form zur Verfügung gestanden. 

Wie die Selektion aussah finden Sie unter  www.bxtotal.com

Wie der letzte Wein schmeckte gleich hier...

1983 Riesling Eiswein Egon Müller Scharzhofberg: Deutlich reifend, leichte Ockertöne im Gelb-Gold. Geniales, petroliges Rieslingbouquet, also extrem mineralisch, Quitte Kumquats, Pertinax, getrocknete Feigen. Gibt es eine Expression eines prädestinierten, absolut perfekten Riesling-Terroirs? Ja hier – genau in diesem genialen. Glas. Wobei dieser Ausdruck mal nicht auf das Glas, sondern auf das Gänsehaut erzeugende Bouquet dieses Eisweines bezogen ist. Der Gaumen bewegt alle Sinne, mit dieser multipel gefächerten Süssweinkonzentration, ohne dabei klebrig oder schwer zu wirken. Das Extrakt schmeckt nach Bitterorangenscheiben, konfierten Orangen und Zitronen, das Finale erinnert an eine Cremeschnitte, welche man grad genüsslich kauft. Die Retro-Olfaktion ist minutenlang und unbeschreibliche Glücksgefühle durch den ganzen Körper treibend. Wenn man ganz heftig fühlt, friert man bisweilen auch am ganzen Körper. Logisch ist ja auch ein Eiswein! 20/20 trinken

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Unglaublich:
Coche-Dury à discretion!

www.bxtotal.com

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JAHRGANG 1973?

Wie die 1973er waren, weiss heute fast niemand wer. Weil das ein Jahrgang war, welcher nicht gesammelt wurde – sondern getrunken. Es seien leichte, schnell reifende Weine mit wenig Tiefe gewesen, berichten mir etwas gereifte Bordelaiser Weinhändler auf meine Anfrage hin. Immerhin sei er in seiner Jugend besser aufgetreten als die beiden Jahrgangsnieten 1972 und 1974. Doch so richtig gross war der 1973er halt nicht. 

Was aber sollten denn Weinfreunde als besondere Gelegenheit noch trinken, falls Mann oder Frau mit Freunden einen Solchen zum 40igsten Geburtstag Entkorken möchten? Wie gross wären denn die Chancen noch, etwas Brauchbares zu erwischen? 

Hier ein kleiner, aber vielleicht doch recht repräsentativer Überblick. Mein Mövenpick-Compagnon und Bordeaux-Einkäufer Tjark Witzgall feierte heuer dieses runde Wiegenfest. 

Und auch Nadja Bopp. Das ist die Frau von meinem Semester-Edel-Sommeliers Patrick.

Anstatt eines wenig originellen Geschenkes lud ich die Beiden zu einer etwas kleineren, dafür umso weinigeren Geburtstagsnachfeier mit Anhang zu uns nach Hause ein. Auch ich war nämlich gespannt, ob gewisse 1973er überhaupt noch etwas taugen. 

Es kam mir leider etwas zu spät in den Sinn… Ich hätte da noch spontan ein paar andere 1973er einladen können. So das deutsche Fotomodell Heidi Klum, oder die Kronprinzessin aus Norwegen; Mette Marit. Oder einer der erfolgreichsten Fahrradsportler, den Jan Ullrich. 

Hier ein Gratis-Bericht von www.bxtotal.com

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WEINIGE PILGERFAHRT ZU BORDEAUX 1953 & 1983

Vor genau 580 Jahren schloss sich das Weinkapitel der Gemeinde Engelberg. Im Jahr 1433 verkaufte die Abtei deren Reben, welche sich in Wingreis, am Bielersee befanden. Jetzt kam die Weingeschichte für ein Wochenende zurück ins Klosterdorf. Mit Bordeauxweinen, welche heuer den 30igsten und den 60igsten Geburtstag feierten. Genauer mit grossen Crus aus den Jahren 1983 und 1953. 

«Ein Wochenend zu Zweit in Engelberg bei Sonnenschein». Dieses Lied spielte René Gabriel jeweils als Pflichtstück bei den Auftritten mit seiner Band in Engelberg. Sei es an Hochzeiten in den Hotels oder in Dancings wie Spindle und Eienwäldli oder am grossen Feuerwehrball in der Sporthalle. Engelberg und Musik? Das hat Tradition…

Sogar der bekannte Sänger Stefan Eicher veröffentlichte im Jahr 2011 sein erstes Best-Album mit dem Titel «Engelberg»!   

War es früher die Musik, welche Gabriel immer wieder nach Engelberg lockte. So wurde in den letzten Jahrzehnten das Musische immer mehr durch den Wein ersetzt. Seinen 40igsten Geburtstag feierte Gabriel damals noch im Hotel Hess Engelberg. Anstatt sich für einen adäquaten Festwein zu entscheiden, stellte er kurzerhand einfach ganz viele verschiedene Flaschen auf die Tische. Rückblickend waren es etwa 200 Bouteillen, welche damals entkorkt wurden. Die Gästeschar betrug genau 100 Personen und es waren nicht wenige Kinder dabei.

Dann folgte noch – kurz vor dem Abbruch – im Hotel Hess eine Semester-Raritäten-Probe mit dem Thema «Gruaud-Larose und Mouton-Rothschild». Vor zwei Jahren durften 12 Freunde von ihm an einem ganz speziellen Abendmahl teilnehmen.  

Aber jetzt geht es nämlich definitiv zu den Jubilaren, welche heuer deren runden Geburtstage feierten. Und für diese Zeremonie waren 33 Weinfreunde aus ganz Europa ins obwaldnerische Klosterdorf Engelberg, am Fusse des mächtigen Titlis gepilgert.

Der Event bestand aus dem Freitagabend im Restaurant Schwyzerhüsli, aus einem Ausflug auf den Jochpass und aus einem Schlussabend im Hotel Bellevue-Terminus.  

FREITAG-ABEND: BORDEAUX 1953

Das ist ein Jahrgang im alten Claret-Stil. Um dies genauer definieren zu können, müsste man etwas mehr über den Claret erfahren. Der Begriff stammt von den Engländern. Damit verband man einen etwas leichteren Wein. Insbesondere wollten die englischen Weinliebhaber damit einen Unterschied zu den wesentlich dunkleren und mächtigeren Weinen aus Spanien oder Portugal dokumentieren. 

Doch wie können Weine, welche tendenziell eher als leicht gelten denn so alt werden? Denn nach 60 Jahren gibt es da nicht wenige Crus, welche immer noch grossartigen Genuss bieten. Das Geheimnis dazu liegt wohl in der Balance dieses sehr harmonischen Jahrganges.  

SAMSTAG-ABEND: BORDEAUX 1983

Der Tisch im Hotel Bellevue-Terminus war feierlich gedeckt zu unserem Schlussabend. Nach dem Apero mit Magnumflaschen Riesling Ried Schütt 2003 von Knoll, welchen wir aufgrund des föhnigen Herbstwetters auf der Terrasse einnahmen, wechselten wir in den Saal zum Bordeaux 1983. Er erwarteten uns zehn Normalflaschen, zehn Magnumflaschen, zwei Doppelmagnums und eine Jéroboam, plus vier Süssweine.

Weitere Informationen, Wertungen, Fotos auf     www.bxtotal.com 

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UNGLAUBLICHE WEISSWEINE!

Die beiden trockenen Weissweine stellte ich eigentlich nur so als Füller für die Semester-Probe in die Runden. 

Für deren Genuss hatte wohl die ganze Weintruppe absolut keine Erwartungshaltung. Was als Risikogruppe ins Rennen ging, entpuppte sich als veritable Sensation. Damals existierte die Appellation Pessac-Léognan noch nicht und so sieht man denn als Deklaration noch die Region Graves als Absender auf den hellgrünlichen Flaschen. 

Beiden Weissweinen war das Alter von 60 Jahren in keiner Weise anzusehen. Der Louvière gab sich eher burgundisch, während der Malartic mit einem klaren Sauvignon- Blanc-Akzent aufwartete. 

1953 Château La Louvière, blanc: Golden schimmernd. Nussiges Bouquet, Caramel, Krachmandeln, Weissbrot, dezent süsslich. Im Gaumen dezent artisanal, Pertinaxnote, aber mit guter Säure und feinem Kern in der Mitte. Hat noch Rasse und ist – als 60jähriger Weisswein – mehr als nur erstaunlich gut. Der ist extrem gut! 19/20 austrinken 

1953 Château Malartic-Lagravière, blanc: Mittleres Gelb, fein goldener Schimmer. Melissenton, Minze, gehackte Zitronen, wirkt somit unheimlich frisch, klarer Sauvignon Blanc im Duft, vielschichtig und delikat. Saftiger, langer Gaumen, auch hier enorm frisch, helles Caramel, Margarinetouch im Extrakt. Das ist ein nie erwartetes Weissweinwunder. Ob die neuen Jahrgänge auch mal so lange halten? 19/20 trinken

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DEKANTIEREN ODER ENTSTINKEN?

Es ist schwierig dem unwissenden Weinfreund einen Cordier-Wein aus der damaligen Zeit zu beschreiben. In Blindproben war es untern Kennern durchaus oportun einfach mal als Grundhinweis von einem «Cordier-Stinker» zu sprechen, wenn es darum ging einen Talbot, Meyney oder Gruaud-Larose in seinen Grundaromen zu beschreiben. 
Meist braucht es ein langes Dekantieren um den Wein zu «Entstinken».

1983 Gruaud-Larose: Jéroboam. Aufhellendes Orange-Rot, mittlere Dichte. Das Bouquet beginnt wie erwartet. Irgendwie sind die ersten Aromen genau mit dem zitierten Cordier-Stinker behaftet. Eingetrockneter Pferdeapfel, Terpentinnoten, ölige Putzfäden, Rauch, Korinthen und immer wieder kommen Pferdenuancen in manigfaltiger Form zum Vorschein, dann folgen Honig, Malz, getrocknete Kräuter und mitunter auch Kellernoten, also etwas Dumpfes im Untergrund. Ich schüttete den Wein ein paar Mal um und nur zögerlich wurde er zu einem artisanalen Médoc in der Nase. Der Gaumen süsslich, hier spürt man deutlich die sprichwörtliche 1983er-Hitze, in Form von Malagarosinen und Heu. Der Wein blieb mittelgewichtig und zeigt im Innern eine fein kernige, zum Körper passende Note. Es gab da an unserer Probe in Engelberg Fans und Gegner. 17/20 austrinken    

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AUS LIEBE ZUM WEIN?

Wenn ich jeweils ein Buch Bordeaux Total von mir signieren durfte schrieb ich zur Unterschrift oben den Spruch «Aus Liebe zum Wein». Das ist eine ehrliche, persönliche Deklaration an den edlen Rebensaft.


Manchmal muss man lieben bis es weh tut! Das denke ich mir manchmal wenn ich einen zu jungen, harten Cabernet Sauvignon, Tannat oder Malbec vorgesetzt bekomme. Zu junge Weine sind für mich tendenziell eh immer Arbeit. Das Vergnügen stellt sich bei mir erst ein, wenn ich einen reifen Wein trinken darf.

Gestern war es die einzige Magnum vom 1993 Grüner Veltliner Loibenberg von Emmerich Knoll aus meinem Privatkeller. Dieser Smaragd gehört zu den Weinen, welche man sich wünscht noch einmal im Leben trinken zu dürfen. Als ich damals mit dem Steinfederpreis der Wachau ausgezeichnet wurde, bekamen im Loibnerhof mehr als 100 Gäste diesen Wein. Ich wohl am Meisten! Ehre wem Ehre gebührt.

Und jetzt war er wieder im Glas. Grünlich Gelb mit reifendem Schimmer. Die Nase mehr würzig wir fruchtig mit einer frischen Pfefferspitze in der Mitte, da sind Senfnoten, Kümmel, Anis und Kakinuancen im Hintergrund. Der Gaumen burgundisch, füllig mit einer stützenden Säure mit zartem Kern in der Mitte. Die Rückaromatik legendär und nachhaltig. Eine fraglose Wachauer-Ikone mit Jahrhundertweinfeeling und önologischer Gänsehautwirkung. 20/20 

Die Liebe ist also immer noch da! Ganz heftig! Doch diesmal galt diese Liebesbezeugung nicht nur dem Wein. Ich feierte nämlich mit meinem Schatz den 15ten Hochzeitstag. Aus Liebe zu Karin…

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1929 CHÂTEAU PÉTRUS 

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Ich hätte aber auch locker tausend Worte zustande gebracht um diesen legendären Pomerol-Methusalem zu beschreiben…

Oben links sieht man noch knapp meinen Daumen auf dem Bild. Auf die jetzt leere Flasche leuchtet die spanische Abendsonne, welche das alte, vergilbte Etikett fast gülden erscheinen lässt.



Wir sind nämlich nicht in der Schweiz und auch nicht in Bordeaux, sondern in Javea.

Das ist eine kleine Hafenstadt im Norden der Costa Blanca. Da gibt es viele gemütliche Restaurants, welche im Sommer versuchen, dem Ansturm von Touristen aus aller Welt gewachsen zu sein. Und weisser Rueda und roter Rioja fliesst dort in Strömen.

Wir haben Glück, denn wir sind abseits des endsaisonalen Getümmels. Bei uns geht es gemächlicher zu. Rueda gibt es lediglich zum Kartenspielen. Es gäbe da – im gut gekühlten, alarmgesichteren Weinkeller auch ein paar Spanier. Doch an diesem Wochenende wurden ausschliesslich Bordeaux’ zelebriert.  

Und vor dem Nachtessen, bietet uns der Hausherr René Schmidlin eine Weinprobe der Superlative an. Es sind alte, grosse Bordeaux’ aus ganz grossen Jahren. 1945 Château Cheval-Blanc, 1959 Château Pichon-Baron-Longueville, 1961 Château Figeac, 1961 Château Cheval Blanc – aus der Magnumflasche!

Und – als unerreichbarer Höhepunkt; der extrem rare Château Pétrus 1929. Kann ein fast reinrassiger Merlot so alt werden?

Wie schmeckt so ein 84jähriger Pomerol?                  www.bxtotal.com  

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Das waren
noch Zeiten...













MOUTON-ROTHSCHILD FÜR 60 FRANKEN

Leider beginnt die Geschichte wie alle Märchen... Es war einmal ein Discounter und der verkaufte die Kiste Mouton 1994 für CHF 719.40. 

An der letzten Auktion hat ein Käufer für genau eine solche Kiste CHF 3792 bezahlt.

Der Wein selbst ist gross, aber noch von sehr vielen Pauillac-Fans unterschätzt.
Und auch ich bin mir nicht immer sicher, ob er wirklich die 19/20 in den nächsten Jahren bringt. Aufgrund persönlicher Mouton-Erfahrung sage ich ja... 

Hier ein Wechselbad der Emotionen und Eindrücke von 1995 bis 20013. Fortsetzung folgt. 95: Fassprobe (19/20): Reiche, volle Cassisnase, sehr fett mit Brombeeren vermischt, wirkt komplex, geballt und wuchtig. Im Gaumen süss, wiederum viel Fett, runde, bereits mit Charme versehene Tannine, die sich so dicht gedrängt mit der mundfüllenden Adstringenz verbinden. Ein Mouton mit greifbarer Grösse, ein Mouton mit Kraft, ein Mouton zum Verlieben und ein Mouton mit Kaufzwang. 1996 just beim Eintreffen degustiert: Volles Cassis- und Brombeerenbouquet mit Rauch und Kaffee hinterlegt. Im Gaumen sehr fein, reife Gerbstoffe, wiederum – wie in der Nase – viel Aromatik, feinste, königliche Adstringenz, tolle Länge. Eine Pauillac-Delikatesse, die momentan in der Fruchtphase eine unerhörte Freude auslöst. In einer Probe mit dem 93er Haut-Brion und dem 93er Opus One zeigte er deutlich, dass er der Beste der Serie war. Die Feinheit wird am Schluss wohl das wichtigste Attribut dieses Weines sein: Fein röstig mit viel Edelholzaroma (Palisander) und einer unbeschreiblich zart besaiteten Textur machen ihn im Gaumen zu einer fast parfümierten Pauillac-Delikatesse. 1997 CASH-Blinddegustation: Öffnendes, stark röstiges Bouquet, Holunder, Cassis, Sojasauce, leicht mineralische Note, nahezu perfekt in der Nase. Saftiger, superb balancierter Gaumen, wirkt auf den ersten Anblick zwar leicht, besticht dann aber durch seine finessenreiche Eleganz, sehr lang. Ende der Fruchtphase 1998: Ausser man trinkt ihn wirklich kellerkalt ohne zu dekantieren. Im Gaumen sehr konzentriert mit viel Potential, klassische Aromatik. Ein grosser Mouton! 99: Verschlossenes, dichtes Bouquet, wirkt sehr kompakt, leicht pflaumige Duftnoten, ausladend, noch sehr jung. Im Gaumen fleischig, kompakt, saftige Tannine in einer nach Reife verlangenden Adstringenz, viel Potential. Ein Mouton-Klassiker, den man, gemessen an den neuesten Preisentwicklungen der Folgejahrgänge, noch recht günstig kaufen kann (19/20). 01: Ich liebe diesen Mouton mit Haut und Haaren. Er hat Frucht, Charme, Sex-Appeal und er schmeckt so richtig nach süssem, reifen und würzigen Cabernet. Man kann ihn jetzt schon, bei etwa 16 Grad herrlich geniessen. 03: Trotzdem er sich schon recht offen zeigt, ist er im Moment in einer leicht reduktiven Phase: Rahmiges, ausladendes Bouquet, Palisander, Trüffel und eine erdige Süsse darin, alles vermischt mit den typischen Mouton-Röstaromen. Im Gaumen viel primäre Frucht, Waldhimbeeren, Kirschen und ein kräftiges, gut begleitendes Tannin-Säure-Gerüst, dunkles Mocca im Finale. Man könnte ihn zwei Stunden dekantieren, aber man sollte eigentlich besser noch fünf Jahre warten. Ein Jahr später aus der Impérialeflasche an Klaus Binders Geburtstag. Wow war das eine Wucht, an einem prallen Glas zu riechen und dann einen hemmungslosen, grossen Schluck zu nehmen! 04: Weil ich ihn so gut in Erinnerung hatte, etnschied ich mich, diesen Wein an den Buchvinissagen in Deutschland und in der Schweiz zu präsentieren. Doch leider wollte dieser Mouton grad im Spätherbst nicht gefallen. Die Nase wieder eher verschlossen. Im Gaumen kompakt aber durch die Re-Komprimierung sich eher körnig und recht hart anfühlend. Das war zwar für die Gäste etwas enttäuschend, aber für den Wein durchaus positiv zu bewerten. Weil man jetzt wissen kann, dass das Potential das in ihm schlummert mindestens so gross ist wie ich immer vermutete. (19/20). 07: Fünf Stunden dekantiert und der Wein war immer noch verschlossen. Als immer noch warten! 08: Eine Magnum, drei Stunden dekantiert in Luzern. Fraglos ein ganz, ganz, ganz, grosser Mouton der den Ketzern und Kritikern noch eine Lehre sein wird in 10 Jahren! 08: Fleischiges Bouquet, eine tolle, röstige Süsse die vom Bouquet her ausstrahlt, würziges Cassis und schwarze Pfefferkörner, trotz der Intensität spürt man, dass das Bouquet nur zu einem Teil geöffnet ist. Satter, fleischiger Gaumen, noch komprimierte Tannine die dem Körper einen genialen Rückhalt gewährleisten, im Innern des Extraktes spürt man die enorme Konzentration, weist noch viel zu verdauende Tannine auf, die er aber in etwa 5 Jahren erstmals arondiert haben wird. Ein versprechender Mouton, der auch heute noch verkannt ist. Im Sommer 2008 bei Charly am Vierwaldstättersee. Langsam kommt das fazinierende Parfüm. Ich denke, dass es in zwei Jahren langsam aber sicher los geht. 09: Magnum: Sehr dunkle, dichte Farbe. Eine dunkelbeerige Cassisbombe mit dem typischen, verspielten Mouton-After-Eight-Schoko-Minzetouch, greift tief in die Terroirschatulle. Im Gaumen volle Aromatik, gute, mittelfeine Adstringenz, noch Reserven und ein klarer Nachfolger des ebenso genialen 88ers in einer noch perfekteren Form. Auch heute noch eine dramatische Kaufempfehlung für Fans von grossen, lagerfähigen, typischen Médoc's. 09: Vier Stunden land dekantiert. Ein wilder Gaumenreigen mit Leder, getrocknetem Thymian, schwarzen Beeren und Rauch. Im Gaumen noch präsente Tannine und noch viel zu jung. 09: Einige rümpften die Nase, andere waren an diesem Wine&Dine in Golling bei den Döllerers entzückt. 10: Eine komplet verschlossene Magnum zeigte auf, dass man hier noch lange warten sollte. 10: Ach ja - da stand ja auch noch eine Magnum 1994 Mouton-Rothschild auf dem Gabentiscfh des Weihnachtsessens im Old Swiss House. Die hatte der Wirt, Philippe Buholzer grosszügig hingestellt mit dem Hinweis, dass wir uns ja ab und zu mit einem Glas von unseren Weinen bei ihm revanchieren könnten. Machten wir gerne. (19/20) für die sich langsam öffnende Magnum. 11: Sattes, dichtes Weinrot. Vulgäres Cabernetbouquet, Wildfleischnoten, frisch gegerbtes Leder, so richtig grossen, aber noch unnahbaren Cabernet Sauvignon zeigend, Cassis, Brazil-Cigarren, Rindsbouillonpaste, legt sanft zu, wird immer süsser und kompakter und zeigt diese Mouton-Delikatess-Pauillacnoten. Grosse Aromatik im Gaumen, noch reduktiv, adstringierend. Hat sich in den letzten 10 Jahren fast nicht entwickelt und braucht viel länger als man vielleicht bereit wäre zu warten. Geduld bringt grossen Pauillac. Ganz grossen. So wie der 88er – und der ist auch ganz gross. 11: Ich begegne diesem Wein praktisch alle Monate einmal. Man ist er am allerersten Beginn, meistens aber noch um drei Jahre zu jung. Wer ihn einmal verstehen will - der lässt ihn also noch in Ruhe. (19/20). 13: Dunkles Tiefes Weinrot, noch kein Reifeschimmer. Kompaktes Bouquet, zeigt Tiefe, wirkt aber (wie leider schon fast zu lange) sehr verhalten, viel schwarze Beeren, Darjeelingtee, Lakritze, etwas Sommertrüffel, noch viel zu jung von der Nase her. Im Gaumen fleischig, kompakt, wenig freigebend. Nachdem er sich in den letzten zwei Jahren zaghaft zu öffnen versuchte, ist diese Flasche praktisch unkommunikativ. Das Potential ist aber trotzdem klar ersichtlich. Die erste Genussreife ist wohl (hoffentlich/endlich) in etwa vier Jahren. Die Punkte sind aber schwer zu erklären, wenn man den Wein momentan im Glas hat. 19/20 2017 - 2045

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TESSIN 2011: ALLE ZWEI JAHRE EIN SUPERJAHR

Draussen hingen noch die Trauben in den Rebbergen bei der Fahrt von der deutschen Schweiz ins Tessin. Wie der 2013er wird, weiss man somit noch nicht. Wenn es wieder ein ganz guter Jahrgang wird, dann bestätigt sich die Theorie, dass es den Winzern in der italienischen Sonnenstube der Schweiz praktisch im Rhythmus von zwei Jahren gelingt, einen grossen Jahrgang in die Flaschen zu füllen. 

So geschehen im 2003, 2005, 2007 und 2009. Und auch mit dem 2011 ist die Qualität sehr gut bestellt. 

62 Winzer präsentierten zu Septemberbeginn im Palazzo die Congressi in Lugano fast 200 verschiedene Weine vom Jahrgang 2011. Das Fazit ist schnell errechnet. Es handelt sich um ein sehr gutes, bis gar ausserordentliches Weinjahr. 

Logischerweise dominieren die Merlots das gesamte Feld auf jedem Niveau. In vorangegangenen Jahren habe ich immer wieder auf spannende Blends aufmerksam gemacht. 

Jetzt zeichnet sich eine kleine Revolution ab. Plötzlich bekommen bisher belächelte Rebsorten eine ziemlich grosse Aufmerksamkeit. Durch das Älterwerden von Reben mit anderen Rebsorten, welche den Merlot möglicherweise auf hohem Niveau ergänzen bekommt die reinrassige Merlot-Elite plötzlich Konkurrenz auf höchstem Niveau.

Der Malcantone von Ivo Monti bringt es mit sechs Rebsorten auf 18/20. Und der spektakuläre Erstlingsjahrgang vom Diamante von Angelo Delea erreicht mit fünf Rebsorten gar einen Podestplatz mit sagenhaften 19/20!

Degustationsnotizen, Wertungen, Berichte, Fotos auf 13 Seiten im www.bxtotal.com

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Auf nach Burgdorf!

Peter Krummenacher und René Gabriel. Durch Wege, Wiesen und Wälder...  

ZU FUSS ANS EIDGENÖSSISCHE

So viel und so lange war ich - glaube ich - noch nie in meinem Leben zu Fuss unterwegs. Es war eine Schnapsidee. Wir könnten doch ans Eidgenössische Schwingfest laufen.


Gesagt - getan. Am Donnerstag gings los von Willisau bis Dürrenroth. In den behäbigen Bären. Dort tranken wir leichten Riesling (Maximian Grünhäuser) und süffigen Lagrein. Und schliefen im Bären wie die Bären... 

Am anderen Tag stiegen wir über die Lueg nach Burgdorf. Ich wusste gar nicht, dass es so viele verschiedene Stellen für diverseste Muskelkater am ganzen Körper gibt!

Mit Freunden übernachteten wir dann im grossen Zelt und genossen Grillfleisch und ausschliesslich schweizerische Rotweine: Grünenfelder, Marugg, Mattmann, Gantenbein, Balin, Sassi Grossi, Klausener u.s.w.

Als Königs-Favorit hatte ich - von Anfang an - auf den Stucki gesetzt. Er bot denn auch eine gewaltig brachiale Leistung an den zwei Schwingertagen. Der neue Schwingerkönig Sempach Matthias hat aber den Titel absolut fair und souverän verdient.

Und so fair trugen denn die zwei Rivalen auch den Schlussgang aus. Châpeau! Das ist Volksport allererster Sahne. Only made in Switzerland! Darauf sind wir stolz.      

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MONTAG IST ALLER LATOUR ANFANG !!! 

Bei den Gästen dieser Gruppe handelt es sich um verschiedene Balser Weinfreunde. Und diese könnten verschiedener nicht sein. «United wine-colours of Basel»! Wir treffen diese also nicht ganz homogene Weintruppe sporadisch, aber glücklicherweise irgendwie doch regelmässig. 

Dabei frage ich mich nicht selten, ob wir eingeladen sind, wegen meinen prosaischen Weinkünsten. Oder weil meine Frau auch aus Basel kommt und in der oben erwähnten Gesellschaft mindestens so gerne gesehen wird, wie ich.

Wie dem auch sei, an einem ganz besonderen Augustmontag war es wieder mal so weit. Diesmal folgten wir einer wunderschönen Einladung von Brigitta (Küche) und Roland (Keller). Zum sensationellen Menu (Ravioli mit Pinienkernen, Rindscarpaccio und Kalbscarré am Stück) gab es «nur» Latour. Dies als Nachwehen zur Karins rundem Geburtstag mit ihrem Lieblingswein als zentrales Thema. Als kleiner Seitenfüller waren noch ein Les Forts de Latour und ein La Tour Blanche mit dabei. Also eine mehr als nur runde Weinsache.

Mit einem Blick in die Küche war der Gabentempel an der Gobenstrasse einzusehen. Schöne Flaschen, glänzige Kristall-Karaffen. Sein schon ziemlich erwartungsvolles optisches Vorspiel wurde da dem geschulten Weinauge geboten. Für mich der beste Wein war der 1996er...

1996 Château Latour: Fast schwarz in der Farbe. Barocker Nasenbeginn, viel Trüffel zeigen die phänomenale Tiefe an, Latour durch und durch im konzentrierten, deutlich von warmem, reifem Cabernet geprägten Nasenbild. Im Gaumen eine dramatische Pauillac-Bombe, nicht auf fett machend, sondern auf kompakte, innere Konzentration, erhabenes Finale. Am Beginn einer mindestens 30jährgien Genussphase. Der Abgang ist schon unglaublich lang, aber die Emotionen, welche von diesem absolut perfekten Château Latour ausgehen sind noch viel länger. 20/20 trinken – 2050

Der Rest vom Dornach-Fest ist auf www.bxtotal.com

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MOTORRADTOUR MIT GUTEN FREUNDEN

Immer im Herbst klauen wir uns eine Woche vom Alltag und fahren in irgendeinen Teil von Europa. Heuer führte die 2000 Kilometer lange Strecke an der Slowenischen Grenze entlang in die Steiermark und via Leoben und Innsbruck wieder zurück. 

Tagsüber konzentriertes Fahren. Am Abend gemütliches Beisammensein mit weiteren Freunden. Einheimische, deftige Küche (die vielen Schweinsbraten sorgten für einiges Hüftgold) und gute Weine – vorwiegend aus Austria. 

Empfehlenswerte Adressen an der Wegstrecke: http://www.gasthaus-grossvenediger.at/ Hier kocht die Birgit auf ganz hohem Genussniveau. Und Gottfried pflegt einen ganz grossartigen Weinkeller zu sehr fairen Preisen. Weit ab vom Schuss – dafür sehr nahe am Grossvenediger. 

http://www.triebl.com/ Die drei Triebel Franz’s machen glockenklare, direkte Südoststeirische Weine. Bekömmlich und unerhört günstig. Wir schliefen in den zwei gemütlichen Gasthäusern. Auf dem Weg dort hin und davon wieder weg war auf den Feldern die legendäre Kürbisernte in vollem Gange. Davon gibt es dann das grandiose, grüne, hoch aromatische Kürbiskernöl. Haben Sie das schon mal mit Vanilleglace probiert? 

http://www.3raben.com/ Bei Susi und Michael Leypold gibt’s sehr gute Küche. Bald wird der Sohn den Betrieb übernehmen und Michael kann dann seiner Weinliebe noch mehr frönen. 

http://www.dollinger.at/ Das Hotel liegt direkt am Inn- Unweit der Tiroler Hauptstadt Innsbruck. Die Zimmer sind sehr modern renoviert. In der Küche herrscht solide Tradition und Thomas offeriert eine tolle Weinselektion.  

Vinöse-Tophöhepunkte: (in der über Tage getrunkenen Reihenfolge…)
2009 Tignanello / 2011 Riesling Schütt Knoll / 2011 Sauvignon Blanc Zieregg Tement / 1995 Saffredi Magnum / 2009 M1 Markowitsch / 1999 Tignanello / 2004 Bin 60 A Penfolds / 2004 Salzberg Heinrich / 1997 Blaufränkisch Marienthal Ernst Triebaumer / 1999 Grüner Veltliner Vinothekenfüllung Knoll /  1992 Blaufränkisch Marienthal Ernst Triebaumer / 1993 Blaufränkisch Marienthal Ernst Triebaumer u.v.a.m.


Solide unterwegs!

Drei Honda und eine Harley.

Hondafahrer sind tolerant...

Markus, Peter, René und Christoph


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EIN PINOT MUSS TANZEN!

Ich habe eine Filiale von Morey-Saint Denis am Bielersee gefunden! Respektive einen Wein, welcher genau so herrlich schmeckt wie gewisse Burgunder aus dieser Côte-de-Nuits-Gemeinde… 

Mein Lieblingswein ist der normale Morey-Saint-Denis von Dujac. An diesem Wein habe ich oft und intensiv gelabt. Und zwar immer, wenn wir damals bei Jean Ducloux im Restaurant Creuze in Tournus einen längeren Halt machten. Einen längeren Halt brauchte es, weil ich dort immer das genau gleiche Menu bestellte.

BESUCH BEI DUCLOUX

Die aussen knusprige Hauspastete mit etwas Gänseleber in der Mitte. Oben drauf war jeweils ein gehackter Gelée von Trüffel drapiert. Danach folgten die Quenelles de Brochet. So richtig «baveuse» in der Mitte und diese badeten jeweils in einer tiefgründigen, mit Cognac durchsetzten Krebsensauce. Auf jeden Fall war da immer das Poulet de Bresse im Hauptgang drin. Und die Pommes Gousse D’Ail mit dem mörderischen, mit einer überbuttrigen Hollandaise übergossenen Kartottenflan. Schliesslich bestellte ich mir immer einen Saint Marcelin, damit die Brigade genügend Zeit hatte, noch das Soufflé au Grand Marnier für mich herzustellen. 

Mein alter Kochkumpel Jean Ducloux hat zwar leider schon lange das Zeitliche gesegnet. Aber die Erinnerung an die Besuche bei ihm sind immer noch heftig.
Als ich grad kürzlich den 2011 Pinot Noir Reserve vom Weingut Schlössli aus Schafis erst degustierte und dann mit ganz grosser Freude genoss, kam mir wieder zuerst der Morey-Saint-Denis von Dujac in den Sinn und dann die alten Orgien bei Ducloux. Zu dem tonnenschweren Menue brauchte ich nämlich jeweils etwas Musse, respektive eine Muse. Und da war ein tänzerischer Pinot genau das Richtige.

GROSSARTIGER PINOT NOIR 

Für den Pinot Noir Reserve von Fabian Teusch war ich schon etwas vorbereitet. Ein Jahr zuvor degustierte ich bei ihm die Fässer durch und war ganz angetan von einem Pièçe, in welchem sich ein offensichtlich ganz besonderer «Bielersee-Burgunder» befand. Spontan orderte ich ein paar Magnums zum Voraus. Heuer war es so weit und ich holte die etwas grösseren Flaschen ab. Zuerst probierten wir mit ihm natürlich die ganze Palette durch. Er macht es nicht nur gut, sondern besonders gut, dieser junge talentierte Schafiser Winzer. Der Chasselas macht schon beim ersten Schluck Lust auf einen Zweiten. Und beim Sauvignon Blanc hat er es geschafft, das Tropische zu vermeiden und die Typizität zu fördern. 

Und irgendwann kam der Moment, dass wir den 2011 Pinot Noir Reserve im Gabriel-Glas hatten. Ja - Gabriel-Glas. Fabian arbeitet seit zwei Jahren mit diesem Glas für seine Verkostungen und während seiner stets ausgebuchten Treberwurstzeit. Seine Argumente überzeugen: «Ich verkaufe generell mehr Wein und die Gäste trinken bedeutend mehr während der treberwurstigen Saison».

DA IST GUT KIRSCHEN TRINKEN
 
Doch jetzt zurück zu diesem sagenhaften Pinot Noir. Er leuchtet relativ hell. Aber das ist ja normal bei dieser Rebsorte. Dabei zeigt er fein lila Reflexe. Die Nase geht gleich auf 100. Zuerst fein buttrig, noch von der Barrique, eine ausgelegte Komplexität zeigend. Dann kommt das Pinottypische, es ist ein verführerischer Tanz um rote Piemontkirschen herum. Manchmal ins Himbeerige drehend, dann an Dammassinepflaumen erinnernd und dann wieder Kirschen in einem breiten Spektrum. Das Florale im Untergrund und die feinen Hölzer zeigen ein gewisses Terroir an. Der Gaumen ist ein wieder Tanz eines sublimen, homogenen und wundervoll balancierten Weinerlebnisses. Keine Rotweindampfwalze, sondern eine Graziella – eben halt an einen ziemlich grossen Morey-Saint-Denis erinnernd. 19/20 trinken – 2018

EGLIFILET MIT LAVENDEL

Für mich einer der delikatesten Pinot Noir’s welchen ich je aus der Schweiz probiert und mittlerweile schon mehrmals hemmungslos genossen habe. Grad gestern zu mehreren Egli-Gabriel-Variationen. Besonders gut passte er zu einem besonderen Gericht. Ich nahm eine Pfanne, briet die marinierten Eglifilets darin an. Dann legte ich diese mit der Haut nach unten auf ein gebuttertes Bachblech. Dann kamen geröstete Specklardons und gehackte, mit dem Speck zusammen geröstete Lavendelblüten (vom eigenen Garten) dazu und rohe, fein geschnittene Spring-Onions darüber. Bevor ich es das Gericht nochmals für vier Minuten in den heissen Ofen schob, träufelte ich Worchestersauce und ein par Zitronenspritzer darüber. Das war ein Fest! Dieses Egli-Gericht gibt es nur für unsere Gäste. Aber Sie können es nachmachen. 

Den sagenhaften 2011er Pinot Noir Reserve gibt es (noch) für CHF 24.50. Nicht nur für Freunde, sondern für alle, welche diesen Artikel bei mir im Netz fanden. Und – wenn man einen Gruss vom Gabriel René sagt, dann macht Fabian gerne beim Besuch eine Weinprobe, bevor man dann mit ein paar Flaschen Pinot Noir Reserve im Kofferraum ganz glücklich wieder nach Hause zurück fährt. 

http://www.weingutschloessli.ch/aktuell.asp

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Gegen die so genannte saure Gurkenzeit hilft ein Gurkensüppchen.

Und tolle Bordeauxweine...


WEIN STATT MIETE
 

Es war einmal eine Frau. Die wohnte in einer Wohnung. Und diese Frau konnte die Miete nicht mehr bezahlen. Als der Hausverwalter danach fragte, wie sie den Ausstand zu bezahlen gedenke, gab die Frau an, sie hätte da noch so 45 schöne Flaschen Wein.

Lange Rede – kurzer Sinn: Der Handel kam irgendwie zu Stande. Die Miete galt als bezahlt und Weinfreund Edgar Jenny, welchen ich von einem Trip nach Bordeaux und von einer Südafrikareise her kenne, kam irgendwie in den Besitz dieser 45 Flaschen…

Als Revanche zu einer Einladung bei uns, lud er uns zu sich nach Hause ein, um ein paar dieser besonderen Bouteillen mit uns gemeinsam zu geniessen. Frau Ruth kochte ein sommerliches, kaltes Gurkensüppchen. Dann Lammkarre mit neuen Kartoffeln und Ratatouille. Nach dem Käse stellte Sie in der Küche ein frischfruchtiges Himbeerdessert her. Und dieses passte wiederum zum süssen Weinfinish.

Wir sitzen im Garten in einer attraktiven Wohnbausiedlung in Düdingen und picken abwechslungsweise ein paar grüne Oliven, etwas Hausmacherwurst oder gedörrte Tomaten. Dazu gibt’s einen fein nervig-fruchtigen 2011er St. Saphorin der Domaine Favèrges. Das ist eine Domaine im Waadtland, welche sich im kantonal fribourgischen Besitz befindet. 

Am Tisch geht es dann flüssig weiter, nach dem Motto: «Ran an die reifen Bordeaux!» Edgar entschliesst sich mit dem ältesten Wein zu beginnen. Es ist ein Château Latour 1955! Der Wein weist eine mittlere Schulter auf, was für dieses Alter normal ist und für einen Latour eh selten ein Problem. Die Farbe ist gewohnt rot-bräunlich. Die Nase pflaumig, süsslich, fein erdig, im Bouquet zulegend. Der Gaumen weich, samtig mit einer berauschenden Cabernetsüsse. Absolut perfekt. Spannend war es auch das Depot des Weines zu verfolgen. Edgar goss es in ein grosses Glas. Die Farbe hier war bedeutend dunkler. Es gab da sogar schwarze Reflexe. Die Nase viel würziger, noch tiefer schürfend, kalter Rauch, schwarzer Pfeffer, Bakelit, Trüffel und eine minzige Cabernetnote aufweisend. Der Gaumen dichter, fleischiger, aber sobald man etwas vom sandigen Depot erwischte auch dezent bitter. Es macht also immer Sinn, bei alten Bordeaux den Wein vom Satz zu trennen. Aber immer nur kurz davor. Dieses geniale Pauillac-Erlebnis war mir locker 19-Punkte wert.  

Kurz vor dem Lamm folgte der mittagliche Höhepunkt. Ein schon fast dramatisch grosser Pessac; 1978 Château La Mission-Haut-Brion. Die Farbe noch mit violettem Schimmer, auch hier schwarze Konturen. Das Bouquet erinnerte an einen gereiften Napa aus allerbesten Lagen, Eucalyptus, Zimt, Brazil-Tabak und viel Heidelbeeren, das Ganze verpackt mit einer malzig-laktischen, fast buttrigen Fülle. Im Gaumen eine unglaublich lange Aromatik aufweisend, die Wiederholung der nasalen Eindrücken. Ein erhabener Bordeaux der Sonderklasse und heute der absolut beste 1978er Bordeaux. Er steht immer noch voll da, während andere sich seit längerer Zeit schon verabschiedeten. Danke Edgar! 20/20 trinken

Zur Käseselektion (da war ein sensationeller Fribourger Vacherin mit dabei!) hervorragend passend -  der 1982 Cheval-Blanc. Die Flasche war absolut perfekt gefüllt. Die Farbe; reifer als beim Latour und Mission! Viel ziegelrotes Braun und auch schon deutlich aufhellend. Die Nase mit viel Malz, noch etwas Caramel, dezent ranziger Butter und fermentierten Schwarzteeblättern. Der Druck im mittleren Bereich. Auch im Gaumen hätte man sich vielleicht etwas mehr Komplexität und Cabernet-Franc-Süsse gewünscht. Aber es ist halt so, dass er damals sehr schnell reifte und sich jetzt nur noch als soft verblassende Legende im Ring hält. Zweifellos ein schöner Saint Emilion mit einer gewissen Sonderklasse. Aber halt leider doch kein ganz grosser Cheval Blanc mehr. Wenn ich noch davon im Keller hätte, würde ich auch relativ bald nach Gelegenheiten suchen, um diesen Wein zackig zu zelebrieren bevor es ganz zu spät ist. 18/20 austrinken  

KLEINE FLASCHE – GROSSE WIRKUNG

Sieben kleine, handgeschliffene Gläschen mit einem goldenden Nektar, aus der 3/8-Flasche, namens 1988 Château d’Yquem boten den Abschluss. Die Farbe recht dunkel, mit orangem Schimmer und leicht bräunlichen Reflexen. Die Nase, zuckersüss, rosinig, Honignoten und kalter Kamillentee. Ein Hauch Safran war da auch drin, aber auch etwas pflanzliches, ganz fein Grasiges. Der Gaumen füllig, reich, mit dezent pappigen Konturen. Im Finish fein kapselige Noten mit einer würzigen, aber doch präsenten Semillon-Nobelbitterkeit. Wohl jetzt grad auf einem recht langen Höhepunkt. 18/20 trinken 

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CHÂTEAU CLERC-MILON LIEGT AM MURTENSEE  

Natürlich weiss ich, als alter Gironde-Hase, dass dieser Titel nicht stimmt. Aber die Bordeaux’ sind sich ja an Auswärtsspiele gewohnt. Es wird logischerweise viel weniger Bordeaux in Frankreich getrunken als im Rest der Welt.

Traditionsgemäss veranstaltet Weinfreund Urs Ratschiller jeweils im Sommer irgendeine ziemlich spannende Vertikalprobe in seinem Caveau in Guevaux am Murtensee. Nach den früheren Aufführungen von Barton, Montrose und Gazin war heuer der Clerc-Milon dran. Mit 28 Jahrgängen zwischen 1953 bis 2010.

Drei Jahrgänge habe ich mit 19/20 bewertet. Und alle wären wohl noch recht erschwinglich. Der 5seitige Bericht mit Fotos ist auf www.bxtotal.com

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EIN MERLOT-ABEND MIT FOLGEN
 
«Ferien, in denen man alles vergisst.» Das ist ein Werbeslogan vom Reiseveranstalter Kuoni. Und dieser Spruch spielte an unserem Merlot-Abend im Restaurant des Bains in Avenches auch eine gewisse Rolle. 

Unsere Frauen wählten das Kinoprogramm und schauten sich in Murten den Film «Verliebte Feinde» im Open Air an.

Die Mannen veranstalteten als Alternative die Inszenierung «Versoffene Freunde».

Gratisbericht von bxtotal

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ISABELLA & STÉPHANE KELLENBERGER LÖSEN ANSATZWEISE
EIN MÖGLICHES WALLISER GENERATIONENPROBLEM


Die Walliser Weine haben ein Generationenproblem! Es gelingt nur schwerlich die neue Geniessergeneration für die traditionellen Tropfen, welche links und rechts dem oberen Rhôneverlauf heranwachsen, zu begeistern. Was wäre die Lösung? Wenn eine junge Winzergeneration genau solche Weine macht, welche zu den Geschmacksbedürfnissen  jüngeren Weinliebhabern passt. Gesucht und gefunden!

Im kleinen Winzerdorf Leuk machen Isabella und Stéphane Kellenberger auch Walliser Weine. Doch sucht man den urtypischen, artisanalen Wallisertouch dort vergebens. Es zwar nicht ganz das Gegenteil von dem was man erwartet, wenn man zu einer Weinprobe eingeladen wird. Aber grundsätzlich steht der Geschmack der Rebsorte mehr im Vordergrund als der gewohnte kantonale Aromen-Absender!

Ein Bericht mit Gamaret-Folgen!

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REIST DER KLUGE IM ZUGE?

Jeden Sommer besuchen wir während den Ferien einen Winzer. Manchmal am Vully, manchmal am Bielersee und heuer fiel die Wahl auf einen Walliser Winzer. Unser Besuchertrupp bestand aus insgesamt sechs Personen. Ich lud ein und beschloss, den grössten Teil des Trips mit dem Zug zu gestalten.

Am Morgen fuhren wir mit dem Auto von unserem Ferienhaus in Cotterd (VD) nach Bern und bestiegen den Zug nach Visp, wechselten dort auf den Regiozug nach Leuk. Zeitaufwand total 162 Minuten. 

Gemäss Goolge-Berechnung wären es mit dem Auto 131 Minuten gewesen. Doch wenn man Ferien hat, spielen 31 Minuten mehr ja wirklich keine Rolle. Der Weg ist ja schliesslich das Ziel. Trotzdem geht dieser Punkt nicht an die SBB.

Und wie sieht die finanzielle Bilanz aus?

Gemäss TCS und K-Tipp kostet jeder gefahrene Autokilometer um die 75 Rappen. Macht für die 176 Kilometer (ein Weg) eine Reisedistanz von 352 Kilometer total also CHF 264.

Genau die Hälfte von uns besass ein Halbtax-Abo. Somit kostete das Ticket für drei Personen CHF 56.- für die anderen drei CHF 112. Macht total CHF 504. Jetzt muss ich fairerweise noch den Weg mit dem Auto von Cotterd nach Bern zum Bahnhof und wieder zurück dazu rechnen. Das sind zwei mal 47 Kilometer mal 75 Rappen. Nochmals 40 Franken und das Parking (CHF 30!), welches mich auf ein Total von CHF 574 für die Zugsvariante bringt. Weit mehr als doppelt so teuer wie mit dem Auto. Leider wieder kein Punkt für die SBB. 

Letzte Betrachtungsweise: Wir fuhren mit dem Zug in der zweiten Klasse. Weder auf der Hinfahrt noch auf der Rückfahrt war es möglich, dass die ganze Gruppe beisammen sitzen konnte. Teilweise standen sogar ein paar Mitglieder unserer Gruppe während gewissen Streckenabschnitten. Auf der Rückfahrt funktionierte die Klimaanlage nicht und es war drückend heiss.

Wenn es halt an gewissen Tagen besonders heiss sei, dann reiche die Kapazität der Klimaanlage einfach nicht mehr aus, meinte der Zugführer. Das scheint mir aber wenig logisch, dass das Ding genau dann nicht mehr funktioniert, wenn man es am meisten bräuchte. Doch lassen wir diesen Umstand jetzt mal fairerweise bei diesem Komfortvergleich ausser Betracht. In meinem Voyager hätten wir problemlos alle beisammen sitzen können und den Standart werte ich doch deutlich über einer zweiten SBB-Klasse. Somit geht auch der dritte Punkt nicht an die SBB.

Zugfahren kann ja in gewissen Fällen schon klug sein. Aber in unserem Fall wäre das Auto doch wesentlich cleverer gewesen. Das nächste Mal mache ich denselben Vergleich bevor ich mir ein Zugticket kaufe!  

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Im WeinWisser und auch auf www.bxtotal.com veröffentliche ich jeweils parallel besondere Monatsweine. Weil diesmal die Wahl auf einen Luzerner Wein gefallen ist, möchte ich das sonstige Geheimnis diesmal nicht verheimlichen...

2010 Pinot Noir B Weingut Ottiger, Kastanienbaum (LU)
«Ehret einheimisches Schaffen!» Wer kennt diesen Spruch nicht? Diesmal gehe ich noch einen Schritt weiter und schreibe sogar; «ehret kantonales Schaffen»! Der hier zu lobende 2010er Pinot Noir B vom Weingut Rosenau ist nämlich in Kastanienbaum, mit Blick auf den Vierwaldstättersee entstanden. Es handelt sich dabei um die Topselektion bei der nur gerade 600 Flaschen abgefüllt wurden. Ein rubinroter, leuchtender Blick, deutet auf die ehrliche Vinifikation hin. Die Nase ist zwar reichlich mit parfümiert-eichiger Süsse durchzogen doch passen diese röstigen Haselnussaromen wunderbar zum Erdbeertouch und zu den Nuancen von reifem Zwetschgenfleisch im ausladenden Bouquet. Im Gaumen balanciert sich die Barriquensüsse mit einer sehr passenden, erfischenden und Struktur verleihenden Säure. Die Rebsorte kommt sehr gut durch und somit kann dieser toll gelungene Wein mit vielen Spitzen-Pinot aus anderen, prestigeträchtigeren Kantonen locker mithalten. 18/20



Man beachte die schönen Etiketten und auch die schönen Gläser...

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LYNCH-BAGES AM DIENSTAG - LYNCH-BAGES AM MITTWOCH

Das war vor 25 Jahren. Da war ich einmal eingeladen bei William Gernet. Er war ein angesehener und ausgewiesener Weinkenner und war bei der Gründung vom Vinum im Spiel. Und er dirigierte die Weinbruderschaft Zofingen. Er war weinweise und ich war damals noch weindumm. Er servierte mir einen alten Lynch-Bages, roch daran und meinte dann zu mir: «Den würde ich auch blind erkennen, denn ein reifer Lynch riecht immer nach Pferdepisse!»

Ich war schockiert! Wie kann man etwas trinken, was Grundaromen von Pferde-Urin in sich trägt? Ich roch daran. Doch der Duft der mir da entgegen kam schien mir doch mehr nach altem, wunderschönem Rotwein zu duften, wie nach – na ja… Ich erspürte Leder, Korinthen, Teer, Torf, getrocknete Kräuter und dahinter sicherlich auch etwas Animalisches. Vielleicht ein Duft, welcher man möglicherweise als Luft in einem Pferdestall wieder findet. Aber wenn man reife Rotweine liebt und Pferde, dann müsste man eigentlich einen alten Lynch-Bages nicht nur akzeptabel sondern geradezu phänomenal finden… 

Einer der meine Degustationsnotizen aufmerksam liest und eben diese subtilen Pferdenuancen immer wieder in den Beschreibungen von mir wiederfand, hatte die Idee einmal – genau aus diesem Grunde – eine Lynch-Bages-Degustation im Pferdestall, respektive in dessen Nähe zu veranstalten. 

Normalerweise bin ich ja für «Kalbereien» stets zu haben. Warum also nicht auch für «Pferdereien»? Also degustierten wir an einem eher kühleren Juni-Dienstag-Abend im Luzernischen Römerswil mit Freunden 17 Jahrgänge (1949 bis 2006) von diesen sagenhaften Pauillac, welcher fast nie enttäuscht. 

Am anderen Tag flog ich nach Köln. Dort durfte ich eine Degustation kommentieren für eine illustre Schar von deutschen Weininteressenten. Das Thema dort; wieder Château Lynch-Bages! Hier waren es ein Dutzend Millésimes zwischen 1983 bis 2008. Ich habe im nachfolgenden Bericht die Eindrücke miteinander vermischt und dort, wo es Flaschenabweichungen gab, entsprechende Ergänzungen gemacht. 

GENIAL: DER 2000ER, EIN AMBOSS-LYNCH!

«Auf alle Fälle ist der Lynch 2000 ein durch und durch grosser Pauillac!» Das schrieb ich bei den Primeurnotizen, als ich diesen tollen Wein erstmals im April 2001 in meinem Degustationsglas hatte. 

Eigentlich ist ein Ambos ja ein Block aus Stahl auf den man schlägt. Ich meine aber mit dem Hinweis, dass dieser Pauillac ein Amboss-Lynch ist, weil er locker andere Weine schlägt. Respektive bei allen wesentlich teureren Grand Curs mithalten kann.

Selten habe ich einen derartigen Power erlebt, ohne dass dabei die Hitze oder der Alkohol einen zu grossen Platz einnimmt.

Wer diesen mit Charme verpackten Boliden heute noch kaufen will, muss 200 Franken hinblättern. Und wer diesen Wein noch nie getrunken hat, der soll gefälligst die Schnauze halten, wenn über ganz grosse Bordeauxweine palavert wird.  

2000 Lynch-Bages: Sattes, sehr dichtes Granat, fast schwarz in der Mitte. Zeigt ein wahnsinniges Powerbouquet, geballt, intensiv, mit viel warmen, hoch reifen Cabernet-Audsruck. Im Gaumen komplex, perfekte, reife Adstringenz, hier stimmt alles und dieser Wein ist heute noch ein Kauf wert, weil er weit weniger als die Hälfte aller vergleichbaren Grand Crus kostet. Es  fehlen nur noch ein paar wenige Dezimalstellen bis zur Maximal-Bewertung. Vielleicht klappt’s ja bei der nächsten Gelegenheit. 19/20 trinken – 2035

Wie die anderen Lynch's von 1949 bis 2008 in Römerswil und Köln schmeckten und die Geschichte von diesem Pauillac-Bomber lesen Sie unter www.bxtotal.com

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Viele Feste
für die
Allerbeste!

Karin Gabriel
feierte ihren 50. Geburtstag mehr
als eine Woche lang...

Gratisbericht!

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MICHEL ROLLAND VERKAUFT SEINEN POMEROL AN DIE CHINESEN!

Das ist für mich unglaublich. Michel Rolland verkauft seinen Pomerol - Château Le Bon Pasteur an die Chinesen, nämlich an Goldin Financial Holdings Limited.

Der sicherlich sehr gut verdienende, bekannteste Star-Oenologe der Welt, hat nebst dem Bon Pasteur (6,62 Hektar) - auch noch Château Rolland Maillet (3,35 Hektar) in Saint-Emilion und Château Bertineau Saint-Vincent (5,5 Hektar) in Lalande de Pomerol verscherbelt. Er bleibt aber önologischer Berater. Also sicherlich eine Win-Win-Situation. Für ihn...

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LAFITE ODER ROSÉ Ein Gratisbericht aus www.bxtotal.com  Hier

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20/20 für den
Sauvignon Blanc
Zieregg 2011 von
Armin Tement. 

Ein perfekter Wein braucht auch ein perfektes Glas.

Bei Tement's in Berghausen wird aus dem Gabriel-Gold-Glas verkostet!

WELTKLASSE: 2011 SAUVIGNON BLANC ZIEREGG, TEMENT

Um es vorweg zunehmen: Es ist der allererste reinrassige Sauvignon Blanc meines Lebens der die Maximalbenotung erhält! Schon der «normale» Sauvignon Blanc (Steirische Klassik) ist bereits eine Mini-Sensation. Somit ist es schon fast eine logische Schlussfolgerung, dass die Premiumlage Zieregg dann das schier Unmögliche schafft. Wir tranken diesen Wein in der Magnothek in Berghausen (sehr empfehlenswertes Restaurant / Steiermark). Armin Tement sass mir gegenüber und meinte beim Einschenken, dass er ihm ziemlich gut gelungen sei. Also war ich bereits vorbereitet. Aber nicht auf das, was dann effektiv folgte! Die Farbe brillant hell mit grünlichem Schimmer. Die Nase von einer derartigen Mineralität, wie ich dies noch nie erlebt hatte, fast noch schweflig im Ansatz durch seine Reduktion, dann aber pfeffrig werdend, einen Hauch von weissem Trüffel zeigend, dann Stachelbeere und Agrumentöne, sehr vielschichtig und sich nur langsam öffnend. Irgendwie kommt mir diese Terroir-Expression bekannt vor? Richtig – Coche-Dury, aber halt nicht wie grosser Chardonnay, sondern auf schier uferloser Sauvignon-Blanc-Basis. Dann kam mir auch noch der Te Koko von Cloudy Bay in den Sinn, als ich ein zweites Mal darin roch. Also Steiermark irgendwie meets Welt-Klasse-Aromatik! Im Gaumen ein Maximum an Komplexität zeigend, enorm füllig und gleichzeitig sensationell ausbalanciert mit einem parfümierten Spiel von Millionen tanzenden Säuremolekülen, weisser Pfirsich, Nektarinensaft, Limetten, Holunderblüten und weisses Cassis, das Finale gebündelt und ellenlang. Ein bewegender Schluck des vielleicht grössten Sauvignon Blanc’s welcher je produziert wurde. Zieregg – auf dem Weg zu einer fraglosen Steiermark-Legende. Mit einem Potential von locker 20 Jahren ausgestattet. 20/20 trinken – 2030

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Jeder darf hier schnöckern! Der Weinkeller vom
Restaurant Farnsburg


DER GRÖSSTE UND BESTE WEINKELLER DER SCHWEIZ

Wer die Farnsburg, respektive das Restaurant Farnsburg einmal aufsucht und Weinfreund ist, der muss da immer wieder hingehen. Und dann sofort immer wieder…

Denn, hier liegen die Weinschätze nicht vergraben, sondern aufgebahrt. Bis dass diese kremiert, pardon bestellt und dekantiert werden. Und dies alles zu sehr, sehr fairen Preisen. 

Hier findet jeder Weinfreund mindestens 50 reife Positionen, welche er – ohne dabei ruiniert zu werden – beim ersten, respektive dann nächsten Besuch trinken möchte. Für mich schweizweit einzigartig…

Die Hausherrin ist Susi Richter. Sie liefert die Hülle, respektive die Immobilie für dieses ländliche Gastro-Wein-Erlebnis oben, in der Basler landschäftlichen Gemeinde Ormalingen. Aussen fix innen nix? Bei Weitem nicht, denn ihr Ehemann, Jürg Richter ist ein leidenschaftlich-fanatischer Weinsammler. Und weil Sammler dazu neigen, immer mehr zu kaufen, als selbst trinken zu können, hat er einen grossen Teil seines Privatkellers jetzt ins unglaublich grosse Wein-Angebot des Restaurant Farnsburg einfliessen zu lassen. 

Jetzt fand die allererste Farnsburg-Raritäten-Probe statt. Zweck; grossartige Weinlegenden mit Freunden und Kunden zu geniessen. Den ganzen Bericht von den 20 grossen Bordeaux findet man auf
Und wer den Jürg kennt, der weiss, dass wenn etwas zum ersten Mal stattfindet, auch ein zweites Mal später folgen wird. Hierzu hat er bereits einen 1945er Hermitage la Chapelle von Jaboulet Ainé und einen Richebourg der Domaine de la Romanée-Conti aus den 30er Jahren auf die Seite gelegt…

1929 Château Haut-Brion, Pessac-Léognan: Die Farbe fast schwarz, darunter der obligate bräunliche Schimmer. Ich hatte noch die Nase vom 1934er Haut-Brion in den Nüstern als ich mich diesem 1929er zuwandte. Und – der ist noch gewaltiger, noch süsser, noch kräutriger, noch vielschichtiger, viel grossklassigen, erkalteten Schwarztee und auch Natermanns-Kräutertee zeigend, Appenzeller-Likör, Fernet-Branca, Mokka. Dieses Bouquet reihe ich in meine allergrössten Bordeaux-Düfte ein. Im Gaumen die Perfektion, die absolute Dichte, bei absoluter Finesse, homogen, zart, ausladend, von allem genug und doch nicht zuviel. Die Balance der Weltklasse, die Finessen vom möglichen Maximum, Gerstenmalz und unglaublich viel getrocknete Küchenkräuter Finale. Der Schluck war bewegend, ich weinte innerlich und der ganze Körper war von einem unbeschreiblichen Glücksgefühl durchflutet. Wenn der 34er Haut-Brion ein König ist – so ist dieser 1929er die amtierende Königin. Früher taxierte ich meine grössten Bordeaux-Erlebnisse 21 von 20  Punkten. Das wäre jetzt wieder so ein Fall gewesen. Es war der letzte Wein in der Serie und ich durfte diesen Flight kommentieren. Als ich fertig war, hatte ich immer noch das volle Aroma im Mund.  20/20 trinken

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WIRD DER 2006ER EIN 20-PUNKTE-BARTON?

Schon beim Dekantieren duftete es von Weitem her herrlich nach ganz grossem Bordeaux und es war der dunkelste, ja fast schwarze Wein dieser grossen Vertikale in Buch (SG)!

Zum Degustieren war er dann ebenso fantastisch. Nach einer Stunde im Glas trank ich den letzten Schluck, nicht ohne davor nochmals den barocken Duft in die Nüstern zu ziehen. Mineralik, ja ganz deutlich. Mineralik in Form von Trüffel, Terpentin und Teer. Also das grosse Terroir-Nasenkino. Im Gaumen nur noch ein kleines Quäntchen von der Maximalwertung entfernt. Ich denke, dass dies einer der grössten Barton-Kandidaten ist, welcher die 20/20 in Griffnähe hat. 

2006 Château Léoville Barton: War der dichteste beim Einschenken und hatte am meisten Depot, sattes fast undurchdringliches Purpur-Schwarz. Das Bouquet zeigt fleischige Blutnoten, wie bei einem grossen Hermitage. Und genau so geht es im extrem konzentrierten Gaumen weiter, da ist viel Fleisch am Knochen, viel körniges Tannine auf der Zunge und viele Muskeln in der Adstringenz. Ein noch strenger Barton mit einem markanten Gerbstoffstempel drauf, welcher an seinen jüngeren Bruder den Langoa erinnert. Er hatte das aromatischste Finale aller degustierten Bartons. Der ebenso geniale 2005er ist eine von der Art her Dame, der 2006er ein Monsieur. 19/20 2018 – 2045 / Weitere 18 Barton-Jahrgänge, neu degustiert

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VALANDRAUD: VOM GARAGENWEN ZUM PREMIER-CRU 

Das könnte man eine önologische Tellerwäscherkarriere nennen. Aus einem no Name ist, nach genau 20 abgefüllten Jahrgängen – Dank neuem Klassement – ein Premier Grand Cru classé geworden. 

Und jetzt haben es auch die letzten Saint-Emilion-Fans gemerkt; Valandraud ist definitiv in der Topliste gelandet. 

Der erste, als Premier klassierte schwierige Jahrgang 2012 erhielt von mir bei der Fassverkostung 19 Punkte. Als einziger Saint Emilion – nota bene! Vielleicht sorgte ein Trick für diese Poole-Position. Ein Valandraud kann bis zu fünf Rebsorten im Blend einverleiben. Klar ist der Merlot immer der Löwenanteil, doch auf den 10 Hektar (Beginn mit 80 Aren!) sind auch noch Cabernet Sauvignon, Malbec, Petit Verdot und Carmenère angepflanzt. Beim Jahrgang 2012 setzte.

Jean-Luc Thunevin war für einen Valandraud-Abend im Restaurant 20/20 in Zürich. Ein stimmungsvoller Bericht wäre hier zu finden. 

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BOCK AUF VELTINER?

Wer bei einem Rotwein bei einer doch ziemlich hellen Farbe sofort misstrauisch wird, soll unbedingt weiterlesen. Die anderen auch!

Denn wer den Jahrgangslosen Rotwein mit dem Namen Veltliner Flüssige Sonne von Zanolari Chur im Glas hat, der kann – auch wenn da ziemlich viel im Glas drin ist – durch die Rotweinfarbe hindurch noch locker die Zeitung lesen. Also ein «News-Paper-Wine», wie ich solche Weine oft scherzhaft beschreibe.

Und vielleicht ist gerade deshalb die Erwartungshaltung nicht besonders gross beim ersten Augenkontakt. Auch die Nase gibt eigentlich nicht besonders viel her. Etwas erdige Noten, schwache Tabaknuancen, dann kaltes Zwetschgenkompott, etwas Zedern, aber wie schon eingangs geschrieben, von generell verhaltenem Aromendruck… 

So oder so kommt jetzt, nach dem visuellen und nasalen Kontakt der sensorische Moment. Also nehme ich einen grossen Schluck in den Gaumen. Mhhh! Saftig, weich, lang, geschmeidig, jetzt wesentlich mehr Aromen frei gebend, aber noch immer weit entfernt von überbordend.  

Also bin ich enttäuscht? Nein – denn der Wein ist gut. Genauer gesagt sogar «saugut». Nicht auf die denkwürdige, sondern vielmehr gesellige Art. So eine Typ von Kumpel durch dick und dünn. So wie eine Gerstensuppe halt. Ich fange an zu überlegen, wozu ich diesen Veltliner sonst noch trinken könnte. Ja…  Capuns, Maluns, Wildpfeffer, Bündnerfleisch, Bergkäse. Alles Bündnerische halt! Doch auch anderes würde gehen. Viel mehr anderes. 

Man müsste halt einfach den Mumm haben und den Gästen erklären, dass man halt einfach Mal Bock auf Veltliner hatte. Und dann würden die älteren Semester wohl anfügen, dass der früher nie richtig gut war und man den nur gerade im Winter in den Skihütten trinken konnte. Dafür grad in grösseren Menge, weil halt grad die Stimmung so gut war. Oder es halt grad nichts anderes auf der nicht vorhandenen Weinkarte gab. Ab dieser Veltliner von Zanolari sei jetzt unerwartet «cheibe guet»!

Veltliner ist vielleicht gerade ein unkomplizierter Wein für unromantische Mussestunden. Bei dem man sich nicht unterhalten will und sich nach einer seltenen Langeweile sehnt. Bei dem man halt einfach das zweite Glas einschenkt, weil man sich nicht mehr so richtig an das erste erinnern kann. Es ist ein beruhigender Tropfen in der überlauten, manchmal schon ziemlich nervigen Weinszene.

Und gleichzeitig kann man ihn auch für das Gegenteil einsetzen. Für Partys bei denen es so richtig fegt. Und auch für das nächste Grillfest scheint er geradezu prädestiniert. Weil er es – trotz seiner vorgetäuschten Leichtigkeit – mit den knusprigen Fleischkrusten locker aufnimmt. Und, das wird die Budgettrinker freuen, dieser sehr gut Veltliner kostet viel weniger als ein sehr gutes Steak.  

Ich degustierte den Wein und spuckte ihn aus. Dann schrieb ich diese paar Zeilen. Fast schon unbewusst schenkte ich mir dann ein schönes Glas ein, genoss es und ärgerte mich ein Bisschen, weil ich am Mittag das Schweinekotelett nur mit Wasserbegleitung ass. Schade! Jetzt hätte ich wirklich Bock auf ein zweites Kotelett und Bock auf ein drittes Glas Veltliner! 

Im zugesandten Paket waren noch zwei weitere Weine drin…

2009 Veltliner Riserva Zanolari, Chur: Deutlich aufhellendes, transparentes Weinrot mit orangen Reflexen. Zarter Malagarosinenduft, Tabak, Hölzer, Rauchnuancen, Gewürznelken, schwarze Pfefferkörner. Mehr Würze wie Frucht, alles fein vermischt. Im Gaumen warm, rund, weiche Säure und schön pflaumig im schlanken Extrakt, klingt lange nach und zeigt dabei wieder seine fein rauchige Würze. 17/20 trinken 

2006 Sforzato Zanolaris Weine Chur: Mittleres Granat, ziegelroter Rand. Delikates Bouquet, getrocknete Rosenblätter, dominikanischer Tabak, helle Hölzer, Bastnoten. Im Gaumen recht viel Holunder, gekochte Kirschen, feiner Hagebuttengelée und eine angenehme, säuerliche Note. Eine Art Ripasso light. Da kann man sich gut einen gereiften Gorgonzola dazu vorstellen. 16/20 trinken   

www.zanolari.ch    

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Nüchtern betrachtet - war das Leben besoffen besser!

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DONTASCH’S PINOT-TOP-DUO

Der Jahrgang 2011 wird wohl ganz gross in der Region Bündnerland. Die ersten zwei Vorboten durfte ich mit etwa 50 Weinfreunden an einem maiigen Montag bei den Donatsch’s im Restaurant Ochsen in Malans vorkosten. 

Und die Nachfrage nach diesen beiden genialen Pinot Noir’s wird wohl das Angebot schnell übersteigen. Also lohnt es sich, rechtzeitig zu bestellen. Am besten geht das, wenn man sich in die heimelige Gaststube hockt und zufällig fragt, wie denn die roten 2011er würden und wann diese auf den Markt kämen. Und wenn dann der Thomas oder der Martin zu Schwärmen anfangen, dann sollte man sich ganz fest für ein paar Flaschen interessieren. Denn ich nehme an, dass Stammkunden den Vorrang haben. Und dann kommen die Gäste. Und wenn man in der Gaststube sitzt, dann ist man ja schliesslich grad zufällig ein Gast.   

2011 Pinot Noir Passion, Donatsch «zum Ochsen», Malans: Funkelndes Rubin. Fein pfeffriges Bouquet, viel Himbeeren und rote  Piemontkirschen, dahinter ein Hauch Milchkaffee, diese dezent laktische Tendenz zeigt die hohe Reife des Traubengutes an. Lang gezogener Gaumen mit einer dezent pikanten, aber wunderschön eingebundenen Säure, absolut reintönig und klar ausgerichtet. Dürfte einer der allerbesten Passion sein in der erfolgreichen Geschichte dieses grossartigen «Spiger-Ersatzes». Kaufen! 18/20 trinken – 2022

2011 Pinot Noir Unique, Donatsch «zum Ochsen», Malans: Aufhellendes Granat mit rubinem Rand. Fein floraler Beginn, Rosenpfeffer, Waldhimbeeren, rote Johannisbeeren und eine feine Gebäcknote von den dazu passenden Barriques, pardon Burgunderpièçen. Im Gaumen komplex zum einerseits grossen Potential – andererseits reifen Tanninen. Hier ist ein fragloser Burgunder-Grand-Cru, made in Malans entstanden. Als ich die Fassprobe genüsslich geschluckt hatte (was ich sonst nie mache…). kritzelte ich noch das Wort Richebourg neben die verdiente Wertung. 19/20 2015 – 2028

Bezugsquellen: http://www.donatsch-malans.ch/de/

Der Fotobericht ist auf www.bxtotal.com aufgeschaltet...

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WUNDERSCHÖNE 1999ER-BORDEAUX!

Lieber reif als gross - dies ist mein ständiges Genussmotto. Ein Keller will bewirtschaftet werden. Will heissen; man trinkt zuerst die reifen Weine und wartet auf den Einsatz der noch geduldigeren Flaschen. Deshalb kann es sein, dass man gewisse 1995er- und 1996er- Kisten aus dem Médoc noch im «Bretterverschlag» lässt und sich gescheiter nach den 1999er Bordeaux vergreift.

Wie herrlich der Pichon-Baron und der Gruaud 1999 zu trinken sind, habe ich an anderer Stelle schon ein paar Mal geschrieben. Jetzt haben wir bei Lucien (als Côte-d’Azur-Schlechtwettertrost) u.a. ein paar spannende, respektive wunderschöne Grand Crus aus diesem (zu) wenig gerühmten und zugegebenermassen auch schwierigen Jahrgang genossen. In kleineren Jahren haben ja bekanntlich die grossen Terroirs die Nase vorn. Und die drei nachfolgend erwähnten Châteaux bestätigen diese einschlägige Regel. 

1999 Château Ducru-Beaucaillou, Saint Julien: Wenn ich sonst jeweils von roten Pflaumen schreibe, dann sind das meist Andeutungen von Schalen-Unterreife. Und das könnte in den ersten Jahren bei diesem Ducru auch der Fall gewesen sein. Aber irgendwie hat man damals etwas zu viel neue Barriquen eingekauft und so bringt die halbrahmige Süsse einen schönen Aromenkompromiss in den jetzt eleganten, fein gereiften Wein. Ducru ist ja eh (wie Latour und Haut-Brion) für erstaunliche Schlechtwettervarianten bekannt. Dieser Wein – hier aus der Magnum genossen – bereitet jetzt als feiner, sehr gut balancierter Saint Julien sehr viel Freude! 17/20 austrinken 

1999 Château Palmer, Margaux: Auch hier eine Magnumflasche, welche wir bei Mario im Restaurant Hermitage in Ste. Maxime genossen. Die Farbe schon ziemlich transparent mit leuchtendem Rubin, feiner Reiferand. Die Nase offen, mit mittlerem Druck, dafür beerig süss mit duftendem Edelholz. Im Gaumen burgundisch, weich mit einem delikaten, recht langen Maulbeerenfinale. 17/20 austrinken 

1999 Château Margaux, Margaux: Kleiner Jahrgang? Mitnichten! Noch immer sehr satt mit vielen Purpur-Reflexen. Die Nase sehr beerig (Waldhimbeeren), rote Kirschen und ein süssen Hauch Grenadine im mit hellen Tabak durchsetzten Bouquet. Im Gaumen satt, stoffig und immer noch gute Adstringenz, wenn auch logischerweise abklingende, zeigend. Wir hatten den Wein drei Stunden in der Karaffe. Und … er war genau auf dem Punkt. 19/20 trinken   

Konklusion: In den Keller gehen und die restlichen 1999er Bordeaux für die nächsten paar Monate bereits stellen. Einen besseren Sommerwein gibt es nicht!

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VINATTIERI &
CASTELLO LUIGI

75 Gäste pilgerten zu Luigi & Luigi Zannini nach Ligornetto.

Grosse Weine, Risotto, Capretta, Formagio. Was will man mehr?

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Superfood, Superwein, Superjürg, Super ????

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Ewigi Liebi?

Keine Angst - meine Karin ist mir nicht untreu geworden.
Als wir für das Geburtstagsfest von unserem Freund Charly B. sangen, war zufällig der Mash-Sänger Patrick Bernhard im Vierzähni und sang den Swiss-Hit mit Karin...

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Superstimmung und Full-House im Ochsen Malans!


Die Familie Donatsch (Heidi, Thomas, Martin), Willi Valotti mit einem Teil seiner Wyberkapelle und René Gabriel. 

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Karin Gabriel
feierte ihr
30jähriges
Mövenpick
Jubiläum im Restaurant
20/20 in Zürich!

Mit Überraschungs-gast (Schauspieler Walter Andreas Müller) und 
Überraschungswein (1983 Château Pétrus). Story

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EINE GROSSARTIGE KNOLL-FÜLLUNG FÜR DIE VINOTHEK

Das Weingut Knoll ist schon fast, wie die Wachau selbst, eine Art Welt-Kultur-Erbe. Jedenfalls für Freunde der ganz grossen Wachauer Weinen. Denn dieser traditionelle Familienbetrieb steht für ganz grosse, lagerfähige Smaragde ganz hoch im Kurs.

Insbesondere hat sich Emmerich und Emmerich Knoll (Vater und Sohn) einer möglichst charaktervollen Lagentypiziät verschrieben. Vielleicht ist gerade aus dieser tugendlichen Not im Jahr 1988 erstmals eine Vinothekfüllung entstanden…  Bericht!

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GUIGAL’S LALA’S: PARKER LOBT – GABRIEL TOBT

Gabriel macht keine 100-Punkte-Bewertungen! Seit meinen Notizen-Anfängen vor mittlerweile 30 Jahren bleibe ich stur bei «meinem» 20-Punktesystem. 

Werde ich nach diesem Umstand befragt, dann sage ich immer schalkhaft, dass ich mit 20 Punkten fünf Mal mehr saufen kann, um auf 100-Punkte zu gelangen. Um es vorweg zu nehmen. Robert Parker hat den drei nachfolgenden 2003er Guigal-Spitzen-Crus insgesamt 300 Punkten attestiert. Rechne ich meine Wertungen linear um, dann würde ich maximal auf 265 Punkte kommen. Also eine doch massive Differenz. Das ergibt für mich (und möglicherweise auch für Robert Parker) einen gewissen Erklärungsnotstand. 

Im Prinzip ergab sich aus der Produktion der Weine und den Parker-Bewertung ein Schicksalskreislauf. Als Marcel Guigal anfing, seine Toplagen mit immer mehr Holz auszubauen, wurde dies mit immer mehr Parker-Punkten quittiert. Mittlerweile werden diese einstig klassischen Côte-Rôtie’s mindestens vier Jahre (!!!) in neuem Holz ausgebaut.

Das sind sagenhafte 48 Monate. Zum Vergleich; einem ganz grossen Bordeaux reichen 18 Monate Barriqueausbau völlig. Weil ich die genialen ganz alten Jahrgänge von La Mouline und La Landonne kenne (den La Turque gibt es erst seit 1985!), kann ich mich mit dem neuen Ausbau-Stil einfach nicht abfinden. Hier wurde meiner Ansicht nach ein Pakt mit dem Holzteufel geschlossen. Gabriel’s Zusammenfassung; zu viel Holz und zu lange im Holz! Die ursprüngliche Grund-Typizität der einzelnen Crus ist leidlich mit Fett und Caramel zugedeckt. Ein Umstand, welchen man sonst höchstens bei einfacheren Blufferweinen findet und nicht bei solch grossartigen, unübertrefflichen Rhône-Terroirs! 

2003 Côte-Rôtie La Mouline, E. Guigal: Viel Syrah, wenig Viognier. Dichtes, sattes Purpur. Viel Caramel im ersten Nasenansatz, dahinter Buchenholztöne, Kaffee, helles Malz, gedarrte Biergerste, getrocknete Aprikosenhaut. Im Gaumen überfüllig, viel Fett, alles ist cremig, im Innern Linzertorten-Aromen, helle Pralinen, gebündeltes Finale. Perfekt gemacht. Wobei «gemacht» leider viel intensiver gemeint ist als «perfekt». Da ist klar zu viel und zu lang Holz im Spiel 18/20 trinken – 2025 

2003 Côte-Rôtie La Turque, E. Guigal: Viel Syrah, ganz wenig Viognier. Aufhellendes Rubin-Granat, satte Mitte. Viel Malz, Schokoriegel, reife Pflaumen und auch Dörrfrüchte, Teer, schwarzer Pfeffer, gibt sich sehr tiefgründig. Im Gaumen satt, extrem konzentriert, unglaublich sattes Extrakt, viel Mokka, dezent spröde Tannine im Finale. Auf Maximum getrimmt und zu viel gewollt. Ich will mich aber mit den Guigal-Drögelern nicht anlegen und gebe ihm eine sehr grosszügige Wertung. Die hat er bei seinem Preis auch «verdient». 18/20 trinken – 2028

2003 Côte-Rôtie La Landonne, E. Guigal: 100 % Syrah. Granat mit aufhellendem Rand. Geniales Bouquet, das massive Holz ist bei diesem Cru weniger spürbar im ersten Nasenansatz, Sommertrüffel, Jasmintee, Gewürzneklen, arabischer Kümmel, getrocknetes Rebholz, dezente Rauchnoten. Im Gaumen verlangend, sehnig im deutlich adstringierenden Muskelspiel. Hat Charakter und das grösste Potential der drei Guigal-Crus im Jahr 2003. Bekommt von mir einen Sonderpunkt, weil die Typizität im Untergrund deutlich spürbar ist. 19/20 trinken – 2040

Trotz meiner Kritik habe ich den 2003er La Landonne in meinem Keller!
Aber nicht den teueren, überholzten von Guigal, sondern den günstigen, ehrlichen von René Rostaing!

An diesem teuren Weinabend in Bussum (Holland) gab es auch noch etwas Pétrus, Harlan, Beaucastel, Mugnier, Yquem u.s.w. Der Rest ist wie immer auf www.bxtotal.com   

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Das Gabriel-Glas ist jetzt auch in Japan erhätlich. Hier ist der Beweis

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MIT 66 JAHREN HÖRT FÜR GEWISSE FLASCHEN DAS LEBEN AUF

Das Jahr 1947 bot ein paar ganz markante Eckpfeiler: So erschien im Januar erstmals in Hamburg der Spiegel. Im Februar stellte Christian Dior seine erste, eigene Kollektion vor. Im März wurde der Französisch-Britische Beistands- und Bündnispakt geschlossen. Im April werden sechs ehemalige SS-Angehörige in Prag hingerichtet. Im Mai wird das Heiratsverbot zwischen Deutschen und US-Besatzungssoldaten aufgehoben. Im Juni findet (erstmals seit 1939) wieder die Tour de France statt. Im Juli wird das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz in eine Gedenkstätte umgewandelt. Im August entlässt Grossbritannien Indien und Pakistan in die Unabhängigkeit. Im September werden im Bordelais unter anderem die Trauben vom Cheval Blanc und Pétrus geerntet. Und daraus entsteht dann der legendäre Jahrgang 1947. Im Oktober stirbt der Physiker und Nobelpreisträger Max Planck. Im November heiratet Prinzessin Elizabeth, spätere Königin Elizabeth II. (geb. 1926) von Grossbritannien, Oberleutnant Philip Mountbatten (geb. 1921). Im Dezember wird Gabriels Lieblingsgitarrist Paco de Lucia in Spanien (Cadiz) geboren. 

Und genau 66 Jahre später findet im luzernischen Gasthaus Sempacherhof eine ganz besondere Weinprobe statt. Alle elf Weine sind vom Jahrgang 1947. Bis auf den 1995er Montrose. Das Alter der Teilnehmer schwankte zwischen 70 (Krummi) und 42 Jahren (Osi). Hier ein Gratis-Bericht aus www.bxtotal.com

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Das war eine ziemlich intensive Austria-Woche. Am Mittwoch die GV von der Gabriel-Glas GmbH mit meinem Partner Siegfried Seidl in Golling bei Döllerer. Am Donnerstag der Vinothek- und Châteaufüllugen-Abend im Loibnerhof in der Wachau mit den Familien Knoll und 40 Gästen. Dann am Freitag der Big Bittle Summit mit 150 Gästen, 28 Austria-Grossflaschen und 4500 Tapas im Restaurant Josef in Linz und dann am Samstagabend die grosse Bordeaux-1983-Probe mit Werner Feldner in Zell am See in Mayer's Restaurant.  Hier eine Fotomontage vom Linzer Event.

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DER BORDEAUX-PRIMEUR 2012

hat mich geschafft und ich habe ihn geschafft...


12 Tage, 482 Fassproben beschrieben, über 1000 degustiert. 

DER BORDEAUX 2012: MERLOT & TERROIR 

Von 19-Punkten abwärts ist alles möglich! Heisst; es gibt beim aktuellen Primeur-Jahrgang keinen einzigen Wein, welcher die Maximalnote erhielt. 17 Spitzenweine erreichten die Wertung von 19/20. Handelt es sich also doch um einen ziemlich grossen Jahrgang?

Jein! Denn, wenn ich meine 19-Punkte-Kategorie in die drei in Bordeaux-Grundkategorien aufsplitte, dann komme ich auf eine Unglückszahl. Es sind 13 Rotweine! Die vier Weissweine sind alle trocken und stammen alle aus Pessac-Léognan. Die grossen Gewinner vom letzten Jahr, die Sauternes, sind heuer – aufgrund der schwierigen Wetterkonditionen – die Verlierer.

Dass es zwar ein sehr guter, aber doch normaler Bordeaux-Jahrgang wird, dafür sorgten die Wetterverhältnisse. Hier ein Abriss im Telegrammstil: Trockener Winter - der kälteste Februar seit 50 Jahren - April mit intensiven Regenfällen - Mai und Juni sehr wechselhaft - ab Mitte Juli bis Mitte September extreme Trockenheit - besonders der August so trocken wie schon Jahrzehnte nicht mehr - ab September warm und feucht - Probleme mit Mehltau - Fäulnisgefahr der Trauben vor der Ernte – die Ernte erfolgte nicht selten während dem immer wieder kehrenden Regen! 

Also lag es am Winzer, das bestmögliche aus diesem meteorologischen Fuchs- und Hasenspiel heraus zu holen. Also werden viele Journalisten zum x-ten Mal die Melodie von einem «Jahr des Winzers» trällern. Doch das ist eine uralte Floskel. Und die gilt für mich schon lange nicht mehr. Ein Winzer kann nichts dazu gewinnen, nur verlieren. Es muss im richtigen Moment die richtigen Entscheide treffen. 

Zweite Frage, wer ist denn bitte der «Winzer»? Der Châteaubesitzer? Der Direktor? Der beratende Önologe? Der Chef du Culture? Oder meint man damit gar den Maitre de Chais? Je grösser ein Weingut ist, desto schwieriger wird es – in gewissen Fällen – überhaupt richtig reagieren zu können. Beispiel 2012, am linken Ufer (ganzes Médoc und Graves-Gebiet): Da es Anfangs Oktober zu warm war und es vor Beginn der Haupt-Cabernet-Ernte zu regnen anfing, galt es die restlich Trauben so schnell wie möglich in den Keller zu bringen. Sämtliche Châteaux suchten alle im selben Moment fieberhaft nach Erntehelfern. Bei den schwächeren Châteaux wurde die Ernte der knapp reifen oder noch etwas unreifen Trauben verregnet. Folge: Verdünnte Weine mit grünen Spuren. Nicht selten verwendete ich bei der Beschreibung das Wort «Eucalyptus», also haben nicht wenige Rotweine heuer einen leicht chilenischen Touch in deren Grundaromatik. Das ist dann immer noch viel besser wie dort wo die Begriffe «vegetal» oder «Geraniol» bei der Aromenbeschreibung als Attribute auftauchen. 

Insgesamt braucht sich der Bordeaux 2012 ganz und gar nicht zu schämen. Für das durchaus positive Erscheinungsbild sorgt eine recht grosse Anzahl von sehr gut bewerteten Weinen. Wie schon erwähnt sind es 17 Weine mit 19-Punkten, dann 86 Weine mit 18-Punkten und 182 Weine mit 17-Punkten!  

TERROIR-JAHR AM LINKEN UFER

Und jetzt kommt der Aspekt des Terroirs zum Tragen. Je frühreifer das Terrain, desto reifer war der Cabernet Sauvignon. Den frühesten Vegetationsstand haben immer Château Haut-Brion und Château Latour. Somit sind die beiden Weingüter für meine Behauptung, dass der Jahrgang 2012 unter anderem ein Terroirjahr ist, logischerweise als Favoriten gesetzt. Von den insgesamt 13 Weingütern, welche die besten Jahrgangsnoten (19/20) erhielten sind gerade Mal fünf Châteaux vom linken Ufer.  

MERLOT-JAHR AM RECHTEN UFER

Acht Weingüter vom Libournais haben es in die Top-Favoriten geschafft. Somit sind diese in aber Überzahl. Die allerbesten Weine (7 Châteaux) kommen aus den Pomerol. Bis auf ein Weingut sind es alles populäre, also sehr bekannte Crus. Und alle liegen auf dem berühmten Plateau. Dort war der Merlot absolut sensationell. Also ist der Bordeaux 2012 definitiv auch ein Merlotjahr! Ein einziges Weingut aus Saint Emilion ist da auch mit dabei. Aber, es ist kein A-Premier! Denn diese sind ja in der Regel in hälftiger, oder zumindest ergänzender Form auf den Cabernet Franc angewiesen. Und der war heuer leider ein reduzierter Qualitätslieferant. Also zusammengefasst;  die Besten kommen aus Pomerol und einer aus Saint Emilion. Und der ist kein Blend, sondern ein 100%iger Merlot! 

DEGUSTATIONS-KRITERIEN

Damit meine ich nicht, wie man einen Wein degustiert, sondern ob man einen Wein überhaupt degustiert. Es macht nämlich keinen Sinn, alle zur Degustation hin gestellten Weine vollumfänglich zu verkosten. Das würde meine Kapazität bei Weitem übersteigen. Aber – es soll trotzdem jeder Wein eine gewisse Chance bekommen, möglicherweise in den Olymp der publizierten Weine aufgenommen zu werden. Somit unterliegt der Entscheid, einen Wein von A bis Z zu Verkosten und zu Beschreiben verschiedenen Stufen:

Stufe 1: Der Wein wird eingeschenkt, die Farbe betrachtet:

a.) sehr hell = möglicherweise verregnet, grosser Ertrag oder grundsätzlich dünn.

b.) sehr dunkel = zu stark extrahiert und über den Jahrgangsmöglichkeiten vinifiziert.

Der Wein wird zur Nase genommen und dann entscheide ich ob ich zur Stufe 2 gehe oder das Fassmuster ohne zu Degustieren gleich wieder ausleere. Wenn es ein bekannteres Weingut ist, degustiere ich den Wein logischerweise auf jeden Fall von A bis Z.

Stufe 2: Der Wein hat es geschafft und wird degustiert:

a.) von einem Wein der auf der Kippe steht, nehme ich nur einen ganz kleinen Schluck in den Gaumen – ohne mich nochmals um das Nasenbild zu kümmern. Ich analysiere auf der Zunge, ob der Körper mindestens mittelgewichtig ist und ob die Säuren und Tannine ab der Mitte der Zunge in einem erträglichen Mass sind und zum Rest passen. Wenn dies nicht der Fall ist, wird der Wein – ohne im Laptop zu beschreiben – ausgeleert.

b.) eignet sich der Wein für mindestens 16-Punkte, dann spucke ich die Miniration aus und beginne ich den üblichen Ablauf; Farbe / Nase / Gaumen / Konklusion / Bewertung / Genussreife.

So kam ich während der 12tägigen Primeur-Selektion mit mehr als tausend Fassmustern in weiss, rot und süss in Kontakt. 482 Weine haben es in die Access-Kartei geschafft. Will heissen, sind mit mindestens 16-Punkten bewertet worden.  

BEKANNTE ENTTÄUSCHUNGEN

Ja und da gibt es noch eine kleine Kartei mit neun Weinen mit absolut schwachen 15-Punkten. Natürlich gäbe es viel mehr Weine mit dieser knappen Bewertung. Bei mir sind das aber nur eher bekannte Châteaux, welche den schwarzen Peter bekommen haben. Ich reihe diese hier auf, weil es durchaus bekannte Namen sind. Und die haben es alle in die weniger schmeichelnde Nicht-Kauf-Kategorie geschafft. Und damit Sie diese Weine nicht fälschlicherweise ordern, seien diese hier an den Gabriel-Pranger gestellt: La Tour de By, Cantemerle, Citran, Coufran, Cap-de-Mourlin, Clos de Sarpe, Couhins-Lurton und Olivier in rot und Suau in süss. 

P ODER P: KAUFEN – NICHT KAUFEN?

Es gibt zwei Haupt-Argumente Bordeauxweine «en primeur» zu kaufen. Entweder sind es die Punkte oder der Preis. Ein paar Beispiele:

a.) bei Jahrgängen 2009 und 2010 hagelte es nur so von ausufernden Bewertungen. Also stimmten die Punkte in erster Linie und die Preise in zweiter Linie. Wenn überhaupt!

b.) bei den Jahrgängen 2004 und 2008 stimmte der Preis in erster Linie und die Bewertung in zweiter Linie. Beide P’s waren da sehr nahe beieinander – also ein sehr guter Kauf!

c.) Beim Jahrgang 2011 stimmten weder der Preis noch die Punkte. Resultat: ein Mega-Flop 

Und genau hier liegt die ganz grosse Chance des Bordeaux 2012. Die Qualitäten der besten Rotweine liegen über dem Bordeaux 2011. Die Preise werden deutlich darunter liegen. So genau weiss ich das noch nicht, aber die Bordelaiser können es nicht mehr leisten, wieder auf einem zwar guten, aber nicht spekulativ hoch bewerteten Jahrgang sitzen zu bleiben. Momentan spielt jetzt grad der lethargische Blues an der Gironde und die önologische Börse hat gewaltig ausspekuliert. Wenn der Bordeaux 2012 im Markt Erfolg haben will, dann müssen die Preise so nah wie möglich an die Primeur-Lancierungen des Bordeaux-Jahrganges 2008 fallen! 

WENN KAUFEN – WAS KAUFEN? 

Das ist heuer a.) eine Budgetfrage und b.) eine Terroir- oder Merlot-Frage. Ganz sicher ist der Bordeaux 2012 für jene Kunden geeignet, welche bei den Jahrgängen 2009 und 2010 die Faust im Sack machten. Dies könnte aus zwei Gründen der Fall gewesen sein: a.) wegen den exorbitanten Preisen oder b.) wegen den unglaublich hohen Alkoholwerten. 

BESCHREIBUNGEN, BEWERTUNGEN, STORYS, INTERVIEWS, FOTOS

Jetzt haben Sie zwei oder drei Möglichkeiten:
a.) sich mit diesen Informationen rund um den Bordeaux zufrieden zu geben oder den 75seitigen Detailbericht von meinen 482 Fassproben auf www.bxtotal.com nachzulesen. Indem Sie sich...
b.) einloggen
oder
c.) anmelden!   

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ZUNGENPIERCING

Als ich den Fleur Cardinal verkostet hatte, dachte ich mir, dass jetzt die maximale Degustations-Schmerz-Grenze erreicht sei. Doch es gab noch eine Steigerung! Nach dem Ausspucken des Clos de Sarpe kam ich mir vor, als hätte mir jemand einen Nagel in die Zunge gestochen und der Gaumen war eine geraume Zeit wie gelähmt. Wenn man sich – mangels gutem Terroir – auf’s Extrahieren und zu Konzentrieren spezialisiert, müsste man als Weinmacher irgendwo die Grenzen spüren. Man wüsste irgendwie über die Jahre gelernt haben, wo es anfängt, respektive wo es allerspätestens aufhört.

Du hast mir so weh getan – Du Clos de Sarpe! Nächstes Mal werde ich vom Châteaubesitzer Schmerzensgeld verlangen. Leider reicht es bei mir somit nicht für eine gute Note. Aber vielleicht irgendwann für einen Eintrag im Guiness-Buch für die brutalste 2012er-Primeur-Fassprobe!

2012 Clos de Sarpe: Extrem dunkles Purpur mit lila und violetten Reflexen. Beginnt wie ein Amarone oder ein just mit Alkohol versetzter Portwein, dann überreifes Cassisbouquet, Brombeerenkonfitüre, geröstete Kernen, wirkt süss und ausladend, zeigt aber auch gewisse Tiefe an, in der zweiten Nase Honigspuren. Im Gaumen mit brutaler Adstringenz, scharfes Extrakt, die pikanten Tannine tun so weh, dass die Adstringenz fast masochistisch den Gaumen belegt. Das ist eine technische Extrahierungsbombe. Was das heissen will? Man wollte holte im Keller drei Mal mehr heraus, als im Rebberg möglich war. 15/20 2019 - 2038

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ES IST NICHT EASY MIT DEM JET

Als ich elektronisch eincheckte, kaufte ich mir noch zusätzlich einen Koffer zum aufgeben. In diesen legte ich dann die vier Flaschen in Styropor rein, welche ich für gewisse Einladungen mitnahm. So den 1928er Haut-Bages-Liberal für den Lunch mit Claire Villars auf demselben Château in Pauillac. Und drei Jahrgänge La Pointe (1959, 1962 und 1966) für das Diner mit Eric Monneret auf Château La Pointe in Pomerol. 

Beim Einchecken in Basel-Mulhouse schaute der Easy-Jet-Einchecker bereits vorwurfsvoll auf meine zwei Koffer. «Ich habe zwei Koffer beim Buchen bezahlt», vermeldete ich ihm, um ihn etwas fröhlicher zu stimmen. Sein Gesicht blieb mürrisch; Scheissjob bleibt Scheissjob!

Als beide Koffer auf der Waage waren, meldete er sich: «Sie haben Übergewicht!».

Das weiss ich auch. Ich hatte mir im Januar vorgenommen – ohne strenge Diät – einfach etwas mehr auf meine Ernährung zu achten, doch jetzt – Ende März – war leider (noch) kein Erfolg in Sicht.

Natürlich meinte er nicht mich, sondern mein Gepäck…

Ja genau deshalb hätte ich ja einen zweiten Koffer zu CHF 18 gebucht, weil ich wusste, dass ich mit einem Koffer nicht durchkomme.

Den hätte ich ja bezahlt, das sähe er im System. Aber das Gesamtgewicht sei zu hoch.

Das kann doch nicht sein. Es müssten ja höchstens total 30 Kilo sein und es wären doch 20 Kilo pro Koffer erlaubt. Nein, das kann nicht sein, das man für einen Koffer mehr bezahle und dann nochmals Übergewicht bezahlen müsse. Zwei Koffer würden doch 40 Kilo machen und ich hätte ja nur 30 Kilo – insgesamt.

Nein, es wären 20 Kilo insgesamt. Man könne schon zwei Koffer buchen, aber es wären insgesamt dann immer noch 20 Kilo. 20 Kilo pro Passagier und nicht pro Koffer!

Ich müsste für mein mit geschlepptes, externes Übergewicht 14 Euro pro Kilo zahlen.

Mürrisch ging ich zum Easy-Jet-Abzocker-Gewichts-Zusatz-Schalter und bezahlte die mir unverständliche Zeche.

Mann rechne:

Transport Gabriel: CHF 77.95 macht 65 Rappen pro Kilo im Passagierraum.
Transport Gepäck: CHF 192.30 macht CHF 6.34 pro Kilo im Frachtraum.

P.S. Um nicht wieder am Eincheck-Schalter des Easy-Jets schikaniert zu werden, packte ich den grossen Koffer so, dass er ganz sicher unter 20 Kilogramm wog. (Es waren ja jetzt keine Flaschen mehr dabei…). Den ziemlich leichten, silbrigen Alukoffer legte ich zwischen die gebrauchte Wäsche.

Dann legte ich den Computer und meinen Karaoke-Mixer in den kleinen Koffer. Beim Handgepäck gibt es beim easigen Jet nur eine Grössenlimite, aber keine Gewichtslimite. Im Prinzip könnte man ihn mit Blei volladen. Das würde überhaupt keine Rolle spielen. 

Also stellte ich den grossen Koffer beim Check-in Bordeaux-Genf auf die Waage und war extrem erleichtert. 19.6 Kilo. Die sehr nette Dame blickte auf meinen kleineren Koffer, welchen ich als Handgepäck vorgesehen hatte und frage, ob ich den auch einchecken wolle.  

Dankend lehnte ich ab, mit der Begründung das mir das zu teuer sei.
Das sei gar nicht teuer meinte darauf die Dame. Das sei gratis!!!

Fassungslos und völlig verdattert gab ich spontan den zehnkilönigen Koffer auch offiziell auf. Hä?       

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Just vor der Abreise zur grossen Primeur-Degustation habe ich mich in einem Trainingslager intensiv auf den Bordeaux 2012 vorbereitet.

Jemand hat mir eine Büchse Bordeaux 2010 geschenkt.

Das Ding schmeckt wie schon vor langer Zeit  dekantiert...

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BORDEAUX 1983: ERSTES KAPITEL

Irgendwie scheint momentan die 1983er-Bordeaux-Saison ausgebrochen zu sein! In regelmässigen Abständen darf ich in diesem Jahr noch mehrere Male als Gast, Referent oder Organisator diesen halbvergessenen Jahrgang erleben/präsentieren.

Das erste Kapitel: Es ist der Montag, 25. März 2013. Rund 20 Gäste sitzen am Tisch im Hotel Jean-Jacques Rousseau in La Neuville am Bielersee. Yves Beck hat zu seiner alljährlichen Raritätenprobe eingeladen. Weitere Kapitel mit derselben, respektive ähnlicher Vorlage werden in regelmässigen Abständen noch in diesem Jahr folgen.  

Es ist ja sicherlich nicht so, dass ich das erste Mal Kontakt mit diesem 1983er Bordeaux habe. Nein – in meiner Webseite www.bxtotal.com werden aktuell 156 verschiedene, zum Teil mehrere Male verkostete Bordeaux’ von diesem Jahrgang aufgeführt. Nur – die grossen Intervalle sind halt saisonal.
Die letzte ganz grosse Probe war vor genau 10 Jahren im Jahr 2003. Damals entkorkten wir an einem Wochenende rund um die Stadt Zürich 60 verschiedene Weine vom Jahrgang 1983. Es macht halt Sinn für Themendegustationen die runden Jubiläen auszusuchen…     

Erstaunlicherweise gibt es immer wieder recht attraktive Angebote von Bordeaux aus diesem heissen Jahrgang im Markt. Gar nicht mal so teuer. Und viele junge Weinfreaks können hier ziemlich risikolos zuschlagen, wenn ein Wein mit einem gutem Text erscheint. Denn für zwei gute Flaschen 1983er bezahlt man in der Regel weniger als für eine logischerweise teurere Flasche vom Jahrgang 1982!  

Meine allergrösste Uberraschung war eine noch nie so erlebte Flasche Lafite-Rothschild. Normalerweise liegt der eher bei enttäuschenden 15 Punkten. Heilt die Weinzeit die Wunden? Oder gibt es da verschiedene Abfüllungen?

1983 Lafite-Rothschild, Pauillac: Sehr dicht, satt, fast schwarze Reflexe. Berauschendes Bouquet, Sandelholz, Kandis, Caramel, fast buttrig, darin ein wunderbarer Minzton in den schwarzen Beeren, es schwingen ganz feine, artisanale Töne unten durch, aber diese tun der grundsätzlichen Nasenfaszination keinen Abbruch. Im Gaumen ganz grosser, reifender Bordeaux, hier jetzt mit einem fast rauchigen, vulgären Cabernet aufwartend und Heitz-Kräuteraromen. Auf dem Weg zu einem grossen Lafite-Jahrgang. Das war die allergrösste 1983er Überraschung. Schon fast eine rare Flaschen-Sensation. So gut war er noch nie! 19/20 trinken

An diesem Abend gab es aber drei 20-Punkte 1983er. Welche es sind, verrate ich wie immer auf meiner Bordeaux-Zahl-Seite.  

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AUSTRIA-WELTKLASSEWEINE 

Vergessen Sie endlich den längst verjährten österreichischen Weinskandal! Ein Skandal ist es heute, wer sich als Weinliebhaber ausgibt und keine österreichischen Weine im Keller hat!!! 

Als damaliger Einkaufschef von Mövenpick musste ich vor 17 Jahren innerhalb des eigenen Teams hart dafür kämpfen, Weine aus Österreich kaufen und importieren zu dürfen. Der Deal war, dass wir das was wir kauften, innerhalb 12 Monaten verkaufen mussten. Erst dann durften wir neue Bestellungen in die Wachau schicken. Mit von begeisterten Riesling- und Grünen-Veltliner-Freunden  schafften wir das dann aber locker. Das Sortiment wurde immer grösser und bald folgten die ersten Rotweine. Heute ist das Weinland Österreich bedeutend wichtiger als wie nur «nice to have».

Die Winzer sind inzwischen längst zu echten Freunden geworden und eine Woche zwischen Reben, Weinen, Kellern und mit Degustationen zu verbringen ist fast noch schöner als irgendwo anders Ferien zu machen. 

Kein Wunder, denn die Weine schmecken jung schon so herrlich und mittlerweile sind es nicht nur die grossen Jahrgänge welche man unbedingt ins Auge fassen muss. Die Winzer verstehen es nämlich auch mit schwierigeren Ausgangslagen umzugehen. Dies beweisen nicht wenige, sehr gut gelungene Rotweine vom Jahrgang 2010. Jetzt müssten die Winzer nur noch die Kunden im eigenen Land von dieser These überzeugen. Denn die Österreicher selbst mögen – so scheint es mir – nur die ganz guten Jahrgänge und verschnöden die als schwierig proklamierten Jahre leider ohne vorher zu probieren…

Heinrich, Goldenits, Pichler-Krutzler, Schwarz, Scheiblhofer, Kollwentz, Kirnbauer, Nadler, Ernst, Triebaumer u.a.m... Ein spannender Bericht auf 13 Seiten für die Abonnenten von www.bxtotal.com 

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KADERSITZUNG MIT GROSSEN BORDEAUX

In der Finanzbranche sind die Bonusse ein permanentes Zankapfelthema. Es geht auch anders, wenn man seine besten Mitarbeiter belohnen will. Wie nie nachfolgende Geschichte beweist.

Sie hätten ein sehr gutes Jahr gehabt und er möchte seine Mitarbeiter belohnen. So stand es im Mail mit der Anfrage, ob ich nicht bereit wäre für seine Crew einen wunderschönen Bordeauxabend zu kommentieren. Als ich die Liste der möglichen Weine aus dem Privatkeller des Chefs durchstöberte, war ich erst entzückt, dann etwas nachdenklich.

Machte es wirklich Sinn seinen besten Leuten aus dem Team so grosse Bordeaux’ zu servieren? Ist es eventuell nicht schade, dass hier der grossartige Wein in falsche Kehlen gerät? Ich sagte zwar spontan zu, empfahl aber vor den honorigen Grand Crus noch eine Serie mit Crus Bourgeois einzuschieben um die Gesellschaft in einer Art Vorspiel auf die kommenden Weine vorzubereiten.

Ich durfte auch Empfehlungen machen, wo dieser Event stattfinden könnte. Weinige Atmosphäre, gute Küche, schöne Hotelzimmer und Rauchmöglichkeiten danach waren die technischen Anforderungen. Spontan fiel mir das Park Hotel in Weggis ein. Dort hatte ich vor 17 Jahren meine Karin mit einem Riesenfest geheiratet. Es heisst ja, dass Verbrecher immer wieder an den Ort ihrer Tat zurück kehren. 

Der Chef, respektive der Sponsor, sei hier nicht namentlich erwähnt. Bei der Begrüssung erzählte er von seinem früheren Leben als Journalist. Er wäre vor vielen Jahren einmal in Cognac gewesen und dort hätten er und seine Freunde einen Bordeaux getrunken. Seinen Ersten! Und der sei so gut gewesen, dass dieser Wein (an den Namen des Châteaux’ konnte er sich nicht mehr erinnern…) sein Genussleben fortan verändert hätte.

Er hätte mit dem Jahrgang 1978 erstmals angefangen systematisch Bordeauxweine zu kaufen. Als dann ein gewisser Robert Parker – ein damals noch wenig bekannter amerikanischer Weinjournalist – den Jahrgang 1982 hochgejubelt hätte, da habe er in grösserem Stil zugeschlagen. Es folgten weitere Jahrgangskäufe von 1985, 1986, 1989 und 1990. Dann folgte ein fast 10jähriger Einkaufsabstecher ins Burgund. Mit dem 2009er sei er dann wieder fürs Bordeaux-Shopping an die Gironde zurück gekehrt.

Hier zwei Weine von diesem Abend: Einen zum Trinken - einen zum Lesen!

1998 Château Mayne-Lalande, Listrac:
 Purpur, wenig Reifetöne. Das Bouquet ist schwarzbeerig, Lakritze, Szechuanpfeffer, Teer, dunkle Pflaumenhaut. Im Gaumen fleischig, ziemlich satt, noch dezent adstringierend, somit charaktervolles Finale. Grosser Listrac – toller Bordeaux! Zwei Stunden dekantieren. Also ist keine Eile angesagt. 18/20 trinken

1982 Château Lafleur, Pomerol: Sattes, dunkles Weinrot, aussen oranger Schimmer. Im ersten Nasenansatz Feigenkompott, dann Hagebuttenkonfitüre, dunkles Malz, Peru-Balsam, Kardamom, Waldhonig, getrocknete Kamille. Im Gaumen die volle Ladung, fett, überbordend, doppel-cremig, Rubens-haft, viel Druck im buttrigen-öligen Merlot-Cabernet-Franc-Finale. Eine unerschwingliche Pomerol-Droge. 20/20 trinken, träumen, taumeln

Der Rest vom Schützenfest - auf www.bxtotal.com

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Gabriel war wieder einmal kreaktiv.

Neu: Als Geschenk, fürs Weinwohnen, als Kellerdekoration.

Château d'Yquem 1937 für 380 Franken.

WeinDeguArt

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WELT-WEIN-FESTIVAL IN BAD RAGAZ ABGESAGT!!!

Der Schock sitzt auch bei mir tief. Denn vor 20 Jahren durfte ich das bis heute noch in grossen Teilen gültige Konzept für dieses tolle Festival als damaliger Leiter der Académie du Vin entwickeln.

Der Entscheid, diese Grossverantstaltung nicht durchzuführen basierte auf den wenigen bisherigen Anmeldungen, trotz des sehr attraktiven Programms.

Es widerspeigelt für mich die aktuelle Passivität der Konsumenten. Nicht selten sind diese erschlafft von einem Überangebot, oder penetrierenden Mails und Werbungen.

Schade. Schade. Schade. Die Weinbörse geht aber trotzdem nach Bad Ragaz! Mit einem tollen Event am Freitagabend von grossen Bordeaux mit schlechten Etiketten und einer gigantischen Auktion mit mehr als 1300 Lots am Samstag.

Und am Montag bin ich dann schon wieder dort. In der gemütlichen Stube vom Ochsen in Malans (siehe Events) bei den Donatsch's.

Medienmitteilung Absage Welt-Wein-Festival  

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California-
Legends
von 1935
bis 1985

CALIFORNIA WINE LEGENDS

Wenn ich ab und zu von Kalifornischen Weinen berichte, so ist das keine Konkurrenz zu den Bordeaux! Mehr so eine Art Herausforderung. Oder halt dann irgendwie letztendlich doch ein Kampf. Und meistens gewinnen die Kalifornier – im direkten Vergleich mit den Bordeaux. 

Mittlerweile wissen Leser von den ganz grossen Vergleichproben, dass dies sowohl bei jungen Weinen wie auch bei gereiften bis sehr alten Flaschen der Fall ist. Doch was passiert, wenn die grössten Kalifornier gegen sich selbst antreten? Viel, aber nichts Blutrünstiges. Höchstens ein Kampf darum welcher Wein noch mehr Genuss bietet als der Andere und welcher noch mehr California-Emotionen im Körper als Glücksgefühl frei setzt. 

Der Tastingtitel «California’s Weine Legends» war ziemlich proklamierend und somit auch ziemlich viele Erwartungen weckend. Es geht also um amerikanische Legenden. Der Begriff Legende stammt von «Legenda». Bedeutet irgendwie «was zu lesen ist». Doch bevor man es lesen könnte (diesen Artikel zum Beispiel), müsste man die Weine dazu haben. Dafür sorgte der California-Freak Eugen Häfliger. Dann müsste man einen solchen Event organisieren. Dafür sorgte Baschi Schwander. Und dann müsste man auch etwas Passendes dazu essen. Dafür sorgte Werner Tobler.

Eifrige Probenleser werden es gleich checken, die Gourmetspur führte – wie nicht unselten – in die Braui ins luzernische Hochdorf. Und bevor die Weinlegenden auffahren hier ein Auszug aus dem Menu: Rheinthaler Mistchratzerli auf Schwarzwurzelsalat / Kalbsschwänzli auf Serviettenknödel mit geschmorter Schalotte / Eglifilets mit Mandeln, auf Spinat und Vermicelli della Nonna an noisettierter Beurre blanc / Pauillac-Lammrücken mit frischen Morcheln an Vin Jaune / Würziger, «lauwarmer» Bruno-Sbrinz mit Appenzeller Schlorzifladen.

Wir verkosteten insgesamt 23 wirklich grosse Kalifornier von 1935 (!) bis 1985. Der beste Wein war ein Wein, der den Titel «Legende» fraglos verdiente. Es war der 1978er Shafer, welchen ich Ihnen hier frei Haus liefere. Den Rest können Sie im süffigen Abonnement einsehen. 

1978 Cabernet Sauvignon Shafer Vineyards, Napa Valley: Eine Flasche mit absolut perfektem Füllniveau. Sehr dunkles, dichtes, undurchdringliches Weinrot. Beginnt gleich mit einem drogenhaften Wahnsinnsbouquet, Butter und Caramel, Brotkruste, Edelhölzer, Tabak in allen Herkunfts-Facetten, ein gewaltiger Kräuterreigen. Berauschende Komplexität, man könnte stundenlang hinein riechen. Im Gaumen wie eine Weindessert, cremehafte Konsistenz, unglaublich viel Schmelz in den Gerbstoffen und das braucht der Wein auch denn die Tannine sind im Innern immer noch sehr massig und geben eine Jahrzehnte lange, weitere Genussgarantie. Ein bewegender Schluck einer selten zu findenden Napa-Legende. Hat Shafer später je wieder eine solche Ikone in die Flasche gefüllt? Von den Parkerpunkten her müsste man es meinen. Irgendwie scheint dieser Erstlingsjahrgang schier unerreichbar. A true Napa-Legend. 20/20 trinken

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Cordon oder Corton? Ein Gratis-PDF  von www.bxtotal.com

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Nicht im Guiness-Book und nicht öffentlich; der Cognac-Club in Bratislava

COGNAC-CLUB

Als wir die Glasfabrik Rona in der Slovakei besuchten, übernachteten wir in der Hauptstadt Bratislava. Nach einem Nachtessen in der wunderschönen Altstadt, besuchten wir eine Vinothek. Dort verlangten wir den besten Slovakischen Wein. Nach einem enttäuschenden Schluck wechselten wir sofort zu einem 1999er Salzberg von Heinrich. Die Qualitäts-Differenz betrug mehr als fünf Punkte.  

Am anderen Tisch tranken, respektive zechten ein paar Einheimische. Mit dabei ein rustikaler, gross schnauziger Mann der wie ein Kolchose-Bauer daherkam. Er hatte Geburtstag und so sangen wir ihm spontan das mondiale Happy-Birthday. Er war so angetan, dass er uns in seinen Cognac-Club einlud. Wir bedanken uns höflich, hatten aber eher im Sinn noch weitere Weine zu ordern, da wir zum Nachtessen in einer Brauerei waren und somit einen Tanninspiegel aufwiesen, welcher (noch) weit unserer üblichen Norm lag. 

Doch Stefan (so hiess das Cognac-Club-Mitglied) intervenierte und so marschierten wir die knapp 300 Meter über das Kopfsteinpflaster. An einer verschlossenen Türe blieb er stehen und nach einem Telefonat wurden wir über eine sehr alte Steintreppe in den oberen Stock geführt. Dort fanden wir eine mit dicken Teppichen gepolsterte, grosszügige 6-Zimmerwohnung vor. 

Wie die Wände aussahen, respektive ausgesehen hätten, kann ich nicht sagen, denn jedes Zimmer war mit Regalen von unglaublich vielen Cognacflaschen vollgestopft. Dabei sahen wir auch sehr, sehr seltene, rare alte Exemplare von schwindligem Marktwert.

Ein eigener Cognac-Sommelier machte flüssige, golden-orange Empfehlungen und wir feierten halbbedächtig Stefans Geburtstag. 

So etwas von so viel schönem Cognac’s hatte ich bisher noch nie in meinem Leben gesehen. Etwa so wie bei Claudio Bernasconi im Waldhaus in St. Moritz. Nur statt Whisky halt eben ausufernd viele, weltrekordverdächtige Cognac’s…

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Wozu denn in die Ferne schweifen?
Einen Monat zuvor waren wir auf Safari in Südafrika.
Auf einer kleinen Wanderung zu einem Mission-Abend bin ich diesen zwei Rehen begegnet.

2001 La Mission Haut-Brion: Sehr dunkel in der Farbe. Die Nase mit noch Fruchtresten und einer ersten Anzeige zum typischen Mission-Kräuterton, fein jodig (auch das ist Mission), man hat aber das Gefühl, dass sich das ziemlich geballte Bouquet noch gar nicht so richtig offenbaren will. Im Gaumen fest, fleischig, dezent männliche Konturen, viel Aromatik vermittelnd. Ein ganz grosser Missionwert, welcher wohl erst in 10 Jahren so richtig loslegt. Vom Marktpreis her eine lohnenswerte Affäre, denn die neueren Editionen kosten wesentlich mehr. 19/20  

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SPAGYROS HILFT BEI DEKONSTRUKTIVER INTELLIGENZ

Wenn ich wohl meinen IP (Intellenzprozent) messen würde, dann läge ich (hoffentlich!) etwa auf einem goldenen Schnitt. Ich sage immer, dass es einfacher ist, einigermassen klug zu sein um sich dann dumm zu stellen. Weil – umgekehrt ist das schon etwas schwieriger. Im täglichen Leben hilft meist ein gesunder Menschenverstand mehr als Intelligenz. Heute haben bei mir sowohl der Menschenverstand wie auch die Intelligenz kläglich versagt…
 
Heute habe ich das Wundermittel per Post bekommen. Mein Arzt sagte mir, dass ich jeweils 3 Tropfen vor dem Zubettgehen nehmen soll. 

Die Wochen zuvor erhielt ich vom selben Arzt zwei andere Gläschen, welche ich dann jeweils brav auf die Zunge tröpfelte. Dies obwohl ein Mittel davon, stark an eine verdorbene Bratensauce erinnert.

Jetzt sind es also wieder drei Tropfen. Damit ich nichts falsch mache und schnell ganz gesund werde, habe ich die mitgeschickte Bedienungsanleitung aufmerksam studiert. 

1. Vor der ersten Einnahme max. ¼ der Arzneiflüssigkeit abgiessen.

Ich stutze! Es heisst doch Arzt. Warum nicht Arztneiflüssigkeit? Aber es heisst doch tatsächlich Arzneifl…

Anderes Problem: Das Medikament ist nicht ganz gratis. Also ich soll als erstmal 25 % «abgiessen». Wohin? In den Schüttstein?

Die gelieferte Begründung: Ich muss Luft in das kleine, volle geheimnisvolle Fläschchen rein bringen, damit – gemäss Prospekt; «eine Verschüttelung möglich ist»!

Ich werde mich dazu entscheiden diesen ausgegossenen Viertel in ein separates Gefäss zu tun um dann, wenn genügend Luft für eine «Verschüttelung» im Gläschen drin ist, diese Flüssigkeit wieder zurück zu führen. Das bringt mir satte 25 % Rabatt auf das Wundermittel. 

2. Beim Verschliessen darauf achten, dass die Pipette leer ist.

Mache ich, damit das leere Pipettchen dann grad leer ist, wenn ich es wieder auffüllen muss. Klingt fast schon irgendwie logisch!?! Zudem bringt mir dies einen satten Zeitgewinn auf den restlichen Tagesablauf...

3. Vor jeder Einnahme die Flasche zehn mal kräftig auf die Handfläche klopfen.

Mache ich. Und zwar auf die rechte Handfläche, denn ich bin Linkshänder, so habe ich mehr Kraft…

4. Einen Plastikbecher zu ¾ füllen und die verordnete Tropfenanzahl dazu geben.

Mache ich! Ich habe noch Plastikbecher vom letzten Sommerfest. Bei mir wären es dann genau die verordneten 3 Tropfen. 

5. Mit einem Plastiklöffel umrühren.

Mache ich. Aber mit einem Holzstick. Ich habe keinen Plastiklöffel. Aber noch viele Holzsticks, welche ich selten für Fleischspiessli brauche… 

6. Die verordnete Löffelanzahl einnehmen.

Moment, da ist ein Plastiklöffel abgebildet und ein Mensch welcher wohl die paar Tropfen direkt einnimmt. Also man träufle drei Tropfen auf einen Plastiklöffel und nehme diese dann direkt ein. Aber ich habe doch schon bei Punkt 4 bereits die verordneten Topfen in den in den zu ¾ gefüllten Plastikbecher getan???

7. Nach Einnahme der verordneten Löffelzahl die restliche Flüssigkeit abgiessen.

Moment! Das erinnert mich an – in verdünnter Form – an Punkt eins. Also – jetzt bin ich total verwirrt. Ich sollte doch bei Punkt 4 die verordneten Tropfen in das Wasser vom Plastikbecher tun. Gleichzeitig sollte ich bei Punkt 6, die verordneten Tropfen direkt einnehmen. Und jetzt soll ich das im Punkt 4 mit den geheinmissvollen Tropfen versetzte Wasser als «restliche Flüssigkeit» abgiessen, obwohl sich da gemäss Punkt 4 die so dringend benötigte Medizin befindet. 

Ich habe ein Mail an die Herstellerfirma gemacht und nochmals nachgefragt, wie ich die Medizin einnehmen soll, weil ich die Gebrauchsanleitung nicht begreife.

Gleichzeitig habe ich bei meinen informiert, ob es das gleiche Medikament nicht auch als Zäpfchen gibt.  

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1983 CHÂTEAU MARGAUX MIT 1137 METER HÖHENDIFFERENZ

Die luzernische Gemeinde Sempach (im Bild links oben das Restaurant Una Storia) liegt 513 Meter über Meer. Das Sportzentrum in Mürren (Bild oben rechts) im Berner Oberland 1137 Meter höher, also 1650 Meter über der Meereshöhe.

Innerhalb von 14 Tagen habe ich zwei Château Margaux 1983 mit dieser Höhendifferenz getrunken. Der Genuss-Unterschied war markant. 

Die Flasche an unserer Best-Bottle-Party war absolut perfekt, genau so wie ich ihn in bester Erinnerung hatte.

Ganz anders in unseren Skiferien. Es sollte der krönende Abschluss sein. Ich degustierte den Wein kurz nach dem Öffnen und entschied mich, ihn zu Dekantieren. Weil keine passende Karaffe in der gemieteten Ferienwohnung vorhanden war, nahm ich einen ganz banalen Wasserkrug zu Hilfe. Das Bouquet sehr würzig und tiefgründig, aber irgendwie trocken. Ich suchte vergeblich nach der leicht wachsig-fülligen Komplexität in der Nase. Der Gaumen, fleischig, aber härter als ich ihn in Erinnerung hatte. Die Gerbstoffe ziemlich körnig, zum Teil fast etwas spröde wirkend. Die Flasche hatte keinen Makel, da bin ich mir ganz sicher. Aber dieser Margaux 1983 hatte schlichtweg den Höhenkoller… 

1983 Château Margaux: Sattes, dichtes Purpur, immer noch erstaunlich jung. Warmes Bouquet, zart rosinierend, helles Edelholz, Zedernduft, Pulverkaffee, ein Hauch Honig und Dörrfrüchte, sehr vielschichtig mit einer gewissen Trockenheit und doch wieder gebunden von der erdigen Teroirsüsse. Im Gaumen satt, komplex, komplett, unglaublich viel Stoff und auch eine gigantische Souplesse darin zeigend, viel gebündelter Druck im langen Finale, Malz, Malagarosine, Birnel und dunkles Caramel. Entwickelt sich sehr positiv und bewegt sich definitiv in Richtung garantierter Altweinlegende in ein paar Jahrzehnten. 20/20 trinken

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VERGESSENER BORDEAUX 1993

Valandraud überrascht. Pétrus enttäuscht. Angélus macht Spass. 

1993 Château Angélus: Erstaunlich dunkle Farbe, darunter gewisse Reifetöne zeigend. Aromatisches Bouquet, eine gewisse, kühle Note, welche aber von einem trockenen, dunkles Pflaumenspiel wieder ausgeglichen wird, kalter Kaffee, Kampfer, frischer Torf und getrocknete Lorbeerblätter. Im Gaumen mit überraschend viel Fleisch (besonders für diesen Jahrgang…), leicht mürbe Tannine, im dezent spröden Finale etwas Soyasauce und Nelkentöne. Immer noch sehr gut im Schuss und ein auffallend guter, wenn nicht sogar grosser 1993er, welchen man noch gut ein Jahrzehnt lang geniessen kann. 17/20 austrinken   

1993 Valandraud: Magnum. Aufhellendes Granat, relativ wenig Reifetöne. Das Bouquet duftet nach kaltem Kakao und hellen Edelhölzern, etwas Malz, pulverlöslicher Kaffee und stichfestes Moccajogurth, mittlerer Druck aber wunderschön ausladend. Im Gaumen weich, reife Tannine, wieder Aromen welche sich zwischen Schoko und Kaffee befindet, sehr elegant und nachhaltig im wohligen Finale. In der Jugend war man geneigt ihn als bluffig zu bezeichnen, heute ist daraus ein wunderschöner Klassiker geworden. 18/20 trinken 

1993 Château Pétrus: Magnum. Sehr dunkles Rubin mit Purpurreflexen und ganz feinem, orangem Reifeschimmer am Rand. Das Bouquet beginn mit einem Glutamatschimmer, so irgendwie eine unsaubere Wolke, wie feuchter Keller, darunter Rosenpfeffer, Himbeerstauden und roten Johannisbeeren, feine Rauchnuancen und helle Edelhölzer, mit dem Luftzutritt kommen auch mineralische, auf den schwierigen Jahrgang, aber auch auf das grosse Terroir erinnernde Noten zum Vorschein, später Wildleder und Moschus. Schlanker, aber mit Muskeln gestützter Gaumen, die Gerbstoffe wirken auf der Zunge noch recht jung und sind, von der Konsistenz her mehlig und körnig. Irgendwie hat man das Gefühl, dass er seine Genussreife noch gar nicht erreicht hat, weil die Tannine, noch nicht ganz rund geworden sind. Es ist leider nicht der erste 1993er Pétrus, welcher Fragen aufwirft, sondern dieses matte, dumpfe im Untergrund scheint die Regel für diesen teuren Wein zu sein. Ich roch dann noch am leeren Glas im Büro, aus welchem ich den Wein vor dem Abendessen degustierte. Das war dann – nach ein paar Stunden – rotbeerig und frisch mit eichigen Tönen. Ein mit einem halben Dezi gefülltes Glas, behielt ich über Nacht im kühlen Keller und stellte einen Mokkateller auf den Glasrand. Der Wein war in der Naseburgundisch mit erdigem Schimmer. Im Gaumen durch die Säure fast ohne Entwicklung gegenüber dem Vortag. Man kann es drehen und wenden wie man will. Dieser Pétrus hat zwar ein Potential für 18/20, wirkt aber unsauber und wird wohl nie mehr was. Also glaube ich, dass Geld (verkaufen) die bessere Variante als Wein (trinken) ist. 16/20 trinken – 2030

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Neu im
Raffels Palace
Singapore:

Gabriel-Glas!

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DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND

Wenn die Flasche definitiv leer ist gibt es eventuell immer noch einen Trick den Wein noch einmal zu erleben. Falls er Depot hat…

Wahrsager lesen aus dem Kaffeesatz die Zukunft. Ich versuche es manchmal, indem ich den  Weinsatz in ein leeres Glas schütte. Es kommt mir zwar irgendwie nur selten in den Sinn. Aber bei ganz grossen Weinen erinnere ich mich manchmal an diesen Trick. Eines der bewegendsten Depots meines Lebens erlebte ich vor gut 20 Jahren. An einem Karfreitag im Landgasthof Paulus in Nonnenweiler (D). Thomas Nickels öffnete damals eine Magnum 1961 Château Latour. Während einer Pause stahl ich das Depot und flüchtete mich ganz alleine in den Weinkeller und schnupperte bedächtig an dem intensiven Duft. Das was mir da nasal entgegen strömte war viel aromatischer als trockenes Depot als wie der «nasse Wein» vorher. Ich war völlig überwältigt und die Tränen liefen mir kollernd über die Backen. Das Ganze war so tiefgründig emotionell, dass es mich am ganzen Körper richtig schüttelte. 

Und jetzt war es wieder ein Latour. Irgendein Teilnehmer wollte nochmals vom 2009er nachschenken, doch es kam nur noch Satz. So blieb das Glas vernachlässigt auf dem Tisch stehen. Ich ergriff es unbemerkt und liess den Duft auf mich wirken. Unglaublich, alles im schwarzen Bereich, alles noch viel würziger. Irgendwie die perfekte Essenz eines dramatisch tiefschürfenden Cabernetkonzentrats. Baroker Jungpauillac als Nasen-Tsunami!

Vielleicht müssen wir alle wieder lernen uns mehr auf die Nase zu konzentrieren. Das nasale Vorspiel ist nicht zu unterschätzen. Es hilft, respektive stimuliert uns, sich auf das einzustellen, was man im Gaumen dann erwarten darf.

Wie sich die allergrössten Bordeaux 2009 momentan präsentieren: www.bxtotal.com

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DIE KAPWINZER SIND GUTER HOFFNUNG

Wenn man beim Anflug auf Kapstadt die Chance hat über die Rebberge von Stellenbosch, Paarl und Franshoek zu fliegen, so ist der Anblick aus der Vogelperspektive schon atemberaubend. Noch vor zwei Jahrzehnten war die Ansicht besser als die Einsicht.

Zumindest bei den Roten. Jetzt haben die Kapwinzer aufgerüstet und melden eine internationale Partizipation bei Spitzenweinen an. Zu Recht, wie meine allerletzten Eindrücke von den besten Weinen sind, welche nördlich vom Kap der guten Hoffnung entstehen. 

Es gibt mittlerweile viel mehr ganz grosse Weine am Kap. Bei meinen ersten Kontakten vor mehr als 20 Jahren, war es oft mutig einem als Premium gehandelten Rotwein 17/20 Punkte zu attestieren. Meist rundete ich leicht auf, um einer Geschichte die nötige Attraktivität zu verleihen, oder halt auch um die Neugier von lethargischen Europafanatikern zu wecken.

Heute ist diese Punktebewertung für fast jede gute Winery, welche Rotweine produziert die Regel. Und somit sind das Niveau und auch die Anzahl der richtigen kompetitiven Weltklasseweine deutlich gestiegen. In unserer Reise-Gruppe befanden sich viele eingefleischte Bordeaux-Freaks. Keiner der Teilnehmer musste leiden und ich sah nicht selten, dass sich viele der sonstig verbissenen Gironde-Fanatiker sehr gerne ein zweites Glas nachschenken liessen…

Im grossen Bericht auf www.bxtotal.com findet man Details zu: Chocolat Block, Strawberry Fields, Uva Mira, Rustenberg, Hamilton-Russel, Bein Cellars, Saxenburg, 4G-Wines, Mullineux, Keermont, Eagles Nest, Waterkloof, Painted Wolf, Glenelly, Graceland, de Trafford, Vergelegen, Cederberg, Raats, de Toren, Rust en Vrede. Interwievs, Storys - alles auf 14 kompakten Seiten.

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SAFARI:

Am Tag
Leoparden,
am Abend
Cabernet...

SAFARI-PLAUSCH-CABERNET

Nach unserem Wine-Trip gönnten wir uns – erstmals in unserem Leben – eine Safari in der Chitwa Chitwa-Lodge in Sabi Sands. Dort standen die wilden Tiere an erster Stelle und der Wein rückte als flüssige Beilage zu den Mahlzeiten in den Hintergrund. Die Weinkarte von der Lodge war so zwischen solid und abenteuerlich. Ich wechsle in solchen Fällen gerne ab und wage mich auch an Unbekanntes.  

Zuerst probierte ich den weissen und roten Hauswein. Diese wären im Arrangement inbegriffen gewesen. Mich ärgerte aber, dass diese immer in Karaffen dekantiert waren. Der zu kalte Weisswein in einer Karaffe im Eiskübel. Der Rote stand daneben in der safarischen Wärme, also immer etwa um 25 Grad «temperiert». Beide waren von der Qualität her knapp mässig. Ich dachte mir, dass diese einfach zu lange dekantiert waren und fragte beim Servierpersonal nach, ob wir denselben Wein nicht direkt aus der Flasche serviert haben könnten.

Das ginge nicht, meinte eine lächelnde  Servierfrau. Der Wein käme nicht aus Flaschen, sondern aus einem Karton und da sei ein Folien-Sack drin und dort könne man mit einen kleine Hahnen vorne…

Da ich an einer angestammten Bag-in-Box-Allergie leide, wählte ich drei Weine von der Karte aus für die nächsten Gelegenheiten. Jetzt kam der Sommelier ins Spiel! Er hiess Dinho und war nicht nur freundlich, sondern erstaunlicherweise auch sehr kompetent. Ich bestellte den ersten Wein. Der sei leider momentan nicht da. Auch beim zweiten Weinflaschenwunsch schüttelte Dinho den Kopf. Dann wählte ich halt den dritten Wein. Auch davon hätten sie leider im Moment gar nichts da.

Leicht genervt fragte ich, was dann eventuell definitiv da wäre. Wir wurden spontan zu einer Kellerbesichtigung eingeladen. Rein konnten wir leider nicht, denn der Keller stand bis zum Boden gefüllt mit Grundwasser, weil es eine Woche zuvor in Körben schüttete. Ich merkte mir ein paar Labels und so gab es immer irgendetwas zu trinken. Sehr gut; der Sauvignon Blanc von Thelema. Spannend der unwooded Chenin Blanc vom Bruwer Raats.  Weniger spassig war der etwas zu breit geratene Chardonnay von Waterford.
Bei Rotwein leisteten wir uns ein Mal den 2006er Pinot Noir von Hamilton-Russel. Doch die Kondition der Flasche zeigte auf, dass der Chitwa-Keller wohl zu gewissen Jahreszeiten zu warm war. Also hielten wir uns ab sofort an jüngere Jahrgänge. 

Irgendwann kam in mir eine schiere Cabernet-Lust auf. Der Sommelier empfahl den Rust en Vreede. Ich fragte zur Sicherheit kurz nach ob der Wein teuer sei. Nein, der sei nicht teuer – aber sehr, sehr gut! In der Folge war dies dann jeden Abend unser Hauswein. So richtig aus der Flasche – ohne Tetrapack! Also ein Genuss-Upgrade mit geringen Kostenfolgen.   

Noch selten hatte ich an einem Südafrika-Cabernet so viel Plausch. Ich glaubte nämlich bisher  unnötigerweise, dass die meisten der besten Kap-Weine immer viel Shiraz drin haben müssen. 

Und bei einem jungen Cabernet welcher irgendwie gross sein soll ist dann meist auch das Versprechen für später grösser als das aktuelle Vergnügen. Aber der 2009 Cabernet Sauvignon von Rust en Vrede war ganz einfach grossartig. Dunkel in der Farbe mit leuchtendem Granat. Die Nase; ein bisschen reifender Pauillac, recht tiefgründig, mit Noten von Leder, Torf, Tabak, dann aber viel Brombeeren drin und Mocca. Im Gaumen saftig mit weicher Kontur und richtig populärem Cabernetgeschmack. Trank sich relativ wie von selbst und bereitete einfach Spass. Jetzt ist die Frage da, ob etwas was nicht ganz so gross ist aber doch unglaublich viel Spass bereitet keine guten Punkte verdient. Die Qualität stimmte fraglos, der Wein war wunderschön vinifiziert. Das Potential, vielleicht grad zum loslegen ausgestattet mit einer weiteren Garantie von gut 5 Jahren. Ich gönne ihm 18-Punkte und es wird wohl eine der momentan spannendstes Kap-Kaufaffären sein. Eine Empfehlung welche nicht nur den Budget-Geniessern sehr viel bietet, sondern auch verwöhnte Gaumen zu verzücken vermag. Wer davon ein paar Flaschen kauft, wird wohl bald wieder nachbestellen. Wenn’s dann noch hat…

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DREILÄNDERWETTKAMPF

«It was a very good year», könnten die Winzer, der drei hier in Szene gesetzten Weine eigentlich zu sich sagen. Falls diese englisch könnten/können. Die Muttersprachen sind aber andere. Denn der Sassicaia stammt bekanntlich aus Italien, genauer gesagt aus der Maremma. Der Pédésclaux wächst in Pauillac – also in Bordeaux. Und der Austria-Premium Salzberg ist einer der gesuchtesten, roten Burgenländer. Und doch haben alle zwei Dinge gemeinsam. Alle stammen aus einem ganz grossen Jahr und alle drei sind vorbei mir jetzt mit 19/20 Punkten ausgezeichnet worden.


Beim Pédésclaux ist diese Wertung nicht neu, bereits als Fassprobe, war er diese spektakuläre Note wert. Den Salzberg verkostete ich bei einem Besuch auf dem Weingut mit Gernot Heinrich. Auch da waren die 19/20 vom ersten Lippenkontakt her sonnenklar. 
 
Den Sassicaia 2009 degustierte ich jetzt zum ersten Mal. Die anderen beiden wussten spontan sicherlich besser zu gefallen in dieser zu jungen Phase. Doch wer Sassicaia kennt, der weiss, dass er ganz einfach Zeit braucht. Und oft viel mehr Zeit, als Maremma-Fans bereit sind aufzubringen. Denn die Konkurrenz an jung zu gefallenden Boliden ist hier gross. Doch das ist dem Marchese Incisa della Rocchetta schon seit Jahrzehnten egal. 

Somit ist die Analyse dieser Nachmittagsprobe einfach zu deklarieren und daraus ergeben sich trotz gleichem Bombenjahr und gleicher Wertung ganz drastische Konklusionen:

Der Salzberg 2009 ist ein Wein für heute    
Der Pédésclaux 2009 ist ein Wein für morgen
Der Sassicaia ist ein Wein für übermorgen

Die Degunotizen sind auf www.bxtotal.com aufgeschaltet.

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HA-HA-HA-HA: HACKTÄTSCHLI UND HAUT-BRION

Vor ein paar Monaten stellte ich einen 1993er-Bordeaux-Event ins Netz. Mit Le Pin, Lafleur und Pétrus in Magnumflaschen als önologische Hauptspeise. Ich kam mir die Tage und Wochen danach vor wie Max Rabe vom Palast-Orchester: «Kein Schwein ruft mich an!»

Ich deleatete den Event anmeldungslos nach zwei Monaten. Wenn niemand will, dann saufe ich diese 20jährigen Bordeaux’ aus dem kleinen, aber doch selten enttäuschenden Jahrgang halt selber, dachte ich mir. Heute war der Beginn meiner ganz persönlichen, aber bewiesenermassen nicht egoistischen Austrinkete. Man hätte ja können…

Schon lange hatte ich mit meinem raiffeisigen Weinfreund Roland Benz einen Hacktätschli-Termin im Restaurant Kreuz in Metzerlen eingetragen. Es gibt diese kleinen, fleischigen Dinger dort jeden ersten Donnerstag im Monat. 

Wenn wir jeweils in Wien waren, so machten wir früher einen weiten Abstecher in die Stadt Haag um dort beim Schaffelner die Taube im Netz zu essen. Etwas weniger lang muss ich fahren, wenn uns die Schnitzel-Lust packt, um ins Old Swiss House nach Luzern zu gelangen. Hingegen bin ich ein paar Mal zum Häberlin nach Illhäusern gepilgert, wegen seinem Saumon à basse témperature oder der grand chocolatière. Oder die Glückmomente, wenn wir bei André Parra in der Ermitage der Corton die Entenbrust mit dem cassierten Entenschenkel bestellten. Oder halt, wenn ich in früheren Zeiten heisshungrig das Onkel-Fredy-Poulet in Daiwil mit roher Handkraft auseinanderbrach, um die Fleischstücke in der herrlich gelben buttrig-curryigen Sauce zu tunken. 

Aber in letzter Zeit bin ich nur noch selten relativ weit gefahren um etwas Feines zu essen. Heute fuhr ich mehr als eineinhalb Stunden von Gunzwil bis Metzerlen. Und das hatte seine Gründe. Denn mehr als 30 Kilometer fuhr ich auf der Autobahn 50 km/h, weil zwei parallel fahrende Winterdienstfahrzeuge die Autobahn blockierten. Dann musste ich noch tanken und dann lockte mich das Navi über Frankreich…  

Da ich – wegen den Afrika-Ferien – längere Zeit nichts mehr für meine Webseite schrieb, überlegte ich mir vor dem Abfahren ein mögliches Thema. 

Hacktäschli! Was dazu trinken? Etwas mit Ha am Anfang wäre schon recht stimmig. Sicherlich keinen Hagebuttentee. Allenfalls ein Haldengut Bier. Oder ein Hacker Pschorr-Bräu. Oder noch besser – ein Rotwein. Hallauer? Harlan? Dann fokussierte ich auf Bordeaux, beginnend mit Haut!

… Batailley wäre möglich, … Bages-Liberal, … Bailly. Ich entschied mich für die teuerste Variante; einen Haut-Brion. Wie schon erwähnt aus dem Jahr 1993. Als ich schon weg gefahren war, kam mir in den Sinn, dass der ja das letzte Mal gar nicht so gut war. So irgendwie mit roher Zwetschgenschale aussen und mit einer kernigen, unfertigen Note im Innern. Ich hatte ihn vor einem Jahr aus der Magnum. Jetzt zeigte die normale Flasche ein positiveres Bild mit den ersten HB-Tabaknoten und wesentlich reiferer Pflaumenform. Also sind die Magnums – nach 20 Jahren – irgendwie immer noch zu jung und die Bouteille jetzt einfach grad schön. Richtig schön. Nicht gross – aber halt doch sehr schön. So Premierspass mit geniesserischen 17-Punkten. Was wenig ist für einen Premier, aber absolut genügend für einen Hacktätschliwein.

Am Abend machte ich mir dann einen leichten Pot-au-Feu. Dies deshalb, weil der Metzerlen-Kreuz-Wirt Stefan Schafftler (ich kannte ihn von einer Académie-du-Vin-Bordeaux-Reise…) es besonders gut mit uns meinte und nach der gerstigen Suppe noch ein kleines Cordon-Bleu servierte, bevor es an die hackigen Tätschli ging. Und zum Dessert war da noch eine mittelgrosse Gänseleberscheibe auf dem Teller mit dem apfelig-unterlegten Schnitz.   

Ich entschied mich für den abendlichen Tischwein für eine zum Tagesthema passende Flasche, also auch etwas mit Ha drin. Warum nicht wieder einen 1993er? Ein Griff in die Kiste und eine Flasche 1993 La Mission-Haut-Brion war für das fleischige Süppchen sicherlich eine gute Variante. 

Und es kam wie es kommen musste. Ich behaupte immer, dass der Mission in kleineren Jahren dem Haut-Brion überlegen ist. Und so war es auch. Die Flasche etwas dunkler, das Bouquet fülliger, schöne ausladend, eine waldige Süsse zeigend und noch mehr Tabak als sein – im gleichen Besitz befindliche – Premier-Nachbar. Der Gaumen, samtig, weich und wohlig. Ein überraschender, uneiliger 1993er und davon gäbe/gibt es noch viele andere Varianten. Ich werde nicht wenige, weitere 93er-Crus in den nächsten Wochen/Monaten trinken. Denn besser werden diese sicherlich nicht mehr. Aber die sind doch besser, als (zu) viele Schnöder denken.  «Kleines Jahr – grosses Terroir!». Das Motto gilt also auch beim Bordeaux 1993!

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RENE GABRIEL & DON PASCUAL 

Viele Weinhändler arbeiten mittlerweile sehr erfolgreich mit dem Gabriel-Glas. So auch die Firma Schuler in Seewen. Die kannte ich von früher vom Don Pascual her und von Jakob Schuler mit dem ich ein paar Mal Kontakt hatte.

Als ich vor ein paar Monaten mein Glas dem Schuler-Team vorstellte, degustierten wir den Don Pascual 2010. Ich stellte mich auf einen eher schlanken, harmlosen, zurecht geschliffenen roten Navarre ein. Ich war aber irgendwie verblüfft als ich ihn im Gaumen hatte und gewisse Reserven erspürte. Spontan sagte ich beim Kommentieren, dass ich überrascht wäre über das Potential des Weines… 

Man fragte mich, ob man mich zu diesem Ausspruch zitieren dürfte. Ich sagte spontan zu. Daraus ist jetzt – ohne mein Wissen – eine veritable Schuler-Werbekampagne entstanden. In diesem Zusammenhang bekam ich viele Anrufe, SMS und Mails. Also Actio = Reactio! 

Es ist halt schon so, dass nicht nur die Spitzenweine in den letzten Jahren besser geworden sind, sondern auch jene Tropfen, welche einen gewissen Spass für gewisse Budget’s bereiten sollen.     

Ich kann es schon lange nicht mehr verhindern, dass Weinhändler und Winzer mit «meinen Punkten und meinen Bewertungen» für deren Weine werben. Denn durch die Publikationen im WeinWisser, in Kolumnen, auf meiner Webseite und im www.bxtotal.com sind diese Texte und Noten für Jedermann und Jederfrau zugänglich. 

Das ändert auch nichts daran, dass ich nach wie vor fest und gerne als Berater für Mövenpick im Sattel sitze. Und der Don Pascual 2010 (Navarre) halt doch ein «gewisses Potential» hat. Und noch besser schmeckt er natürlich, wenn man ihn aus dem Gabriel-Glas trinkt. Wes Brot ich ess – des Lied ich sing…     

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MICAL: NEGATIV-KALORIEN

Irgendwann, an einem der vielen Gelagen der letzten Zeit, sprachen wir von der nervigen Januar-Diät und den penetranten Gewichtsverlust-Vorsätzen für das neue Jahr…

Ich weiss nicht mehr wann es war und wer es sagte. Aber das was Er sagte, das machte Sinn. Er hätte das irgendwo gehört. Von irgendeiner Universität, aber er wisse leider auch nicht mehr von welcher. 

Es geht um die revolutionäre Studie über Negativ-Kalorien!

Das sei noch nie ein Thema gewesen, weil man bisher immer davon ausgegangen sei, dass jemand abnehme, wenn er möglichst wenig Kalorien zu sich nehmen würde. Jetzt kommt die frohe Botschaft für Gerne-Esser...

Ein positives Beispiel: Nehmen wir mal an, Sie essen 1800 Kalorien von einem deftigen Schweinsbraten (knusprig – mit Schwarte). Um diesen Braten vollends zu verdauen, wendet der Körper sagenhafte 2400 Kalorien auf.
Somit entstehen – und das ist jetzt wirklich revolutionär – 600 Minuskalorien (med. Abk. = Mical). Diese Menge entspricht dann in etwa genau den zum Schweinsbraten passenden Beilagen. Also ist Mann nach dieser herrlichen Mahlzeit genau auf Null.

Ein negatives Beispiel: Sie essen eine ganze Gurke. Die ganze Gurke ist 350 Gramm schwer und pro 100 Gramm hat eine solche Gurke 12 Kalorien. Also sprechen wir von lächerlichen 42 Kalorien. Und jetzt kommt es faustdick: Eine Gurke besteht zu 98er Prozent aus Wasser – also absolut keine Verdauens-Herausforderung für den menschlichen Körper.
Sie nehmen zwar nur 42 Kalorien zu sich, aber der Körper verbraucht lediglich 7 Kalorien um diese Gurke zu verdauen. Die überbleibenden 35 Kalorien schlagen voll ins Gewicht um.
Die Folgen: Man nimmt bei übergesundem Essen permanent zu. Der Bodymass-Index gerät ins Wanken. Schwabiges «Hüftgold» bildet sich und man wird dick. Langzeitliche Gesundheitsschäden sind das mögliche Resultat.  

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WAS HABEN DIE SCHWEIZER UND DIE SÜDAFRIKANER NICHT GEMEINSAM?

An diesem Wochenende fliegen Karin und ich wieder Mal nach Südafrika. Zuerst sind wir ein paar Tage alleine in Kapstadt, dann machen wir mit zwei Dutzend Freunden eine gigantische Weinreise durch die schönsten Weingebiete mit den besten Produzenten. Eine ähnliche Reise ist dann erst wieder im Januar 2016 geplant und man kann sich bereits anmelden.

In Gedanken liess ich – bei einer feinen Cigarre – frühere Südafrika-Erlebnisse noch einmal Revue passieren. 

Da kam mir folgende Begebenheit in den Sinn. Wir waren für ein paar Tage in der Auberge Rozenal. Das ist ein Weingut, bei dem die Zimmer wesentlich schöner sind als der Wein…

An einem Nachmittag spielten wir mit den zwei mitgereisten Freunden Karten und hatten Lust auf Kaffee und Tee. Also bestellten wir per Telefon ins Nebengebäude zwei Kaffee und zwei Tee.    

«Gerne», meinte der Mann am anderen Ende des Telefons. Und dann geschah nichts. Nach etwa 20 Minuten telefonierten wir nochmals und fragten nach dem aktuellen Stand unserer Bestellung.

«Alles in Ordnung – ich bin dran!»

Nach mehr als einer halben Stunde kam ein grosser, schwarzer Mann gemütlich schlendernd über den Innenhof und stellte uns lächelnd die zwei Tassen Tee und die zwei Kaffees hin.

Wir murmelten etwas missmutig, dass das jetzt doch recht lange gedauert hätte…
 
Der Mann fragte uns höflich nach unserer Herkunft. 

Wir sagten: Schweiz!

«Ja, ja», meinte er grinsend: «Ihr habt die Uhr erfunden – wir die Zeit!»

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HAUT-BRION 1994: WIE LANGE DEKANTIEREN?

Es ist ja nicht so, dass ich immer von «auswärts» irgendetwas über das Dekantieren gefragt werde. Nein – ich stelle mir solche Fragen zuweilen auch selber…

Am Abend zuvor hatte ich Lust auf einen Haut-Brion. Ich zog mehrere Kisten. Am meisten Flaschen sah ich da grad vom 1994er. Also ein guter Grund, den Bestand um eine Flasche zu reduzieren. Der Keller ist momentan ziemlich kalt und so wärmte ich den ersten Schluck mit den Händen unter dem Glaskelch um ihn auf die richtige Temperatur zu bringen. 

Es ist ein kompakter Wein, verhalten, aber doch griffig mit fast bourgeoisem Charakter. Vor allem wenn man von einem Premier ausgeht. Diese sind sonst eigentlich feiner. Der Cabernet Sauvignon darin ist würzig, strahlt aber auch eine reservierte Kühle aus. Zum Essen passte dann alles wie erwünscht. Es gab Hohrückensteak und ein Fenchelragout. 

Fenchelragout? Da schneide ich den rohen Fenchel in längliche Juliennes, brate diese in Olivenöl an, gebe dann etwas Zwiebel dazu, später noch Knoblauch und noch später ein paar mittelklein geschnittene Stücke von Dörrtomaten im Glas. Da entnehme ich dann auch noch gleich das Öl in welchem die Tomaten badeten. Das gibt Saft in das Fenchelgericht. 

Der Haut-Brion war korrekt bis ziemlich gross. Nicht mehr fruchtig aber auch noch nicht genügend «hautbrionig». Ich hatte keine Lust den letzten Dezi auszutrinken, denn das Ding verschloss sich gegen den Schluss und zeigte sogar Kapseltöne. Ich liess ihn im Glas stehen, trug das Glas in die Küche, stellte es auf die Abdeckung und legte einen Espressoteller darüber. 16 Stunden später dampfte eine Scheibe kräftig angebratener Fleischkäse auf dem Teller. Man sah ihn nicht so richtig, denn ich hatte darüber vorsichtshalber noch zwei Spiegeleier drapiert. 

Links oben, das Glas mit dem restlichen Dezi vom 15-Stunden lange belüfteten Haut-Brion 1994. Oxydiert? Mitnichten! Tabak, schwarzer Pfeffer, Rauch, Korinthen – also genau so wie ein ganz richtiger, reifer Haut-Brion schmecken muss/soll. Viel besser als am Tag zuvor!

Das nächste Mal werde ich den Haut-Brion 1994 einen halben Tag lang im kühlen Keller in der Karaffe belassen!    

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WEINSCHWINDEL

Momentan lese ich grad das vergriffene Buch «Der Weinbetrug» von Christopher Fielden. Es erschien bereits im Jahr 1991 und hat mit den heutigen, dreisten Weinbetrugsmethoden noch wenig zu tun.

Die bisher amüsanteste Geschichte darin handelt von einem Australischen Weinhändler, welcher losen Wein von Bordeaux importierte. Weil er zu wenig leere Bordeauxflaschen für die Abfüllung kaufte, nahm er für den Rest ein paar restliche Burgunderflaschen und klebte da tollkühn Gevrey-Chambertin-Etiketten drauf, welche er noch in der Schublade hatte. 

Als er auf Geschäftsreisen war, sandte seine nichts ahnende Frau von beiden Flaschen je ein Exemplar für einen Wein-Concours in Sidney ein. Und siehe da: Ein-  und derselbe Wein holte sich einmal Gold in der Kategorie Burgunder und einmal Gold in der Kategorie Bordeaux. 

Die kleinere Form eines Betrugs wäre der Schwindel. Doch in dieser kleinen Geschichte geht es um einen anderen Schwindel... 

Wir checkten um 13.00 Uhr im Hotel Jagdhof in Neustift (A) ein und kurz nach zwei holte uns ein Shuttle-Bus ab. Dieser brachte uns zur Talstation. Nach etwas mehr als 20 Minuten Gondelfahrt waren wir oben. Mit oben meine ich die Bergstation in den Stubaier-Alpen. 

Als ich ausstieg war mir leicht schwindlig. Das sei halt so, auf 2900 Metern über Meer, meinte unsere Begleiterin. Ich schnappte alsbald immer mehr nach Luft. Und das blieb so bis zur Rückkehr um 23.00 Uhr. Seit meiner Kindheit, leide ich auf grösserer Höhe an partieller Atemnot. Irgendwie hatte ich das vergessen, als ich für diesen Event zusagte. 

Im Restaurant Schaufelspitz durfte/musste ich eine Dine & Wine (es war in dieser Reihenfolge ausgeschrieben!) für fast 100 Personen kommentieren. Mit tollen Weinen vom Johanneshof Reinisch aus Tattendorf. Der St. Laurent Holzspur 2007 war der grösste Wein des Abends. Eine richtig grosse Rhône-Kopie mit verdienten 19 Punkten.
In der Küche stand David Kostner - ein verdienter Haubenkoch. Und auch er gab sein Bestes.
Und auch ich wollte mein Bestes geben, doch es war schwierig. Der Event war auf drei Stuben aufgeteilt und das Mikrofon funktionierte nur knapp. So musste ich fast schreien. Und ich bekam irgendwie immer weniger Luft auf dieser Höhe und es war mir permanent schwindlig, obwohl ich nur wenig trank. 

Es gibt Erfahrungen die man machen muss, damit man weiss, dass man diese nie mehr machen muss. Das nächste Dine und Wine mache ich dann im Mövenpick Dead Sea-Hotel. Da kriege ich dann garantiert genügend Luft. Das liegt nämlich am toten Meer - unter dem Meeresspiegel...

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Wer keinen roten Faden hat soll keinen faden Roten trinken.    Gratis-PDF

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MOUTON KOMMT NICHT VON SCHAF –
ABER
ROTHSCHILD VOM ROTEN SCHILD

Die Weine von Château Mouton-Rothschild sind heute eine sichere Bank. Und viel mit dem Bankenwesen hatte auch die Gründer-Familie selbst zu tun. Heute ist die Baronnie ein grosses Weinimperium. Das Flagschiff ist und bleibt der Mouton-Rothschild. Seit 1973 ist er – Dank Klassements-Aufstufung – ein veritabler Premier-Grand-Cru-Classé! Dazu kommen noch zwei Cinquièmes in Pauillac dazu: Château d’Armailhac und Château Clerc-Milon.

Die Baronnie (ebenfalls im Médoc stationiert) produziert und lanciert viele Bordeaux-Markenweine. Wobei der Bekanntheitsgrad vom Mouton-Cadet unerreicht bleibt. In Südfrankreich gehört der Domaine de Baron Arques dazu. In Amerika weiss jeder Weinfreak, dass Opus One jetzt zu 100 Prozent den Rothschilds gehört, nachdem die Mondavis Übernahmeturbulenzen hatten. In Chile ist die Baronnie erfolgreich mit dem mittlerweile populär-beliebten Super-Premium Almaviva. Ergänzt wird das chilenische Angebot mit dem Markenwein Escudo Rojo (rotes Schild).

Die Frankfurter Bankiersfamilie Amschel Mayer soll im 18. Jahrhundert in der Judengasse im Haus zum roten Schild gewohnt haben. So kam es zum heutigen Familiennamen.

Auf der Etikette ziert oft – in irgendwelcher Form – eine Art Schaf das Label. Aber es ist kein Schaf, sondern ein Widder. Der verstorbene Baron Philippe der Rothschild wurde am 13. April im Jahr 1902 in Paris geboren. Also war er ein Widder. Und dieses Tier verwendete er als Symbol für das Emblem von Château Mouton-Rothschild.  

Aber wie entstand dann der Begriff Mouton, wenn das Schaf gar nichts zu tun hat mit dem Weingut?

Im Jahr 1853 erwarb Nathaniel de Rothschild das damalige Château Brane Mouton und taufte es gleich in Mouton-Rothschild um. Also fiel das Wort «Brane» weg und wurde durch «Rothschild» ersetzt. Der Begriff «Mouton» blieb!

Der Ausdruck Mouton kam von Monton. Le Mont = der Berg. Monton = kleiner Berg, respektive Anhöhe. Und dies deutete auf ein gutes Terroir hin. So wie oft mit Haut = hoch, auf das bessere Terroir hingewiesen wurde. Beispiele: Haut-Bailly, Haut-Batailley, Haut-Brion etc. Und auch der Nachbar Lafite nahm sich einen ähnlichen Hinweis auf das besondere Rebland zu Hilfe. Lafite soll seinen Namen vom gascognischen Ausdruck «la hite» erhalten haben und bedeutet Hügel. 

IMMER, IMMER, IMMER, IMMER IM JANUAR…

Unser Mouton-Abend hat Tradition. Immer im Januar findet diese Veranstaltung statt. Immer im Restaurant Old Swiss House in Luzern. Immer mit dem Patron Philippe Buholzer. Immer mit René Gabriel als Organisator und Kommentator. Immer mit etwa fünf Jahrgängen Clerc-Milon. Immer mit etwa fünf Jahrgängen d’Armailhac / Mouton-Baron / Mouton Baronne. Das Weingut wechselte nämlich drei Mal seinen Namen im letzten Jahrhundert. Immer mit etwa zehn Jahrgängen vom Château Mouton-Rothschild selbst. Und der Event ist immer auf lange Sicht ausgebucht.  

Warum man eher den 1998er statt den 2000 Clerc-Milon kaufen soll und wie der Mouton-Rothschild 1948 schmeckte und ob man mit dem 1986er endlich beginnen kann, lesen Sie, falls abonniert auf www.bxtotal.com

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Geburtstag von Weinfreund André Kunz

Viel Schwein, schöne Weine

Feuchter Abend - trockener Kuchen  

SCHWEIN GEHABT

Als ich mich an den Küchentisch bei Werner Tobler in der Braui Hochdorf setzte, war das just 49jährige Geburtstagskind André Kunz schon in ordentlicher Festlaune. 

Auf dem Tisch standen die milchig-süsse etwas aufgeweichte 1995er Riesling Spätlese Wiltinger braune Kupp von Egon Müller (18/20) und der pfanzlich-würzige (Estragon!) 1995er Grüne Veltliner Kellerberg von F.X. Pichler (19/20). 

Nach den ersten Mini-Köstlichkeiten – immer mit dem Hauptfleischlieferant Schwein – wechselten wir zu einem bunten Allerlei von französischen Rotweinen. Zuerst der leicht bockige 1997 Lavaux St. Jacques von Denis Mortet. Er hatte noch eine feine Restkohlensäure im Innern. Aber das Lüften tat ihm gut. (18/20). Der 1990 Phélan-Ségur legte sofort los. Malzig, weich mit extrem viel Charme – vor allem für einen Saint Estèphe. (18/20 ).

Beim 1999 Lafleur aus der halben Flasche merkte man noch viel Frucht und die dezent knappe Reife der in Form von roten, fein pfeffrigen Kirschen. Erstaunlich war aber das Paket für einen 99er trotzdem. Hier zeigt sich seine Terroirüberlegenheit in schwierigen Jahren.

In der Zwischenzeit stand eine grosse Daubière mit dampfenden, geschmorten Schweinsfüssen auf dem Anrichtetisch und jeder konnte sich da Schweinisch bedienen.

Dann kam mein heimlicher Lieblingswein: 1999 Châteauneuf-du-Pape Les Céléstines von Henry Bonneau. Glück dem, der ihn trinken darf und dann auch richtig versteht. Er riecht so wie andere grosse Châteauneuf’s ergänzt mit einer unverkennbaren Domainenote. So wie der Wein nämlich riecht, so soll es auch im Weingut selbst riechen. Nicht gerade streng, aber noch mehr als würzig!

Wechsel ins Napa: Es folgte der Urtyp eines Martha’s Vineyards – Jahrgang 1988. Knapp zwei Stunden dekantiert. Dies ohne grossen Nutzen. Denn zuerst war da nur irgendwie Kork. Und jeder andere hätte sämtliche Hoffnungen sofort begraben, dass da noch etwas daraus werden kann. Wir fingen gleich an mit der nötigen Arbeit: Glas nehmen und in ein anderes Glas hin und her Schütten. Dann warten bis die Kohlensäurebläterchen weg sind. Dann daran riechen. Dann nicht verzweifeln. Dann wieder hin und her Schütten. Und so weiter. Kurz vor der der Tennisarmdiagnose dann endlich die erste Hoffnung. Nase stinkig – Gaumen aber weich und fast angenehm. Und wieder Hinschütten. Und wieder Herschütten. So ganz brachten wir den Martha’s-Stinker dann trotzdem nicht weg. Aber die Karaffe war am Schluss trotzdem leer.

Schliesslich der süsse Abschluss mit einem funken sprühenden Geburtstagskuchen. Der Abend wäre fast überfeucht gewesen, doch der recht trockene Marmorkeks brachte die Sache dann wieder ins Lot. Schwein gehabt! 

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2003 LAFITE-ROTHSCHILD WAR SCHON ALS FASSPROBE
EIN JAHRHUNDERTWEIN UND JETZT FOLGT DIE BESTÄTIGUNG


Fassprobe im Jahr 2004: Es ist das erste Mal, dass ich einer Fassprobe von Lafite die maximale Punktezahl attestiere. Dieser Jahrhundertwein besteht aus folgenden Komponenten: 86 % Cabernet Sauvignon,
9 % Merlot, 3 % Cabernet Franc und 2 % Petit Verdot. Zeigte die tiefste Farbe aller drei präsentierten Domaine-Weine (Carruades & Duhart); sehr dunkles Granat mit schwarzen Reflexen. Völlig schwarzbeerig, rauchig, Trüffel, Teakholz, Darjeeling – noch nie habe ich einen Lafite mit einer derartigen Nasenkonzentration und Tiefe erlebt! Im Gaumen perfekt, eine traumhafte Cabernet-Süsse in der gaumenumfassenden Adstringenz zeigend, reife, angetrocknete Pflaumenschalen, Dörrbananen, ein Hauch Kokos und schwarze Pralinen, im langen Nachhall wieder diese enorme Konzentration ausstrahlend. Kann dies einer der allerbesten Lafite’s überhaupt sein, die ich je verkostet habe? Auf alle Fälle wird dieser Wein in ein paar Jahrzehnten garantiert ein Erlebnis bieten, wie es vielleicht heute der heroische 59er tut. (20/20).

Melchsee-Frutt-Probe 2013: Sattes Rubin-Granat mit lila Reflexen. Das Nasenbild ist betörend und beruhigend zugleich, gebrannte Mandeln, Milchkaffee, Cassis, Dammasinepflaumen, floraler Schimmer mit einem berauschenden Blütenparfüm. Im Gaumen mit unendlich vielen Finessen, die Tannine sind zart und schmelzen nur so dahin über dem eleganten, sehr langen Gaumenfluss. Es war fraglos des allerbeste Wein von diesem unvergesslichen Frutt-Wein-Wochenende. Ich nahm die Flasche bei Seite zum Fotografieren und auch … um mir einen schönen zweiten Schluck einzuschenken. Danke Ruedi. Du hast mir mit diesem Erlebnis eine ziemlich hohe Messlatte für das noch junge Weinjahr beschert. 20/20 trinken – 2050

Insgesamt 20 Bordeaux 2003 verkostet und neu justiert. Es gab wenig Punkteveränderungen gegenüber meinen Primeurnotizen. Bei ein paar Weingütern habe ich die Genussreife verlängert. Und der Duhart sackte ab. www.bxtotal.com

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Eine der besten Degustationsnotizen.      Gesehen auf www.mybestwine.ch

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Wow - ich habe so viele Freunde!
Das wusste ich gar nicht. Denn ich hatte mich, um irgend etwas bei einem richtigen Freund zu lesen mal vor Jahren dort
angemeldet...


Wie heisst es doch so schön:
Die beste Art einen Freund zu haben - ist selbst Einer zu sein!

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MACHEN GROSSE ROTWEINE EINEN WINTERSCHLAF?
 
Frage von Lothar Flatz

Ist es möglich, dass ein Wein Winterschlaf hält? Ich habe den Eindruck, dass ich Weine im Winter deutlich länger dekantieren muss als im Sommer.

Antwort von René Gabriel

Ich gebe es offen zu, als ich Ihre Frage las, habe ich spontan gelacht. Es kam mir nämlich folgender Witz in den Sinn…

Im Physikunterricht erklärte die Lehrerin, dass die Kälte Metall zusammen ziehen kann. Man merke dies beispielsweise, dass die Bahnschienen im Winter kürzer sind und es mehr rattert beim Zugfahren als im Sommer.
Dann fragte sie die Schülerschaft: «Kennt Ihr noch andere Dinge, welche im Sommer länger sind als im Winter?»
Ein Schüler antwortete spontan: «Ja – Frau Lehrerin. Die Sommerferien sind länger als die Winterferien!».

Ein Mail mit einer solchen Frage hat auch etwas Gemeines an sich. Man darf es nicht löschen ohne Irgendetwas zu antworten. Doch was wäre dieses «Irgendetwas» auf die durchaus berechtigte Frage? Eine Frage, welche mir bis anhin noch nie gestellt wurde und ich auch noch nie irgendwelche Abhandlungen darüber lesen konnte.  

Ein paar Tage lang sinnierte ich über den möglichen vinösen Winterschlaf eines grossen Rotweines nach und gelangte zu fixen These, dass dem – unter gewissen Bedingungen – so ist.

In der Regel ist ein guter Keller ein Raum, welcher über zwei Grund-Temperaturen verfügt. Eine wärmere (sagen wir mal etwa 15 bis 16 Grad) im Sommer. Der Wein arbeitet und reift in dieser Phase. Im Winter wäre es gut (und einfacher von der Technik her), wenn der Wein bei kühleren Temperaturen sich dann etwas erholen kann, ruht oder gar schläft.

Begründung: Ich durfte ein paar Mal im Schloss Grap da Sass in St. Moritz Weine mit dem Mövenpick-Gründer Ueli Prager trinken. Der Keller war dort über Jahrzehnte 8 Grad kalt. Die Weine waren unglaublich jung, von blockierter Frucht und mit unentwickelten Gerbstoffen. Meist dekantierte der Gastgeber seine Weine schon am Mittag, damit diese bis zum Abend einigermassen aufweichten.

Dem anderen Extrem, einem zu warmen Lagerbeispiel werden wohl viele Leser dieses Artikels schon begegnet sein. Ist ein Wein zu lang an der Wärme (und am Licht), dann entwickelt er sich überschnell, verliert die Frucht und die Gerbstoffe werden spröde. Hier nützt es auch nichts mehr, wenn man den Wein gar nicht dekantiert und nach dem Öffnen sofort ins Glas giesst. This show is over! 

Zwischen diesen zwei Extremen liegt wohl die mögliche Begründung der möglichen Winterschlaftheorie.

Hat jemand jedoch einen Keller mit konstanter Temperatur, dann glaube ich kaum, dass es einen saisonalen Dekantierunterschied gibt. Der Wein weiss da gar nicht ob draussen Frühling oder Herbst ist. Er reagiert höchstens auf den Luftdruck. Doch das wäre wieder eine andere Geschichte…

Gehen wir jedoch jetzt zurück auf die Theorie, dass die Flaschen im Winter von der Ausgangslage her leicht kühler sind, so ist alleine der längere Aufwärmfaktor genügend Begründung, dass es eine längere Dekantierdauer braucht. Ich bin ja generell kein Fan von kurzem Dekantieren. Man kann eine noch nicht vorhandene Genussreife nicht erzwingen, indem man den Wein noch kurzfristig in eine Karaffe umleert. Wichtig ist immer, dass der Dekantierkrug genau dort steht, wo dann auch die richtige Ausschanktemperatur avisiert werden kann. Und die Ausschanktemperatur sollte immer ein bis zwei Grad kühler sein, als die Genusstemperatur. Durch das minimale Erwärmen im Glas  expandiert der Wein im Duft und legt an Gaumenvolumen zu.

Zusammengefasst: Wer einen Keller hat, bei dem die Weine im Winter kühler sind als im Sommer, sollte diese länger dekantieren! Wie lange diese Saison jedoch ganz genau dauert, kann ich Ihnen leider beim besten Willen nicht sagen. Ich denke, das ist Ansichtssache – wie das Dekantieren selbst!

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Jedes Jahr mehr -

ist Eines weniger!

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FFFF: KANNST DU DAS LEBEN AUS DEM EFFEFF?

Zuerst wollte ich in meinem schon traditionellen Mail zum Neuen Jahr über die kognitive Dissonanz schreiben.

Diesen Begriff hatte ich kürzlich beim Lesen der Berner Zeitung aufgeschnappt. Doch erstens ziemt sich ein solches Unterfangen nicht für einen Mann von derartig einfacher Schulbildung und zweitens weiss ich gar nicht was damit gemeint ist…

Nach der Schule lernte ich Koch. Das war’s dann. Von der Ausbildung her. Alles was nachher von mir gefordert wurde oder ich im Berufsleben anwendete, lernte ich selbst. Das hat vielleicht den Vorteil, dass man sich nur jene Dinge aneignet, welche man auch tatsächlich braucht. Heute arbeite ich praktisch permanent aus dem Effeff!  

Auch das ist wieder so ein Begriff, welchen man oft verwendet, aber spezifisch dann eventuell doch nicht genau weiss, was dies letztendlich bedeutet. Wikipedia sei Dank, hier die dazu benötigte Definition: Etwas aus dem Effeff zu können oder zu kennen, bedeutet, eine Sache vorzüglich zu beherrschen bzw. entsprechendes Wissen sehr schnell abrufen zu können oder sich ergebende Zusammenhänge zügig zu verstehen.

Berufsmässig bin ich also per Effeff unterwegs. Sofern ich das kann, was man von mir will. Sonst gilt halt das Motto SABTA! Das habe ich von meinem Sohn Stefan gelernt. SABTA bedeutet; sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit.

Auch privat bin ich in der Regel mit vier F’s unterwegs:
Frau – Familie – Freunde – Flaschen!

Je nach Situation in beliebiger Reihenfolge anwendbar. Und weil jeder Mensch auch ein positiver Egoist sein sollte, gibt es noch einen ganz persönlichen Lebensteil nur für mich. 

Lotto speile ich nicht und ich nehme auch an keinen Wettbewerben teil. Das ist eine aus Unzufriedenheit resultierende Glückssuche und – falls eintreffend – in der Regel nur ein ganz kurzfristiger Lustgewinn. Mein ganz persönliches Streben ist eher der Wunsch nach ein paar intensiven Momenten von Glücklichsein. Auch das muss man selbst lernen. Doch auch die Vorstufe reicht schon vollends aus.

Es ist das Streben nach einem hohen Mass von Zufriedenheit. Und das ist die Summe, welche übrig bleibt, nachdem man das Negative vom Positiven subtrahiert hat. 

Ich wünsche all meinen Weinfreunden, dass in diesem noch jungen Jahr diese Rechnung (wieder?) aufgeht. Und – dass wir vielleicht ein paar besonders zufriedene bis glückliche Weinstunden gar zusammen erleben dürfen.

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Karin und René
Gabriel feierten den Sylvester mit Freunden,
mit 2002 Honivogl, Hirtzberger, 
Doppelmagnum und 1994 Rioja Roda I Impériale.

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WEINGENUSS: BLUTIG, HALB ODER DURCHGEBRATEN?

Mail an mich von einem Weinhändler: Einer meiner Kunden berichtete mir gestern, dass ein Wein aus meinem Verkaufsprogramm (Château Tour Haut Caussan 1998) in der aktuellen WeinWisser-Liste mit «vo» gekennzeichnet sei. Könnten Sie mich aufklären, was «vo» bedeutet? Der Wein ist meiner Ansicht nach in Bestform und macht mir exorbitant viel Spass. Der Kunde ist allerdings – obwohl er den Wein bisher sehr gut fand – aufgrund dieses «vo» jetzt höchst unzufrieden.

Irgendwann muss man sich manchmal – aus Platzgründen – für Abkürzungen entscheiden. Und wenn es diese im Jargon noch gar nicht gibt, dann muss man diese halt selbst erfinden… 

So geschehen vor ziemlich genau 20 Jahren. Im Newsletter WeinWisser veröffentlichen wir jeweils Ende Jahr immer eine grosse Tabelle mit den 200 besten Bordeaux. Dazu publizieren wir die Wertung der jeweiligen Weine und geben eine ungefähre Genussreife an. 

Also Beispielsweise: Château Lafite-Rothschild (Weingut) 19/20 (Wertung) eine Kolonne mit beispielsweise 1998 (Jahrgang) und im betreffenden Feld: – 2040. Letztere Angabe will heissen, dass der Wein jetzt zwar genussreif ist, aber problemlos bis zum Jahr 2040 genossen werden kann.

Nicht jeder Bordeaux vom Jahrgang 1998 hat ein derartig langes Leben. Dies hängt primär vom Terroir ab. Je besser das Terroir – je länger das Leben. Wenn alles richtig läuft. Und da ist es logischerweise möglich, dass ein einfacherer Cru Bourgeois aus demselben Jahrgang, im Gegensatz zu einem Premier Grand Cru, keine Zukunftsperspektive mehr hat und jetzt getrunken werden sollte. Vielleicht hätte er den allerbesten Genuss gar vor zwei, drei Jahren geboten. Somit kommt, in diesem Falle, die Abkürzung «vo» zum Zug. Und damit meine ich schlicht und einfach «vorbei». Der Wein ist nicht kaputt, aber halt nicht mehr ganz so gut, wie in seiner Hochblüte. Zudem kommt es nach so vielen Jahren schon sehr darauf an, wie eine Flasche lagerte. Ein warmer Ladenhüter wirkt logischerweise immer älter – als eine kühle Kellerdöser-Bouteille! 

Viele Weinkonsumenten möchten diese Angaben aber nicht so pauschal haben. Nein – diese mich nervenden Weinfreunde möchten am liebsten auch gleich noch die Genussphase digitalisieren. Genau so, wie es viele Profis und auch Amateure bei den Wertungen machen. Man benützt da immer mehr die Hunderterskala um den Weinen eine «möglichst gerechte, präzise Note» zu verleihen.

Meine Frau Karin isst Nektarinen nur, wenn diese noch fast knallhart sind. Mein Vater legte die Tafelbirnen von unserem Spalierbaum immer zuerst mehrere Tage in die Fruchtschale, bevor er eine davon ass. Er mochte diese nämlich am liebsten weich.

Als Gast auf Château Léoville Las Cases werden oft verkochte Nudeln serviert. Der Patron mag das so. Die Italiener essen die Spaghetti unisono immer «al dente».

Mein Freund Lucien will sämtliche Rindfleischgrilladen immer blutig. Unsere Freundin Alice gibt das Steak zurück in die Küche, wenn sie an der Schnittfläche noch Spuren von wässrigem Blut sieht. 
 
Und genau so ist das beim Wein! Ganz besonders bei den grossen Rotweinen dieser Welt. Einige lieben die verschwenderische Primärfrucht und trinken die Weine meiner Ansicht viel zu jung. Bei einem zu jungen Wein stehen die Machart und die Rebsorte geschmacklich zu stark im Vordergrund. Das ginge ja noch, aber die Tannine sind in der Regel bockig und zementieren den Gaumen.

Im Gegensatz: Wer sehr alte Weine liebt, schätzt das abgeklärte, milchig-sanfte, erdige am ausgereiften Tropfen. 

Ich persönlich liebe die weit gefächerten Facetten der langen Mittelphase beim Weingenuss, tendenziell lieber etwas reifer wie zu noch jung. Dabei hoffe ich immer, dass nicht irgend jemand der Tafelrunde auf die Idee kommt mich zu fragen, ob der gewählte Tropfen nicht eventuell etwas zu alt sei. Spätestens dann ist es nämlich mit der Weinfreundschaft «vo»!     

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Weine zum besten Preis verkaufen!

www.weinboerse.ch

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WWW.BXTOTAL-COM: MEINE PERSONLICHE BILANZ 2012

Wer einkassiert - muss auch bieten!

Zunächst ganz herzlichen Dank allen, welche sich auf meiner «Zahlseite» www.bxtotal.com eingeloggt haben und dann ein Abo für ein Jahr für CHF 98 / 85 EURO lösten. Die Kinderkrankheiten sind ausgemerzt und die einfach zu handhabende Suchmaschine funktioniert einwandfrei.

Wir haben quartalsmässig einen neuen Release gemacht. Dabei sind mehr als 500 neu verkostete Eindrücke von älteren Bordeaux integriert worden. Ich habe auch rund 100 Bordeaux' vom Jahr 2010 neu verkostet und in der Suchmaschine aktualisiert. Nicht zu vergessen, die mehr als 500 Fassproben vom Primeur-Jahrgang 2011. Die Eindrücke vom versprechenden Jahrgang 2012 werden übrigens bereits Mitte April 2013 vollumfänglich verfügbar sein.

Total kann man nach mehr als 50'000 individuellen Degustationsnotizen, Bewertungen und Genussreifen surfen.

Unter Tastingberichte habe ich im Jahr 2012 73 verschiedene Storys zu Degustationen als PDF veröffentlicht. Diese spannenden Geschichten beinhalten mehr als 365 illustrierte A-4-Seiten mit Degustationsnotizen, Recherchen, Interviews und selbst geschossenen Fotos.

Hier ein Blick auf das üppige 2012er-PDF-Inventar

BXTOTAL.COM ist ein Muss für jeden, der schöne Bordeaux trinkt und generell Weine liebt. Sie zahlen dafür so viel wie eine gute Flasche Wein und das ist es ganz sicher wert!     

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Keine zu empfehlende Januardiät:

Schweinsfuss wird besser mit Château Faugères - und umgekehrt.

Römertopf, Schweinsfuss, Zwiebeln, Morcheln und Gabriel-Bier für die Sauce...


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Erlebnisse aus früherer Weinzeit finden Sie im Archiv

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