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IT WAS A GOOD YEAR...

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JUBILÄUMS-MARATHON www.rare-bordeauxweine.de
 
Im Leben eines grossen Bordeauxweines sind 10 Jahre fast nix. In Elke Dreschers Leben bedeuten die letzten 10 Jahre aber eine ganze Menge. Genau vor einer Dekade hatte sich nämlich die unentspannt-quirlige Weinliebhaberin aus der Region Bonn dazu entschlossen, mit raren Bordeauxweinen zu handeln. Je älter ein Wein wird, desto rarer ist er. Dies ist eine logisch nachzurechnende Faustregel. Denn zu Beginn eines jeden Bordeauxjahrganges liegt ja bekanntlich  noch die gesamte Ernte in den Fässern.  

Dann fängt bei den wichtigsten Crus auch schon die erste Vermarktung an. Denn bereits noch im Fass liegend, wird der Wein erstmals angeboten. Dieses Geschäft wird als so genannter Subskriptionsverkauf beschrieben. Zwei Jahre nach der Ernte ist dann fast alles auf dem Markt, denn da wird der neue Jahrgang generell ausgeliefert.

Und in jedem Land bieten dann Hunderte von Weinhändlern den neuen Jahrgang an. Meist sind die ersten Verkäufe (so wie in den letzten Jahren) eher lethargisch. Es ist ein nämlich bisschen aus der Mode gekommen, dass man sich die Gironde-Weine sofort kauft. A.), weil die Preise der letzten Jahrgänge zu hoch waren und b.), weil es noch ein ziemlich gutes Angebot an etwas älteren Jahrgängen gibt. 

Doch die «etwas älteren Jahrgänge» sind für Elke Drescher (im Bild oben) noch nicht das generelle Zentrum ihrer geschäftigen Weinsuche.

Sie ist nämlich spezialisiert auf alte Jahrgänge. Und auf ganz alte Flaschen. Auf solche Weine, von denen es nur noch ganz wenige im Markt gibt. Und deshalb kann man diese Bouteillen konsequenter Weise auch als «rar» bezeichnen und so erklärt sich dann auch die gewählte  Firmenbezeichnung und die daraus abgeleitete Webseite: www.rare-bordeaux-weine.de.                 Gratis-Bericht

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25 JAHRGÄNGE HAUT-BRION IN LUZERN

Da trifft sich nämlich eine kleine Schar von Weinfreunden und alle haben Handgepäck dabei. Wäre man am Flughafen, so würde der Inhalt sofort konfisziert und weggeworden. Begründung: Zu viel Flüssigkeit. 

Im Old Swiss House ist das ganz anders. Da freut sich der Kontrolleur, wenn man ihm die Flüssigkeiten überreicht. 

Mit Kontrolleur ist hier Patrick Bopp gemeint, welcher jeweils als Sommelier und seriöser Dekantierer agierte. 

Mit Flüssigkeit ist ganz grosser Wein gemeint. Das Thema wechselt, die Teilnehmer sind aber fast immer die gleichen.

Heuer war Château Haut-Brion angesagt. Und durch mitgebrachte Kellerspenden kamen 25 Jahrgänge zusammen. Mit einer Bandbreite von 75 Jahren. Der jüngste war nämlich der Jahrgang 2001 – der älteste ein 1926er. Und praktisch alles ganz grosse Millésimes!                Der Siebenseiten-Bericht ist auf www.bxtotal.com

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WENN EINER EINE REISE TUT…

Fast hätte ich einen grossen Teil von diesem grossartigen Wine & Dine verpasst, denn meine Anreise hatte da ein paar Tücken. 

Am Vorabend war ich in der Nähe von Bonn an einem grossen Weinevent. Kurz vor Mittag wurde ich abgeholt und zum Flughafen Köln-Bonn gebracht. Am Schalter fand dann der Herr welcher mit «Trainée» angeschrieben war meinen Namen nicht auf der Flugliste und befahl mir zum Customer-Service zu watschen. 

Auch die nette Dame hatte Mühe mit dem System. Aber ich sei doch vor zwei Tagen hingeflogen, also müsse da doch auch der Rückflug in ihrer elektrischen Kiste drin sein, meinte ich helfend. Um meine These zu unterstützen, drückte ich ihr noch die alte Bordkarte in die Hand. 

Kurz darauf lächelte Sie mit leicht ernsthaften Zügen. «Sie haben sich selbst mit Gabrie gebucht – nicht mit Gabriel». Ja – dann sei ja alles in Ordnung und sie könne mich gleich für den Flug von 14.10 Uhr einchecken, welchen ich mir als Zeitinformation auf dem Handy notiert hatte, meinte ich erlöst. 

Doch es gab da weitere Probleme. Erstens sei um diese Zeit kein Germanwingsflug nach Zürich. Zweitens wäre mein gebuchter Flug um 9.55 Uhr gewesen und drittens könnte sie mir grad jetzt ein ungünstiges Ticket für den Flug vom 15.20 Uhr verkaufen. 

Da ich jetzt viel zu früh war, sagte ich, das sei mir zu teuer und ich würde mit dem Zug fahren. Also trottelte ich Trottel zum Bahnhof. Dort fand ich auch eine Verbindung, welche mich rechtzeitig nach Luzern gebracht hätte. Als ich aber die Bahnfahrkarte lösen wollte, informierte mich der Bildschirm, dass ich den Anschluss in Frankfurt garantiert verpassen würde, weil es momentan grad eine leidige Stellwerkstörung auf dieser Strecke gäbe. 

Also watschte ich wieder reumütig zum Germanwingsschalter und bestand darauf, dass mir dieselbe Dame jetzt unbedingt ein so sauteures Ticket verkaufen müsse, denn ich müsse definitiv nach Zürich. Aber dalli!

Der Flug hatte dann noch etwas Verspätung und vor lauter Aufregung hockte ich mich anschliessend in Zürich zuerst auch noch in den falschen Zug. Doch eine halbe Stunde nach Apérobeginn war ich im Old Swiss House!

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PAUILLAC 1989: AUS MAGNUMFLASCHEN

Wenn man eine ziemlich grosse Anzahl von Flaschen in seinem Keller hat, dann tut man sich umso schwerer einen weinigen Abend zusammen zu stellen. Und das war diesmal ganz besonders der Fall. Die Themenvorgabe war klar: Margaux! Doch meine Frau machte mir einen Strich durch die Rechnung. Und dies am gleichen Tag gleich zwei Mal.

Eigentlich hat ja die Vorgeschichte noch nichts mit dem Beschrieb der samstäglichen Weinen zu tun. Denn wir waren da an einem Trüffelabend in Ormalingen eingeladen. Jeder brachte besonders trüffelige Weine aus seinem Keller mit und bezahlte einzig das nicht ganz kalorienarme und wertvolle Menu welches vom Störkoch Werner Tobler bewältigt wurde. 

Wir holten noch den Weinfreund André mit seiner Frau Somporn ab. Und weil wir schon vor dessen Haus fuhren, so war es klug, grad gleich seine Weine mitzunehmen, welche er bei der Weinbörse ersteigert hatte. Und so parkten wir, öffneten den Kofferraum und trugen zu Dritt die gut gefüllten Kartons und Kisten in seinen Vorkeller. 

Dann stiegen die Beiden ein uns los ging es. Auf nach Ormalingen. Auf halber Strecke kamen wir auf die mitgebrachten Weine zu sprechen und André zählte seine önologischen Trüffelspenden auf. 

«Hast Du eigentlich auch schöne Weine mit genommen», fragte mich meine besonders liebende Ehegattin. Ich antwortete mit ja und meine Karin hackte nach. «Falls diese hinten in einem weissen Karton waren, so habe ich diese vorher eigenhändig in André’s Keller runter getragen.»

Relativ unentspannt umklammerte ich, nach dieser Missgeschickserklärung, meine beiden Hände heftig am Steuerrad…

Das war bereits der zweite Negativhammer am selben Tag. Denn sie fragte mich am Mittag noch, so nebenbei, was es denn am Samstagabend Schönes zu trinken gäbe, wenn unsere Freunde kämen.

Ich sagte ihr, dass das generelle Thema heuer Margaux sei. Dabei wollte ich nicht knauserig sein und ich hätte mich dazu entschieden –unter dem Deckmantel Margaux – den ganzen Abend lang Château Margaux aus Magnumflaschen zu servieren. 

Sie schaute mich bitter enttäuscht an und sagte nur: «Château Margaux – so langweilig!»

Und sie war schon den ganzen Tag damit beschäftigt das Menu für den kommenden Abend vorzubereiten. (Taccino tonato), gratinierte Zwiebelsuppe. Kalbsbraten, hausgemachter Kartoffelstock, Bohnen. 

Ich wog die ganze, schlaflose Nacht lang ab, ob ich das versprochene Thema trotzdem durchziehen sollte und dabei eine unglückliche Gastgeberin riskierte. Oder ob ich, dem Haus-frieden zu liebe, das Motto umkrempeln sollte.

So entschied ich mich für die zweite Variante, mit gleichen Budgetvorgaben. Also gab es keinen einzigen Margaux. Und auch «nur» Magnumflaschen. Alle vom Jahrgang 1989. 

Einen weissen Pessac-Léognan (Domaine de Chevalier) und fünf rote Pauillac-Grand-Crus (d’Armailhac, Grand-Puy-Lacoste, Mouton, Lafite und Latour)!


BUDGETTRICK!


Man könnte beim Lafite trinken Geld sparen, indem man auf teure Begleit-Speisen verzichtet. In meinem Falle war es beim Vorverkosten
eine grössere Degustationsration mit etwas Baguette, Greyerzer und Cervelat.


Die Story finden Sie auf www.bxtotal.com

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Eine Weindegustation ohne Emotionen ist wie Tofu für Steakliebhaber!

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CONTINUUM MONDAVI'S GROSSER NAPA GRAND-CRU
 
Wenn Sie nach diesem Napa-Premium surfen, dann machen Sie bitte nicht den gleichen Fehler wie ich. Ich gab nämlich nur das Wort «Continuum» ein…

Das Resultat war üppig, denn ich kam auf rund 50 Millionen Ergebnisse. Doch ich musste blättern und gelangte auch auf der dritten Seite immer noch nicht zum gewünschten Ziel. Mehr oder weniger drehte sich alles um eine offensichtlich kultige, kanadische Science-Fiction-Serie, welche erstmals im Jahr 2012 ausgestrahlt wurde.
Eigentlich komisch, denn ich suchte ja nach einem Wein mit dem gleichen Namen, welchen es bereits seit dem Jahr 2005 gab…

Also schränkte ich meine Suche ein und ergänzte den Suchbegriff «Continuum» mit «Wine». Der Ergebnis-Koeffizient sank auf 0.097833 und es erschienen nur noch 587'000 Treffer. Dafür stand das, wonach ich suchte an oberster Stelle, nämlich der Homepage der neuen Winery. Wer auf der Seite angelangt ist und auf die Seite von «people» klickt, erblickt ein bekanntes Gesicht: Tim Mondavi.

Durch meine Tätigkeit als Einkäufer bei Mövenpick bin ich ihm schon ein paar Mal in meinem Leben begegnet.

Einmal im Orient-Express, welcher sich auf Abwegen befand, denn der Kurs führte von Bordeaux nach Saint Emilion und wieder zurück. Robert Mondavi feierte im Jahr 1989 so an der VINEXPO den 75igsten Geburtstag. 

Drei Jahre später (1992) traf ich Tim wieder. Diesmal an der Eröffnung der Opus One Winery im Napa Valley. 
1995 degustierte ich mit ihm und Lamberto Frescobaldi die Fassproben der ersten Jahrgänge vom Luce in der Toskana. 

Ein Jahr darauf war er in der Schweiz zu Besuch. Wir tranken an einem Lunch 1966 Cabernet Sauvignon Mondavi und 1966 Cheval Blanc aus meinem Keller. Ich servierte die Weine blind und fragte die Gäste am Tisch, welcher Wein der bessere sei. Zur Freude von Tim gewann der Mondavi um Längen.

1998 sah ich ihn nur von Weitem. Am Launch vom neuen Chile-Premium-Wine, dem Seña, welcher in Santiago de Chile stattfand, nahmen nämlich mehr als 1000 Personen teil.

Dafür hatten wir zwei Jahre später wieder Zeit für einen Chat, als der neue Keller der Mondavi-Winery in Oakville pompös eingeweiht wurde.

Nachdem wir uns früher regelmässig trafen, dauerte es jetzt 14 Jahre bis wir uns wieder gegenüber standen. Dies anlässlich eines Events rund um seinen Continuum, welcher in Zürich statt fand. Ich durfte mit ihm und Sohn Carlos durch den Abend führen…      

WEINMACHER AUS PASSION

Tim Mondavi, geboren im miserablen Weinjahr 1951, kam früh schon in Kontakt mit Wein. Logischerweise! Denn wer als Sohn von Robert Mondavi geboren wird, der kommt nicht um den Wein herum. Und so war es denn auch fast eben so logisch, dass er Vitikultur und Önologie an der Davis Universität in Kalifornien studierte.

Vaters weitreichende Projekte innerhalb Kaliforniens und kühnen Joint-Ventures mit den Frescobaldis, mit den Rothschilds und mit Eduardo Chadwick, liessen ihn weit in der Welt herum reisen. 

Als im Jahr 2004 der riesige Mondavi-Konzern an Constellation-Brands verkauft wurde, war für ihn klar; sein Leben muss als Weinmacher weiter gehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits gut 40 erlebte Weinernten auf seinem immensen Erfahrungsbuckel. 

Bereits ein Jahr später kam der erste Continuum auf den Markt. Ohne eigene Rebberge und ohne Winery! 

In einer Art Gentlemen-Agreement, durfte er für ein paar Jahre Trauben aus dem berühmten To-Kalon Rebberg kaufen. Zusätzlich arrangierte er weitere Chargen von befreundeten Weingutsbesitzern.      

Der Wein wurde im Nomadenprinzip vinifiziert. Bis zur heutigen, endgültigen Domaine-Situation wechselte die Crew die Produktionsstätte und zügelte so die Holzcuviers ein paar Mal durch das Napa-Tal. 

Doch das ist jetzt Geschichte. Und hier beginnt jetzt die eigentliche Geschichte. 

Irgendwie erinnert mich die Entstehung vom Continuum an den Opus One. Den gab es auch bereits bevor die Rebberge angepflanzt wurden und die Winery im Bau war. Ich erinnere mich noch genau an die Worte von Robert Mondavi, als ich als Gast zur Eröffnung der neuen Winery eingeladen wurde und er mir ins Ohr flüsterte: «Finally – Opus gets a home!»

Das war im Jahr 1992. Ziemlich genau 20 Jahre später wurde die Continuum-Winery erbaut. Dies mit Hilfe vom Architekt Howard Bacon. Es ist kein Disney-Luxusbunker, sondern ein funktionelles Gebäude. Prioritär der Weinproduktion dienend.

GRAND CRU – ON TOP OF THE HILL

Logierweise wurde die Winery in unmittelbare Nähe der Rebberge gepflanzt. Und genau diese Rebberge bilden, bei den neusten Jahrgängen, die fixe Basis für die klar definierte Zukunft vom Continuum. Timothy (das ist eigentlich sein richtiger Name…) ist es vor ein paar Jahren gelungen, von zwei verschiedenen Besitzern, aneinander liegende Rebberge auf dem Pritchard Hill zu kaufen.

Während – wie erwähnt – die ersten Jahrgänge aus zugekauften Trauben entstanden, basieren die neuesten Vintages auf eigener Frucht. Dieser Sprung wurde mit dem Jahrgang 2008 teilweise geschafft. Hier sind bereits 70 % des Blends aus Pritchard Hill. Beim 2009er sind es 80 %, beim 2010er 92 %. Im Fact-Sheet vom Jahrgang 2011 stehen 98,5 % und ab dem Jahrgang 2012 wird diese Zahl aufgerundet auf volle 100 %. A estate wine is born! 

«Tradition besteht nicht darin die Asche aufzubewahren, sondern das Feuer weiter zu geben!»

So etwa könnte das Lebensmotto der Mondavi’s sein. Obwohl heute weltbekannt, war deren Leben nicht immer einfach. Der Lebensmotor wurde aber immer durch eine immense Wein-Passion angetrieben. Der neue Brand Continuum ist ein Ausdruck dieses, Generationen übergreifenden, Weinlebens der Mondavi-Familie. 

Als italienischer Einwanderer, gründete Robert Gerald Mondavi im Jahr 1922 in Lodi einen Grosshandel mit Weintrauben.

1966 eröffnete dessen Sohn Robert Mondavi in Oakville seine eigene Winery.

Mit dem Jahrgang 2005 brachte die dritte Generation seinen eigenen Wein in den Handel. Und bereits erscheinen, im Zusammenhang mit der neuen Winery die Namen von Timothys Kinder im Team: Carissa, Carlo, Dante und Chiara…

2011 Continuum: 75 % Cabernet Sauvignon, 11 % Cabernet Franc, 12 % Petit Verdot, 2 % Merlot. Sattes Violett-Granat. Ziemlich  kommunikatives, eher filigranes Bouquet mit laktischen Anflügen, Heidelbeerenjogurt, dunkle Pralinen, Vanillemark und deutliche Röstnoten, welche einen Touch Kaffee in sich tragen, zeigt eine spannende Tiefe. Saftiger, geschmeidiger Gaumen, der knapp gereifte Cabernet-Sauvignon-Part ergibt einen gewissen Bordeauxtouch im Finale, welches einen Hauch Rosmarin, Minze und Eucalyptus in sich trägt. Dieser Continuum beweist verschiedene Dinge. Erstens, dass es Tim Mondavi in diesem schwierigen Jahr geschafft hat, wohl einen der besten Napa-Reds zu produzieren. Und zweitens, dass der initiale Rebberg, von welchem das Grundmaterial zu 98.5 % stammt, über ein bemerkenswertes Terroir verfügt. Da vermischen sich Grösse und Spass. Das wird – von der Vintagebasis  her – völlig unterschätzter Napa für Ungeduldige. 18/20 trinken – 2025                   

Wie der Rest schmeckte: www.bxtotal.com

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GROSSE WEINE HALTEN EIN MENSCHENLEBEN!
 
Was haben diese Personen alle gemeinsam? Fritz Senn (schweizer Publizist), Gotthilf Fischer (deutscher Chorleiter), Husni Mubarak (Ex-Präsident von Ägypten), Enio Morricone (italienischer Musikkomponist), die französische Filmschauspielerin Jeanne Moreau und der ebenfalls aus Frankreich stammende Politiker Jean Marie Le Pen.

Alle die oben genannten Menschen sind im Jahr 1928 geboren. Und alle sind immer noch mehr oder weniger präsent. Genau so, wie die besten Bordeauxweine des Jahrganges 1928.

Mit Präsenz meint man – gemäss Wikipedia – die phänomenologische Bedeutung von Anwesenheit. Dies in Form von Gegenwart in einer räumlichen und zeitlichen Sichtweise. 

Leiten wir jetzt mal die beiden oben genannten Eigenschaften auf etwas leicht veränderte Weise ab, bevor wir zum Bordeauxwunder 1928 gelangen… 

Mit «räumlich» meine ich der Story zuliebe den Austragungsort. Und das war der Untergrund vom Restaurant James Joyce (nahe der berühmten Bahnhofstrasse) in Zürich. 

Dort gibt es im offiziellen Weinkeller einen ziemlich grossen, hölzernen Tisch an welchem bequem 12 Personen für ein Wine & Dine Platz nehmen können.

Und mit der «zeitlichen Sichtweise», kann man ein Datum beschreiben, welches das Fast-Ende eines Novembermonates einläutete.

Der in München lebende Weinfreak Robert Langer, welcher – einfach mal so – ein paar deutsche und schweizer Weinfreunde mit an den Tisch lud um, (Sie haben es schon mit der Einleitung bemerkt), ein paar Weine vom Bordeauxjahrgang 1928 zu entkorken, respektive entkorken zu lassen. 

Als kleinen Dank nahmen ein paar der eingeladenen Gäste auch ein paar 1928er Flaschen aus deren Keller mit, doch die schönsten Filetstücke waren definitiv aus Langer’s Keller.

Bevor eine Weinverkostung beginnt, muss man sich persönlich etwas vorbereiten. Man muss die Latte legen. So wie ein Hochspringer. Und diese muss so gelegt werden, dass diese nicht schon beim ersten Anlauf runter fällt. Es ist damit eine psychologische Latte gemeint. Es ist die Schwelle, respektive die faire Höhe der persönlichen Erwartungen. Legt man diese zu hoch, dann generiert man, bevor man den ersten Wein im Glas hat ein garantiertes Frustpotential.

Was ebenfalls sinnvoll ist, besonders bei Altweinproben, man versetzt sich für einen kurzen Moment in jene Zeit…

Was 1928 passierte und wie die Bordeaux 1928 schmeckten... www.bxtotal.com

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2009 CHÂTEAU CASCADAIS  
                  
Das ist die Geschichte von einem ganz besonderen, tollen Rotwein. Von einem Wein, der viel mehr wert ist als er kostet!

Eine Woche lang waren wir mit der gesamten Familie auf einem Hausboot im Canal du Midi unterwegs. Dabei fuhren wir an zahlreichen Weinbergen vorbei. 
Bei unseren täglichen  Restaurantbesuchen tranken wir ausschliesslich lokale Weine und diese schmeckten uns meistens sehr gut. 
Irgendwo in der Nähe musste sich auch das Weingut von meinem alten Bordeaux-Freund Philippe befinden.
Ich kenne ihn schon seit 25 Jahren und war oft auf seinem Weingut Tour Haut-Caussan in Blaignan (Médoc) auf Besuch.

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Der Jahrgang 2009 ist in ganz Frankreich legendär!
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Ich bat meinen Sohn Stefan nach «Cascadais» zu surfen und schnell fanden wir die Kontaktdaten. Nach einem kurzen Telefonanruf fuhren wir am Freitagabend spontan ins Corbières-Gebiet. 
Philippe Courrian erwartete uns im kleinen Dörfchen St-Laurent de la Cabrerisse und eskortierte uns mit seinem kleinen, weissen Renault zum Weingut. Doch zuvor machte er noch einen Halt und zeigte uns voller Stolz seine zum Teil mehr als 60jährigen Reben. 

Ein paar Minuten später waren wir auf Château Cascadais. Ein altes, grosses charmantes Haus, Reben, Wald und ein Fluss, der über grosse Felsen plätschert!
Bei Baguettes, Oliven, Wildschweinschinken und regionalen Käse sprachen wir über frühere Zeiten, über sein glückliches Winzerleben und über seinen Wein.  
Dabei durften wir die letzten vier Jahrgänge verkosten und allen gefiel der 2009er am besten. Das sei auch sein absoluter Favorit und von dem hätte er noch ein paar tausend Flaschen in Bordeaux.
«Den muss ich haben!», schoss es mir durch den Kopf. Und so dealte ich mit ihm und nach den Ferien importierte Markus Müller diesen grossartigen Wein.

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Rebsorten: Syrah, Grenache, Cinsault, Carignan, Mourvèdre

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Der Cascadais 2009 ist von dunkler Farbe. Er duftet nach reifen Pflaumen, zeigt florale, frische Noten und eine schöne, schwarzpfeffrige Würze. Der Gaumen dokumentiert Charakter.
Das ist grosser Weingenuss mit einer 5 Jahre-Garantie.
Besonders zu dunklem Fleisch und Pastagerichten kommt er in Hochform. 

Davon kauft man sich nicht nur ein paar Flaschen, sondern mehrere Kartons.
Am besten bunkert man sich davon sogar sehr viele Kartons. Und man bereut diesen Kauf nur einmal. Nämlich dann, wenn man sich seine allerletzte Flasche ins Gabriel-Glas einschenkt!

Probierflasche: Fr. 14.80 / Zwölferkarton: Fr. 148!!!

www.vinothek14.ch / info@vinothek14.ch / 041 / 855 12 26

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PREISE DER BORDEAUX CRU'S FALLEN

FRANKREICH (Bordeaux) – Die Handelspreise für die Weine der führenden Châteaux aus Bordeaux, darunter Lafite Rothschild, Margaux, Latour und Haut-Brion, sind zur Zeit auf das niedrigste Niveau seit dem Zusammenbruch der Lehmann Brothers in 2008 gesunken. „Die in den letzten Jahren nachlassenden Preise für die Crus sind ein Beispiel für den Wechsel von Boom und Krise in der sich die führenden Châteaux aus Bordeaux immer wieder finden – wobei ein Ende des anhaltenden Preisverfalls noch nicht abzusehen ist“, sagt James Miles, Mitbegründer der Handelsplattform LIV-Ex in London. „Das aktuelle Preisniveau verhält sich so, als ob es den Hype um Bordeaux in China niemals gegeben hätte.“

Ein Rückblick in das Preisgefüge der Crus aus Bordeaux zeigt, dass das letzte Jahrzehnt einen normalen Rhythmus im historischen Vergleich aufwies. Die Preise der Crus stiegen zwischen 2005 und 2011 um das 4,5-fache, bevor sie sich danach bis heute um 41 Prozent verringerten. „Spekulationsblasen mit Weinen aus Bordeaux sind nicht neu“, sagt Miles. „Beispielsweise vervierfachten sich in 1970 bis 1972 die Preise für die Cru Classé um dann in 1974 regelrecht zu implodierten. In diesem Zeitraum liquidierte ein Großteil der Negociants aus Bordeaux – sie mussten ihre Geschäfte schließen.“

Für die letzten Monate bescheinigen der LIV-EX sowie auch der Bordeaux-Index eine leichte Belebung der Nachfrage nach Cru Classé. Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass sich wieder ein positiver Rhythmus von drei bis vier Jahren einstellt. „Ob das so ist, wird auch davon abhängen, wie sich der Jahrgang 2014 entwickelt und wie dessen En-Primeur-Kampagne verwaltet wird“, sagt Miles. „Meiner Meinung nach müssten die Châteaux nach drei bis vier hintereinander gescheiterten Kampagnen aufgewacht sein und die Preise weiter sinken lassen.“

Trotz Boom, Krisen und auch damit einhergehenden Schwankungen sind Investitionen in Wein nach wie vor eine gute Kapitalanlage. Nach der letzten Umfrage des international agierenden britischen Finanzunternehmens Barclays PLC in 2012 gehören Weinkollektionen zu den 25 wertbeständigsten Anlagegütern. Schaut man sich die jüngsten Erfolge der Weinauktionen von Sotheby´s, Christie´s Bonham´s und Co an, so scheint sich dies zu bestätigen. Trotz einer Fälscherszene, gerade auch hinsichtlich der Crus, halten die Gewächse aus Bordeaux eine Rendite von mindestens vier Prozent. „Die Glaubwürdigkeit in Top-Weine als langfristiges Anlagevermögen ist nach wie vor ungebrochen“ sagt Miles. (Quelle: Decanter))

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GROSSER BORDEAUX 2000: WARTEN ODER STARTEN?
 
Noch selten war ich auf eine Probe so neugierig. Es ist nämlich schon eine geraume Weile her, seitdem ich mehrere 2000er Bordeaux’ neben einander vergleichen durfte. 

Der Titel mag für nicht wenige Freunde der Bordelaiser roten Tropfen fragwürdig erscheinen. Besonders wenn mein alter Weinfreund Walter die Frage sieht, so wird er dabei vielleicht mit einer gewissen Schadenfreude lächeln. Den Giscours 2000 hätte aus reiner Neugier versucht, als die Kisten angeliefert wurden. Der sei dann so gut gewesen, dass innerhalb von wenigen Monaten den gesamten Bestand von 24 Flaschen mit ganz grosser Freude ausgetrunken hätte. Das war vor gut 10 Jahren. Also ist mein Freund Walter ein Fruchttrinker. 

Das sind jene Weinfreunde, welche die Primäraromen bei einem jungen Wein lieben. Das geht, wenn die Weine eine Tanninkonstellation aufweisen, welche die Frucht in der ersten Phase genügend frei gibt. Es ist zwar kein Verbrechen, aber aus meiner Sicht doch eher schade.

Ein Giscours kann erst so richtig zeigen, was in ihm steckt, wenn das Terroir durch dringt. In den Terroirreflektionen liegt die Identität eines Crus. Insbesondere, wenn es sich um grosse Bordeaux’ handelt. Und das sind nun Mal die in der Regel klassierten Gewächse vom linken Ufer (inklusive Pessac-Léognan). Und vielleicht auch noch die Supercrus von Saint Emilion und Pomerol.

Will heissen, wer einfachere Weine und die leichteren Cru Bourgeois in den letzten Jahren entkorkt hat, machte keinen Fehler und hat wohl die erste, gute Zeit dieser Weine erwischt. Die Kategorie wird aber – dem grossen Jahrgang sei Dank – noch weitere Jahre grosse Freude bereiten.

Welche 5 Bordeaux 2000 bei mir 20/20 erreichen und warum der in  Bordeaux aufgestufte Pavie bei mir in Sempach abgestuft wurde und wie die repräsentativen Weine schmeckten: www.bxtotal.com 

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IM KAFFEE-LOTTO GEWONNEN

Wenn Sie kapseligen Kaffee trinken, dann haben Sie nie im Leben eine Chance im Kaffee-Lotto zu gewinnen. Mein Kaffee-Sechser ist eigentlich ein Lotto-Dreier. Aber trotzdem ist die Chance diesen zu gewinnen extrem klein. So jedes Jahr höchstens einmal. Heute war es wieder Mal so weit… 

Alles beginnt mit dem unbändigem Wunsch nach einem Kaffee. Wir sind sehr altmodisch. Wir haben keine Kapseln. Wir könnten uns zwar diese leisten. Aber leider fehlt uns dazu die unnötige Ideologie. Wir machen unseren Kaffee halbselbst. Noch mit Bohnen. Mit richtigen Kaffeebohnen. Mit Arabica-Bohnen. Eldorado heisst diese Mischung. Und immer wenn ich Bohnen auffülle, dann rieche ich am offenen Kilosack. Herrlich, dieser wie frisch geröstete Kaffee. Das weckt Kindheitserinnerungen und ist wie ein Genussvorspiel. Das können leider viele Kaffeetrinker gar nicht. Oder haben Sie schon Mal versucht an einer Kapsel zu riechen? Ja – versuchen können Sie es, aber es nützt Ihnen leider nichts!  

«Bohnen auffüllen», befahl mir die Jura-Impressa, als ich das Display betrachtete. Also nahm ich den Sack, roch daran (Mhhhhhhhhh) und füllte die Bohnen in den entsprechenden Behälter.

Als «Bohnen auffüllen» am Display verschwand wurden die verschwindenden Wörter durch zwei neu aufleuchtende Wörter ersetzt. «Wasser füllen». Also entnahm ich halbgeduldig den leeren Behälter, ging zum nie endenden Wasserstrahl (was sind wir für glückliche Menschen!) vom Chromstahltrog und füllte ihn auf und installierte ihn dann wieder an der Impressa. 

Endlich, mit einem sanften Druck mahlte mir diese sehr nützliche und auch in der heutigen Kapselzeit noch immer völlig zufriedenstellende Maschine genau eine Ration Bohnen und brühte mir dann instanthaft eine wunderbare Portion herrlich duftenden, weichen, harmonischen, aromatischen Kaffee. 

Beim Weggehen, brauchte die Maschine etwas länger um den Kaffeesatz intern zu entsorgen. Nach mehreren Manipulationen drehte ich mich noch einmal um und betrachtete wieder das Display und entdeckte dort zum dritten Mal neue Worte: «Behälter leeren». Bingo!  

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LYNCH-BAGES-ABEND

1966, 1970, 1983, 1988, 2000, 2009.

Und zum Apero: 2008 Riesling
Singerriedl
Hitzberger.

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Die aktuell 50 besten Bordeaux von René Gabriel         Liste

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UNVERGESSLICHES DINER AUF PICHON-LALANDE
 
Es gibt wenige Events, welche man nirgends buchen kann. Das gehört zu gewissen, sehr angenehmen Privilegien welche zum sehr schönen Leben eines schon bald alt gedienten Weindegustators gehören. 

Zugegeben, geschenkt wurde mir nie etwas. Irgendwie habe ich mir solche Bonusse mit berechenbaren Gegenleistungen verdient. Denn die Arbeit als Weinbewerter ist nicht immer nur das Sahnehäubchen auf dem Dessert. 

Besonders die anstrengenden zwei Wochen während der Primeurfassproben. Da hetzen wir von Weingut zu Weingut und nehmen an ganz grossen öffentlichen Degustationen teil. Da braucht es Fleiss, Konzentration und Ausdauer. 

Na ja – und vielleicht auch ein grosses Bisschen Talent. Und Edition und Einfluss. Denn kann man nur gut degustieren und hat keine Bühne für seine Arbeit, dann nützt das Ganze erbärmlich wenig.
Meine Verkostungsnotizen dienen als generelle Basis für den Mövenpick-Subskriptionskatalog. Der WeinWisser druckt im April jeweils eine exklusive Gabriel-Edition. Dann gibt es auch einen mehr als 30 Seiten starken PDF-Artikel auf www.bxtotal.com.

Und dort in der direkten Suchmaschine werden diese fast 1000 verschiedenen Verkostungs-eindrücke integriert. Kommt dazu, dass viele Weinhändler in ganz Europa und auch ein paar Bordeaux-Negociants meine Eindrücke an deren Kunden verschicken. Das ergibt einen gewaltigen Multiplikationseffekt. 

Daraus ergibt schon ein wenig Macht im vinösen Markt. Aufgrund einer Erhebung vor vier Jahren wurden die einflussreichsten Degustatoren der Welt ermittelt. Immerhin landete ich da auf dem 11. Platz. Und war in dieser Liste somit der wichtigste Weinschreiberling von Europa.

Hochmut kommt da keiner auf. Ich bin mir der Verpflichtung meines Tuns in jeder Phase bewusst. Und wenn man mir dabei eine Nuance Subjektivität vorwirft, dann gestehe ich dies auch ein. Schliesslich darf man sich in einer solch tendenziellen Geschmacksfrage auch einen eigenen Geschmack leisten.

Was wir erleben durften?          Hier ein Gratisbericht von www.bxtotal.com

Vielleicht überlegen Sie sich ja doch einmal, dieses Portal zu abonnieren. Alleine im Jahr 2014 wurden 41 solcher Berichte rauf geladen. Die entspricht mehr als 300 Seiten Berichterstattung. Zugriff haben Sie dort auch auf meine 58'000 Bordeaux-Verkostungsnotizen.

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20 WEINE VOM JAHRGANG 1964

Zwei Champagner und 18 rote Bordeaux wurden an einem November-Samstagabend in Luzern kredenzt. Unter den Teilnehmern nicht wenige, welche ihren eigenen Geburtsjahrgang erleben durften. Ein Jubilar feierte gar genau an diesem Tag sein 50igstes Wiegenfest. 

Die Weinprobe war mehrere Monate im Netz, bis diese, etwa zwei Monate vor dem Austragungsdatum ausgebucht war. In der Folge interessierten sich dann aber kurzfristig so viele Weinfreunde, dass der Event mehr als doppelt ausgebucht gewesen wäre. Glück denen, welche sich rechtzeitig entschieden hatten. 

Zwar gehört der Jahrgang 1964 im Bordelais nicht zu den ganz grossen Millessimes. Aber auch nicht zu den allzu bescheidenen. Das Traubengut war reif, aber es regnete dauerhaft, als die Haupternte einsetzte. 

Die Châteaux mit den Superterroirs hatten den grösseren Teil der Ernte schon im Keller. Andere ernteten halt weniger konzentrierte Trauben, weil sich diese durch die nassen Verhältnisse aufgesogen hatten. Nun kam es auch darauf an, ob man diesen verregneten Teil zum Grand Vin fügte oder deklassierte.
So gab es ein gutes Dutzend fast ganz grosse Weine und andere welche zwar saftig und elegant waren, aber halt im eher leichten Bereich. Soweit zur Ernte in Bordeaux. 

Und was passierte sonst im Jahr 1964? 

In Russland wird Präsident Nikita S. Chrustschow überraschend abgesetzt.
Der amerikanischer Präsident Lyndon B. Johnson hebt die Rassentrennung auf. Martin Luther King wird mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Nelson Mandela wird zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Die pilzköpfigen Beatles erobern die Welt.

Cassius Clay gewinnt im Februar die Boxweltmeisterschaft im Schwergewicht in Miami Beach. Er besiegt den vorherigen Weltmeister Sonny Liston in der sechsten Runde, der wegen einer Schulterverletzung aufgibt. Clay streicht durch seinen Sieg 20 Millionen Dollar ein und erklärt sich zum König der Welt.

Der beste Wein des Abends: 1964 Lafleur. Suchen sollte man la Lagune, Pape-Clément und Léoville Las-Cases. Der ganze Bericht ist auf http://www.bxtotal.com

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PONTET-CANET MISCHT AN DER PAUILLAC-SPITZE MIT

Gute Zeiten – schlechte Zeiten! Was für eine äusserst erfolgreiche Fernsehserie in Deutschland gilt, das gilt auch für   Château Pontet-Canet. Jedoch in genau umgekehrter Form!

Denn da waren die schwierigen Zeiten vorher. Und jetzt kommt die sensationelle Epoche. Denn kaum ist ein neuer Jahrgang auf dem Markt, reissen sich die Bordeaux-Négociants und die Weinfreaks um diesen  extrem beliebten und gesuchten Pauillac.

Doch dies war nicht immer so. Und noch nicht sehr lange so. Doch beginnen wir zuerst bei den Wurzeln…

Im Jahr 1705 beginnt der damalige Médoc-Gouverneur Jean-François de Pontet ein paar Parzellen in Pauillac zu kaufen. Zwecks Weinanbau. Ein paar Jahre später kauft er ein paar bereits bestehende Reblagen im Weiler Canet.

So kommt das Weingut zu seinem Namen und heisst bis heute Pontet-Canet.
1865 kauft Herman Cruse das Weingut und die sehr bekannte Weinhändlerfamilie behält dieses Weingut rund 110 Jahre in dessen Besitz. Mit dem Jahrgang 1975 beginnt die Ära der Tesserons. 

Der Cognacproduzent Guy Tesseron kauft dieses Nachbarweingut von Mouton-Rothschild und gibt es in der Folge an dessen Söhne Gerhard und Alfred Tesseron weiter. Nach dem Tod von Gerhard, tritt seine Tochter Melanie an dessen Stelle. 

SHORT FACTS

Fläche: 81 Hektar.
Diese sind bepflanzt mit 65 % Cabernet Sauvignon, 30 % Merlot, 4 % Cabernet Franc und 1 % Petit Verdot. Der Zweitwein: Hauts de Pontet-Canet. 

Alles über die zwei Wine & Dine mit Melanie Tesseron in Zürich und Bern. Wie der Pontet-Canet 1990, 1996, 2000, 2004, 2006, 2009 direkt aus der Flasche und nach zwei Stunden Dekantieren schmeckten...   www.bxtotal.com

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BORDEAUX-SPASS 1955: MIT SAFT UND ELEGANZ
 
Nicht die Grossen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen! Dies ist ein Spruch, welchen ich recht oft im Zusammenhang mit geschäftlichem Erfolg proklamiere.

Eine kleine Weinhändlerin aus Bonn gehört zu den Schnellsten. Während andere Raritätenhändler im Jahr 2014 alle möglichen Tastings mit der Endziffer 4 organisierten, lancierte Elke Drescher schon im Oktober 2014 als Vorschau ein Jubiläum mit bald 60jährigen Weinen. «Bald» heisst in diesem Fall mit dem Jahreswechsel. Und gemeint ist hier also der Jahrgang 1955! 

Der ideale Treffpunkt für eine solche Raritätenprobe; die Farnsburg in Ormalingen. Nach dem Aperitif im tiefen, extrem gut bestückten Keller, trafen sich die 28 aus Deutschland und der Schweiz angereisten Weinfreunde im oberen Saal. Derweil die Weine im Keller dekantiert wurden. 

DAS FARNSBURG-MENU…

Zu den vier Rotweinserien servierte die Crew folgende Gerichte: Carpaccio vom Farnsburger Galloway-Rind / Risotto mit frischen Pilzen / Schmorbraten, Marktgemüse, Kartoffelstock / Käsebuffet von den Fromagiers Rolf Beeler und Bruno Wittwer.   

1955 Domaine de Chevalier blanc: Aus der Magnumflasche. Intensives Gelb, erster Goldschimmer. Süsses Bouquet, irgendwie hat man das Gefühl noch gewisse Rösttöne zu erriechen, praktisch keine Oxydation. Im zweiten Ansatz viel gelbe, reife Früchte, insbesondere Mirabellen, ein Hauch von einer Minzespur ist auch mit drin. Cremiger Gaumen, mit einer gewissen Opulenz aber auch genügend Eleganz, gigantisches Aromenkonzentrat im sehr langen Finale. Dieser Schluck gehörte zu meinen grössten Erlebnissen von alten, gereiften, weissen Bordeaux. 19/20 austrinken 

DIE REVUE-PASSAGE VOM DAMALIGEN WELTGESCHEHEN

Robert Lembke startete seine jahrzehntelange Rateshow «Was bin ich?». Walt Disney eröffnete sein erstes Disneyland. Liselotte Pulver spielte die Hauptrolle im berühmten Spielfilm «Ich denke oft an Piroschka».

Beim schwersten Unfall in der Geschichte des Motorsports sterben beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 84 Menschen, als der Mercedes-Rennwagen (Silberpfeil) des Franzosen Pierre Levegh inmitten der Zuschauer explodiert.

Geboren in diesem Jahr: Rowan Atkinson (Mr. Bean), Kevin Kostner (Bodyguard), Steve Jobbs (Apple), Bruce Willis (The sixt sense), Helge Schneider (Katzeklo), Klaus Kleber (ZDF), Zucchero (ital. Sänger), Bill Gates (Mircosoft), Whoopi Goldberg (Sister Act). Erstmals und dann immer wieder gekräht hat 1955 auch exzentrische deutsche Sängerin Nina Hagen. 

Und ein junger Knabe mit dem Namen Hendrik Nikolaas Theodoor Simons kam in Holland auf die Welt. Er liess als Kind abertausende Mama-Herzen höher schlagen. Bekannt wurde er allerdings nicht mit seinem bürgerlichen Namen, sondern als Heintje.

Der wohl berühmteste Todesfall – nebst Albert Einstein war der amerikanische Kult-Filmschauspieler James Dean im Alter von 24 Jahren. Es starb ausgerechnet bei den Aufnahmen für einen Werbefilm gegen Raserei bei einem Autounfall!

WARTEN AUF DIE NÄCHTSE GELEGENHEIT

Insgesamt kann man den Jahrgang 1955 als sehr gross bezeichnen. Es waren keine Tanninbomben und somit weisen die Weine viel Saft und Eleganz auf. Die Genussreife der meisten Weine wurde wohl vor etwa 20 Jahren erreicht. Und diese hält bei den besten Crus nach wie vor an. Warten soll man da aber auf Nichts mehr – ausser auf die nächste Gelegenheit…  Der Bericht

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Programm, Bordeaux-Reise Frühling 2015:

Sonntag, 17. Mai 2015
17.30 Uhr Abfahrt vor dem Place du Grand Théatre
18.30 Uhr Domaine de Chevalier, Pessac-Léognan, (Visite & Diner)

Montag, 18. Mai 2015
09.00 Uhr Abfahrt vom Hotel
10.00 Uhr Besichtigung vom Handelshaus Ets Moueix
11.00 Uhr Château La Fleur-Pétrus, Pomerol
12.00 Uhr Château Barde-Haut. Saint Emilion, (Lunch)
15.00 Uhr Bummel durch Sain Emilion
18.30 Uhr Bootsfahrt auf dem Meeresbecken in Arcachon
19.30 Uhr Meeresfrüchteschlemmen Chez Yvette

Dienstag, 19. Mai 2015
09.45 Uhr Abfahrt vom Place du grand théatre
11.00 Uhr Château Margaux, Margaux
12.45 Uhr Château Rollan de By, Médoc (Lunch mit Winzern)
15.30 Uhr Château Pichon-Longueville-Comtesse-de-Lalande, Pauillac
18.30 Uhr Château Gruaud-Larose, Saint Julien (Diner)

Mittwoch, 20. Mai 2015
09.00 Uhr Abfahrt vom Place du grand théatre
10.00 Uhr Fotosafari Château de Malle und Château d'Yquem
11.00 Uhr Château Nairac, Barsac (Sauternes-Brunch)

Nur noch wenig Plätze! Infos

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VON WINNING’S  GGG’S
  
Im Prinzip ist es in Deutschland wie im Burgund, wenn es um die deklarierte Qualität eines Weines geht. Die ganz grossen heissen GG. 

Wobei sich die Bezeichnung nicht auf die Anfangsbuchstaben von ganz und gross bezieht, sondern auf Grosses Gewächs. Und das wäre – auf Französisch übersetzt – dann ein «Grand Cru». 

Will man die zweite Liga von den besten deutschen Weingebieten oder der Côte d’Or erklären – so ist dies genau gleich!

Da schreibt man in Germanien die «erste Lage» aus. Und im Burgund sind das dann die «Premiers Crus». 

So seziert ist es ein klarer Fall. Oder zumindest nachvollziehbar. Macht man einen Abstecher ins Bordelais, dann vernebelt sich diese Erklärung. Denn dort gibt es über dem Premier Cru nichts mehr.

Und jetzt schreibt der Gabriel um der Konfusions Willen im Titel nicht nur von GG’s (Grossen Gewächsen), sondern sogar von GGG’s. Damit meine ich die allerbesten Rieslinge vom Jahrgang 2013 vom Weingut von Winning. Das sind für mich echte GGG’s, nämlich Giga-Grosse-Gewächse…

Dabei kam ich zum Handkuss dieser tollen Jungweinverkostung wie die Jungfrau zum Kinde…

Das Telefon klingelte. Zollamt Buchs. Weinsendung. Keine Ahnung, sagte ich.
Zollnummer bitte. Hätte ich keine, bin Weinjournalist, antwortete ich. Ja – dann, käme die Lieferung in den nächsten Tagen.

Dann kam, nach dem Wochenende, die braune, kartonige Post. Absender Weingut von Winning, Deidesheim. Inhalt; alle Grossen Gewächse vom Jahrgang 2013…

Nach der Frage des «Zusendewarums» begann ich im Kopf zurück zu blättern.
Ein paar Monate zuvor war ich mit ein paar Freunden dort im Weingut. Wir warteten auf den Chef Stephan Attman. Der hatte versprochen da zu sein und uns alle Grossen Gewächse 2013 verkosten zu lassen. Doch der Chef kam nicht und so wurden wir von zwei sehr netten Damen betreut und durch den Betrieb geführt. 

Da wir Gross-Gewächslos das pfälzische Topweingut verlassen mussten, trösteten wir uns im betriebseigenen Restaurant Leopold in Deidesheim, grad nebenan. 

Das Kirchenstück vom Jahrgang 2010 mundete mir dort so unerhört gut, dass ich das Erlebnis verfacebookte…   

Darauf hin bekam ich im Facebook eine Freundschaftsanfrage von der Katarina «Vonunzuwein». Sie war wiederum eine der beiden freundlichen Damen beim Empfang vom selbigen Weingut. 

Und aus mehreren, beschriebenen Gründen sandte man mir wohl in der Folge die «verpassten» Grossen Gewächse zu.

MEIN TIPP - KIESELBERG

2013 Riesling Kieselberg GG, Weingut von Winning: Leuchtend und brillant. Geniales Bouquet, eben so viel Frucht wie Würze, Lindenblüten, sogar ein Hauch Minze, Eisenkraut und eine Nuance Zitronenthymian ist im Hintergrund auszumachen, sehr vielschichtig und vor allem hoch filigran im Ansatz. Im Gaumen die pure Eleganz mit einer ganz feinen, länge verleihenden Rasse. Fraglos ein GGG, also ein Giga-Grosses-Gewächs. Ein Wein zum Verlieben! 19/20 trinken – 2030

Der Bericht mit allen Von Winning Grossen Gewächsen 2013 ist auf www.bxtotal.com

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KENNEN SIE CHÂTEAU LA CONOLILLA,
PITON RIGHEBON & BOUEY CANTENAC?


Sie sind ein Bordeauxkenner? Sie haben aber keine Ahnung, was sich hinter diesen, oben genannten Weingütern versteckt? Dann sind Sie nicht alleine, denn all diese Châteaux’ gibt es heute nicht mehr…

Wenn man da über diese Weingüter mehr wissen möchte, müsste im Netz surfen. Doch auch hier sind die Informationen spärlich, oder gar nicht vorhanden. 

Surft man nach dem im Titel genannten Bouey Cantenac, so erscheint kein Weingut, sondern eine Familie. Immerhin ist da ein Hinweis zu einer Bordeaux-Connection vorhanden. Denn der dort genannte Patrick Bouey scheint ein Girondaiser Weinhändler zu sein. 

Fündig wurde ich nur beim Piton Righebon! Da werden von ganz wenigen Weinhändlern ein paar Flaschen vom Jahrgang 1934 angeboten. 

Beispiel: Zum Zeitpunkt des Suchens, bot der Tessiner Broker ARVI noch eine Flasche von diesem Wein für CHF 345.60 an.  

Aber warum bohre ich da wohl mit meiner Fragerei nach nicht mehr existierenden Weingütern? Mir ging es genau gleich. Nun – ich hatte die Weine im Keller. Gekauft über Jahre, bei verschiedenen Gelegenheiten. 

An einem sehr weinigen Wochenende im Baselbiet habe ich diese und noch andere weitere unbekannte, etwas bekanntere und sehr bekannte Bordeaux’ für die Teilnehmer dieser Semester-Raritäten-Degustation entkorkt.

Nicht nur Bordeaux, sondern auch einen Vouvray, ein paar Burgunder. Zwei Spanier und einen Armagnac. 

Und was könnten so viele verschiedene Weine eventuell gemeinsam haben? Nichts – ausser dem Jahrgang. Alle 49 Weine stammten nämlich vom Jahrgang 1934!

Um das Altweinrisiko zu minimieren, servierten wir zu den diversen Menus verschiedene Bordeaux-Grossflaschen vom Jahrgang 1994.  

Der 10seitige Bericht auf http://www.bxtotal.com

SOPHIA LOREN UND RENÉ GABRIEL

Die – ebenfalls im Jahr 1934 geborene – weltberühmte Filmschauspielerin Sophia Loren (Bild: tagesschau.de) feierte grad kürzlich deren 80sten Geburtstag. Ihr begegnete ich wohl ein paar Mal unbewusst in meinen Jugendjahren.

Die Loren (geb. Sofia Villani Scicolone) wohnte nämlich in den 70er Jahren mit ihrem Ehemann Carlo Ponti auf dem Bürgenstock. Dort lümmelten wir an den schulfreien Mittwochnachmittagen als Töfflibuben herum und sammelten jeweils,
als Sackgeldzustupf, die vermissten weissen Bällchen der «Millionäre» im Golf-Club auf. 

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VERDEGUSTIEREN ALS ZIEL

Es handelt sich hier um einen neuen, noch nicht im Duden zu findenden Begriff: «Verdegustieren». Rezept: Man suche und kaufe die teuersten und rarsten Weine der Welt. Dann lade man zwölf bis sechzehn Personen ein – gegen Bezahlung natürlich. Man teile die Weine in Serien ein und verkoste diese blind. 

Also weiss der Teilnehmer nicht, welcher Wein sich in welchem Glas befindet. Jene Tropfen (es werden ja oft wirklich nur ein paar Tropfen eingeschenkt…), welche man für die besten hält (19/20 bis 20/20 Punkte) trinke man in der Hoffnung, dass es Keiner merkt. Die persönlich gefühlten, punktemässig darunter liegenden spucke man brav bis despektierlich aus. 

Ein anwesender Buchhalter zählt die Punkte jedes Weines aller Teilnehmer zusammen. Ein anwesender Notar überprüft die Richtigkeit. Der Rest ergibt sich von selbst. Es gibt einen Sieger mit 19,17435 Durchschnittspunkten. Der Zweite liegt bereits mit 19,12334 Punkten deutlich abgeschlagen dahinter. Für den Dritten interessiert sich bereits schon niemand mehr, weil nur 18,88266 Punkte. Dann werden die Kartonhüllen von den Flaschen entfernt…

Ein paar Teilnehmer erheben sich, fotografieren das Defilee um es – Sekunden später – als «wichtige» Facebook- oder Twitter-Informationen in den Äther zu streuen. 

Andere tun so, als möchten sie diese die Flaschen genauer betrachten. Ein paar Minuten später sind die zwar eher schwach bewerteten aber jetzt – beim Anblick der Etikette und beim Wissen der Verkaufspreises – blind nicht wahr genommenen Spitzenweine wie Penfolds Grange und der La Mouline von Guigal längst ausgetrunken. 

Die Hälfte der Anwesenden will jetzt auch unbedingt nochmals den Château Pétrus (15,12434 Punkte, auf dem letzten Platz!) nach degustieren. Diesmal ohne Spucken – versteht sich! Oder auch den Château Latour (16,56198 Punkte, Rang 8). Dies deshalb, «weil er sich eben doch erst jetzt richtig öffnet». 

Käse und kaltes Fleisch wird aufgefahren. Die verbleibenden No-Names siechen dahin und viele der Teilnehmer fragen sich allen Ernstes; was trinken wir denn eigentlich heute? Das frage ich mich allerdings in solchen Fällen auch! 

Rund ein Dutzend Flaschen von grosser Herkunft sind an diesem Abend zu Tode gekommen. Sie sind nicht etwa den gebührlichen Heldentod gestorben. Nein – sie wurden alle durch eine Seuche, welche «Verdegustieren» heisst, dahingerafft.

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RHÔNE-QUARTETT

Der Jahrgang 2001 war im Rhônetal sensationell. Und nach einem Dutzend Jahren in der Flasche ist er immer noch genial. Respektive grad so richtig zum Geniessen.

Ein paar Freunde waren da und wir begannen im Keller mit dem 2001 Saint-Joseph Vieilles Vignes von Tardieu-Laurent. Er war fast sperrig zu Beginn und die Tannine schier sandig. Ziemlich barock also insgesamt. Aber noch jung und von bestechender Vinifikation. 18/20


Ein Traumerlebnis war der 2001 Châteauneuf-du-Pape Cuvée de la Reine des bois von der Domaine de la Mordorée. Auch hier unglaublich jung, die Frucht war so frisch, sodas man noch Cassisblüten, Holunder und Brombeeren im Bouquet vorfand. Der Gaumen dicht, feinst gewoben, cremig im Fluss und mit einer superben Balance. Diesem Wein möchte ich unbedingt noch einmal begegnen. 20/20 

Den 2001 Châteauneuf-du-Pape Réserve des Célestins von Henry Bonneau dekantierten wir rund drei Stunden. Die Erwartungshaltung war gigantisch, die Enttäuschung recht gross. Das Nasenbild zeigte Oxydationserscheinungen und viel flüchte Säure (Essignuancen). Der Gaumen mit zu grosser Säure und stählernen Muskeln ausgestattet. Um es vorweg zu nehmen, wir hatten keine Lust das teure Ding auszutrinken. Am anderen Tag, bekam er noch eine Chance. Imme noch säurebetont und mit blechiger Textur. Es bleibt da ein Fragezeichen zurück. Zumindest was diese Flasche betrifft.  

Zum Schluss; ein sicherer Wert: 2001 Hermitage la Chapelle. Dunkel in der Farbe. Die Nase offen, ausladend mit viel Pflaumen, etwas Tabak, kaltem Schwarztee und Malagarosinen. Im Gaumen rund und «xund», gross aber auch mit einer eher simplen Schönheit. Hier ist der Spass grösser als die eigentliche Grösse. 17/20 austrinken    

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PAPE-CLÉMENT-VERTIKALE

An einem altweibersommerlichen Samstagabend genossen sechzehn Bordeauxfreunde 20 verschiedene Jahrgänge vom geschichtsträchtigen Pessac Château Pape-Clément. Dies mit einer Bandbreite von genau 50 Jahren. Der jüngste stammte nämlich vom Jahrgang 2003, der älteste Pape war eine sensationell gute Flasche 1953! 


Und wenn wir es genau nehmen würden, dann stimmt der Titel doch nicht so richtig. Zwar ist eine Vertikale irgendwie schon das Gegenteil von einer Horizontalen.  

Der Begriff definiert aber im Prinzip eine Rechtwinkligkeit zur Erdoberfläche… Also von oben nach unten.

Nähme man jetzt die Verkostungsfolge, so war der Älteste zuerst und der Jüngste am Schluss. Das mache ich immer so. Einerseits weiss man bei den alten Bordeaux’ so nie richtig was kommt und so wäre Genusspotential gegen den Schluss des Events möglicherweise abnehmend.

Zudem sind die jungen Weine mit präsenteren Tanninen bestückt und meist intensiver. So würden diese – begänne man mit den jungen Jahrgängen – die älteren zudecken. 

Ist man in Bordeaux auf einem Weingut eingeladen, funktioniert das Ganze genau umgekehrt. Dort serviert man die jungen Jahrgänge immer vor den alten. Warum das so ist, konnte mir bisher niemand erklären. Fragt man danach, bekommt man immer die gleiche Antwort. Das wäre immer schon so gewesen…

Bordeaux hat eben Tradition!

Wer sich noch mit dem Medizinerlatein herumschlägt, begegnet dem Begriff «Verticalis», damit meint man den Ablauf von der Scheitel bis zur Sohle. Also ist auch hier die Richtung von oben nach unten gemeint. Doch so ganz falsch war dann unsere Vertikale doch nicht, wir begannen oben. Und ganz oben stand der 1953er auf dem Programm.      Hier der Gratis-Bericht von www.bxtotal.com

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GABRIEL-GLAS

Das ist der Shop am Hauptsitz in Hallein (A)


www.gabriel-glas.at

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CHÂTEAU  DUCRU-BEAUCAILLOU IN ALLERBESTER GESELLSCHAFT
 
Schweizer Gäste, spanische Sonne, französische Weine! Dies sind die drei Gruppierungen für eine ganz besondere Weinprobe, welche in Javea, an der katalanischen Küste des Mittelmeeres stattfand. 

Das Thermometer an der Wand vom Castillo Granadella zeigte 29 Grad an. Die Gabriel-Gläser waren mit Château du Retout 2005 aviniert und der Gastgeber René Schmidlin entkorkte den ersten Wein aus dem glücklicherweise kühlen Keller. 

Das mag ich; wenn der Wein sich vor mir langsam erwärmt. So expandiert das Bouquet und legt in der Folge permanent zu. Der Gaumen ist vielleicht zu Beginn jeweils etwas zu kompakt und wird dafür nach und nach fülliger. 

Bei alten Weinen riskiert man so keine Sofortoxydation. Und genau dies wäre bei ein paar Kandidaten möglicherweise der Fall gewesen.

Trotz hohem Risikofaktor, mussten wir nur einen Wein abschreiben. Der Ducru-Beaucaillou 1978 schied die Geister ob er jetzt ein Kellerproblem hatte oder doch eventuell einen Korkfehler. Und trotz der unterschiedlichen Auffassung war man sich unisono einig. Er schmeckte ganz und gar nicht gut… 

DUCRU-ANTEIL: 42,85714 %

Trotz der fehlerhaften Flasche vom Jahrgang 1978 bestritt Ducru-Beaucaillou den quantitativen Löwenanteil dieser siebenflaschigen Raritätenprobe. 

Und so begab sich dieser sanfte Saint-Julien Deuxième in allerbeste Gesellschaft mit anderen, hoch klassierten Weingütern oder als Raritäten einzustufende Jahrgänge. 

Die beiden teuersten Kandidaten: 1961 Latour à Pomerol und 1961 Trotanoy sind zusammen mit mehreren tausend Franken/Euros zu taxieren. 

Die weinigen Eindrücke dieser meist grossartigen Bordeaux’ welche unter der der spanischen Sonne entstanden sind findet man auf www.bxtotal.com  

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BORDEAUX 1982

Das war ein Einladung! Der Gastgeber wählte ein grosszügiges Thema: BX 82! Es ist nicht alles Gold was glänzt. Trotz den genialen Jahrgangsvorgaben haben es nicht alle geschafft einen ganz grossen Wein zu machen. Meist lag das Problem nicht im Rebberg, sondern im Keller. Es müffelte noch vielerorts und der Barriquenpark war mitunter etwas zu antiquarisch. So rochen der Giscours (15/20) und der Vieux Château Certan (16/20) halt nach alten Fässern. Etwas old fashioned (aber doch schon sehr faszinierend…) kamen auch der Pichon-Baron (17/20) und der Ducru-Beaucaillou (18/20) daher. Glücklicherweise war der Ducu vier Stunden dekantiert. Das hat ihm gut getan. Er wird immer grösser…

Zum Stroganov wählte ich ein grosses Glas vom Haut-Brion (19/20). Der wird zwar logischerweise nicht mehr jünger als früher, es war aber wieder einmal eine richtig gute Flasche. Viel warmes Pessac-Aroma in der Nase, im Finale ganz leicht spröde. Genial der Lafite Rothschild (20/20)! Immer noch sehr jung, sehr dicht und mit einer trockenen Süsse. Der Mouton Rotschild (20/20) hat in den letzten Jahren leicht abgespeckt. Ist dafür jetzt auf dem grossen Peak und macht hemmungslos Spass. Vor allem, wenn Mann eingeladen ist. Hier trank ich einen andächtigen Schluck auf die just verstorbene Baronesse.

Als letzten Wein gönnte ich mir ein Gläschen Lafleur (20/20). Das ist wie ein Pomerol-Likör, so süss, so malzig, nach Hagebuttengelée schmeckend und nach Hustensirup, nach Feigensaft, nach gehackten Datteln und mit unendlich vielen Kräutern durchsetzt. Eine unglaubliche, einzigartige Merlot-Cabernet-Franc-Orgie. Da die anderen Gäste irgendwie beim nahezu durstlosen Punkt angelangt waren, holte ich mir noch ein grosses Glas und noch eines. So langsam fing diese Pomerol-Droge an bei mir zu wirken. Und als ich nochmals einschenken wollte, war die Flasche wieder voll. War das eine Halluzination? Nein – der Gastgeber war in der Zwischenzeit aufgestanden und hatte eine neue Flasche entkorkt und mir diese vor die Nase gestellt. Ich gab mir Mühe noch so viel wie möglich davon genüsslich zu entsorgen und verzichtete grosszügig auf den Kaffee. Es gibt wohl wenige, welche von sich behaupten dürfen, dass sie einmal im Leben einen eingefahrenen Lafleur-1982-Schwipps hatten…  

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WEIN ODER NICHT SEIN

Für mich wars eine weinige Sommerlektüre…

Es klackte in der Luftschleuse. Zwei Mal laut und metallisch. Und die drei Männer waren im dunklen, kühlen Keller eingeschlossen. Ein Weinsammler, ein Weinhändler, ein Weinjournalist. Eine ganze Woche lang zwischen tausenden von Bouteillen der besten Weine der Welt.

Uwe Kauss hat es geschafft das Verhalten der Dreien genau zu beschreiben, die Weinwelt zu hinterfragen, die Sucht zu legitimieren, die Gier fast begreiflich zu machen. Er macht die Gratwanderung von Genuss und Geltungsdrang mit amüsanter Feder. Was sich auf drei Viertel der Seiten als möglicher Krimi anfühlt, wird dann zum Schluss zum fast kitschigen Roman. 

Was solls? Ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Ab und zu an der eigenen Nase gerieben und ein paar Passagen für mögliche Zitate heraus gestrichen.

Besonders gut hat mir jener Passus gefallen…

Es geht darum, dass sich die Drei beim Mittagessen (es gab immer nur Oliven, Schinken und Käse – etwas anderes war nicht im Keller) entschlossen einen 1993 Meursault von Coche Dury zu trinken. Sebastian fragte, was dann der Anlass für diesen Wein sei?

Paul antwortete: «So ein Wein braucht keinen Anlass. Er ist der Anlass.» 

UWE KAUSS / WEIN ODER NICHT SEIN / COCON-VERLAG     

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Die Weinwelt verliert eine Grande Dame!

Philippine Pascale Mathilde Camille de Rothschild-Sereys.

* 22. Nov. 1933
† 23. Aug. 2014


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SAFFFREDI- SASSICAIA: 2:1

Was trinken wir übermorgen? Das ist eine Frage, welche wohl viel seltener gestellt wird als die Frage nach dem heutigen Trinkgenuss… 
 
Wir sassen zu Dritt im Restaurant Schwyzerhüsli in Engelberg und hatten die Qual der Wahl. Dies deshalb, weil die Weinkarte nicht übergross, aber dafür sehr attraktiv ist. Meist suche ich nach einer gewissen Thematik, weil dies die anfängliche Aufmerksamkeit erhöht. 

Mein Vorschlag wurde sofort angenommen; links Saffredi 2009, rechts Sassicaia 2009.

Beide also mit gleichem Jahrgang, beide aus dem gleichen Gebiet (Toskana), beide aus derselben Region (Maremma). Beide mit fast gleich vielen Buchstaben! 

Die Serviertochter kam und schenkte uns den Saffredi ein und wollte wieder von dannen gehen. «Wir möchten beide Weine auf einmal – so zum vergleichen», wiederholte ich. 

Aha! Jetzt bekamen wir rechts den Sassicaia. In der Folge des späteren Nachschenkens mussten wir immer höllisch aufpassen. Denn ich sass Richtung Norden, meine beiden Freunde Richtung Süden am Tisch. 

Dies bedeutete unserem sehr freundlichen Service-Fröilein offensichtlich etwas Mühe, denn beim Herumlaufen um den Tisch, war es für sie nicht immer so ganz klar wo rechts oder links sein sollte. Einmal konnte ich im letzten Moment beim einen Jörg einen 50:50 Blend der beiden roten Toskaner vereiteln. 

Das war auch nicht das erste Mal, dass ich eine tischgeographische Glasverwechslungslegasthenie beim Servicepersonal feststellte. Dafür habe ich ja auch Verständnis, wenn man in 99.99 % der Fälle einfach ein Weinglas zum Einfüllen und dann ein Wasserglas zum Auffüllen hat. 

Der Saffredi legte sofort los, mit klarer Primärfrucht, Süsse, Fülle und wohliger Wärme. Anders der Sassicaia. Er war eher dumpf, unkommunikativ und auch entsprechend defensiv. Als eine Vinifikation von gestern für den Genuss von Übermorgen. Ich liess uns Zeit, weil wir ja die Weine nicht dekantieren liessen, sondern gleich ins Gabriel-Glas bekamen. 

Nach einer Viertelstunde fragte ich meine Freunde, welchen Wein sie bevorzugen würden. Der eine Jörg war schnell und entschied sich spontan für den Saffredi. Der andere Jörg evaluierte noch ein Bisschen und favorisierte dann den Sassicaia. Ich selbst war ganz klar für den Saffredi. Also gewann der Gepetti-Premium gleich zweimal. Einmal bei der Genussgunst und einmal vom viel besseren Preis-Leistungsverhältnis. Und möglicherweise noch ein drittes Mal beim Vergleich der Körklänge. Hier zog nämlich der Sassicaia noch einmal den Kürzeren…   

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LUCE 2011: DER BESTE SEINER GESCHICHTE
 
Das Début war pompös – die Weine mässig! Auch ich war im Jahr 1995 eingeladen, als die ersten beiden Luce-Jahrgänge erstmals der Weinwelt präsentiert wurden…

Dies anlässlich eines 200-Personenfestes, in der Toskana auf Einladung der Familien Frescobaldi und Mondavi. Was sich in den Gläser befand erinnerte mich an die bescheidenen Anfänge von Opus One. In jeder Beziehung. Es gab keine Winery, keine definierten Reblagen, keine Vorgaben für den Blend und alles war auf hoffnungsvolle, neue Barriquen aufgebaut. Dies gehörte damals grad so zur generellen Weltanschauung für neue, moderne und möglicherweise spektakuläre Neu-Lancierungen. Und alles verbunden mit einem immensen Marketing-Power. 

Also war die Inszenierung viel besser als der Inhalt der Flasche! Der 1993er war brutal knochentrocken und zeigte sandige, harte Gerbstoffe. Etwas besser gefiel mir der 1994er; immerhin partiell fruchtiger und etwas weniger brutal.  

Beide Jahrgänge sind offensichtlich im Markt noch zu finden und sind preislich, wie auch qualitativ «performungslos» geblieben. Wen wundert’s? 

Damals hielten als Leaderteam noch Michael Mondavi und Lamberto Frescobaldi die Köpfe hin und gaben sich als gemeinsame Winemaker.

Mit dem Übernahmefiasko der gesamten Mondavi-Gruppe kam das Projekt wieder ganz auf die Frescobaldis zurück und heute gehört der Luce immer noch zu den Super-Premiumweinen dieser grossen Toskana-Produzenten-Familie. 

Die Frescobaldis besitzen, gemäss eigener Webseite fünf Weingüter…

Was irgendwie noch Wenige wissen, auch das legendäre Weingut Tenuta dell’Ornellaia gehört den Frescobaldis!

Den jetzt auf den Markt kommenden Luce 2011 habe ich mit 19/20 bewertet. Es ist aber mehr moderner Brunello, wie Competitionstoskaner.

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TAYLOR’S 1863

Bei extrem alten Jahrgängen surfe ich manchmal im Netz, um mir eine Idee über den aus dieser Zeit stammenden Tropfen zu machen…

Doch bei der Ankündigung vom leitenden Direktor, Adrian Bridge zu «diesem bemerkenswerten Port, welcher wie eine Zeitkapsel sei und einen faszinierenden Einblick in eine ferne Vergangenheit bieten würde», liefert die Marketing-Abteilung von Taylor’s in der noblen, blauen Broschüre gleich direkt passende Informationen zu 1863…

In London wurde die erste Untergrundbahn eingeweiht. Henry Dunant gründete das rote Kreuz. In Hong Kong wurde erstmals eine eigene Dollar-Münze geprägt.

Zwei Autopioniere kamen in diesem Jahr auf die Welt; Sir Frederick Henry Royce (Rolls-Royce) in England und Henry Ford in Amerika.

Im Douro-Tal wurden im Herbst Trauben geerntet! Und eine kleine Menge überlebte den Kommerzdruck über mehr als 150 Jahre im Holzfass…

Jetzt hat das Haus Taylor’s – nach dem spektakulären vom Release vom Scion 1855 vor ein paar Jahren – wieder einen Methusalem-Port auf den Markt gebracht. 

Der erste Verkaufspreis im englischen Markt soll so bei 3000 Pfund liegen. Mit der Hoffnung auf Auktionspotential oder Sammlergier. 

Man kann sich darüber streiten, ob dieser Preis gerechtfertigt ist, aber ich bin der Ansicht, dass solche History-Unikate «priceless» sind. Wer einmal im Leben die Chance hat einen Schluck davon zu trinken, erlebt eine Sequenz von transzendentaler, unvergleichbarer Weltweingeschichte… 

EINE PIPETTE FÜR RENÉ GABRIEL

Der Schweizer Importeur Patrick Lutz von der Charles Hofer SA (Zweisimmen) brachte das kleine Degustationsflacon höchst persönlich nach Eschenbach.

Ungeduldig und doch andächtig machte ich mich, nach dem kleinen Business-Lunch, an diese hellbräunliche Flüssigkeit heran, welche sich in der Pipette befand.

Ich kann es vorweg nehmen, es war eine unvergessliche Weinsternstunde, welche ich mit dem Laptop, dem Gabriel-Gold-Glas, der Lumix-Kamera und einer gut gebackenen Birnenwegge verbrachte…

Natürlich braucht man zu einem so grossen Port nicht unbedingt gleich was auf den Teller. Einen alten Yquem oder eine legendäre Trockenbeerenauslese könnte man ja auch ohne stilisierte Gourmet-Begleiterscheinungen geniessen. Es geht letztendlich manchmal auch darum, zuerst eine lange Zeit den Wein für sich zu geniessen und sich dann nach einer passenden Symbiose umzusehen. In optimalen Fällen, kann dies zu noch grösseren Genuss-Dimensionen führen. 

Hier noch die gute Nachricht: Der ersten, in die Schweiz importieren Flaschen sollen «etwas weniger», als im englischen Markt kosten.  www.charleshofer.ch 

Die Notizen zu diesem 20-Punkte-Tawny sind auf www.bxtotal.com

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TOGETHER WE ARE SWEET

Keine Angst. Wir haben das Lager nicht gewechselt. Aber es war trotzdem eine süsse Begegnung. Sauternesfreak Jürg Richter brachte einen uralten Barsac mit. Und Eric Larramona (Château Lafaurie-Peyraguey) und René Gabriel (Domaine de Bellerive) durften den 1906 Château Climens (19/20) mitschlürfen.

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Restaurant-Eröffnung in
New Zealand.

Viele Weine -
ein Glas.

Das Gabriel-Glas!

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DER CHÂTEAU PAPE-CLEMENT – EINE PESSAC-KLASSE FÜR SICH

Will man die besten Topweine der Region Pessac (Haut-Brion, La Mission und Pape-Clément) mit einander vergleichen so wird es schwierig. Jeder Typus ist anders. Weiter kommt irgendwie die eingepflasterte Hierarchie zum tragen. Stellt man die Wertungen in den Vordergrund, dann beachtet man die Preise nicht. Vorerst! 
 

Doch bei genauerem Hinschauen wird es für den gesamtanalytischen Weinliebhaber dann doch nicht uninteressant, die Weinwährung mit einzubeziehen. So wird die sezierende Analytik vom Pessac-Spitzentrio nicht nur mehr eine reine Geschmacksfrage, sondern auch eine ideologische Budgetüberlegung. 

So gesehen, ist der Pape-Clément seit dem Jahrgang 1988, der Seriensieger dieses Wettkampfes. Denn seit diesem Jahrgang sind die Pape-Leistungen auf konstant hohem Niveau.

Dies bewies eine eindrückliche Vertikalverkostung mit 28 Jahrgängen, welche im gewölbten Caveau Vully (www.caveau-du-vully.ch) in Guévaux am Murtensee statt fand. 

Das Weingut hiess ganz früher «de la mothe». Wir sprechen hier vom Jahr 1299.

Damals gab es noch lange keinen Haut-Brion. Also ist Pape zumindest der historische Graves-Leader. Zu diesem Zeitpunkt erbte Bertrand de Got das Gut und deren Weinberge. Er wurde erst Bischof, dann Kurienkardinal und im Jahr 1305 in Rom zum Papst Klemenz gewählt. Seit diesem Zeitpunkt blieb der damals neue Namen Château Pape Clément bis heute unverändert.

Im Jahr 1791 wurden während der französischen Revolution alle Besitztümer der Kirche beschlagnahmt und verkauft. So ging das Weingut damals an den Bankkaufmann Charles Peixotto über.

EINE VERTIKALPROBE MIT 28 JAHRGÄNGEN


Der weinige Nachmittag begann mit dem Jahrgang 1981 – aus der einzigen Magnumflasche. Dann arbeiteten wir uns genüsslich hoch bis zum jüngsten Millesime, dem 2011er.  

Zum Schluss entkorkte der Hausherr und Gastgeber Urs Ratschiller (im Bild unten) noch ein paar alte Pape’s (1956, 1964, 1970, 1975) an welche wir uns ohne grosse Erwartungen heran machten.

Und wenn man nicht viel erwartet, so kann man oft erfreuliche Überraschungen erleben…                                                            Mehr

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TAYLOR’S & FONSECA: POUCA, MAS BOM

Geht es um den Port-Jahrgang 2012, so spricht der Taylor’s- und Fonseca-direktor Adrian Bridge von einem «limited release».

Also wenig, aber gut, oder eben auf portugiesisch: Pouca, mas bom.

Die beiden Vintage-Ports 2012 Taylor's Vargellas und 2012 Fonseca Guimaraens sind bei www.charleshofer.ch erhältlich. Die Degustationsnotizen erhält man, nach dem Login auf: bxtotal

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Ein bisschen Toskanische Lebensfreude.

Elisabetta Geppetti und René Gabriel mit genüsslich verkosteter Vertikale.
Saffredi 1988 bis 2011!

DER 2011ER SAFFREDI IST MAREMMA-WELTKLASSE
 
Halb Cabernet Sauvignon, viel Merlot und ganz wenig Syrah. Dies ist die Blendformel eines ganz grossartigen Maremmaweines, welcher jetzt grad auf den Markt kommt. Bei einer privaten Vertikalverkostung erhielt der Saffredi 2011 die maximale Punktezahl (20/20)! Seine absolute Sonderklasse ist irgend-wie repräsentativ für den heute bereits legendären Toskana-Jahrgang 2011!

Die nun folgende Geschichte ist vielleicht etwas persönlicher ausgefallen, als andere Gabriel’sche Weingeschichten. Dies deshalb, weil ich über mehrere Kontakte zum Saffredi hin fand…

Mein erstes Saffredi-Erlebnis war am Waldgartenstamm als Weinfreund Jo Ziltner eine Magnum 1995 in die Runde einbrachte. Ich war hin und weg.

Vielleicht auch deshalb, weil dieser damals noch unbekannte Wein mindestens so gut war, wie meine bisher bekannteren (und teureren…) Toskana-Affären!

In der Folge begegnete ich dem Saffredi immer wieder. An Degustationen – aber auch bei diversen Restaurantbesuchen. Ich hatte nämlich längst bemerkt, dass man für diesen «Geppetti-Premium» halb so viel bezahlen musste wie für qualitativ vergleichbare Toskaner. Und dies ist übrigens auch heute noch so. Nicht selten kann man einen Saffredi für rund 100 Franken in Restaurant-Weinkarten finden. Dieser Umstand macht ihn den intelligenten, oder vielleicht auch hinterfragenden Freunden von Luxus-Toskanern doppelt sympathisch. 

Apropos sympathisch: Bei einem Elton-John-Konzert in Murten lernte ich die Besitzerin von der Fattoria Le Pupille kennen. Der Saffredi floss in Strömen und Elisabetta Geppetti war eine wunderbare, überaus sympathische Tischgenossin.  

Ein paar Monate später erhielt ich eine Einladung für eine gross angelegte Saffredi-Vertikale in Zürich…

Doch leider konnte ich nicht teilnehmen, weil ich an einer Lungenentzündung erkrankt war. 
 
Elisabetta Geppetti wollte aber unbedingt, dass ich die Möglichkeit hatte, ihren Topwein zu verkosten. Und sie wollte mit mir auch persönlich den möglicherweise besten Saffredi (2011!) ihres Lebens degustieren. 
 
Also flog sie an einem Sommermontag extra in die Schweiz, um uns in unserem Ferienhaus am Murtensee zu besuchen. Mit dabei; ein paar Freunde und der Schweizerische Le Pupille-Importeur Thomas Steffen von Terravigna.

Eingeladen hatte ich auch den Zürcher Weinfreak Jo Ziltener, welcher aber Ferien halber nicht kommen konnte. Doch er stärkte meine Erwartungen mit den Worten: «Du kannst Dich freuen, denn der Saffredi ist für mich seit langem schon immer der beste Toskana-Rotwein!»

Zuerst stärkten wir uns mit Bündnerfleisch und hausgemachtem Zopf. Anschliessend degustierten wir 17 Saffredi-Jahrgänge und dann genossen wir die Flaschenresten zu einem zünftigen Raclette.                20 Jahrgänge beschrieben

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Der Praz-Winzer Jean-Daniel Chervet mit seinem Concours-Sieger!

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Gratis-Bericht
von www.bxtotal.com

EIN SIEGERWEIN FÜR KNAPP ZEHN FRANKEN
 
Stellen Sie sich vor, dass 71 Juroren aus aller Welt 642 verschiedene Chardonnay aus aller Welt verkosten und dann den Sieger aus den diversen Blindverkostungen erküren. Was würde wohl eine Flasche von diesem Champion kosten? Ganz sicher mehrere hundert Franken! Beim Cabernet Sauvignon wäre das ebenso. Auch beim Merlot! Und beim Riesling auch! Wie auch beim Syrah…

Die obigen Rebsortenbeispiele sind etabliert und als Weltklasse längst akzeptiert. Die höchst bewerteten Weine dieser Kategorien kosten nicht selten mehr als 1000 Franken. 

Und nun gewinnt ein Weisswein aus dem Vully eine gross angelegte Blindverkostung und der Sieger kostet lediglich 9.50 Franken!

Diesen begehrten Pokal holte sich das Winzerpaar Franziska und Jean-Daniel Chervez aus Praz aus der Region Vully mit ihrem fantastischen 2013 Chasselas Séléction.

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Da liegen in Saint Emilion 18'000 Flaschen Château La Dominique 2011 (ebenfalls Saint Emilion) auf der Strasse...

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IST DER RIESLING SCHWARZ - DANN WIRD ER ZUM PINOT!

Vielleicht begegnete ich dem schwarzen Riesling früher auch schon Mal, aber ich nahm ihn offensichtlich nicht war. Logisch – denn wer käme denn schon auf die Idee, dass sich der französische Pinot Meunier in der deutschen Sprache als Schwarzer Riesling verkaufen liesse…

Der junge Winzer, welcher mir gegenüber sitzt, hat Ambitionen. Er will sich in der Pfalz einen Namen im Rotweinsektor machen. Unser kleines Pfalzreisegrüpplein trifft den Jungwinzer Thomas Pfaffmann im empfehlenswerten Restaurant Netts im Weinbaudorf Gimmeldingen.

Thomas Pfaffmann hat (zu) viele Weine zur Probe mitgenommen und möchte unser Urteil wissen.  ehr bei den Tastingberichten au www.bxtotal.com

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GABRIEL-GLAS: NEUE KONSTELLATION

Der «unglaubliche Weingenuss» bekommt eine neue Basis. Trotz ein paar Personen-Rochaden bleibt (fast) alles beim Alten. Neu geregelt, geht es voll motiviert weiter…


Mit dem heutigen Datum (8. Juli, 2014) hat der Gründungspartner Siegfried Seidl sein Aktienpaket an René Gabriel übertragen. Somit ist Gabriel Alleininhaber der Firma Gabriel-Glas GmbH mit Sitz in Bad Vigaun. 

Siegfried Seidl will sich in Zukunft wieder vermehrt in Entwicklung und Produktion von Glaswaren aller Art konzentrieren.

Neu als Geschäftsführer wurde Alfred Herlbauer bestellt. Der 53jährige Weissweinliebhaber Herlbauer ist seit 35 Jahren im Glasgeschäft tätig. Er war bei Gabriel-Glas von der ersten Stunde an mit dabei. Produktion, Lagerdisposition und Vertrieb sind seine Steckenpferde.

Ohne Veränderung bleibt das engagierte Damenteam (Melanie Greck und Pia Hemetinger) im Office. Sowie mehrere – auf eigene Rechnung kooperierende – Wein-Glasfreaks im Aussendienst.  

Die Produktion wird an führende Glasproduzenten in Rona (Slovakei) und Rogaska Slatina (Slovenien) vergeben.

Die Auslieferung vom Gabriel-Glas erfolgt durch das Zentrallager der Firma Lugstein in Strasswalchen. Vertrieben werden die Produkte via Fachhandel, Gastroverteiler, Weinhandlungen, Vinotheken, Restaurants und Internetshops.




Der Hauptabsatz für das Gabriel-Glas ist Österreich, Deutschland und die Schweiz. In den letzten Jahren sind Kunden und Partner aus der ganzen Welt dazu gekommen. Also können auch Weinfreunde aus den USA, Japan, China, Australien und New Zealand unglaublichen Weingenuss erleben.

Zusätzlich wurde, zu Beginn des Jahres, die Gabriel-Glas (Schweiz) GmbH mit Sitz in Eschenbach (LU) gegründet. Diese Firma macht den Exklusivvertrieb für die Märkte Schweiz und Liechtenstein. Geschäftsführerin und Firmenmitinhaberin ist dort Karin Gabriel.

STANDART UND GOLD EDITION

Das Gabriel-Glas gibt es in identischer Form in zwei Ausführungen. Die maschinengeblasene Version STANDART ist zwar mit ca. 145 Gramm sehr leicht, doch die royale, mundgeblasene GOLD-EDITION wiegt lediglich 85 Gramm. 
  
                                                                 Mehr Infos:
www.gabriel-glas.com

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LILIAC: ROTWEINSTAR AUS TRANSSILVANIEN
 
Wo liegt das Dorf Batos? Oder die Gemeinde Lechinta? Keine Ahnung? Ich wusste es auch noch nicht, als ich in Zürich ins Flugzeug stieg, um eine mir völlig unbekannte Winery in Rumänien zu besuchen. 

In der Hauptstadt Bukarest angelangt, machten wir erst mal einen Tag Rast. Da staunten wir über die unerwartet mondäne Stadt. Zwar sieht man immer noch etwa ein Drittel wenig gepflegte bis baufällige alte Gebäude. Doch ein weiteres Drittel sind sehr gepflegte, wunderschöne historische Häuser. Und ein weiteres Drittel ist mit moderner Architektur in den letzten zwei Dekaden erbaut worden. 

Die Innenstadt trug zum Verweilen ein. Die Menschen sind fröhlich und man fühlt sich hier als Tourist sehr sicher. Zugegeben – wir hatten etwas völlig anderes erwartet. 

Denn vor der Abreise surfte ich noch auf der Seite vom EDA. Das ist das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten. Dabei wurden wir wie folgt vorgewarnt:

Bukarest und andere Städte: In den Strassen und Parks gibt es über 100‘000 streunende Hunde. Sie sind oft in Rudeln zusammen und häufig aggressiv. Weichen Sie den Hunden aus. Gehen Sie auch bei kleinen Bisswunden sofort zum Arzt, denn viele Hunde sind krank (u.a. Tollwut).

In den Städten kommen Taschen- und Entreissdiebstähle auf der Strasse und in öffentlichen Verkehrsmitteln vor. Beachten Sie unter anderem folgende Vorsichtsmassnahmen: Seien Sie in der Nähe von Wechselstuben und auf den Hauptstrassen in der Umgebung der grossen Städte auf der Hut vor falschen Polizisten (verlangen Sie einen Identitätsausweis, z.B. Polizeimarke). 

AUF INS SIEBENGEBIRGE


Wir stehen früh auf, denn der einstündige Flug nach Cluj-Napoca ist sehr früh geplant. Doch statt Boarding gibt es eine Information, dass kein (noch) Boarding stattfindet. 

Infos gibt es auch nach zwei Stunden noch keine, aber dafür ein furztrockenes Sandwich und dazu ausgleichendes, nasses Mineralwasser. 

Später erfahren wir, dass es am Zielort ein gewaltiges Gewitter gab und dass ein paar Flugzeuge auf benachbarte Flugplätze ausweichen mussten. Mit «benachbart» meinte man 160 Kilometer Entfernung zu Cluj. Also war die rund dreieinhalb Stunden verspätete Ankunft wohl doch noch die bessere Alternative… 

Nun aber los, denn wir sind spät dran. Es sind rund 120 Kilometer bis zu unserem geplanten Weingutsbesuch. 

Sie war froh über unsere Verspätung, denn am Morgen sei ihr noch ein Reifen geplatzt und so hätte sie noch rechtzeitig das Rad reparieren können, berichtet unsere freundliche Chauffeuse. 

Ich halte mich ziemlich energisch fest im Wageninnern, denn die junge Frau hat es eilig. Sehr eilig. Mit 110 km/h durch kleine Dörfer und ebenso schnell an Pferdekarren vorbei, welche auf den ziemlich schlechten Strassen dahin trotten. 

Nur auf kleineren Bergstrassen drosselt sie ihr Tempo. Bei einer Beschränkung von 30 bremst sie dann tatsächlich auf fast 60 km/h. Das beruhigt. Etwas!

Dabei ruft sie allerhand Leute an und fährt, zwecks einstellen der Telefonnummern, idealerweise freihändig. 

Einmal bedauert sie die spätere Ankunft fürs Mittagessen, weil die Strasse leider nass sei und sie deshalb nicht schneller fahren könne. Ich denke nur, gottlob, sonst wäre sie wohl noch schneller gerast.

Auf den Fahrstil angesprochen meint sie, diese Strecke fahre sie jede Woche. Oft mehrmals. Und da kenne sie alle Kurven und Schlaglöcher. Und zudem würden in Rumänien alle so fahren… 

Auf der Strasse schüttelt es derart, dass sich mein vorher kohlensäurehaltiges Wasser im Seitenfach bei Ankunft tot stellt. 

Doch kurz nach der Mittagszeit sind wir (endlich!) da, bekommen eine herzliche Begrüssung und setzen uns an den einladenden Holztisch in der kleinen Lodge, welche sich ganz oben auf dem Weinberg in Batos befindet.  
                                                                                                Gratis-Story

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DER BUNTSANDSTEIN VOM ODINSTAL

Möchten Sie genau wissen, was mit Buntsandstein im geologischen Sinne gemeint ist? Wirklich? Ich habe mir die Erklärung von Wikipedia ein paar Mal durchgelesen. So wirklich schlau bin ich dabei dann doch nicht ganz geworden. Vielleicht müsste man halt einen Riesling Buntsandstein im Glas haben, um das Ganze besser zu verstehen. Am besten jenen vom Weingut Odinstal…

KUHORN UND PFLANZENTEE

Andreas Schumann «schmeisst» den Laden. Ihn als nur Weinmacher zu bezeichnen wäre völlig ungenügend. Auf der Internetseite vom Weingut (www.odinstal.de) wird Schuhmann als Betriebsleiter vorgestellt. Doch auch damit kommt man irgendwie (noch) nicht hin. Nach dem Motto «grosse Weine entstehen immer mit der Natur – nicht gegen sie», setzt er extrem konsequent auf biologisch-dynamischen Weinbau. 

Dies mit einem umfassenden Ökosystem, welches er in diesem Kleinod auf rund 350 Meter Meereshöhe (eines der höchst gelegenen Weingüter der Pfalz) anwendet. Als Ergänzung zu den Rebbergen findet man hier eine umfangreiche Fauna von Waldflächen, Obstbäume, Blumen, Wiesen und Begrünungspflanzen im Weinberg. Ein Markenzeichen sind die hauseigenen Rinder. Freiwillig hergekommen sind; Erdtiere, Bienen, Insekten und Vögel. 

Das Ganze ist schwer zu beschreiben und klingt, redet man von naturnahem Anbau, auf den ersten Blick auch logisch. Wer aber oben auf dem kleinen Berg steht und über das Odinstal in die Weite blickt, weiss, dass hier, Dank der konsequenten Umsetzung, ein ganz besonderer Ort für somit auch ganz besondere Weine ist. 

Und jetzt zu den Weinen selbst. Riesling steht natürlich von der Produktion her, an erster Stelle. Ergänzt wird dieser durch die Sorten Gewürztraminer, Auxerrois, Weissburgunder und Silvaner. 

Die Odinstalweine sind keine primären «Überfruchtler», sondern wirken in den ersten Jahren zwar sehr solide und versprechend, sind dabei aber auch – in beruhigender Weise – introvertiert.

Eine Vertikale, aller bisher produzierten Rieslinge vom Buntsandstein findet man auf www.bxtotal.com unter Tastingberichte...

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CHÂTEAU PÉTRUS - FAST GRATIS

Und weil diese Probe nicht grad so viel kostete, wie man annehmen könnte, kriegen Sie wieder einmal einen Gratis-Einblick in die vielen Tasting-Berichte von bxtotal.com 

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AUS D’ARMAILHACQ WURDE D’ARMAILHAC

Vermutlich ist dies der Bordeaux, welcher so oft wie kein anderer seinen Namen wechselte. Am Anfang schrieb sich dieser Pauillac-Cru «Mouton d'Armailhacq», danach «Mouton-Baron». Als des Barons Frau, Philippe de Rothschild starb, benannte er diesen Cru ihr zu Ehren in «Mouton-Baronne» um. Seine Tochter Philippine entschied in einer Nacht- und Nebelaktion mit dem Jahrgang 1989, das Weingut in seinen angestammten Namen umzuändern. Dabei vergass sie aber, dass sich der neue «d'Armailhac» früher mit «cq» schrieb. Gleichzeitig verzichtete sie auf das Prädikat Mouton in einer vierten (endgültigen?) Version. 

Mittlerweile ist die letzte Namensänderung gut 25 Jahre her. Doch immer noch führt der D’Armailhac ein gewisses Mauerblümchendasein. Einerseits steht er ganz klar im Schatten hinter dem Château Mouton-Rothschild. Das ist ja auch verständlich, handelt es sich bei diesem um einen Premier-Grand-Cru-Classé. Doch auch sein Bruder, der Clerc-Milon, hat es in den letzten Jahren bedeutend weiter gebracht. Vergleicht man den d’Armailhac mit anderen Cinquièmes, also fünft klassierten Gewächsen aus dem Pauillac, so sind viele andere Crus wesentlich populärer, respektive beliebter.

Und dies hängt nicht auch zuletzt mit seinen aktuellen Leistungen zusammen. Nur gerade die zwei Spitzenjahrgänge 2009 und 2005 schafften es auf 18/20 Punkte. Die restlichen Jahrgänge tummeln sich zwar oft bei der 17er-Messlatte. Aber leider gibt es da auch immer wieder ein paar wieder ein paar Exemplare, welche mit lediglich 16/20 Punkten taxiert werden.

Das wäre ja zwar immer noch «sehr gut», aber halt doch im Prinzip – vom Pricing her – als «ungenügend» einzustufen. 

Blättert man in den Kritiken, so wird denn dieser Rothschild-Cru, meist auch als eher früh reifend beschrieben. Somit verwundert es doch ziemlich, dass ein Weinfreund sich dazu verschwor, von diesem Weingut eine ansehnliche Sammlung zuzulegen, um dann – bei passender Gelegenheit – mehr als 20 Jahrgänge zu entkorken. 

An diesem Sommerbeginn war es so weit. Der Elektrofachmann Jürgen Hormuth lud  zu dieser Raritäten-Vertikal-Probe ins Hotel Hohenzollern nach Bad Neuenahr-Ahrweiler. 

Das ist ein traditionelles Wohlfühlhotel mit atemberaubender Aussicht ins Ahrtal, toller Weinkarte und viel Schmackigem auf dem Teller. Also genau so, wie es zu gereiften Bordeauxweinen passen sollte. 

Leider enttäuschten die ältesten Weine, trotz guten Füllständen. Und wenn dann ein Jahrgang etwas grösser daher kam, musste man sich auch nicht gleich am Stuhl anschnallen. 

Wer da nämlich einen Mini-Mouton erwartete, der fand dies maximal in gewissen Spurenelementen. Dann nämlich, wenn eine parfümierte Süsse aufkam und sich vielleicht Nuancen von After-Eight im Finale zeigten. Wie beispielsweise bei den Jahrgängen 1949 und 1962. 

Durch seinen (für einen Pauillac) etwas höheren Anteil an Merlot kommt er oft eher wie ein mittelgrosser Pomerol daher.

Für mich war es die erste, grosse Vertikale dieses Weingutes und es gab dabei ab 1961 zuverlässige Werte, welche viel Spass bereiteten. Ist ein d’Armailhac, respektive Mouton-Baron, respektive Mouton-Baronne nämlich grossartig, dann macht er so richtig viel Spass. Obwohl sich ein paar Jahrgänge gut hielten, würde ich ihn jeweils in den ersten 25 Jahren entkorken.

Die Historie vom Château und 20 Degunotizen von alten Jahrgängen... Hier

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Wer hat gewonnen?


Einer von 20 Tastingberichten in diesem Jahr...

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In signo Leonis
Patrick Bayer

DER WOODY-WOODPECKER AUS NECKENMARKT
 
Als ich vor 15 Jahren in einem Restaurant in Proser nach dem besten Wein der Region fragte, meinte der Kellner: «Wenn Sie viel Holz mögen, dann bestellen Sie sich einen Leonetti».

Der Wein war berauschend. Berauschend anders. Als ich dann mit einem anderen Washington-Estate-Spitzenwinzer ein paar Worte über Leonetti wechselte, meinte mein Gegenüber: «He is a very good wood-worker».

Heute ist es ganz und gäbe, dass man Weine im Barrique vergärt, dann die malolaktische Gärung wieder ein einem anderen neuen Barrique macht. Dann den Wein ein Jahr wieder in einem neuen Barrique ausbaut und denselben dann nachher nochmals länger oder noch viel länger wiederum in ein neues Barrique legt. Macht total 400% neues Holz!!!

Wie es Patrick Bayer mit seinem In Signo Leonis macht, weiss ich nicht, aber er macht es verdammt gut. Ich begegnete ihm und seinem Wein in Neckemart an einem hiessen Sommertags-Tasting. Ich roch am Wein und war hin und weg…

2011 In Signo Leonis, Heribert und Patrick Bayer, Neckenmarkt  
Ein Blend aus Blaufränkisch, Zweigelt und etwas Cabernet Sauvignon. Sehr dunkle Farbe mit violettem Schimmer. Die Nase beginnt mit einem bombastischen «Wow-Bouquet»! Und genau diese Art wird/könnte die Weinfreak-Meute durchaus polarisieren. Es ist viel Röstung da (zu viel?) Kaffee, dunkles Caramel, gedarrte Cerealien, Brotkruste, alles stammend von der sehr grosszügig begleitenden Eiche eines ziemlich extensiven Holzsausbaus. Doch dahinter erscheinen auch schwarzbeerige Fruchtkonturen, welche die röstige Dominanz nach und nach ablösen, ergänzt durch schwarze Pfefferkörner, Lakritze, Gewürznoten und Rauchnuancen. Der Gaumen zeigt ein übersymphatisches Wahnsinnskonzentrat, welches wieder unerhört viel dunkle Aromatik ausstrahlt, ziemlich fett – aber auch passend dicht, den gigantischen Jahrgang her zeigend. Ein extrem moderner, roter Burgenländer. Und unter den Modernen wohl einer der Allerbesten.
19/20 trinken – 2025                                         http://www.weinfreund.at/

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CHÂTEAU PALMER 1986

Was ist das Gegenteil von einem grossen, klassischen Château Palmer? Antwort; sein eigener Jahrgang 1986! Normalerweise ist ein grosser Palmer süss, weich und rund. Hier findet man nach 28 Jahren leider immer noch eine ...Margaux-Kratzbürste. Die Tannine sind wenig entwickelt, die Säure verbindet sich mit der asketischen Muskulatur. Der Wein ist irgendwie fast gereift, die Gerbstoffe aber definitiv nicht. Um ihn einigermassen zu geniessen, empfiehlt sich ein kräftiges Steak, oder noch besser wohl einen gespickten Rindsbraten. Den hatten wir heute nicht zur Hand, denn es war der bisher heisseste Tag in diesem Jahr. Um mich abzukühlen, machte ich den ganzen Nachmittag Inventur im kühlen Keller. Irgendwie hatte ich mich wohl deshalb fälschlicherweise für einen tendenziellen Winterwein entschieden. Immerhin weiss ich jetzt, wie lange ich den Palmer in der normalen Flaschen noch lagern sollte, denn dies war ein Schöppli (0.375 lt). Grundsätzlich ist der Wein – vom Potential her – recht gross. Aber der «Funfaktor»» ist immer noch sehr, sehr verhalten. 18/20 Mehr anzeigen

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Neu:
Internet-Shop
für Gabriel-Glas

Schweiz und Lichtenstein

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1991 ALION

Sie möge am liebsten so Tempranillo, eher weich und rund, sagte der weibliche Gast, welcher bei uns zum Nachtessen eingeladen war. Das war ihre Antwort, auf meine Frage, was sie gerne heute bei uns trinken möchte.

Ich überlegte kurz und griff spontan in die «Spanien-Abteilung», respektive in die Holzharasse. Eine Flasche Alion 1991 war die Ernte dieses Weinangelns. Ob der wohl noch gut ist? Das war doch der allererste Jahrgang dieser damals neuen «Vega-Sicilia-Filiale» im Ribero del Duero...

Aus Angst er wäre überreif, wagte ich es nicht, ihn zu dekantieren und gönnte mir vorgängig einen kleinen Probeschluck, mit dem möglichen Hintergedanken, dass ich nochmals in den Keller müsste, um etwas Jüngeres zu holen.

Weit gefehlt. Wow! Süsses Bouquet, viel Schokonoten, Sandelholz und darin würzige Tempranillo-Kräutertöne. Im Gaumen rund und schmeichelnd, genau so wie es sich unter Gast vorgestellt hatte.

Zusammengefasst: Der Wein war perfekt gereift und sensationell!

Die letzte Flasche werde ich dann trinken, wenn wir keinen Besuch haben... 


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BORDEAUX 2013

Frage von einem Leser...        PDF

Antwort von René Gabriel...    PDF

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SAINT-JULIEN-MONTAG

Für die Einen ist der Montag der Focustag. Für andere aller Laster Anfang. Für uns ist es oft der Jasstag. Will heissen; wir spielen Karten mit Freunden. Und oft gibt es dazu ein Trinkthema. Diesmal brachten die Jass- und Weinfreunde Baschi und André je einen Saint Julien mit. Also stieg auch ich in den Keller und holte etwas passendes dazu…

1948 Léoville Las-Cases: Erstaunlich dunkel, aufhellender, fein ziegelroter Rand. Würziges Bouquet, cerealer Schimmer (Hafernoten), Tabak, Cigarrenkiste, Torfnuancen, Bakelit, etwas Karton, pfeffrig und noch sehr intakt von der Nase her. Im Gaumen mit gut stützender und wohl auch erhaltender Säure, dezenter Kapselnoten, sonst aber noch sehr vif, die Muskeln verbinden sich mit der Säure und geben dem Wein so einen etwas asketischen Körperbau. Insgesamt noch sehr schön zu trinken und ein idealer Essbegleiter. In unserem Fall war es ein Schweinfilet im Teig mit hausgemachter Trüffelrahmsauce. Die Trüffel stammten aus der Region Périgourd und ich hatte mir da ein Glas von meinem kürzlichen Bordeaux-Trip nach Hause genommen. 18/20 austrinken  

1982 Gruaud-Larose: Immer noch sehr dunkel mit passenden Reifetönen. Grosses Bordeaux-Terroirbouquet mit Dörrfrüchten, Teer und Trüffelnoten, eine tiefgründige und berauschende Cabernetsüsse vermittelnd, im Hintergrund Ledertöne und den typischen Cordier-Geschmacksabsender, wenn auch nur in einer sekundären Form zeigend. Im Gaumen dicht, fleischig, fein und doch viel Charakter aufweisend, die Tannine sind reif, zeigen aber eine mürbe Rest-Garantie für gut 20 weitere Jahre auf. Eine grossartige, perfekte Flasche. Von der Art her ein Grobian im Seidenkostüm. 20/20 trinken 

1989 Talbot: Dunkel mit satter Mitte und erstem Reifeschimmer. Trocken-süsser Nasenbeginn, Rosinentöne, Teer, Trüffelschimmer, erinnert im ersten Moment etwas an einen gereiften Hermitage. Kompakter, fester Gaumen, viel Fleisch und auch eine tolle Konzentration zeigend, die Tannine stützen immer noch deutlich und somit hat der Wein – trotz angezeigter Genussreife – ein weiteres Potential. Sehr aromatisches Finale. Ein beeindruckender, grosser Talbot. 18/20 trinken  

1995 Ducru-Beaucaillou: Aufhellend, dafür aber noch keine Reifetöne. Delikates, eher zurückhaltendes Bouquet, rote Pflaumen, dominikanischer Tabak, Zedernholz, mit einer parfümierten Süsse unterlegt. Im Gaumen feinste Tannine, ausgewogen und somit eine royale Balance zeigend, die im Hintergrund wirkenden Rest-Tannine zeigen weiteres Potential an, ohne die aktuelle Genusssituation zu beeinträchtigen. Also ein Modell sowohl als auch! Er legte an der Luft kontinuierlich zu. Wer Ducru genauer kennt, der weiss, dass es eine Garantie für Dekaden gibt. 19/20 trinken

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Kennt Jemand von Euch Weinfreaks in Vancouver?

Wir gehen nächstes Jahr dahin und da möchten wir ein paar vinöse Leute treffen...

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Gabriel ist auf Facebook...

Wollen wir Freunde sein?

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Es gibt Momente, da hat man halt einfach gar keine Lust zum Schreiben.
 
1997 Pétrus und 1985 Mouton aus der Imperiale.

Nicht auf dem Bild: Taittinger Champagner, 2003 Labégorce Magnum und 1997 Valandraud Impérial.
Auch nicht auf dem Bild; die 24 Teilnehmer.

Danke Lucien!

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FARNSBURGER-ALTWEINPROBE

Er selbst weiss nicht genau, wie viele Flaschen es im tiefen Keller vom Restaurant Farnsburg gibt. Schätzungsweise «etwas mehr» wie 10'000 Bouteillen, meint der Gastgeber Jürg Richter, welcher für die extrem gut bestückte Weinkeller zuständig ist. 

Und eine Weinkarte gibt es auch gar nicht. Wer nicht im Restaurant sitzt, sondern zu Hause vor dem Computer, der kann das gesamte Weinsortiment unter www.farnsburg.ch abrufen. Noch besser, man fährt ins Baselbiet und besucht den noch nicht ganz so weinberühmten Weingasthof persönlich. Dieser Ausflug ist jeden Kilometer wert!

Im mehreren Weinkellern gibt es da die begehbare Weinkarte. Und was sich da dem freakigen Weinfreund offenbart, ist Paradies pur. Von der Jahrgangstiefe. Von den gigantischen Formaten her. Von der unglaublichen Auswahl. Und… von den sehr attraktiven Preisen. 

Vor drei Jahren begann der Organisator Jürg Richter für konkrete Raritätenproben den Weinkeller zu öffnen. Und für die letzte Edition pilgerten Liebhaber aus Österreich, Deutschland und der Schweiz nach Ormalingen um diese Weine zu verkosten: 

PAlmer 1924, Mouton Rothschild 1934,  Calon-Ségur 1953, Lynch Bages 1959, Beychevelle 1961, La Mission Haut-Brion 1961, Mouton Rothschild 1964 – Magnum, Léoville Las Cases 1964 - Magnum, Pichon-Lalande 1947 – Magnum, Petrus 1970, Haut-Brion 1928, Echézeaux DRC 1935, Echézeaux DRC 1959, Hermitage La Chapelle 1947 – Jaboulet, Hermitage La Chapelle 1959 – Jaboulet, Richebourg DRC 1962, Suduiraut 1945, D'Arche 1937, Yquem 1959, Sigalas Rabaud 1921, Rayne Vigneau 1929 – Crème de Tête 

Degustationsbericht auf

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Gut gelaunt an die Rhône von Avignon bis Condrieu!

Hier ein Bild unserer Reisegruppe auf La Chapelle am steilen Hermitage-Hügel...

Mit Gabriel Weinreisen:
Österreich, Bordeaux, Südafrika,
New Zealand

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LÉOVILLE-BARTON: WIENER GASTSPIEL
 
Eigentlich liegt das Château Léoville-Barton in Bordeaux! Genauer gesagt; in der Appellation Saint-Julien. Noch genauer; zwischen den Weingütern Du Glana und Léoville-Las Cases.

Ausnahmsweise verlagerte dieser beliebte Deuxième-Cru für einmal seine Tätigkeit für ein paar Stunden und übersiedelte nach Wien. Und zwar zwischen Prater und Stephansdom. Genauer gesagt; ins Hotel Sofitel. Noch genauer; ins Restaurant Le Loft. Und dieses In-Lokal befindet sich im 18. Stock, also ist eine atemberaubende Aussicht auf ganz Wien auf jeden Fall garantiert.

Der Weinliebhaber Michael Herget (Hergets Magnum-Vinothek) organisierte nämlich eine grosse Barton-Vertikale mit einer Bandbreite von 1949 bis 2004. Diese Gelegenheit liessen sich rund dreissig Weinfreaks auf keinen Fall entgehen.

Aus Bordeaux war die Schlossbesitzerin Lilian Barton Sartorius angereist. Und aus der Schweiz René Gabriel.

Nach dem Stehapero: 2011 Château Larrivet-Haut-Brion, ein weisser Pessac-Léognan mit viel Frucht aber auch mit dezent eichig-leimigen Konturen (17/20), ging es zu Tisch.   

Während drei Stunden wurden Bartons von 1949 bis 2004 serviert. Degustationsnotizen, Fotos, Storys und Bewertungen auf www.bxtotal.com 

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50 MAL GRUAUD-LAROSE - GENOSSEN IN BORDEAUX

Für dieses weinige Wochenende gab es eine lange Vorlaufzeit. Die Plätze waren den Weinfreunden der Semester-Raritäten-Degustationen vorbehalten und schnell besetzt. Ein Jahr im Voraus galt dieser Event somit ausgebucht. Und dann war es endlich so weit, mehr als 50 Jahrgänge vom Saint-Julien-Deuxième Gruaud-Larose wurden an zwei Tagen entkorkt. Die älteste  Flasche vom Jahr 1917 – der jüngste; eine Fassprobe vom 2013er. 


Die zwei Veranstaltungstage fanden in der Wiege des betreffenden Weines statt, nämlich in Bordeaux selbst…

Am Freitagabend trafen sich die rund drei Dutzend Teilnehmer im Restaurant Demund in Carbon Blanc. Am Samstagmorgen wurde das Weingut besichtigt. Das nostalgische Schiff Burdigala brachte die aufgestellte Runde von Pauillac wieder nach Bordeaux.

Und am Samstagabend fand die finale Gala im Festsaal von Château Gruaud-Larose statt.

Damit das Ganze reibungslos stattfinden konnte, brauchte es freilich eine ziemlich grosse Organisation. Erstens Mal die vielen Gruaud-Jahrgänge, welche sich mehrheitlich schon seit Jahren in Gabriel’s Keller befanden. Ein paar wenige Flaschen wurden auch für diese grosse Probe in letzter Zeit zugekauft. 

Dann mussten die Weine und die benötigten Gläser nach Bordeaux gelangen. Der Sommelier Patrick Bopp und Gabriel selbst fuhren die rund zwei Mal 1000 Kilometer hin und wieder zurück. Die Flaschen wurden stehend gefahren und somit war ein gut trennendes Dekantieren problemlos möglich. 

Weil der Weg in solchen Fällen auch das Ziel sein kann, machten die beiden auf der Hinfahrt im Hotel Radio in Clermont-Ferrand Schlafhalt und genossen zum Diner einen sagenhaften 2010 Meursault Genevrières von Coche-Dury. 

Vor Bordeaux machte das Duo noch einen Halt auf Château La Dominique. Auf diesem Saint-Emilion Weingut wurde nämlich just ein neues Restaurant eröffnet. Eine Brasserie, welche sich auf der Terrasse befindet und mit heissem Grill aufwartet. Ein gutes Kilogramm Côte de Boeuf, begleitet von hausgemachten Frites, wechselte an diesem Mittag so den Besitzer. 

Und auf dem Rückweg war das Sapin Bleu in Sagy eingeplant. Der Gastgeber Marino Aliprandi servierte den hyperraren 2011 Vosne Romanée Mon Plaisir von Bernard Noblet (Romanée-Conti). Doch lassen wir das Ausschweifen der Wegrast und kommen zum Hauptthema Gruaud-Larose und lassen ab jetzt Verkostungsnotizen, die Geschichte vom Château und Fotos auf neun Seiten sprechen, falls Sie Abonnent von www.bxtotal.com sind...

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BUSSUM'SCHES WEINALLERLEI

Ein kunterbunter Abend mit meinen holländischen Weinfreunden. Gratisbericht

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GEGEN DEN MON PLAISIR IST SELBST GOOGLE MACHTLOS

Es gibt viele Raritäten im Weinsektor. Alle sind – so will es die Bezeichung – «rar»! Doch mit Geld ist irgendwie dann doch Alles zu regeln. Mit ganz wenigen Ausnahmen. Hier habe ich eine der wohl rarsten Ausnahmen. Von diesem Wein hatte ich bisher nie etwas gehört und als ich im allmächtigen Google danach mit den passenden Sortierbegriffen suchte, lieferte die weltbekannte Suchmaschine lediglich 586 Treffer. Und keiner davon führte auf die richtige Spur. Und auch der sonst immer findige «Winesearcher» blieb machtlos stumm.

Dabei ist ja der Produzent Bernard Noblet kein Unbekannter. Schliesslich seit sehr vielen Jahren Kellermeister der legendären Domaine de la Romanée-Conti im Burgund. Was fast niemand weiss; Noblet besitzt einen klitzekleinen Rebberg in Vosne Romanée, welcher er von seinem Vater geerbt hat. Und den Wein aus dieser Parzelle produziert er unter dem Namen «Mon Plaisir». Die Produktion ist so klein, dass er vorgedruckte Etiketten benutzt und den Jahrgang von Hand hinschreibt. Zum Handkuss kommen nur persönliche Freunde.

Einer davon ist Marino Aliprandi. Noblet ist ab und zu Gast in seinem Sapin Bleu in Sagy. Das liegt in der Bresse. Beim letzten Besuch öffnete Marino eine dieser raren Flasche und Gabriel sass da wie ein kleiner Schulbub. Hier ein Versuch diesen einzigartigen «Geheimburgunder» zu beschreiben. 

2011 Vosne-Romanée Mon Plaisir Bernard Noblet: Die Farbe mit sattem, funkelndem Rubin-Purpur. Die Nase ist verrückt; gehackte, frische Himbeeren, Getrocknete Granatapfelkernen, Kokosmilch, Vanille, Grenadinenoten und dahinter eine weisspfeffrige Würze. Im Gaumen dicht, wieder ein enormes Fruchtkonzentrat, die nasalen Himbeeren vermischen sich hier mit reifen, roten Kirschen, das Finale zeigt erst Pina-Colada und weisser Rhum dann schieben sich wieder die unglaublichen Fruchtnoten druckvoll nach. Vom Körper und der Konzentration dem normalen Ansehen vom Jahrgang 2011 deutlich überlegen. Der Wein war noch viel zu jung, aber trotzdem ein eingefahrenes Noblet-Erlebnis. 19/20 warten 

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VOM HÄSSLICHEN ENTLEIN ZUM SCHÖNEN SCHWAN

Dieses Märchen kennt Ihr sicherlich Alle. Es gibt diese Geschichte auch beim Wein. Und ich habe schon oft  solche Geschichten erlebt. Jetzt grad wieder! 

Die Hoffnung hatte ich eigentlich schon aufgegeben. Vor ein paar Jahren kaufte ich drei Magnums 1999 Chambertin Clos de Bèze von Jean Raphet auf einer Auktion der Weinbörse. Niemand wollte diese drei grösseren Flaschen und so steigerte ich diese halt, weil günstig und 1999 sollte ja auch ein grosses Burgunderjahr sein. 

Ungeduldig wartete ich auf eine passende Gelegenheit und entkorkte diese für Burgunderfreunde. Aber ich kam nicht gross heraus. Sauer, streng, unfruchtig. 

Missmutig schaute ich die restlichen zwei Magnums später oft an und mied auch möglicherweise passende Gelegenheiten. Zu gross war die frühere Enttäuschung in meinem Hinterkopf gespeichert. 

Jetzt waren wir grad eine grössere Anzahl Weinliebhaber im Ferienhaus und ich entkorkte Nummer Zwei. Dabei überlegte ich mir schon, dass ich wohl diesen Chambertin für die Bolognaissauce am anderen Tag verwenden würde. 

Doch weit gefehlt. Der Wein hat sich vom hässlichen Burgunderentlein sich zu einen sagenhaft schönen, klassischen und grossen Chambertinschwan mutiert. Dumm war nur, dass ich es nicht alleine merkte und die Magnum war (zu) schnell leer. 

Jetzt bleibt leider nur noch Eine. Die öffne ich dann in einem möglichst kleinen Kreis…  

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No comment!

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Weiniger Kampf und doch gute Freunde: Max Gerstl und René Gabriel

GERSTL VERSUS GABRIEL: UNENTSCHIEDEN

Eigentlich war das Ganze nur als gemütliches Wine & Dine unter dem Namen «Grosse Küche & grosse Weine» geplant. Doch der Abend artete aus…

Die Pöbeleien begannen schon am Nachmittag. Als Gabriel so nebenbei bemerkte, dass Max Gerstl wohl wenig Chancen mit den Säften habe, welche er aus seinem Keller für den Schlussabend des Weinwochenendes in Bad Ragaz in den Quellenof mitnehmen wollte.

Das Weinbörse-Weinwochenende begann mit einem Freitag-Mittags-Event im Weingut Gantenbein. Am Freitagabend pilgerten zwei Dutzend Weinfreunde ins Rössli Bad Ragaz (Super Weinkarte!!!), um die Weine mit dem Bordeaux-Winzer Gonzague Lurton (Ferrière, Durfort-Vivens und Haut-Bages-Libéral) zu geniessen.

Am Samstag fand dann die grosse Auktion der Weinbörse (www.weinboerse.ch) statt. Schon im Vorfeld waren zwei Drittel der Lots verkauft. Während der Live-Auktion stieg diese Zahl auf über 80 % und beim Nachverkauf (jeder konnte nicht verkaufte Lots zum Ausrufpreis direkt kaufen), ging fast der gesamte Rest weg. In der Mittagspause präsentierte der Winzer Peter Wegelin seine aktuellen Weine. 

Und dann folgte der eingangs erwähnte Wettkampf zwischen den Weinen aus den Privatkellern von Max Gerstl und René Gabriel. Pro Gang wurde je ein Wein von Max und René serviert. Dann musste jeder dieser zwei Weinbörse-Partner seinen Wein in den höchsten Tönen rühmen und den anderen Wein auf galante Art und Weise so unattraktiv wie möglich ins schlechte Licht rücken. Danach wurde jeweils unter dem Publikum abgestimmt.

Mit dem 2006 Riesling Singerriedl (Weingut Hirtzberger, Wachau) lag Gabriel gegen den 2006 Riesling, St. Nikolaus (Peter Jakob Kühn Rheingau) gleich zu Beginn klar vorn.

Im zweiten Akt überholte Gerstl mit dem 2002 Puligny-Montrâchet, Les Pucelles (Marc Morey, Burgund), denn der 2002 Grüner Veltliner Vinothekfüllung (Weingut Knoll, Unterloiben) hätte da wohl noch etwas mehr Luft gebraucht. 

Zum Hauptgang folgte ein klares Unentschieden zwischen dem 1982 Château Léoville- Las-Cases (Saint Julien) und dem 1989 Château Montrose (Saint Estèphe). 

Beim Käse punktete dann wieder Gabriel mit dem 2001 Hermitage La Chapelle (Domaine Jaboulet) gegen Gerstl’s 2002 Vosne-Romanée Charme de Mazière (Domaine Guyon, Burgund). 

Der spektakuläre Schlusstand: Gerstl 43 Stimmen, Gabriel 43 Stimmen. Der Wettkampf wird in einem Jahr beim nächsten Weinbörse-Wochenende (wieder in Bad Ragaz) wiederholt.





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Franz-Xaver Pichler für sein Lebenswerk geehrt...

GROSSER MOMENT IN WIEN FÜR FRANZ XAVER PICHLER

Im Rahmen der Wein-Präsentationen von Trinkwerk (Pfeiffer-Gruppe) wurde an der grossen Gala (340 Gäste) als Höhepunkt der Preis fürs Lebenswerk an Franz Xaver Pichler für seine Verdienste übergeben.

Gabriel durfte die launige Laudatio halten. Während des Veranstaltungstages für Präsentationen, Workshops und Gala-Diner waren insgesamt 2000 Gabriel-Gold-Gläser im Einsatz...

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Der Bordeaux 2013 ist besser als sein Ruf!

Schwierige Bedingungen, aber doch recht viele tolle Weine.  

FASSPROBEN BORDEAUX 2013: CLARETS IM MODERNEN STIL
 
So wenig war schon lange nicht mehr los während den offiziellen Primeur-Verkostungen. Dies merkte man besonders bei den Präsentationen der Union des Grand Crus. Zuweilen waren mehr Kellermeister und Châteaubesitzer präsent - wie Degustationsinteressierte. Viele Weinhändler und Journalisten sind schon gar nicht erst in den Flieger gestiegen, denn dem Bordeaux 2013 ging schon im Vorfeld ein schlechter Ruf voraus. 

Wenn man die meterologischen Vorgaben genauer studiert, dann war das Fiasko vorprogrammiert. Ein kalter Winter mit viel Regen und wenig Sonne. Verrieselung der Blüten, Mehltau im Frühling. Der Sommer wäre ideal gewesen, doch bevor die Trauben richtig reif waren, mussten fast alle Winzer ernten, denn der warme Herbst bescherte eine galoppierende Fäulnis in den Rebbergen.

Doch ist Bordeaux nicht gerade in den letzten Jahren durch ein bemerkenswertes Katastrophen- Management bekannt geworden? Wann bitte, haben die denn die Bordelaiser Winzer letztmals einen wirklich schlechten, untrinkbaren Jahrgang abgeliefert? Zugegeben, der Bordeaux 2013 ist kein grosser Wurf. Aber – es gibt keinen generellen Qualitätsbefund in schwierigeren Jahren. Nur umgekehrt! Wenn ein Jahrgang gross ist, dann kann man praktisch alles kaufen. In kleinen Jahren ist es meist eine Terroirfrage. So gesehen ist es heuer nicht nur ein Jahr des Terroirs, sondern ein Millesime der Superterroirs.     

MERLOT ODER CABERNET?

Und welche Rebsorte hat denn nun das Handicap-Rennen gewonnen. Es ist ganz sicher kein Merlotjahr. Denn der Merlot hat unter den klimatischen Bedingungen am meisten gelitten.

Also schlägt der Cabernet Sauvignon den Merlot? Auch nicht. Mit zu wenigen Ausnahmen sind die Cabernet-Sauvignons von tendenziell mittelgewichtiger bis oberflächlicher Bauart. Und aus diesem Grund habe ich dann auch den Überbegriff  des «modernen Clarets» gewählt um die besseren Grand-Crus des Médocs etwas näher zu definieren. 

Am besten sind die Petit Verdot’s (linkes Ufer) gelungen, gefolgt vom Cabernet Franc (rechtes Ufer). 

MODERNE CLARETS

Sicherlich wird heute ganz anders vinifiziert wie früher. Und die Tannine haben eine ganz andere Qualität wie früher. Dazu führten eine dichtere Bepflanzung (mehr Reben pro Hektar – aber weniger Trauben pro Rebe). Ein wesentlich niedrigerer Ertrag und die Deklassierung von allem, was eben nicht in den Grand Vin gehört. 

Ganz früher waren gute Jahre solche mit viel Säure und mit vielen Gerbstoffen. Doch – es gab damals fast keine Möglichkeiten die Temperatur bei der Vergärung zu Regulieren. 

Von einer Kaltmazeration vor der Vergärung schon gar nicht zu sprechen. Also vergärten die Winzer damals schier unkontrolliert um vier bis fünf Grade höher als heute und hielten sich dafür mit den nachfolgenden Mazerationen zurück, um die Tannine nicht auszukochen. Mit mehr oder weniger Erfolg. Das Produkt, war ein relativ bekömmlicher Bordeaux mit einer eher hellen Farbe. Die grössten Abnehmer waren die Engländer. Und wenn die Briten im Restaurant Bordeaux bestellten, dann orderten diese einen Claret. 

Wenn ich hier beim Bordeaux 2013 mit dem Begriff vom «modernen Claret» auffahre, dann ist es einerseits die leicht hellere Farbe als bei den Jahrgängen 2011 und 2012. Und es ist vor allem der Umstand, dass sich kluge Winzer mit den Mazerationen zurück hielten. Dies, um die in der Regel nicht vollständig ausgereiften Gerbstoffe (vor allem jene in den Kernen) möglichst sanft in die eher leichteren Weine zu integrieren. 

KEINE ALKOHOLBOMBEN

Bei den Jahrgängen 2009 und 2010 gab es viele ärgerliche Unkenrufe, ob der Bordeaux denn das nötig hätte mit so viel Alkohol (gewisse Werte lagen über 15 Vol. %) aufzuwarten. Das sei doch Sache der New-World-Weine. Nun – das war damals eine Vorgabe der Natur. Und das war schon früher immer so in Ausnahmejahrgängen. Der Cheval-Blanc 1948 stand beispielsweise mit 15,1 Vol. % in den akribischen Aufzeichnungen des damaligen Kellermeisters.
Jetzt haben die Winzer wieder drei klassische Jahrgänge mit ganz normalen Alkoholwerten im Angebot. Château Latour deklariert beispielsweise heuer einen Wert von 12.36 Volumen-Prozenten. 

SOLL MAN DEN BORDEAUX 2013 LINKS LIEGEN LASSEN?

Jein! Es gibt ein paar wenige, fantastische Weine. Die Mengen sind zum Teil extrem klein. Wer bei den allerbesten Crus nicht zugreift, der wird später fast keine Chancen haben, an ein paar Flaschen heran zu kommen. Meist ist es eine halbe Menge Grand Vin gegenüber normalen Jahren. Es wird kein Problem sein für die 9'000 Flaschen Ausone einen Käufer zu finden. Auch nicht für die 20'000 Flaschen Pichon-Lalande oder für die 15'000 Les Carmes Haut-Brion u.s.w. 

Trotzdem hat der Jahrgang 2013 wenig Spekulatives an sich. Die Preise werden ähnlich wie jene der Jahrgänge 2011 und 2012 sein. Und diese liefen zu Beginn schleppend bis gar nicht. Es sind da zu wenige Punkte-Lokomotiven und der weinige Zug ist viel zu lang. 

Es zeigt sich aber auch, dass es praktisch keine Zwischenjahrgänge mehr gibt. Entweder stürzen sich alle auf die Subskriptionsofferten und sind bereit fast jeden Preis zu zahlen. Oder ein Jahrgang macht sich erst nach ein paar Jahren, wenn er dann auf den Markt kommt. Da hat der Kunde dann auch die Möglichkeit selbst zu probieren, was er kauft. Aufgrund des Überangebotes der unverkauften Weine bleiben die Preise lange Zeit unverändert. Jüngsten Beispiel; der Jahrgang 2011 kommt bei den Bordeauxfreaks momentan sehr gut an und die Angebote der Topweine schrumpfen merklich. 

DER GABRIEL-PRIMEUR-MARATHON

Meine ersten Fassproben waren ein paar Bordeaux' 1984. Das ist jetzt genau 30 Jahre her. Seither bin ich wohl mehr als 100 Mal in Bordeaux gelandet. Seit meinem Mövenpick-Engagement (früher als Einkäufer – heute als Berater), mache ich jeden Jahrgang von A bis Z durch. Heisst; es werden fast alle Weine, welche präsentiert werden, verkostet. Das waren heuer wieder fast 1000 Fassmuster. Dies während 15 Tagen. 

411 Weine habe ich als vollständige Degustationsnotiz in den Labtop gehackt. Alle Weine, welche 16 oder mehr Punkte erreichten, sind im 28seitigen, mit Fotos illustrieren Bericht auf www.bxtotal.com aufgeschaltet. 


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IST DER BORDEAUX 1990 EIN SPASS OHNE ENDE?

Bordeaux ist und bleibt anders. Mittlerweile ist es auch für normale Bordeaux-Freaks relativ einfach geworden einen Wein in seiner Qualität ziemlich genau zu justieren.  

Will heissen, zu erspüren ob ein Cru in die oberste Liga gehört oder unter ferner liefen einzustufen ist. 

Was bedeutend schwieriger ist; die richtige Genussreife zu definieren. Es gibt ja schliesslich zum Einen die Fruchttrinker und zum Andern die Terroirsurfer. 

Der Genusspeak wird im Allgemeinen im Zwischenstadium zwischen Frucht und Terroir definiert. Und diesen hatten die Weine vom Bordeaux-Jahrgang 1990 vor etwa 10 Jahren. 

Wobei die Libournaiser (Saint Emilion und Pomerol) da etwas schneller waren. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Merlot in der Regel vor dem Cabernet Sauvignon (Médoc) dran ist.  

Die letzten Kontakte mit den besten Weinen des Jahrganges 1990 waren immer mit ähnlichen gereiften Eindrücken. Wunderschöne Bordeaux’, aber jetzt definitiv die Korken raus ziehen, so der Tenor. 

Doch Bordeaux ist eben anders. Die Evolution ist gemächlich, von Eile keine Spur. Und die auf der absteigenden Seite geglaubten Topweine Latour und Margaux, scheinen in eine zweite, respektive dritte Runde zu gehen. Also bin ich tendenziell – einmal mehr daran – die Genussreife in die Verlängerung zu schicken. 

Was unvermindert ist; der enorme Spassfaktor vieler 1990er. Es waren keine wahnsinnig konzentrierten Weine, mehr Saft wie Kraft, könnte man das ganze als generelle Definition beschreiben. Schönheit vor Grösse. Doch insgesamt beides, also gross und sehr schön!

Montag ist nicht aller Laster Anfang,
sondern vieler toller Flaschen Ende!


Es ist schon fast Tradition, dass Weinfreak Yves Beck (www.burgweg-wein.ch) Weinfreunde aus der Schweiz und Deutschland an einem sonst eigentlich stinknormalen Frühlingsmontag an den Bielersee lockt, um Schätze aus seinem Keller zu zelebrieren. 

Heuer standen die Bordeaux 1990 auf dem Trapez, respektive wurden diese in vier Sechserserien ausgeschenkt. 

So richtig hinüber war (noch) keiner und nur ganz wenige enttäuschten. Mehr von der noch artisanalen Machart her, als von dem Reifestadium. 

Die Summe der ganz tollen Weine, war es wirklich wert, ein bis zwei Tage die Arbeit zu schwänzen und diese Pilgerfahrt ins Restaurant Jean Jacques Rousseau nach La Neuville zu unternehmen. Wer nicht dabei war (und das sind Viele), können/könnten sich via bxtotal.com trösten...



Premiere am Bielersee!

Der Beckustator Yves Beck war der erste der die neue Gabriel-Karaffe ALPHA in sein Sortiment aufnahm.


Ist jetzt erhältlich in der Schweiz für CHF 129 bei welcome@gabriel-glas.com


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KÖNIGLICHE 1964ER IM KÖNIGSHOF MÜNCHEN
 
Wenn richtige Münchner etwas zu feiern haben, dann fliesst in der Regel das Bier in Strömen. Aber – keine Regel ohne Ausnahme. Der Münchner Robert Langer war während seiner amerikanischen Disney-Zeit irgendwie zum Wein gekommen und dann liess ihn diese Materie nicht mehr los. Deshalb feierte er seinen 50igsten Geburtstag nicht mit Löwenbräu & Co, sondern mit grossartigen Weinen…. 

Und zwar ausschliesslich mit Exemplaren seines eigenen Geburtsjahrganges 1964!
Im Königshof in München an einer grossen, ovalen Tafel, bei dem nach dem Aperitif etwas mehr als ein Dutzend persönliche Freunde Platz nehmen durften, um in Serien von Weinen und passenden Gängen den runden Geburtstag in höchst vinöser Form zu feiern. 

Es war ein anspruchsvolles Sammelsurium von Garanten und Risikoflaschen. Es macht dann letztendlich auch wenig Sinn auf Agonie behafteten «Müdflaschen» herum zu reiten und so kommen im Bericht auf bxtotal.com vor allem die schönsten Erlebnisse aufs Trapez. Einzig, bei ein paar bekannteren Weingütern, respektive Crus, habe ich mir gedacht, es wäre dann doch noch interessant zu wissen, warum diese es nicht in die Ahnengalerie schafften.

Die Top-1964er: Biondi-Santi, Vega Sicilia, Ygay, La Chapelle, Latour, Haut-Brion, Mission, Pape Clément, Margaux, Pétrus, Cheval, Ausone, Beaulieu Georges Latour und Noval Nacional.  

Gourmet mit Martin Fauster?

Viele Restaurants schimpfen sich ein Gourmet-Restaurant zu sein. Der Titel ist nicht geschützt, trifft somit nicht immer zu. Martin Fauster beweist, dass er Gourmet kann! Es war ein memorables Diner ohne Schnick-Schnack mit unglaublichen Produkten und in einer extrem hohen Kadenz von perfektem Aussehen autochtonem Geschmack… Alleine der Ochsenschwanz mit roher Gänseleber und schwarzen Trüffellamellen belegt, wird mir genau so lange in Erinnerungen bleiben wie meine allerbesten Weine, welche ich je trank. 

Wer gerne einmal grossartige 1964er verkosten möchte, der kann das mit mir machen. Am 1. November 2014 in Luzern. Siehe Events...

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DIE GRÖSSTEN POMEROLS VON CHRISTIAN MOUEIX!

Der Grandseigneur des Pomerols gab sich die Ehre! Christian Moueix weilte in Zürich und liess im Hotel Savoy das Allerbeste servieren, was er je in die Flaschen füllte; seine Parade-Pomerols Château Hosanna, Château La Fleur-Pétrus und Château Trotanoy. Und zwar die als bereits heroisch geltenden Jahrgänge 2009 und 2010!

Auf die rhetorische Frage, welches denn der Wein sei, den er je in seinem Leben je produzierte, antwortet der Besitzer mehrerer Libournais-Weingüter und Bordelaiser Weinhändler Christian Moueix mit der Antwort: «Das war der Château Pétrus 1989!»

Aber irgendwie hat ihn, in dieser Beziehung, sein eigener Erfolg mittlerweile überholt. Denn die Jahrgänge 2009 und 2010 sind derartig sensationell gelungen, dass diese ebenfalls zu den ganz grossen, historischen Sternstunden gehören werden. In etwa 15, vielleicht 20 Jahren, wenn diese den profundesten und dem entsprechend verwöhnten Pomerol-Kennern ins Glas gelangen werden.

Doch so kompliziert ist die Wahrnehmung des immensen Vergnügens denn auch für normale, offenherzige Bordeaux-Freunde nicht. Denn –  wer an diesem Abend die einmalige Chance hatte, an diesen, aus dem Pomerol heraus ragenden Wein-Obelisken zu riechen und dann diese schon fast überreichen, von vorwiegend Merlot gefüllten und mit Cabernet Franc ergänzten Nektars zu trinken, der hat sich ganz sicherlich sofort auf die Suche nach den noch wenigen Flaschen, welche sich noch im Markt befinden gemacht. So überwältigend waren gewisse Eindrücke der zugegeben noch zu jungen Weine.

Wie Belair, Hosanna, La Fleur-Pétrus und Trotanoy 2009 und 2010 schmeckten? Wie immer auf der «Zahlseite». Ich vergab an diesem Abend drei Mal 20/20! 


Gut drauf
in Zürich.


Christian Moueix mit dem sagenhaften Trotanoy 2009.

Das war der beste Wein des Abends.

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GELEGENHEIT MACHT TRIEBE

Wann haben Sie das letzte Mal an einem Abend Haut-Brion 2004, Margaux 2006, Mouton 2006, Cheval Blanc 2008, Pétrus 2006 und Yquem 1996 getrunken? Bei mir war dies am Mittwoch den 12. März der Fall. Dies während einem Wine & Dine im Restaurant Auberge Comunale in Belmont-sur-Lausanne.

Ausgeschrieben wurde dieser Event von der Mövenpick-Crew im Cellier Crissier. Und weil der erste Abend schnell ausgebucht war, «musste» ich das angenehm-mühsame Prozedere am Tag darauf wiederholen. Premiers können halt manchmal ganz schön anstrengend sein…

Natürlich werden die eingefleischten Weinfreaks denken, dass dies für fast alle Weine ein zu früher Moment war. Und ich muss diesen Kritikern uneingeschränkt recht geben. Doch machen solche vinösen Gräueltaten in gewisser Weise auch für mich einen traurigen Sinn.

Es ist heute nicht mehr so, dass ich nach der Primeurprobe x Gelegenheiten habe so teure Weine nach zu verkosten. Und so ergibt dies eine gute Möglichkeit Weine nach zu justieren. Mit den Punkten und mit der Genussreife. Viele der Kunden, welche teilgenommen haben, hatten so die Chance ihre eigene Flaschen zu «saven». Oder die Chance einmal im Leben einen Pétrus zu trinken. 

Weil die heutigen Tannine seit etwa 20 Jahren eine viel reifere und somit jung-angenehmere Konstellation aufweisen, tut das Ganze denn auch nicht mehr gar so weh. Ich glaube leider auch, dass nicht wenig Konsumenten die effektiven Genussreife gar nicht erwarten wollen, weil sie immer mehr die allgemeine Bordelaiser-Frucht des Weines schätzen als das spezifische Château-Terroir. Degustibus non es disputandum!

Die Verkostungsnotizen zu dieser Probe werde ich beim nächsten Release im Bxtotal-Dossier integrieren. Der beste Wein des Abends war der Château Margaux 2006! Der schwächste der wirklich sehr diskrete Pétrus 2006. Da hat auch das Magnumformat nicht mehr viel geholfen…

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HAUT-BRION 1964: EIN AUSLAUFMODELL

Wenn ein Serienprodukt nicht mehr hergestellt wird, dann ist es ein Auslaufmodell. Zwar wird jedes Jahr wieder ein Haut-Brion in Serie gemacht, aber es ist eine neue Produktion und hat mit früheren Produktionen nichts mehr zu tun.

So gesehen sind alle Haut-Brion’s und somit alle anderen Bordeaux und alle Weine auf der Welt Auslaufmodelle. Bei meinem Auslaufmodell vom Château Haut-Brion handelt es sich aber um ein einmaliges Exemplar von einem Auslaufmodell. 

Als ich nach den Ferien nach Hause kam und im Keller ein paar Flaschen für eine bevorstehende Degustation zusammen suchte, duftete es ganz fein nach Wein. Bei den Magnums angekommen, entdeckte ich eine grössere Weinlache. Innen war diese noch recht saftig, aussen hatte sie bereits klebrige Randkonturen entwickelt. Also muss der misteriöse Mordfall schon eine gewisse Zeit her liegen, konstatierte ich.

Ich holte einen Kessel, füllte ihn mit seifigem Wasser und wusch mit einem Lumpen und einer Bürste den Kellerboden wieder auf. Galt nur noch die wundersame Quelle ausfindig zu machen. Schnell wurde ich fündig. Bei den Haut-Brion’s lag eine Magnum vom Jahrgang 1964 ganz oben drauf und die obere Hälfte des Weinen im Innern fehlte. 

Da mich Dale Carnegie einst leerte, dass man nie über verschüttete Milch weinen sollte, verwendete ich diesen Leitsatz auch auf dieses Malheur. Ich stellte die Magnum auf  und sah, dass der Korken auf der verbliebenen Hälfte schwamm.

Am Abend tranken wir dann den Rest und er war noch ziemlich gut. Vielleicht gar etwas kräftiger, will sich das das Depot der Magnum auf die Menge einer Normalflasche verteilte. Die leichte Oxydation nahmen wir locker hin, weil immer noch genügend Pflaumen und Tabak diesen kleinen Makel kompensierten.


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EIN DUTZEND GÄSTE - ZWEI DUTZEND WEINE

Er feierte gleich zwei Mal im genau gleichen Restaurant, nämlich in Peter’s Freihof in Knonau. Einmal an seinem offiziellen Geburtstag ein paar Tage zuvor in einem grossen Zelt und noch einmal am Sonntag darauf an einem grossen Tisch. 

Ich war beim zweiten Mal dabei als der weinige Jubilar Victor Jans, welcher aus der Baubranche stammt, für rund ein Dutzend Gäste den sonntäglichen Mittagstisch aufdecken liess und eigenhändig mehr als zwei Dutzend Weine entkorkte. 

Es war ein buntes, aber doch einigermassen geordnetes Allerlei, welches zum vergnüglichen Degustieren, Probieren und Inhalieren einlud. Will heissen; es war keine analytische Raritätenprobe, sondern ein gemütlichen Beisammensein bei dem das Weinparlieren nicht zu kurz, aber auch das Gesellschaftliche nicht zu kurz kam. Denn nicht alle kannten sich zuvor und so hatte man die Möglichkeit sich auszutauschen und neue Freundschaften zu schliessen. 
 
Der Jubilar war in prächtiger Festlaune und machte auf der warmfrühlingshaften Terrasse ein kurzes Begrüssungsreferat, welches sich dann – durch die humoristisch ausgeschmückten Parolen, doch etwas hinauszog. Doch dann ging es unvermittelt zu Tisch. Jedes Paar hatte, nach ein paar mutierenden Turbulenzen schliesslich fünf Gläser vor sich und der sonntäglich-ausufernde Geburtstaglunch konnte beginnen.                                                  Gratis-Bericht

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CAMPO VIEJO ALS LÜCKENBÜSSER

In den Winterferien mieten wir uns immer eine Ferienwohnung, damit wir am Abend genau das trinken können, wozu wir Lust haben.

Heisst; im Handgepäck sind jeweils genügend Weissweine und Rotweine bauseits vorhanden. Leider schmeckte aber der 2007 Anima Negra (Mallorca) laktisch, respektive latschig und der 1994 Pichon-Lalande körkelte. Also ging die Mengen-Rechnung knapp nicht auf und ich besorgte mir autofreien Mürren im Coop zwangsweise einen wahrscheinlicherweise wohl mässigen Ersatz.

Ohne grosse Erwartungen entkorkte ich den für 13 Franken erworbenen 2010 Rioja Campo Viejo Crianza als Vorspiel. Sicherlich ist das ein ziemlich zurecht gemachter Wein, dachte ich mir. Das war dann auch (fast) so, aber er gab sich gefällig und solide zugleich. Er lag deutlich über meinen Erwartungen. Er war sogar gut. Besser noch - er war sehr, sehr gut.

Irgendwie haben zu viele ältere Weinfreunde (Gabriel inklusive) die Mega-Values der heutigen Rioja's irgendwie vergessen und sind auf Ribera-del-Duero-Brummer umgestiegen.   

Fazit: Nicht alles was superteuer ist - ist auch garantiert sensationell.
Und nicht alles was sehr günstig ist - muss zwingend belanglos sein!

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Ein Weinblick besonderer Klasse!

Ein Must in der Region Krems; der Heurige von Manuela und Markus Grafinger in Senftenberg


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DER VELTLINER 333 VON FRANZ TÜRK

Es gibt manchmal – aus einer Laune der Natur – Weine, welche sich nicht einordnen wollen oder einordnen lassen. Eine besondere Charge von einem Grüner Veltliner wollte einfach nicht richtig gären…

Der Winzer Franz Türk (Stratzing, Kremstal) entschloss sich der Natur einfach ihren Lauf zu lassen und den Wein so anzunehmen wie er war. Das war im Jahr 2001. Was damals passierte war ein Erstling, welcher nie vermarktet wurde. Und immer wieder passierte Ähnliches mit denselben Chargen. Er setzte diesen Sonderwein jeweils seinen besten Kunden vor und auch internationalen Fachleuten. Es zeigte sich, dass es sich dabei um einen zwar speziellen Veltliner handelte, welcher aber seine initiale Frische lange behielt und somit ein aussergewöhnliches Lagerungspotential aufwies. Nach einer Dekade von Lehrjahren mit diesem Produkt entschloss er sich, mit dem Jahrgang 2011 den Wein öffentlich zu lancieren. 

333: EINE TRILOGIE VON DREI DREIEN

Die Selektion des mit «Veltliner 333» benannten Weissweines geschieht aus der Kremser Sandgrube, dem Kremser Thurnerberg und der Kremser Frechau. Unterschiedliche Orte, aus unterschiedlichen Böden mit unterschiedlichen Kleinklimas. Das ist das Rezept. Nach einer 18stündigen Maischezeit wird der Most ohne jegliche Temperaturkontrolle spontan vergoren. Dabei wird die Hefe in regelmässigen Abständen über die rund 14 Monate dauernde Ausbauzeit aufgerührt. Vier Montage nach dem Abzug des Hefelagers wurde der Wein mit minimaler Schwefeldosage in 1380 Flaschen gefüllt. Franz Türk ist stolz auf seinen Wein und verlangt dafür auch einen stolzen Preis, nämlich 75 Euro. Der Name 333 wurde ja mit seiner Herkunftstrilogie vom Terroir her ausreichend erklärt. Doch es gibt auch eine musische Parallelherkunft. Johann Strauss hatte im Jahre 1869 den Walzer 333 (Wein, Weib und Gesang) komponiert.

EIN WEINIGES CHAMÄLEON

Das Telefon klingelte. Am anderen Ende war Franz Türk. Er hätte da einen neuen Wein und den würde er mir gerne in der Schweiz mal zeigen, wenn ich Zeit hätte. Dafür müsse er nicht extra in die Schweiz reisen, meinte ich zu ihm. Ich käme am Nachmittag schnell auf dem Weingut vorbei. Ich war nämlich zufällig grad in der Region und hatte auf dem Weg zum Flughafen nach dem vorletzten Weingut noch eine halbe Stunde Zeit. Zufälle gibts!

In den vergangenen vier Tagen degustierten wir viele Weine vom Jahrgang 2013. Nach diesen pfeffrig-fruchtigen Weinen war es fast ein kleiner Kulturschock, diesen zwei Jahre älteren und wesentlich anders vinifizierten «333er» zu verkosten…

2011 Grüner Veltliner 333, Weingut Türk: Leuchtendes, intensives Gelb. Das Bouquet beginnt milchig, also noch feine Malospuren von der Apfel-Milchsäuregärung aufweisend. Dann folgen gelbe Früchte, helles Tabakblatt, salzige Konturen, Kräutertöne und feine Strohnoten, feinduftig, facettenreich, alles mit ausladendem aber mit mittlerem Aromendruck. Die Grundaromatik ist mit einem Bein noch im Grün-Veltlinerbereich, mit dem anderen Teil erinnert das Nasenbild schon tendenziell an einen fein laktischen Chablis. Und im Gaumen geht es dann genau so weiter, auch hier feine Strohnoten, gelbe Butter. So könnte man fälschlicherweise annehmen, dass der Wein im Holz und nicht im Stahltank ausgebaut wurde. Die degustierte Flasche war einen Tag offen und schwankte permanent zwischen fruchtiger werdend und dann wieder mit einem delikaten Manzanilla-Schimmer aufwartend. Der 333 ist kein Blockbuster, sondern irgendwie ein elegante Miss-Stratzing-Molly. Sicherlich kein Wein für Fruchtjunkies, sondern eher ein Wein, welcher in Verbindung mit passenden edlen Speisen in Hochform kommt. Man darf auch gespannt sein, wie er sich – mit guter Garantie – weiter entwickeln wird. Dekantieren von Vorteil. 18/20 trinken





Edles Design für seinen GV-333!

Der Kremstaler Winzer Franz Türk. 











www.weinguttuerk.at

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NEW ZEALAND PINOT NOIR AUF GRAND-CRU-NIVEAU!

Vom Hörensagen wissen flexible Burgunder-Fans, dass es in New Zealand ein paar ganz besondere Pinot Noir’s geben soll. Einige haben sich bereits auf Entdeckungsreise gewagt, andere probieren dann und wann einen burgundischen New-Zealänder. 

Wer auf Nummer sicher gehen will und den Pinot Noir in allen Facetten liebt, der ist bei der Felton Road Winery genau richtig. Dieser, von Walter Blair gegründete, heute biodynamische Betrieb in Bannockburn (Central Otago) ist ein Garant für riesigen Pinot-Spass von Villages bis Grand Cru – müsste man denn diese Weine unbedingt mit dem Burgund vergleichen.

Spätestens dann, wenn man aber Vergleiche zum Burgund in den obersten Etagen anstellt, so wird es für Felton Road völlig unromantisch. Haben die besten Reblagen in der Côte de Nuits musische Namen wie «Chambertin» oder «Musigny», so ist die rudimentäre Bezeichnung für die Toplagen von Felton Road lediglich «Block 3» oder «Block 5».

Wer aber die Chance hat von diesen schon fast ausserirdischen Pinot Noir’s zu verkosten, weiss, dass er Weltklasse im Glas hat. Und dass der Jahrgang 2012 dort besonders gut gelungen ist, merkt man daran, dass alle Felton Road Pinot Noirs wunderbar schmecken.

Ich war mit Freunden da, an einem Freitagnachmittag. Und wir sind mit dem Assistant Winemaker Mike Wolfenden durch die Rebberge gelaufen, haben die Keller besichtigt und die ganze Palette vom Jahrgang 2012 rauf und runter verkostet. Ein Pinot lag fast 20/20! Die ganze Story ist auf bxtotal.com 
                                                                               

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1998: EIN HEROISCHER  POMEROL-JAHRGANG 

 Normalerweise profitieren die Weine vom rechten Ufer meist von den «Linken». Will heissen; sind die grossen Weine vom Médoc sehr gut gelungen, profitieren alle anderen Regionen vom generellen Ansehen dieser Grand Crus. Denn der Cabernet Sauvignon macht jeweils die Musik und sorgt für Stimmung im Markt. Beim Jahrgang 1998 war es umgekehrt. Die ganz hohen Noten wurden in Saint Emilion und Pomerol verteilt.

Und wenn ein Jahrgang ganz gross ist, dann sind auch die kleineren Weine gross. Wobei die Summe der allerbesten Weine auf, und auch ausnahmsweise in auffallender Form, rund um das berühmte Plâteau zu finden sind. 

Also gilt hier die Appellationsregel, dass in einem solchen Fall auch die kleineren, weniger angesehen Weingüter vom Wetterglück profitieren können. Und genau dies bewies unsere Weinprobe, welche an einem genussvollen Samstagabend, in Begleitung von passenden Speisen im Restaurant Sempacherhof (Sempach-Station) im Kanton Luzern statt fand

Eigentlich war es eine Degustation, aber wenn die Weine praktisch reif sind, dann weicht das analytische dem Vergnüglichen.

Dank der Vielzahl an ganz grossen Pomerols ärgerte sich auch niemand über die drei Korkausfälle von Château Plince, Vieux Château Certan und Pensées de Lafleur. Die Weine wurden in Sechser-Serien unterteilt. Insgesamt standen 18 Pomerols vom Jahrgang 1998 auf dem Programm.

Wer enttäuschte und wer gewann und welchen Wein man unbedingt noch suchen müsste...                                                                 www.bxtotal.com

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CHATING LADY

Da war an irgendeiner hier nicht genannten Weinprobe eine Dame dabei, in noblem Schwarz gekleidet. Irgendwie eingeladen und vielleicht nicht so richtig Wein liebend. Der Name der Dame spielt keine Rolle. 

Als wir zur zweiten Serie schritten, bemerkte ich zur Tischrunde, nach langer Pause, dass man jetzt die Weine austrinken oder halt in den Champagnertopf entsorgen sollte. 

Sie wollte neue Gläser. Ich sagte das ginge nicht, denn wir hätten ja insgesamt mehr als ein Dutzend Weine. Wenn alle das wollten, dann bräuchten wir weit mehr als hundert Gläser für unseren doch relativ kleinen Tisch. (Und zudem hätte man ja genügend Zeit gehabt sich den Weinen zu widmen. Wenn man sich darauf konzentriert hätte, dachte ich für mich…)

Mürrisch leerte sie alle drei Weine aus. Auch den sagenhaften 28er Gruaud-Larose. Getrunken hatte Sie dabei fast nichts. Bei der zweiten Serie wiederholte sich das Spiel. Ich schielte schon lange auf das dritte Glas mit dem 1945er Pétrus und wagte mich aber nicht zu fragen, ob ich diesen eventuell – Zwecks Inhalation – «leasen» könnte.  Also wurde auch der ausgeschüttet. Für die sagenhaft grossen und dem entsprechend auch sehr teuren Weine hatte Sie den ganzen Abend lang fast keine Zeit, weil; sie musste sich permanent mit der Aussenwelt verbinden und das ist halt nur mit einem Handy in der Hand möglich. 

Zu bemerken ist noch, dass sie very High-heals-Schuhe hatte, also solche mit besonders langen Absätzen. Die diese waren etwa so lang, wie der Abgang vom 1959er Ducru Beaucaillou… 

Bei dritten Flight beobachtete ich sie genau. Sie trank exakt von den beiden Weinen einen Schluck welche ich bemängelte (1945 La Conseillante und 1959 Château Margaux). Den sensationellen Gruaud-Larose 1959 liess sie schnödend stehen. Auch da hätte ich gerne gefragt, ob ich diese Ration haben dürfte. Aber ich wollte kein Benzin in das Feuer giessen, den ich spürte, dass sie mich nach wie vor auf dem Keks hatte, weil sie nicht immer wieder neue, zusätzliche Gläser bekam. 

Schlussfolgerung aus dem Ganzen: Wer während einer Weinprobe viel chattet, braucht länger zum Degustieren. Und mehr Gläser…

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ANFRAGE EINER BEKANNTEN GASTROGRUPPE

Sehr geehrter Herr Gabriel

Wir sind gerade daran eine Handhabung für Zapfenweine zu erstellen. Gehören alle Zapfenweine in die Küche?!? Aus diesem Grund wollte ich Sie kurz um ein Statement bitten.

Vielen herzlichen Dank für Ihre Hilfe.

ANTWORT RENÉ GABRIEL

Ein Wein hat ein Korkfehler oder nicht! Hat er Korken, dann hat er einen bestimmten Grad der Wahrnehmung. Ein Korkfehler variiert von 1 bis 100 %.
Die menschliche Wahrnehmungsschwelle ist individuell und beginnt so ab 3 %. Korkt ein Wein dramatisch, so ab in den Schüttstein. Korkt er nur minim, so kann er in der Küche verwendet werden. Aber bitte nicht im à la carte Bereich, sondern nur für lange geschmorte Gerichte. Und dann bitte nicht nur korkige Weine verwenden, sonst bekommt das Gulasch plötzlich «Zapfen»   

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BESTECKSALAT

Hand aufs Herz: Würden Sie einem Kind ein Erwachsenenbesteck in die Hand drücken, damit es seine Mahlzeit essen kann? 

Habe ich recht? Sie haben im Kopf mit Nein geantwortet. Andere Frage: Warum zwingt man denn uns Erwachsene mit Kinderbesteck zu essen? 

Das war nicht immer so. Zu Neandertalerzeiten assen die Menschen noch mit dem Finger und tranken mit der hohlen Hand. Im Laufe der Evolution wurden Stöckchen und Knochen, Schnecken und Muschelschalen gebraucht; aus letzteren entwickelte sich schliesslich schon recht früh in der Menschheitsgeschichte der Löffel. Das Wort stammt übrigens vom altdeutschen Wort «Laffe» her, also der Lippe, bzw. für «laffen», was so viel wie lecken oder schlürfen bedeutet. 

Die Römer entwickelten dann eine Art Gabel, welche aber eher zum Aufspiessen von klebrigem Konfekt und Obst diente, damit man sich nicht die Finger schmutzig machen musste. Es versteht sich, dass dieses «Luxusinstrument» lange nur der Oberschicht diente. 

Dass man heute mit Messer und Gabel isst, scheint eine relativ junge Sitte zu sein. In Europa setzte sich diese Esstugend erst im 19. Jahrhundert um. Ja und seither treibt diese Tugend in ausuferndem Masse seine Stilblüten…

Gehen Sie mal in einen professionellen Besteckladen. Unglaublich was es da alles in verschiedenen Varianten und Grössen gibt. Die Grundregeln sind klar: Je stylischer, desto unhandlicher. Insofern hat die Besteckindustrie eines mit Damenschuhen gemeinsam. Es muss nicht praktisch sein, sondern einfach nur geil aussehen. Grundregel: Nur möglichst wenig Normales anbieten, denn da ist der Preisvergleich zu gross. 

Zugegeben – Besteck einkaufen ist keine Männerdomäne. Und das geht so: Die Frau geht in ein solches Fachgeschäft und sie weiss genau was sie will! Sie findet etwas Ähnliches, was ihr aber ganz und gar nicht gefällt. Dann geht sie das ganze Sortiment durch (211 Varianten) und findet, dass das von ihr ausgewählte Geschäft ein «Scheissladen» ist und verlässt ihn empört. Bereits nach zwei Stunden. Nach drei weiteren Geschäften, welche noch schlimmer waren, kehrt Sie reumütig zurück und nimmt jenes Besteck, welches ziemlich nahe an ihre Vorstellungen heran kam und… findet es jetzt viel schöner als beim ersten Mal, was den Kaufentscheid wesentlich erleichtert. Sie kauft Gabeln in zwei Grössen (Vorspeise Hauptspeise). Messer in zwei Grössen (Vorspeise und Hauptspeise) und Löffel in vier Grössen (Hauptspeise, Suppe, Kaffee und Espresso). Je 12 Stück. 

Ich habe da ein absolut klassisches Beispiel geschildert. Vor allem nicht, was die beim Einkaufen geschilderte Dame betrifft. Nein – das ist ein Einzelfall. Dass es weitere solche Frauen auf der Welt gibt, wäre ja ein unglaublicher und somit reiner Zufall. Nein – ich meine das generelle Bestecksortiment.

Und wie sieht das ganze in der Praxis aus? Das Beispiel eines, für mehrere Gänge gedeckten Tisches sieht man oben im Bild. Was ist die Folge? Männer mit währschaften Händen werden vom althergebrachten System gezwungen mit Kinderbesteck zu essen. Dies ergibt für mich keine Logik. Nur weil jetzt bei einer Vorspeise etwas weniger auf dem Teller ist, muss ich da doch keine Gabel und auch kein Messer nehmen, welches zwar stromlinienförmig gegossen ist, aber überhaupt nicht in der Hand, respektive in den Händen liegt. Wenn es denn so ist, dass man immer, wenn sich wenig auf dem Teller befindet, man zu der kleinen Gabel und zum kleinen Messer greifen muss, dann wäre man ja bei sehr vielen Spitzenköchen permanent gezwungen, mit dem Liliputanerbesteck zu essen.      

Ich hasse das! Demonstrativ esse ich die Vorspeise immer mit einer richtigen Gabel und mit einem richtigen Messer. Also greife ich bei einem Mehrgänger schon beim ersten Teller zum «grossen Besteck». Wird dann der Teller abgetragen, schaut mich das Servicepersonal an wie ein Neandertaler. Räumt dann aber sogleich das kleine Besteck weg und trägt mir wieder ein Grosses auf. Ziel erreicht! 

Fazit: Wenn Sie das nächste Mal neues Besteck kaufen, dann kaufen Sie sich einfach viele grosse Gabeln und viele grosse Messer. Dann haben Sie für jede Party genügend Besteck und auch in der Besteckschublade sieht es übersichtlicher aus. Und genau so ist es mit den unsinnig vielen Weingläsern...

Ein Glas reicht: das Gabriel-Glas!        

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CHINA UND BORDEAUX

Darüber wurde schon viel geschrieben und auch viel spekuliert. Und nicht wenige europäische Weinfreunde sind verärgert über die Chinesen. Sie kaufen uns das Beste vor der Nase weg und haben die Preise nach oben getrieben. Wenn man den gleichen Wein in Zürich, in London oder in Hong Kong versteigert, so ist das schon lange nicht mehr das Gleiche.

Wer sich hierzu ein umfassendes Bild machen will, der soll sich den Film «Red Obsession» anschauen. Er zeigt die komplexe Situation auf und es wird auch deutlich dokumentiert, dass der Hunger, respektive der Durst nach grossen Weinen im asiatischen Raum in Zukunft rasant steigend sein wird. 

Wenn das stimmt, was dort als Zukunftsversion in diesem aufstrebenden Weinkonsumations- und auch Weinproduktionsland der Fall sein wird, dann kommt auf uns Folgendes zu:

Momentan liegt der pro Kopfverbrauch von Wein bei den Chinesen bei weniger als einer Flasche Wein pro Jahr! Man vermutet, dass dieser Konsum signifikant steigen wird. 

Steigt der Konsum genau so an, wie vermutet wird, so reicht bereits in fünf Jahren die in der Welt produzierte Menge Wein nicht mehr aus, um die Nachfrage alleine auf dem Chinesischen Markt zu decken.

Anderseits herrscht momentan in China eine regelrechte Anbauschlacht. Momentan ist China bereits auf Platz vier der gesamten Weinanbaufläche der Welt. Man vermutet, das China in wenigen Jahren auf Platz Eins sein wird. Momentan werden unter anderem sogar in der Mongolei Trauben angebaut. 

Ganz besonders hat mir ein Japanischer Investor im Film Red Obsession gefallen, welcher in Bordeaux ein mir völlig unbekanntes Château gekauft hatte. Er hätte jetzt Leute von Mouton und Lafite engagiert und würde auch in denselben Barriquen ausbauen. Zudem würde er für seinen Wein ganz teure Korken verwenden. Wie heisst es so schön: «Wunder dauern etwas länger…»   


Spannend ist bei dieser aktuellen Anbau-Tabelle der Umstand, das Rumänien am wenigsten Wein aus dem Boden heraus holt. China liegt mit 24 hl/ha mehr halb so tief wie Frankreich. Die Weltmeister in «Weinproduktionseffizienz» sind die Australier. Die DownUnders deklarieren volle 85 Hektoliter Wein pro Hektar Rebfläche. Also macht man dort - etwas süffisant analysiert - aus einer normalen Flasche eine Magnum... 

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FARMER STATT FIGEAC

Ich war von Anfang an dagegen. Und deshalb habe ich auch Nein gestimmt. Aber trotzdem hat ihn das Schweizer Volk angenommen. Den Grippen. Es gibt ihn nämlich in der Einzahl wie auch in der Mehrzahl.

Beim einzähligen Grippen geht es um einen schwedischen Kampfjet. Den will das Schweizer Volk offensichtlich. Bei dem Plural geht es um mehrere Grippen. Solche haben wir jetzt gerade. Und weil Karin eine Grippe hat und ich auch – so haben wir halt zusammen Grippen. Es scheint sich bei uns beiden nicht um die genau gleiche Art zu handeln. Während ich wie ein alter Hund in der Ecke liege, ist meine Karin noch von erstaunlicher Vitaliät, wenn auch in reduzierter Form…

Ja und genau heute, an diesem Samstag hätte ich die besten Bordeaux vom Jahrgang 1982 im Schloss Prielau (A) degustieren und vorstellen dürfen. Mein Weinfreund Werner Feldner hatte mich da engagiert. Ein paar Tage zuvor mailte ich ihm, ob er da vielleicht nicht noch einen Plan B hätte, weil ich geschmacklos flach liegen würde. Glücklicherweise sprang dann Jan Eric Paulson für mich ein. Auch ein Weinfreund. Ein sehr kompetenter und auch unterhaltsamer. Er kann das ganz bestimmt. So trinkt er halt für mich den Figeac (Bordeaux) und ich derweilen das Farmer (Mineralwasser).  

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NIE ENDENDE ALKOHOLDEBATTE RUND UM DEN WEIN

An anderer Stelle habe ich es auch schon erwähnt. Ja es gab früher ein paar ganz grossartige Bordeaux mit relativ wenig Alkohol. Diese stammten alle aus dem Médoc und waren Cabernet-lastig.

Die Ausnahme bestätigt aber die Regel nicht ganz. Denn ein einstiger Romanée-Conti-Besitzer (J.M. Duval-Glochet 1822 bis 1868) definierte die Qualitäten seiner Weine nach dem Alkoholgehalt: 

-  11,5 %, kaum passabel

-  Weine mit 12 %, kann man anständige, marktfähige Weine machen

-  mit 12,5 % über dem Durchschnitt

-  bei 12,75 % lebendige, feste und rubinfarbige Weine

-  mit 13 % und 13,5 % macht man grosse Weine ,

-  bei 14, 14,5, 15 und 15,5 %...
   macht man ganz aussergewöhnliche, unvergleichliche Weine.

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CHÂTEAU LYNCH-BAGES – BESSER ALS EIN CINQUIÈME

Von wegen «Mouton des armen Mannes»! Denn so wurde der Lynch-Bages früher manchmal unter Weinfreaks proklamiert. Dieser omni-populäre Pauillac wurde im veralteten Klassement von 1855 als fünftes Gewächs eingestuft. In nicht wenigen Blindproben hat er sich aber schon sehr oft gegen die eigene, höher klassierte Appellations-Elite etabliert. 

An diesem Abend waren honorige Weinkenner am Tisch und so brauchte es nicht lange Erklärungen, um  beispielsweise festzustellen, dass eine wunderbar gereifte Magnum Lynch 1966 heute viel besser schmeckt als die viel teureren Lafite oder Mouton des gleichen Jahrganges. Dies bei ziemlich relevantem Preisunterschied. Und – es gäbe zig weitere Beispiele, um das heute mögliche «Upgrade» von Lynch-Bages zu fordern.

Braucht Mann aber nicht. Ein gut dotierter Bordeauxkeller ohne Lynch-Bages ist nun eben halt mal ganz und gar kein gut ausgestatteter Bordeauxkeller!

Und selbst, wenn Mann und Frau zwar Wein lieben, aber nichts davon verstehen: Wer seinen Gästen bei einer Einladung einen trinkreifen Lynch ins Glas füllt, bräuchte dazu gar nicht grossartig zu kochen. Es wäre bereits ein garantiert gelungener Abend. 

Wenn aber ein paar grosse, genussreife Lynch-Jahrgänge serviert werden und parallel grossartige Küche aufgefahren wird, dann ist es ganz sicher ein unvergesslicher Weinabend.  

Genau so passiert im Restaurant 20/20 an der Nüschelerstrasse 1 in Zürich. Am Tisch: zehn «BBC» und vier weitere Gäste aus der bekannten Weinszene.

BBC – nennt sich eine Gruppierung von Weinfreunden aus der Region Luzern. Dieser Begriff kommt im Google auf sagenhafte 171 Millionen Treffer! Freilich sucht man da vergeblich einen Zusammenhang mit Wein, sondern wird fast gänzlich auf die British Broadcasting Corporation gelenkt. Gibt man dann konkret Best-Bottle-Circle ein, so kommt man auf 30'000 Treffer und - an oberster Stelle - direkt zur Homepage.

Aber nicht nach Luzern, sondern nach Zürich… Gibt man konkretisiert als vierten Suchbegriff nach Best-Bottle-Circle «Luzern» ein, dann steigt die Trefferquote auf über 2 Millionen.

Nur fündig wird man dann doch nicht. Also scheinen sich die «weinigen Herren» im Geheimen zu treffen und wollen deren lose Vereinigung auch nicht an die grössere Tannin-Glocke hängen. Gastgeber war diesmal Guido Egli – ein in house Event also, denn er ist gleichzeitig auch CEO von Mövenpick…   
                                                                  Wie die Weine schmeckten

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Der richtige Wein mit der passenden Frau.                         Geht doch!

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Wine & Dine im neuen THE CHEDI in Andermatt.                 Gratisbericht

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DIFFAMIERENDES, UNFAIRES PICHLER-INTERNET-MOBBING

«FX» ist ein Brand! Heisst mehrere Brands. Und ein Brand ist eine Marke. Genau so wie Coca Cola, Novartis, Mc Donalds, Google, Ford, Canon, Kleenex, Colgate, Mövenpick, Samsung oder halt FX.

Momentan funktioniert es mit dem FX-Brand nicht grad so richtig. Warum? 

Es geht um das Weingut FX-Pichler aus der Wachau. Seit dem Spätherbst 2013, genau zwei Jahre nach deren Vergärung wurden die Weine des Jahrganges 2011 vom Brand FX-Pichler verunglimpft. Zuerst im Netz, dann in immer grösser werdenden, wuchernden lokalen Weinzellen.   

Ein paar ziemlich unverblümte, dem Wein in irgendeiner Weise zugetane Blogger, posteten verunglimpfende Voten, welche den Eindruck hinterliessen (oder hätten hinterlassen müssen…), dass es sich dabei um praktisch untrinkbare Weine handle, die gesamte Produktion nicht gut sei und man am gescheitesten «das Zeugs» kistenweise zurückschicken solle.

Es sei ein komplettes Desaster, was da in die Flaschen gefüllt worden ist.

Ich habe mir die Mühe genommen, dieser üblen Sache auf den Grund zu gehen!

Ohne jeglichen Freundschaftsbonus. Aber mit sehr gutem Resultat. Genau so wie ich es meine und fühle und irgendwie auch schon im Vorfeld vermutete.

Dabei habe ich die unfairen Kritiker in der Analyse mehr geschont, als diese es verdient hätten. Ich will mich mit den teilweise sehr gut bekannten, langjährigen Weinfreunden nicht anlegen. Es geht mir immer in erster Linie um den Wein und erst dann um die Menschen. Aber auch die Menschen bekommen bei mir eine zweite Chance, wie der Wein.

Die Weinfreunde die ich hier meine, werden sich hier wohl angesprochen fühlen. Ihr müsst Euch auch nie bei mir entschuldigen. Aber eine derartige Geste dem Lucas Pichler gegenüber, wäre mehr als angebracht. 

Ihr habt ja jetzt genügend Zeit darüber nachzudenken. Bis zum nächsten Schluck Riesling Kellerberg 2011 in etwa fünf Jahren! 


Die FX-Pichler-Weine des Jahrgangs 2011 werden momentan in einer bisher beispiellosen Internetkampagne diffamiert. 

Vorwiegend via Facebook.

Bild: Lucas Pichler

Der grosse Bericht auf
11 Seiten!!!

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MERLOT-COMPETITION: PÖCKL, REDIGAFFI, VINATTIERI, PÉBY FAUGÈRES

Als im Jahr 1855 das damals spektakuläre und leider auch heute noch gültige Bordeaux-Klassement festgelegt wurde, spielte der Merlot eine ganz grosse Gebietsüberschreitende Rolle. Was wenige wissen; während heute die damals prämierten Weingüter vom linken Ufer mehrheitlich von Cabernet Sauvignon im Blend geprägt sind, war der Merlot damals im Médoc die Hauptrebensorte!

Es gibt zwar offensichtlich eine erste Erwähnung der Merlots im 14. Jahrhundert, doch benannte man ihn damals noch als Crabatut noir. Die heutige Bezeichnung Merlot wird mit dem Jahr 1784 erstmals vermerkt. Eine erste komplette Beschreibung der Sorte wurde von Victor Rendu im Jahr 1857 in seinem Werk «Ampéliographie française» veröffentlicht.

Wer die Eltern des Merlots sind, weiss man aber erst seit 2009! Die Mama war die heute nahezu ausgestorbene Rebsorte Magdeleine Noire des Charentes. Und als Papa wird der Cabernet Franc angegeben.

Auf die grösste Merlot-Erfahrung kann somit fraglos das Bordelais zurückblicken. Im Tessin wurde der Merlot um 1904 erstmals angebaut. In Italien lancierte Castello di Ama mit dem Jahrgang 1985 erstmals einen reinsortigem Merlot und im Österreich war es die Familie Pöckl mit dem Jahrgang 2000. 

Doch lassen wir die Geschichte jetzt ruhen. Es geht um den neuen, modernen Merlot. Um den Merlot der aktuellen Zeit. Und um Winzer, welche – im Gegensatz zur Historie dieser beliebten Traube – relativ neu im Geschäft sind… 

EUROPEAN-MERLOT-CHAMPIONS-LEAGUE

Geniessen Sie, umrahmt von einem Fünfgang-Gourmetmenu, vier der besten Merlot-Weine Europas. Alle Produzenten (Péby Faugeres, Tua Rita Redigaffi, Pöckl Merlot, Zanini Vinattieri) sind vor Ort und präsentieren vier ihrer grössten Jahrgänge des letzten Jahrzehnts.
Ein freundschaftlich, genussvoller Wettkampf. Und Sie sind die Jury!

Mit diesen Sätzen lud Weinfreak Baschi Schwander (im Bild oben) Webseite:  http://www.mybestwine.ch ins mittlerweile ziemlich weinig gewordene Restaurant Old Swiss-House nach Luzern. 

Drei Dutzend Weinfreunde liessen sich diese Gelegenheit nicht nehmen und auch die Winzer trabten an: Aus Frankreich; Silvio Denz von Château Faugères (Saint Emilion). Aus Italien Stefano Frascolla von Tua Rita (Maremma). Aus Österreich René Pöckl vom gleichnamigen Weingut Pöckl aus Mönchhof (Burgenland) und Luigi Zanini aus Ligornetto (Tessin).

Die Weine wurden blind verkostet. Bevor die Reihenfolge aufgedeckt wurde, fragte Sebastian Schwander jeweils nach den Publikumslieblingen und zog dann die Alufolie von der damit eingewickelten Flasche. Oft mit Wow-Publikums-Effekt!

Der Bericht über die mitunter besten Merlots der Welt:  www.bxtotal.com

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DER MERLOT IST FAST GOOGLE-LEADER

Nur noch der Pinot Noir landet mit 8'190’000 mehr Treffer im Google wie der Merlot, welcher um 8’170’00 Anzeigen nur ganz leicht hinter dem Pinot Noir liegt. Erstaunlich ist, dass der weltberühmte Cabernet Sauvignon mit 5’540’000 Informationen schon deutlich dahinter liegt. Dann folgt mit 3'750’000 der Syrah. Wobei zu bemerken ist, dass der englische Begriff dazu, nämlich der Shiraz, es dann auf 5'800’000 Treffer bringt. Würde man diese beiden gleichen Traubensorten addieren, so wären diese an der Spitze. Der Malbec liegt bei 3'120’000 und der Cabernet Franc bei 1'580’000. Unter einer Million Treffer; der Petit Verdot.

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CHINESISCHE TAGESSUPPE

Auf dem Bild oben ist mein ehemaliger Lehrlingskollege Kurt Schwarz zu sehen. Wir haben gemeinsam vor 40 Jahren im Hotel Gütsch in Luzern die Kochlehre gemacht. Jetzt ist der Head of Hospitality Service vom riesengrossen Hong Kong Jockey Club. 

Er lud uns ins beste Restaurant dieses Clubs ein, als wir ein paar Tage in Hong Kong waren. Und weil man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut, isst man alles brav auf. Es war ja auch köstlich, wenn auch zum Teil zuweilen für europäische Gaumen etwas ungewöhnlich. Nicht grad vom Geschmack her, sondern von den Ingredienzen. 

Als dritten Gang gab es Schlangensuppe! Schmeckte ganz artig und war für mich eine Premiere. Immerhin besser als das zähe Krokodilfleisch welches ich mal in Australien kaute. 

Um welche Reptiliensorte er sich da bei der Schlange handelte wollte mir Kurt partout nicht sagen. Muss ein kleineres Vieh gewesen sein anhand den ziemlich feinen Fleischfäden...   

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CHÂTEAU PHÉLAN SEGUR IM GASTHAUS SEMPACHERHOF 

Es ist wäre eigentlich ein stinknormaler Montag im Januar. Doch für 77 Weinfreunde ist es ein spezieller Montag. Denn der Besitzer Thierry Gardinier gibt sich die Ehre und kommt ins Gasthaus Sempacherhof. Und er präsentiert seine Weine vom Château Phélan Ségur und begeistert das Publikum mit neun Jahrgängen. 
 
Ein Irländer legte das Fundament zu diesem heute sehr beliebten Weingut in Saint Estèphe. Bernard Phélan reist im Jahr 1800 nach Bordeaux, verliebt sich in eine Tochter des Bordeaux-Négociants Daniel Guestier und kommt so zum Wein. 

Bernard Phélan kauft im Jahr 1805 das Weingut Clos du Gamarey und fünf Jahre das Château Ségur de Cabanac. Er tauft die Domaine um in den Namen Château Ségur de Gamarey. Nach seinem Tod im Jahr 1841 übernimmt sein Sohn Frank Phélan das Ruder. Rund 30 Jahre ist Frank auch noch Gemeindepräsident von Saint Estèphe. 

Nicht genau belegt ist die Zeit danach. Es sind französische Besitzer, welche im Jahr 1900 den heutigen Namen lancieren.

Im Jahr 1985 kauft die Familie Gardinier Phélan Ségur. Dies, nachdem diese aus dem erfolgreichen Champagnergeschäft aussteigen und die Marken Lanson und Pommery an den Louis-Vuitton-Moet-Hennessy-Konzern (LMVH) verkaufen. 

Die neuen, besseren Qualitäten unter der Ägide der Gardiniers kommen im Markt gut an und heute ist Phélan Ségur als nicht klassiertes Grand-Cru-Gewächs sehr erfolgreich im Markt positioniert.

Phélan Ségur besitzt heute eine Fläche von rund 100 Hektaren. Davon sind 70 Hektar als Reben bepflanzt. Der Grand Vin macht den Löwenanteil aus. Rund 250'000 (eine Viertelmillion!) Flaschen Château Phélan-Ségur werden in einem normalen Jahr erzeugt. Vom Zweitwein Frank Phélan werden rund 100'000 Flaschen abgefüllt.   

Am Sempacherhof-Weinabend wurden die Jahrgänge 1989, 1995, 2000, 2002, 2004, 2005, 2006, 2008 zelebriert. Ich habe meine Eindrücke mit einer kürzlich gemachten  Vertikaldegustation vermischt, welche ich mit der Direktorin Veronique Daussé auf dem Château machte. Die dynamische Dame ist übrigens auf einem Video-Clip auf Youtube zu sehen.

DER DRITTE PHÉLAN SÉGUR HEISST LA CROIX BONIS

Thierry Gardinier war der erste Weingutsbesitzer welcher – nebst einem Zweitwein – sogar noch einen Drittwein einführte. Was nicht heissen will, dass nicht auch andere Bordelaiser Winzer gewisse Chargen deklassieren. Meist landen solche nicht definierte Drittweine als lose Ware bei einem Négociant, welcher diese einem Markenwein beimischen und unter eigenem Brandnamen vermarkten.

Der Drittwein heisst La Croix Bonis. Es soll ein einfacher, sofort geniessbarer Saint Estèphe sein. Diese Kreation ermöglichte es, den Zweitwein besser zu selektionieren und ihm eine ansprechendere Qualität zu ermöglichen.   

Was gelungen ist – denn der 2008er Frank Phélan (also der Zweitwein) kam im Sempacherhof als roter Apero zum Elsässer Flammkuchen sehr gut an. 

Dabei werden ganz bewusst keine neuen Barriquen zum Ausbau verwendet. So könne man den ursprünglichen Geschmack besser erkennen. Denn Zweitweine werden in der Regel sehr jung getrunken und da störe die zu eichige Beilage, so Gardinier.                       
                                     Der Bericht ist wie immer auf www.bxtotal.com

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TE KOKO – CLOUDY BAY’S BESTER SAUVIGNON BLANC
 
Der normale Sauvignon Blanc ist mit 60 % Umsatzanteil die Cash-Cow von Cloudy Bay. Der Rest verteilt sich auf zwei Schaumweine, einen Chardonnay, zwei Pinot Noirs und einen süssen Riesling. 

Was nur wenige wissen, diese angesehne New-Zealand-Winery aus Marlborough stellt einen ganz besonderen Sauvignon Blanc mit dem Namen Te Koko her. 

Zunächst mal zu den Besitzverhältnissen: Cloudy Bay gehört zu dem riesigen Weltkonzern LVMH. Der Brand besitzt mehr als 60 verschiedene Firmen im Luxusbereich. Die Sparten sind Mode, Parfüme, Kosmetik, Uhren, Schmuck. Rund ein Drittel aller Geschäftsbereiche entfallen auf Wein. Moet & Chandon, Dom Perignon, Mercier, Krug und Ruinart bilden den Champagnerteil. Weiter: Glenmorangie (Whisky), Belvedere (Vodka), Domaine Chandon (Kalifornien), Bodega Chandon (Argentinien), Cape Mentelle (Australien), Newton (Kalifornien) Terrazzas de los Andes (Argentinien), Cheval des Andes (Argentinien), Numanthia (Spanien), 10 Cane Rum (New York), Wenjun (China) und das hier beschriebene Cloudy Bay. 

Daneben gehört dem Besitzer Bernard Arnaud welcher übrigens keinen Wein trinken soll, auch Château d’Yquem und 50 % von Château Cheval Blanc. Momentan wird gemunkelt, dass sich die Gruppe in ganz grossem Stil an der Mosel engagieren will. Insgesamt stehen mehr als 100'000 Angestellte im Dienste von LVMH. 

EINE BEWÖLKTE BUCHT GIBT DER WINERY DEN NAMEN

David Hohnen gründete diese Winery im Jahr 1985. Er wählte für das Weingut den  Namen der Region Cloudy Bay, was so viel heisst wie «bewölkte Bucht». 

Die Winery hat heute eine Grösse von 230 Hektaren und produziert mehr als eine Million Flaschen.

Die Weine sind heute, Dank dem fein gefächerten Distributionsnetz von LMVH, weltweit bekannt. Allen Produkten voran, der «normale» Sauvignon Blanc. Nur wenige Weinkenner wissen, dass es noch einen «Überdrüber» gibt, den Te Koko. 

Meine Frau Karin und ich sind diesem Wein ein paar Mal begegnet und wollten das Geheimnis um diesen selten anzutreffenden Top-Sauvignon-Blanc erkunden.  

Eine Einladung zu einem grossen Tasting und einem Lunch mit dem Estate Director Ian Morden und zwei der wichtigsten Önologen (Tim Heath und Nicholas Blampied-Lane) verschaffte Klarheit.   

Der grosse Cloudy-Bay-Bericht: www.bxtotal.com

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JEDEN JANUAR WIEDER: MOUTON-ROTHSCHILD
 
Der legendäre Mouton-Besitzer, Baron Philippe de Rothschild, verstarb 1987, im Januar. Das war jenes Jahr, an welchem ein Luzerner Künstler (Paul Erni) das Etikett von diesem beliebten Premier zierte. Es mag daher kein richtiger Zufall sein, dass sich zum Gedenken des Barons jeweils etwa zwei Dutzend Weinfreunde im Januar in Luzern treffen um die «Rothschild-Produkte» zu huldigen. Nicht in Form einer andächtigen Gedenkfeier, sondern schon fast eher mit einer fröhlichen Weinparty. 

Und der Veranstaltungsort ist eben so klug gewählt. Denn im Restaurant Old-Swiss-House befindet sich eine fast komplette Mouton-Sammlung von heute bis hin zum Jahr 1867. Aufgebahrt in einen Klimaschrank. 

Dies dokumentiert dann aber gleichzeitig auch das leidige Leben von zu vielen Mouton-Flaschen. Es wird nämlich generell mehr gesammelt, wie getrunken. 

Und genau so soll es bei diesem jährlich wiederkehrenden Event eben grad nicht sein. Das Motto ist für alle Beteiligten klar: «Nicht sammeln – sondern entkorken und gemeinsam geniessen!»

IMMERSCHÖN UND LANGESCHÖN

Bereits bei der Primeur-Probe im Jahr 2010 erhielt der Clerc-Milon 2009 von mir die extrem hohe Bewertung von 19/20. Dazu notierte ich mir, dass es sich bei diesem sensationellen Pauillac-Wert um ein Modell «Immerschön» und «Langeschön» handeln würde. Was so viel heissen will, dass er kapriolenlos altern wird. Was wenige wissen; beim Clerc-Milon-Blend ist in der Regel immer ein ganz kleines Quäntchen Carmenère mit drin. Beim Jahrgang 2009 sieht der fünfsortige Blend wie folgt aus: 50 % Cabernet Sauvignon, 44 % Merlot, 4 % Cabernet Franc, 1 % Petit Verdot, 1 % Carmenere

2009 Château Clerc-Milon: Sattes, dichtes Granat mit violettem Schimmer. Geballtes Heidelbeerenbouquet, Lakritze, Black Currant, fast rahmig im Ansatz und dunkle Pralinen im Untergrund zeigend. Im Gaumen dicht, füllig mit erstem Charme, hoch reife, runde Tannine, gebündelter Charme bis hin zum sehr langen Finale. Das ist vielleicht der beste Clerc-Milon in seiner Geschichte. Man sollte ihn eigentlich kaufen. Aber ich habe ja schon so viel davon! Denn ich bin schon bei der Primeurprobe ausgeflippt. Sicherlich noch viel zu jung, aber man sollte ihn in dieser sensationellen Phase einfach mal erlebt haben! 19/20 beginnen

Alle anderen degustierten Weine und Fotos auf    www.bxtotal.com

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Bärti Stocker (geb. Jahrgang 1959) mit der legendären Magnum 1959
Château Nenin.


SENSATIONELLE MAGNUM CHÂTEAU NENIN 1959


Es seien die alten Nenin’s, welche ihn zum Kauf des Weingutes ermuntert hätten. Dies sagte mir der Las Cases-Besitzer Jean Hubert Délon als ich ihn vor 15 Jahren danach fragte, warum er sich im Pomerol engagiere.  

Die Weine unter seiner Ägide sind zwar allesamt sehr gut, knüpfen aber bisher nicht an die Pomerol-Elite heran. Irgendwie scheint Nenin momentan bei den Bewertungen ein solides 17-Punkte-Abonnement gelöst zu haben. 

Bärti Stocker lud zu einem montäglichen Gault-Millau-Jass in den Sempacherhof. Da waren drei aktive und ein passiver G&M-Koch dabei. Die drei Aktiven: Hans-Peter Müller (Sempacherhof), Arno Sgier (Traube Trimbach) und Beat Bürli (Wildenmann, Buonas). Und der Passive war ich. Schliesslich erkochte ich mir damals im Hotel Kreuz in Sempach immerhin 13-Gault-Millau-Punkte. Ach ja – und da war noch weiterer ein bepunkteter Koch im Spiel; Werner Tobler (Rest. Braui, Hochdorf), fungierte als Störkoch. Die restlichen Jasser, waren zur Ergänzung da. Zum Glück. Denn neben den Jasskarten wurde das zur Verfügung stehende Gabriel-Glas emsig benutzt…

Als ich die Doppelmagnum 1975 Château Meyney (Saint Estèphe) auf dem Tisch sah, erwartete ich nicht viel. Doch das Grossformat sorgte für eine tolle Überraschung. Der Duft zeugte auch einen minzig-kräutrigen, gereiften aber noch sehr intakten Bordeaux. Der Gaumen zeigte zwar leicht kapselige Konturen, doch zum Essen, passte er hervorragend. Ein wunderschönes 17-Punkte-Erlebnis. 

Der nächste Wein war eine 1959 Château La Garde Magnum. Von diesem Graves hatte ich schon besserer Editionen, welche ich mit 17/20 bewertete. Aber er war doch noch relativ gut trinkbar mit zunehmendem Luftzutritt. (15/20). Das Schlussbouquet bestand aus einer Doppelmagnum 2002 Château Mouton-Rothschild. Selten habe ich drei Liter Teuer-Pauillac so schnell verschwinden sehen. Kein Wunder; der Wein ist jetzt fraglos reif und ist ein feindichtes, erotisch-schwarzbeeriges Cabernet-Erlebnis. (19/20).

Zu den knusprig angebratenen Schweinekoteletten stand dann eine ganz besondere Magnum auf dem Tisch. 1959 Château Nenin. Bevor der Wein eingeschenkt wurde, vermutete ich schon, was uns da erwarten könnte. Und als ich die schwarz-braune Farbe in Glas betrachtete, war ich voller Ungeduld und hob das Glas an die Gabriel’schen Nüstern. Eine reife, gewaltige Pomerol-Bombe schlug ein! Wahnsinn dieses Bouquet! Ein Ausbund von gereifter, melassiger Süsse, wie ein grosser, uralter Sauternes ohne Botrytis. Malagarosinen, Dörrfeigen, eingedickter Birnensaft, dunkles Malz, dann Kaffee, Himbeeren, Himbeerrispen, schliesslich Tiger-Balm und unendlich viel getrocknete Kräuter, dicht, komplex, tief. Dass da im Untergrund ein dezent artisanaler Schimmer von ältlicher Vinifikation vorhanden war, ignorierte ich grosszügig. Im Gaumen ging die Orgie gleich weiter mit einer schon fast dramatisch süssen Körperhülle. Ein katapultartiger Rubens-Pomerol. Für mich gehört dieses dramatische Magnum-Erlebnis zu früheren, unvergesslichen Pomerol-Eindrücken mit legendären Kontakten mit Eglise-Clinet, Lafleur und Pétrus. 20/20.

P.S. Suchen Sie nicht nach alten Nenin’s im Markt. Da mache ich schon…

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André Kunz feiert mit Haut-Brion und seine Freunde profitieren...


ANDRÉ’S GROSSE HAUT-BRION-LIEBE 


547 Minuten lang nur Haut-Brion! Was für ein Pessac-Marathon! Der Grund; Bordeauxfreak André Kunz feierte mit seinen besten Weinfreunden als Nachwehen zu seinem fünfzigsten Geburtstag ein eintägiges Wine&Dine. Dies bestand aus einem lunchigen Viergänger und einem fünfgängigen Abendessen. Und mehr als drei Dutzend Jahrgängen von Château Haut-Brion!

Es ist genau 12.37 Uhr als der Haut-Brion 1917 am Blocktisch vom Restaurant Kreuz in Emmen eingeschenkt wird. Zuvor gab es saftig-knusprige Käseküchlein, welche zu diversen Weissweinen serviert wurden.
Nach dem Motto «kurze Rede – langer Sinn», begrüsste der Gastgeber André Kunz die Gäste und wünschte viel Vergnügen. Basta! 

547 Minuten später, also genau um 22.44 Uhr trank ich meinen letzten Schluck Haut-Brion. Es war der legendäre, noch viel zu junge 2005er. Doch dem nicht genug. Wie es am Beginn des langen Weintages ein paar trockene Weisse gab, kredenzte André Kunz zum Finale eine eindrückliche Süsswein-Trilogie.
Mehr darüber am Schluss dieses anstrengenden und eben so vergnüglichen Weinberichtes.

Weinschreiben ist zwar manchmal mühsam, erhöht dafür aber die Aufmerksamkeit.

Nicht nur André Kunz wurde an einem 8. Januar geboren, sondern viele andere Persönlichkeiten. David Bowie (1947) zum Beispiel. Und Elvis Presley (1935). Die Sängerin Shirley Bassey (1937). Der deutsche Schauspieler Willy Millowitsch (1909) und der im Jahr 1942 geborene Astrophysiker Stephen Hawking.

André Kunz ist ein 1964er! Leider korkte grad ausgerechnet sein Geburtsjahrgang. Man kann ihn als geduldigen Schnüffler und engagierten Endgeniesser bezeichnen. Natürlich liebt er in erster Linie seine Frau Somporn. Doch seine zweite Liebe gilt dem Wein. Dabei ist er polyvalent. Mit Präferenzen zum Bordeaux’, Burgunder und Moselweinen. Er trinkt nicht nur – sondern er schreibt auch. Für die Schweizerische Weinzeitung und für die Internetseite www.webnwine.com                    Der neunseitige Bericht www.bxtotal.com

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Danke für die Ehre, dass ich als proklamierter «Wachauer-Fan» ein paar Zeilen für neue, sich in der Produktion befindliche Kremstaler-Magazin schreiben darf! Hier ein Vorabdruck für meine Webseitenleser…

KREMSTAL: MEHR WEIN FÜRS GELD

Essen Sie jeden Tag ein getrüffeltes Rindermedaillon oder ein mit Gänseleber gefülltes Taubenbrüstchen? Ich auch nicht. Mir liegt eher das Deftige. Und das gibt es in Österreich glücklicherweise fast überall. Und was soll diese Fragerei im Zusammenhang zum Wein? 

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Von den «Überdrüberweinen» (man nennt diese auch Spitzenweine!) gibt es heute fast zu viele. So – dass diese zwar immer noch viel teuer sind als die anderen, aber nicht mehr ganz so rar. Der kluge Konsument sucht nach dem was ihm theoretisch täglich schmeckt. Und er weiss auch ganz genau, wo er das bekommt zu dem Budget, welches er sich vorgelegt hat. Respektive bereit ist dafür auszugeben. Doch dazu später…

Ich nehme das Kremstal (noch?) nicht so wahr wie eine geografisch klar abgeschottete Bordeaux-Appellation. Eine sich formieren zu wollende Weinregion wird öffentlich leider meist immer so wahrgenommen wie die schwächsten Winzer welche sich in der entsprechenden Guilde befinden.

Spitzenwinzer sind da wesentlich unabhängiger. Doch finde ich dies dann umso mehr rühmlich, wenn sich die Topwinzer nicht aussondern und unprätentiös als Marketing-Lokomotiven in solchen Vereinigungen weiter mitmachen. Schön ist, wenn das eine Regel ohne Ausnahme bleibt. 

Vor mehr als zwanzig Jahren begegnete ich wahrnehmlich erstmals einem Kremstaler. Einem Roten!!! Da hatte doch jemand ganz mutig den Cabernet Sauvignon von Wolfgang Wandrascheck in eine Blindverkostung einmontiert. Er «metzgete» sich dabei unerwartet gut, wie wir Schweizer das so ausdrücken würden. Via ÖVM lernte ich dann zu Beginn meiner Mövenpickzeit den Bertold Salomon vom Undhof kennen und besuchte regelmässig das Weingut. Nicht ohne damals vorher noch im neben dran liegenden Klosterkeller unterzutauchen um möglichst viele Kremser-Weineindrücke zu erhaschen.

Oft klopfte ich an die Türe bei den Malats in Palt. Kaufte als erfolgreichen Gag ein paar Paletten Gelben Muskateller von Markus Grafinger. Bei unserer Hochzeit im Jahr servierten wir unseren hundert Gästen den 1992er Privat von Martin Nigl zu Gänselebervariationen. Der rote Veltiner vom Mantler Sepp aus Gedersdorf hat mir schon ein paar Mal ganz besonders gut geschmeckt. Vor einem Jahr besuchte ich den Rainer Wess, welcher von sich jetzt in Krems in einer sehr engen Gasse niederliess. Auch in der Sandgrube 13 parkierte ich kürzlich und wollte dort mein Gabriel-Glas schmackhaft machen. Die Dame am Empfang kannte das Produkt. Für die Winzer Krems käme es leider nicht in Frage. Aber privat würde sie nur noch aus diesem Glas trinken. Immerhin!

Wenn es die Zeit erlaubt, leiste ich manchmal mir einen Abstecher zu den Müller’s in Krustetten. Da ist schon der Wein aus der Literflasche sehr, sehr gut. Auch ein Kunststück. Sicherlich war vor ein paar Jahren die berufliche Übersiedlung von Fritz Miesbauer zum Weingut Stadt Krems ein qualitativ solider, positiver Gewinn für die ganze Region. All diese Namen sind bitte nur stellvertretend für andere Winzer aufgelistet, welche ich leider (noch) nicht kenne oder aus Platzgründen keine Erwähnung fanden.

Wie ich den Kremser-Wein vom Geschmack beschreiben würde? Traubig! Und das ist als grosses Kompliment zu verstehen. Rund 95 % aller Weine in der grossen weiten Rebwelt schmecken nach dem Vergären nach irgendwas. Nur nicht mehr nach Trauben. Besonders den Rieslingen aus dem Kremstal gelingt es sehr oft, diese Initialfrucht besonders schön in die Flasche zu bringen.

Wie kann ich es noch besser erklären? Warten Sie im Sommer bis die ganz grossen italienischen Tafeltrauben mit der Bezeichnung «Uva-Italia» in den Früchteregalen angeboten werden. Nehmen Sie eine auf eine Weissweintemperatur herunter gekühlte dieser ziemlich grossen Traubenbeeren in den Mund. Warten Sie ein paar Sekunden um die Erwartungshaltung zu steigern. Dann knacken Sie mit den Zähnen die Schale und lassen den ausströmenden hoch aromatischen Fruchtsaft auf die Zunge fliessen. Genau dann haben Sie dieses wunderbare Kremstaler-Traubengefühl für ein paar Sekunden im Gaumen. Einfach nur ohne Alkohol.

Studiert man die Abhof-Preise der Kremtaler-Winzer, so ergibt sich ein vergleichbar recht günstiges Bild für den Abholer. Das ist vielleicht ein gewisses Winzer-Handicap für einen erfolgreichen, nationalen Vertrieb. Ergibt aber gleichzeitig einen Bonus für Selbstabholer. So bekommen die Freunde von Kremser Weinen irgendwie mehr Wein fürs Geld als möglicherweise anderswo. Und das ist eine gute Versicherung für kommende gute wie auch für wirtschaftlich schlechtere Zeiten. Auf den Kremstaler-Traubengeschmack! Fertig! Los!  


http://www.kremstal-wein.at/winzer/alle-winzer-von-a-bis-z/

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BISCHOFS-LOHNDEBATTE

Wie viel verdient ein Bischof in der Schweiz? Offensichtlich nicht alle gleich viel. Gerade heute las ich in meiner Tageszeitung, dass der Bischof von Basel, Felix Gmür (47), letztes Jahr ein Gehalt von CHF 170'00 bezog. Bischof Vitus Huonder aus Chur (71) wird in seinem steuerlichen Lohnausweis für die gleiche Tätigkeit lediglich CHF 95'000 deklarieren müssen.

Mit grosser Genugtuung las ich kürzlich im Sonntags-Blick eine ziemlich angriffige Kolumne von Frank A. Meier über die Ansichten der obersten katolischen Würdenträger in der Schwulenfrage. Während der neue Papst Franzikus verständliche bis versöhnliche Töne in dieser sicherlich heiklen Glaubenssache von sich gibt, macht der Churer Bischof Vitus Huonder weiterhin auf stur. Sein Kollege aus Basel ist da tendenziell eher auf Papstkurs...

Und genau so erklärt sich dann möglicherweise auch die Lohndifferenz für den genau gleichen Posten innerhalb der katolischen Schweiz. 

Wer so hartnäckig und antiquarisch den katolischen Glauben interprätiert, der bekommt auch noch den Lohn von Vorgestern!

Wie heisst es doch so schön? Wer nicht bereit ist für Veränderungen, wird eines Tages auch das verlieren, was er bewahren wollte...  

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2014: Ein neues Jahr beginnt!

Sylvester in New Zealand mit Kai Schubert, Super-Pinot-Winzer und Gabriel-Glas-Importeur. 

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Viele Informationen und tolle Weinberichte von 2013 und älter finden Sie im umfassenden Archiv.

 
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