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WAS SO WEINIGES IM JAHR 2020 PASSIERTE ...

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BORDEAUX 1950 & HIRTZBERGER 1950
 
Privataudienz in der Wachau. In der Gemeinde Spitz. Bei Familie Hirtzberger. Normalerweise fliesst hier der smaragdige Weisswein in Strömen wenn Besuch angesagt ist. Das war auch hier der Fall. Aber es wurden auch Rotweine kredenzt, vom Jahrgang 1950. Und das kam so …

Heuer ist Franz Hirtzberger straffe 70 Jahre alt geworden. Im Jahr 1950 kam er über dem Portal des Weingutes an der Kremserstrasse 8 in Spitz auf die Welt. Damals gab es noch kein Telefon in der Wachau. Aber schon bald den ersten Traktor in der Region. Und zwar vier Jahre später, also 1954. Franz erzählte mir stolz, dass er sich – als vierjähriger Bub – auf dieses Vehikel setzte und den Motor eigenhändig startete.

In den vielen Jahren erarbeitete sich Franz Hirtzberger viel Lob in der Weinszene. Er gilt für viele als der Weissweinkönig Österreichs.
Mittlerweile hat er sich verdient zur Ruhe gesetzt und sein Sohn – ebenfalls Franz – führt die Erfolgsserie dieses angesehenen Wachauer Weinbaubetriebes fort.

Vielleicht ist der Begriff «zur Ruhe gesetzt» noch nicht ganz richtig. Denn – ein Winzer wird zwar irgendwann pensioniert, aber die Reben gedeihen jedes Jahr von neuem. Nur leider wird es heuer schwierig. Ein brutaler Hagel wird die Ernte vom Jahrgang 2020 massiv redimensionieren.  

Wir verkosteten die Weine von links nach rechts. Wie oben im Bild. Zuerst den Saint Emilion; Clos Fourtet. Dann den Saint Julien; Ducru-Beaucaillou und zum Schluss den 1950 Château Lafite-Rothschild (Pauillac).

Zu bemerken ist, dass wir an diesem Abend grosses Flaschenglück hatten. Die Flaschen wiesen alle einen Füllstand von mittlerer Schulter auf. Ein solches Niveau deutet in der Regel auf einen erhöhten Risikobereich hin.

Der Château Ducru-Beaucaillou 1950 war der beste des Abends. Der ganze Bericht: www.bxtotal.com

TAMMA HONIVÖGELN

Wenn Franz diesen Spruch bringt, dann wird es intensiv. Nach der Rotweinprobe folgte ein Honivogel nach dem anderen. Ich nenne diesen legendären Grünen Veltliner auch «den weissen Austria-Latour». Dies deshalb, weil er in den Flaschen langsam reift und über ein fast konkurrenzloses Alterungspotential verfügt.

Mein Wein des Abends war der Jahrgang 1990!





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GRIECHISCHER TRAUM-MERLOT
 
Das Ziel von Barbara Gruber und ihrem Partner Jörg Salchenegger ist, «die Kraft der griechischen Sonne in die Flasche bringen». So deklariert es zumindest die offizielle Webseite (www.lacules.com).

Mit den neuen Jahrgängen ist das erste Etappenziel dieser Vision erfüllt. Dies zeigte uns ein mehrtägiger, eindrücklicher Besuch auf dieser imposanten Weinvilla, welche in der Nähe vom Dörfchen Koroni am südwestlichen Finger des Peloponnes liegt.
Angefangen hat dieses noch nicht ganz ausgestandene Weinabenteuer mit dem als Kellerbauer bekannten Friedrich Gruber. Er ist der Vater von Barbara und baute, anfangs der 1990er Jahre, dieses an eine stattliche Burg erinnernde Steingebäude an die Lacules Hügel.
Und weil Olivenbäume und Reben nun mal zu dieser Region gehören, wurden auch Reben angepflanzt. Rund ums Haus, terrassiert, stotzig und somit ziemlich arbeitsaufwendig. Der Anfang war schwer! Im Jahr 2005 wurde die allererste «Ernte» eingebracht.
Produktionsmenge: eine halbe Flasche!

Das sieht freilich heute etwas anders aus. Trotzdem bleibt Lacules ein Garagenweingut. Knapp 7'000 Flaschen werden jährlich unter dem Etikett Lacules und dem Zweitwein Chord gefüllt.

Wir haben das Weingut besucht und einen grossen Bericht geschrieben: www.bxtotal.com

2017 Merlot, Lacules Estate: Produktion; 2'800 Flaschen. Sattes Rubin mit lila Reflexen. Dichtes, gebündeltes Frucht-Power-Bouquet; Johannisbeeren, Cassis, Waldhimbeeren, fein pfeffrig. Würzige bis floral frische Noten im zweiten Ansatz zeigend. Nach zehn Minuten; zarte Minztöne und Black Currant. Im Gaumen ebenso dicht wie nasal, optimal stützende Säure, fleischiger Körper. Auch hier ist die Primärfrucht präsent und hoch aromatisch. Einerseits ist er «ready» für einen ersten, beeindruckenden Genuss. Andererseits zeigt er weiteres Potential. Dieses lässt sich mit weiterer Entwicklung erst nach und nach richtig einschätzen. Ein grandioses Meisterstück in Sachen Merlot-Weltklasse. Bravo! 19/20 trinken

Mehr Infos: www.lacules.com


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BORDEAUX 1920 – EIN SÜSSER RÜCKBLICK

Die Weine des Jahrganges 1920 werden generell als sehr gutes Jahr beschrieben.
Im Vergleich zu den Legenden 1928 und 1929 wird ihnen ein gewisser Mangel an Reichtum angehaftet. In dieser kleinen Story geht es um einen ganz besonderen Sauternes vom Jahrgang 1920. Doch mehr darüber später …

In Bordeaux war zog der Weinhandel wieder an. Die Négociants (Weinhändler) dominierten den Handel mit Bordeaux-Weinen.

Die meisten Weingüter füllten ihre Weine noch nicht selbst ab. So erwarben die Händler die halbfertigen Weine von den Château-Besitzern in Fässern.
Der Endausbau erfolgte in der Stadt Bordeaux. Nämlich in den Hallen an den Quais entlang der der Garonne. (Titelbild, oben)

Dort wurden die Weine abgefüllt. Oder diese gelangten auf dem Schiffsweg via Gironde zu einflussreichen Weinhändlern nach England.  
Château Mouton-Rothschild begann ein paar Jahre später mit dem Jahrgang 1924 offiziell mit der Eigenabfüllung und feierte diesen Akt mit einer speziellen Etikette: «Toute la récolte mise en Bouteille au Château».

NACH 100 JAHREN IN ESCHENBACH

Der Châteaubesitzer Silvio Denz brachte eine Flasche von seinem Lafaurie-Peyraguey 1920 mit zu einem Kellertisch nach Eschenbach. Davon sollen noch etwa 60 Flaschen in der eisernen Kellerreserve vorhanden sein.

Seit kurzem ist das Weingut auch Nobelhotel. 

https://www.lafauriepeyragueylalique.com/de/


1920 Château Lafaurie-Peyraguey: Damals noch im Besitz der Familien Cordier. Leuch-tendes Gold-Gelb. Für einen 100jährigen Wein zeigte er ein erstaunlich frisches Bouquet, gelbe Früchte (Mirabellen / Nektarinen), Blütenduft (Melisse und Pfirsich), Akazien Honig. Die Süsse kommt filigran rüber. Saftiger, eleganter Gaumen mit viel Eleganz. Ein toller Sauternes der immer noch tanzt und voll im Genuss-Element ist. 18/20 trinken

P.S. Die Vinotheque de la Charriere bietet eine solche Flasche an. Kosten: 598 Franken. 

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BORDEAUX 2012 UND PIRATEN
 
Der Titel verrät es; es handelte sich bei diesem Event um eine so genannte Blindverkostung. Aber nicht für alle.
Einer hat gekniffen. Und der war ich. Ich hatte mehr Lust Weine zu beschreiben, wie zu erraten …

Weine verdeckt zu verkosten, kann durchaus amüsant sein. Bringt aber – zumindest mir – nicht besonders viel. Warum? Reife Weine kommen bei einer Blindverkostung meist unterschiedlich zur Geltung. Verschlossene, noch mit Potential behaftete Crus, haben Mühe sich richtig durchzusetzen. Oft sind die Weine introvertiert und weisen noch Gerbstoffe auf, welche den aktuellen Genuss verhindern, oder zumindest redimensionieren.  

Reifere Weine wissen das Publikum zu bezirzen und kommen in der Regel durchs Band besser weg. Und auch die «lauten Weine» schneiden gut ab. Das sind konzen-trierte Bomben, welche sich nicht selten die Bewertungsgunst von Robert Parker erhofften!
Es ist Montag, mitten im September. Unser Genusstrupp ist im Kanton Fribourg unterwegs. Zwischen Fribourg und Murten liegt die Gemeinde Belfaux.

In der Nähe der Kirche befindet sich das Hotel des XIII Cantons. Das ist heute aber kein Hotel mehr, sondern ein China Restaurant.
Dort wirkt Alex Münzhuber mit seiner Familie und seinem Team. Er handelt mit Havanna-Cigarren im ganz grossen Stil und exportiert gewaltige Chargen in den asiatischen Raum. http://genghis-khan.ch/

Mehr als tausend Whiskys und hunderte von Spirituosen aller Art schlummern in Original-kartons dem Weckruf von möglichen Kunden entgegen. Mindestens hundert derselben Rasse kann man im Offenausschank ordern.
Die Weinkarte ist – für ein China-Restaurant – ebenfalls ziemlich ausufernd. Und fast alles was auf diesem Angebot steht, kann man auch gleich kaufen und mit nach Hause nehmen.

Bordeauxweine vom 2012 bildeten an diesem Montag den roten Faden an diesem Abend. Ergänzt durch ein paar honorige Piraten (Almaviva, Barbaresco, La Turque und Bonnes Mares). Letztere waren relativ einfach aus den Blindserien zu erkennen. Wobei das Publikum mit dem Almaviva in der letzten Pauillac-Serie wohl die grösste Mühe hatte.

42 MONATE IN NEUEN BARRIQUES!!!

Braucht es das wirklich? Meiner Ansicht nicht. Die Crus von Guigal sind zu lange im Fass, werden dadurch zu atypischen Bluffweinen. Mir gefielen die alten Editionen viel besser.
 
2012 La Turque, E Guigal, Rhône: Farblich tanzte dieser Wein komplett aus der Reihe. War eher hell und zeigte in der Mitte somit auch wenig Tiefe. Das Nasenbild duftet nach Zedernholz, dominikanischem Tabak, rotem Pflaumenkompott, Caramel und frisch aufgeschnittenen Vanilleschoten. Man hat Mühe zum wirklichen Nasenbild vorzudringen, weil die Röstung und die Präsenz der Eiche aufdringlich wirkt. Im Gaumen samtig, weich, schmelzig, cremig und – im Prinzip – eigentlich betörend. Grosse Herkunft, aber völlig übertrieben vinifiziert. In der Blindprobe wusste er zu berauschen. Im Genussfluss hemmt er aber in grösseren Mengen. Parker mag ihn sehr – ich weniger. 17/20 trinken

Bild: René Gabriel. (Kamera zu früh weggezogen)

KLEINES WENGUT – RIESIGE WEINE

Kein anderes Weingut in Pomerol reflektiert so eindeutig den bekannten Begriff «Terroir». Elf verschiedene Terrains sorgen für eine Vielfalt an Expressionen. Kein anderes Pomerol-Weingut weist so viel Cabernet Franc im finalen Blend auf. In der Regel sind es 50% Cabernet Franc und 50% Merlot. Die Lager-fähigkeit ist eindrücklich. Alte, gesuchte Lafleur-Legenden beweisen diese Theorie. In jungen Jahren ist er gegenüber der Pomerol-Konkurrenz oft etwas verhalten. Erst mit der ersten Reife der Cabernet-Franc-Partien blüht er zur Hochform auf. Der Fanclub ist leider in den letzten Jahren immer grösser geworden. Was man auch an den aktuellen Preisen merkt.

2012 Château Lafleur, Pomerol: Mittleres Purpur mit blutroten Reflexen. Geniales Bouquet, von der ersten Sekunde an. Kalter Früchtetee, kleine reife Beeren in mannigfaltiger Form, Milchkaffee, Sandelholz, feine Caramelspuren, vielschichtig, florale Nuancen und ein Kräuterreigen ohne Ende. Berauschend und diskret zugleich. Es ist allein schon ein Privileg an diesem Wein riechen zu dürfen. Feinststoffiger Gaumen, satt im Extrakt, konzentriert und noch etwas mehlig durch seine feine Reduktion. So ist er der denn im Gaumen wesentlich weniger zugänglich als in der Nase. Die Adstringenz verrät ein eindrückliches Potential, welches eher zu einem ganz grossen Jahrgang gehört wie zum möglicherweise generell etwas unterschätzten 2012er. Fazit: grosser Lafleur! Hat mich tief in meiner Weinseele berührt. 19/20 warten
JUST AUF DEN MARKT GEKOMMEN


2012 Château Latour, Pauillac: Leider war die erste Flasche dramatisch korkig. Die Farbe unglaublich dunkel. Im Saal war schummriges Licht, aber ich glaube, es war der dunkelste Wein aller Serien. Granat mit schwarzen Reflexen. Normalerweise lässt sich ein Latour in der Jugend schwer angehen. Doch die Crew hat die Zeichen der Zeit erkannt und hat es geschafft das Alterungspotential zu erhalten und den Wein dem Konsumenten – zumindest partiell – etwas zugänglicher zu machen. Trüffel, Brombeeren, Heidelbeeren, Black Currant, Baumnussschalen, Ratafia-Likör, dunkle Edelhölzer, Nobel und tief zugleich. Grosser Gaumenauftritt, erhaben, verlangend, royal und nachhaltig. In diese Blindprobe hatte er es nicht einfach, weil der Lynch und der Pichon-Lalande wie junge ungestüme Pferde loslegten. Auf die Distanz gewinnt aber bekanntlich immer der Marathonläufer. Und das ist dieser geniale Latour, welcher zeigt, dass die hoch bewerteten 2012er Wein aus dem Libournais (Saint-Emilion & Pomerol) langfristig ernsthafte Konkurrenz aus dem Médoc bekommen. Vielleicht ist dieser unglaubliche Latour in 50 Jahren der Sieger von diesem Jahrgang. Wer ihn ein paar Stunden kalt dekantiert, kann hier schon einen ersten Genussersuch wagen. Dieser Latour wurde nicht in der Subskription angeboten. Er kam just auf den Markt. 19/20 beginnen

ERFOLGREICHER CHILE-BLEND

Mit dem Jahrgang 1996 lancierten die beiden  Partner Concha y Toro und Baronnie de Rothschild den ersten Almaviva. Die Preise sind bisher nur sanft angestiegen und liegen jeweils zwischen 100 bis 150 Franken. So ist denn dieser erfolgreiche Chile-Weltklassewein sehr populär im Markt zu finden.  

2012 Almaviva, Rothschild, Chile: Cabernet Sauvignon, Carmenere, Cabernet Franc, Petit Verdot, Merlot. Dunkles Granat-Violett. Extrem fruchtiges Bouquet, viel Cassis, viel Holunder, schwarze Pfefferkörner, aber auch Kräuter und eine verräterische Spur von Eucalyptus. Das Nasenbild ist nicht besonders wuchtig, dafür aber hoch aromatisch. Saftiger Gaumen mit süss ausstrahlenden Tanninen, wieder Holunder und Cassis ohne Ende. Ein moderner vinifizierter, gewinnender Wein, der jeweils von Beginn weg zu gefallen weiss. Und dabei glücklicherweise seine Herkunft nie verleugnet. 18/20 trinken

P.S. Momentan bietet die Firma Arvi aus dem Tessin diesen Wein noch für 140 Franken an.















2012 VALANDRAUD: 100 % MERLOT

Anders als die anderen. Der Valandraud 2009 besteht aus einem Blend von 80% Merlot und 20% Cabernet Sauvignon. Ähnlich geht es beim Jahrgang 2010 zu. Hier sind zwar auch viel Merlot drin (70%). Anstatt Cabernet Sauvignon besteht er aus 30 % Cabernet Franc. Beim Valandraud 2011 sind beide Cabernets drin! Nebst 80 % sind je 10 % vom Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon integriert.

Der auch heute noch bullige und entsprechend verlangende Valandraud 2012 ist ein «reinrassiger» Merlot.

Es gibt nur wenige Klasse-Weingüter in Saint Emilion, welche Jahr für Jahr derartig mit den Rebsorten «spielen».
Das Foto oben stammt von der damaligen Primeurprobe als ich gemeinsam mit Murielle Andraud und Jean-Luc Thunevin den 2012er Valandraud als Fassprobe verkostete.

Es war für die beiden ein glückliches Jahr, denn mit diesem 2012er mutierte der einstige Garagenwein (erster Jahrgang 1991) zum offiziellen Premier Grand Cru Classé.

2012 Château Valandraud, Saint Emilion: Sehr dunkle Farbe, fast unlogisch dicht in der Mitte. Höllisches Bouquet, Cassis, dunkle Edelhölzer, Kaffee, Korinthen, kandierte Früchte und dunkles Caramel. Legt nasal los wie eine Bombe. Im Gaumen spürt man die forsche Vinifikation und die fordert aktuell noch einen gewissen Genusstribut. Für Blind Degustationen ein spannender Kandidat. Um eine Flasche zu zweit heute im hemmungslos zu trinken (noch) ein Handicap. Kommt Zeit – kommt Valandraud? Da bin ich mir sicher! 19/20 warten / In der Schweiz ist dieser Wein aktuell ab ca. 120 Franken erhältlich.

Der ganze PDF-Bericht auf acht Seiten www.bxtotal.com

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FINESSEN-CABERNET

AUS CHINA

Lenz Moser war lange Export-Manager von Mondavi Wine. Danach lanciert er ein erfolgreiches Weissweinprojekt (Laurenz V.). Seine Abstammung ist mit der gleichnamigen Weindynastie Lenz Moser identisch. Bei einem Besuch verliebt er sich in das Weinland China und spürt dessen Potential.

Durch gute Beziehungen schliesst er einen Investitionspakt mit dem chinesischen Wein-Giganten Changyu. Diese errichten, als Willkommensgruss das gigantische Weingut, welches sogar mit dem Namen «Changyu Moser» erhält. Dieses protzige Gebäude soll für eine Marketing-Lokomotive des in Yantay ansässigen, tendenziell qualitativ eher lethargischen Konzerns sorgen.



Der emsige Lenz Moser, schafft einen tollen Start und nutzt seine mannigfaltigen Beziehungen, um in Europa und Amerika mit «seinen Weinen» schnell Fuss zu fassen.

Auch ich bin angetan bis begeistert von seinen Erstlingsweinen und bewerte den 2013 Château Changyu Moser XV (ein 100%iger Cabernet Sauvignon) mit 18/20 Punkten. Nun lege ich nochmals nach und bewerte den «Lila-Wind aus dem Osten» mit 19/20. Auch dies ist ein 100% Cabernet Sauvignon. Er wurde 24 Monate in neuer Eiche ausgebaut. Es handelt sich dabei um eine Selektion vom «Besten vom Besten.

2016 PURPLE AIR COMES FROM THE EAST, Chateau Changyu Moser XV: CHF 165, Schuler, St. Jakobs Kellerei. Mitteldunkes Granat-Rubin mit aufhellendem Rand aussen. Zartes, süssliches Bouquet, ausladend, vielschichtig, elegant mit einem minim laktischen Touch, welcher dem Nasenbild einen nasal fülligen Ton verleiht. Die reifen Früchte spielen sich im ganzen Fruchtspektrum ab. Also von rot- über blau- bis hin zu schwarzbeerigen Reflexen. Im zweiten Ansatz findet man Vanille- und Vanillemark und zartes Caramel. Nach einer Viertelstunde zarte, frisch gehackte Kräuter. Viel Minze, eine Prise Eucalyptus. Keine nasale Droge, sondern ein bereits abgeklärter Reigen von ausgereiftem Cabernet, welcher mit einer Prise Erotik durchzogen ist. Im Gaumen weich, samtig im Fluss mit seidenen Gerbstoffen. Sehr saftig im Fluss, wunderbar balanciert und mit nonchalantem Finale endend. Insgesamt mehr Finessen wie Power zeigend. Das geht allenfalls zu Lasten eines beeindruckenden Alterungspotentials. Aber auch zweifellos zu Gunsten eines frühen Genusses. Wichtig ist bei grossen Weinen, dass man nicht ellenlang kauen muss, um in einer Wahrsagerei für Übermorgen zu Verfallen. Wichtig ist, dass man beim Verkosten Lust auf ein zweites Glas bekommt. Das ist hier fraglos der Fall. In seiner Preiskategorie hat er in der westlichen Welt verständlicherweise eine dramatische Konkurrenz. Aber – wie es der Name sagt – weht da ein neuer, lilafarbener Weltklasse-Cabernet-Wind aus dem Osten. Und dort, wo dieser beeindruckende China-Cabernet herkommt, hat er wenig echte Konkurrenz zu befürchten. 19/20 Genussreife: Jetzt bis 2035?

www.schuler.ch

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1961 CHATEAU PALMER

Bei einer Abendeinladung von Heinz-Reinhard Schneider auf unserer Motorradtour in Bad Homburg. Er kam blind auf den Tisch.

Die Nase zeigte frische, rote Beeren in mannigfaltiger Form. Im Gaumen tänzelnd, elegant und superfein. Ein gigantisches und gleichzeitig beruhigendes Erlebnis. Danke Heinz-Reinhard!

Besonders mein Sohn Stefan Palmer hatte eine Riesenfreude. So schnell wird er dieser Erlebnis nicht wiederholen können.










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EINE DAME UND EIN MONSIEUR

1986 Bordeaux. Die comtesse ist schmeichelnd ready (18/20). Während dem sich der mouton (20/20) noch etwas ziert. Aber so langsam aber sicher gehts jetzt doch endlich auch da los ...

Getrunken mit Freunden im Engel in Warendorf. 





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OH WIE NETT - EIN KABINETT
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Auf einer Moseltour begleitete uns Johann Leo. Ein Jungwinzer aus Zeltingen. Wir fuhren mit dem VW-Bully durch Steillagen und tranken herrliche Rieslinge von ganz berühmten Produzenten. Irgendwann zeigte er, fast schüchtern, seinen 2018er Riesling Kabinett Schlossberg. Wir waren begeistert und fragten nach dem Preis. Da staunten wir gleich nochmal. Dieser tanzende Riesling kostet - direkt vom Weingut - nur 7.50 Euro. 



Schade, dass man diesen Wein in der Schweiz nicht kaufen kann. Denn, das ist wirklich eine sensationelle Kaufempfehlung ...  http://www.weingut-leos.de/

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POMEROL VOM ALLERBESTEN

1971 Trotanoy und 1998 Trotanoy aus Magnumflaschen!!!

Besser geht nicht. Und beide sind Jahrhundertweine. Während der 1971er mit seinen orientalischen Kräuternoten fast einem La Tache gleicht, ist der 1998er ein noch nicht ganz ausgereiftes Pomerol-Monument.
Danke Heinz-Reinhard, das war eines der grössten und geballtesten Weinmomente im 2020 ...

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GROSSE PARADE IN BAD HOMBURG

So langsam sehe ich doppelt.

Ihr auch?


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SELTENES ERLEBNIS 

Wer von diesen Flaschen einmal ein paar ergattert hat, gibt diese nie mehr her. Deshalb ist das Angebot an diesem Wein ziemlich rar.  

In Heidelberg entkorkte Michael Fass diesen traumhaften 2000 Granges de Péres.

Dieser Wein zeigt auf, was im Süden von Frankreich das Maximum ist. Nach 20 Jahren toll gereift, viel Terroir, Backpflaumen, Kräuter und Malz zeigend. Er ist so authentisch, dass es keine Vergleiche gibt! 19/20



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VAN VOLXEM RIESLINGPARADE

Das war eine berauschende Probe bei Roman auf dem nigelnagelneuen Weingut. Egal was man probiert, er zeigt seine qualitative Sonderliga in jeder Sparte. Was mir am besten gefällt, ein Kabinett ist ein Kabinett, eine Spätlese ist punktgenau wie eine Spätlese und die Auslesen sind intensiv, machen aber nicht satt. Auch schon im jungen Zustand. 


So sind wir denn ein tolles Team. Er mit seinen Weinen und ich mit meinem Gold-Glas ...
P.S. Der Rotschiefer Kabinett liegt jetzt auch in meinem Keller!

GUTES TEAM

Roman Niwodniczanski vom Saar-Weingut Van Volxem arbeitet exklusiv mit dem Gabriel-Glas. Geht also auch für grosse Rieslinge ...








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BULLI-TOUR ÜBER DER MOSEL

Absolut zu empfehlen, was der Zeltingerhof da anbietet.

Wir waren restlos begeistert ...

https://www.zeltinger-hof.de/portfolio-item/mosel-bulli-tour/





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SPRUDELNDER MONTAGABEND

Die erste Flasche vom Dom Perignon verpasste ich, weil ich zu spät kam. Eigentlich bin ich ja, in der Regel, überpünktlich. Aber diesmal nicht.

Schon zehn Minuten vor fünf wartete ich vor unserem Haus auf Bärti. Er würde mich abholen hatte er gesagt und gleich noch einen Kanister von unserem Pur-Water© abholen. Bei uns in der Waschküche ist nämlich so eine Anlage installiert. Für alle Mieter zugänglich. So ein Pur-Water-System filtriert das Leitungswasser, reduziert schädliche Werte und eliminiert Spuren von Koks und Antibiotika und Nitrate.  

Doch die Anlage wurde nicht benutzt und der Bärti kam auch nicht. Auch nicht fünf nach fünf. Dann bekam ich einen Anruf: «Wo bist Du? Wir sind alle schon da!»

Er hätte mir ja gesagt, dass er mich abholen würde, raunte ich. Die Aufklärung des Transportproblems wurde insofern relativiert, dass ich hätte vorher anrufen müssen, wenn ich abgeholt hätte werden wollen. Dies auch abhängig von sich androhenden Regenfällen. Diese trafen nämlich nicht ein, obwohl der Landi Regenradar solche genau auf diesen Zeitpunkt «versprochen» hatte. 
Nun gut, mein Chauffeur kam dann halt etwas später. Mit dem Porsche vom Gastgeber. Geiles Teil. Für mich hat ein solch tiefer gelegenes Auto ein integriertes Bonus-Malus-System. Es ist federleicht, hier auf dem Nebensitz Platz zu nehmen. Bei Aussteigen kommt man sich dann vor wie auf dem Merkur. Dort ist die Erdanziehungskraft nämlich sechs Mal stärker als hier auf der Erde.
 
Nun – irgendwie schaffte ich es dann trotzdem dieser sonst galant aussehenden Rennmaschine zu entweichen. 
Letztere gehört dem grosszügigen Gastgeber Pius Kunz. Er ist oben auf dem Bild rechts oberhalb der Flaschenparade zu sehen. 
Mit leichter Verspätung traf ich also kurz vor Ende der ersten Flasche Dom Perignon 2006 ein. Und war dann auch der erste, der vom Nachschub profitierte. Nebst einem weinigen Händler war auch noch ein treuer Händer anwesend. Und – ein alter Freund, welchen ich gut 25 Jahre nicht mehr im Visier hatte. Und Bärti. Der freute sich schon seit langem auf den neuen Nachbar. Mit dem Zuzug von Kunz an der Waldhusstrasse Eschenbach ist dieser Weg zum neuen Eschenbacher Wein-Epizentrum mutiert und macht sogar dem flaschenmässig gut bestückten Gabriel etwas Konkurrenz.

Ist aber gut so. Weinige Konkurrenz belebt die Kehle, nicht zuletzt, wenn die Zunge vor lauter Champagnerbläschen immer wieder tanzt. Auf dem Titelbild fehlt einer. Der Dom Perignon ist drauf. Der Substance von Jacques Selosse auch. Irgendwo, gegen den Schluss des Abends hatte ich plötzlich noch einen Roederer Cristal im Gabriel Gold-Glas.  

Alle Gäste setzten sich zu Tisch und der erste Wein wurde ins erste Glas gefüllt. Er war etwas zu kalt. «Die werden von allein warm», sagte der Gastgeber. Da hatte er recht. Aber der allererste Schluck war so klein, dass er keine Chance bekam, sich zu erwärmen. 
Als ich die Miniration im Glas betrachtete, bemerkte ich zum meinem Freund Bärti zur linken: «Ist Dein Glas auch innen nass?» Spass muss sein. Auch an einem Montagabend. 

Anstatt Trinken, war also Degustieren und Rätseln angesagt. Das hat mir früher, als ich noch Weinprofi war immer viel Spass gemacht. Heute nicht mehr so ganz. Ich will nicht einen Namen von einem Wein herausfinden, welcher sowieso schon auf dem Etikett steht. Ich mag nicht kleine Portionen im Glas um viel Schreiben zu müssen. Ich mag es in den letzten Jahren umgekehrt. Also weniger Schreiben und mehr Saufen. Pardon Geniessen. Aber gerade geniessen ist mit wenig im Glas halt auch tendenziell reduziert. 
Es sei hier angemerkt, dass es an diesem Abend in der Folge dann doch mehr als nur viel zu trinken gab. 

Und es sei – an dieser Stelle – dem grosszügigen Gastgeber nochmals gedankt. Den Kugelschreiber und das gefaltete Blatt Papier liess ich im Gilet. Alles was zu berichten ist, kommt aus der Erinnerung: www.bxtotal.com

CHAMELEON AN DER LUFT

Vor zwei Jahren hatte ich ihn das letzte Mal im Glas. Obwohl ich ihn lobte, massregelte ich den Gastgeber, dass der Wein viel zu wenig lang dekantiert wurde. 

Offensichtlich hatte der Gastgeber diesen Kommentar gelesen und so kam dieser sich stets wandelnde Pomerol gut dekantiert ins Glas. Und weil es davon wenig gab und dafür immer wieder, konnte ich ihn über eine sehr lange Zeit nachverfolgen. Bei mir wurde zuerst eingeschenkt und ich war es dann, welcher den letzten Schluck bekam. 



1982 Château Certan de May, Pomerol: Die Farbe ist Orange-Braun und am Rand deutlich aufhellend. Die Nase beginnt erdig und gewinnt an Süss. Kompottige Pflaumen, Feigen in getrockneter Form aber auch als Feigensirup. Pralinen, Kräuterlikör, üppig, reich. In der Fülle legte er kontinuierlich zu. Im Gaumen wie ein Chambertin. Erst kernig, dann eine restliche Tanninstrenge zeigend, dann auch hier fülliger und weicher werdend. Am Schluss trank sich der letzte Schluck ein eine Pomerol-Kräuter-Caramel-Creme. An sich bin ich überzeugt, dass 1982er im Pomerol nicht das ganz grosse Jahr ist. Dies merkt man an Pétrus, Conseillante und Co. Andererseits zeigen Trotanoy und Lafleur dann doch, dass dieser sonstige Jahrhundertjahrgang nicht unterschätzt werden darf. Mittlerweile glaube ich, dass dieser geniale Certan de May einer der besten, wenn nicht gar der beste 1982er Pomerol sein könnte. 20/20 austrinken

BILDERKLAU IM GOOGLE-NETZ

Durch die vielen Aufenthalte im Bordelais habe ich zehntausende Fotos im Computer. Dumm nur, dass ich nicht alle beschriftet habe und somit nicht finde. Manchmal klaue ich ein Foto im Netz. Das geht recht schnell und auch (fast) ohne schlechtes Gewissen. Machen ja alle.

Wenn der Fotograf nicht will, dass seine Bilder gestohlen werden, dann muss er sie halt schützen. Ist nicht ganz Gesetzeskonform, macht aber Sinn. Diesmal war ich ehrlich und habe eine Kiste vom Keller ins Büro geschleppt. Übung gelungen.
 


1996 Château Montrose, Saint-Estèphe: Sehr dunkle Farbe mit sattem Rot. Die Nase geht in die Tiefe, ist aber nicht unnahbar, Lakritze, Sommertrüffel, Darjeeling Tee, Korinthen und Nuancen von kaltem Rauch. Das Nasenbild strahlt Wärme und Erhabenheit aus. Grossartig auch im Gaumen, fleischig, kräftig und doch jetzt erstmals – durch seine abgerundeten Tannine eine erste Genussreife zeigend. Versprechend war er immer schon. Jetzt löst er so langsam seine Versprechen ein. Ein klassischer, langlebiger Montrose, den man eigentlich noch nachkaufen müsste. Wenn man nicht schon hat … 19/20 beginnen

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UNITED SAUVIGNON BLANC VOM KAP

Das Titelfoto dokumentiert die eigentliche Absicht. Ein lindengrünes Badetuch, drapiert mit einem Dutzend Sauvignon Blanc aus Südafrika. Die Absicht funktionierte leider nicht ganz ...

Zwei Wochen vor den Sommerferien bekam ich spontane Lust auf Sauvignon Blanc aus Südafrika. Da haften ganz viele, wunderschöne Erinnerungen daran. Viele Besuche auf den wichtigsten Weingütern am Kap. Und auch an tolle Restaurant-Besuchen in dieser Region. 

Durch die Tätigkeit als Chefeinkäufer bei Mövenpick Wein und Reiseorganisator von Gruppen wie auch als privater Besucher landete ich bisher gut zehn Mal am Flughafen von Cape Town. 

Seit dem letzten Trip in diese wunder-wunderschöne Weinregion ist es schon ein paar Jahre her und so wollte ich mir wieder einmal einen gewissen «Sauvignon-Blanc-Überblick» verschaffen. 

Also kontaktierte ich – zwei Wochen vor meinen Ferien – die Höhle des Löwen. Respektive ich meldete mich bei Platzhirsch, was Weine aus diesen Regionen betrifft. 

So mailte ich auf info@kapweine.ch die Anfrage ein Dutzend Sauvignon Blanc in meinen Ferien zu testen zu dürfen. 
Nach ein paar Tagen mailte mir der Chef Andy Zimmermann höchst persönlich und sicherte mir eine geballte Sauvignon-Blanc-Ladung für mein Unterfangen zu. 

Leider klappte die Lieferung dann just nicht vor den Ferien und so ging ich meine lustvolle Arbeit halt erst im August an. 
Das Wetter spielte mit und wir (meine Karin und ich) verkosteten alle zwölf Weine im «Langzeitverfahren». 
Will heissen; ich entkorkte die Flaschen tageweise und erstellte sorgfältig einer Verkostungsnotiz. Dann stellte ich die angebrochene Flasche bei uns in den Kühlschrank und meine Frau gab mir in der Folge jeweils a.) ein Feedback und wir tranken die Flasche, meist in Speisenbegleitung, genüsslich gemeinsam leer.  So bekam jeder Wein eine Mehrfachchance seine allerbeste Seite zu zeigen. 

SCHRAUBER UND KORKEN
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Wie bei vielen Weissweinen auf der Welt wird wohl die künftige Tendenz in Richtung Schraubverschluss gehen. Die Konsumenten gewöhnen sich so langsam daran. Respektive müssen sich in der Folge auch wahllos daran gewöhnen. Es ist heute so, dass weltweit Spitzenproduzenten klammheimlich auf den DIAM-Korken als alternative «Zwischen-Lösung» umgestiegen sind.  


A FINE DINING PLACE TO BE

Als wir das letzte Mal auf der grossen Terrasse vom Restaurant Tokara dinierten, wüteten die gefürchteten Waldbrände in der Nähe, welche auch massiv Rebland zerstörten. 

Hier kann man bei gutem Wetter den schönsten Sonnenuntergang von ganz Südafrika buchen. 

Der Besitzer G.T Ferrera liess dieses heute sehr angesehene und 120 Hektar umfassende, sich in Stellenbosch befindliche Weingut im Jahr 2002 errichten. 
Wer sich mit Investitionen etwas auskennt, merkt, dass es möglich ist aus Geld Wein zu machen. Und nicht in jedem Falle umgekehrt. 
Mitunter verkauft das Weingut Tokara mit dem Rotweinblend Telos 2015 den teuersten Wein Südafrikas.        
                                            
MEIN PERSÖNLICHER SIEGERWEIN

2018 Sauvignon Blanc Eglin, Reserve Collection, Tokara, Stellenbosch: (CHF 24.00). Brillant, blass, dezent grünlicher Schimmer im schwachen Gelb. Intensives und auch facettenreiches Bouquet, Limetten, weisse Grapefruit, Stachelbeere und Minze. Sanft pfeffrig im Ansatz. Saftiger Gaumen mit tänzelnder Balance, glockenklar vinifiziert. Ein perfekter Sauvignon Blanc der zur Weisswein-spitze vom Kap gehört. Irgendwie hat man da auch das Gefühl, dass er in seiner Grösse auch sehr autochthon wirkt. Kaufen! 19/20 trinken

EMSIGER KAP-WEINHÄNDLER 

1990 begann Andy Zimmermann sein bis heute andauerndes Abenteuer mit Südafrika-Weinen. 

Bei einem Besuch verliebte er sich in die Schönheit dieses Landes und natürlich auch in deren Weine. Fünf Jahre später wanderte er aus ans Kap. Dort stellte er ein Sortiment für Schweizer Weinhandlungen zusammen und wurde, weil er eben dort lebte, zum Exporteur. 2005 kam er in die Schweiz zurück und widmete sich voll seiner Firma Kapweine. 

Seither vergrössert sich das Sortiment ständig und auch die Umsatzzahlen nehmen zu …

Eigentlich wollte ich mit ihm am Telefon ein Interview machen, aber Schweigsamkeit ist nicht gerade Andys grösste Stärke. Also wurde das Gespräch zu einem schieren Monolog, bei dem ich, wenn er wieder mal kurz Luft holte, doch noch ein paar Fragen einwerfen konnte. 









Wie geht es den Kapwinzern momentan?
Andy Zimmermann: «Leider ziemlich dreckig. Es herrschte wegen Covid 19 bis 16. August ein absolutes Alkoholverkaufsverbot für ganz Südafrika. Somit hatten nur jene Wineries noch Umsatz, welche auch im Export tätig sind.»

Wie ist der Absatz in der Schweiz?
  
«Zum Glück immer leicht steigend. Heuer sowieso – Dank unserem Internetshop. Wir hatten Glück im Unglück, weil wenige Restaurants auf südafrikanische Weine setzen. Privatkunden machen den Löwenanteil aus.»

Weiss oder Rot, was liegt vorne?
«Die Schweizer trinken einen Drittel Weisswein und zwei Drittel Rotwein. Dieser Mix stimmt auch bei unserem Absatz.»

Gibt es Schnäppchen auf hohem Niveau?
«Ja schon, man muss halt entdeckungsfreudig sein. Die Weinproduktion ist recht teuer. Alles, was es für einen sehr guten Wein braucht, muss aus Europa importiert werden. Tanks, Barriques, Flaschen etc. Die holländische Rabo Bank analysierte, dass Südafrika die zweit-teuerste Weinproduktion der Welt aufweist». 

Wo sind die Kapweine Weltklasse?
«Die Anzahl von Spitzenweinen hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Mittler-weile gibt es rund 100 tolle Betriebe gibt. Qualitativ kann der Chardonnay und Pinot Noir in einer hohen Liga mithalten. Im Chenin Blanc ist das Kap schier unschlagbar, bleibt aber leider eine Nische. Hier gäbe es sehr viel zu entdecken. Nicht zu vergessen eine Vielzahl von spannenden Shiraz. Und tolle Grenache aus dem Swartland. Bei den klassischen Bordeaux-Blends ist Südafrika immer stärker unterwegs. Bei recht günstigen Preisen.  

Trotzdem gibt es sehr teure Exemplare!

«Wir haben mit dem Telos 2015 von Tokara eine Premiere im Sortiment. Das ist ein Blend aus 92% Cabernet Sauvignon, 5% Malbec und 3% Merlot. Davon wurden nur 1'000 Flaschen produziert. Er wurde sehr hoch bewertet und kostet bei uns 399 Franken.» 

Welches ist der Lieblings Sauvignon Blanc?
«Schwierige Frage! Da gehört sicherlich der Elgin von Tokara auch dazu. Der Sauvignon Blanc ist generell im Wandel, weil mittlerweile Winzer auch Trauben aus Durbanville und Darling mit in den Blend nehmen. Auf alle Fälle erfreuen sich alle Sauvignon Blancs in unserem Sortiment grosser Beliebtheit.»

HAUPTSACHE STACHELBEEREN

Die so genannte Kapstachelbeere (Physalis peruviana) kommt oft, als Aromenträger, im südafrikanischen Sauvignon Blanc vor. Vor allem, wenn diese aus etwas heisseren Anbaugebieten stammen. Dies dokumentiert die exotischen Nuancen, welche auch zu Ananas oder Passionsfrucht abdriften können. 
Die «mittleren Aromen» vom Sauvignon Blanc neigen zu Reflektionen von Nektarinen und weissem Pfirsich, reifen Stachelbeeren, Mayers-Lemon, sowie grünlicher Ananas. 

Die als typischste Sauvignon-Blanc-Aromen deklarierten Aromen werden durch den Gehalt an Methoxypyrazinen gebildet. Hier sprechen wir sowohl von fruchtigen wie gemüsigen Eindrücken. So etwa in Richtung knapp reifer Stachelbeeren, Limetten, Karambole, Paprika und grünem Spargel. 

Die Aromenvorkommen unterliegen den regionalen Klimata und hängen auch ganz stark vom Erntezeitpunkt ab. Einen Sauvignon Blanc kann der Winzer bei der Produktion viel mehr steuern wie einen Chardonnay.  

Der grosse PDF-Bericht mit 12 Sauvignon Blanc vom Kap findet man auf www.bxtotal.com 

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FÜR FREUNDE KLASSICHER POMEROLS 

1988 L’Eglise-Clinet: Vier Stunden dekantiert. Die Farbe ist recht dunkel, jedoch mehr Braun wie Rot. Das Bouquet ist erdig, leicht torfig, zeigt Jodnuancen und ätherische Grundzüge. Glücklicherweise kann man aus dem Untergrund auch nasse Trüffel erschnüffeln und Pflaumenresten. Er legt frische und getrocknete Küchenkräuter nach. Es scheinen nicht ganz ausgereifte Cabernet-Partikel mit dabei zu sein, doch diese verleihen diesem hoch reifen Pomerol irgendwie eine «coole Note». Fülliger, fleischiger Gaumen. Wie in der Nase zeigt er auch hier seine Tiefgründigkeit. Sicherlich konnte er seine knapp reifen Komponenten durch die lange Flaschenlagerung etwas nachreifen lassen. Wer alte Pomerols dieser Art mag und etwas Passendes dazu auf dem Teller vorfindet, der kann sich da richtig erfreuen. Gabriel inklusive. 19/20 austrinken


P.S. Am 11. Oktober 2020 findet eine grosse Eglise-Clinet-Vertikale mit über 30 Jahrgängen im Kanton Luzern statt.   https://www.weingabriel.ch/events-2020.shtml

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BORDEAUX 2009 & GABRIEL KUTTELN 

Als Koch fasziniert mich immer wieder die Frage, welche mir per Mail oft gestellt wird. «Herr Gabriel, wir zelebrieren an diesem Wochenende einen Rehrücken. Welchen Wein sollen wir dazu dekantieren?»

Am liebsten würde ich zurückfragen, ob es da auch Rotkraut mit Marroni dazu gibt? Speck und Champignon auch noch? Sogar Rosenkohl? Ausreichende Früchtegarnituren und natürlich auch noch Butterspätzli obendrauf! Und – ob denn der von mir vorgeschlagene Wein zur gesamten Kombination harmonieren sollte? 


Eigentlich müsste ich grad als gelernter Koch bei den möglichen Gerichten absolut pingelig sein. Bin ich aber nicht. Mit Toleranz fährt man in jedem Fall immer am besten. Sonst hat man nämlich den ganzen Abend Skrupel und fragt sich, ob man doch nicht einen anderen Wein hätte entkorken sollen. Einer, welcher allenfalls noch besser dazu gepasst hätte. 

Oft trinke ich einen einfachen Wein und haue mir dazu ein besonders teures Steak auf den Grill. Oder esse zu einem ganz vornehmen Cru einfach eine kalte Fleischplatte. Genuss kennt (fast) keine Grenzen. Versuchen Sie es und «hesitaten» sie dabei nie. Wenn es der Gabriel so proklamiert, dann muss es sicherlich einen Funken Wahrheit beinhalten. 

Um fünf Uhr gings, an diesem heissen August Donnerstag, im privaten Weinkeller los mit einem Wachauer Magnum-Aperitif und etwas gebrochenem Sbrinz von der Sagi Chäsi welche zwischen Rain und Eschenbach liegt. 
Am Freundestisch sassen; Zwei Mal Jörg, einmal Ruedi, einmal Urs, einmal Bärti, einmal Baschi. Meine Frau Karin machte uns die Ehre und gesellte sich bei diesem Part zu uns. Der-weil Labrador Iloy sich im Lager langweilte. 
Nach der Waldwanderung durch den Eschenbacher Wald assen wir in der Moos-Hütte Kutteln aus dem Topf. Selber gemacht. 
Für Nachkocher gebe ich an dieser Stelle gerne das Rezept preis. Aus Faulheit habe ich einen Film fabriziert und auf YOUTOUBE hochgeladen. https://youtu.be/qnP0wgUIZ1M

HABEN DIE CHINESEN RECHT? 

Ein nicht nachgewiesenes, chinesisches Sprichwort besagt dass, wer eine Diät macht, auf keinen Fall Wachauer Smaragde vom Jahrgang 2009 entkorken soll. 
Spass beiseite. Ich gebe hier offen zu, dass ich vom Wachauer-Jahrgang 2009 nur grad das Nötigste bestellte. Viel weniger wie sonst. Ab und zu entkorkte ich mal eine Flasche. «Ach Du dicke Bertha», sagte ich jedes Mal zu mir selbst. Weissweine sollen auf meiner Zunge tanzen. Aber von Tanzen war da keine Rede! Nur mühsam schleppten sich diese Weine lange über das mögliche Genussparket. Zuweilen liebäugelte ich mit dem Gedanken, alle 2009er auf die Auktion zu geben. Nicht weil diese nicht gut waren, aber einfach zu fett. 


«Die grössten Veltliner verschlanken sich mit der Flaschenreife». Der das sagte war kein geringerer als Weinpfarrer Johannes Denk. 
Was ihm zeitlebens nicht gelang und auch mir bisher nicht; die Grünen Veltliner schaffen das «Verschlanken». Zumindest die allerbesten. Und dieser heute geniale «M» gehört ganz sicher auch dazu. 

2009 Grüner Veltliner Smaragd M, F.X. Pichler: Intensives, brillant leuchtendes Senfgelb mit grünlichem Schimmer. Genial gereiftes Veltliner Bouquet; Mandelmehl, weisser Pfeffer, Sternfrucht und Akazienhonig. Intensiv, aber auch nicht zu wuchtig, dass noch ganz viele Facetten durchdringen können. Im Gaumen reich, mineralische Textur, zart salzig auf der gelbfruchtigen Zunge. Durch die Hitze des Jahrganges erinnern die exotischen Fruchtzüge an reife Ananas und Physalis. Eine gigantische Magnum, welche aussen und innen Grösse zeigt. 19/20 trinken, wer hat! 

LYNCH UND TIGER BALM

Ende Juli trank ich einen Lynch-Bages 1966. Er duftete deutlich nach rotem Tiger Balm. Bei diesem noch jungen 2009er dringen, wenn auch noch kaschiert, ähnliche Aromen durch. 

Erfunden wurde das Tiger Balm von den Brüdern Boon und Haw Par. Das rote trägt u.a.  Bestandteile von Pfefferminze, Menthol, Gewürznelke und Cajeput. Cajeput? Habe auch ich noch nie gehört. Nach meinen Recherchen weiss ich es. Es ist das gewonnene Extrakt aus der Silberbaum-Myrthenheide. 

2009 Château Lynch-Bages, Pauillac: Dunkles Granat-Purpur mit satter Mitte. Intensives Bouquet, Lakritze, Cassis, Baumnussschalen, Zimt, rotes Peru Balm und schwarze Pfefferkörner. Die Nasenladung ist geballt und hat sich in den letzten zwei Jahren so entwickelt, wie man es sich bei einem bald reifen Lynch wünschen würde. Ich verfolgte den Wein rund eine Viertelstunde lang, bevor ich den ersten Schluck verkostete. Beim letzten Nasenkontakt stand er mit einem Bein – vom Aroma her – fast im Napa Valley. Im Gaumen hat er seit letzten Kontakten an Fülle zugenommen und die Gerbstoffe powern zwar immer noch heftig, dies jedoch in leicht abgemilderter Form. Der Fluss ist zwischen arrogant und anmutig. Er schafft aber diesen Quantensprung locker.  Es ist das erste Mal, dass ich ganz deutlich spüre, dass er zu den allerbesten Weinen dieses äusserst beliebten Château mutiert. Ich setzte ihn jetzt auf die gleiche Jahrhundertstufe wie den 2000er. Letzterer wird in den kommenden Jahren doch eher eine klassische Tendenz wahrnehmen. Der Lynch 2009 mutiert tendenziell eher zur Weltklasse-Droge. 20/20 beginnen
  
Noch ist der Lynch-Bages 2009 für unter 200 Franken zu haben. Das war auch beim gesuchten 2000er lange so. Heute kostet er wesentlich mehr. Tendenz kontinuierlich steigend! Für beide Jahrgänge …

RENÉ ALLEIN ZU HAUSE 

Schon seit Tagen freute ich mich auf den Donnerstag. «Bordeaux 2009», das wird was geben. Vor lauter Ungeduld fing ich schon zwei Tage vorher an. Mein Glück; vom Bordeaux 2009 habe ich keine einzige halbe Flasche im Keller. Also musste ich mich an ein Normalformat heranpirschen.

Ich fing schon um sechs Uhr an. So rechnete ich aus, dass ich wohl einen recht schönen Teil von diesem herrlichen Wein geniessen konnte. Auch war mit einem 333 Gramm schweren Kalbssteak auch für genügend Boden gesorgt. Früher hätte ich so eine Bouteille allein locker geschafft. Doch jetzt – schaffte diese mich! 

2009 Château Léoville-Barton, Saint Julien: Sattes Granat mit lila Rand. Das Bouquet legt gleich los, kommt süss und beerig daher. Die Fruchtreife ist hoch, aber nicht überreif. Zedernduft kommt durch und ein Hauch von dominikanischem Tabak. Im Untergrund Cassis und Edelhölzer. Keine Bombe aber für einen Saint Julien ist da schon recht viel los in der Nase. Im Gaumen berauscht er wiederum mit einem süssen, satten, extrem beerigen Extrakt. Die Adstringenz scheint abgeklärt und so kann man hier beginnen diesen vielleicht etwas atypischen, aber doch riesengrossen Barton hemmungslos zu geniessen. Man muss ihn nicht mal dekantieren. Es ist/war hoch spannend diesen Wein über mehrere Stunden zu verfolgen. 19/20 trinken

Der ganze PDF-Bericht auf sechs Seiten inklusivem dem 20/20 2009er Lafite-Rotschild  auf www.bxtotal.com 
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PAPE ANSTATT PAPPERLAPAPP

 
Unter Papperlapapp versteht man dummes Geschwätz, unsinniges Gerede oder auch Geplapper. Letzteres tönt am ehesten noch wie Papperlapapp. Unsinn haben wir nicht geredet, sonders es war wie immer ein «talk around the wine» mit Freunden. 
Als wir nach unserer einstündigen Wanderung am frühen Abend in der Moos Hütte ankamen, zeigte das Thermometer auf 31 Grad Celsius. So war denn – zumindest in ersten Moment – kühles Wasser wesentlich gefragter wie temperierter Rotwein. 

Wie immer starteten wir den privaten Event mit einer Fotosession.  Die Palette liess sich ansehen. Die Bandbreite betrug mehr als zwei Dekaden. Und zeigte in der Folge auch gleich epochale Einschnitte, welche auf die Vinifikationen von Château Pape-Clément einwirkten. Die nicht so gute alte Zeit beim 1978er. Die Evolution mit den Jahrgängen 1995, 1996, 1998 und 1999. Und die Garagenwein-Revolution ab dem Jahr 2000!

Die ganze Story: www.bxtotal.com

DAS GEHEIMNIS VOM 1996ER PAPE
 
Es war der bisher beste und solideste Pape den ich im April 1997 auf dem Château verkostete. 

Beim anschliessenden Diner verriet mir der damalige Direktor Bernard Pujol das Geheimnis von diesem grossartigen Wein … 

«In den letzten Jahren haben wir im Rebberg hart an kleinen Details gearbeitet. Der Boden wurde nicht mehr gedüngt und einen möglichst grossen Ausgleich mit der Natur gesucht. Das ist ein langer Prozess, der jetzt langsam Früchte trägt. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal, nebst einer grünen Traubenernte im Sommer, die Blättermengen an den Rebstöcken reduziert. Diesen Vorgang haben wir in zwei verschiedenen Zeitabschnitten gemacht. Einmal Mitte Juli und noch einmal Mitte August. Im Prinzip ist es eigentlich logisch; wenn man weniger Trauben heranwachsen lässt, so braucht es auch weniger Blätter. Sonst geht wieder ein Teil der Kraft des künftigen Weines im Wachstum des Blattwerkes verloren. Das Wichtigste ist aber, dass die Sonne besser an die Trauben herankommt, und dass der Rebberg besser durchlüftet wird. Dies bringt eine schnellere Trockenheit nach allfälligen Regengüssen und sofort wieder eine bessere Konzentration. Das Endresultat waren optimal reife, konzentrierte Trauben. Dies erlaubte uns wiederum sehr lange Extraktionen zu machen. Wir liessen den Wein zwischen 30 und 31 Grad Celsius im Gärtank. Genug, um die lebenswichtigen Tannine in den Wein zu transformieren, aber auch mit der Garantie, dass uns viel Frucht erhalten bleibt. Dieses Jahr haben wir während der Nachmazeration ein neues System angewendet. Normalerweise bewegt man die Maische durch starke Remontagen. Dabei werden aber die Traubenkerne, die sich unten im Gärtank befinden wieder aufgewirbelt und kommen ebenfalls in die Nachmazeration.
 
Aber genau dort drin sind jene Tannine, die wir möglichst vermeiden wollen. Nun haben wir mit einer Sonde schonend Sauerstoff in den unteren Teil des Cuves gepumpt. Dadurch wurden nur die oberen zwei Drittel der Tankmasse bewegt und so konnten wir den Wein optimal belüften und sanft die oben liegenden Traubenschalen bewegen. Das Wichtigste daran war, dass wir eine längere Mazeration machen konnten, was dem Pape-Clément wiederum sehr viel Potential und Kraft mitgegeben hat. Daraufhin haben wir von der Hälfte der Ernte die malolaktische Gärung im Tank gemacht und die andere Hälfte in den Barriquen. Die Assemblage vom Grand Vin beträgt 70 % Cabernet Sauvignon und 30 % Merlot. Es wird ziemlich genau hunderttausend Flaschen Pape-Clément 1996 geben!» 

1996 Château Pape-Clément, Pessac-Léognan: Die Farbe ist dunkler als jene vom Jahrgang 1995. Immer noch kräftiges Purpur mit sanft aufhellendem Rand. Das Nasenbild ist sehr dicht, aromatisch und zeigt eine schöne, leicht erdig-jodige Pessac-Note. Darunter nimmt man dunkles Malz und Black Currant Pastillen wahr. Mit längerem Luftzutritt vermischen sich Kräuter und helle Ledernoten mit dem faszinierenden Nasenbild. Im Gaumen cremig, fein und lang. Die Gerbstoffe sind royal und verleihen diesem absolut genialen Pape Harmonie pur. Das Finale bleibt sehr aromatisch und klingt sehr lange nach. Ein Wein ohne Wenn und Aber und immer noch im Markt zu finden. 19/20 trinken 

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WIE LEICHT IST WASSER?

planet-schule.de weiss es genau: «Physikalisch wird Dichte als Quotient von Masse und Volumen definiert (Masse geteilt durch Volumen). Wasser hat eine Dichte von 1,0 g/cm3 (Ein Liter Wasser wiegt 1 kg und hat ein Volumen von 1000 cm3.)»

Lauretana.de differenziert aber diese Formel indem deren Produkt als «leichtestes Wasser Europas» deklariert wird. Die Begründung: Mit nur 14 Milligramm Mineralsalze pro Liter hat Lauretana den geringsten Gehalt an gelösten Fettstoffen aller natürlich Wasser Europas. 

Und wenn wir schon beim Wasser sind. Das teuerste Wasser der Welt stammt aus Japan. Genauer vom Rokko Mizu. Es heisst auch sehr ähnlich «Rokko no Mizu». Im Markt kostet ein Liter rund 135 Franken.  Ausser in der Region wo es herkommt. Dort kann man dieses Luxus-Wasser für rund einen Euro kaufen. 


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2007 BRUNELLO & SIDI BARRANI

Zu einem kräftigen Brunello di Montalcino passen klassische, italienische Gerichte ganz hervorragend. Ein Brasato zum Beispiel. Oder ein Osso Bucco. Auch ein Scallopine oder ein Involtini könnte auf jeden Fall eine verführerische Kombination sein. 
Aber welchem Gastgeber kommt es denn schon, um Himmels Willen, in den Sinn verschiedene Brunelli in Begleitung von einem Sidi Barrani auf den Tisch zu bringen? 

Der Gastgeber hiess Urs Wolfisberg. Im gastronomischen Verbund mit seiner Frau Marie-Therese servierte er ein herrliche Salatvariation mit Tomaten und anschliessend einen Schweinsnierstückbraten mit einem klassischen, wunderbar schmeckenden Risotto Milanese. Letztere Zubereitung basiert übrigens auf Safran.

Daraus resultierend muss jetzt der geneigte Leser langsam merken, dass Mann einen Sidi Barrani gar nicht essen kann …
Eigentlich ist Sidi Barrani ja eine Gemeinde im nordwestlichen Teil von Ägypten. Das wissen aber wohl die wenigsten Schweizer. 
Was eingefleischte Helvetier aber sicherlich wissen; beim Sidi Barrani handelt es sich um ein uriges Kartenspiel. Das ist – auch für gewohnte Jasser – zu Beginn recht kompliziert. 

Wir haben an diesem Abend den «Sidi» gemacht. Und zwar mit einem Doppelkart bei dem die Sechser, Siebner und Achter entfernt werden. Somit spielt jeder Teilnehmer mit insgesamt einem Dutzend Karten.  Wie er gespielt wird, kann man auf www.jassregeln.ch nachlesen. Aber die Schweiz wäre nicht die Schweiz, wenn dieses Spiel nicht noch in x-verschiedenen Varianten kantonal und regional abgeändert würde.

Auf alle Fälle empfiehlt es sich einen klaren Kopf zu bewahren. Also sollte man während des Spiels auf grössere Rationen von Wein verzichten. Wenn sich aber alle Teilnehmer ungefähr gleich viel roten Rebensaft einverleiben, dann geht die Rechnung in der Folge irgendwie auch wieder auf. 

Auf dem Gabentisch standen sechs verschiedene Brunello di Montalcino bereit. Alle rechtzeitig geöffnet und richtigerweise mehrere Stunden dekantiert. 

Die ganze Story findet man auf www.bxtotal.com


SENSATIONS-CERBAIOLO; 20/20!

Mittlerweile fundiert diese Erfolgsgeschichte in der dritten Generation. Umberto Salvioni hatte Agrikultur studiert und entschied sich seinen eigenen Wein zu machen. Für sich und für seine Freunde. Sein Sohn Guido übernahm mit seiner Frau Mirella dieses «Mini-vertriebssystem», erweiterte den Freund-schaftskreis und steigerte die Produktion. 

1985 kam der erste Cerbaiolo auf den Markt. Das Weingut Salvioni liegt auf 420 Meter Meereshöhe. Das Terroir ist kiesig und kalkig und liefert ein breites Bodenspektrum von ausdrucksvoller Mineralität. Bei diesem klassischen Brunello sind Barriquen verpönt. Der Cerbaiolo wird in 2'000 Liter fassenden Holzbottichen ausgebaut. 

2007 Brunello di Montalcino La Cerbaiola Salvioni: Tiefdunkles Granat. Sehr intensives, warmes Bouquet, Lakritze, reife Pflaumen, Black Currant und schwarze Schokolade. Im zweiten Ansatz wird er würziger und zeigt viele Kräutertöne. Dies in getrockneter, aber auch frischer Form. Vom Untergrund her duftet es nach Teer und Trüffel und weiteren, dunklen Edelpilzen. Im Gaumen Guinness-Malz und kalifornische Backpflaumen. Die Tannine sind perfekt reif und erzeugen eine harmonische Balance. Ein absolut royaler Toskaner. Ich kann mich nicht erinnern je einmal einen so gigantischen Brunello im Gabriel-Glas gehabt zu haben. Leider hat diese aussergewöhnliche Qualität auch seinen Preis. Im Europa-Markt muss man für eine Flasche über 200 Franken hinblättern. 20/20 trinken

FRANCESO ILLY’S BRUNELLO

Vor Jahren sassen wir an einem Tisch in einem italienischen Restaurant in Zürich. Jemand hatte uns zu diesem Lunch «verkuppelt». 

«Ich bin der Franceso», sagte er zur Begrüssung. So unkompliziert wie es begann, so ging es auch weiter. Er hatte viel mehr zu Erzählen als ich. Doch leider reichte dieses Mittagessen mit diesem Abenteurer bei weitem nicht aus, um seine eindrückliche Lebensgeschichte ganz auszukosten.  

Ein spannender Mann mit vielen Talenten. Einer der sich sucht und irgendwie nie ganz zufrieden ist, mit dem was er findet. Natürlich steht seine dokumentarische Liebe zum Kaffee im Vordergrund. Zuweilen bekommt man bei ihm auf das Gefühl, dass in seinen Adern statt Blut gar Kaffee fliesst. Seine Hobbys werden deklariert als Fotograf, Segler und Pilot.  

Seit 1998 ist der berühmte «Kaffeeologe» Illy auch Besitzer der Podere le Ripi, Lupi e Sirene im Brunello Gebiet. Wohl einer seiner besten Jahrgänge haben wir kürzlich getrunken. 
 
2007 Brunello di Montalcino Podere le Ripi e Sirene: Dunkles Granat mit feinen Reifetönen. Es duftet vielschichtig nach Kaffee (wen wunderts?), nach Rosinen, Caramel, Edelhölzern und roten Beeren. Die dezent laktische Note im Nasenbild verleiht ihm eine buttrige Fülle. Im Gaumen zeigt er einen cremig-eleganten Fluss, die Tannine stützen und füllen gleichzeitig. Im Finale erspürt man getrocknete Rosenblätter, Stielwürze und getrockneter Rosmarin. Der allerletzte Eindruck; Kirschlikör. Vielleicht mag man ihm attestieren, dass er nicht ganz klassisch daherkommt. Der riesige Genusspass macht dies aber wieder locker wett. 18/20 trinken

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SUVERETO-CABERNET-FRANC

Wer reist kann was erleben. Heute war es ein kleiner Ausflug zur Weinhandlung Stämpfli in Laupen. Zum Senior Walter und zum Junior Nicolas. Wein ist die Blutgruppe der Familie Stämpfli, seit 1904.

Heute blickt man in die Zukunft. Mit einem Pflicht- und Kürsortiment.

Wir verkosteten ein paar Rotweine aus der Kür-Liga. Einer fällt mir auf …

Der Cabernet Franc erfreut sich unter den Freaks zunehmender Beliebtheit. Überall dort, wo es sehr guten Cabernet Sauvignon oder Merlot ist, kann man – wenn das Klima und die Bodenbeschaffenheit stimmen – auch einen grossartigen Cabernet Franc erzeugen. Doch meist, landen zuweilen spannende Chargen in einem Blend und verhelfen in der Assemblage zu Harmonie und Würze. 
Wir verkosteten den 2016 Filare Cabernet Franc von der Tenuta Casadei, welche ihre Produktion aus Rebbergen der Region Suvereto (Maremma/Livorno) einbringt. Just geöffnet ist er fast etwas grün mit seiner leicht dominanten Würze. So blättrig halt, ergänzt durch dunkelpflaumige Noten. Im Gaumen merkte man seine Konzentration, doch der Fluss war – eben just geöffnet – noch leicht mehlig. Ich bat darum eine Flasche mit nach Hause nehmen zu dürfen. Und ich wollte auch die am Vormittag entkorkte Flasche parallel dazu verkosten. Die rund sieben Stunden Luft verhalfen diesem Maremma-Cabernet-Franc zu Höhenflügen. Weich, anmutig, harmonisch, breit ausgelegt und voll von dunkler Beerenfrucht und malziger Süsse. Was mir vor allem gefällt; er ist in der Mitte floral hinterlässt keine überreifen, rosinig-heissen Eindrücke. Das Finale ist nachhaltig, aromatisch und beruhigend. 18/20.
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Mit weniger als 35 Franken kann er mit wesentlich teureren Brüdern seiner Region locker mithalten. Die Sache hat ab er einen Hacken. Bei Stämpfli in Laufen gibt es davon nurmehr 112 Flaschen. Stand heute! Kaufen und mindestens fünf Stunden dekantieren.


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KLEINES CHÂTEAU – GROSSE WEINE

Diese Weinreise führt an den Murtensee. Nach Môtier. Zur Winzerfamilie Simonet. Dort werden jährlich rund zwei Dutzend Weine abgefüllt. Wenig mehr wie 100’000 Flaschen. Heute weniger wie früher, weil biodynamisch. Mehrheitlich Chasselas, Pinot & Co. So wie die Konkurrenten. Das ist die Pflicht und die Tradition. 

Doch bei Simonets gibt es – seit gut zehn Jahren – auch eine Kür. Und diese Innovation liegt in den Assemblagen. Das ehrgeizige Projekt trägt Früchte. Mit dem Associé und Initial etablieren sich zwei Premium-Weine an der Schweizer Elite. 
 
Seit mehr als 200 Jahren sind die Familien Simonet Winzer am Vully. In nächster Zeit ist eine Stabsübergabe geplant. Eric und Anni Simonet werden das «kleine Château» an die Söhne Stéphane und Fabrice übergeben. 

Empfangen werden wir von Fabrice Simonet. Er ist der Visionär des Betriebes. Irgendwie aber auch der Aussenminister. 
Wir sind seinem (An-)Ruf gefolgt. Mit wir meine ich den Weinhändler Markus Müller aus Goldau und meine Wenigkeit.  Der beste Wein dieser eindrücklichen Probe ...

2018 Initial, le Petit Château: Preis CHF 97. Produktion 2400 Flaschen. Assemblage; 60% Merlot, 40 % Diolinoir: Einen Monat vor der Abfüllung verkostet. Sattes, sehr dunkles Purpur mit violettem Schimmer. Grossartiges, vielschichtiges Bouquet, frische, klar ausgerichtete Frucht mit blauen und schwarzen Beeren, vermischt mit floralen Nuancen, zartes Vanillin im Untergrund, Lakritze, Zimt und dunkle Edelhölzer. Royaler Nasenansatz. Im Gaumen schmeichelnd, füllig, cremig, wunderschön ausgelegt mit königlicher, reifer Adstringenz. Sattes Extrakt, auch hier bleibt die Aromatik im dunklen Fruchtbereich. Im Finale gemahlener Szechuan Pfeffer, Waldhimbeeren, Backpflaumen und dunkelrote Rosen. In der Nase ist er eigentlich schon bald ready. Im Gaumen zeigt aber an, dass das Alterungspotential in den nächsten Jahren noch etwas an Genusstribut zollt. Etabliert sich mit dieser Sonderleistung ganz klar in der schweizerischen Rotwein-Blend-Elite. Swissness mit Weltklasse! 19/20 2025 – 2030

Kommt im Dezember auf den Markt: www.lepetitchateau.ch


SPITZE MIT MEHR SWISSNESS

Fabrice Simonet ist nicht der einzige Winzer auf der Welt, welcher die Welt der Weine revolutionieren wollte und später von Revolution auf Evolution wechselte. 

Nach der Weinprobe folgt in der Regel die Diskussion. Der Winzer hat ein Anrecht auf ein Feed-Back, wenn er schon seine Zeit in Verkostungen investiert und seine kostbaren Flaschen entkorkt.

Diesmal ergab sich ein Frag- und Antwortspiel. Im englischen auch Interview genannt …




René Gabriel: «Die neuen Jahrgänge zeigen meiner Ansicht nach mehr Eigenständigkeit.»

Fabrice Simonet: «Zu Beginn haben wir unsere Schützlinge vielleicht etwas zu stark mit dem Holzausbau gefördert und auch gefordert. Heute nehmen wir den Anteil von neuen Barriques zurück und liegen aktuell so zwischen 50% bis 60%.»
Gabriel: «Wenn wir schon beim Holz sind, welche Fasslieferanten kriegen eine Bestellung vom Petit Château?»

Simonet: «Wir haben mit Seguin Moreau und Boutes bisher gute Erfahrungen gemacht. Wir kaufen aber in der Schweiz hergestellte Fässer von der Küferei Thurnheer aus Berneck.»

Gabriel: «Ist dies ein Anzeichen zu mehr Swissness in Euren Weinen?»

Simonet: «Beim Ausbau im Fass ist die von uns gewünschte Swissness nicht besonders gut möglich. Dafür umso mehr bei der Selektion der verwendeten Traubensorten im Blend. Wir haben gemerkt, dass uns beim Cabernet Sauvignon klimatische Grenzen gesetzt sind. Auch ist da die Qualitätskonkurrenz im Ausland mörderisch. Wir setzten momentan stark auf den Diolinoir. Das ist eine helvetische Sorte, welche unseren Spitzenweinen die gewünschte Identität verleiht. Der Diolinoir ist meiner Ansicht nach eine Superbasis für jegliche Blendvariationen. Er reift perfekt aus, zeigt keine grünen Töne. Er mauert den Wein. Er liefert das Skelett, aber auch das Rückgrat und trägt sicherlich viel zum künftigen Alterungspotential bei.»

Gabriel: «Der Cabernet Sauvignon und der Syrah sind beim Initial 2018 komplett aus der Assemblage eliminiert worden!»

Simonet: «Und auch beim Associé. Wie schon erwähnt setzte ich da primär auf den Diolinoir. Der Rest wird mit Merlot ergänzt. Er ist ein sehr guter Partner im Blend. Der Merlot ist für die Primäraromen zuständig, für den nasalen Power. Er bringt Charme und Fett in unsere Weine.»

Gabriel: «Sprechen wir mal über den Preis. Sind 97 Franken für einen roten Vully nicht etwas unverschämt?» 

Simonet: «Es war eine hohe Preislatte bei der Lancierung. Der Preis hatte aber auch eine Lokomotivwirkung. Für den Vully und für unseren Betrieb. Dem anfänglichen Kopfschütteln in der Weinszene, folgte eine schnelle Aufmerksamkeit und glücklicher-weise auch eine grosse Nachfrage. Wir sind beim Associé, wie auch beim Initial, jeweils innerhalb eines halben Jahres ausverkauft. Der Anfangspreis war hoch und wir haben ihn auch so behalten. Im Restaurant kostet der Initial in der Regel um 200 Franken. Das ist sicherlich eine gastronomische Schmerzgrenze für einen Schweizer Spitzenwein!»

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Bordeaux Primeur 2019: Herausragend und günstig

Home-Office statt Châteaubesuche. André Kunz berichtet: Hätten wir die 2019 Primeur Weine in den 1990er Jahr degustieren können, hätte die ganze Weinwelt gejubelt, aber heute ist es ‚nur‘ ein Jahrgang mehr in der Reihe grossartiger Jahrgänge , 2000, 2005, 2009, 2010, 2015, 2016 und 2018, der letzten Jahre.  Der Jahrgang zeichnet sich durch eine unglaubliche Frische und Eleganz aus. Sie werden nicht sehr lange brauchen bis sie eine erste Trinkreife erreicht haben, aber sie werden trotzdem eine sehr lang Phase in der optimalen Genussphase haben. 2019 ist fast ein Zwilling vom 2018, welches für mich der grösste Jahrgang war, den ich ab Fass degustieren konnte, das einzige was 2018 mehr hat, ist eine Spur mehr Druck im Gaumen. Die produziert Menge ist ein bisschen höher als in den letzten Jahren.

Das Zusammenspiel grossartige Qualität und Preise die mehrheitlich 20% - 30% tiefer sind als im Vorjahr, macht diesen Jahrgang wieder einmal zu einer richtigen Kaufempfehlung. Es haben auch viele der günstigen Weine und Weine im mittleren Preisniveau in den letzten Jahren regelmässig die Qualität gesteigert, so dass es in jedem Preissegment Weine gibt, die man im Keller haben sollte.

Der Bericht und die Bewertungen von André Kunz www.bxtotal.com

KAUF-EMPFEHLUNGEN VON ANDRÉ KUNZ

Es war keine einfache Aufgabe aus den vielen grossartigen Weinen ein paar wenige auszuwählen, die ich besonders empfehlen kann.

Es ist auch zu beachten, dass ich unter den speziellen Umständen einige wichtig Weine nicht degustieren konnte, z.B. Château Montrose soll aussergewöhnlich gut sein, aber es sind nur Weine in den Empfehlungen die ich probieren konnte. Selbstverständlich ist die Auswahl von meinem eigenen Geschmack beeinflusst.

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1994 DOMINUS FÜR DOMINIC (1994)
 
Dominus ist ein kalifornischer Spitzenwein. Dominic ist ein Spitzenkoch aus Buonas. Um diese Beiden dreht sich die folgende Geschichte. Und um vieles mehr …

Er ist 7. März 1994 geboren. Das war ein Montag. Normalerweise wird dieser Vorname für an einem Sonntag geborene Kinder verwendet. Gemäss dem Namensforscher Knud Bielefeld war Dominique (übliche Schreibweise) bis in Jahr 1890 der beliebteste Vorname in Deutschland.

BEKANNTE NAMENSTRÄGER

Das gibt/gäbe es viele. So zum Beispiel der Schweizer Motorradfahrer Dominique Aegerter. Eine berühmte Dame mit diesem Namen ist die amerikanische Schauspielerin Dominique Swain. Die ist bekannt geworden als sie im gleichnamigen, ziemlich skandalösen Film die «Lolita» spielte.

AM 7. MÄRZ 1994 GEBOREN

Am gleichen Tag wie Dominic feiern viele Geburtstag. So der deutsche Fussballspieler Marvin Ducksch. Oder der englische Fussballspieler Jordan Pickford. Das amerikanische Model Devon Windsor und der englische Boxer Josh Kelli feiern am gleichen Tag Geburtstag wie Dominic.

JASSEN ALS TRADITION

Freund Bärti Stocker und ich klopften manchen Jass mit Dominic’s Vater Beat.
Als Anknüpfung an diese Tradition führen wir diese Jassrunde mit Dominic weiter. Zumindest war an diesem Juli-Montag ein erster Anfang.

Damit dieser weinige Montag möglichst gut in Erinnerung bleibt, entkorkten wir den ganzen Abend lang Weine vom Jahrgang 1994.

Die ganze Geschichte: www.bxtotal.com

JASSEN MIT RIED SCHÜTT

Genial gereift; der 1994 Riesling Ried Schütt von Emmerich Knoll.

Da ärgert man sich auch nicht, wenn Mann verliert.

P.S. Wir haben gewonnen.


1994 Riesling Steinertal, F.X. Pichler: Grün-Gelb-Golden leuchtend. Intensives Bouquet, Karambole, Senfnoten und Kümmelsamen. Also eher auf der würzigen und vegetabilen Seite. Der Schieferton ist da, aber nicht so intensiv, dass er zu dominant wirkt. Eher als Ausdruck einer wundervollen Mineralik. Im Gaumen ist er mit einer gut stützenden, intakten Säure unterwegs. Hier findet man eher Fruchtresten wie in der Nase. So in Richtung Stachelbeeren und knapp reifer Pfirsich. Die Balance ist perfekt. Muss sie auch, sonst hätte dieser geniale F.X.-Riesling nicht so herrlich 26 Jahre lang reifen können. Dieser Steinertal ist heute noch ein ganz grosses Erlebnis und ein Genuss-Eldorado für Wachau Altweinfans. 19/20 trinken

LÄNGSTER KORKEN: SHAFER

Mit 53 Millimeter war Shafer Korkensieger der US-Weine aus dem Jahrgang 1994.

Beim Korkenkauf gilt das Motto; je länger desto teurer. Die Korkenpreise schwanken zwischen 40 Rappen bis zu CHF 2.50!







DOMINIC MIT DOMINUS

Das Lächeln ist sein Markenzeichen. Hier hält Dominic Bürli (Wildenmann Buonas) den besten Wein des Abends von seinem Jahrgang in der Hand.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit kann man diesen Wein im Schweizer Markt noch für 400 Franken kaufen. Es gibt mehrere Anbieter.    



1994 Dominus, Napa Valley: Gereiftes, dezent mattes Weinrot, minim ziegelroter Rand. Von allen vier verkosteten Kalifornien Weinen zeigt er das reifste Nasenbild. Das Bouquet ist malzig, zeigt Irisch Moos, Backpflaumen, Darjeeling und Jasmin Tee. Im zweiten Ansatz dokumentiert er einen fantastischen, vielschichtigen Kräuterreigen. Das Faszinierende, er ist fast zu süss, bleibt aber direkt, floral und fruchtig. Im Gaumen erhaben, samtig, weiches Tannine, samtene Textur, gebündelt im Finale. Er ist jetzt voll reif, aber Genusshetze ist keine angesagt. Was passiert, wenn man einen grossen reifen, Cheval, einen Pétrus und einen Lafite miteinander vermischt? Das gibt dann einen Dominus 1994. So eine Art Bordeaux – mitten im Napa Valley. 20/20 trinken

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SCHWEIZER TRINKEN WENIGER WEIN  

Das hätte ich nicht gedacht. Doch es stand heute so in meiner Tageszeitung. Die Schweizer trinken immer weniger Wein! Innerhalb von 10 Jahren ist der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von 46.9 Flaschen auf 39.4 Flaschen pro Jahr gesunken.

Bei solchen Zahlen halte ich mich immer an Sir Winston Churchill. Der sagte einmal: «Ich glaube nur an Statistiken, welche ich selbst gefälscht habe».

Was ich auch glaube ist, dass meine persönlichen Werte leicht über dem generellen Konsum liegen. Dieses Jahr auf jeden Fall. Denn 2020 ist ein Schaltjahr. Dies ergibt einen Tag mehr für den persönlichen Weinkonsum …  

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100%  MERLOT – WENIG BEKANNT

Es ist keine optische Täuschung. Weil es eine Magnumflasche ist, habe ich das Gabriel-Gold-Glas etwas noch vorne geschoben. So stimmen die visuellen Proportionen.
Ein winziges Weingut mit bekannten Nachbarn. So etwa Pétrus, Vieux Château Certan, Clinet und Le Gay.

2011 Château La Fleur-de-Gay, Pomerol: Magnum. Sanft reifendes Rot. Die Nase ist mehr würzig den fruchtig; Blattnoten, Rosmarin, Minze, dahinter erst Pflaumen in frischer Form begleitet von floralem bis fast pfeffrigen Konturen. Im Gaumen ist er sehr aromatisch, zeigt eine coole Merlot-Expression und minime, erste Schokonoten im Finale. Es gibt sich fast noch etwas reserviert und ich hätte ihn eigentlich etwas reifer erwartet. Gut für ihn, denn so zeigt er durch seine Langlebigkeit auch Charakter und Grösse. Kann sicherlich noch zulegen. 18/20 beginnen

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GRAF NEIPPERG IN DER JAGDHÜTTE
 
Bei der Familie Neipperg handelt es sich um ein altes, deutsches Adelsgeschlecht von Herren, Reichsritter, Reichsgrafen und Grafen. Die Wurzeln gehen mindestens auf anno 1241 zurück. Da ist im schwäbischen Schwaigern die Burg Neipperg entstanden.

Der Bordelaiser Winzer Stephan von Neipperg ist ein Graf. Und der wohnt in einem Château in Saint Emilion. An diesem ersten Tag im Juli 2020 reiste er extra von Bordeaux in die Schweiz. In der Jagdhütte von Eschenbach bewies der adelige Graf, dass er auch durchaus bürgerliche Wohlfühlqualitäten in sich trägt.
 

An diesem Mittwoch herrschte gräfliches Kaiserwetter. Zumindest am Anfang, so gegen den Abend. Also machten wir uns zu Fuss auf den Weg zur Jagdhütte. Einer musste halt das Foto knipsten. Also bin ich nicht auf dem sonnigen Bild. Der Rest der Fusstruppe von links nach rechts; Baschi Schwander mybestweine.ch. Stephan von Neipperg neipperg.com. André Kunz, bxtotal.com und Silvio Denz, denzweine.ch.

Oben auf dem Titelbild; Bärti Stocker, der die reifen Weine des Abends aus seinem Keller stellte. Als wir marschierten war er, mit Hüttenwart Guido Rast, damit beschäftigt die Grillstelle ordentlich einzufeuern.     
 
Als wir dort ankamen, standen die Gläser bereit und die zu einverleibenden Flaschen zitterten auf dem Tisch. Nach einer Fotosession mit verschiedenen Sujets kam der Korkenzieher zum unermüdlichen Einsatz.
Die Weinkenner sassen kampfeslustig um den Tisch. Die intensiven Weinspiele konnten somit beginnen …

Die Notizen von Canon-La-Gaffelière 1998 bis 2019 wie immer auf www.bxtotal.com

EIN DUO VOM JAHRGANG 2000

Der Cabernet Franc spielt beim Canon-La-Gaffelière eine wichtige Rolle. Beim La Mondotte ist der Merlot Grössengarant.

Was die beiden aber ganz sicher verbindet ist die Gabriel Wertung: 19/20






REIFE SCHAF- UND ZIEGENKÄSE

Auf dem Bild sind die wunderbar würzigen Käse noch ganz. Unten sieht man, dass wir, wohl richtigerweise den Jahrgang 2003 zur Käseselektion von Maître Anthony servierten.
   
2003 Château Canon-La-Gaffelière: Mattes Purpur mit zielrotem Rand. Süsses, schier portig anmutendes Bouquet, frisch geschleuderter Honig, helles Caramel, Rosinen und gedörrte Datteln. Im zweiten Ansatz; getrockneter Thymian und Kreuzkümmel. Blind hätte man da wohl eher auf einen Châteauneuf-du-Pape aus einem heissen Jahr gesetzt. Wenigstens stimmt das mit dem heissen Jahr. Denn – im 2003 kämpften die Bordeaux Winzer arg mit der Sommer- und Herbsthitze. Im Gaumen ist der Wein auf der Zunge leicht kernig, aussen mit vollem Schmelz unterwegs. Und wieder liefert er, vor allem im Finale, Dörrfrüchte ohne Ende ab. «Atypisch – aber geil», so könnte die Zusammenfassung lauten. Diesem Jahrgang wurde eine schwierige Zukunft vorausgesagt. Nach 17 Jahren ist daraus eine tolle Weinbombe geworden. Wie die weitere Zukunft aussieht ist schwierig einzuschätzen. Aber all zu dunkel sind die Prognosen in diesem Falle nicht. 18/20 trinken   

DES GRAFEN AKTUELL BESTER WEIN

Zumindest im Moment. Es ist unglaublich, wie dieser phänomenale 2009er im Moment abliefert.

Bereits als Fassprobe bewertete ich diesen Wein im Jahr 2010 mit 19 von 20 Punkten. Und ich notierte mir auch ganz genau dessen Assemblage: 55 % Merlot, 35 % Cabernet Franc, 10 % Cabernet Sauvignon. Der Ertrag im Rebberg lag bei 34 Hektoliter pro Hektar. Was wiederum dessen enorme Konzentration deklariert.


Mit grosser Wahrscheinlichkeit kann man diese Ikone im Markt noch für 120 bis 140 Franken finden. Kaufen! Kaufen! Kaufen!

2009 Château Canon-La-Gaffelière: Sattes, dichtes Weinrot. Das erotisch anmutende Bouquet ist von der ersten Sekunde an umwerfend, ausladend, ergiebig. Ein Reigen von fast buttriger Süsse vermischt mit frischem Caramel, Nusspralinen, Zimt, Kardamom und Dörrfeigen. Im Gaumen liefert er ein komplexes Maximum ab und sprengt mit seiner Fülle fast den Rachenraum. Der Reichtum dieses Weines ist dokumentarisch. Er befindet sich weit weg von jeglicher Klassik. Im Prinzip ist er aber – aus der Warte des Jahrganges 2009 gesehen – ein absolutes Prachtexemplar. Ein gigantisches, schier erschlagendes Weinerlebnis, welches wohl noch mindestens 20 Jahre genau in dieser Form weiter anhalten wird. 20/20 trinken 

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CABERNET AUS MALANS

Das gab es früher. Wenn man es nicht versucht, so weiss man es nicht. Winzerexperimente dienen dazu, das Sortiment auf lange Sicht zu definieren. Ein paar Jahrgänge hat Thommy Donatsch einen reinen, in Barrique ausgebauten – Cabernet abgefüllt. Wenn auch in kleinen Versuchsmengen. Später kam der Cabernet dann in einen Blend. Heute habe ich auf der Webseite www.donatsch.info keinen Hinweis mehr auf Cabernet gefunden.

Gefunden habe ich allerdings eine Flasche Cabernet Donatsch vom Jahrgang 1986 in meinem Keller. Den hat Thommy mir früher mal geschenkt und ich hatte ihn vergessen.

Er war auch nicht im Excel-Inventar. Also musste ich ihn nicht austragen.

Die Farbe ist aufhellend, noch gut intakt. Die Nase zeigt Ledernoten, nasses Laub, eine erdige Süsse und balanciert sich mit der restlichen Süsse von den Barriques sowie einem grünen, leicht krautigen Schimmer von knapp ausgereiftem Traubengut. Im Gaumen findet man nasse Wolle und pilzige Noten, das wiederum laubige Finale schmeckt nach Zwetschgenkompott. Sicherlich hätte ich ihn schon vor 30 Jahren trinken sollen. Er ist aber noch o.k.  

Trotzdem bin ich heilfroh, dass der Cabernet-Virus aus Malans vertrieben wurde …

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SCHLUSS MIT BAUERNBRATWURST

Nach dem Mohrenkopf hat es nun auch die Bauernbratwurst erwischt. Nicht aus rassistischen Gründen, sondern wegen der Deklarationspflicht.

Dazu Verena Hubler-Meyer vom Stiftungsamt für Konsumentenschutz: «Mir wird zwar, als eingefleischte Veganerin, immer wieder vorgeworfen, dass ich zu wenig Toleranz übe. Bei der Bezeichnung Bauernbratwurst handelt es sich aber eindeutig um eine Irreführung des Konsumenten. In der Kalbsbratwurst ist Kalbfleisch drin. In der Geflügelbratwurst Geflügel und somit muss in der Schweinsbratwurst zwingend Schweinefleisch drin sein. Und keine Bauern. So einfach ist das. Basta!»

Jean Pierre Purée von der Gastrosuisse hat für diese Veränderung bereits eine Lösung im Köcher: «Momentan erleben wir in der Gastronomie eine wahre Deklarationsinflation. Jeder Mumpiz muss bis aufs Letzte deklariert werden. Ist ein Wienerschnitzel auf der Speisenkarte, so muss dieses zwingend mit Kalbfleisch zubereitet sein. Andere Fleischsorten kann man mit der Bezeichnung wie beispielsweise Truthahnschnitzel nach Wiener Art bezeichnen. So wird halt zukünftig die Bauernbratwurst als Bratwurst nach Bauern Art angeboten. Das ist ein guter Kompromiss – damit können Gastronomen und Hoteliers leben.»

«Schade um dieses traditionelle Gericht» meint Alfred Gröbli vom Bauernverband; «es gibt immer weniger Bauern, weil Höfe eingehen. Die beliebte Bauernbratwurst war für uns immer ein indirekter Sympathie- und Werbeträger. Und auch ein Stück Heimat. Alles wird kaputt gemacht, nur des Gesetzes Willen».

Dagegen setzt der Metzgermeister Walter Kumschick aus Gattikon auf stur: «Wir betreiben eine Metzgerei in der vierten Generation. Mein Urgrossvater hat schon Bauernbratwürste verkauft. Mein Grossvater auch. Und ich habe diese Tradition nach dem Tod meines Vaters übernommen. So lange ich diesen Betrieb weiterführe, werden bei mir explizit Bauernbratwürste angeboten. Und wenn ich ins Gefängnis muss!»

Nun – der Gesetzesentwurf ist bei der letzten Parlamentssitzung mit einer knappen Mehrheit angenommen werden. Es gilt eine Übergangsfrist bis Ende März nächsten Jahres. Am 1. April 2021 ist dann definitiv Schluss mit der Bauernbratwurst.
 
Bis dahin wird es in der Schweizer Bevölkerung noch zünftig rumoren …


#sorryfürdenvorgezogenenaprilscherz

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ZWANZIG MAGNUM UNTER DER BURG

Oben trutzt die Farnsburg Ruine, welche im Moment grad renoviert wird. Unten befindet sich das Restaurant Farnsburg. Dieses hat die Renovation schon hinter sich. 2019 kam es dort zu einem Besitzerwechsel.

Was geblieben ist? Die Gabriel-Gläser. Gut für mich. Und wohl gut auch für den optimalen Genuss der zwei Dutzend nach Ormalingen angereisten Gäste. Die labten an diesem Juni Samstag an den honorigen Magnumflaschen, welche Gastgeber Jürg Richter von Sommelier Norman Weissbach entkorken liess.

Beim Titel hätte ich, weil es sich ja um zwanzig Prachtexemplare handelte, auch die Mehrzahl von Magnum verwenden können. Getreu dem Motto, dass es zuerst immer gut ausschauen muss, bevor es richtig ist, habe ich es bei der Einzahl belassen. Nun gut, wissen will Mann es ja trotzdem. Also habe ich mich im Wiktionary schlau gemacht. Da wird zwischen zwei Pluralen unterschieden. Die Version vom Plural 2 scheint logisch. Denn dort wird die Mehrzahl als Magnums definiert.

Noch nie gehört und eher schwierig zu verstehen ist die Definition vom Plural 1. Da ist auch das Wort Magna offensichtlich richtig. Also wäre der Titel in diesem Falle «Zwanzig Magna unter der Burg» gewesen.
Der grosse Achtseiten-PDF-Bericht: www.bxtotal.com

GAS- UND GASTGEBER

Wer aus seinem eigenen Keller auf so viele Magnum-Raritäten zurückgreifen kann, muss über «gewisse Ressourcen» verfügen. Und diese enorme Schatz-Reserve ist einerseits ersichtlich, wenn man durch den Keller vom Gasthof Farnsburg in Ormalingen wandert. Andererseits findet man mit wenigen Mausklicks zigtausende, käufliche Flaschen auf seiner Weinhandels-Webseite der Orvinum AG www.wine-rarities.com.

Seine grosse Weinliebe zu Süssweinen deklariert der Weinfreak Jürg Richter auf www.sauternes.ch.


Gemäss Wikipedia ist Jürg Ralf Hugo Richter am 1. Oktober im fast generell miserablen Weinjahr 1963 geboren. Nun ja. Wenigstens kann man sich da mit guten Ports trösten.

Das Hauptgeschäft macht Richter mit seinem Numismatik Geschäft (Sincona AG). Der Wein liegt den Richters schon seit Generationen im Blut. Bereits im 18. Jahrhundert war ein Urahne an einer grossen Weinhandelsfirma in Königsberg (damals Preussen) beteiligt!

Foto: Jürg mit dem wunderbaren Tischwein von der Magnum-Probe. 1970 Château Pichon-Comtesse-de-Lalande aus der Imperialflasche. Gabriel 18/20.

DIE ÄLTESTE MAGNUM DES ABENDS

Just als die Ernte ein Bordeaux in den Kellern gärten, kam es im Amerika am 24. Oktober 1929 zum «Black Thursday». Mit dieser Bezeichnung ging einer der folgenreichsten Börsencrashs in die Geschichte ein. Dieser löste eine Weltwirtschaftskrise aus, welche über drei Jahre lang andauerte. Und im Bordelais entstand ein Legendenjahrgang!

1929 Château Pontet-Canet, Pauillac: Magnum, serviert an der Raritätenprobe von Jürg Richter in der Farnsburg in Ormalingen. Unglaublich dunkle Farbe. (Siehe Foto). Noch völlig intakt. Das grosse Bouquet reflektiert den riesigen Jahrgang und auch den ganz grossen Wein. Das Nasenbild zeigt Caramel, Kandiszucker, Melisse und Lakritze. Irgendwie hat man das Gefühl, dass es nach Cabernetlikör duftet. Perfekter Gaumen! Grosses Pauillac-Kino! Die Gerbstoffe sind noch präsent (typisch 1929) aber integriert und gut stützend. Die Säure ist vif und passt zum Rest. War früher wohl massiv, aber heute ist er abgeklärt und liefert als Pauillac-Greis immer noch ab. Er zeigt wohl auch das Potential von Pontet-Canet, welches lange vernachlässigt wurde. Die Legende war greifbar. Perfekte Magnum. 19/20 austrinken

1945 CHÀTEAU BRANAIRE-DUCRU

Der heute nicht mehr existierende Négociant Crossman war damals der Käufer und Verkäufer dieser Magnum. Zu diesem Zeitpunkt waren die Bordeauxhändler fast wichtiger als die Châteaubesitzer. Grund genug, das Handelsetikett möglichst gross unter der Originaletikette anzubringen.

1945 Château Branaire-Duluc-Ducru, Saint Julien: Magnum. Sattes, dunkles Rot mit ziegelbraunen Reflexen. Schwarzes Bouquet! Korinthen, Teer, Rauch, dunkles Edelholz, Brazil-Zigarren, schwarzes Malz, dunkel gedarrte Gerste und Balisto Riegel. Massiver Gaumen, mächtige Gerbstoffe, wirkt ungestüm, wenig entwickelt und schon fast brachial. Mehr Saint Estèphe wie Saint Julien. Oder halt auch mehr 1945 wie Saint Julien. Wie man will. Ein maskuliner Tanninbrocken, bei dem die Zeit stehen geblieben ist. Wie sagte der verstorbene Weinverkoster August F. Winkler einmal so schön: «Ein Bauer mit Brokatweste und goldener Uhr». Dieser Spruch hätte hier ganz besonders gepasst. Ich bin mir nicht so sicher, ob er bei langem Dekantieren austrocknen würde. Also: «Im Zweifelsfalle eher nicht». 19/20 austrinken



SIE KAM, SAH UND RÄUMTE AB

Gemeint ist Martha May, welche damals die Trauben an den legendären Napa-Winzer Joe Heitz lieferte. Der 1978er gehört zu den absoluten Top-Jahrgängen. Dies obwohl er kein spezielles Etikett bekam, was in den Jahren 1974, 1985 und 1997 der Fall war.

1978 Cabernet Sauvignon Heitz Martha’s Vineyard, Kalifornien: Magnum. Aufhellendes, aber immer noch sehr jugendlich wirkendes Granat. Das phänomenale Bouquet wirkt beruhigend, faszinierend, vielschichtig, ausladend, genial. Man kann sich daran fast nicht sattriechen und es kommen immer neue Schichten zum Vorschein; Minze, Schokolade, Brombeeren, ein Hauch Eucalyptus und die volle Expression eines riesengrossen Napa Cabernets abliefernd. Der Gaumen ist fast schon delikat, die Körperform elegant, lang, tänzelnd, verspielt und enorm lang. Saftig, mit Power. Rasse und Klasse. Heitz und Martha’s. Eine traumhafte Magnum auf dem Peak eines noch sehr langen Lebens. 20/20 trinken
P.S. Im weltweiten Markt wird momentan nur gerade eine einzige Magnum angeboten. Und zwar für CHF 3'334, bei Richters Weinfirma Orvinum. Der Kreis schliesst sich also wieder.



DER BESTE SAUTERNES

... an der Magnumverkostung von Jürg Richter.

1945 Château Guiraud, Sauternes: Magnum. Dunkles, mattes Bernsteingold. Traumhaftes Bouquet; Caramel, Irisch-Moos, Chartreuse-Likör, Ricola Bonbons. Insgesamt ein traumhaftes Sauternes-Bouquet abliefernd. Im Gaumen cremig, malzig, zart fliessend mit komplexem Charme. Unglaublich viele Aromenschichten entstehen da nach und nach. Aprikosen in allen möglichen Formen. Während sich viele Rotweine vom Jahrgang 1945 aufgrund ihrer massiven Gerbstoffen immer noch schwertun, ist dieser gigantische Guiraud fraglos auf einem langen Peak. Eine royale Magnum. 20/20 trinken





HAUPTDARSTELLER KRANK

Ausgefallene Vorstellungen kennt man in den aktuellen Corona Zeiten zur Genüge. Das Gute an eine Weinprobe ist, dass nicht viel passiert, wenn es passiert. Leider korkte die Magnum Mouton-Rothschild 1982 (aktueller Marktwert ca. CHF 2’800) deutlich.

Es gab aber reichlich Trost mit ganz vielen anderen, genialen Magnumflaschen.

Also «Hinfallen. Aufstehen. Krone richten. Weitergehen!».



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VIERZIG PUNKTE, WEIL MAGNUM

In der deutschen Bundesliga sind vierzig Punkte ziemlich Match entscheidend für den Klassenerhalt.

Bei der Buchhandlung Orell-Füssli kann man das Buch «der 40 Punkte-Plan» von Susanne Strecker kaufen oder herunterladen.

Die Firma AcuMax preist ebenfalls ein Buch mit ähnlichem Titel an. Der spanische Schriftsteller Alejandro Lorente verfasste das Werk: «Reise um den Körper in 40 Punkten». Dort geht es darum entweder mit Akupressur oder chinesischer Medizin schnell Schmerzen lindern zu können.



Bei Weinfreund André Kunz handelte es sich im besten Fall um «Genusschmerzen». Er gab zwar zu, dass er diesen Spruch eigentlich von mir abkupferte, aber beim Kommentieren adelte er diese Magnum 1959 Haut-Brion mit 40 von 40 Punkten.
P.S. Ein Archiv von den 65'000 Weinnotizen und Bewertungen von André Kunz findet man auf der Webseite www.bxtotal.com

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BIER AUF WEIN IST AUCH SEHR FEIN

Zum Abschluss der grossen Magnumprobe im Restaurant Farnsburg in Ormalingen gönnte ich mir ein Farnsburger Amber Bier.

Nicht aus der Magnum, sondern aus der Kleinflasche zu 0.33 Liter.





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PINKELN IN CORONA-ZEITEN

Was hat der Mann mit einem Elefant oder einer Ziege gemeinsam? Gemäss einer US-Studie pinkeln alle Säugetiere im Schnitt etwa 21 Sekunden.

Während Männer am Tisch stundenlang nebeneinandersitzen dürfen, dürfen diese, trotz grösserem Abstand, momentan (noch) nicht nebeneinander Pinkeln.




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2005 CLOS APALTA

Immer noch sehr dunkles Purpur mit wenig Reifereflexen. Das Bouquet tendiert zu Brombeeren, Cassis, Kaffee und dunkler Schokolade. Wer den typischen Chile-Eucalyptustouch sucht, der findet ihn hier nicht. Deshalb zeigt das Nasenbild zwar auf einen recht grossen Weltklassewein, aber nicht primär auf Typizität. Im Gaumen hoch aromatisch und immer noch als Fruchtbombe unterwegs. Vermittelt viel Lakritze im satten Extrakt. Die immer noch intensiven Gerbstoffe fühlen sich aussen mollig an, zeigen aber innen immer noch eine körnig-kernige Note. Was man auch spürt, ist eine damals avantgardistische Vinifikation. Glücklicherweise konnte er seine Bluff-Allüren mit der Flaschenreife fast abschütteln. Zugegeben, die heutigen Clos Apalta sind meiner Ansicht nach besser. Ich habe die Winery vorletztes Jahr besucht und war begeistert. Dieser hier mutiert so langsam zu einem gut reifenden Chile-Klassiker. 18/20   

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CHAMÄLEON DER SUPERLATIVE

Ein Chamäleon ist ein Tier, welches zu der Gattung der Leguane gehört. Das Besondere daran; es kann die Farbe wechseln. Dies kann der Hill of Grace ganz sicher nicht!

Denn – er gehört zu der Gattung der Rotweine. Aber er kann seinen Geschmack in unglaublicher Art und Weise anpassen. Zwar bleibt er seiner Grundausrichtung einem australischen Shiraz’ treu. Bisweilen hat der geübte Betrachter aber das Gefühl einen Rayas, einen Sloan, einen Chave, einen Richebourg, einen Le Pin oder gar einen Mouton im Glas vor sich zu haben …

Trainieren kann man dieses Phänomen im Prinzip nie. Ausser man hatte das grosse Glück an diesem 19. Juni 2020 einen Stuhl im Maison Manesse in Zürich zu ergattern.

Dort veranstaltete nämlich der Weinfreak René Mauchle eine Weinprobe, der ganz besonderen Art. Zwanzig Flaschen vom Hill of Grace mit einer Alters-Flügelbreite von 1973 bis 2006 standen auf dem weinigen Podest.

Mehr über dieses wohl nie mehr wiederkehrende Wine & Dine kann man auf www.bxtotal.com nachlesen.

ZH-GASTROTIPP: MANESSE ZÜRICH

«Wer kein freundliches Gesicht hat, soll keinen Laden aufmachen», so sagt es ein chinesisches Sprichwort.

Hier lächelt sie, die Geschäftsführerin vom Maison Manesse. Patricia Gerber dirigiert ihre Crew ruhig und bestimmt.

Es war das erste, aber nicht das letzte Mal, dass ich in diesem trendigen Restaurant einkehrte. Letzteres ist hoch dekoriert im Gault & Millau und erfreut sich sogar an einem Michelin Stern. Der Adresse (Hopfenstrasse!) verpflichtend, bestellte ich – statt dem sprudeligen Apero – zuerst mal ein Bierchen.    
www.maisonmanesse.ch
SEHR LANGE VORBEREITUNG

Die Angebotsluft ist dünn rund um den Hill of Grace.

So sammelte Weinfreak René Mauchle viele Jahre, bis er dieses wirklich einmalige Vertikal-Tasting seinen Freunden anpreisen konnte.

Belohnt wurde sein eifriges Sammeln mit schnellem «Full House».

GABRIEL’S LIEBLING

In die Runde gefragt, gab es unterschiedliche Jahrgänge, welche als «Best of the Best» in Frage kamen. Bei mir fiel die Wahl auf den 1998er. Hier stimmte einfach alles.

1998 Hill of Grace: Recht dunkle Farbe, jedenfalls dunkler als die vorherigen Jahrgänge. Grosses Shiraz Bouquet, ausladend, pfeffrig, Cassis, Lakritze, dunkle Pflaumen. Der erste H.o.G der so richtig in die Tiefe geht und auch unwahrscheinlich dunkelbeerig ist. Fleischiger Gaumen, fester Körper, immer noch deutlich adstringierend. Beim Schlürfen findet man drei Fruchtaromen, Cassis, Cassis, und nochmals Cassis. Nicht übertrieben, sondern in parfümierter Form. Absolut perfekt und eine Legende! 20/20 trinken  

SAUBER, DANK SCHRAUBER

Die neusten Jahrgänge von Hill of Grace werden nicht mehr, wie ganz früher, mit Korken versehen. Aber auch nicht mit einem Glasstopfen wie bis vor Kurzem. Die heutigen Henschke-Weine sind ausnahmslos geschraubt. Die Nachfrage bleibt konstant …

Aktuell wird auf der Winery der Jahrgang 2015 angeboten. Kaufpreis; 865 australische Dollars.

Macht umgerechnet 560 Schweizer Franken.                    

www.henschke.com.au        



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VORGLÜHEN AM VORABEND

Morgen darf ich an eine grosse Hill of Grace Vertikalverkostung. Heute habe ich mich schon mal vorsichtig an das Thema herangetastet …

Der 1987 Cabernet Sauvignon Cyrill Henschke ist ziemlich aufgehellt und zeigt viel Rostnuancen in der noch knapp roten Farbe. Die Nase duftet nach altem Leder, nach Smyrna Rosinen, nach zedriger  Cigarbox. Fein und delikat, irgendwie abgeklärt. Der Gaumen ist so wie die Farbe; leicht. Er ist aber gut balanciert und so ist es eine grosse Freude diesen sehr reifen, seltenen Australien-Cabernet trinken zu dürfen. 18/20  




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BALD GEHT DIE BX-2009-PARTY LOS

Die Bordeaux’ vom Jahrgang 2009 sind in den Startlöchern. Weil die Weine individuell sind, muss man sich da und dort noch etwas in Geduld üben. Nicht zuletzt, weil diese Weine in den nächsten Jahren systematisch zulegen werden …

Gestern hatten wir den rockigen 2009 Lynch-Bages im Glas. Ein lauter Wein der in etwa 10 Jahren die Copy-Paste-Version vom 2000er sein wird und dann an der Maximalwertung kratzt. (19/20). Den Ducru-Beaucaillou kann man mit keinem anderen Vorgängerjahr vergleichen. Er ist eine «Class of its own». Absolut perfekt: 20/20!



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1996 CHÂTEAU CHEVAL BLANC

Ein Freund brachte eine Flasche zum Brandenberg-Stamm mit. Die Farbe ist reif. Und das ist das einzige was an diesem Wein vorbehaltslos reif ist.

Das Bouquet beginnt zögerlich, wirkt diskret und in dieser Diskretion findet man Kandis-Süsse, Lakritze, grünliche Cabernet-Franc-Spuren und vielleicht auch Anflüge von dunklem Leder. Je länger man sich mit diesem Cheval nasal beschäftigt, desto mehr versucht er sich in defensiver Konversation. Der Gaumen ist satt, zeigt aber ein cooles, dezent bitteres Extrakt. Das Fleisch wirkt (noch?) etwas zäh. Ich verfolge ihn jetzt schon viele Jahre und immer wieder. Ganz gross wird er wohl nie, aber immerhin noch besser in den nächsten Jahren - glaube ich. Langes Dekantieren nützt. 18/20

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1990 HERMITAGE GUIGAL: DAMALS EINE SELEKTION

Der Hügel vom Hermitage hat mich immer schon in den Bann gezogen. Wenn man von Tournon über die Rhône schaut und den Berg ganz lange betrachtet, so lernt man, dass diesem einzigartigen Weinberg Grenzen gesetzt sind. Unten die einfacheren «Pied-Weine» oben das Filetstück vom oft mächtigsten und langlebigsten Syrah der Welt.

Der 1990 Hermitage von E. Guigal war noch eine Selektion. Will heissen; damals besass dieser extrem einflussreiche Weinproduzent entlang der Rhône dort noch keine eigenen Rebberge. Aber schon damals galt das Motto; wenn Guigal drauf steht, dann ist auch Guigal drin!  



Die Farbe wirkt etwas aufgehellt. Zeigt immer noch ein intensives Granat mit fein ziegelroten Reflexen am Rand. Das Nasenbild vermittelt die letzte Frucht nur noch in rosiniger Form. Es ist dafür umso mehr Würze und Terroir vorhanden. Getrockneter Zitronenthymian, Origano, dunkles Leder und Brazil-Tabak steigen die Nasenwände empor. Er ist, sanft trocken im Ansatz. Beim zweiten Kontakt; minime Jodspuren, frischer Torf, getrocknetes Hirschfleisch und Blutspuren. Im Gaumen merkt man, dass ein feiner Säurespitz den Wein noch am Leben erhält, die Struktur ist leicht sehnig, das Finale zeigt getrocknete Datteln und ältlichem Pferdesattel. (18/20)

Fazit A: Die Nase gefällt besser als der Gaumen. Also ist der Wein überreif.
Fazit B: Nach einer halben Stunde und in Begleitung um Essen ist er viel, viel besser

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BLAUFRÄNKISCH-IKONE

Im Norden von Burgendland sind die Blaufränkisch sehr gross und so populär, dass diese kommerziell mehrheitsfähig sind. Je südlicher das Anbaugebiet, desto grösser wird das Freak-Potential. Hier wirken die Blaufränkisch’ autochthoner für mich, gehen mehr in die Tiefe und werden zu vinösen Weltklasse Persönlichkeiten. Wenn auch letzteres eigentlich aus «Local-Hero-Gründen» gar nicht möglich ist …

Eigentlich wollte ich warten bis er nächstes Jahr. Dann wäre er 10jährig geworden. Die Fassprobe war damals so emotionell, dass ich mir einen wunderschönen Stock zulegte. Ich liess ihn aber in Ruhe. Entkorkte ihn nie. Bis heute. Ein Jahr zu früh? Zum Glück nicht. Es ist der allererste Rotwein aus Österreich der von mir 20 von 20 Punkten bekommt!

2011 Blaufränkisch Reihburg, Schiefer, Welgersdorf: Die Farbe ist immer noch unglaublich jung. Aussen ins rubine drehend – innen schier Violett. Das Bouquet zeigt dunkle Frucht; so in Richtung Brombeeren und Heidelbeeren. Die Würze ist pfeffrig, fein mineralisch und deutet auf frisch geknackte Rosmarinzweige hin. Und da ist auch die berühmte Kombination von dunkler Schokolade und Minzespuren reichlich zu finden. Dies ist oft eine Indikation für legendäre Klasseweine. Bevor ich einen Schluck nahm, verfolgte ich ihn gut 20 Minuten lang in der Nase. Die Evolution lag im Bereich zwischen «höchst interessant bis berauschend». Unterlegt ist diese Reihburg mit Pumpernickel und schwarzen Oliven. Im Gaumen satt auftretend, was seine Konzentration dokumentiert. Die Adstringenz ist noch erheblich, hat aber die Harmonie gefunden und proklamiert ein weiteres Reifepotential. Intensives, gebündeltes nach schwarzen Kirschen schmeckendes Finale mit dramatischer Länge. Aufgrund seiner Komplexität und Grösse ist dies der allerbeste, reife Blaufränkisch den ich je im Glas hatte. Schade, dass es in anderen Teilen der Weinwelt so wenige Blaufränkisch gibt und schon gar nicht in dieser Liga. Bravo Uwe! 20/20

P.S. Gemäss winesearcher gibt es bei Gawein Bruckner in Wien noch ein paar Flaschen und der Hubert Fohringer in Spitz bietet sogar noch eine Fünfliterflasche an. Wie heiss es so schön? «Nicht die Grossen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen!»

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ALLERBESTES VON PÉBY FAUGÈRES

Wenn das Beste nicht gut genug ist, muss man halt zum allerbesten greifen. Es ist eine Wortwahl der Superlative. Wer in den allerhöchsten Tönen lobt, muss es auch begründen. Mache ich an dieser Stelle sehr gerne.  
Der Kalender zeigt auf Montag, 8. Juni 2020. Es ist wieder Mal «Weinwandertag». Tönt anstrengender als es ist. Knapp eine Stunde wandern, dann ein paar Stunden trinken. So etwa das Motto. Diesmal war die Thematik ziemlich linear und auch ziemlich umfassend. Château Péby Faugeres; von 2009 bis zu einer Fassprobe vom Jahrgang 2019. Und nur die besten Jahrgänge. Somit also das Allerbeste vom Besten.

Wer ein richtig angefressener Merlotfreak ist, der ist diesem stetig aufsteigenden Saint Emilion dankbar. Denn hier bekommt man viel mehr Weltklasse Merlot, als man dafür bezahlen muss. Ich setze den Péby mit der härtesten «Merlotwährung» der Welt, dem Masseto auf die gleiche Stufe.



ELITE-DEGUSTATOREN UNTER SICH

Bin gespannt was meine «Konkurrenten» über diese einzigartige Péby-Vertikale berichten werden. Zwar schreibt jeder für sich. Ohne dem anderen auf die Finger zu schauen.

Aber innerlich sind wir alle konkurrenzlos vereint durch die gemeinsame Neugier, Liebe und Empathie zum Wein.

Von links nach rechts: Baschi Schwander www.mybestweine.ch. André Kunz www.schweizerische-weinzeitung.ch
und meine Wenigkeit: www.bxtotal.com



2010 MASSETO ODER PÉBY?

Wer die seltene Chance hat / hätte den Masseto und den Péby Faugères vom Jahrgang 2010 nebeneinander zu vergleichen, der wird / würde geschmacklich nur wenige Unterschiede feststellen können.
Von der Kraft her ist der Péby dem Masseto überlegen. Und noch einen weiteren, nicht unbedeutenden Vorteil weist der Péby auf.
Für den Preis einer Flasche Masseto kann man momentan (noch) vier Flaschen Péby kaufen.

Mindestens 700 Franken kostet aktuell der Masseto 2010. Der Péby 2010 ist immer noch deutlich unter 200 Franken zu haben.
So ist das halt im richtigen Leben; wenn es um ganz grossen Wein geht, dann zahlen die «vinösen Exhibitionisten» halt garantiert drauf.
Ich würde vier Flaschen Péby kaufen …

2010 Château Péby Faugères, Saint Emilion: Produktion; 9'500 Flaschen. Sattes, undurchdringliches Purpur. Im Innern immer noch Karmesin Reflexe zeigend. Trotz partieller Verschlossenheit schiessen die Aromen förmlich aus dem Glas; viel Cassis, Waldhimbeeren, Holunder Kirschen und immer wieder Cassis. Tönt auf den ersten Blick wie ein reintöniger Fruchtreigen. Ist es aber nicht. Das intensive Nasenbild wird auch begleitet von floralen, frischen und dezent blättrigen bis minzigen Noten. Alles ist extrem dicht und schon sehr viele Facetten freigebend. Bei weiterem Luftzutritt erscheinen Pralinen und ein Hauch von Kokos (viel) und Vanille (minim). Absolut perfekter Ansatz. Im Gaumen pfeffrig, vif und fordernd. Mit einem schon fast dramatisch konzentrierten Extrakt aufwartend. Irgendwie ist hier die Bandbreite der Beerenaromen noch vielfältiger. Er fordert einerseits noch Geduld, liefert aber auch schon viel ab. Das Finale geht schon fast in Richtung Dramaturgie. Ein vibrierender Merlot-Gigant mit Energie und Power. Ungeduldige können jetzt schon etwas Genuss erwarten. Geduldige «Flaschenlagerer» später noch viel mehr. Wer behauptet, dass reinsortige Merlots in Saint Emilion nicht besonders alt werden können, wird hier in den nächsten Jahrzehnten eines Besseren belehrt. Wenn man sich ein Bild machen will, wie ein ganz grosser Péby exakt sein muss, dann ist dieser 2010er das Mass aller Dinge! 20/20 beginnen

GLEICHER MEINUNG

Châteaubesitzer Silvio Denz war bei unserer gemütlichen Runde in der Jägerhütte mit von der Partie. Nach seinem möglicherweise besten Wein befragt, griff er spontan zum Péby 2018.

2018 Château Péby Faugères, Saint Emilion: Produktion; 10'000 Flaschen. Dunkles Violett mit Granatreflexen. Das Bouquet ist genial von der ersten Sekunde an. Würzig und fruchtig zugleich. Ein Cocktail mit den besten, reifen Beeren der Welt. Dann Minze, Thymian, Melisse und Veilchen, unten mit gigantischer Tiefenanzeige. Da wird in seiner Tiefe noch eine gehörige Ration Trüffel, Edelhölzer und Tabak nachgelegt werden. Dominierten in den ersten Sekunden die feinen Würznoten, so katapultiert er im zweiten Ansatz Brombeeren und unerhört viel Cassis ins Nasenbild. Nasale Genialität ohne Ende! Der Gaumen ist komplex und im wahrsten Sinne des Wortes mundfüllend. Die Aromatik ist berauschend, die Tannine sind fett, reich und angerundet. Irgendwie haben sich die Gerbstoffe aber bereits in den massigen Körper integriert. Kein Giga-Péby-Bolide, sondern ein Merlot-Welt-Klassiker. Er liefert den Beweis, dass es für eine Premier-A-Qualität in Saint Emilion keine Cabernet-Schützenhilfe braucht. Legendär!!! Kaufen – wer findet. 20/20 warten

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MICHEL ROLAND ZUM MERLOT
 

René Gabriel: «Wenn der Cabernet der König der Reben ist, was ist dann der Merlot?»

Michel Rolland: «Dann ist der Merlot der Imperator – also der Kaiser!»

Gabriel: «Du machst ja auch Beratungen von Weingütern die wenig mit Merlot am Hut haben und mit anderen Rebsorten berühmt werden.
Was reizt Dich denn am Merlot besonders?»

Rolland: «Für mich ist der Merlot ein Stück Heimat. Ich bin mit ihm aufgewachsen und mit ihm gross geworden. Viele denken, dass weil er früh blüht und somit auch früher geerntet werden kann relativ handlich ist. Aber das stimmt nicht. Der Merlot ist kompliziert und kapriziös.»

Gabriel: «Ist dies der Grund, dass es nur wenig reinsortige Merlots im Bordelais gibt?»

Rolland: «Genau, der Merlot braucht in den meisten Fällen etwas Cabernet Franc im Blend. Nicht viel, damit die Merlot-Grundausrichtung spürbar ist, aber durch einen Blend wird der Wein homogener und langlebiger.»

Gabriel: «Warum kann/macht man dies denn nicht auch in anderen Gegenden?»

Rolland: «Auch auf Ornellaia überlegen wir uns, ob wir dem Masseto künftig auch etwas Cabernet Franc auf die Lebensreise mitgeben. Erste Tests laufen. Wir haben in der Folge gemerkt, dass die Jahrgangsschwankungen auf reiner Merlotbasis tendenziell etwas zu gross sind.»

Gabriel: «Der Masseto zeigt die Messlatte zu einem Weltklasse-Merlot. Wo – ausserhalb von Bordeaux – könnte es sonst noch Topweine auf diesem Niveau mit dieser Rebsorte geben?»

Rolland: «Gute bis sehr gute Merlots sind fast überall möglich, wo es gute Rotweine gibt. Das beweist natürlich in erster Linie das Libournais. Ich traue mir ein grossartiges Merlot-Niveau auch im Napa zu. Vor allem in höheren Lagen, namentlich in Howell Mountain. Aber das sage ich nur aus Erfahrung mit Analysen von Klima und Böden. Einen wirklich ganz grossen Merlot aus Kalifornien habe ich aber bisher noch nicht getrunken!»

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CHARAKTER UND TERROIR

Vor ganz vielen Jahren besuchte ich einmal die Domaine Tempier. Von den Rebbergen aus kann man sogar das Meer sehen, denn dieser Bandol liegt ganz im Süden von Frankreich. Heute brachte ein Freund zum Lunch den 2010 La Tourtine von eben dieser Domaine Tempier mit. Da ich die Weine kenne, empfahl ich ihn zu dekantieren und zuerst die anderen Mitbringsel zu trinken.

Das war eine gute Wahl. Er kam nach rund drei Stunden in unser Glas. Die Farbe dunkel, eher dumpf. Die Nase erdig, tiefgründig und trüffelig. Im ersten Anflug mit Mercaptan und Teernoten versehen. Dann legte er vorsichtig nach. Im Gaumen charaktervoll, fast schon etwas mächtig. Ein sehr autochthon rüberkommender Blend aus Cinsault, Grenache und Mourvèdre.

Letztendlich ist es aber ein Wein, den man nur kaufen sollte, wenn man bereit ist, ihn mindestens 10 Jahre auf die Seite zu legen. Wer populäre Weine sucht, soll generell die Finger davonlassen. Entweder man mag ihn nicht oder dann ganz fest und innig. Da würde ich sehr gerne einmal ein paar reifere Exemplare trinken. (19/20).       

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ZIRKUSLUFT IM GABRIEL-GLAS

Die schönsten Erinnerungen an den La Mouline von E. Guigal liegen weit zurück. Ich würde ein kleines Vermögen dafür ausgeben, um noch einmal den phänomenalen 1971 in meinem Leben im Glas zu haben. Auch beim 1983er hat es mich fast umgehauen. Damals wurden die Guigal-Top-Lagen noch in grösseren Fässern ausgebaut. Heute sind diese mit so viel neuem Holz verpackt und so extrem lang darin ausgebaut, dass das grossartige Terroir dieser unikaten Crus praktisch keine Chance hat durchzudringen. Aber das ist ein anderes Kapitel …

Heute gibt’s bei Gabriel’s den 1987 La Mouline. Einfach so. Oder aber auch, weil es Sinn macht, die letzten Flaschen davon jetzt oder bald zu entkorken. Die Farbe ist mitteldunkel und am Rand a.) aufhellend und b.) fast nur noch Braun. Das Bouquet duftet nach Manege. Fast würde ich sagen, es ist getrockneter Kamelmist. Doch zusammen mit den Leder- und Tabaknoten ist das wohl eine ganz besondere Expression von Côte-Blonde-Terroir. Im zweiten Ansatz Korinthen, Datteln, Kreuzkümmel. Wunderbar und einzigartig. Im Gaumen ist er immer noch erstaunlich intakt, zeigt eine nahezu cremige Textur und wiederholt im Rückaroma diesen Reigen von Zirkusaromen. Und auch Erinnerungen an die Gewürze, wenn man durch den Markt von Marrakesch schlendert. Eine orientalische Variante eines eleganten, ziemlich grossen Rhône-Weins. 18/20     

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BORDEAUX-PARADE IM GABRIEL-KELLER
 
Als kleiner Bub stand ich manchmal vor dem Kiosk in Ennetbürgen mit einem «Füfzgi» in der Hand. Vor mir das Paradies der Schleckereien. Im Kopf musste ich entscheiden, was ich alles mit diesem Fünfzigrappenstück kaufen soll …

Und so geht es heute dem grossen Buben genau so wie damals. Nur steht der recht viel älter gewordene René in seinem Weinkeller und überlegt sich sehr lange, was er denn heute entkorken soll.

Ist dieser Zustand also die oft zitierte Qual der Wahl?

Die Vorstellung, dass die Freiheit der Entscheidung auch eine Last sein kann, ist schon sehr alt. Bereits im 15. Jahrhundert finden wir das Sprichwort: «Der do hat dy wal, der hat auch den qual».

Eigentlich handelt es sich nicht um einen idiomatischen Ausdruck im engeren Sinne.
Da sich die Gesamtbedeutung aus den Einzelbedeutungen der Wörter ergibt – sieht man einmal davon ab, dass «Qual» hier ziemlich übertrieben ist und eher dem Reim geschuldet wird.
Es handelt sich vielmehr um ein mögliches Luxusproblem, sodass hier auch eine gewisse Ironie mitschwingt. Diese allerdings wiederum durch die Häufigkeit der Nennung stark verblasst ist

So sieht es die Definition im redensarten-index.de. Und eigentlich sehe ich das genauso.
Im vollen Keller zu stehen und aus längst bezahlten Weinen einfach so auslesen zu können ist ein Privileg, welches nicht der Selbstverständlichkeit unterliegen soll.

Manchmal ist es aber auch eine Pflicht. So wie in diesem Falle, wo es sich um genüsslichen «Flaschenauftragsmord» handelte.
Der Kellertisch war seit Monaten gebucht. Ein paar Flaschen steuerte der Auftraggeber bei. Etwas Passendes suchte ich für die Ergänzung.

Passend zu den angelieferten Weinen. Passend zum Menu. Passend zur Männerrunde.
Gabriel hat tagsüber gekocht und gegen den Abend hin die Weine entkorkt und sorgfältig verkostet und beschrieben. So konnte ich mich oben am Kellertisch zurücklehnen und den Abend mit Geniessen. Karin sei Dank!  

NICHT GANZ HUNDERT

Kombination ist (fast) alles. Hier sieht man im Hintergrund eine Flasche Sauternes, Château Suduiraut vom Jahrgang 1923. Fast hundert Jahre alt. Und immer noch gut drauf. (Degubericht auf bxtotal.com)

Im Vordergrund drängeln sich gefüllte Basler Läckerli auf dem Holzbrett. Davon gab es zwei Versionen. Einmal gefüllt mit Pfefferkäse. Einmal mit Zigerbutter. Nicht lächeln – nachmachen! Das passt hervorragend zu ganz vielen Süssweinen. Eben zu Sauternes. Zu Port. Madeira. Malaga. What else?





1992 Château de Fieuzal blanc (18/20)
1992 Domaine de Chevalier blanc (19/20)

Diesmal hatten wir grosses Glück. Denn – alte weisse Bordeaux zu entkorken ist in der Regel kein garantiertes Vergnügen.









JAHRGANGS-MITBRINGSEL

Er hat Gemeinsamkeiten mit dem Bündner Winzer Daniel Gantenbein. Mit dem deutschen Fussballtrainer Jogi Löw. Mit der Sängerin Nena. Mit Prinz Andrew. Mit dem spanischen Schauspieler Antonio Banderas. Mit dem argentinischen Fussballspieler Diego Maradona. Mit dem ehemaligen Tennisprofi Ivan Lendl. Alle sind im Jahr 1960 geboren.

So wie Weinfreund Lorenz Signer, welcher seinen runden 60igsten Geburtstag vor kurzem feierte. Grund genug, seine kleine Sammlung an Jahrgangsweinen mit in diese illustre Runde zu stellen.

1960 Château Pichon-Baron-Longueville, Pauillac:  15/20 vorbei  
1960 Château Pichon-Longueville-Comtesse-de-Lalande: 16/20 vorbei

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SCHLICHT UND ERGREIFEND

Hausgemacht schmeckt’s bekanntlich am
Besten. Oder meine Version: «Aus vollen Töpfen schmeckts es einfach leckerer!»
Taccino Tonato mit den beiden weissen aus Pessac-Léognan • Die 1960 Pichon’s in Kombination mit einer hausgemachten Ochsenschwanzsuppe mit Gemüsebrunoise •   

Die beiden Léoville brillierten mit Ravioli auf Spinat, überbacken mit Crème fraiche, Sbrinz und gerösteten Pinienkernen • Palmer und Margaux mit Kalbsragout und Polenta • Brillat-Savarin und Gruyère zu Gazin und Péby • Château Yquem mit hausgemachtem Rhabarberkuchen.

1979 Château Margaux, Margaux: Mitteldunkles Granat mit letzten Purpur-Reflexen. Sehr intensives, dichtes Bouquet. Eine geballte Ladung an Kräutern, getrockneten Früchten, edlem Leder und würzigem Terroirduft. Im zweiten Ansatz schwingt eine traumhafte Nuance von grossartig süssem Madeira mit, ohne das Bouquet ins Oxydative zu ziehen. Bereits nasal eine grosse Klasse vermittelnd. Im Gaumen satt, konzentriert, mehr stoffig wie fleischig. Wieder findet man viel Aromen von getrockneten Beeren, welche sich mehrheitlich im rotbeerigen Bereich befinden. Dieser tolle Margaux gehört zu den allerbesten Weinen des Jahrgangs 1979. Und davon gibt es leider nicht mehr viele. Ausser ein paar veralteten Auktionsresultaten findet man hier praktisch keine Angebote mehr in der Schweiz. Schade – denn dieser grosse Margaux hält noch ein paar Jahre durch! 19/20 trinken

SCHRÄGE ETIKETTE

Damals klebten fleissige Helferinnen jeweils von Hand die Etikette auf. So, wie in hunderten von Jahren zuvor.

Dann wickelte man jede Flasche ein Seidenpapier ein. Früher wie heute!

1960 Château d’Yquem, Sauternes: Goldene Farbe mit Bernstein-Reflexen, am Rand ziemlich transparent werdend. Eigenwilliges Bouquet, vor allem, wenn man sich auf einen Yquem einstellt. Die Nase zeigt Katzenminze, Melisse, Korianderkörner, Ingwer, Latwerge, Kurkuma und Engelwurz. Im zweiten Ansatz kommt die trockene Süsse zum Vorschein. Dies in Form von Aprikosen- und Mandarinenkonfitüre. Ansprechend, aber – wie bereits vermerkt – etwas eigenwillig. Im Gaumen viel süsser als in der Nase, deutliche Malznoten, cremige Textur, hoch aromatisches, minim kapseliges Finale. Ich hatte ihn bisher nur zwei Mal im Glas. Einmal mit 15/20. Und einmal mit 17/20. Das war wieder die bessere Variante. Wir haben ihn zum hausgemachten Rhabarberkuchen genossen. Die Wertung für diese sehr ansprechende Flasche: 17/20 austrinken

Der ganze Bericht vom Kellertisch: www.bxtotal.com









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COS TRINKEN & ASPIK ESSEN
 
Ist Montag wirklich aller Laster Anfang?
So oder ähnlich kennt man den Spruch im deutschen Sprachgebrauch.  
Doch eigentlich heisst er im Original: «Müssiggang ist aller Laster Anfang». Und dies kann verschieden ausgelegt werden …

Karl Bucher definierte diese Situation einmal mit der Aussage: «Glücklich ist der Mann, dem es gelingt, der Langeweile zu entrinnen, ohne dabei die Arbeit zu Hilfe nehmen zu müssen!».

Also war der Philosoph Friedrich Nietzsche es sich schuldig, dieser Sache noch etwas mehr auf den Grund zu gehen: «Die Arbeit bekommt immer mehr als das gute Gewissen auf ihrer Seite. Der Hang zur Freude nennt sich bereits «Bedürfnis der Erholung» und fängt an, sich vor sich selbst zu schämen. Man ist es seiner Gesundheit schuldig. So redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, es könnte bald so weit kommen, dass man einem Hange zur vita contemplativa (das heisst zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachgäbe.»

Von Müssiggang kann, wenn man in Betracht zieht, dass alle Teilnehmer an diesem Montag brav gearbeitet hatten keine Rede sein.
So ignorierten wir denn auch den Umstand, dass nach Nietzsches Theorie, beim Spazierengehen mit Gedanken und Freunden ein schlechtes Gewissen entstehen könnte.

Also marschieren wir in Gedanken los. An diesem Junimontag. Um 17.00 Uhr. Von der Unterdorfstrasse auf die Hubenfeldstrasse. Dann auf den Vorhubenweg. Immer weiter, bis zum Waldanfang. Dann quer durch den Eschenbacher Wald. Unten angekommen, linkerhand Richtung Büttligen. Dann auf den zweiten Weg rechts, weiter geradeaus. Bis zum Anfang der Siedlung Moos. Dort wo die Schweizerfahne leicht im Wind flattert. Jetzt sind wir angekommen. Im Reich von Otto Simon. In seinem kleinen Gartenparadies.
Der Tisch ist gedeckt. Die Gabriel-Gläser stehen auf dem rustikal anmutenden Plastiktischtuch. Die Flaschen zittern. Zu Recht! P.S. Was nach Wortlaut wie eine ziemlich grosse Wanderung aussieht, dauerte in Tat und Wahrheit gerade mal 42 Minuten!

COS TRINKEN

«Cos» kann / könnte vieles sein. Machen wir mal einen Rundumschlag, bevor wir zum eigentlichen Thema kommen.
• Cos ist eine belgische Rockband
• Cos ist eine Gemeinde in Galizien
• Cos ist auch ein Dorf in Frankreich
• Cos ist ein kleines Städtchen in Portugal
• Cos ist ein altes Längenmass
• Cos steht für Card Operating System
• Cos ist der UNDP-Code von Costa Rica
• Cos ist der IATA-Code von Colorado Springs
• Cos ist in Greenwich die Bahn Station
• Cos ist auch ein schwedisches Modelabel

Trotz den zehn Erklärungen sind wir noch nicht bei unserem Thema angelangt. Für uns galt «Cos» als französische Abkürzung von Hügel von Steinen. Also colline des cailloux.

Also haben wir mit Cos – per Definition – den ersten Teil vom Namen von diesem Château in Saint Estèphe.
Gegründet wurde das Gut im 19. Jahrhundert von dem Weinkaufmann Louis-Gaspard Estournel, dessen Spezialität der Pferdehandel aus Arabien und der Weinhandel nach Arabien und Indien sozusagen im Pendelverkehr war. Estournel setzte sich zum Ziel, in der Nachbarschaft des hoch angesehenen Gutes Château Lafite-Rothschild in Pauillac, auf der anderen Seite des kleinen Grabens Jalle de Breuil, den besten Wein der Erde herzustellen.

Hierzu kaufte er die Kieshöhen nördlich von Pauillac, oberhalb von Lafite und begann eine ausgedehnte Bauaktivität.
Bei seinen Handelsaktivitäten stellte er fest, dass der aus Indien zurückgekehrte, nicht verkaufte Wein besser war als der gleiche, im Château verbliebene Wein. Dies veranlasste ihn, all seine Weine vor dem Verkauf auf Schiffsreise zu senden. Dies, weil er die deutliche Qualitätsverbesserung der massiven Kostenerhöhung vorzog.

Die Weine jener Jahre markierte er mit einem «R»: Retour des Indes, zurück aus Indien, als Qualitätsmerkmal. Sie wurden ihm zunächst förmlich aus den Händen gerissen.

Diese aufwendigen Massnahmen des Bauens und Schiffstransportes ruinierten ihn jedoch mittelfristig. Er musste sein Gut 1852 an seinen fast ebenso weinverrückten Londoner Bankier Martyns verkaufen.

Louis-Gaspard Estournel blieb ledig und kinderlos. Er starb ein Jahr später, völlig verarmt, mit 91 Jahren. Kurz bevor sein Lebenswerk

1855 durch die Einstufung als «Deuxieme Grand Cru» internationale Anerkennung erlangte.
Der Rest ist Geschichte und diese kann man auf www.estournel.com nachlesen.

Heute gehört Château Cos d’Estournel dem in Genf lebenden Franzosen Michel Reybier.

Das Wort «Aspik» wurde im 19. Jahrhundert aus dem Französischen aspic «Gelee» entlehnt. Dessen Herkunft ungewiss ist. Laut Émile Littré geht es auf «Aspisviper» zurück. Die Bedeutungsübertragung leite sich von der Redensart froid comme un aspic «kalt wie eine Viper» ab.

Tönt alles kompliziert. Ist es aber nicht, wenn man weiss, dass wir einem solchen Gericht einfach «Sülze» oder «Sülzli» sagen.

Aspik! Hausgemacht schmeckts am besten. Rose Rast zauberte für uns dieses, bunte wunderbare «gesültzte» Hauptgericht.


WAS IST EIN POKALWEIN?

Den Begriff Pokalwein gibt es tatsächlich. In Deutschland meint man damit den offen ausgeschenkten Wein.

Bei mir hat er eine andere Bedeutung. Denn – ein Pokal ist ja auch ein Trinkgefäss mit «etwas grösserem Fassungsvermögen».

So stelle ich mir denn vor, dass man einen Wein wie es der Cos 1990 heute ist, in einen Pokal giesst und dann hemmungslos in sich reinschüttet.


1990 Château Cos d’Estournel: Aufhellend, aussen reif – innen hat man das Gefühl noch ein paar rubine Reflexe erblicken zu können. Offenes, delikates, fein süsses Bouquet. Er erinnert an einen Burgunder von Gros Frères (Himbeergelee). Aber auch möglicherweise an einen hochwertigen Prioratwein (Grenadine). Es sind immer noch Vanille und Röstspuren da. Je länger man daran riecht, desto mehr schwankt er zu einem nasalen Chambertin. Im Gaumen frischer als in der Nase, tänzelnd, schmeichelnd, wunderbar balanciert. Im Extrakt Spuren von roter Zichorie, welche eine noble Bitternote applizieren. Ein Bordeaux, den man fast hemmungslos saufen kann. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern entspricht den Tatsachen. 19/20 trinken     

ALLES – AUSSER BORDEAUX

Wer auf klassische Bordeaux Weine steht, der soll bitte einen ganz grossen Bogen um die Weine vom Jahrgang 2003 machen.

Denn – Typizität ist bei den meisten ein Fremdwort. 2003 ist anders. Ganz anders. Und das merkt man auch deutlich bei dieser atypischen, ausserirdischen Saint-Estèphe-Bombe!



2003 Château Cos d’Estournel: Im Innern satt, aussen eine erste ziegelrote Verfärbung zeigend. Das Bouquet ist von dramatischem Power; Nougat, frische Röstnoten, Kandis, Caramel, Dörrpflaumen, Dörrbananen, Korinthen, Mocca, Mocca und nochmals Mocca. Im Gaumen geht es granatenhaft weiter. Voller Body mit einer ausufernden Aromatik und Cabernetsüsse. Fast eine Art «Cabernet-Likör». Ein gesetzter Kandidat für Blindproben. Man kann ihn sogar in eine Amarone-Tasting stellen. Er hat auch da grosse Chancen zu gewinnen. 20/20 trinken, taumeln.

Bild: Jean-Guillaume Prâts präsentierte im April 2004 stolz den 2003er beim Primeur auf Cos d’Estournel.

COS MONTAG

Aber heute ist erst Sonntag. Habe ein Bisschen vorgeglüht.

Mehr demnächst ...

1985 Château Cos d’Estournel: Beim Einschenken entstanden viele, recht grosse Kohlensäureblasen. Diese dezimierten sich nach ein paar Minuten, wurden kleiner, blieben aber sehr lange an der Oberfläche am Glasrand. Recht dunkle Farbe, wenig Reifetöne. Beruhigendes, klassisches Médoc Bouquet, schwarze Pfefferkörner, Bakelit, Rauch, dunkles Leder, Backpflaumen und Korinthen. Letztere sind nur in der Aromatik zu finden, die dazu passende Süsse ist nicht da. Was aber kein Makel ist. Vor allem hat erstaunte er mich, wie intakt dieser 35jährige Saint Estèphe nasal noch daherkam. Im zweiten Ansatz findet man noch Himbeerranken und getrocknete Preiselbeeren. Im Gaumen schlank, erhaben, galant, saftig, lang und aromatisch. Im Finale zeigt sich eine fein grüne Cabernet-Sauvignon-Note. Das ist kein Makel, sondern eine Jahrgangstypizität. Ein Mussewein der damaligen Cos-Zeit und diese Art gefällt mir heute noch. Da ging man nicht nur bis ans oder gar über das Limit bei der Vinifikation. Man nahm die Jahrgänge so an, wie die Vorgabe der Natur war. Dabei ist zu vermerken, dass die heute anzutreffenden 1985er-Flaschen sehr unterschiedlich sein können. Zuweilen sackten ein paar Kontakte mit diesem Wein bis zu 16-Punkten ab. Hier hatte ich eine veritable Renaissance im Glas. 18/20 austrinken  

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WUNDERSCHÖNER «READY-BARTON»

Wer bei den Bordeaux 2003 nicht sicher ist, den richtigen Punkt zu erwischen, der tut gut daran, einen schönen Teil seines Reservoirs jetzt zu entkorken …

2003 Léoville Barton: Sattes, dichtes Granat. Die Nase spielt von Anfang an verrückt; Himbeerkernen, geröstete Haselnüsse, getrocknete Feigen, helles Leder, Teer und erste Anklänge von dominikanischem Tabak. Das Nasenbild ist fein pfeffrig und vielschichtig. Im Gaumen zeigt er viel Zedern und andere noble Hölzer. Die Tannine sind nahezu reif und vermitteln trotzdem immer noch ein royale Adstringenz. Obwohl er sich ziemlich klassisch gibt, kann er den heissen Jahrgang 2003 doch nicht ganz verheimlichen. Vom Körper her ist er alles andere als burgundisch. Die finalen Aromen erinnern dann aber doch irgendwie an einen Latricières Chambertin. Er ist am Anfang einer soliden Genussreife. 19/20  

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ZWISCHEN FRUCHT UND SCHIEFER

Ried Schütt! Der Wachauer-Lieblingswein von meiner Karin. Zugegeben, da gibt es noch viele andere Weissweine von und ausserhalb der Wachau. Letztendlich bei der Evaluation immer die Nase vorn.

Je wärmer es in der Weinwelt wird, desto mehr favorisieren wir die kühleren oder die oberen Lagen. Säure macht Länge. Säure lässt die Weine vibrieren. Säure konserviert die Frische.

Heute ist bei uns der 2013 Riesling Ried Schütt von Emmerich Knoll im Gabriel-Gold-Glas. Dabei erinnere ich mich, dass Emmerich einmal extra für uns eine kleine Vertikale auf einem Gartentischchen in der Riede Schütt aufgestellt hat. Ein unvergesslicher Moment.

Dieser Schütt ist grün gelblich leuchtend. Zeigt eine pfeffrige Nase mit restlichen Spuren von Stachelbeeren und Weinbergpfirsich. Deutlicher als diese abklingenden Fruchtnuancen sind facettenreiche, florale Züge, wie Brennnessel und Minze. Die minim laktische Note deutet auf eine kommende Firne hin. Im Gaumen ist der Wein erst mal enorm lang, zeigt eine schöne Spannung und vermittelt im Finale eine wirklich minim dezente, mineralische Schiefernote. Wachauer Weine können genau so gross sein wie ganz grosse Bordeaux. Also sind die Punkte im gleich hohen Bereich. Der Unterschied macht nur der Geschmack und die Farbe. 19/20   

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CHÂTEAUNEUF-DU-PAPE & KUTTELN
 
Waren es die Griechen? Es wird vermutet, dass die Griechen, welche im sechsten Jahrhundert die Stadt Marseille gründeten, mit Weinbau in Südfrankreich begonnen hatten.

Im Jahr 500 erwähnte der damalige Bischof Gregor von Tours «einen Wein von Avignon».
Um 1350 liess Papst Johannes XXII einen eigenen Weinberg mit den besten Lagen in dieser Region bestocken.

Eine Urkunde aus dem Jahre 1519 beweist die Existenz von weissem Châteauneuf-du-Pape.

Im 19. Jahrhundert galt der Châteauneuf-du-Pape bereits als bester Wein der südlichen Rhône. 1935 wurde diese Region als eine der ersten Appellationen Frankreichs gesetzlich geschützt.

Die gebietstypische Weinflasche mit den aufgeprägten päpstlichen Symbolen, den gekreuzten Schlüsseln Petri und der Tiara, ist den Erzeugerabfüllungen vorbehalten und ist seit 1938 als Markenzeichen eingetragen.

Die jüngste Geschichte dieser rund 3'200 Hektar grossen Appellation führt nach Eschenbach. Genauer gesagt, in die Garten- siedlung Moos. Dort trafen sich im Mai 2020 fünf gestandene Männer zum Châteauneuf-Stelldichein. Jeder hatte eine Flasche dabei. Letztendlich kam ein herrliches Sammelsurium zu Stande. Vom gereiften Jahrgang 1970 (Château Fortia) bis zum noch etwas zu jungen 2005 Réserve des Célestins von Henri Bonneau stand eine ziemlich heterogene Palette auf dem heimelig anmutenden Gartentisch.

HENRI BONNEAU’S VERMÄCHTINS

Er gehörte mit Jacques Reynaud (Rayas) zu den legendärsten Winzern von Châteauneuf-du-Pape. Im März 2016 ist Henri Bonneau im Alter von 77 Jahren gestorben. Wie es mit der Domaine weitergehen soll, scheint momentan nicht ganz so klar. Wie es aber war, dass wissen Kenner von diesen eigenwilligen und deshalb unverwechselbaren Weinen.
Bonneau produzierte drei Weine mit einer Gesamtmenge von ungefähr 15'000 Flaschen. Den einfachen normalen Châteauneuf. Das Cuvée Marie Beurrier und – in grossen Jahren – die Reserve des Célestins. Viele der der besten Bonneau-Weine besitzen Kultstatus.

Wer reintönige Weine mag, der soll die Finger von Bonneau lassen. Wer die maximale Toleranz gegenüber wilden, fleischigen, artisanalen, erdigen, manchmal brachial anmutenden, ungeschliffenen Rhône-Rohlingen aufbringt, der ist hier, nach langer Flaschenreife und genügender Dekantierzeit bestens bedient.

Welche Rebsorten Zusammensetzung er für seine Weine verwendete bleibt ein halbes Geheimnis. Denn Henri Bonneau gab immer an, auch nicht genau zu wissen, wie seine sehr alten Rebberge komponiert waren. Sicher lieferte der Grenache die Majorität, ergänzt von etwas Mourvèdre, Counoise und Vaccarèse. Und Syrah? Nein – ganz sicher keinen Syrah, denn Bonneau war immer ein Verfechter gegen den Syrah. Die Nordrôhne brauche keinen Grenache, «also brauchen wir im Süden auch keinen Syrah», so sein Credo. Bei einer früheren Gelegenheit konnte ich die Cuvée «Marie Beurrier» verkosten. An unserem Kutteln-Châteauneuf-Abend entkorkten wir die «Réserve des Célestins).

2005 Châteauneuf-du-Pape Cuvée Marie Beurrier, Henri Bonneau & fils:
Noch recht jugendliches Weinrot, immer noch zart lila Schimmer in der Mitte zeigend. Sehr mineralisches Bouquet, duftet förmlich nach Putzfäden in einer Autogarage, Korinthen, getrocknete Pflaumenschalen, Teer, eigenwillig, einzigartig. Für Terroirfahnder eine nasal tiefgründige Droge. Im Gaumen eine Essenz von Dörrfrüchten, kompakt, fleischig, stoffig, sandiger Fluss mit «mittlerem Charme», im Finale gehackte Rosinen. Zeigt geschmackliche Parallelen zu einem grossen Prioratwein. Ein spezieller Stil – für spezielle Bonneau-Fans. 18/20 beginnen

2005 Châteauneuf-du-Pape Réserve des Célestins: Die Farbe ist nicht besonders dunkel, zeigt viele Granatreflexe, wirkt aber als Solches noch enorm jung. Geniales Bouquet, Teer, Lakritze, Korinthen, dunkle Edelhölzer, Jasmin, Eucalyptus und grüner Chartreuse Likör. Unerhört intensiv und gleichzeitig wahnsinnig elegant ausladend. Er legt an der Luft permanent zu und nimmt berauschende Konturen an. Die Reflektionen von Terroir und Mineralik sind nahezu dramatisch. Im Gaumen fest, konzentriert, die Aromen drehen im schwarzen Bereich und diese Sondercuvée geht in eine ungeahnte Châteauneuf-Tiefe. Er zeigt im Extrakt und in der Adstringenz immer noch weiter Reserven. So ist es ratsam, dass man entweder a.) noch etwas wartet. Oder b.) sehr lange dekantiert. Das haben wir gemacht. Als er ins Glas kam, verfügte er über gut fünf Stunden Luftkontakt. Hat gerade noch knapp gereicht. Was wichtig ist, wenn man behauptet, dass dieser legendäre Wein zu den besten der Welt gehört ist der Umstand, dass es davon nirgendwo in einem anderen Rebberg davon eine mögliche Kopie geben kann. Ein Unikat der Superlative! Für echte Rhône Fans ein bewegender Moment. 20/20 trinken   

BEAUCASTEL: 13 REBSORTEN

Wenige Winzer bauen einen reinen Grenache für deren Châteauneuf aus. Denn – in der Regel bedient man sich eines Blends. Einerseits aus Tradition. Andererseits, weil oft die Terrains unterschiedlich sind. Unter den bekanntesten Crus ist der Beaucastel einer der wenigen, welcher alle klassischen 13 Rebsorten verwendet. So findet man im Blend vom grossartigen 2007er; 30 % Grenache, 30 % Mourvèdre, 10 % Syrah, 10 % Counoise. Die restlichen 15 % bestehen aus Vaccarèse, Terret Noir, Muscardin, Clairette, Picpoul, Picardin, Bourboulenc und Roussanne.

Je Grenache – desto feiner. Je mehr Mourvèdre, desto kräftiger. Je mehr Syrah, desto schwarzbeeriger. Das ist so etwa die Faustregel, will man sich für einen gewissen Châteauneuf-Typus entscheiden.

Den Beweis für diese Theorie liefert Beaucastel mit seinem raren Specialcuvée «Hommage à Jacques Perrin». Denn dieses sanfte Monster wird mit einem Blend von sagenhaften 60 % Mourvèdre (!), 20 % Grenache, 10 % Syrah und 10 % Counoise kreiert. Während der normale Beaucastel in der ersten Phase unter 100 Franken zu haben ist, muss man für das hoch parkerisierte Super-cuvée in der Regel das Fünffache hinlegen.

2000 Châteauneuf-du-Pape Château de Beaucastel, Frères Perrin: Kräftige, dunkle Farbe, praktisch keine Reifetöne aufweisend. Das Bouquet ist geballt, wuchtig, wild und ausbrechend. Als ob er grad kürzlich von der Reduktionsphase in die erste Reifephase gewechselt hätte. Im wuchtigen Nasenreigen zeigen sich Kräuter, Ledertöne, Korinthen, Teer und Trüffel. Im Gaumen kommt er massiv daher. Gibt sich noch brachial, polternd und ungeschliffen. Ein gigantischer, bourgeoiser Châteauneuf der zu beeindrucken weiss. Obwohl dieser Wein gigantisch ist, findet man immer noch ein paar Angebote im Markt. Der günstigste war ein Anbieter aus Genf. Der hatte noch 6 Magnum. Die sind jetzt in Eschenbach! 19/20 trinken

ALTE CHÂTEAUNEUF?
 
Zu alten Châteauneuf-Jahrgängen habe ich ein ziemlich diffuses Verhältnis. Einmal entkorkte ich in Spiez einen Abend lang ziemlich alte Weine dieser Region. Das Ergebnis war ernüchternd. Von Rostwasser bis Pferdepisse lag da alles drin. Na gut – ein paar waren schon noch gut trinkbar, aber die Gläser blieben mehrheitlich unberührt. Ausser beim jungen Tischwein (1997 Cuvée Cadettes, La Nethe). Der kam so gut an, dass ich bereits in der Hälfte des Abends «ausgesoffen» war.

Der möglicherweise grösste Fachmann für Châteauneuf-Raritäten ist der deutsche Weinfreak Uwe Bende. Webseite hat er leider keine, aber er ist fleissig im Facebook und Twitter unterwegs.

1970 Châteauneuf-du-Pape, Château Fortia, Tête de Cru: Den hatte Baschi mitgebracht. Sehr dunkel in der Farbe, nur am Rand sieht man einen orangen Schimmer. Die Nase zeigt zuallererst eine artisanale Zubereitungsart. Wer da nicht genügend tolerant ist, der gibt zu schnell auf. Denn – dieser tolle Wein schöpft aus der Tiefe, Trüffel, Mineralik, Karbonileum, Backpflaumen, schwarze Rosinen und Darjeeling Tee. Im Gaumen fest, fleischig, mit schönen Rundungen. Ein Klassiker der damaligen Zeit. 17/20 austrinken  


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KUTTELN A LA GABRIEL

Zu den fünf Châteauneufs stellten wir in der Mitte des abends einen grossen Topf mit Kutteln auf den Tisch.  Zutaten; selbst geschnittene und lange gewässerte, gekochte Kutteln, Eschalotten, Safran, Frühlingslauch, Karotten, Gemüsebrunoise, Tomatenwürfel, Bouillon, Ayvar, Piment d’Espelette, spanisches Paprika, 2001 Grüner Veltliner Knoll Vinothekenfüllung, Château Cheval Blanc 1973.




















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TRAUMHAFTES POMEROL-QUINTETT

Es kann auch Nachteile haben, wenn man zu Hause nur noch reife Weine trinkt und gleichzeitig weniger degustiert wie früher.

So kennt man nur die Notizen von den Fassproben und macht im Keller einen grossen Bogen um die (noch) zu jungen Weine.
Deshalb liebe ich genau solche Begegnungen der Zwischenzeit. Und so ganz «viel zu jung» waren diese Pomerols nun auch wieder nicht, wie ich erwartet hatte.

Der Merlot macht die Jugendpräsenz. So ist es halt mit den Weinen aus dem Libournais (Pomerol, Saint Emilion & Co.). Diese sind im Vergleich mit den Médoc und Graves vom Jahrgang 2005 heute wesentlich zugänglicher.

Wenn auch meiner Ansicht noch nicht richtig reif. Aber das ist Ansichtssache. Denn – Gabriel trinkt halt lieber reif bis überreif.

Die ganze PDF-Story: www.bxtotal.com

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AU REVOIR DENIS

Im Alter von 62 Jahren ist der Besitzer von Château L'Eglise-Clinet, Denis Dubrantou verstorben. Mit grossem Respekt verabschiede ich mich von ihm.

Wenn ich jeweils seine Weine verkostete wich er nicht von meiner Seite. Zwar war er sich seiner Sache immer sehr sicher, wollte es aber gerne von aussen bestätigt haben. 

Er erkannte das Potential seines Weine und machte keine Kompromisse an eine fördernde Jugengefälligkeit. So werden denn seine besten Weine zu ähnlichen Legenden heranwachsen wie frühere Legenden.

Er hat den Eglise-Clinet zu dem gemacht, was es heute ist. Ein grosser, langlebiger Pomerol mit viel Charakter. Einer der vielleicht manchmal unterschätzt wurde. Bis man ihn reif im Glas hatte.

Hier eine Erinnerung an einen  grossartigen Abend mit ihm und seinen besten Freunden.


EGLISE CLINET: DIE LETZTEN FLASCHEN

Zuerst verkosteten wir mit Denis Durantou auf Château L’Eglise-Clinet seine diversen 2010er-Fassproben aus den Appellationen Lalande-de-Pomerol (La Chenade & Cruzelles) dann die beiden Pomerols (Le Petite Eglise & L’Eglise Clinet). Dann lud er ein Dutzend Weinfreunde in die AuBerge Saint-Jean nach Saint-Jean de Blaignac. Ein gut geführtes und noch wenig entdecktes Restaurant, malerisch an der Dordogne gelegen. Nur etwas 10 Kilometer vorbei Saint Emilion entfernt. Ein Tipp für gut-essensgewöhnte Pilger…
Ja - und dann spielte Denis den grosszügigen Gastgeber und amtierte gleichzeitig als Sommelier. In schon fast wehmütiger Art und Weise zelebrierte er seine letzten Flaschen und bescherte dabei den Gästen historisch grosse, ja gar emotionelle Weinerlebnisse.
Die erste Flasche; eine Dame-Jeanne (2.8 Liter Inhalt) vom Jahrgang 1929: Es seien damals drei solche Flaschen im Châteaukeller gewesen, jedoch wären zwei ausgelaufen, ohne dass es jemand bemerkt hätte. Also war das von den dreien die einzige, welche je getrunken wurde. Sehr dunkle Farbe, ziegelrot und brauner Schimmer. Das Nasenbild begann mit Glutamatnoten, dann Rosenholz, Rosinen, Feigen, Hirschleder und getrockneten Pilzen, wie auch frisch geschnittenen Feldchampignons. Im Gaumen die ganz grosse, legendäre Pomerol-Süsse zeigend, viel Fett, was Volumen förderte. Jeder Schluck – eine gute Stunde lang – ein dramatisches, legendäres Pomerolerlebnis der ganz, ganz besonderen Art. 20/20 austrinken

1955 Château L’Eglise Clinet aus der Magnumflasche. Das war dann die Legende schlechthin: Eine unglaubliche Farbe mit viel schwarzen Reflexen. Im der Nase Pflaumen, Birnel, geröstete Himbeerkerne, dramatische Tiefe anzeigend und daraus Trüffel, Caramel und irgendwie auch Vanillemark schöpfend. Im Gaumen die mundfüllende, üppige und gleichzeitig im Fleisch sehr feste Pomerol-Droge. Das Extrakt reicht für einen minutenlangen Nachklang. Absolut intakt, zeitlos. Die Welt steht still! So viele grossartige Weine durfte ich in meinem Leben schon trinken und hätte mir nicht zu erhoffen gewagt, dass da noch einer, den ich so noch nie erlebt hatte, dazu kommen könnte. Danke Denis für diese letzte Magnum aus Deinem Keller. Oder, um das Motto von einer berühmten Whiskyreklame zu übernehmen: Du hast zwar ein paar Flaschen weniger – aber dafür mehr Freunde! 20/20 trinken

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CHÂTEAU – OHNE WEBSEITE

«Willst Du gelten, so mach Dich selten». So lautet ein jiddisches Sprichwort. Lafleur ist – unter Pomerolfreaks – schon lange kein Geheimtipp mehr. Wer diesen Wein im Keller haben will, muss bei der Subskription wachsam sein. Oder später, bei der Marktöffnung ziemlich vermögend. Wie alle begehrten Pomerols der Kategorie Pétrus und Le Pin kennt Lafleur in seiner Preisentwicklung nur eine Richtung: «nach oben». So müsste man denn heute für eine Flasche Lafleur 2005 so um die 1500 Franken hinlegen.

Nur gerade 4.5 Hektar ist dieses Schmuckstück klein. Die Einzigartigkeit; Lafleur verfügt – dank steinigem Boden – über den grössten Anteil von Cabernet Franc im ganzen Pomerol.


2005 Château Lafleur: Sehr dunkles, etwas matt wirkendes Purpur, rubiner Rand. Tiefwürziges, erhabenes Bouquet, Mocca, dunkle Pflaumen, Irisch-Moos, mehr floral denn fruchtig. Und das zeugt von einem grossartigen Anteil an Weltklasse-Cabernet-Franc. Er wird von Minute zu Minute intensiver und lädt enorm aus. Er versprüht dabei unendlich viele Schichten. In der Folge zeigt der Wein dunkle Pralinen, Datteln, Lakritze, Jasmin, Trüffel und noblen Tabak. Dabei bleibt er auf der floral-würzigen Seite. Der Gaumen ist samtig, füllig, feinfleischig. Hier scheint jetzt etwas mehr Frucht durchzukommen. Pflaumen hatten wir ja schon. Jetzt kommen Malbeeren und rote Früchte zur Geltung, welche die fein stützende, laktische Säure dokumentieren. Er zeigt zwar sein enormes Potential (typisch 2005) und seine Geradlinigkeit (auch typisch 2005). So ist es denn – nach fast 15 Jahren in der Flasche – kein Wunder, dass er sich noch nicht mal mit einem Bein in der effektiven Genussphase befindet. Dies ist kein Pomerol-Rodeo, sondern ein introvertiertes Unikat ohne Vergleiche. Nicht mal in der Appellation selbst. Die frühere Vermutung, dass er zu einem Jahrhundertwein mutieren wird, hat sich fraglos erfüllt. Aufgrund des Preises und der Rarität dieses Weines werden dies wohl nur wenige Weinfreaks nachkontrollieren können. Leider. 19/20 warten 

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INTELEKTUELLER WEIN?

Beim Verkosten vom Certan dem May kam mir das Wort «intellektuell» in den Sinn. Bei den Korrekturen nahm ich das Wort dann wieder raus. Doch gleichzeitig fragte ich mich, ob es denn solche Weine überhaupt gibt? Also surfte ich im Netz und fand einen Artikel der NZZ unter der Rubrik «Kochen & Geniessen» von Christina Hubbeling …

«Polarisiert der Wein, dann können Sie mit wichtiger Miene verkünden, er sei «eben ein bisschen intellektuell». Denn intellektuelle Weine sind im Grund genommen nichts anderes als Weine, welche sich nicht massen-tauglich geben und sich nur eingefleischten Wein-Snobs erschliessen.Um damit Kants Kritik der reinen Vernunft oder Schopenhauers Erkenntnistheorien besser verstehen zu können, kann das Sippen an einem «intellektuellem Wein» allenfalls eine willkommene Begleiterscheinung sein. Nicht aber dessen primärer Zweck».

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LASCOMBES AUS ZWEI EPOCHEN

Da stehen die beiden Lascombes oben auf dem Bild ganz friedlich nebeneinander. Es ist aber nicht selten so; wenn vergleichbare Dinge gleichzeitig in Angriff genommen werden, dass automatisch nach möglichen Parallelen oder signifikanten Unterschieden gesucht wird.

Beginnen wir mal mit den Verkostungsnotizen und versuchen danach ein Fazit.

1982 Château Lascombes: In der Schweiz ist dieser Wein momentan immer noch um ca. 100 Franken zu haben. Mattes Rot, deutlich aufhellend am Rand. Wunderschön süsses, bis fast kompottig anmutendes Bouquet; gekochte, rote Pflaumen, getrocknete Feigen, kalter Kakao. Wirkt nasal intensiv und filigran gleichzeitig. Er ist voll reif, aber immer noch recht präsent. Die 38 Jahre hat er auf jeden Fall problemlos überstanden. Im Gaumen samtig, saftig, weich und wieder ziemlich süss rüberkommend. Er ist vom Körper her sehr homogen, leicht mehlig in der Textur und wird gegen das Finale fast kompottig. Ein faszinierendes «Margaux-Likör» welches heute und noch ein paar weitere Jahre ganz viel Freude bereitet. 18/20 austrinken  

2010 Château Lascombes: Die Marktpreise liegen da so um 100 Franken pro Flasche. Sattes Purpur-Lila. Unglaublich intensives Bouquet; Brombeeren, Heidelbeeren, frisch gebrochener, schwarzer Pfeffer, begleitet von floralen, präzisen Cabernetnoten. Er scheint nasal trügerisch offen und vermittelt nach ein paar Minuten Veilchen und minzige Spuren. Der Gaumen ist massiv, fleischig, stoffig und stark adstringierend. Der Fluss ist aufrauhend und so wirkt dieser extrem verlangende Margaux irgendwie noch roh. Ein ungeschliffener Lascombes-Diamant. Das Potential ist immens, aber leider ist die mögliche Genussreife noch enorm weit entfernt. 19/20 warten    

DER UNTERSCHIED VON 1982 & 2010

Die optischen Differenzen habe ich auf der ersten Seite dieser Geschichte schon deutlich auseinandergenommen.
Nun geht es ans «Eingemachte». Wie heisst es so schön; «die Wahrheit befindet sich letztendlich immer im Innern der Flasche».
Der Lascombes 1982 ist logischerweise reif. Er stammt ebenfalls aus einem als einem zuweilen als Jahrhundertjahrgang angesehenen Millesime. Aber – er reflektiert auch die alte Bordeauxzeit. Damals gab es noch keinen Zweitwein. Erst wurde der «Grand Vin» selektioniert, dann wurde der Ramsch anonym an einen Négociant verkauft. Es ist anzunehmen, dass der Anteil an neuen Barriques weniger als einen Viertel betrug. Wenn überhaupt.

Der Lascombes 2010 ist in einer neuen Ära, unter der Ägide von Dominic Befve. Er wechselte im Jahr 2000 von Lafite zu Lascombes und führte mit dem Jahrgang 2001 den Zweitwein «Chevalier de Lascombes» ein. Gleichzeitig hob er die Qualität derartig an, dass Lascombes heute zu den Top 5 der Appellation Margaux gehört. Ausgebaut wurde dieser 2010er in etwa 60 % neuen Barriquen.
Säure, Tannin und Alkohol prägen diesen 2010er. Damit steht er nicht alleine da, denn dies ist das Merkmal eines der lagerfähigsten Bordeaux-Jahrgänge der neueren Zeit. An diesen Weinen werden sich Ungeduldige noch die Zähne ausbeissen. Fazit: Noch nicht entkorken und der Dinge harren!  

Die ganze Story: www.bxtotal.com

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WEISSES PFERD IM GLAS –
POULET AUF DEM TELLER


Da ich den gestrigen Abend enthaltsam, respektive mit Null-Kalorien absolvierte, bleibt heute Reserve. Und auch das doppelte Budget. Also leiste ich mir heute eine Rarität, welche ich normalerweise für edle Weinproben einsetzen würde.

Ich verkoste den Wein jeweils vor dem Abend und entscheide dann, ob ich ihn dekantieren will. Vom nachfolgenden Wein gibt es mindestens zwei Editionen. Nicht wenige wirken leider etwas reduktiv oder «müffeln» gar ein wenig. Dieser hatte keinen Makel und ich bin mir sicher, dass er zu Spargeln, Pouletfilet und Shiitakepilzen passen wird. Wenn nicht – auch egal …


1983 Château Cheval-Blanc: Die Farbe ist mitteldunkel, am Rand deutlich aufhellend und dort mit ordentlich viel Orange versehen. Die Nase zeigt Malz, Kampfer, Torfnoten, dunkle Rosinen, fein würzig bis kräutrig. Im zweiten Ansatz wird der Wein süsser, zeigt dunkles Caramel, gedörrte Datteln, Kardamom und eine Prise Ras-el-Hanout. Es sind viele Parallelen zu einem reifen La Tâche vorhanden. Zeit zum nasal Ausflippen!!! Im Gaumen ist die Typizität zu einem Drittel mit einem grossen Burgunder zu Vergleichen. Der zweite Drittel erinnert an einen Château Rayas (Châteauneuf). Und das letzte Drittel zeigt ganz klar einen Cheval Blanc eines ziemlich heissen Herbstes an. Es ist immer noch viel Substanz (Fleisch und Stoff) auf der Zunge zu spüren. Im Finale findet man dann auch verschwenderisch viele Terroir-Reflektionen. Richtig gute Önologen würden da wohl nicht wenige Vinifikationsfehler finden. Ich hingegen finde ihn schlicht genial. 20/20

P.S. Auch hier kommt immer wieder die Diskussion oder der Vergleich mit dem Jahrgang 1982 auf. Beide sind völlig anders. Ich finde die 1983er (Cheval, Margaux, Mission, Mouton) konzentrierter und tiefgründiger und ganz sicher langlebiger.     

Cheval Blanc = frz. «weisses Pferd»

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ES «GRANGELT» BEI UNS

Heute steht Rindstartar auf dem Programm. Rotwein passt dazu immer. Aber eigentlich keiner so richtig. Ist wegen den Kapern, den Zwiebeln und anderen Sachen.

Also muss Mann in solchen Fällen «Kompromisstrinken». Geht immer. Eins nach dem Anderen.

Also musste ich nicht lange in der Küche stehen, denn ich benutze ein zuverlässiges Halbfabrikat von Mövenpick für die Speise. Die Zeit, welche ich in der Küche sparte, kompensierte ich im Keller. Ich wanderte umher und schwankte zwischen Bordeaux und Napa.

Und wieder folgte ein Kompromiss: 1982 Penfolds Grange. Das war eine gute Wahl. Er ist nicht mehr so Überdrüber wie früher. Hat sich etabliert, verschlankt. Irgendwie ist er leichter geworden. Das gibt ihm die Chance all diese verrückten Grange-Aromen förmlich, aber nicht überheblich aus dem Glas zu katapultieren.

Da meine Frau in letzter Zeit kein rohes Fleisch mehr ist, habe ich das Beefsteak-Tartar allein gegessen. Da sie gar nicht zu Hause war – musste ich den Grange allein trinken. Geht doch! Montag ist aller Penfolds-Tartar-Anfang …

P.S. Das Gesamtbudget lag an diesem Abend weit unter 100 Franken. Den Grange hatte ich 1987 für 65 Franken gekauft.

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EINE VON 91'488 FLASCHEN

Es gibt wenige Produzenten, welche die Ernte vollumfänglich deklarieren. Mouton hat das früher gemacht. Heute nicht mehr. Dabei gibt es heute viel weniger Mouton-Flaschen wie früher.

Heute fiel die Flasche Nr. 6073 zum Opfer. Irgendwie hatte ich gestern schon im Sinn einen Martha’s zu entkorken. Im Keller entschied ich mich spontan für etwas anderes. Da machte Karin aber ein ganz vorwurfsvolles Gesicht und bemerkte schnippisch: «Eigentlich hattest Du mir ja einen Martha’s versprochen». Damit ich nicht morgen automatisch geschieden bin, habe ich diesen Fehler heute sofort korrigiert.



1991 Cabernet Sauvignon Marthas Vineyard, Heitz: Man würde hinter dieses intakten Granatfarbe nie einen fast 30jährigen Wein erwarten. Das Bouquet ist malzig, pflaumig, schokoladig und zeigt eine traumhafte Cabernetwärme, welche weit ausladend ist. Im zweiten Ansatz; Lakritze, Kräuter, braunes Peru Balm und erste Eucalyptusspuren. Letztere werden an der Luft später immer intensiver. Im Gaumen zeigt er wieder diese hohe Cabernet-Reife. Die Gerbstoffe sind weich, die Aromatik bleibt intensiv. Im Innern ist er sanft gebündelt. Zeigt einerseits eine dezent mehlige Textur, andereseits gleicht sich dieser minime Makel wieder durch die zart laktischen Noten aus. Er dokumentiert jetzt seine volle Reife. Was aber bei einem Martha’s nicht heisst, dass man sich jetzt mit dem Entkorken beeilen muss. Beruhigend – klassisch. 19/20

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PENOLDS BESTER CABERNET

Er ist ganz schön teuer geworden, der Bin 707 von Penfolds. 400 Franken pro Flasche sind keine Seltenheit. Für den folgenden Wein hatte ich damals 80 Franken bezahlt. Lange her! Meiner Ansicht nach haben besten Cabernet Sauvignon gegen die besten Shiraz in Australien an der Spitze wenig Chancen. Oder umgekehrt, ich finde eine Vielzahl von Shiraz oder Shiraz-Blends viel besser als Cabernets oder Cabernet Blends. Aber es gibt ein paar Ausnahmen. Das ist eine davon.

Bei einem Top-Cabernet ist es mir wichtig, dass er seine Herkunft zeigt. Damit meine ich, dass sich ein Chile Cabernet Sauvignon oder ein Napa Cabernet Sauvignon deutlich von einem Bordeaux unterscheiden soll. Und dies verlange ich somit auch von einem Australier.


Der 1998 Cabernet Sauvignon erfüllt mein Wunschkriterium. Die Farbe ist sehr dunkel, man sieht aber – bei genauerer Betrachtung – schon, dass er mehr wie 20 Jahre alt ist. Die sehr intensive Nase duftet nach frisch gebrochenen Rosmarinzweigen, nach Eucalyptus, Black Currant-Pastillen, Kaffee und Dörrpflaumen. Da kommt einem so ein richtiger Bouquet-Power entgegen. Im Gaumen hoch aromatisch, füllig, viel Cassis, Lakritze, frisch gebrochener, schwarzer Pfeffer und wieder mit einem ausufernden Kräuterreigen aufwartend. Es ist jetzt voll auf dem Peak und ein gewaltiges Erlebnis. 19/20

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DER KLEINE PINGUS

Damals war der «Flor» noch der Zweitwein von Pingus. Heute ist es eine eigenständige Marke. 1995 war der erste Jahrgang von Peter Sisseck und damit startete er eine Revolution in Ribero del Duero. Plötzlich gab es einen «anderen Wein» der fast so teuer war die der Vega Sicilia. Heute ist der Pingus sogar der teuerste Wein von Spanien.  

Der 1996 Flor de Pingus ist gereift in der Farbe, etwas dumpf in der Mitte. Die Nase gibt sich pflaumig süss, sehr schokoladig, zeigt Sandelholz, pulverlöslichen Kaffee und Nuancen von frisch gegerbtem Leder. Man spürt seine deutliche Reife, aber er ist intakt und sehr anmutig. Im Gaumen spürt man immer noch Röstnoten von den Barriques, wieder Kaffee, Pralinen und Haselnuss-Likör. Der Körper ist mittelgewichtig, das Finale gebündelt. Es ist erstaunlich, dass diese «Zweitwahl» von Pingus sich so lange auf diesem Niveau halten konnte. Gemäss Recherche im Netz ist das heute eine richtige Trouvaille.  (18/20)

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VINO-TUTTI-FRUTTI MIT BELLA ITALIA
 
Fiasco heisst eigentlich bauchige Flasche. Bekannt ist das strohummantelte Fiasco mit einem günstigen Chianti drin.
Meine erste Erinnerung mit Wein geht in meine Kindheit zurück. In unserem Elternhaus befand sich oben eine Dreizimmerwohnung. Dort wohnte die Familie Fantolini. Es waren Italiener wie es im Buche steht. Laut, fröhlich, gesellig. Und immer floss der Wein …

Alle Jahre so zwei bis drei Mal fuhr ein Lastwagen vor und lud ein grosses Fass mit rotem Wein ab. Mittels Bretter wurde dieses Behältnis mit einer schiefen Ebene auf den steinernen Waschküchentrog gehievt.

In der Zwischenzeit trugen wir die ganz vielen leeren «Fiasci» von der oberen Wohnung nach unten. Diese wurden ausgewaschen und dann auf den Boden gestellt. Signore Fantolini hielt einen Plastikschlauch in der Hand. Am einten Ende machte er mit einem grossen Nagel viele kleine Löchlein. Dann führte er eine riesige Schraubenmutter über das Schlauchende und band es mit einer Schnur fest. Dann führte er den Schlauch ins Fass und wartete bis das eine Ende unten angekommen war.

Was dann folgte, war für mich die erste Physikunterrichtsstunde. Er setzte sich zu Boden und zog mit seinem Mund den Wein an. Schliesslich führte er den Schlauch in die erste Chianti Fiasco. Wir bildeten ein Team. Jemand nahm die Flasche weg und schob eine neue zum «Schlauchführer». Ein anderer verkorkte mit alten Korken und schlug mit der Hand oben drauf zum Verschliessen. Andere trugen die Flaschen nach oben …

Am Schluss tranken die Erwachsenen die Fassresten aus und Frau Fantolini hatte Brot, Salami und Käse hingestellt. In der ganzen Waschküche roch es herrlich nach Wein und ich war allein vom Duft her wahrscheinlich ein Bisschen beschwipst.

Während unten noch palavert wurde, trug ich die leeren Gläser nach oben in die Küche. Nicht alle Gläser waren leer und so kam es zur ersten Weinverkostung meines Lebens. Ich weiss nicht mehr, ob ich die Farbe schon so richtig professionell begutachtete. Doch ich weiss noch, dass ich am Wein roch und dann in den Mund nahm. Und bereits damals konnte ich schon beim Tasting Spucken. Was ich im Mund hatte, empfand ich «mega gruusig»!

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ERST IM WALD SPAZIEREN,
DANACH WEINE DEGUSTIEREN
DANN LASAGNE SCHNABULIEREN


So sah das Programm an diesem Donnerstag Ende April aus. Wie schon die Wochen zuvor. Und wohl auch nächste Woche.
Immer mit einem satten oder locker gesteckten Thema. Diesmal stand der Oberbegriff «Italien» im Zentrum. Da kam Allerlei zusammen. Deshalb auch meine versuchte Definition mit Tutti-Frutti. Wie heisst es so schön; «Abwechslung macht das Leben süss».

Als wir nach der kleinen Wanderung in Ottis Hütte im Moos eintrafen, standen bereits zwei geöffnete Barolos auf dem Tisch.
Oh je, dachte ich! Barolos sind nicht so mein Ding. Mit alten hatte ich praktisch nur schlechte Erfahrungen gemacht und junge schmecken mir nicht. Und Drittens; tun diese meinem Luxuskörper irgendwie nicht gut. Anderntags spüre ich diese Edel-Nebbiolos oft in den Gelenken.

Ins linke Glas wird der 1977 Barolo Marcenasco von Renato Ratti eingeschenkt. Die sehr helle orange-braune Farbe ist Angst einflössend. Doch der Wein ist noch gut trinkbar, wenn auch ziemlich fragil. Beim 1978 Barolo Monfaletto von Paolo Cordero aus Montezemolo sieht man bereits der noch intakten roten – wenn auch ebenfalls sehr hellen – Farbe an, dass noch Leben in ihm steckt. Das Bouquet ist zart, zeigt Resten von roten Kirschen und hellen Tabak. Im Gaumen ist er, abgesehen von der erhaltenden Säure, ziemlich mild geworden. Gute Balance und eine unerwartete Freude bereitend. Wenn alter Barolo so wird, dann ist das für mich so o.k.  

Weiter zum 1997 Il Pergole Torte von Montevertine. Das ist ein reinrassiger Sangiovese der Sonderklasse. Und für mich gibt es nicht wirklich besonders viele Sangiovese welche mich innerlich berühren. Der allerbeste Wein dieser Rebsorte war der 1990er Pergole Torte aus der Doppelmagnum. Auch dieser 1997er ist ein grosser Wein. Die Farbe ist nicht besonders dunkel. Die Nase zedrig, ledrig, erdig gewürzt und mit vielen Kräuterfacetten. Rein nasal würde man ihn reif einschätzen. Was dann aber im Gaumen leider noch nicht ganz der Fall ist. Die Gerbstoffe sind sehr präsent und der Fluss noch etwas körnig. Was tun in einem solchen Fall? Lange dekantieren. Und dann etwas Passendes auf den Teller drapieren. Auf alle Fälle ist dies ein ganz grosser Pergole Torte. (19/20).

Jetzt zu einer weiteren Toskana-Legende, welche aber aus der Maremma stammt. Es geht um den 2006 Sassicaia. Der kommt Violett, ja fast Schwarz ins Glas. Die Nase monumental, kompakt und tiefschürfend. Aber leider auch immer noch nicht ganz offen. Mehr von diesem Riesenwein nimmt man im Gaumen wahr. Das Extrakt ist schwarzbeerig. Beim Schlürfen kommt Cassis zum Vorschein. Gleichzeitig wirken die Aromen immer noch primär und floral. Momentan ist der Sassicaia ziemlich «hypig». Zu früheren Zeiten war seine Langzeitbilanz eher durchzogen. Dieser 2006er ist ein Sassicaia-Gigant. 20/20 beginnen   

ZIEMLICH DICKES LAGREIN-ENDE
Das war schon ziemlich dreist von mir, bei einem italienischen Weinabend mit einem Lagrein aufkreuzen. Glücklicherweise kam der 2014 Lagrein Riserva, Weingarten Klosteranger von Kloster Muri-Gries am Schluss des Abends auf den Tisch. Denn es handelte sich da um eine ziemlich üppige Sache. Die Farbe immer noch fast schwarz. Die Nase von dunklem Caramel, gekochten schwarzen Kirschen, schwarzer Schokolade und deutlichen Kaffeenoten geprägt. Im Gaumen üppig, cremig und satt machend. Trotzdem wäre das eine wunderschöne Genussaffäre. Beispielsweise in Verbindung mit Dörrbirnen und Gorgonzola naturale.

Auf alle Fälle zeigt dieser Klosteranger, wo die Messlatte beim Lagrein liegt. 18/20 trinken


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GOLDFUND AN DER MOSEL

Einen seltenen Fund machte der Goldsucher Willi Gebhardt in einem Zulauf der Mosel bei Enkirch. Während der 16. Deutschen Goldwaschmeisterschaft im Juli 2002 in Goldkronach präsentierte er ein Goldnugget welches 0.93 Gramm auf die Waage brachte.
Auch ich fand heute «Mosel-Gold»! In meinem Keller. Der 1999 Riesling Graacher Himmelreich von Dr. Loosen funkelt heute Mittag golden in meinem Gold-Glas. Bereits der Blick auf die Etikette schürt Lust zum «heute viel trinken». Denn – mit 7.5 Volumenprozente geht es um ein genüssliches Leichtgewicht. Na gut, kalorienbewusste Geniesser müssten dann auch noch den Restzuckergehalt in die Waagschale werfen.
Nachdem das geschulte Auge die leuchtend gelbgoldene Farbe inspiziert hat, geht es ab zur Nase. Das Bouquet zeigt eine milde, fein würzige Süsse.

Wie fast alle Weine von Ernie dokumentiert sich hier eine hoch reife, bis schier ins Gekochte drehende Frucht. Allenthalben finden sich Mirabellen, helle Aprikosen und ein Hauch von Quittegelée. Der Gaumen ist aussen schmelzig und innen tanzend. Die Säure ist fein gegliedert und der Fluss gibt sich lang und elegant mit sanften Harznoten und kandiertem Honig ausklingend. Eine Auslese wie sie im Buche steht!

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WER HATS ERFUNDEN?

Die Zuger Kirschtorte wurde 1915 von Heiri Höhn im Zuger Neustadt-Quartier erfunden. Inspiriert wurde der Konditor durch die unmittelbare Nachbarschaft zu bekannten Zuger Kirschbrennereien.

Höhn liess die Torte schützen und gewann in der Folge unzählige nationale und internationale Auszeichnungen und Goldmedaillen. 1943 wurde der Betrieb von der Familie Treichler übernommen, welche die Firma 2004 an die «Treichler Zuger Kirschtorten AG» weitergab.

Hollywood-Schauspielerin Audrey Hepburn, Komiker Charlie Chaplin, der Fürst von Liechtenstein, General Henri Guisan oder der britische Premier Winston Churchill gehörten zu den Geniessern der «Chriesiwassertorte».
In den Vatikan werden regelmässig Torten verschickt, die für das katholische Oberhaupt bestimmt sind. Papst Franziskus ist ein erklärter Fan des Kirschgebäcks.

 Wenn es darum geht, wer da die besten Kirschtorten macht, gibt es verschiedene Ansichten. Unsere war vom Strickler. Die beste!!!

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JASSEN MIT BORDEAUXWEINEN

Kartenspielen und schöne Bordeaux trinken. Verbunden mit einem währschaften Nachtessen. Das hat gut getan.

Der Erlebnisbericht: www.bxtotal.com





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BURGUNDER KLASSIKER

Clos Vougeot ist ein Grand Cru – seit 1935. Zumindest auf dem Papier. Leider sind die Weine dieser grössten Grand-Cru-Lage (über 50 Hektar) an der Côte d’Or oft qualitativ durchzogen wie eine Speckschwarte. In nassen Jahren sind die oberen Schräglagen besser bestellt, weil das Wasser abfliessen kann. In trockenen Jahren reüssieren oft die unteren Flachlagen, weil dort die Feuchtigkeitsreserven besser sind. Und wie so oft ist es bei den Burgundern nicht nur eine Frage der Lage, sondern auch des Winzers.

Die Domaine Denis Mortet gehört zu den Spitzenwinzern. Seit 2005 führt Arnaud Mortet den 11.2 Hektar grossen Betrieb, welcher sich in Gevrey Chambertin befindet. Der nachfolgende Wein ist noch unter der Ägide von Denis Mortet entstanden.

2002 Clos Vougeot, Denis Mortet: Recht dunkles Granat-Rubin, fast kein Reifeschimmer. Das Bouquet ist würzig, konzentriert, zeigt Rauchnoten, getrocknete Datteln, kandierte Preiselbeeren, Edelhölzern, Thymian und Rebwurznoten. Er geht ziemlich in die Tiefe und zeigt auf, dass er viel Aromen aus der Tiefe schöpft. Im Gaumen kräftig, immer noch gut stützende Säure und auch ein weiterhin verlangendes Tanningerüst aufweisend. Unerhört aromatisch und lang im Finish. Gibt sich mächtig und erhaben. Dekantieren = Genussgewinn! Ein grosser, geduldiger Klassiker. 19/20    

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REIFER SÜDAFRIKANER

Heute ist L’avenir in den Händen vom Chablis-Produzent Michel Laroche. Dieser geniale 1994er Cap-Cab wurde noch von Mark Wiehe gemacht. Ich besuchte ihn ein paar Mal auf seinem Weingut. Heute wird bei uns auf der Terrasse gegrillt. Karin kriegt ein Spiessli (verschiedene, kleine Fleischstücke am Holzspiess) und ich ein nicht zu knappes Lammrack. Dazu passt dieser tolle Rotwein sicherlich ganz hervorragend …

1994 Cabernet Sauvignon L’Avenir, Stellenbrosch: Sehr dunkle Farbe, wenig Reifetöne für sein Alter zeigend. Die Nase duftet nach Kräutern, nach Minze, nach Schokolade, Teer, Lakritze und dunklem Leder. Wirkt sehr kompakt im Ansatz. Im Gaumen aromatisch, eine klare Cabernetnote setzend, im Extrakt findet sich Cassis, Trüffel und wieder viel Lakritze. Wirkt konzentriert und liegt auf einem Niveau, welches zu den Top-Cabernets der Welt zählt. Das ist ganz viel Material drin und so ist dies ein genialer Sparringpartner zum Grillfleisch. Für mich ist dieser tolle Südafrikaner in diesem heutigen Zustand eine Sensation. 19/20  

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SCHWEIZER TRINKEN MEHR WEIN  

Die neuesten Zahlen vom Jahr 2019 zeigen einen helvetischen Aufwärtstrend. Der Weinkonsum ist letztes Jahr um 4.7 Prozent gestiegen. Insgesamt trinken die Schweizer im Schnitt 40 Flaschen Wein pro Kopf. Es findet eine gewisse Rückkehr zu den einheimischen Tropfen statt, denn der Mehrkonsum sei massgeblich auf Schweizer Weine zurück zu führen. Hier betrug der Anstieg über 10 %, auf total 48 Millionen Liter.


"Traue keiner Statistik die Du nicht selber gefälscht hast", sagte einst Winston Churchill. Das glaube ich auch, denn irgendwie wirken die obigen Zahlen für unseren Haushalt unglaubwürdig. Unser Weinkonsum liegt sogar noch leicht darüber ...   

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1968 RIOJA RAMON BILBAO

Manchmal gibt es im Rioja grossartige Jahrgänge, welche man in anderen Weingebieten schlichtweg vergessen kann. So einer ist der 1968! Das war dort ein Superjahr. Und so verwundert es nicht, dass ein ganz einfacher Crianza, welchen man von jüngeren Jahrgängen um 10 Franken kaufen kann, heute noch wunderschön zu trinken ist.

Nun gut, die Farbe sucht verzweifelt nach einem letzten Fetzen Rot, weil die Brauntöne völlig dominieren. Das Bouquet duftet nach Kaffee, nach Schokodrink, nach Tabak, trockenen Kräutern und hellem Leder. Die Süsse ist berauschend und gibt dem Nasenbild eine tolle Fülle. Im Gaumen merkt man die Reife dieses mehr als fünfzig Jahre alten Weines. Der Körper ist leicht, aber auch hier gibt die Süsse eine fein cremige Note, das Finale schmeckt nach Baumnusslikör. Zugegeben – er ist reichlich fragil. Wenn man ihn aber nicht dekantiert, kühl und zackig trinkt, dann bereitet er einem Fan von alten Spaniern immer noch viel Genuss. Olé!  

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WO EIN WILLE – DA AUCH EIN LEOVILLE

Die erste Flasche korkte. Das ist ärgerlich. Muss man aber als Weintrinker in Kauf nehmen. Das wichtigste in einem solchen Fall: Kurz ärgern und sofort wieder vergessen.

2000 Château Léoville-Las-Cases: Die Farbe ist Violett und Schwarz. Je 50 %. Die Nase ist einerseits gewaltig und andererseits komplett verschlossen. Also muss man es in den ersten Sekunden mit Wahrsagerei versuchen oder aus den Erinnerungen schöpfen. Also suche ich in meinem bxtotal.com und finde diesen damaligen «ersten Eindruck»: Extrem tiefes Granat-Violett. Geballtes, komplexes Bouquet, zeigt dunkle Röstnoten, was aber auch von der extremen Reife des Cabernet herstammen könnte, Black Currant, Brombeeren, schwarze Oliven, Pumpernickel, Mahagonitouch, wirkt noch sehr jung und auch entsprechend reduktiv. Im Gaumen fest, kompakt, sehr fleischige und doch feine Tannine, schwarze Vanilleschoten, Teer, die Frucht liegt fast ausschliesslich im schwarzbeerigen Bereich, massive Konzentration und gewaltig beeindruckend. Auch eine Minute nach dem Schlucken bleibt noch fast die gesamte, geniale Cabernet-Aromatik im Gaumen zurück. Der beste Las-Cases, der irgendwie aus einem Puzzle von allen grossen Jahrgängen: 1982, 1986, 1989, 1990 und 1996 zusammengesetzt zu sein scheint. (20/20).

Ich lese alles nochmals sorgfältig durch und mittlerweile scheint sich dieser kompakte, aber leider verschlossene Wein ganz zaghaft zu formatieren. Die Aromen sind extrem dunkel, gehen in Richtung Edelhölzer, Vanilleschote, Kaffee und einer zarten Kandissüsse. Im Gaumen scheint er zu explodieren, hier findet man Kraft und Finesse von einem kompakten, riesigen Bordeaux. So wie er sich heute präsentiert wird dies einer der grössten Las-Cases, welcher bald in die Trinkreife kommt. Wann genau scheint heute nicht so einfach kalkulierbar. 20/20    

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HELVETISCHER EINKAUF

Wisst Ihr was das Bild zeigt? Es ist ein Capotaster für die Gitarre.
Momentan sind alle Musikgeschäfte zu. Also muss man gezwungenermassen im Internet einkaufen, wenn etwas dringend gebraucht wird.

Auch wenn ich mehr bezahlen muss, bestelle ich immer bei einem Schweizer Fachgeschäft. Gesucht und gefunden. Bei fruugo.ch.

Die Firma  Fruugo kenne ich nicht. Aber ich weiss, was ch bedeutet. Nämlich Confederatio Helvetica, was wiederum so etwas wie Schweiz bedeutet.
Ein wesentlicher Kaufentscheid war auch, dass dieser Artikel binnen 24 verfügbar sei.
Also habe ich bei fruugo.ch bestellt!!!

Sofort habe ich die Bestätigung erhalten.
Bereits heute erhalte ich ein weiteres Mail, dass die Lieferung bereits unterwegs sei. Muss diese ja auch, wenn sie innerhalb von 24 Stunden bei mir sein soll. Die Information machte mich dann doch etwas stutzig ...

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Versandbestätigung
Hallo René,
Wir freuen uns, um zu bestätigen, dass die folgende  Artikel aus dem www.fruugo.ch um 14426681 versandt wurde JTI Ventures von Schweden! Ihre Bestellung ist auf dem Weg und nicht mehr verändert werden kann.
Bitte erlauben Sie null Standard Shipping Zeitskalen für die Bestellung, wenn nichts anderes auf der Produktseite angegeben zu gelangen. Wenn Sie aus mehr als einem Händler bestellt haben, erhalten Sie gesonderte Mitteilungen der Sendung erhalten.
Voraussichtliche Ankunft 29.04.2020 – 12.05.2020
Versand aus Schweden von JTI Ventures

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KOMMT DAS SANGIOVETO-WUNDER?

Im Film «die grosse Liebe» sang die Sängerin Zarah Leander 1942 den Hit «Ich weiss, es wird einmal ein Wunder geschehen». Dieses Lied kenne ich sehr gut, weil meine Mutter es früher immer sang, habe ich auf eben dieses Wunder gehofft. Zumindest beim 1997 Sangioveto von Badia a Coltibuono.
Ich degustierte ihn 1998 aus dem Fass auf dem Weingut. Er war sensationell! Dann bestellte ich. Dann probierte ich den Wein ungeduldig bei der Anlieferung. Mein Gott war das ein Bock! Er bestand eigentlich in dieser Phase nur aus drei Dingen:
1.    Tannin
2.    Tannin
3.    Tannin


Dieser Negativ-Eindruck blieb mir so heftig in Erinnerung, dass ich die Flaschen über mehr als zwei Jahrzehnte im Keller negierte.
Heute Abend gibt es hausgemachte Lasagne. Also ist dies ein guter Grund wieder Mal einen Italiener zu entkorken. Ein guter Grund diesem Sangioveto wieder Mal eine Chance zu geben. Damit ich einen genügenden Dekantiervorsprung hatte, öffnete ich ihn bereits am Mittag.

Und da ist dieser 1997 Sangioveto, Badia Coltibuono jetzt in meinem Gabriel Gold-Glas. Die Farbe nur noch knapp Rot und mit viel bräunlichem Schimmer durchzogen. Die Nase erdig. Leider ist es so, dass ein Sangiovese selten so richtig trüffelig wird, sondern eben meist erdig. Mit getrocknetem Tabak und gebrauchtem Leder durchzogen. Das Bouquet könnte man eigentlich auch mit einem einzigen Wort beschreiben; Furztrocken! Im Gaumen ist er etwas weniger hart als früher. Die noch reichlich vorhandenen Tsunami-Gerbstoffe tendieren aber immer noch in Richtung Zungenpiercing. Beim Nachklang entsteht ein kapseliger Ton und der Fluss ist grobsandig. Grösse anzeigender, aber leider völlig spassloser Toskaner.

Ich lasse ihn jetzt nochmals acht Stunden dekantiert im Keller und schaue am Abend nochmals. Seine erste Chance hatte er jetzt ja. Und wenn das Wunder von Zarah Leander nicht eintrifft (was ich hier vermute), ist er immer noch gut für eine Sauce Bolognaise …  

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Dieses Spezialangebot gilt nur für Schweiz & Lichtenstein

ABWARTEN UND WHISKY TRINKEN

Ein Benromach und zwei Goldgläser
Das ist unser Spezialangebot …
•    1 Flasche Benromach Speyside Single Malt 10 years (Offizieller Verkaufspreis CHF 75)
•    2 Gabriel Glas Gold-Edition (ultraleicht, mundgeblasen (Offizieller Verkaufspreis 2 Stk. CHF 80)
Promotionspaket: statt CHF 155, jetzt CHF 128
Inkl. MWST (Porto wird zu Selbstkosten verrechnet)
 

Benromach Speyside Single Malt 10 years!
Melonen, saftige rote Äpfel, würzige Orangenschalen gefolgt von dunkler Schokolade. Die floralen und dezent rauchigen Noten zeigen sich auch im Gaumen. Leichte Pfefferaromen mit süsser Vanille, frische Zitrusfrüchte. Sanfte Tannine und eine angenehme Torfnote; cremig rund.

Statt einem Whisky-Tumbler?
Wer kennt die meist klobigen Gläser nicht. Mein Mann René Gabriel trinkt aus dem Gold-Glas in erste Linie zwar schon Wein. Manchmal auch Bier. Und wenn es um Spirituosen geht, gibt es kein Pardon. Das Gold-Glas verleiht jedem Edeldestillat ein Maximum an Duft und Geschmack.


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GROSSER WEIN AUS KLEINEM JAHR

Es ist ja nicht so, dass ich immer nur hoch reife Weine trinke. Manchmal sticht mich schon der Neugierhafer und ich entkorke was Jüngeres. Was wohl in den Augen nicht weniger Weingeniesser dann doch wieder eher nach etwas Älterem aussieht.

Nach dem Motto: «Lieber eine saftige Wurst wie ein zähes Steak», öffne ich dann eher Weine aus gastronomischen Jahrgängen. Solche welche etwas leichter sind und etwas früher Genuss bieten. Dabei ist dieser Pomerol ziemlich gross. In dieser Appellation wurden nämlich die besten Weine vom Jahrgang 2018 in Flaschen gefüllt.


Leider muss ich wohl die geplante Trotanoy-Vertikale um ein ganzes Jahr verschieben. Pandemie und Gastronomie sind leider ein miserables Team, wie man in diesen CV-Tagen feststellen kann. Als kleiner Trost, entkorkte ich heute für uns diese Flasche …

2018 Château Trotanoy: Sattes, dunkles Purpur mit sehr dunklen Farbreflexen in der Mitte. Die Nase geht ziemlich in die Tiefe, liefert Aromen von Pumpernickelbrot, Bakelit, Teernoten, schwarzer Trüffel, Rauchspuren und Backpflaumen. Mittelintensiv und somit doch noch nicht ganz präsent. Im Gaumen samtig, Brombeeren und Black-Currant-Pastillen, gerundete Tannine aufweisend. Hoch aromatisches, elegantes nach dunklem Caramel und Pralinen schmeckendes Finale. Somit ist der Aromendruck im Gaumen grösser wie im Bouquet. Da ich wusste, dass er sich wohl noch etwas ziert, hatte ich ihn acht Stunden in die Gabriel-Karaffe dekantiert und dann im dunklen, kühlen Keller gelassen. 19/20 sehen zwar verschwenderisch aus, sind aber nicht aufgerundet!   

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SONNTAG OHNE WEIN

Eigentlich poste ich momentan jeden Tag welchen Wein ich gerade trinke. Einerseits im Facebook auf  https://www.facebook.com/renegabriel.bordeauxpapst oder auch auf https://www.weingabriel.ch/aktuell-2020.shtml.

Hier bedanke ich mich bei all den vielen «Likern» und «Klickern».

Gestern habe ich mal keinen Wein getrunken. Sorry! Glücklicherweise leide ich nicht unter einer Novinophobie.

Heute geht’s dann weiter gegen den Abend mit dem 2008 Château Trotanoy. Dekantiert ist er schon …





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MAGNUM AUS DEM LIBANON

Zwei Mal war ich dort. Eindrücklich. Friedlich in den Rebbergen im Bekaa-Tal. Etwas weniger friedlich auf dem Weg dorthin und zurück.

Drei Tage kurvte ich mit Serge Hochar durch die Region. Die Winery lag praktisch direkt neben seinem Haus. So etwa einen Kilometer. War aber nicht über eine Querstrasse verbunden. Also dauerte der Weg runder und rauf fast eine halbe Stunde. Wir degustierten eine Vertikale. Den 1959er Musar wollte er unbedingt noch fertig trinken. So stieg er in seinen Cadillac und gestikulierte und trank während dem Fahren. Ich sass schwitzend neben dran.
Leider ist Serge 2014 verstorben. So trinke ich denn diese Magnum heute Abend (nicht alleine – aber mit Verwandten) in seinem Gedenken.


2008 Château Musar, Libanon: (Magnum). Eher helles Granat-Rot. Die Nase ist ledrig, duftet nach Rosinen, nach Datteln, nach Kreuzkümmel und getrocknetem Origano. Es geht eine trockene, recht konzentrierte, rotbeerige Süsse vom Nasenbild aus. Der Gaumen mittelwichtig, pflaumig, wirkt hier weniger süss und auch frischer, mit dezent floralen Noten. Die Gerbstoffe wirken etwas holprig. Aber genau dies wird ihn zu einem hervorragenden Essbegleiter machen. Wie so oft würde man ihn wohl blind als Châteauneuf vermuten. Speziell – aber auch toll!

P.S. Musar kann eine gute Geldanlage sein. Alte Jahrgänge sind sauteuer! Der 1959er, den ich mit Serge trank kostet über 1500 Franken.     

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SAFTIG UND GIGANTISCH

Dieser Titel klingt fast schon schizophren.

Dieser unglaubliche 2011 Riesling Singerriedel von Hirtzberger zeigt eine monumentale Leichtigkeit. Auch wieder unlogisch! Irgendwie ziehen sich hier die Gegensätze förmlich an. Während bei ganz grossen Weinen manchmal der Trinkfluss ins Stocken gerät, kann man hier hemmungslos zuschlagen.

Selten habe ich einen so grossen und zugleich tänzerischen Singerriedel erlebt. Und er ist irgendwie noch nicht mal ganz auf dem Höhepunkt. Ein dankbarer Gruss geht von luzernischen Eschenbach in die Wachau nach Spitz zu unseren Hirtzberger Freunden. Bravo!

P.S. Als ich meine Karin die René-Theorie von «leicht, saftig und gross, ja monomental» vortrug, bremste sie meine Euphorie und bemerkte fast schnäppisch: «So leicht wie Du denkst ist er dann doch nicht ganz». Nach dem dritten Glas musste ich ihr leider recht geben. «Happy wife – happy life!».


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MARGAUX IM ESCHENBACHER MOOS
 
Eschenbach liegt im Kanton Luzern. Das ist wichtig zu wissen. Denn – es gibt auch eine gleichnamige Gemeinde im Kanton St. Gallen. Und dies hat in der Folge schon oft zu Verwechslungen geführt. Das Moos liegt etwas ausserhalb der Gemeinde. Dort liegt auch eine Gartenhaussiedlung. Die Fläche der Gemeinde Eschenbach beträgt übrigens 1310 Hektar.

Somit ist diese Zahl ziemlich identisch mit der Gesamtfläche von der Gemeinde Margaux, welche in Bordeaux – genauer im Médoc liegt. Dort wird Wein angebaut. Und zwar auf rund 1100 Hektar. Und um genau diesen Wein ging es an diesem Pandemie-Donnerstag Mitte April.


Ganz korrekt, aber mit Maximalbesetzung von den erlaubten fünf Personen trafen wir uns um 18.00 Uhr in der Otti-Hütte. Zuvor wurde aber noch brav spaziert durch den Eschenbacher Wald. Einmal rauf, einmal quer und dann zum Moos.
So ein Bisschen Bewegung kann in den trägen Home-Office-Zeiten niemandem schaden. Aufgrund des Wurstaufgebotes ist anzunehmen, dass diese bescheidene, sportliche Tätigkeit im Laufe des Abends sofort kompensiert wurde …

DREI MAL 2000, EINMAL 1982

Nicht auf dem Bild ist eine zweite Flasche Giscours 2000. Das kann halt passieren, wenn jeder eine Bouteile mitnnimmt und man sich nicht vorgängig abspricht.

Der Sieger des Abends: 2000 Château Giscours

Also waren wir nicht traurig, dass es da eine Genussveroppelung gab.

Die Verkostungsnpoitzen und die ganze Geschichte findet man wie immer auf





KLEINE FLASCHE – GROSSER GENUSS

Baschi brachte als Zugabe eine halbe Flasche 1929 Château Rauzan-Ségla mit. Da war ich aber sehr gespannt. Denn – genau vor einem Jahr – durfte ich denselben Wein aus einer Magnum trinken. Es waren zwei Welten, denn der Wein aus dieser Kleinflasche war viel dunkler als die letztjährige Magnum.

So richtig dunkel mit schier schwarzen Reflexen im Braunrot. Die Nase; barock, teerig, trüffelig und nach Rosenholz duftend. Im Gaumen mächtig, immer noch Resttannine zeigend und so den legendären Jahrgang 1929 noch ganz deutlich dokumentierend. 18/20 trinken


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TEST FÜR 2022

In zwei Jahren wird der hoch gefeierte Bordeaux 1982 vierzig Jahre alt. Das werde ich feiern mit einem grossen, zwei Tage dauernden Tasting. Infos folgen auf www.weingabriel.ch. Aus lauter Gwunder schaue ich mir in letzter Zeit immer wieder ab und zu einen 1982er an. Heute war es der Lascombes.

Da gab es auch noch einen anderen Grund. Wir machen fast jede Woche einen Waldlauf und dann ein «Distanz-Tasting». Zwei Freunde entkorken am Nachmittag jenen Wein, welchen Sie am Abend zu Hause trinken wollen und dann degustieren wir von jedem einen kleinen Schluck und diskutieren, am grossen langen Tisch rund eine Stunde über Wein und Gott und die Welt. Dann nimmt jeder wieder seine noch fast volle Flasche für das Nachtessen zurück.

Das war die initiale Idee. Hat das letzte Mal ganz gründlich nicht geklappt, denn vor lauter Wiedersehensfreude waren schnell alle Flaschen leer, bevor …

Heute haben wir das Thema «Margaux» ohne Château Margaux. Und ich bin jetzt am Vordegustieren was wir dann zusammen, in kleinen Schlückchen, gemeinsam verkosten werden. Aber vielleicht artet es wieder aus wie beim letzten Mal und die Flaschen werden wieder komplett verdegustiert.

1982 Château Lascombes: Schön gereift mit noch etwas mehr roten wie braunen Tönen. Die Nase ist fein erdig, zeigt aber auch noch eine süssliche, fein kompottige Fruchtnote, rotes Pflaumenmus, überreife Erdbeeren und Zedernholz. Im zweiten Ansatz kommt ein minimster Schimmer von Madeiranuancen zum Vorschein, ergänzt durch Madras-Curry-Pulver. Im Gaumen saftig, weich, halb cremig und auch hier mit vielen rotbeerigen, süsslichen Eindrücken, im Finale helle Cigarren und Hagebuttengelée. Wie so oft in heissen Jahren, werden Margaux Weine in der Reife burgundisch. Macht immer noch enorm Spass. 18/20

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HOCHZEITSWEIN

Es war einmal. Nämlich 1998, im alten Park Hotel Weggis. Da führte ich meine Karin zum Standesamt in meinem Heimatdorf Ennetbürgen. Am Abend feierten wir mit über 100 Verwandten und Freunden. 1992 Riesling Senftenberger Piri von Nigl zur Terrine. 1992 Château Fieuzal blanc zur Seezunge. 1989 Château Pavie zur Pasta-Vorspeise. Zum Käsebüffet mehrere Imperialflaschen 1989 Château Grand-Puy-Lacoste. Und zum Rinderfilet den 1970 Château La Lagune …

So richtig Grossartiges kann man vom Bordeaux’ 1970 eigentlich nicht erwarten. Säure und Tannine beherrschten diese schwach «gebrusteten» Clarets welche vom alten Vinifikations-Stil geprägt waren. Doch es gab auch – wenn auch wenige – Ausnahmen.

Dieser 1970 Château La Lagune ist so eine gebührliche Exception. Die Farbe ist deutlich gereift und zeigt mehr Brauntöne wie Rot. Am Rand deutlich aufhellend. Das Bouquet gibt sich barock, tiefgründig, zeigt Trüffel, feuchte Erde, nasses Laub, welke Baumnussrinden, würzigen Tabak und Nuancen von frisch gebrochenem Rosmarin. Die minime Süsse im Bouquet erinnert an Korinthen und Malaga. Im Gaumen immer noch recht fleischig, begleitet von minimen Kapselspuren. So richtig die Médoc-Klassik dieser Epoche dokumentierend. Es ist ein kräftiger Food-Wein. Also am besten gleich ein rustikales Saucengericht dazu servieren.      

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ZUM WOHL. DIE PFALZ!

Das hat schon was. Auch wenn es nur ein toller Slogan ist. Nachdem dieser 2009 Basalt von Georg Mosbacher früher recht dick daherkam (was nicht selten bei 2009 so ist) zeigt er sich heute in einer – zumindest für mich – perfekten Reife.

Es gibt bei anfänglich dicken Weissweinen das Phänomen des sich «Verschlankens». Dies dürfte hier der Fall sein. Es ist zwar immer noch ein gehörig Mundvoll Wein, aber die Säure und die feinen Harznoten im Extrakt stützen diesen Kraftakt.
Ich vermute sogar, dass er in den nächsten Jahren nochmals zulegen kann. Denn – je «undicker» er künftig noch wird, desto mehr von diesen herrlichen Rieslingaromen dringen in der Folge weiter nach draussen.

#somussdienstag  #schliesslichistfastenzeitvorbei   

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CHILE-CABERNET-POWER

Im Aconcagua Valley wachsen ganz bemerkenswerte, langlebige Cabernet Sauvignon. Ein paar Mal war ich dort und auch auf der Errazuriz-Winery. Der Don Maximano gehörte vor rund 40 Jahren zu den initialen Cabernet-Blends nach «Bordeaux-Muster». Aller Anfang war da schwer.

Heute zählt der Don Max zu den Top-Rotweinen von Chile. Und unter diesen hat er wohl eines der besten Preis-Qualitätsverhältnis. Die Preise haben zwar in letzter Zeit auch etwas angezogen, liegen aber immer noch weit unter 100 Franken. So viel muss man für einen Weltklasse Cabernet Blend bereit sein zu zahlen.


Dabei ist für mich wichtig, dass er keine besonders gut gemachte Kopie anderer Konkurrenten ist, sondern so richtig typisch chilenisch daherkommt. Damit meine ich die besonders schwarze Frucht mit Cassis und Schwarzkirsche, die Kraft in seiner Ausstrahlung und den frischen Eucalyptustouch. Der 2010er Don Maximiano (18/20) ist erst am Beginn einer möglichen Reife. Mit 14 Vol.% liegt er in einem vernünftigen Bereich. Trotzdem powert er so richtig aus dem Glas. Ein «winethriller» für jeden «meatgriller»!  

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FLASCHE LEER

Diesmal ist es nicht Trappatoni, sondern Gabriel. Irgendwie gehen die letzten Wochen zuweilen auch unter das Motto: «die letzten Flaschen». Und so könnte denn auch der Titel dieser kleinen Story «lets just kiss and say goodbye» heissen. Meine Karin und ich haben über viele Jahre hinweg ein paar ganz spezielle Erinnerungen an diesen 1990 Châteauneuf-du-Pape von Château de Beaucastel.

Einmal – vor mehr als zwanzig Jahren – hat er uns in einem Restaurant in London so gut geschmeckt, dass wir danach im Taxi eingeschlafen sind. Vor dem Hotel angekommen, sahen wir gerade noch unseren Tour-Bus abfahren. Danach mussten wir notgedrungen wieder ein Taxi nehmen, um den Flug nach Hause nicht zu verpassen. Das nicht unbedeutende Handicap bestand darin, dass der Heimflug nicht von Gatwick oder von Heathrow aus vorgesehen war, sondern von Luton Airport. Das Taxi hat in der Folge mehr gekostet als das ganze Wochenendarrangement.

Gestern kam also diese letzte Flasche Beaucastel 1990 dran. Gemäss Infos vom Weingut sind da je 30 % Grenache und 30 % Mourvèdre drin. Der Rest wird mit den klassischen Süd-Rhône Rebsorten ergänzt. Insgesamt besteht dieser geniale Châteauneuf-du-Pape aus einem Mix aus 13 Rebsorten!


Die erstaunlich helle Farbe ist jetzt mehr Orange wie Rot, ergänzt durch bräunliche Reflexe. Das Bouquet ist eine gefährlich reife Orgie von orientalischen Gewürzen. Ähnliche Kreuzkümmelnoten kann man diese bei einem ganz reifen La Tâche auch finden, sofern man das Glück hat diese Wein einmal im Glas zu haben. Zurück zum Beaucastel; Das Nasenbild wird ergänzt durch Leder und Tabaknoten. Die Süsse erinnert an einen mit Malz vermischten Nusslikör. Im Gaumen wirkt er sehr elegant und – aufgrund seiner Reife – dezent fragil. Und wenn ich jetzt hinschreibe, dass man diesen Wein jetzt unbedingt austrinken soll, dann weiss ich auch – aus früheren Erfahrungen – dass man ihn wohl noch viele Jahre auf diesem Niveau antreffen kann. Es war auf alle Fälle ein berauschendes Erlebnis. 19/20    

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CHAPPELLET DIREKTEINKAUF

Mit dem Schweizer Weinhändler Roland Fischer besuchte ich 1996 die Chappellet-Winery. Im Gegensatz zu den Valley-Floor-Betrieben ist die Geschichte von diesem «Hügel-Weingut» noch recht jung. 1967 gegründet, gelang es Donn Chappellet in den Jahren danach sich die Rechte für «Pritchard Hill» unter den Nagel zu reissen.

Letztes Jahr besuchte ich Chappellet wieder. Irgendwie kommt mir die Szenerie vor wie damals. Auch die neuen Weine sind seriös, streng, verlangend! Die Winery selbst kommt mir vor wie ein hölzernes Museum. Es scheint sich nicht viel bewegt zu haben in den letzten zwanzig Jahren. Ausser bei den Preisen!

1991 Cabernet Sauvignon Chappellet, Napa Valley: Sehr dunkles Purpur in der Mitte, etwas matt, fein aufhellender Rand. Erdig schokoladiges Bouquet, kräutrig mit einer Reflexion von Eucalyptus. Wirkt konzentriert und gleichzeitig immer noch etwas introvertiert. Im Gaumen gibt er sich fleischig mit mehligen, unfertigen Tanninen. Wäre es ein Wein aus dem Médoc würde man ihn wohl als Cru Bourgeois taxieren. Ein ungehobelter, fast arroganter Cabernet der seine fast 30 Jahre Flaschenreife nicht besonders genutzt hat. Will heissen; er wirkt wenig entwickelt. Für einen «normalen» Napa-Cabernet Sauvignon ist seine Präsenz nach drei Dekaden erstaunlich. Trotzdem freue ich mich riesig, genau diesen Wein in ein paar Stunden zu trinken. Etwas Luft wird ihm guttun. Dazu gibt es einen selbst eingelegten und zubereiteten Sauerbraten mit Specklardons, kleinen Zwiebeln, Champignons, Karotten- und Kohlrabistäbchen, sowie frisch gerösteten Brotcroutons.
Es war die einzige Flasche in meinem Keller. Ich hatte diese damals auf dem Weingut gekauft und selber «importiert», weil es zu dieser Zeit noch keinen Händler in der Schweiz für Chappellet gab …       

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DIE SCHWESTER VON VEGA SICILIA

Da habe ich wieder Mal eine echte Rarität getrunken. Gemäss winesearcher.com gibt es keine einzige Flasche mehr weltweit im Handel. Es geht um den 1992 Alion aus Ribera del Duero. Manchmal auch die «Schwester von Vega Sicilia» genannt. Anfangs 1990 wurde diese neue Bodega von der Familie Alvarez aus dem Boden gestampft. Während auf Vega Sicilia nur Trauben aus eigenen Rebbergen verwendet werden, kauft man auf Alion Trauben zu. Die Bodega ist produktionsmässig stetig gewachsen und heute werden im Schnitt jeweils 250'000 Flaschen abgefüllt. Das war beim Jahrgang 1992 noch anders. Da wird eine Flaschenmenge von 39'200 auf dem Etikett angegeben.

Was ist der Unterschied zwischen einem Vega Sicilia und einem Alion? Sicherlich erstmal der Preis. Aber auch der Blend ist anders. Beim Vega Sicilia ist in der Regel rund 25 % Cabernet Sauvignon drin. Beim Valbuena (Zweitwein von Vega) ist in der Regel 25 % Merlot drin. Der Alion ist ein hundertprozentiger Tempranillo.


Und nun zu diesem 1992er (es war die letzte Flasche im Keller). Ziemlich rot, etwas matt, aussen orange. Die Nase ist mit einer verführerischen Süsse ausgestattet. Diese Süsse ist nicht kompottig, obwohl man zuweilen das Gefühl hat, etwas Grenadinesirup in der Nase zu spüren. Viel frische Himbeeren, rote Kirschen. Das ist die noch knapp fruchtige Seite. Der Rest ist Bastholz, Zedern, dominikanischer Tabak und getrocknete Kräuter. Im Gaumen saftig, weich, hoch reif und einfach genial. Da schwingt auch ein wenig Tempranillo-Erotik mit. 18/20.

Da ich noch einen schönen Bestand an älteren Rioja und etwas Valbuena und Vega Sicilia im Keller habe, kaufe ich momentan keinen Alion mehr ein. Aber wir sind ja gelegentlich in Teneriffa und da ist dies unser Favorit in den Restaurants. Unlogischerweise kostet er dort im Restaurant gleich viel, wie hier in den Weinhandlungen …   

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EIN BESONDERER TAG

Beim Facebook scrollen, sah ich, dass ein ehemaliger Arbeitskollege von Mövenpick gestern einen Figeac 1998 entkorkte. Den hatte ich «leider» erst kürzlich. Ein Wahnsinnswein. Da zeichnete Figeac erstmals eine neue Epoche auf …

Momentan wechsle ich gerne ab. Kreuz und Quer. Doch die Idee von Saint Emilion 1998 ging mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf.
Im Keller machte ich einen etwas teureren Griff und langte in eine Ausone-Kiste. Ein guter Entscheid. Die Farbe ist nicht spektakulär dunkel, so im dunklen Granatbereich. Einen fein orangen Rand sieht man ganz aussen. Das Bouquet beginnt – nach einer Stunde Dekantierens – relativ zaghaft. Zeigt frische Pflaumen und eine abgeklärte, harmonische, ins malzige drehende Süsse. Mit jedem Nasenkontakt legt er ein paar Nuancen nach. Erste Kräuternoten, Minze, kalter, nobler Schwarztee, Edelhölzer und Kandis. Im Gaumen mit sattem, konzentriertem Extrakt aufwartend. Erhaben, cremig, nicht aufdringlich, sondern eine besondere Ausone-Klasse aufzeigend. Ich hätte ihn mir reifer gewünscht. Was aber auch heisst, dass er immer noch weiter zulegen wird.
       
Solche Weine trinke ich eigentlich strikte nur an besonderen Tagen. Und der heutige Donnerstag war ganz bestimmt kein besonderer Tag. Dank dem 1998 Ausone ist es jetzt einer!

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PAUILLAC BEAUTY

Es gibt grosse Weine, welche manchmal ganz schön fordern können. Andere grosse Weine fordern und liefern. Und dieser 1994 Château Pichon-Comtesse-de-Lalande liefert ganz einfach ab. Ohne zu fordern. Er ist nämlich im Moment «mega-ready».

Man siehts beim Einschenken schon seiner partiell gereiften Farbe an. Das Bouquet ist so herrlich schizophren. Einerseits duftet es nach süssem Merlot und würzigem Cabernet Sauvignon Franc. Auf der anderen Seite setzt sich ein – zumindest früheres – typisches Pi-Co-La-Merkmal durch. Denn das Nasenbild ist durchzogen von einer fein grünen Cabernet-Note welche an Spuren von Geraniol und grüner Paprikaschote erinnern. Insgesamt hocharomatisch und wunderschön gewürzt. Im Gaumen zeigt sich schwarzer Pfeffer im Extrakt, dann Lakritze und kalte Rauchnoten. Nicht bullig, dafür mittelkräftig und mit eleganter Länge. Beim Jahrgang 1994 kann man vieles Erwarten aber in der Regel immer fordernde Weine. Die Ausnahme bestätigt die Regel. Eine ungeschminkte Pauillac-Beauty. 19/20    

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HÖCHSTE ZEIT

Auch Auslesen leben nicht ewig. Oder lag es daran, dass dies ein kleines Flacon ist? Oder der Jahrgang halt nicht so gross? Die Farbe ist goldig, aber auch schon fein bräunlich. Die Nase zeigt Malz. Malz. Und nochmals Malz. Dann Curry (vor allem Curcuma), Quittengelée, Brottrunk. Es ist süss, aber diese Süsse scheint irgendwie abgeklärt, respektive abgemildert zu sein. Im Gaumen cremig, fragil mit nur noch knapp stützender Säure. Das Finale scheint wie ölig. Genau da, wo er eigentlich aufhört – ist er noch am jüngsten. Bereitet noch Freude. Hätte aber wohl (etwas früher) noch mehr Freude gemacht …

Dazu gibt es eine hausgemachte Gerstensuppe, welche Melanie gekocht hat.

Macht auch Freude!   










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PALMER 2003 – NICHT JAHRGANGSTYPISCH

Oft wird bei Weinbeschrieben das Wort «Jahrgangstypizität» verwendet. Der Jahrgang 2003 war heiss. Deshalb sind die Weine durch die Hitze konzentriert worden, weil die Sonne den Saft aus den Trauben zog. Was auch der Fall war; durch die (zu) kurze Zeit zwischen Blüte und Ernte gelang es nicht jedem Winzer, die Kerne in den Trauben ausreifen zu lassen. Somit zeigen ein paar Crus kernige Tannine welche pfeffrig oder gar zuweilen grün wirken.

Der Chateau Palmer 2003 ist weder Jahrgangtypisch noch spürt man, dass die Inneren Tannine nicht ausreifen konnten. Für mich kommt er wie ein kleines, burgundisches Weinwunder daher. Die Farbe dunkel, satt, etwas matt. Die Nase gibt sich unerhört frisch, man findet Veilchen, Cassis und Maulbeeren. Einzig die Süsse ist möglicherweise etwas «jahrgangsverräterisch». Doch – dieser Effekt kommt vom grossen Merlotanteil. (Bis 50 %). Merlot macht «süss» und vermittelt mit der Reife Schokotöne. Hier ist es jetzt erstmals so weit. Im Gaumen ebenfalls viel Frische aufweisend; Lakritze, Spitzwegerich Gabletten, schwarze Kirschen. Kraft und Saft. Heute kosten qualitativ vergleichbare Palmer-Jahrgänge das Doppelte. Bei mir ist dieser 2003er mit einem Ankaufspreis von 145 Franken im Inventar. 19/20 und viel, viel Spass!

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RIESLING AUS LUXEMBURG?

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Ausser einem Besuch verschiedener Luxemburg-Weingüter vor vielen Jahren ist nicht viel Weinerinnerung an diese Region hängengeblieben. Von Luxemburger Freunden erhielt ich ein paar Flaschen als Geschenk. Da ich momentan am «Aufräumen» bin, sticht mich ab und zu der «Interessehafer». Also Korken raus und den 2011 Riesling Woermeldange Koeppchen «Les Terasses» ins Glas. Eines kann ich schon vorwegnehmen. Es wird zu einem wunderbaren Erlebnis.

Die Farbe minim reif und brillant leuchtend. Das Bouquet fruchtig und würzig zugleich. Karambolle, Mirabellen, weisser Pfirsich, Brennnessel, Minze. Wirkt konzentriert. Im Gaumen reich und füllig. Wenn man ihn kräftig schlürft, kann man ihm ein wunderbares, vielschichtiges Rieslingparfüm entlocken. Die Säure dürfte allenfalls etwas höher sein, aber er macht diese mit einem fein harzigen Touch wieder weg. Voll ausgereift scheint er auch noch nicht zu sein, weil man in seinem Extrakt noch Gerbstoffkonturen findet. Wirklich ein ganz toller Wein (18/20) und eine neue Riesling-Erfahrung. Das würde ich gerne gelegentlich wiederholen.

Dazu gibt es René’s Sauerkraut. Das passt dann ganz genau …

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MONTAG IST ALLER HEITZ ANFANG

Grad heute habe ich die Auftragsbestätigung von Martel bekommen für eine schöne Ration 2014er Heitz Weine. Der Bella Oaks ist leider nicht dabei. Weil er nicht mehr zum Heitz Sortiment gehört. Warum auch immer.

Aber – ich hatte heute Abend Lust auf irgendeinen Heitz und dieser lag grad so oben auf dem Regal. Und reif ist er auch.

1986 ist kein grosses Kalifornien-Jahr. Deshalb gilt hier folgende Faustregel: Wenn in Kalifornien kein grosses Weinjahr ist, dann schmecken die Weine nach Bordeaux. Und genau dies ist hier (einmal mehr) der Fall …  


1986 Cabernet Sauvignon Bella Oaks Heitz: Die Farbe intakt, das mittlere Granat wirkt jünger als sein Alter. Die Nase ist erdig, ledrig, es duftet nach Herbstheu, nach Torf und eine trockene, rosinige Süsse durchzieht das Nasenbild. Der Gaumen wirkt zu Beginn asketisch und etwas spröde. Das ist so eine Art «T-Bone-Steak-Wein». Will heissen: es gibt mehr Knochen wie Fleisch. Aber den Knochen kann man schliesslich auch abnagen. Was mir gefällt, dass er a.) nach Heitz aus dieser Zeit schmeckt und b) sich so zeigt, wie ich einen Bella Oaks mag. Mit der Zeit wurde die Textur etwas schmelziger und das Finale zeigte diesen kräutrigen Ton von braunem Peru Balm. Also legt er an der Luft zu. Degustiert jetzt im Büro. Nachtessen gibt es in einer Stunde. Das wird was! 18/20  

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STARKES DUO

Die Evolution wird hier wohl etwas schneller von statten gegangen sein, als wenn es statt einer halben eine ganze Flasche gewesen wäre. Doch was hier zu erleben ist, lässt einem Rieslingfan das Herz höherschlagen ...

Die Farbe ist von intensivem Gold. Das Bouquet duftet nach Honig, nach Caramel,  nach Kirmesmandeln und … nach reifem Riesling. Darf man vor lauter anderen Aromen auch nicht vergessen! Im Gaumen füllig, cremig und mit einer perfekt erhaltenen Säure tänzelnd in die Länge balancierend. Auf dem Fläschchen steht zwar 1991 Wehlener Sonnenuhr Spätlese Joh. Jos. Prüm, aber Manfred Prüm war immer schon ein liebenswerter Tiefstapler. 19/20  

#goldenerweinimgabrielgoldglas












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TOLLER MONTROSE-NACHBAR

Château Meyney liegt direkt neben Montrose und kann somit auf ähnliche Terroirressourcen zurückgreifen. Meiner Ansicht nach ist dieses Saint-Estèphe Weingut völlig unterbewertet. Gut für jene Weinfreunde, welchen diesen Umstand für sich entdeckt haben.

1982 Château Meyney: Weil ich weiss, dass die Cordier-Weine (Cordier war damals Besitzer) manchmal recht «pferdig» daherkommen können oder halt etwas Stallgeruch mit sich bringen, dekantierte ich den Wein vier Stunden und liess ihn im kühlen Keller. Die Farbe ist in der Mitte noch sehr dunkel – aussen sieht man deutlich seine Reife. Darf er auch – nach fast vierzig Jahren. Die Nase zeigt zwar immer noch gewisse animalische Spuren, doch Teer, Leder, Tabak, schwarze Rosinen und ein Touch von Guinness-Bier herrschen vor. Er lädt schön aus und zeigt dabei einen intensiven Aromendruck. Im Gaumen in voller Reife, die Saint-Estèphe-Gerbstoffkanten sind geschliffen. So kommt dieser erhabene Meyney recht weich daher. Die Restadstringenz zeigt minimste Kapselspuren. Das Finale ist wieder malzig, zeigt Nuancen von Fernet-Branca und einer gewissen Cabernetsüsse, welche sicherlich vom grossen Jahr profitiert. I’m lovin it! 18/20   

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SOLLTE MAN NOCH KAUFEN

Manchmal vergisst Mann ganz, dass ein 2005erBordeaux auch schon 15 Jahre auf dem Buckelchen hat. Oft dauert es (zu) viele Jahre, bis ich meinen damaligen Primeur-Mövenpick-Empfehlungen wieder begegne.

Auf der Suche nach einem eher älteren Bordeaux (wir sind zu Hause Reifweintrinker …) fiel mein Blick auf diese «heilige Peter Kiste». So die Übersetzung von Saint Pierre (ohne Kiste).

Wenn kann keine spezifische Idee hat, ist spontan immer am besten. Also ein Griff zum Korkenzieher und los.



2005 Saint-Pierre, Saint Julien: Die Farbe ist beeindruckend dunkel und schier schwarz in der Mitte. Die Nase nobel, geprägt von Zeder- und anderen Edelhölzern, Kaffee, Pflaumen, reife Frucht, hocharomatisch mit warmen Cabernet-Eindrücken. Im Gaumen hoch fein, nicht besonders fleischig, dafür seidig im Fluss mit einer verführerischen Kandisnuance und berauschendem Sandelholz im Finale. Momentan ist er in einer hemmunglosen Phase. Unter allen Grand Crus hat er eine der kleinsten Produktionen. Deshalb ist nicht rar, sondern selten. Was eigentlich das Gleiche ist. Billig ist er auch nicht – aber ein wertvoller Geheimtipp. Wer nicht im Keller hat, sollte da unbedingt Ausschau halten. 19/20 Wer hat, trinken. Wer nicht hat – kaufen!   

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THE DEBATE: NAPA-STARTERKIT

Die Geschichte von «The Debate» ähnelt so manchen anderen, neuen California Weinen. Aus einer Idee wird Wein. In der Regel ohne eigenen Rebberg und ohne Winery. 

Per Zufall bin ich an das Trio vom Starterkit 2011 gekommen. Es ist ein nobler, rotschwarzer Karton. Aussen fix?

Die Verkostung dieser drei Weine fand mit drei Personen statt. Mitten in den heftigsten Corona Zeiten, zu Beginn des April 2020. Meine Wenigkeit begann um 14.30 Uhr mit dem Tasting. Ich degustierte diese Napa-Cabs im «Home-Office», direkt vor dem Bildschirm im Büro. Als ich zum letzten Testling, dem To Kalon griff, stellte ich fest, dass dieser korkte.

«Mist!», dachte ich, denn in weniger wie zwei Stunden würden zwei weitere Verkoster antraben. Flugs mailte ich mit dem «Lieferant» und es gelang mir, innerhalb einer halben Stunde Realersatz zu beschaffen. Dies deshalb, weil sich viele, weitere Kartons dieses Napa-Trios glücklicherweise ganz in der Nähe befanden.

Also schloss ich meine Bewertungen und Notizen doch noch ab und stellte die Flaschen auf den Kellertisch. Wenig später traf André Kunz ein. Er schreibt für die schweizerische Weinzeitung und für www.bxtotal.com. Er setzte sich unten an den grossen Eichentisch.    

Eine Viertelstunde später setzte sich Baschi Schwander an den oberen Teil des Tisches und klappte seinen Laptop auf. Er organisiert auch Weinproben, meist mit amerikanischem Top-Weinen. Seine ausführlichen Berichte kann man auf www.mybestwine.ch lesen.
Als Napa-Spezialist warnte er uns, vor zu hohen Bewertungen. 2011 sei kein grosses California-Jahr. Es hätte da geregnet und somit seien die Weine etwas «verdünnt». Das war die leicht negative Seite bei der Vorgabe für die nachfolgenden Verkostungen. Wie bei jeder Medaille gibt es hier aber auch eine andere Seite. Wenn Weine nicht voll konzentriert sind und mit massigen Tanninen beladen werden, so stellt sich die Trinkreife früher ein. Die Debate-Weine sind bekömmlich. Wenn der Winzer den Jahrgang richtig verstand und dem entsprechend vinifizierte, dann zeigen solche Weine mehr Saft wie Kraft. Was dann auch für deren Balance und Frühgenuss förderlich ist.

Fazit: Diese 2011er Cabernets gehören zu den besseren Napa Weine. Der Dr. Crane (18/20) wirkt eher rustikal. Der Missouri Hopper (18/20) zeigt weiteres Potential ist aber doch schon in der ersten Trinkreife. Absolut der Beste, was auch von der Lage her zu erwarten war, ist der To Kalon (19/20). Er ist die Marketinglokomotive dieses Dreier-Kartons ...

Die Notizen und die ganze Dreiseiten-Geschichte: www.bxtotal.com

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MISSION (NOT) IMPOSSIBLE

Über diesen Wein habe ich – in diversen Stadien – schon ganz viel geschrieben. Mittlerweile ist dieser Mission ganz schön gesucht. Leider ist er in den letzten Jahren – wen wunderts – auch nicht billiger geworden. Gibt es einen besseren 1978-erWein im Bordelais in diesem Jahrgang? Ich glaube nicht. Er lässt alle hinter sich und ist für mich eine Legende. Es ist ein Privileg diesen Pessac im Glas vor sich zu haben.

Wir hatten heute was zu feiern. Alle Firmen haben ein Bombenresultat letztes Jahr hingelegt. Ohne der Wahrsagerei zu frönen kann ich jetzt schon sagen, dass es nächstes Jahr anders aussieht. Wohl leider ganz anders. Geld bekommt eine andere Dimension, wenn es der Gesundheit an den Kragen geht. Und wenn man das begriffen hat, dann erkennt man auch die irrelevanten Relationen.  

1978 La Mission Haut-Brion: Als ich ihn um 16.00 Uhr im Keller öffnete war er zu kühl und viel zu introvertiert. Also stellte ich die Flasche ins Lager bei etwa 16 Grad und gab ihm zwei Stunden. Jetzt ist er wohl in einem Zwischenstadium und ich rechne, dass er beim Nachtessen (so um 20.30 Uhr) in seiner besten Form sein wird. Das ist eben das Wunder von reifem Bordeaux. Solche Weine ertragen auf dem Höhepunkt locker noch langes Dekantieren. Die Nase zeigt dunkles Malz, Kräuterlikör, Fernet-Branca, schwarzes Pfeffermehl und den besten Tabak der Welt, den man für eine besonders würzige Cigarre verwenden könnte. Im Gaumen mächtig, barock, tiefgründig und mit fast nur schwarzen Aromen ausgestattet. Das Finale ist extrem lang und es lohnt sich, nach dem Schluck die Retro-Olfaktion in extremis zu Zelebrieren und Nachhallen zu lassen. Dies ist einer der lääääääääääängsten Weine meines Lebens. 20/20 trinken, taumeln, träumen!

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SORRY! DAS MIT DEM LITER PALMER WAR EIN APRILSCHERZ

EINMALIG: PALMER IN DER LITERFLASCHE!!!

Es gibt ja den Ausdruck «Schnapsideen». Es ist fast Mitternacht. Am Schluss eines ziemlich wenigen Abends auf Château Angludet. Zu meinem Freund Jimmy Sichel, der mit seiner Familie Mitbesitzer von Château Palmer ist, sage ich zum Scherz – mit Blick auf die vielen leeren Flaschen: «Eine Normalflasche ist einfach zu klein». Jimmy pflichtet mir bei und meint lakonisch: «Und manchmal ist eine Magnum einfach zu gross!». «Warum füllst Du nicht eine gewisse Menge Palmer in Literflaschen ab?», kontere ich. «Das ist kein Problem, wir füllen jedes Format auf Wunsch ab, bis zur 27-Liter-Primatflasche. Dies geht aber nur für kommende Jahrgänge, welche noch im Fass liegen …». Spontan sage ich: «Dann will ich 100 Literflaschen vom Jahrgang 2018».

Gesagt – getan! Und weil Jimmy Sichel eine direkte Allokation von Palmer bekommt und ein eigenes Handelshaus in Bordeaux besitzt, bekomme ich diese Sonder-Charge zu einem Freundschaftspreis.

Im Herbst wird diese spezielle Fracht importiert und im Oktober ausgeliefert. Ein paar «Litres» behalte ich für mich  - den Rest biete ich heute an. Die Flaschen sind originalverkorkt und in einer wunderschönen Holzkiste. Pro Person gibt es ein Flacon. Der Preis ist gleich hoch wie eine Normalflasche. Nämlich 345 Franken inkl. MWST. Transport ist 10 Franken, macht summa summarum 355 Franken pro Bestellung.

Hier die Verkostungsnotiz von André Kunz (ich gehe ja nicht mehr zum Primeur …)     
2018 Château Palmer: Kunz Fassprobe 19: (53% Cabernet Sauvignon, 40% Merlot, 7% Petit Verdot, 11 hl/ha, Produktion 72'000 Flaschen). Pfefferiges, würziges, dichtes, süsses, komplexes Bouquet, Dörrpflaumen, Kirschen, Graphit, Rauch, Korinthen, Feuerstein. Konzentrierter, vielschichtiger, kraftvoller, eleganter Gaumen mit dichter, süsser, fein opulenter Frucht, vielfältiger, opulenter Aromatik, cremiger, fein muskulöser Struktur, viel feinem Tannin, sehr langer, dichter, cremiger Abgang mit vielen, süssen Rückaromen. Kann noch zulegen. 19/20 2025 – 2055

Bestellungen: (Maximal 1 Einheit pro Bestellung) weingabriel@palmerliter.ch (Gilt nur für die Schweiz, Sorry!)

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Wurde am 1. April im Facebook publiziert. War leider ein Aprilscherz.

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SO RICHTIG BORDEAUX!

Das liebe ich. Diese artisanalen Grundnoten, welche wir früher ganz einfach mit dem frohlockenden Begriff «Terroir» dokumentieren. Dabei meinten wir eigentlich die «alte Schule».

Will heissen; keine grossen Selektionen, weniger Zeitdelta zwischen der Ernte vom Merlot und Cabernet, nicht besonders viele neue Barriquen, keine Zweitweine und noch wenig beratende Önologen.

Auf G-P-L (sprich Tschi-Pi-Ell) war der junge François Xavier Bordeaux neu für den Wein verantwortlich. Seine Erfahrungen hatte er auf dem Familienweingut Ducru Beaucaillou gemacht …



1985 Château Grand-Puy-Lacoste: Immer noch erstaunlich dunkle Farbe mit satter Mitte. Die Nase geht in die Tiefe, zeigt eine leicht kühle Cabernetnoten. Das ist typisch. 1985 war ein sehr spät geerntetes Jahr mit einer Reife, welche bei den besten Cabernets erst im November realisiert wurde. Lakritze, Bakelit, Rauch, blaue Fruchtresten und dunkle Hölzer. Dies alles vermischt mit einer wunderschönen Ration von Brazil-Tabak. Im Gaumen wirkt er fast etwas weniger konzentriert wie in der Nase, zeigt Saft, Aromatik und Balance. Meine Austriafreunde würden das Ganze jetzt noch mit dem Wort «Trinkfluss» ergänzen. 18/20 Degustiert habe ich ihn um 17.30 Uhr und entschloss mich, ihn nicht zu dekantieren. Nicht eil er zu reif ist, sondern weil ich ihn genau so mochte wie er jetzt ist.

So und jetzt gehe ich noch in den Keller hole mir eine Spätlese von Prüm zum Apero. Wenn ich die Flasche in der Küche auf den Tisch stelle und Karin das Etikett sieht, muss ich nämlich diesen traumhaften G-P-L oberbrav teilen!  

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RHONE ANSTATT CORON(A)

Als ich letztes Jahr einen ganzen Keller aufkaufte, lagen auf einem Gestell noch ein paar einzelne Flaschen. «Nimm die bitte auch mit! Die kannst Du gratis haben. Du bist ja Koch», bat mich der weinverkaufende Freund. Also legte ich dieses multiple Sammelsurium noch oben drauf. Ein paar der Flaschen waren wirklich hinüber. Heute kam dieses besondere Flacon dran und … ich hatte nicht unberechtigte Erwartungen!

1978 Côte-Rôtie Les Jumelles Jaboulet Ainé: Die Farbe ist rostig und gegen aussen ziemlich hell. Das Bouquet beginnt fuchsig. Ich weiss wie frisches Fuchsfleisch schmeckt. Habe auch schon selber Pfeffer aus Meister Reinecke gemacht. Dann spürt man bengalische Hölzer, Teer, altes Leder, Korinthen, frisches Heu und auch eine klare Terroiranzeige mit gewissen Sommertrüffelspuren. Jungweinfetischisten würden hier wohl die Nase rümpfen. 1978 ist ganz gross rauf und runter in der Rhône und dies kommt hier tiefenmässig ganz klar zum Ausdruck. Im Gaumen schokoladig, fleischig und mit mittelschwerem Körper unterwegs, das weich anmutende, feinsüsse Finale zeigt Dörrpflaumen. Hoch reif und genial! Und dies nach über 40 Jahren. 18/20    

P.S. Gemäss winesearcher gibt es in Hong Kong noch eine Flasche. Und noch eine in meinem Keller.  

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Liebe Weinhändler

In Pandemiezeiten ist man manchmal schon froh, dass man doch noch ein paar Mails bekommt.

Momentan sind rund 80 % der Mitteilungen Angebote von Weinhändlern. Die versprechen mir – Dank ihnen – in diesen besonders schwierigen Epoche weinmässig über die Runden zu kommen.




Ganz herzlichen Dank für diese beispiellose Hilfe! Dank langfristiger Vorsorge werde ich dieses Dilemma ohne jegliches Gerbstoffvakuum überleben. Dies auch im Fall, wenn es möglicherweise noch «etwas länger» dauert …

#kelleralarmgesichert #brauchedemnächstwiederklopapier  

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TINTO PESQUERA

Alejandro Fernandez war vor ganz vielen Jahren in einem Restaurant in Zürich und er sass neben mir. Den ganzen Abend. Ich konnte kein Spanisch, dafür andere Sprachen. Doch das half nicht besonders viel, denn Alejandro sprach vor allem Spanisch. Und nur Spanisch! Also kommunizierten wir über seinen Wein, indem wir uns den ganzen Abend zuprosteten.

Plötzlich drückte mir jemand eine Gitarre in die Hand und ich trällerte Lieder aus meinem Repertoire. Irgendwann sang ich Guantanamera. Beim Refrain wechselte ich spontan von Guantanamera auf Tinto Pesquera. Alejandro klatschte erst vor Freude und stand wenig später sogar auf dem Tisch.


Heute ist er 92 Jahre alt. Er hat – als Pionier – das verschlafene Ribera del Duero zu einer pulsierenden Weinregion gemacht. Dank seinem jungen, fruchtig-eichigen Pesquera wechselten damals viele Weingeniesser vom Rioja auf das Duero.  
Am Sonntagabend gibt es bei Gabriels oft Käse und spanischen Schinken. Also passt dazu ein Spanier.

1986 Pesquera Reserva: Ziemlich dunkel, relativ wenig Reifetöne und recht satt in der Mitte. Die Nase zeigt eine kandierte Süsse und so erinnert der Duft an eine erkaltete Linzertorte (Himbeerkonfi und geröstete Nüsse, etwas Currypulver ist mit dabei und Zedernholz. Im Gaumen merkt man die damals etwas forsche Vinifikation. Also wirkt er etwas extrahiert und hölzern. Dafür hat diese Machart ihn langsam altern lassen und so wirkt er heute immer noch robust. Zum Essen passts …       

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Eine These welche ich durchaus nachvollziehen kann!













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CHATEAU CORDON-BLEU?

Nein – es gibt kein Château welches «Cordon Bleu» heisst. Nur ein Gericht. Und das gibt es heute Abend bei uns. Je ein Poulet-Cordon-Bleu für Karin und mich. Paniert aussen mit Austria-Brösel. Die kaufe ich mir immer extra in Österreich und importiere diese. Innen ist das herrliche Ding gefüllt mit altem Gruyère, aber auch mit etwas Pfefferkäse (Boursin). Als Schinken nehme ich nicht den faden Modelschinken, sondern einen Gewürzschinken. Doch lassen wird das, es geht ja hier eigentlich um den Wein …

Als ich auf der Terrasse ein Bierchen trank, kreisten meine Gedanken um den möglichen Begleitwein. Weil ich Wort- oder Buchstabenspiele liebe, überlegte ich mir einen Wein auszuwählen, welcher mit «C» am Anfang des Wortes beginnt. Schnell kam ich auf Côte-de-Rhone oder Châteauneuf. Doch plötzlich fiel es mir wie Augen von den Schuppen. Oder sogar umgekehrt. Fast jeder Bordeaux (ausser die Clos und Domaine) fängt mit «C» an nämlich mit Château. Ein paar Minuten länger und es viel der Doppel-CC-Groschen…

Château Cheval-Blanc. Das wäre dann ein so genannter Drei-C-Abend. Also konsultierte ich mein Inventar und wählte den Jahrgang 1973. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters und des schwierigen Jahrganges, herrscht hier schon eine gewisse Entkorkungs-Dringlichkeitsstufe.

Jetzt ist dieser 1973 Château Cheval-Blanc vor mir im Glas. Ich degustiere die Weine immer aufmerksam, bevor ich in die Küche gehe. Dabei entscheide ich auch gleich, ob ein Wein dekantiert werden soll. Was hier sicher nicht der Fall ist. Die Farbe ist rostbraun und leidlich aufhellend. Die Nase eher welk, mit einer gewissen, waldigen Süsse im Untergrund, Rosinenzüge, Torfnuancen und altes Leder. Im Gaumen spürt man die artisanale Vinifikation (wohl keine neuen Fässer), nasses Laub und dann doch eine herrliche Würze aufweisend. Insgesamt ist er leicht über dem Zenit, aber (zumindest für mich) noch deutlich in der Toleranzgrenze. Ruiniert wurde ich dabei auch nicht. Er war im Inventar mit unter hundert Franken vermerkt!      

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DAMALS NOCH SUPER

Zu dieser Zeit war dies noch einer der besten Cru Bourgeois. Für Mövenpick kaufte ich Unmengen ein. Zufriedene Kunden reklamierten in der Folge, dass sich keine neueren Jahrgänge im Angebot befanden. Doch ich blieb stur. Lieber einen Château-Besitzer verärgern, als tausende von Kunden. Dieser 2000er war nicht der letzte gute, sondern der beste überhaupt …  

2000 Château Citran: Immer noch dunkel und immer noch einen bläulich violetten Schimmer zeigend. In der Nase sind dann genau – in derselben Farbe – viele Fruchtnoten zu finden. So in Richtung Brombeeren und Cassis, Zedernholznoten und eine erste, minime Terroirwürze. Im Gaumen saftig, feinfleischig und gut balanciert, alles ist begleitet von einer letzten Restadstringenz. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er genau gestern Abend seinen Genusshöhepunkt hatte. Ich habe aber auch keine Angst, dass er nicht auch noch im Herbst top ist. Denn da öffne ich in Eschenbach an einem stinknormalen November-Donnerstag zwanzig Bordeaux vom Jahrgang 2000. Dann gibt es diesen Citran auch. Und auch den Latour …

Mehr Infos: https://www.weingabriel.ch/events-2020.shtml

Bei Surfen habe ich sogar noch eine Live-Verkostungsnotiz auf Youtoube gefunden. Da hat jemand ins Weinhorn geblasen. https://www.youtube.com/watch?v=bRYpP92D-AA

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LIEBER BERNHARD HUBER

Während einer Motorradtour durften wir Dich vor Jahren besuchen. Wir liefen vom Dorf raus zu Deinem Weingut ausserhalb von Maltertingen. Geplant war eine Weingutsbesichtigung und eine kleine Verkostung. Es wurden Stunden daraus …

Nun bis Du nicht mehr unter uns. Aber viele Deiner noch von Dir produzierten Weine kommen jetzt in die schönste Genussphase. Ein flüssiges Erbe sozusagen. Währenddem im Ofen marinierte Pouletflügeli brutzeln, habe ich den 2012 Chardonnay. Die Farbe reichlich gelb, aber brillant leuchtend. Die Nase duftet nach frisch geschleudertem Honig, nach Dotterblumen, nach Kamille und einer minimen Spur Anis. Im Gaumen füllig, cremig, harmonisch und laaaaang. Zarte Strohnoten zeigen die Firne an.

Fast war ich geneigt, diesen Wein mit einem Meursault zu vergleichen. Mache ich aber nicht. Es ist ein toller Chardonnay mit Deiner Handschrift. Und genau dies macht ihn so einzigartig. Genau so – wie Du es warst. Danke Bernhard!  

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GABRIEL & BIER?

Gestern habe ich am späten Nachmittag einen 2004 Château La Mission Haut-Brion geöffnet. Der war so verschlossen, dass ich entschloss ihn heute nochmals anzugehen. Habe ihn karaffiert im kühlen, dunklen Keller gelassen.

Dann grapschte ich mir spontan eine Flasche 2002 Péby Faugères. Der war oxidiert. Daraufhin hatte ich eine blendende Idee und meine Hand führte mich zu einem kühlen Hochdorfer Bier.

Hat zum Gemüse-Chili eh besser gepasst …

P.S. Foto = Gabriel-Kühlschrank


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CHARMES MIT CHARME

Heute ging meine Weinreise ins Burgund. Genauer gesagt; nach Gevrey Chambertin.

1997 Charmes-Chambertin Geantet-Pansiot: Ziemlich aufhellendes Rubin mit feinem Wasserrand. Für sein Alter wenig Reifetöne zeigend. Die Nase schlank, noch restfruchtig (Kirsche, Erdbeeren) und feinwürzig (Stielnoten, Nelkengewürz, Thuja, Edelhölzer). Der Ansatz ist nobel, eher unaufdringlich, dafür ziemlich vielschichtig. Wenn ich nicht gewusst hätte, was das für ein Wein ist, hätte ich ganz klar auf einen Côte-de-Nuits-Burgunder getippt. Im Gaumen verdient er seinen Namen, denn sein Fluss ist sehr charmant, weich und samtig. Er endet mit einem fein süsslichen, gebündelten Finale, welches irgendwie an ein Mon Cherie (Sauerkirsche und helle Schokolade) erinnert. Je feiner – desto Grand Cru! Diese Theorie stimmt hier ganz sicher. 18/20

P.S. Dazu gibt es mit Pfefferkäse, frischem Bärlauch und Dörrtomaten gefüllte Pouletschnitzel.
Ein guter Wein und ein feines Essen hilft gegen dunkle Wolken. Und von denen gibt es momentan genügend. Für alle, welche gesund sind, ist es eigentlich fast eine Luxus-Krise. Deshalb dürfen wir die anderen Menschen, welchen es nicht so gut geht dabei nie vergessen!  

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GLÜCKLICH IST DER MANN DEM ES GELINGT DER LANGEWEILE ZU ENTRINNEN, OHNE DABEI DIE ARBEIT ZU HILFE NEHMEN ZU MÜSSEN

Gestern habe ich mir eine «To-Do-Liste» erstellt!!! Mann hat ja jetzt viel mehr Zeit zur Verfügung. Und so könnte Mann doch im und rund ums Haus ganz viele Dinge erledigen, welche in letzter Zeit liegen geblieben sind. Je länger ich studierte, desto länger wurde die Liste. Insgesamt 83 Positionen sind es jetzt. Um eine gewisse Ordnung in die Auftragsdringlichkeit zu bringen habe ich diese jeweils mit drei verschiedenen Stufen eingeordnet.

a.)    Eilt momentan nicht so
b.)    Wenn es denn sein muss
c.)    Wäre ziemlich dringlich  


Aufgaben, so in etwa; Alle Dosen und Gewürze auf Ablaufdatum prüfen und förderlich in den kommenden Mahlzeiten einsetzen. Dasselbe habe ich mir auch ganz fest für ein paar Positionen im Tiefkühlschrank vorgenommen. Ein Bild wollte ich schon lange aufhängen. Und ich weiss auch genau wo. Dann Ordner durchforsten und entsorgen. Das Büro gründlich aufräumen. Im Weinkeller das Inventar weiterführen. Die Einstellhalle wischen. Die Stiege vor dem Haus einsprühen, um vom von der androhenden Begrünung zu schützen. Das Auto innen gründlich reinigen. Auch der untere, kleine Werkstattkeller braucht dringend eine neue Hausordnung. Wenn es dann noch reicht, sollte der Vorplatz gründlich mit dem Kärcher gereinigt werden …

Die 83-Positionen-Liste habe ich jetzt grad ausgedruckt und im Büro ganz zuoberst auf den recht grossen Papierstapel gelegt.

Momentan bin ich ganz glücklich. Denn – jetzt weiss ich genau, was ich tun könnte, wenn ich wollte …

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45-JÄHRIGER 389

Warum der 389 oft «Baby Grange» genannt wird? Weil er in gebrauchten Barriquen vom effektiven Grange ausgebaut werden soll. Das ist denn auch schon alles. Denn der Blend selbst ist «antigrange», weil mehr Cabernet wie Shiraz drin ist.

Heute war mir nach reifem Australier zumute. Nicht selten trinke ich momentan Einzelflaschen weg. Dies ist hier nicht ganz der Fall, wenn auch jetzt nur noch zwei Exemplare noch etwas weiter dösen.
Die Farbe vom 1975 Bin 389 Penfolds ist aussen aufhellend und ziemlich orange, gegen die Mitte wird es dann mehr Braun wie Rot. Die Nase zeigt die hohe Reife. Die Abfolge der Aromen ist aber durchaus spannend. Erst riecht es nach feuchtem Humus, dann nach Leder, dann nach dominikanischem Tabak, dann nach braunem Peru-Balm, Feigensirup und getrockneten Küchenkräutern, inkl. einer würzigen Nuance von Eucalyptus. Im Gaumen wirkt er abgeklärt, weich, samtig mit einer leicht kompottigen Shiraz-Süsse. Hoch reif, doch noch wunderschön zu trinken. Reife, rote Australier können wunderbar sein. Genau wie hier! (17/20)

P.S. Bei diesem 1975 stand noch als Quelle Magill Valley und Barossa Valley auf dem Etikett. Heute ist es – per Label-Definition – einfach ein Süd Australier …

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TARTARWEIN

Dies war heute bereits mein zweiter Versuch, weil der 2009 La Landonne von Rostaing korkte. Irgendwie war ich auf der Suche nach einen Tartar-Wein. Das gibt es nämlich heute Abend. Kräftig sollte halt sein. So wählte ich meine letzte Flasche 1997 Cabernet Sauvignon Oakville von Mondavi. Früher gab es nur den normalen Napa und den Reserve. Mit dem Jahrgang 1996 (glaube ich) fing Mondavi an, zwei «District-Weine» zu lancieren. Einen «Stags Leap» und einen «Oakville».

Der Oakville war/ist immer etwas kerniger, kräftiger und mit nicht ganz fertig gehobelten Gerbstoffen ausgestattet. Am ehesten mit einem traditionellen Saint Estèphe vergleichbar. Wenn man denn unbedingt vergleichen will/sollte. Aber vielleicht hilft dies einer möglichen Imagiation dieses Weines. Das Bouquet ist nussig, ledrig, zeigt Tabak und minime, kalte Rauchnoten. Im Gaumen ist er genau so wie ich ihn mir vorgestellt habe, ein bisschen sehnig und irgendwie zeigt er etwas mehr Muskeln wie Fleisch. Von der Reife her war dies ein guter Entscheid, heute zu entkorken, denn man merkt im Finish schon gewisse Torfaromen. 18-Punkte verdient er auf jeden Fall.

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DER KELLER WAR IM KELLER

Der Wein liegt schon lange in meinem Keller. Ich hatte ihn zum Reifen – vor vielen Jahren – damals in das Gestell gelegt. Als ich den Wein heute entkorkte, war mir durchaus bewusst, was heute für diese Flasche bezahlt würde. Aber es war mir damals ebenso bewusst, dass ich ihn einmal trinken würde und nicht verschachern. Und dies war heute der Fall.  

2002 Riesling Hubacker, Keller Dalsheim, Rheinhessen: Die Farbe von sehr intensivem Gelb. Die Nase zeigt einen leicht laktischen Ton. Dies zeigt – nach so vielen Jahren – eine ehrliche Firne an. Es duftet nach Akazienhonig, nach Pfingstrosen, nach frischen Quitten, Dotterblumen und Kamille. Dabei ist der Wein in der Nase ziemlich wuchtig und geht in die Breite, ohne mastig zu wirken. Im Gaumen gibt er sich fast frischer als in der Nase, es sind immer noch quirlige Säureelemente da, welche über die Zunge tanzen. Der Körper ist füllig, nicht zu opulent und der Fluss cremig, das Finale gebündelt und nachhaltig, es bleiben süssliche und senfige Noten zurück. Hier vereinen sich Reichtum und Eleganz! 19/20

Meine Frau Karin trinkt keine deutschen Rieslinge, sondern nur Wachauer. Das Leben kann manchmal ziemlich fair sein …   

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SPAGHETTIWEIN?

Spaghetti auf dem Teller und dazu einen italienischen Wein. Das wirkt authentisch. Wer aber die Herkunft dieser besonders langen Pasta kennt, müsste eigentlich einen chinesischen Rotwein dazu trinken. Meistens trinke ich zu Pasta trotz aller Normalität einen etwas kräftigeren, jüngeren Bordeaux. Dies bin ich mir selbst gegen aussen schuldig. Wichtig ist aber – in solchen Zeiten – die Aufgabenteilung.

Meine Frau hat die Sauce gekocht und drei Stunden köcheln lassen. Und ich war gefühlte drei Stunden im Keller. Momentan mache ich viele Risikoflaschen auf. Dabei greife ich nach Bouteillen, welche eigentlich – im Normalfall – keine Chance gehabt hätten. Jetzt gebe ich auch solchen «Trouvaillen» eine Plattform. Wenn mir diese grad nicht so ins Glas nicht passen, pfeffere ich damit Fleisch ein für zwei Wochen später. 

Heute bekam der 2003 Vigna Cinque Querce von Salvatore Molettieri eine erste Chance. Da war es keine Frage, ob ich nochmals für eine Zweitselektion in den Keller gehen sollte. Dieser 100 % Aglianico ist unglaublich dunkel und zeigt praktisch keine Reife. Die Nase duftet nach Malagarosinen, nach Teer, Sommertrüffel, Rauch und dunklen Edelhölzern. Dabei geht er das Ganze tiefschürfend an. Im Gaumen zeigt er deutlich, dass die Region Latium, zumindest in solchen Fällen ein grossartiges Terroir proklamiert. Der Gaumen ist fest, charaktervoll und auch ziemlich burschikos. Die mangelnde Finesse wird mit ausreichend Kraft ersetzt. Ein mächtiger Wein, der in der Folge stetig zulegte. Also sollte man eine geduldige Karaffe bereithalten. Die (mindestens) 15 % Volumenprozente garantieren einen besonders tiefen Schlaf … (19/20)      

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SPARPOTENTIAL

Das C-Wort werde ich in Zukunft nicht mehr aussprechen und auch nicht mehr ausschreiben. Bei mir hat dieser Virus jetzt eine Abkürzung bekommen und heisst neu CV. Davon gibt / gäbe es viele Abkürzungen. Der Sinnvollste Vergleich wäre Curriculum Vitae. Damit ist nämlich der Lebenslauf gemeint und der macht bei allen von uns momentan gewaltige Umwege zur Normalität.

Vom CV geht ein positives Sparpotential aus. Wir brauchen viel weniger Geld für Benzin. Gar kein Geld für Ferien. Kinobesuche. Konzerte. Restaurantbesuche. Friseur. Pedicure. Viele werden den Kellerbestand zwar dezimieren, aber keine einzige Flasche nachkaufen müssen. Bei mir ist dies ganz sicher so. Der Tiefkühlschrank wird wieder mal bis in die hintersten Ecken durchforstet und bietet Überlebenschancen für eine geraume Zeit. Auch bei den Dosen könnte man die Brille auflegen und einen Einsatz planen gemäss kommender Ablaufdaten. Eigentlich lohnt es sich alle Geschenküberbleibsel (Essig & Öl stehen da im Vordergrund) einfach mal aufzubrauchen, bevor man sich neue Vorräte anlegt. Die Grundversorgung wird – da habe ich gar keine Zweifel – bis zum Ende von CV gewährleistet sein.

Jetzt besteht die Möglichkeit wieder mal «richtig zu kochen». Beispielsweise wieder Schmorgerichte zu machen, einen Braten in den Ofen zu schieben oder selber Kuchen zu backen. Kleine Vorspeisen oder Desserts einzuplanen. Das Motto: Mehrgänger gegen Langeweile. Gesund ernähren und nicht übertreiben. Sodass wir kein schlechtes Gefühl haben müssen, dass wir in der tiefsten Krise dieser Generation aus lauter Kummer zig Kilos mehr auf den Rippen haben. Es ist ja auch bekannt, dass die Menschen in schwierigen Zeiten viel mehr Schokolade als sonst essen. Also gilt Selbstdisziplin und das ganze Dilemma auch als Chance anzusehen dem Körper etwas Gutes zu tun.

Wenn das CV überwunden sein wird, haben wir wohl in den letzten Tagen, Wochen, Monaten besonders bewusst gelebt. Meine Prognose: Die Menschheit trägt dann besonders lange Haare und hat zu Hause Unmengen von Klopapier auf Reserve …     

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FAST EIN LATOUR

Wenn ein grosser Pauillac manchmal vielleicht etwas leichter daherkommt, so kann er mitunter auch nach Saint Julien schmecken. Umgekehrt ist es so, dass ein riesengrosser Saint Julien auch man ganz tolle Pauillac-Allüren bekommt. Das ist zwar eher selten der Fall, aber hier trifft diese These definitiv zu.

Den 1986 Château Léoville Las-Cases sollte man mindestens drei Stunden dekantieren. Denn – er ist wie viele Crus vom Médoc vom Jahrgang 1986 «etwas reduktiv». Das ist schon fast schöngeredet. «bockig» wäre hier wohl treffender. Aber es lohnt sich! Die Farbe ist immer noch extrem jung und geht dramatisch ins Schwarze. Die Nase zeigt unglaublich viele Latour-Affinitäten; Teer, Trüffel, dunkle Edelhölzer, Rauch, nochmals Trüffel. Was schier unwahrscheinlich ist, dass man auch noch Primäraromen findet, dies in Form von Cassis und Brombeeren. Das Nasenbild geht derartig in die Tiefe, dass man ihn als «halboffen» bezeichnen muss. Normalerweise sind die grossen Las Cases Charmeure ohne Ende. Dieser hier zeigt Ecken und Kanten und mutiert zu einer brachialen Weinpersönlichkeit und erinnert an gigantische Jahrgänge wie 1928 und 1961. Auf dem Peak ist er noch lange nicht und ich attestiere ihm ein Leben für weitere 50 Jahre. Vielleicht mag man kritisieren, dass ich es wagte, ihn mit deinem Latour zu vergleichen. Sorry. Dieser 1986er Las Cases ist aber noch besser als der 1986er Latour! 20/20  

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Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt?



Versuchen wir es einmal:
Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020
Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona? Oder sogar besser?

Worüber werden wir uns rückblickend wundern?
Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte.

Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.
Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.
Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivia-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.

Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…
Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.
Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.
Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann. Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten. Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.
Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.
Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.
Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.
Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

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LIEBER STEPHAN NEIPPERG

Es ist anzunehmen, dass jetzt auch Du unfreiwilligen Hausarrest hast. Bei meinen vielen Besuchen auf Canon La-Gaffelière sah ich nicht wenige Kisten von anderen Winzern. Also wärst Du de facto nicht gezwungen in der Quarantäne Deine eigenen Weine zu trinken. Da hast Du – gegenüber vielen anderen Bordeauxwinzern – zwei riesengrosse Vorteile. A.) Es stehen Dir ziemlich viele Weingüter zur Auswahl. Und b.) all Deine Weine sind besonders gut.

Winzer könnte man auch dahingehend taxieren, was diese in schwierigen Jahren in die Flaschen füllen. Da bist Du ein richtiggehender Zauberer. Gerne erinnere ich mich an Deine Jahrgänge 1997, 2002, 2007 etc.


Einen nicht ganz einfachen Jahrgang möchte ich hier speziell erwähnen: Gestern habe ich eine Flasche 1999 Château Canon La Gaffelière geöffnet. Ob ein Wein sehr gut ist oder nicht erkenne ich daran, dass ich richtiggehend darum kämpfen muss an die Hälfte des Inhalts ranzukommen. Denn Karin kennt bei ihren Vorlieben nur ein «nein» oder ein «ja». Das war offensichtlich ein riesengrosses Ja. Nach 20 Jahren in der Flasche hat er seinen wunderbaren Peak gefunden. Noch ist Merlot-Frucht da, aber die unglaubliche, berauschende Cabernetwürze hat überhandgenommen. Der Fluss ist weich, satt, stoffig und nachhaltig. Dieser 1999er kann es mit jedem Pomerol desselben Jahrganges locker aufnehmen. Und vermute – aufgrund des gestrigen Kontaktes – ist er mittlerweile auch der beste Saint Emilion. Gratulation meinerseits und 19/20.

P.S. Bei www.aklin-vins.ch habe ich ihn auf der Preisliste gefunden. Für 67 Franken!

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SORRY FREUNDE

Ein paar besondere Flaschen hebt man sich in der Regel zum Teilen auf. Darunter fallen in erster Linie Raritäten.

Der 1949 Château Grand-Mayne gehört dazu. Dieses Weingut ist völlig unterschätzt. Meine restlichen Flaschen von den jüngeren Jahrgängen sind schon lange lediglich für den Eigenkonsum angesagt. Heute hatte ich eigentlich vor, einen alten Rioja zu geniessen. Wenn ich mir die Farbe von diesem betagten Saint Emilion ansehe, dann bin ich optisch nicht weit von meinem Vorhaben entfernt. Auch die Nase geht in Richtung «Ochsenfluss». Von dem hat nämlich das besagte spanische Weingebiet seinen Namen. Rio ocha = span. Ochsenfluss. Doch jetzt definitiv zurück ins Libournais. Es duftet nach Schokolade, nach Sandelholz, noch Resten von roten Früchten, nach Frühstückpflaumen. Minim oxydativ, jedoch dem Alter entsprechend gut drauf. Im Gaumen weich, süsslich, cremig und gut balanciert. Das einzige was leicht stört sind dezente Kapselspuren.

So ganz egoistisch war das Vorhaben dann doch nicht. Es bleiben noch vier Flaschen davon übrig. Für meine Freunde, falls die Krise bald vorüber ist. Falls nicht, muss ich halt meine egoistische Genussneigung in der Folge weiter vertiefen.

P.S. Der finanzielle Schaden hält sich da in Grenzen. Die fünf Flaschen kosteten an der Weinbörse 101 zusammen keine 300 Franken. Gekauft in der Nachauktion, weil niemand diesen unerkannten Schatz haben wollte. Ausser der Gabriel …

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EIN EVANGILE ANSTATT

Eigentlich wäre ich in zwei Wochen zu einem grossen Evangile-Diner eingeladen gewesen. Aus aktuellen Gründen kann der geplante Event leider nicht stattfinden. Heute habe ich mich mit einer Flasche aus meinem Keller getröstet …

1983 Château L’Evangile, Pomerol: Vor vielen Jahren für 80 Franken an der Weinbörse gekauft. Ziemlich dunkel. Wenn man genauer hinschaut findet man auch reichliche Brauntöne im Innern vom Glas. Obwohl der Wein zu Beginn etwas zu kellerkühl war, war der erste Nasenkontakt schon ziemlich intensiv und gewaltig füllig. Viel dunkles Malz, Dörrfeigen, dunkle Rosinen, zerlassene Blockschokolade. Im zweiten Anlauf traten zögerlich Kräutertöne an die Oberschicht, aber auch Spuren von «artisanalem Ausbau». Damit meine ich eine minime Note von oft gebrauchten Fässern. Das war zu dieser Zeit im Pomerol nicht unüblich. Im Gaumen cremig, füllig – also ein Mund voll Wein. Und so richtig Pomerol, wenn man denn eine gezielte Vision eines fast 40jährigen Weines aus dieser Region hat. Das Finale dezent kernig, was wiederum zum Jahrgang 1983 passt. Einem präzisionssüchtigen Önologen würde dieser Wein die Zehen krümmen. Ich bin als Altweinfetischist; a.) tolerant und b.) begeistert!  

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NOCH KEINE GRIPPE HAT JE DEN FRÜHLING ÜBERLEBT

Wie ich es sehe? Das ist eigentlich gar nicht so wichtig, denn momentan wird für uns alle extern gedacht. Unser Denken wird offensichtlich anderen überlassen. Das Schlimmste an der ganzen Corona-Hysterie besteht darin, dass die Menschheit zunehmend eine negative Stimmung bekommt, gar partiell depressiv wird. Die Pandemie bekommt ein inflationäres Demotivations-Ausmass.

Als gelernter Koch schaue ich mir nachdenklich die Fotos von überfüllten Einkaufswagen an. Die Hysterie ist an Dummheit nicht mehr zu übertreffen. Unsere Grossanbieter versichern uns praktisch vergeblich, dass die Versorgung auch in Zukunft problemlos gewährleistet ist. Was machen die Konsumenten? Sie kaufen Klopapier ohne Ende. Dabei weiss man vom Corona-Virus, dass er Fieber produziert und nicht Durchfall.

Doch Spass beiseite. Unser ehemalige Bundesrat Adolf Ogi sagte einmal: «Niemand ist so unbedeutend, dass er nicht auch seinen Teil beitragen kann!». In Spitälern gibt es die Arztclowns. Sie sind dazu da, dass Kinder lachen und eine positive Einstellung zu ihrer aktuellen Krankheit bekommen. Das verbessert nachweislich den Genesungsverlauf. In diesem Sinne können wir jetzt lustige Bücher lesen, unterhaltsame Filme kucken, uns Witze erzählen oder gute Musik hören. Alles was dem Gemüt gut tut ist förderlich.

Was auch wichtig ist; seine eigene Gesundheit pflegen. Immer nach dem Motto: «Man muss seinem Körper etwas Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen! Dabei ist die eigene Grundversorgung wichtig. Damit meine ich genau nicht das Dosenfutter und die Pasta-Berge, die jetzt in den letzten Tagen im Supermarkt gekauft wurden.

Vitamin C ist in erster Linie wichtig. Ich esse jeden Morgen eine Grapefruit. Ein frisch gepresster Orangensaft tuts aber auch. Ist es nicht seltsam, dass all diese herrlichen Zitrusfrüchte immer genau in der typischen Grippezeit Saison haben? Dann muss man auch – wegen dem tiefen Sonnenstand – auf den Vitamin-D-Haushalt achten. Salate, frisches Gemüse. Eigentlich sind/wären all diese Aufzählungen logisch.

Es scheint aber, dass die Corona-Hysterie unseren gesunden Menschenverstand auszuschalten droht. Wenn jeder für sich schaut, dann wird keiner vergessen. Es sind nur ein paar kleine Gedanken in einer offensichtlich grossen Problematik.

Jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken. Oder umgekehrt. Denn – es wird bald Frühling …           

ETIKETTENRABATT

Wenn das Füllniveau stimmt, kaufe ich ganz gerne Flaschen mit unschönen Etiketten. In der Regel bekommt man da für Tiptopware einen saftigen Rabatt. Das war auch hier so …

Der 1989 Talbot ist jetzt (das kann jeder nachrechnen), nach dem Ausbau in den Barriques, seit gut 30 Jahren in der Flasche.

Die Farbe ist dunkel. Bei genauerem Hinschauen sieht man aber farblich schon ein paar graue Haare, respektive einen rostroten Schimmer am Rand. Die Nase bleibt sich Cordiertreu. Will heissen, hinter den Leder- und Tabaktönen findet man Spuren welche an einen Pferdestall erinnern. Der heisse 89er-Herbst signalisiert Rosinen, Heu und Honig. Das Bouquet wirkt malzig, komplex und irgendwie trocken zugleich. Im Gaumen ist der Wein saftig, elegant und zeigt einen klaren Saint-Julien-Absender von Noblesse und Eleganz mit Teer und Lakritze im Finish. Was mir besonders gefällt ist seine leicht anmutende Statur bei voller Bordeaux-Aromatik.

Zusammenfassung: Bad label – great wine! 18/20   

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PRIMEUR MACHT SCHON SINN!

Nachdem ein paar Berufskollegen meine Aussagen betreffend «nicht besonders interessanten finanziellen Investitionen» bezüglich jungen Bordeauxkäufen moniert haben, möchte ich hier an dieser Stelle etwas relativieren.


Das Engagement Wein zu subskribieren macht schon (noch) Sinn …

• Wenn man sein Lieblingschateau unbedingt im Keller haben will.

• Wenn man Klein- oder Grossformate auf sicher kaufen will.

• Wenn man den Kellerbestand ausgleicht mit jüngeren Weinen.  

• Wenn man an einem ganz grossen Jahrgang partizipieren will.

 • Wenn man sich auf das attraktive Mittelfeld beim Kauf konzentriert.  

Ein Kauf soll aber nicht mit der Absicht verbunden sein, den Wein später wieder gewinnbringend zu verschachern. Das funktioniert nur bei ganz wenigen Weinen, welche man eh nicht einfach so kriegt. (z.B. Le Pin & Pétrus). Bei allen anderen Crus ist die Chance mittelfristig sein Geld wieder zurück zu bekommen mittlerweile relativ klein.

Als ich 1990 bei Mövenpick begann waren die Primeurweine günstiger als die Weine im Markt. Beim Jahrgang 2000 lagen die Preise bereits auf dem Niveau der Handelsware. Seit zehn Jahren ist der Primeur teurer als die Weine im Markt! Dass die teuersten Bordeaux’ somit in letzter Zeit zu teuer waren, hat wohl jeder Weinfreund längst gemerkt. Mittlerweile sogar auch die kommerziell falsch gelegenen, marktfremden Château-Besitzer selbst. Die hocken nämlich jetzt auf nicht unbeträchtlichen Beständen der Jahrgänge 2015, 2016, 2017 und 2018.

Und jetzt scheint es so, dass allenfalls die grosse Primeur-Party anfangs April ganz abgesagt wird. Dies ist dann die einmalige Chance der journalistischen Einzelkämpfer, welche mit ihren Berichten und Wertungen doch noch die frohe Botschaft des offensichtlich gelungenen 2019er Jahrganges in die Welt posaunen können. Dann haben die Besitzer und Direktoren die «einmalige Chance» sich zum fünften Mal in der Folge beim Preis zu irren.

Aber – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Vielleicht gibt es heuer einen «Corona-Rabatt»!   

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MITTWOCH IST PINOTTAG

Eigentlich trinke ich – in der Regel – nur an jenen Wochentagen einen Pinot Noir welche mit «…tag» aufhören. Aber Mann kann ja mal an einem Mittwoch eine Ausnahme machen.

Die Lust war einfach zu gross. Aus logistischen Gründen musste ich diesen Karton umschichten. Damit er nicht zu schwer war, nahm ich eine Flasche heraus, um meinen Rücken zu schonen. Das war eine gute Idee, wie sich später im Glas herausstellte. Fast kein anderer Winzer macht so dunkle Pinot Noirs in der der Schweiz. Damit meine ich nicht die Farbe, sondern die dunklen, tiefgründigen Aromen welche Jacques Tatasciore aus seinen Weinen herauskitzelt. So beweist er, dass das Wort «Terroir» für ihn kein Fremdbegriff ist.

Seine Weine sind derart beliebt, dass der winesearcher bei der Suche völlig überfordert ist. Und so ist es denn auch so, dass ein stolzer Besitzer von ein paar Fläschchen auch keine mehr her gibt. Gabriel inklusive!

Der 2014 Pinot Noir les Rissieux von der Domaine de la Rochette ist kein massiver Pinot Noir. Auch keiner, den man in Blindproben reinstellt in der Hoffnung, dass er gewinnt. Es ist ein geduldiger, schon fast klassisch anmutender «Neuenburger-Burgunder», den man erwartungsvoll entkorkt, ihm dann nach und nach begegnet, die Genusskommunikation sucht und ihn idealerweise über Stunden begleitet.  

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Bordeaux-Primeurs ...

ES DARF GESPUCKT WERDEN?

Gemäss heutigem Communique hoffen die Bordelaiser Winzer immer noch, dass die gross angelegten Primeur-Verkostungen in und rund um Bordeaux anfangs April stattfinden können. Erwartet werden ein paar tausend Besucher! Mir persönlich scheint dieses Vorhaben mit jedem neuen Corona-Tag immer unwahrscheinlicher. Das wäre aber jammerschade. Denn gekauft werden die jungen Bordeaux fast nicht mehr - aber (bis jetzt noch) immerhin degustiert ...


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CHÂTEAU PALMER «SBL»

Das ist keine Spezialabfüllung, sondern ein ganz normaler Palmer. Mit «SBL» bezeichnen Auktionshäuser und Broker Flaschen mit nicht so schönen Etiketten mit dem englischen Kürzel: slightly bad label. Somit sinkt der Handelspreis gegenüber dem Top-Zustand. Der Inhalt bleibt der Gleiche, sofern der Füllstand o.k. ist.

Der 1990 Château Palmer ist seit Jahren auf einem gefährlichen Zenit. Und das wird auch noch eine gute Weile so bleiben. Das ist die unerklärliche Garantie grosser Bordeaux-Crus. Der hohe Ertrag und der heisse Herbst, welcher die Merlottrauben leicht rosinieren liess, machen aus diesem tänzerisch süssen Palmer fast einen Nuits-Burgunder. So ist er dann etwas weniger gross als die ganz grossen Palmer und dieses Manko wird mit betörendem Trinkspass sofort wieder ausgeglichen.

Warum ich diesen Palmer öffnete? Ich wollte die soeben gekaufte Charge testen, denn ich will mich anlässlich des geplanten Events dann nicht blamieren. Am 19. Dezember dieses Jahres öffne ich nämlich in Sempach 21 Jahrgänge von Château Palmer. Das ist dieser Palmer dann auch dabei. Mit SBL-Flaschen … 

P.S. Plätze hat es momentan noch ... 

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PREMIERS KAUFEN
= SELBER SAUFEN

Wer glaubte mit Premier Grand Crus vom Jahrgang 2010 den grossen Reibach zu machen wird jetzt des Besseren belohnt. Live Ex hat grad die neuesten Zahlen publiziert. Die grossen Namen verloren gegenüber dem Primeurkauf an Wert. Will heissen; man kauft jetzt günstiger als noch vor Jahren.



Die neue Avant-Garte ist das sympahtische Mittelfeld geworden. Und den ehemaligen Premier-Lokomotiven ist der Dampf ausgegangen. Eine gute Nachricht gibt es aber trotzdem für die Investoren. Man ist immer noch «liquide» …

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IN TOPFORM

Gestern wollte ich einen 1999er Pape entkorken. Habe ich auch gemacht. Doch der Kork der korkte. In einem solchen Fall öffne ich nie eine zweite Flasche vom demselben Wein. Ich will nicht gleich zwei Mal enttäuscht werden.

Aber Pape-Clément wollte ich eigentlich schon. Also liess ich mich nicht von dieser Vision anhalten und entkorkte einen 2001er. Bingo! Immer noch sehr dunkel. Die Aromen ebenfalls dunkel. Teer, Lakritze, schwarzer Pfeffer, Holunderbeeren und recht viel rauchiges Cassis.

Ein unglaublich toller 19-Punkte-Pessac. Der würde wohl dem Mission oder Haut-Brion in nicht viel nachstehen. Ausser beim immer noch recht günstigen Marktpreis.

Ein weiter Indikator für die gute Qualität. Die Madame war von diesem Wein auch begeistert.  So sehr, dass ich ehr und redlich teilen musste …




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ANGST VOR UTA

Während Weinfreunde aller Art immer noch für einen richtigen Korken in der Flasche proklamieren, haben Spitzenproduzenten aus Not klammheimlich umgerüstet.

Selbst die angesehene Burgunder-Domaine Leflaive verzapft ihre Weine mit einem DIAM. Aus Angst vor UTA. Das ist eine heimliche Seuche von untypischem Alterston. Nicht ganz unverschuldet sind bei diesem Prozess "natürliche Korken" ...

https://www.diam-kork.com


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BALLETT GRANGE

Im Prinzip ist ein Penfolds Grange immer die Summe aller Dinge.

Also mutet er reich und üppig an. Irgendwann schrieb ich; "er hat von allem was man erwarten kann einfach zu viel".

Doch er kann auch Ballett! Aber nur als Ausnahmeregel.

Gestern haben wir eine Flasche 1992 entkorkt. Ich war erstaunt wir frisch und wie anmutend diese Australien-Legende daher kommt. Irgendwie sind diese fast 30 Jahre Flaschenlagerung spurlos an ihm vorbei gegangen.

Sicherlich gehört der 1992 nicht zu den ganz grossen Grange-Jahrgängen. Das ist aber so ein Shiraz-Blend, bei welchem auch nach dem zweiten Glas noch nicht satt ist.

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SASSICAIA SUPERSTAR?

Wer Sassicaia vorbehaltslos liebt ist entweder zuweilen aromenblind oder ein Etikettentrinker. Nicht selten erhebt er den Anspruch in Blindproben bei den teuersten Loosern zu sein.

Die Geschichte um diesen gefragten Toskaner mit der blauen Kapsel und dem goldenen Stern auf azzurblauem Hintergrund ist so durchzogen wie eine önologische Speckschwarte.
Der 1985er ist eine Legende, welche zu 50 % garantiert korkt. Der 2006 ist mein persönlicher Favorit. Und den 2016 wollen alle haben, weil 100 Punkte.

Gestern entdeckte ich beim Inventarisieren einen einsamen 1995er. Gute Idee! Dachte ich. Was ich ignorierte, obwohl ich es eigentlich hätte wissen müssen; ich habe / hatte ihn zu wenig lange dekantiert.

Also begann er etwas verdeckt, respektive zurückhaltend, respektive minim schwierig. Und er war - weil direkt aus dem Keller - etwas zu kalt. Noch ein weiteres Handicap. Also schob ich das Nachtessen nach hinten und gönnte ihm die Zeit welche er brauchte.


Die Luft tat ihm gut und er zeigte sich als artisanaler Klassiker. Die Frucht war fast weg, die Kräuter nahmen anstelle Platz. Er vermittelte auch erdige Schokotöne, welchen man auch eine Schwarztrüffel-Affinität zumuten könnte.
Zweifellos - er legte zu und war dann fast sehr gross. Aber nur von seiner Körperform und seinem Charakter. Rein önologisch hätte man das schon gewisse Dinge kritisieren können ...

Um ihn in dieser Form vorbehaltslos lieben zu können, muss man (wie Gabriel) etwas tolerant sein. Oder halt ein Etikettentrinker. Dank diesen lebt Sassicaia besonders in den nicht seltenen, schwierigeren Jahren schon ganz lange ...

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LIEGT MEURSAULT AUCH IN LEUTSCHACH?

Bei unserer weinigen Reise durch ganz Österreich durfte die Schweizer Truppe auch in Leutschach Halt machen. Der Winzer Erwin Sabathi zeigte uns stolz seine aktuelle Palette. Die Dinger pfeifen so richtig. Für mich ist der Sauvignon Blanc immer noch die Königstraube in der Steiermark. Sabathi schafft es aber, dass der Chardonnay in letzter Zeit stetig aufgeholt hat.

Ein Beweis für diese Theorie liefert der 2018 Chardonnay Alte Reben Ried Pössnitzberg. Dies ist der beste Chardonnay, welchen ich je aus Austria verkostet habe. Er verdient 19 Punkte. Damit will ich andere Chardonnay-Produzenten keineswegs schmälern. Wenn ich Attribute aufstelle, dann ziehe ich immer alle Faktoren mit in meine Aussagen hinein. Der erwähnte Wein ist bezüglich Intensität, Typizität und Potential einzigartig. Dass er dann auch noch fast wie ein gigagrosser Meursault-Charmes duftet und schmeckt mag (k)ein weiterer Zufall sein …  

Bild: Rundherum die Schweizer Weintruppe. Hinten am Tischkopf; Erwin Sabathi.   

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PATRIOTISMUS

Bei einem Besuch im Weingut Tesch in Neckenmarkt probierten wir schon frühmorgens die ganze Palette durch. Am Schluss stellte uns Hans Tesch den 2015 Patriot auf den Tisch.

Nach ein paar Sekunden Nasenkontakt zückte ich verzückt ein Blatt Papier und schrieb es voll. Eigentlich musste ich selber gar nicht schreiben – es «schrieb von selbst» mit mir. So aus der Erinnerung notierte ich zu diesem sehr dunkelroten Blaufränkisch: Mineralische Nase, dunkle Schokonoten, reife Pflaumen, Kaffee, schwarze Pfefferkörner, Teer und Mahagoni. Im Gaumen zeigt er Muskeln, aber auch eine verschwenderische Ration Fleisch, gibt sich barock, ernsthaft und ist derart maskulin, dass sein Körper zum hünenhaften neigt.  

Der Patriot stammt aus sehr alten Reben (40 bis 60 Jahre alt). Der relativ lange Ausbau in 225-Liter Eichenfässern macht ihn zum modernen Wein-Fels in der Blaufränkisch Brandung.

P.S. Was ich selten mache; ich fragte nach einer zweiten Flasche. Die tranken wir dann genüsslich am folgenden Sonntag bei Roman Jäger in Weissenkirchen. Notizen machte ich mir keine, weil ich mich ja an das voll beschriebene Blatt meines Winzerbesuches erinnerte. Jetzt ist eine Woche vergangen und ich finde einfach meinen Zettel nicht mehr. Aber an den genialen Wein kann ich mich noch bestens erinnern. Und das wird wohl noch lange so bleiben. 19/20!  

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KOLLWENTZ MIT JAHRZEHNTE-GARANTIE

Was Kollwentz kann, können nur wenige Austria Winzer. Auf so hohem Niveau seit Jahrzehnten abliefern. Jetzt habe ich grad die aktuelle Palette durch degustiert. Auch dies zeichnet einen Winzer aus. Bei Kollwentz merkt man fast nicht, ob es sich um einen grossen oder eventuell um einen etwas schwierigeren Jahrgang handelt.
Wir standen zuerst im Keller und durften alle Chardonnay 2019 ab Fass durchkosten. Das wird ein Spass auf ganz grossem Niveau.

Danach waren die aktuell bereits gefüllten Rotweine im Glas. Auch hier ist die Latte hoch gelegt. Mein Favorit von Qualität-Preis und Leistung: 2016 Blaufränkisch Ried Setz. Meine Bestellung ist bereits unterwegs …  

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LETZTER WILLE – KNOLL MARILLE

Vor ein paar Jahren schrieb ich, dass ich gerne in meinem Sterbebett als letzten Schluck einen 1937 Château d’Yquem trinken möchte. Mittlerweile ist genau diese allerletzte Flasche einer Raritätenverkostung zum Opfer gefallen. Also muss ich mich hinsichtlich des «letzten Tropfens vor dem Ableben» zwanghaft neu orientieren.

Ein paar Monate war ich jetzt grad ohne Knoll Marillenschnaps. Wie habe ich diesen Brand vermisst. Nicht dass ich ihn täglich trinke, aber so zwischendurch einen kleinen Schluck in einem Espresso macht da jeden Kaffee noch etwas besser. Oder als Sonntagsmittagsbelohnung nach einem vorzüglichen Mahl eignet er sich ebenso hervorragend. Bei unserem Besuch in der Wachau wurde dieses Manko jetzt endlich wieder ausgeglichen. Ein paar von diesen kleinen Flaschen liegen wieder jederzeit bereit für alle Fälle. Und auch für den letzten Fall.

Das ist dann wohl viel gescheiter wie Süsswein. Nicht auszudenken, wenn ich in meiner letzten Phase zuckerkank wäre. Dann wäre dieses Unterfangen der Gesundheit möglicherweise sehr abträglich.

Also habe ich mein Testament von Yquem-Sauternes auf Wachauer Marillenbrand von Knoll abgeändert. Der hat immer Saison und er desinfiziert sogar noch …    

#humoristwennmantrotzdemlacht

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SATURIO AUF SENSATIONSKURS

Die Erfolgsgeschichte geht weiter. Saturio heisst der wohl beste Merlot aus Österreich. Momentan wird die fünfte Edition (Jahrgang 2018) auf den Markt gebracht. Dank perfekten Wetterbedingungen wurden davon erstmals mehr als tausend Flaschen gefüllt. Die Vision von Andreas Nikolai geht auf.

Saturio ist zwar irgendwie schon ein «Geschenk der Natur», aber auch hier gilt das Motto «ohne Fleiss keinen Preis». Handarbeit prägt diesen genialen Merlot vom Rebberg bis in die Holzkiste. Wer den Anspruch erhebt alle grössten Weine dieser Welt schon einmal im Glas gehabt zu haben, der hat mit dem Saturio jetzt ein neues Must!  

2018 Saturio Ried Bügeln, Garagenwinzer Nikolai, Thermenregion: Preis ab 128 Euro. Produktion; 1100 Flaschen, plus ein paar Grossflaschen. 100 % Merlot. Ausgebaut in drei Taransaud und zwei Seguin-Moreau Barriquen. Violett-Rubin mit lila Rand. Spontanes, delikates Bouquet. Dies startet mit roten Kirschen (Weichseln) und leitet über bis hin zu Schwarzkirsche. Nach ein paar Sekunden treten Himbeeren und Walderdbeeren ins Nasenbild. Dies in frischer bis hin zu schier berauschend konfierter Form. Es handelt sich da um einen faszinierenden, schier parfümiert wirkenden Fruchtreigen. Minime Kräutertöne und ein floraler Schimmer frischen das Ganze noch mehr auf. Nach ein paar Minuten zeigen sich Edelhölzer, zartes Vanillin und helles Caramel. Im Gaumen ist er, gleich von der ersten Sekunde weg, eine der elegantesten Varianten alles bisherigen Saturio’s. (Erster Jahrgang 2014). So mutet denn diese Guntramsdorfer-Rarität eher mittelgewichtig an. Das Extrakt und die Tannine zeigen eine hohe Reife an und bilden so eine feine, royale Adstringenz. Die Säure ist bereits perfekt integriert und produziert eine wunderschöne Länge im gebündelten Fluss. Man kann sich daran nicht satt trinken. Diesmal kommt er gefährlich «pomerolig» rüber und man könnte ihm durchaus eine nicht unbescheidene La Conseillante-Affinität andichten. Das Potential ist mit 20jähriger Garantie ausgestattet. Dieser fantastische Saturio ist die zärtlichste Versuchung, seitdem es Merlot gibt! 19/20 beginnen

Bezugsquellen: für EU: https://garagenwinzer.at/
In der Schweiz gibt’s ein paar Flaschen bei www.gerstl.ch


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ARACHON: VON EVOLUTION ZU REVOLUTION

Das Wort «Evolution» ist mit dem Jahrgang 2017 auf dem Etikett verschwunden. Ersetzt wurde es durch den schlichten Schriftzug «Burgenland». Dieser neueste Jahrgang ist derartig sensationell, dass die honorigen Namensgeber (Szemes, Pichler, Tement) auch «Revolution» hätten aufprägen können.

Den Arachon gibt es mittlerweile schon mehr wie 20 Jahre. Der Erstlingsjahrgang 1996 war zwar sehr gut, wurde in der Szene – trotz pompöser Ansagen – zaghaft aufgenommen. Im Prinzip zeigte diese ehrgeizige Idee, dass man im Burgenland Qualität multiplizieren kann. So zusagen das «Mondavi-Prinzip». Der Arachon fand in der Folge viele Fans. Doch die Vision konnte (noch) nie so richtig erfüllt werden. Zugegeben, das Produkt litt nicht nur unter Jahrgangsschwankungen, sondern unterlag auch veritablen Vinifikations-Achterbahnen. Dabei gebe ich gerne zu, dass mich nicht wenige ältere Jahrgänge nach ein paar Jahren Flaschenreife oft positiv überraschten.

Der 2017 Arachon ist derartig sensationell, dass es sich für Austria-Rotweinfreaks, Gastronomen und Händler wieder lohnt auf die neue Zugskomposition aufzuspringen. Dabei ist dieser «neue Arachon» ein noch deutlicheres Blaufränkisch-Zugeständnis als je zuvor. 85 % befinden sich im perfekten Blend, welcher mit Zweigelt, Cabernet Sauvignon und Merlot ergänzt wird. Erstmals wurden auch Trauben von Schieferböden aus Höhenlagen der Region Neckenmarkt selektioniert. Diese liefern diese unglaubliche Primärfrucht. Das Fundament besteht wie bisher aus dichten, schweren Lehmböden. Der Weinmacher ist Oscar Szemes. Er hat sich mit diesem sagenhaften Wein ein mittelgrosses Denkmal gesetzt.    

2017 Arachon T•FX•T, Burgenland: Sehr dunkles Violett, rubiner Rand, in der Mitte fast Schwarz. Intensiver, geradliniger Bouquetbeginn. Brombeeren, Cassis und Lakritze quengeln im ersten Nasenansatz nach vorne. Der zweite Bouquet-Eindruck zeigt Vanillemark, Pumpernickel, Mocca, schwarze Pfefferkörner und dunkle Pralinen. Die feine Süsse versprüht eine Prise Erotik. Im Gaumen dicht und fein gleichzeitig elegant. Die Gerbstoffe sind seidig, der Körper lang und ist jetzt schon mit viel Charme unterwegs. Das Finale gebündelt lang und wieder ein Reigen von schwarzen Beeren und Black-Currant. Hier wird ein neues Kapitel vom Arachon geschrieben. Dieses wunderschöne Exemplar gehört fraglos zur Austria-Rotwein-Elite. Obwohl der Wein ein versprechendes Potential aufweist, vermittelt er ein nahezu hemmungsloses Verkostungserlebnis. 19/20 beginnen   http://www.arachon.com/

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BORDEAUX 2017

Kaum abgefüllt - schon degustiert! André Kunz hat mehr als 50 Bordeauxweine vom Jahrgang 2017 verkostet und bewertet. Alle Farbfacetten, also weiss, rot und süss. Sehr gute Weine, welche sich sehr gut für den Genuss, aber nicht für sehr lange Lagerung oder für Spekulation eignen. Die Preise sind leider nicht besonders attkartiv. Da der Primeurhandel eher schwach war, ist es anzunehmen, dass da und dort gewisse Aktionen auftauchen werden. Einem Wein hat André Kunz 19/20 Punkte verliehen. Welcher das ist erfährt man auf www.bxtotal.com

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KRIEG-SAUTERNES

Kaum vorstellbar unter welchen Bedingungen die Winzer ihre Weine mitten im Krieg herstellten. Flaschen gab es nur noch eine Sorte. Keine grünen und auch keine durchsichtigen. Praktisch nur noch bläulich-grüne. Aus zusammengeschmolzenen Restposten.
Und mitten in diesen schwierigen Bedingungen ist im sonst als sehr bescheiden gehandelten Jahrgang 1943 ein kleines Sauterneswunder entstanden. Dieser Rieussec ist fast schwarz. Der Wein ist nicht besonderlich süss, aber extrem aromatisch mit rauchigen Korinthenspuren und kaltem Darjeeling. Ein unerwartetes Konzentrat. Ein Wein der zwar glücklich, aber gleichzeitig auch nachdenklich macht. 18/20

P.S. Auf dem Bild kann man im Hintergrund den nicht ganz unbekannten Sponsor erkennen.
www.sauternes.ch   

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MALANSER CHAMBERTIN?


Die Versteigerung vom ersten Jahrgang 2013 mutierte zur schweizerischen Sensation. Ehrgeizige Bieter legten für eine einzige Flasche von diesem sagenhaften Pinot Noir bis zu 1000 Franken hin …

Auch der 2015er dürfte zur «Crème de la Crème» in der Schweizer Rotweinszene mutieren. Denn – es sind ganz grosse Wertungen der einflussreichsten Journalisten zu erwarten. Die Produktion; zwei Pièçen. Abgefüllt wurden total 585 Normalflaschen. 120 Bouteillen davon dürfen wir exklusiv an der Weinbörse-Auktion im Mai 2020 in Bad Ragaz anbieten. Es gelangen keine weiteren Flaschen in den Verkauf. Schliesslich heisst «Privée» ja auch privat!





2015 Pinot Noir Privée, Donatsch: Aufhellendes Rubin, feiner Rand aussen. Umwerfend süsses, reifbeeriges Bouquet, welches im zweiten Ansatz anfänglich Waldhimbeerduft versprüht und dann kandierte Fruchtkomponenten widergibt. Bereits das Nasenbild ist ausufernd und berauschend. Nach und nach treten Kirschen, Cassis und Maulbeeren in den gigantischen Fruchtreigen. Im Gaumen geht diese Pinot-Drogen-Aromatik nahtlos weiter. Der Körper ist einerseits kompakt, tanzt aber gleichzeitig förmlich über die Zunge. Die Aromatik bleibt auch hier mittig im rotbeerigen Bereich und polarisiert mit der feinen, bereits integrierten Säure mit roten Johannisbeeren und Himbeergelee. Die Intensität ist zwar verlangend, aber auch hier schafft es dieser Wein mit Grazie und Balance zu überzeugen. Nebst der primär verschwenderischen Frucht findet man hier deutlich Anzeichen von floralen Zügen und Würze. Dies in Form von Zedern und weiteren Edelhölzern, sowie einem ersten Schimmer von hellem Tabak. Das Finale ist erhaben und zeigt zarte Spuren von Nusspralinen, Kokos und Vanille. Dieser Bündner Weltklasse-Pinot steht nicht nur mit einem Bein im Burgund, sondern mit beiden Füssen mitten im Chambertin. Das Potential ist gewaltig und trotzdem wird dieser Ikonen-Donatsch immer eine Jugendsünde wert sein. «Enjoyment by excitement!».  20/20 (René Gabriel)

Infos zur Versteigerung: www.weinboerse.ch

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In meiner Hauszeitung gefunden. Wusste ich auch nicht ...
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HETEROGENES SPITZEN-WEIN-QUARTETT
 
Heterogenität bezeichnet die Uneinheit-lichkeit der Elemente einer Menge oder deren Bestandteile. Der Begriff kommt in allen Natur- und Geisteswissenschaften vor. Als heterogen wird das übergeordnete System bezeichnet, nicht seine einzelnen Bestandteile. Im Gegensatz zu Heterogenität steht Homogenität.

Glauben Sie mir jetzt aber bitte nicht, dass ich so clever bin und diese Beschreibung der Heterogenität selbst hinschrieb. Einmal mehr ist mir an dieser Stelle das allwissende Wikipedia zu Hilfe gekommen.
Im Fall dieses, als Titelbild benutzen Weinquartetts, steht das heterogene dafür da, dass diese vier Flaschen, zumindest auf den ersten Blick, praktisch nichts miteinander zu tun haben. Und das kann man auch durchaus so im Raum stehen lassen.

Kein Etikett gleich dem andern. Es sind schon auffällige Labels, aber ganz unterschiedliche.

Der Wein ganz links im Bild ist ein 100prozentiger Merlot. (Masseto). Der Pomerol setzt auch auf einen Blend, in welchem man schon ganz viel Merlot findet. Der wichtigere Part in der Assemblage ist der Cabernet Franc. (L’Eglise-Clinet). Ganz viel Cabernet ist im nächsten Bordeaux drin. Ergänzt durch einen minimen Anteil von Cabernet Franc. Der in New York lebende Künstler Jeff Koons durfte sogar noch ein «Bildli» malen, damit die Flasche besonders hübsch aussieht. (Mouton-Rothschild). Dagegen kommt der Spanier rechts im Bild dann schon ziemlich brav rüber. Ein Schriftzug mit sechs Buchstaben, ein Jahrgang und ein kleiner blauer Punkt. Simpel, aber effizient. (Pingus).

Ein Italiener aus der Maremma (Masseto). Ein Pomerol der vom rechten Garonne-Ufer stammt (L’Eglise-Clinet), ein Pauillac links von der Gironde (Mouton-Rothschild) und Spanier aus ein Ribera del Duero (Pingus).
Da gibt es keinen gemeinsamen Nenner!

Aber – irgendwie findet man dann doch gewisse Parallelen. Man muss nur etwas studieren und vor allem genauer hinsehen.
Alle Weine sind vom grossen, versprechenden Jahrgang 2010. Und der war in all den genannten Gebieten grossartig bis sensationell.
Hinter jeder dieser Flaschen steht ein nicht unbescheidener Marktwert. Und dieser beträgt bei jedem Exemplar mehrere hundert Franken.
Was man möglicherweise nicht so genau sieht, alle Flaschen sind leer. Also hat «Mann» diese getrunken.
Mit «Mann» sind Mannen gemeint. Der Bärti, der Adi, der Christoph und der René.
Wir treffen uns gelegentlich zum Jassen. Mal in der Innerschweiz, mal in der Nähe von Zofingen. Da nimmt jeder jeweils eine schöne Flasche zum Lunch mit. In der Regel bleiben wir bei der Selektion «für unsere Verhältnisse» relativ normal. Diesmal ist es sich so leider nicht ausgegangen. Und das kam so …

Mein Freund Bärti rief mich an und fragte, was ich da so an Wein mitnehmen würde. «Weiss nicht» antwortete ich und fragte zurück, «was liegt auf der anderen Seite an?»

Seine darauffolgende Antwort legte die Messlatte unwiderruflich fest: «Die rauschen mit einem Eglise-Clinet und mit einem Pingus an. Bei vom Jahrgang 2010.». Dann ergänzte er noch beipflichtend; «Ich komme mit einem Masseto 2010».
Ich ging mein Excel-Weininventar durch und legte den Filter mit «2010» rein. Also musste ich nach etwas suchen, was zwar nicht reinpasste, aber auch relativ gut zum vorgelegten Budget harmonisierte.

Und schwupp, musste ich einen Château Mouton-Rothschild 2010 ausbuchen.

Der Bericht und die Verkostungsnotizen aller Weine: www.bxtotal.com

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NICHTS FÜR ETIKETTENTRINKER

Früher waren es die Sammler, welche Flaschen von Mouton-Rothschild erwarben und dann erhofften, dass sich der Wert, wegen den schönen Etiketten steigern würde.

Meist lümmelten die Flaschen dann zur Ansicht im Keller rum und nicht wenige davon waren nach ein paar Jahrzehnten nur noch zum Anschauen schön, weil der Inhalt über dem Zenit war.

Der Mouton 2000 hat keine Etikette, sondern eine Prägung und trotzdem steigt sein Wert in den letzten Jahren stetig. Momentan liegt der Preis schon fast bei 2000 Franken im Handel. Plus Verpackung, Transport und Mehrwertsteuer.


Wir haben ihn in einem hier nicht genannten Restaurant für 1000 Franken entdeckt. Inkl. Transport und Mehrwertsteuer. Und erst noch charmant von Tina serviert.

Zugegeben der Wein ist sensationell. (20/20). Was mir an der Story nicht so ganz gefällt, ist die Grösse und das Gewicht der neuen Mouton-Flaschen seit genau diesem Jahrgang. Das Understatement der normalen Bordeauxflasche hat auf massigen Exhibitionismus gewechselt. Das hat ein so grosser Wein eigentlich gar nicht nötig ...

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KÄGI’S ZWEIHUNDERTFRANKENWEINGRENZE

Richard Kägi ist der René Gabriel der Foodszene. So mal hier einfach platziert mein simpler Vergleich, um ihn mit einem Satz zu beschreiben. Dabei muss ich zugeben, dass wir uns noch nie auf Augenhöhe begegnet sind. Schade. Das müssen wir ändern. Noch in diesem Jahr …

Es ist praktisch gleich alt. Nur ein minimes Jahr jünger. Während ich mich stufenweise aus dem Weinzirkus zurück ziehe, ist Kägi allgegenwärtig und unermüdlich. Seine foodigen Posts sind nicht nur Appettitanreger, sondern auch nachmachsüchtigmachend. Bei seiner «Lasagne vegetariana» würde ich mich jederzeit auf einen fleischlosen Tag freuen.

Wer bereit ist, für Lebensmittel weniger auszugeben, der bekommt die grössere Auswahl. Dieses Motto gilt für Kägi nicht. Er macht zwar mit einfachen Dingen ein bestmögliches Gericht, geizt aber nicht bei der Selektion der Zutaten. Darf er auch nicht, denn bei Globus ist Lebenmittelramsch tabu.    

Doch nun zum kürzlichen Interview im Vinum. Da stellt ein Journalist dem Kägi ganze 25 Fragen. Die Antworten kommen nach dem P-P-P-Prinzip. Präzis. Prägnant. Persönlich. Dabei hat man beim Lesen das spontane Gefühl, dass Kägi’s Antworten ein klares Motto deklarieren. «Am besten sagt man die Wahrheit. Dann weiss man nach ein paar Jahren noch, was man damals gesagt hat».
Zwei der Antworten lassen mich sutzen. Da wird nach dem besten Wein seines Lebens gefragt und wo er den getrunken habe. Kägi antwortet: «Hermitage La Chapelle 1961. Zuhause. Alleine». Das ist auch meiner Legendenlieblinge. Nur so zum Gwunder gehe ich schnell auf den winesearcher.com und schaue, was man da noch im Markt so finden könnte. So um 10'000 Franken kostet ein Flacon von dieser Ikone. Leider mit wenig Garantie, dass man da noch eine echte Flasche bekommt. Der war früher billiger, viel billiger. Denn …

Bei der fünften Frage fragt der weinige Journi den foodigen Kägi: «Welcher Wein ist für Sie preislich eine Sünde wert?». Die Antwort folgt unwiderruflich und deklariert einen diskussionswürdigen Ausspruch: «Mehr als 200 Stutz ist kein Wein der Welt wert».
Ich lese diese Aussage und mache mir dazu ein paar Gedanken. Verwerfe diese aber gleich wieder. In den folgenden Tagen kreist dieses Thema aber immer wieder vor meinem geistigen Anlitz. Macht Selbstlimitierung in diesem Sinne einen Sinn? Der italienische Winzer Silvio Jerman kreierte einst einen Chardonnay mit dem Titel «Where dreams have no end». Der kostet zwar nur etwa 50 Franken, deutet aber darauf hin, dass Weinträume unendlich sein können.

Muss man, wenn man von einer Weineinkauf-Obergrenze von 200 Franken spricht, auch annehmen, dass Kägi denselben Betrag für ein Menu bei einem Spitzenkoch nicht auszugeben bereit ist? Nach dem Berechnungsmotto: Kein Spitzenwein – kein Spitzenkoch! Verzicht gleichzeitig auf Mouton-Rothschild, Andreas Caminada, Masseto, Peter Knogl, Opus One, Franck Giovannini und Egon Müller?
Wie schaut es denn in dieser Sache bei mir aus? Wenn ich Wein mit Essen vergleiche und mir dabei die ganz persönliche Budgetfrage stelle? Im direkten Vergleich mit Kägi! Ich brauche keine Spitzenköche um glücklich zu sein. Denn ich hasse grosse, unübersichtliche und zeitraubende Menuabfolgen bei denen man sich einen Tag später nicht mehr erinnern kann, was man da überhaupt durcheinander gegessen und auf den stets farblich und in der Grösse ändernden Tellern vorfand. Zudem ist bei Spitzenköchen der Wein meist sinnlos überteuert. Immer mit der begleitenden Begründung, dass man an einem sündhaftteuren Menu in der Gastronomie heutzutage nichts mehr verdienen kann.

Im Kopf versuche ich mich zu erinnern, was ich in den letzten Wochen so im Gabriel-Glas hatte. Es gelingt mir unglaublich viel der entkorkten Flaschen zu evaluieren und zu rekonstruieren. Ich bringe all diese Erlebnisse auf ein Blatt Papier und schreibe die ungefähren, aktuellen Marktpreise dahinter. So gesehen haben Kägi und ich das Heu absolut auf dersleben Bühne. Ich liege sogar noch 20 Franken darunter. Also bei nur 180 Franken pro Flasche. Im Schnitt …  

Mehr über den spannenden Food-Scouter: www.richardkaegi.ch

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GÖTTLICHES HAHNENWASSER

Wasser ist Bestandteil aller Körperzellen und ist nötig für den Stoffwechsel. Wasser regelt die Körpertemperatur, nicht nur wenn wir im Sommer schwitzen. Trinken wir zu wenig, schadet das unseren Organen – und zwar allen. Ausserdem brauchen wir ausreichend Flüssigkeit für Gehirn, Schleimhäute, Verdauung und Nieren.

Das weiss Wikipedia. Und eigentlich wissen wir das ja alle auch. Nur nicht im Detail und auch nicht im Gesamten. Also trinken wir Wasser, weil man das muss und weil wir uns es so gewohnt sind.
In den letzten Monaten bin ich zu Hause komplett auf Hahnenwasser geswitcht. Zwar wollten mir ein paar freundliche Berater eine nichtganzbillige Wasseraufbereitungsanlage verkaufen. Ich war sogar kurz davor, mir so ein Ding anzuschaffen.

Im Internet habe ich mich dann erkundigt, woher eigentlich das Trinkwasser von Eschenbach stammt. Die gefundene Info: «Von Eschenbach ausgehend verläuft über Ballwil nach Hochdorf im Untergrund eine eiszeitlich angelegte Felsrinne. Dieser alte Felstrog wurde durch einen Schotterkomplex aufgefüllt und mit einer Moränendecke wieder überdeckt. Der darin zirkulierende Grundwasserstrom beginnt nördlich von Ballwil und teilt sich dann in zwei Arme: der eine fliesst südwärts gegen Eschenbach, der andere nordwestwärts gegen Hochdorf». Weiter wird bezüglich der Qualität wie folgt informiert: «Die Qualität unseres Wassers entspricht den strengen chemischen und mikrobiologischen Anforderungen des Lebensmittelgesetzes. Regelmässige, eigene Kontrollen, sowie durch das kantonale Laboratorium garantieren eine einwandfreie Qualität des Trinkwassers».

Also trinke ich das «Südwasser», direkt aus dem häuslichen Wasserhahn. Es schmeckt göttlich und ist sehr erschwinglich. 1000 Liter kosten mich CHF 1.30. Also kostet mich der abgebildete Liter. 0.13 Rappen. Nichts gegen ebenbürtiges, weit transportiertes und in PET-Flaschen abgefülltes Mineralwasser. Das schaut in den Regalen, dank anmächeliger Werbung, immer wunderschön aus.  Auf dem Müll ergeben diese geschrumpelten PET’s aber leider ein durchwegs hässliches Bild. Und wecken, wenn man nicht ganz skrupellos ist, auch gewisse Schuldgefühle.

Göttliches Hahnenwasser! Nutzen wir es, solange es dies in dieser Qualität mit Gratis-Hauslieferung noch gibt …

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CHÂTEAU HAUT-BRION
 
Manchmal reicht der Name von einem Château als Titel völlig aus. Besonders wenn es sich um einen der allerbesten Bordeaux-weine überhaupt handelt. Und wie immer braucht es für eine gute Geschichte; a.) Wein, b.) Freunde, c.) einen Austragungsort, d.) viele Gläser und e.) ein feines Menu dazu.

Insgesamt kamen so 17 Jahrgänge von 1926 bis 2000 zusammen. Der ganze Bericht. Ein paar Eindrücke unten ...

OBERDEKANTIERER

André Kunz, der Organisator betätigte sich selbst als «Oberdekantierer». Was sich so leicht anhört, ist sehr konzentrierte Arbeit. Besonders, wenn alte Flaschen im Spiel sind ...
HAUT-BRION-GENUSS MACHT ALT  

Zumindest beweist diese These die Historie.

Ein ehemaliger Besitzer von Château Haut-Brion, Jean de Pontac, heiratete zwei Mal und zeugte 15 Kinder.

Er starb im Jahr 1589 und wurde 101 Jahre alt!

1929 Château Haut-Brion: Sehr dunkles Weinrot, zart oranger Rand, in der Mitte satt. Traumhaftes Bouquet, sehr vielschichtig, Rosinenduft, Kruste von Sauerteigbrot, Schokodrink, irgendwie erinnert er auch einen Château Rayas mit seinem kräutrigen Terroirduft. Im zweiten Ansatz; Kandis und reifer, gigantischer Port. Im Gaumen süss und delikat, er tanzt richtig gehend über die Zunge. Die Resttannine sind hoch fein und liefern eine royale Adstringenz und stützen so diesen hoch klassischen, perfekt gereiften Haut Brion. Er ist monomental ohne Arroganz zu sein. Zeigt Power und Finesse und erinnert im Finale geschmacklich an einen hoch reifen Sauternes, ohne dabei parallel die Süsse zu applizieren. Ein Pessac-Reigen der alle Weinsterne tanzen lässt. Das gigantische Universum der Pessac-Galaxien. 20/20 trinken  
UNITED FLAVOURS OF HAUT-BRION

Aus lauter Vorfreude habe ich mich am Vortag an den Computer gesetzt und mir überlegt, was ich da so alles an Haut-Brion-Aromen antreffen werde. Nach langen Überlegungen und emsiger Arbeit ist diese Power-Point-Collage (Bild oben) entstanden. Natürlich besteht ein ganz grosser, reifer Bordeaux aus mindestens 1001 Aromen. Hier folgend trotzdem ein Versuch den wichtigsten Aromen-Kategorien auf die Schliche zu kommen.  

Cassis: Aus dem Französischen stammend, ist im Schweizer Sprachgebrauch recht üblich. In Deutschland und Österreich wird dafür aber der eigentlich richtige deutschsprachige Begriff verwendet. Bei dieser kleinbeerigen Frucht handelt es sich um die schwarze Johannisbeere. (Ribes nigrum). Auf der Collage ist Cassis für weitere, mögliche schwarze Beeren abgebildet. Manchmal kommt er im Gaumen von Cabernet-Blends auch als Black-Currant-Pastillen in einer leicht süsslicheren Form vor.


Kirschen: In ganz grossen Jahrgängen schmeckt der Haut-Brion in der ersten Jugend nach schwarzen Kirschen. Ist der Vegetationsverlauf kühl so kann die Fruchtaromatik auf rotkirschige Tendenzen switchen. In miserablen Jahren gar auf Weichseln. Dies kam aber in den letzten Dekaden nie mehr vor.

Korinthen: Heute werden rosinierte Trauben bei der Entrappung durch das Tri-Optikverfahren ausgesondert. Früher vergärten diese Kümmerlinge mit. Daraus entstand in der vollen Reife die Geschmacksaffinität zu getrockneten Trauben. Ein Effekt, welcher in den Bordeauxweinen der heutigen Zeit praktisch eliminiert wird.  

Birnel: Früher nannte man dieses Produkt «Birnenhonig». Heute wird Birnel als eingedickter Birnensaft deklariert. Oder im Welschen als «Vin cuit». Wegen seinem Ruf als besonders gesundes Lebensmittel wird Birnel seit 1952 als Solidaritätsprodukt vom Bund verbilligt und durch die «Winterhilfe» verkauft. Im Birnel finden sich ähnliche Aromen wie in flüssigem Malz. Auch dieses Element findet man im Haut Brion reichlich in hellen bis dunklen Formen.   

Kräuter: Diese habe ich in frischer wie auch getrockneter Form abgebildet. Alles ist bei einem Pessac möglich und nix is fix. In «coolen» Jahren kann man in einem Haut-Brion gar einen Touch von Eucalyptus finden. So erinnert der 1986er zuweilen an einen Cabernet Sauvignon aus Napa mit minimer Chile-Affinität. Minze kann ein stetiger Begleiter sein. Und Küchenkräuter aller Art. Manchmal mutiert ein Haut-Brion gar in einen veritablen Appenzeller-Kräuterlikör, wie beispielsweise beim Jahrgang 1934.

Tabak: Auch hier gibt es Jahrgangsnuancen. Havanna Cigarren ist so das mittlere Grundaroma, welches man in fast allen Jahrgängen nach ein paar Dekaden Reife antreffen wird. Für mich ähnelt der Haut-Brion am ehesten einer Cohiba. Geht ein Jahrgang besonders in die Tiefe, so findet man Brazil-Tabak. Bei leichteren Variationen duftet es aus dem Glas herrlich nach dominikanischen Cigarren.  

Trüffel: Hier fokussiert sich dieser Pessac-Premier auf den «Tuber melasponum», also auf den Perigord Trüffel. Die tiefgründigen Trüffelaromen sind eine der bestmöglichsten Formen der Terroir Expression. Dieser Duft entsteht oft erst nach 40 bis 50 Jahren im Wein. Formen von getrockneten Pilzen aller Art findet man praktisch in allen gereiften Rotweinen. Formel: Je mehr Trüffel – desto teurer ist der Wein.
 
Teer: Dieses Aroma kennen wir am gebräuchlichsten als Asphalt, Pech, Karbonileum oder Bitumen. Irgendwie zeigt diese Definition die Tiefe eines Weines an. Aber auch die mineralischen Konturen. Die flüchtigen Anteile erinnern so an Benzin, Kerosin oder auch Heizöl.

Jod: Gilt als essentieller Mineralstoff. Nicht wenige Lebensmittel werden aus gesundheitlichen Gründen «jodisiert». So zum Beispiel das gebräuchliche Tafelsalz. Unter anderem wird dieses Produkt aus Meeresalgen gewonnen aber auch aus salzhaltigen Steinen (auf dem Collage-Bild ganz unten in der Mitte). Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO verfügt einer von drei Bürgern über unzureichenden Jodhaushalt im Körper. Wer also viel Haut-Brion trinkt, kann hier vorbeugen …

Rauch: Damit meine ich nicht der Qualm, welcher beim Abbrennen von Brennstoffen entsteht, sondern der kalte Rauch in verminderter, abgeschwächter Form. Die Aromen von Rauch ordnet man in der Weinbranche alten Reben, wie auch tiefgründigen Terroirs zu. Meist sind diese Duftsymptome beim Cabernet Sauvignon aber auch bei Weinen aus Syrah zu finden.    

Zedernholz: Holz spielt bei einem Wein eine grosse Rolle. Der Rebstock ist aus Holz. Der Wein wird oft in grossen Cuviers aus Holz vergoren. Dann wird der Bordeaux – wie alle grossen Rotweine dieser Welt – in Holzfässern (Barriques) bis zur Flaschenabfüllung gelagert. Grosse Weine duften in der Folge nach noblen Edelhölzern. Nicht selten nach Zedernholz. Vor allem die Weine aus Saint Julien dem Graves-Gebiet. Das Zedernholz findet man auf meinem Installationsbild übrigens als Hintergrund.     

GROSSE WEINE SIND MESSBAR

In den letzten 30 Jahren sind Bewertungen und Beschriebe von Weinjournalisten im Markt immer einflussreicher geworden.
Also kann man – im Prinzip – kleinere Weine von grossen Gewächsen optisch durch Punktedifferenzen unterscheiden.

Doch es gibt auch noch eine andere Methode.

Bei Messungen verschiedener Weine im Massenspektrometer wurden festgestellt, dass einfachere Weine über wesentlich weniger Moleküle verfügen, als hoch klassierte Weine.

IMMER TEURERE LEGENDE

1989 Château Haut-Brion: Sattes, dunkles Weinrot, wenig gereift (kürzlich hatte ich andere Flaschen welche reifer wirkten). Ein Wahnsinns-Aromen-Reigen schon im ersten Nasenansatz. Pflaumen, dunkle Rosinen, Pflaumenkompott, Cigarren, Eucalyptus, Melissentouch, Kamille. Einerseits wirkt er nasal noch jung, andererseits hat man das Gefühl, dass er schon mehr als nur Alles in der Nase zeigt. Das Bouquet ist gigantisch über die ganze Zeit, wirkt pfeffrig, würzig, malzig und extrem tiefgründig. Im Gaumen saftig, minim und laktisch. Da liegt alles immer noch im extrem schwarzbeerigen Bereich. Zeigt noch viel Gerbstoffe, diese verlangend und fein gleichzeitig. Daraus resultiert einer fast schizophrene Tannin-Situation. Druckvoller, katapultartiger Nachhall. Was heiss da Nachhall? Er ist wie eine TGV-Aromen-Lokomotive unterwegs. Dies war eine perfekte und somit auch dramatische Flasche! Fünzig Jahre Genussgarantie! Die Marktpreise? Knapp unter 2000 Franken. Tendenz leider immer noch steigend. 20/20 trinken

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HÄNDE WEG VON TEUREN BORDEAUX WEISSWEINEN

Bei einer Raritätenprobe standen kürzlich die teuersten Weissweine vom Bordelais, namentlich aus der Region Pessac-Léognan, auf dem Trapez. So zwischen 600 bis 1200 Franken das 75cl-Flacon. Und es kam wie es kommen musste, denn – irgendwie hatte ich den zu erwartenden, eher bescheidenen Genuss schon vorsehbar im Hinterkopf gespeichert. In der Runde setzte Ernüchterung ein. Was im Glas so wunderbar Weiss, gelblich und Grün strahlte, war nasal eher fruchtlos und im Gaumen spannungslos.

Was erwartet man von einem teuren Weisswein? Dass er allenfalls lagerfähig ist und dabei möglicherweise an Aromen zulegt und in der Folge seine Mineralität zeigt. Genau das letztere ist das Problem. Und – dass wissen auch jene Weinfreaks, welche schlecht rechnen können. Eine mangelnde Mineralität kann man leider nicht mit einem hohen Preisniveau ausgleichen. Die teuersten Weissweine vom Bordelais sind aktuell der La Mission und Haut-Brion. Sämtliche Preise der neueren Editionen liegen da über 500 Franken. In den letzten 20 Jahren haben sich deren Preise vervielfacht. Auf meine Frage hin, warum das so sei, meinte der Direktor: «Wir haben so wenig davon».

Verkaufbar sind diese – trotz hohem Preis sowieso. Denn, wer als Négociant die Rotweine dieser Dillon-Besitztümer erwerben will, muss auch «etwas» Weissen kaufen. Die Roten verkaufen sich dann relativ easy. Aber der Markt reagiert immer zäher auf die beiden exklusiven «Blancs». Wie sagte der bekannte Weinkritiker Hugh Johnson unter anderem einst: «Weinkenner sind intelligent!»
Anders die Begründung einer anderen Château-Besitzerin als sich der Preis des Weissen von einem Jahr auf das andere verdoppelte: «Les blancs suivent les rouges». So eine dumme Formel, welche leider seit Jahrzehnt praktiziert wird. Wenn die Roten aufschlagen, dann werden die Weissen auch teurer. Dabei sind gerade die eher schwierigen Rotweinjahre in der Regel ganz hervorragende Weissweinjahrgänge.

Bisher hatte ich dieses leidige Thema etwas unter den Teppich gekehrt. Aber als öffentlich schreibender Weinliebhaber gilt ja auch die Informationspflicht. Was ich zu diesem Thema «intern» praktizierte? Seit Jahren reduzierte ich meinen damalig hoffnungsvollen Bordeaux-Weissweinbestand. Ein paar Kisten gingen auf die Auktion. Mit Events konnte ich das Inventar wunderschön redimensionieren. Gut – nicht alles ist schlecht. Aber leider waren sehr viele Weine als Primeur vielversprechend und später lasch, manchmal sogar schon nach wenigen Jahren komplett oxydiert. UTA!!! Untypischer Alterston. Beschwichtigenderweise melde ich hier, dass es schon ein paar löbliche Ausnahmen gibt (Vor allem Domaine de Chevalier). Aber leider sind solche Exzeptionen – nach ein paar Jahren Flaschenreife – extrem rar.

Andere, europäische Weinregionen sind zwar in den letzten zwar auch mit deren Spitzenweinen teurer geworden. Andererseits haben diese auch eine entsprechende Qualitätsperformance hingelegt. Also geht dort die Genussrechnung wesentlich besser auf.
Heisst aber nicht, dass ich auf gar keinen Fall mehr weisse Bordeaux trinken werde. Die paar Flaschen, welche ich noch im Keller habe, sind löbliche gut selektionierte Ausnahmen. Wenn ich einen bekannten weissen Bordeaux trinke, dann tendenziell innerhalb der ersten drei bis fünf Jahren. Was hier allerdings noch anzumerken ist; Ganz viele, meist unbekannte Winzer im Bordelais machen tolle Weissweine. Meist kommen die aus dem Entre-deux-Mers. Die kosten zwar oft nur 10 Franken – sind dafür aber fruchtig, zuverlässig und bereiten enorm Spass.

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ABNEHMEN MIT ROTWEIN

Ein Glas ist so effektiv wie eine Stunde Sport (laut Studie), aus einem Artikel von Anna-Lena Koopmann ...
ANNA-LENA KOOPMANN

Alkohol hat viele Kalorien und hemmt die Fettverbrennung, soviel ist bekannt. Doch ein Gläschen Rotwein in Ehren muss zukünftig niemand mehr verwehren… Denn neben seinen vielen positiven Eigenschaften, wie zum Beispiel den Blutzuckerspiegel zu senken, haben Forscher nun noch einen weiteren genialen Effekt festgestellt: Ein Glas Rotwein kann eine Stunde im Fitnessstudio ersetzen!
Darum hilft Rotwein beim Abnehmen.

Es klingt zu verlockend, doch Rotwein kann aus wissenschaftlicher Sicht tatsächlich ein Ersatz für körperliche Betätigung sein. Kanadische Forscher der University of Alberta haben in dem roten, gegärten Traubensaft sogenannte Resveratrol-Verbindungen nachgewiesen. Diese Substanz aktiviert nicht nur einen Schutzmechanismus in den Zellen, sie stärkt und verbessert zudem auch die körperliche Verfassung, die Funktionen des Herzens und die Muskelstärke – auf genau die gleiche Art und Weise, wie Sport es tut. Ein Glas Rotwein entspricht hier laut Wissenschaftlern einer Stunde Fitness. Dieses Wissen begeistert natürlich jeden Weinliebhaber, sei aber besonders für die Menschen wichtig, die sich aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen nicht körperlich bewegen können.

Abnehmen mit Rotwein? Resveratrol macht schlank!

Auch eine Studie der Washington State University hat erwiesen, dass das Resveratrol im Rotwein beim Abnehmen hilft. Es wandelt das vorhandene Fettgewebe im Körper offenbar so um, dass es danach leichter abgebaut werden kann. Außerdem soll ein Glas Rotwein am Abend jede Form von Heißhungerattacken verhindern. Na dann zum Wohl und auf die Gesundheit!


P.S. Auf dem Bild ist übrigens die Gabriel-Glas-Karaffe «Decanter Alpha» zu sehen!

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GMS-DEFILEE DER SONDERKLASSE
 
GMS? Dafür gibt es viele Definitionen und so geizt denn das Netz nicht mit möglichen Erklärungen …

GMS gibt es in Wettingen. Als Gesellschaft für militärische Studienreisen.
GMS heisst eine Bauprojektfirma am Zürcher Flughafen.
GMS steht für Gesellschaft für Musikautomaten in Seewen.  
GMS gibt es als Gesellschaft der Minderheiten in der ganzen Schweiz.  
GMS führt auf den Hersteller von englischen Rennmotorrädern zurück: Geoff Monty Special
GMS ist ein Paket von Anwendungen für Android: Google Mobile Services.
GMS verwendet man für ein binäres Dateiformat; Gesture and Motion Signal.
GMS ein Winkelmass beruht auf den Elementen: Grad Minuten Sekunden.
GMS nennt sich eine Musikgruppe aus Barcelona: Growling Mad Scientists.
GMS steht als englischen Begriff für Riesenmärkte: General Merchandise Store.
GMS ist auch ein Werk von Immanuel Kant. Die Grundlegung der Sitten.
GMS ist ausserdem die Abkürzung für Grossmotorgüterschiff auf Binnengewässern.  
GMS ein russisches Museumsreservat Gossudarstwenny Musei Sapowednik.
GMS heisst in unserem Fall aber: Gerhard Müller-Schwefe (Bild oben). Dahinter verbirgt sich ein besonders liebenswürdiger Weinkenner, dem es eine riesengrosse Freude bereitete, seine besten Flaschen aus seinem beachtlichen Keller mit seinen besten Freunden zu teilen.

Anlässlich seines 70igsten Geburtstages hat er seine Weinfreunde eingeladen und mit ihnen zwei Tage lang auf der Burg Staufeneck (Salach / D) tolle, wirklich tolle Weine aus seinem unerschöpflichen Keller zelebriert. Nachfolgend ein paar Auszüge davon. Der ganze Bericht, wie immer auf www.bxtotal.com


MONTRACHET-BILD FÜR GÖTTER

Bevor wir diese Flaschen bestaunen und fotografieren durften, wurden wir beim Verkosten im Dunkeln gelassen. Will heissen, diese raren und extrem teuren Montrachets der Domaine de la Romanée-Conti wurden uns blind serviert. Ich hielt meine Nase ins Glas Nummer eins und schrieb auf meinen Zettel spontan: «DRC». Damit lag ich zwar richtig. Doch bei den anderen vier Weinen verliess mich der Entdeckungsmut und ich war in der Folge hin und her gerissen. Die Jahrgänge unterschieden sich a.) gewaltig voneinander und b.) entwickelten sich unglaublich an der Luft. Der Perfekteste war für mich der Jahrgang 2007 (20/20). Gefolgt von 1987 und 1991 (19/20). Dem 2001er fehlte es ein bisschen an Spannung (17/20). Ganz spannend war der 2002er. Der begann bescheiden und blühte dann so richtig auf. Am Ende lag auch er bei 19/20. In allen fünf Flaschen waren Aromen wie Butter, Butterblumen, Kamille, Mirabellen und Honig vorzufinden. Werten ist schwierig, möglicherweise auch nicht fair. Das Privileg solche mondial schwer auffindbare, allesamt gereifte Raritäten im Glas vor sich zu haben ist unbeschreiblich.

Dazu servierte die Staufeneck-Crew eine Komposition mit dem Namen «Jakobsmuschel trifft Kaviar». Vor lauter Montrachet-Benommenheit vergass ich ein Foto von diesem Gericht zu machen.
     
Als ich beim Schreiben diese Montrachet-Parade noch einmal in meinem Kopf Revue passieren liess, erinnerte ich mich an einen Passus aus einem bekannten Lied von Katja Ebstein: «Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehn. Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn».

ANDRÉS ERSTER ROMANÉE-CONTI

Für www.bxtotal.com schreibt André Kunz eifrig seine Notizen nieder. Mehr als 100‘000 Weine sind schon über seine verwöhnte, aber auch tolerante Zunge geflossen. Ein einziger Wein aus der grossen Welt hat ihm noch in seinem Genussrepertoire gefehlt: DRC-Romanée-Conti. GMS füllte diese Lücke …






2001 Romanée-Conti, Domaine de la Romanée-Conti: Aufhellendes, fein rostig gefärbtes Rubin. Die Nase zart und fein, vielschichtig mit intensiven Rebholznoten, Pflaumenhaut, Kräutern, Zedern, hellem Tabak und Nelkenköpfen. Das nasale Wunder: Er wurde mit Luftzutritt immer fruchtiger und legte rote Beeren in jeglicher Form frei. Im Gaumen saftig, balanciert, tänzerisch, mit einer atemberaubenden Grandezza ausgestattet. Dies war der sinnlichste, erotischste Wein. Einer der Ehrfurcht zollt und untertänigste Demut abverlangt. 19/20 trinken
WAS IST HIER FALSCH?

Zwei Bündner Winzer machten mit ihren Chardonnays den Auftakt. Auf dem Bild oben hat sich ein optischer Fehler eingeschlichen. Peter Wegelin (links) hält den Unique von Donatsch in der Hand. Thomas Donatsch (rechts) hält die Magnum Chardonnay von Wegelin in die Kamera.

PASST FISCH ZU ROTWEIN?

Als toleranter Weintrinker könnte man jetzt sagen «Jein». Oder: «Erlaubt ist, was gefällt».
Und weil es keine Regel ohne Ausnahme gibt, kann man diese Frage in den Gerichten von Rolf Straubinger vorbehaltslos mit Ja beantworten. Also schafft dieser, mit Auszeichnungen hoch dekorierte Küchenstar immer wieder den Quantensprung. Auf dem Bild schaffte der Steinbutt mit Spitzkraut, Kümmelbutter und Kartoffelcroutons die schwierige Gourmet-Wein-Brücke. Das Geheimnis: Fisch- und Weinsymbiose lag wohl am unterlegten Kalbsjus …

1947 Château La Mission Haut-Brion: Farblich kann man ihn als Schwarz-Braun bezeichnen. Während sich der Rand orange aufhellt, bleibt er im Innern schier undurchdringlich. Ich erwartete einen portigen 1947er, bevor ich ihn zur Nase führte. Doch diese Flasche war ein wahres Wunder und eigentlich das Gegenteil, was man diesem heissen Jahrgang alles so andichtet. Viel Malz, unglaubliche Süsse, Dörrfeigen, dunkle Rosinen, fein jodig mit viel Kräuternoten. Im zweiten Ansatz dann Cerealien, insbesondere gerösteter Sesam. Im Gaumen füllig, schmeidig, komplex und sensationell balanciert. Das war die beste Flasche 1947er Mission meines Lebens und die hat mich vor Emotionen schier umgehauen. 20/20 trinken

Draussen war zufällig grad Vollmond. Dies hat mich spontan inspiriert mit dem gewaltigen 1947er La Mission etwas Fotokunst zu inszenieren. Also hielt ich das Gabriel-Gold-Glas gegen den kristalligen Saal-Leuchter. 

1929 Château Haut-Brion: Braun mit Bernsteinschimmer am Rand. Das Bouquet beginnt mit einem Eindruck, welcher an Kräuterlikör erinnert, dies vermischt sich mit erdiger Süsse und verleiht diesem Wein so eine intensive Terroirexpression. Im Gaumen gibt er sich fleischig, im Fluss sandig, zeigt dabei auch noch eine gewisse Adstringenz. So dokumentiert er deutlich den gigantischen Jahrhundertjahrgang 1929 auf eine tragisch grosse Weise. Ein unvergessliches Erlebnis ohne Ablaufdatum. 20/20 trinken

P.S. Das war die Flasche links im Bild.
KLEINES LATOUR-PROTOKOLL

Die 1959er Magnum war gigantisch, frisch und erhaben (20/20). Leider mussten wir die Magnum 1964 für tot erklären. Ziemlich gross und klassisch zeigte sich der Jahrgang 1970, ebenfalls in der Magnum (19/20). Gigantisch, delikat und berauschend der 1982er (20/20).    Und, weil direkt mit dem 1982er vergleichbar, fehlte dem wunderschönen 1983er ein «Mü» für die volle Bewertung. Deshalb: 19/20.



Danke Gerhard!

Es war grossartig und unvergesslich!









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«Früher war die Zukunft besser!»

Karl Valentin








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FINALES MOUTON-ROTHSCHILD-FINALE
 
Es ist hoffentlich nicht so, dass ich nie mehr eine Flasche Mouton-Rothschild anrühren werde. Aber mit den traditionellen, 13 Jahre lang durchgeführten Mouton-Abenden, im Luzerner Old Swiss House, ist jetzt Schluss. Gefeiert haben wir dieses finale Finish mit grossen Mouton-Jahrgängen und einer spannenden 1995er-Pauillac-Blindprobe.

So ganz grundlos ist dieser Entscheid des Aufhörens nicht gefallen. Einerseits versuche ich, angesichts meiner sich androhenden Pensionierung, meine Engagements etwas zu reduzieren. Es gäbe da auch noch das Motto: «Aufhören, wenn es am Schönsten ist.» Doch auch das ist nicht der elementarste Grund, dass diese erfolgreiche Serie nun ein Ende fand.
Wie jeder Weinfreund welcher sich mit Bordeaux anfrisst, hatte auch ich mein sauer verdientes Geld in grösseren Käufen von etwas teureren Bordeaux-Flaschen angelegt. Die schönsten und präsentierbarsten Flaschen dieser Region? Mouton-Rothschild. Die jährlich wechselnden Künstleretiketten eignen sich hervorragend zu Ausstellungszwecken im Keller. Damit schafft man sich bei einer Gästevisite Ehrfurcht und Anerkennung. Zudem erhofft man sich im Hinterkopf auch eine schöne Wert-Performance.

Und genau da lag der Hase im Pfeffer. Denn – viele Freaks tranken diese Moutons gar nie. Sie wurden nur angeschaut. Dann merkten immer mehr Sammler, dass viele Jahrgänge sich nicht besonders gut im Glas machten. Denn – wie viele andere Bordeaux Güter machte auch der Wein von Baron qualitativ nicht immer eine besonders gute Falle.

Die Folge? Die Auktionsmärkte wurden regelrecht überschwemmt von Mouton-Rothschild. Unglaublich viele Weinkenner trennten sich massenweise von diesen langjährig gepflegten Schätzen. Noch vor Jahren waren die Auktionskataloge voll von Mouton-Rothschild. Was dazu führte, dass die Preise für die Verkäufer wenig attraktiv waren.

Nachfolgend ein paar Geschichten von diesem Abend: Der Bericht, wie immer auf www.bxtotal.com

Um 16.30 begannen wir zu Entkapseln, zu Entkorken und zu Dekantieren. Mit «wir» meine ich den Hausherrn Philippe Buholzer und meine Wenigkeit. Nach getaner Arbeit schritten wir zum Voraperitif und genossen ein Bier hinter dem Tresen im Restaurant.
120 JAHRE ALTER MOUTON

Es war eigentlich mehr ein Gag, denn die Flasche wies einen beträchtlichen Schwund auf. Füllniveau; untere Schulter. So gesehen, kann man dieses unerwartete Erlebnis als Wunder deklarieren. Im Markt wird aktuell eine einzige Flasche angeboten. Preis ca. CHF 9'500. (Royal Wine Merchants, New York).










1900 Château Mouton-Rothschild: Mitteldunkles, deutlich gereiftes Weinrot, innen noch minimste rote Reflexe zeigend, aussen doch deutlich bräunlich. Unglaublich, süsses Bouquet, es duftet nach Nusspralinen, nach Sandelholz und nach altem grossem Rioja. Irgendwo findet man gar noch Maulbeerennuancen und zartes Caramel, fein kräutrig, parfümiert, absolut delikat, ja parfümiert in der Nase. Bereits nasal ein 120jähriges Weinwunder. Im Gaumen fein, zart, noch intakt und schier cremig in der hoch feinen Textur, Leder und dominikanischer Tabak im erhabenen, traumhaft süssen Finale. Das war eine legendäre, sagenhafte, unvergessliche Flasche. 20/20 austrinken

TRAUERUMZUG

Den Rothschild-Familien gelang es stets, die Reichtümer zu vermehren. Doch auch deren Mitgliedern wurden verständlicherweise nicht vom Ableben verschont.

Ein Mann stand weinend auf dem Gehsteig, als ein langer Trauerzug an ihm vorbeizog.
Ein Passant fragte den schluchzenden Mann, wer da gestorben sei: «Ein Rothschild», antwortete der Mann, über dessen Gesicht die Tränen kullerten. Der Passant bohrte weiter und fragte: «Waren Sie denn mit ihm verwandt, dass Sie so traurig sind?». Mit dem Taschentuch trocknete der Mann seine Tränen und antwortete enttäuscht: «Eben nicht!».

BLINDPROBE: PAUILLAC-PREMIERS

Ein Bisschen Spass muss auch sein. Wer misst sich nicht schon gerne als Weinkenner? So schenkten wir die drei Pauillac-Premiers, welche in der vierten Serie gegeneinander antreten mussten, verdeckt ein. Philippe wählte die Reihenfolge. Also lag auch der Gabriel im Dunklen. Was ich in solchen Fällen mache, immer sorgfältig Degustieren und möglichst wenig raten. Es nützt mir nichts, wenn ich die Reihenfolge rausfinde, aber nicht weiss wie die Weine letztendlich wirklich schmeckten.

SECHS LITER TISCHWEIN

Und dies aus einer einzigen Flasche. Imperiale heissen diese grossen Dinger und darin haben acht normale Flaschen Wein Platz.

Am Weihnachtsabend waren wir spontan bei Freunden eingeladen. Ich nahm eine Doppelmagnum 2004 Cos d’Estournel als Mitbringsel mit. Und dieser schmeckte so gut, dass ich mich spontan entschloss, als Tischwein für den Mouton-Anlass eine Imperiale zu entkorken. War offensichtlich ein sehr guter Entscheid. Denn die Grossflasche reichte nur ganz knapp bis zum Schluss.

2004 Château Cos d'Estournel, Saint Estèphe: Imperialflasche. Extrem dunkle Farbe, viel schwarz und wenig Rot. Die Nase dunkelröstig, viel Mocca, Pumpernickelbrot, Lakritze und schwarze Beeren. Im zweiten Ansatz zeigt sich ein feiner Rauchton welcher die Tiefe anzeigt. Im Gaumen ist er mit seinen wunderschönen Tanninen erstaunlich fein unterwegs. Viel Aromatik bei mittlerem Körper. Genau so sind die meist unterschätzen, besten Weine vom Jahrgang 2004. Aber Vorsicht; die Weine schmecken ganz deutlich nach Bordeaux!!! 18/20 trinken










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«Was zuerst bei einer Abmagerungskur abnimmt, ist die gute Laune»

Liebe Weinfreundinnen, liebe Weinfreunde

Der Spruch ist gut. Aber leider ist er nicht von mir, sondern von Gerd Fröbe. Gewicht verlieren ist so einer der vielen guten Vorsätze zum Neuen Jahr. Nach dem Motto «verschiebe nie auf Morgen, was Du in den kommenden Wochen kannst besorgen» habe ich mir diesen Vorsatz schon im November zur Brust genommen. Zugegeben, nicht ganz freiwillig. Beim Arzt durfte ich bei einer Routinekonsultation unter anderem auch auf die Waage stehen. Mit gutem Gefühl. Denn – bei mir ist jedes Gramm nicht nur Quantität, sondern auch Qualität. Mit ganz viel Liebe über Jahre genüsslich einverleibt oder aussen sorgfältig angereichert.
Der beratende Medizinmann sah dies aber ein bisschen anders und riet mir dringend, meine Bruttoregistertonnen besser in den Griff zu kriegen. Und flugs wollte er mich auch grad noch zu einer Ernährungsberaterin schicken. Da sagte ich ihm ganz spontan, dass ich so was nicht brauche, weil ich schliesslich Koch sei. Höflich verabschiedete ich mich von ihm und als ich schon fast draussen war, rief er mir noch nach: «Wir sehen uns wieder, in einem Monat!». Aha – Vertrauen ist gut, aber Kontrolle noch besser!
In der Folge stellte ich meine Ess- und Trinkgewohnheiten um. Es fanden – oh Wunder! – plötzlich weinlose Tage statt. Manchmal liess ich einfach eine Mahlzeit aus. Verzichtete gänzlich auf Pasta und Brot. Reduzierte gewisse Rationen. Ass Früchte zur Kompensation. Und – es funktionierte. Bisher habe ich 10 Kilogramm Körpergewicht verloren. Wo genau die hin sind weiss ich nicht. Aber sie sind definitiv weg. Keine Radikalkur und auch keine Tortur. Uhu wäre schön! Doch dazu müsste ich nochmals 11 % Reduktion erzwingen. Uhu? Unter hundert. Mal schauen, was mir das Jahr 2020 so gewichtsmässig bringt …
 
Von ein paar Freunden und Bekannten musste ich mich leider im 2019 verabschieden. Am meisten schmerzte der plötzliche Tod von Patrick Bopp. Er war nicht nur einer der besten Weinfreunde, sondern mein ganz persönlicher Sommelier von vielen Raritätenproben und «Entkorker» und «Dekantierer» unzähliger raren und tollen Flaschen. Was wir beide auf den langen Fahrten zu den Degustationen und während der vielen Events erlebten ist unbeschreiblich und unvergesslich.
Geschäftsmässig war 2019 ein gigantisches Jahr. Das Gabriel-Glas hat Hochkonjunktur. Rekordumsätze im Hauptgeschäft in Hallein (A) wie auch in der Schweiz. Weltweit haben wir den Umsatz in den letzten drei Jahren verdoppelt und sind jetzt in 34 Ländern vertreten. Letztes Jahr habe ich unter anderem Präsentationen in Tokio, Melbourne, China und Napa Valley gemacht. Den tollen Erfolg habe ich aber den Teams in Austria und der Schweiz zu verdanken. Zum 10jährigen Jubiläum kommen in diesem Frühjahr ein paar, spannende neue Ergänzungsprodukte auf den Markt.

Die Weinbörse hat mit zwei gigantischen Auktionen ebenfalls das beste Jahr hinter sich. Hier sind wir jetzt an den Vorbereitungen der grossen Frühlingsauktion (WB 102) in Bad Ragaz. Carlo Haueter nimmt gerne Eure Listen und Offerten entgegen: wb@weinauktion.ch. Wir organisieren auch Importe- und Transporte aus dem Ausland.  

Als One-Man-Show dirigiere ich die Weingabriel GmbH. Geführte Reisen mache ich nur noch nach Bordeaux. Und diese sind leider – auf weite Sicht – ausgebucht. Hier habe ich ein paar ganz tolle Events für 2020 und 2021 ganz neu aufgeschaltet. Für 28 Franken gibt es ein Kuttelessen in Goldau. Sobald halt grosse Weine im Spiel sind, kostet es logischerweise «etwas» mehr. Nebst den klassischen Wine & Dine versuche ich da auch neue Wege zu gehen. Dies in Form von einem «Doppelmagnum-Gourmet-Rodeo» oder einem «Big-Bottle-Jazz-Gig». Die Seite dazu www.weingabriel.ch. Solange die Weinfreunde an meinen Tastings Spass haben, mache ich noch weiter. Tolle Weine hat es nämlich (noch) genügend im alarmgesicherten Keller.  
    
Die Nichtselbstverständlichkeit soll in diesem neuen Jahr uns das Bewusstsein stets fördern. Euch allen wünsche ich einen ganz guten Start, gute Freunde, viel Erfolg und schöne Erlebnisse …  

René / René Gabriel

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Bei meinen Genüssen halte ich mich immer an einen Slogan von Oscar Wilde: : «Ich bin ein einfacher Mensch. Ich habe mich stets mit dem Besten zufriedengegeben!»





DAS NESPRESSO WUNDER

Am 3. Januar dieses Jahres postete ich ein Foto mit ein paar Nespresso-Kapseln und schrieb dazu: «Vorsatz 2020 – nie wieder im Leben». Die Reaktionen kamen postwendend. Mehr als hundert Likes und 87 Kommentare. Die Antworten waren fair, aufmunternd, kritisch, konstruktiv, nie unter der Gürtelline. Das ist für Facebook schon fast eine Rarität. Die «Kapseltrinker» hielten sich in der Regel eher bedeckt. Eine Bekannte fragte nach dem «Warum» meines Vorsatzes. Ein guter Freund provozierte mit dem Spruch: «Vorsatz Nr. 2: Keine eigene Facebook Posts rechtfertigen ...». Es ist eine verkehrte Welt geworden. Früher musste man sich rechtfertigen warum man etwas macht oder etwas gemacht hatte. Und heute muss man sogar das Gegenteil erklären!

WIE VIEL GRAMM KAFFEE?

Auf dem Foto sieht man mich mit meinem Morgenkaffee. Es ist eine Bodum-Glas-Tasse. Darin bleibt jedes Heissgetränk über längere Zeit heiss. Mein persönlicher Zehnuhr-Blend besteht aus einer Ration Kaffee und einer Ration Espresso. Es ist frisch gemahlener Kaffee aus der Jura Impressa. Insgesamt ca. 160 ml. Kaffee. Ohne Zucker. Mit einem Schuss Milch. Das Ausgangsmaterial; Eldorado-Mischung von der Luzerner Kaffeerösterei Rast. 100 % Arabica-Hochlandanbau. Die dafür benötigte Menge: zwei Portionen à 11 Gramm. Also 22 Gramm total.

Wir hatten im Wirtefachkurs gelernt, dass es für einen sehr guten Kaffee mindestens 10 Gramm Bohnen braucht. Welche Menge es letztendlich ideal ist, darüber scheiden sich die Kaffeegeister. Der Maschinenhersteller Jura empfiehlt mindestens 8 Gramm und rechnet vor, dass es sich dabei um rund 70 einzelne Bohnen handelt. Coffecircle.ch geht da etwas weiter und meint, dass ein guter Kaffee gut 12 Gramm benötigen würde.

MANN RECHNE!

Kommen wir mal zu den Kosten: Für ein Kilo Kaffee bezahle ich 16 Franken. Meine 22 Gramm für den Morgenkaffee kosten mich also 35 Rappen. Eine Nespressokapsel würde mich heute im Schnitt etwa 55 Rappen kosten. Doch jetzt kommt das Nespresso-Wunder erst so richtig zum Tragen. Nicht nur vom Preis her, sondern auch von der Quantität. Will ich nämlich mit der gleichen Menge (22 Gramm Kaffee) arbeiten, so bräuchte – je nach Typus – etwa vier Nespresso-Kapseln! Was man nämlich vergeblich im Internet-Shop sucht, sind die Mengenangaben in den Kapseln. Die Füllmengen schwanken im äusserst knappen Bereich von 4,8 bis 6 Gramm. Also verspricht Nespresso mit der Hälfte der allgemein empfohlenen Menge eine optimale Kaffeequalität abliefern zu können. Rechnet man jetzt den Kilopreis um, nimmt dabei eine durchschnittliche Nespresso-Kaffee-Kapselmenge von 5.4 Gramm und einen durchschnittlichen Kapselpreis von 55 Rappen, so landen wir bei über 100 Franken für meinen absolut vergleichbaren Sechzehn-Franken-Kilo-Kaffee.

UMWELTBILANZ?
 

«Aluminiumkapseln sind recyclebar und somit nachhaltig». Dies will mit ein weiterer Facebook-Poster weissmachen. Heute stehen 100'000 Sammelstellen in 44 Ländern für gebrauchte Nespresso Kapseln zu Verfügung. Es gibt auch in 18 Ländern einen Service mit der Adresse recycling@home. Das ist sehr vorbildlich von Nestlé. Meine erste Frage ist, wie konsequent dann die Anwender auch effektiv Reziklieren? Es ist leider zu vermuten, dass nicht wenige, gebrauchte Kapseln im normalen Abfall landen. Und da stelle ich mir dann schon die Greta-Frage: «Wie ist denn die generelle Umweltbilanz im Verhältnis zum ganz normalen Kaffeesatz, welchen ich allenfalls, zur sinnvollen Weiterverwendung, auf dem Kompost entsorgen könnte?»    
   
Mittlerweile habe ich fast alle Kapseln selbst durchgetestet. Die Farben sind aussen zwar sehr variabel – innen sind die geschmacklichen Differenzen marginal. (Vanille, Cocos und Haselnuss-Varianten ausgeschlossen). Der proklamierte «Lungo» für die grössere Menge (Kaffee Crème) funktioniert praktisch nie. Der Kaffee wird bitter, verliert an Aromen, wird wässrig und es fehlt an Fülle. An dieser Stelle gebe ich aber gerne zu, dass sehr viele Nespresso-Kapseln immerhin einen recht guten Espresso abliefern.   
     
FEDERER ODER CLOONEY?

Der Schweizer Tennisspieler wirbt indirekt für frisch gemahlenen Bohnenkaffee, indem er sich für den Kaffeemaschinenhersteller Jura posieren lässt. George Clooney war bis in die 90er-Jahre der Marketing-Verdingbube bei Nestlé. Er warf jeweils die Frage in den Raum: «What else?»

Wer meinen kleinen Kaffeebericht aufmerksam gelesen hat, wird nachvollziehen können, dass es viele, attraktivere Alternativen zu Nespresso gibt.

Auf einer Pressekonferenz wurde George Clooney einst gefragt, warum er keine Tattoos auf seiner Körperhaut trage. Seine Antwort war genial: «Einen Ferrari tapeziert man ja schliesslich auch nicht mit Aufklebern!»    
 
Da ich nach dem Warum für meinen «Niemehr-Nespresso-Entscheid» gefragt wurde, erlaube ich mir an dieser Stelle ebenfalls ein zusammenfassendes Statement: «Ein wirklich guter Kaffee braucht einiges, aber ganz sicherlich keine Kapsel».
   
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POMEROL RODEO MIT POMEROL SEDUCTION
 
Rodeo stammt vom Wort rodear ab und bedeutet so viel wie umrunden. So gesehen, war dieser besonders weinige Januar-Montagabend im Gasthaus Sempacherhof eine ziemlich «runde Sache».

Pomerol Séduction ist ein Club von zehn verschiedenen Pomerol Weingüter, welche ihre Weine im Rahmen von Verkostungen und Events vorstellen.

Die honorigen Mitglieder dieser Vereinigung:
-    Château Beauregard
-    Château Clinet
-    Clos du Clocher
-    Château La Conseillante
-    Château Nenin
-    Château Gazin
-    Château La Pointe
-    Château Mazeyres
-    Château Rouget
-    Château Vieux Maillet

All diese Weine mit den Jahrgängen von 2005 bis 2015 gab es an diesem Januar-Event im Gasthaus Sempacherhof (Kanton Luzern) zu verkosten und geniessen. Vom Gast Château Beauregard wurden gleich drei Jahrgänge in die Gabriel-Gläser serviert, nämlich 2014, 2000 und 1998.  Aus Bordeaux angereist, einer der Vertreter von Pomerol-Séduction; Vincent Priou. Er ist seit 1991 Direktor vom der 18 Hektar grossen Château Beauregard.  

Die Verkostungsnotizen, das Menu und Geschichten: www.bxtotal.com

BESONDERE IMPERIALFLASCHE
Normalerweise zelebriert der Beauregard-Direktor Vincent Priou Grossformate nur bei Einladungen auf dem Weingut.

Für diesen gelungenen Pomerol-Abend machte er eine löbliche Ausnahme und sponsorte diese rare, sechslitrige 2000er-Imperialflasche.

2000 Château Beauregard: Imperial. Unglaublich sattes Purpur. In der kompakten rot- bis blaubeerigen Frucht findet man einen ersten, würzigen Terroirschimmer. Dies in der Form von Tabak und Hirschleder. Im Gaumen satt, feinfleischig, gut stützende Säure mit gebündeltem Langem Finale. 18/20 trinken 

MEGA-POMEROL-VALUE

2012 Clos du Clocher: Extrem dunkle Farbe, Violett-Schwarz. Das Nasenbild duftet nach dunkler Schokolade und nach Kokos, also könnte man einfach auch Bounty hinschreiben, schön füllig und weit ausladend. Im zweiten Ansatz findet man Red Currant-Pastillen und schwarze Johannisbeeren und wieder viel Schokolade – jetzt in Pralinenform. Im Gaumen füllig, mit weicher, samtener Textur, gebündeltes, reiches und aromatisches Finale. Ein ganz toller Pomerolwert. Da bekommt man mehr Wein, als man aktuell dafür bezahlen muss. Im Moment gibt es da mehrere Schweizer Anbieter um rund 50 Franken. Konklusion: Kaufen!!! 19/20 trinken   

FLEISSIGES HANDGEKRITZEL

Eigentlich wäre es einfacher, gleich mit dem Laptop anzutraben. Dann müsste man sich die Arbeit nur einmal machen. Andererseits bereitet es viel Spass, die Weine beim Schreiben nochmals Revue passieren zu lassen.

SPITZENWEIN DES ABENDS

So muss ganz grosser Pomerol! Bereits bei der Primeurprobe im Jahr 2010 flippte ich völlig aus.

Einen so guten Gazin hatte ich bisher in meinem Leben noch nie degustiert. Gemäss meiner Webseite www.bxtotal.com sind es immerhin 53 Jahrgänge.

Auch bei unserem Pomerol-Séduction-Abend lag er für mich fraglos an der Spitze.



2009 Château Gazin: Gesamtproduktion; 66'500 Flaschen. Assemblage; 90 % Merlot, 7 % Cabernet Sauvignon, 3 % Cabernet Franc. Violett-Schwarz. Verrücktes Bouquet mit unglaublich vielen Facetten. Im ersten Ansatz frisch, minzig und floral gleichzeitig. Im zweiten Ansatz kommt die Fruchtwucht in schwarzbeeriger Form; Holunder, Cassis und Heidelbeeren, ergänzt mit Lakritze. Im Gaumen stoffig und fleischig gleichzeitig, umfassende, noch verlangende Adstringenz dramatisches Finale. 20/20 beginnen

BIER VOR WEIN, IST AUCH SEHR FEIN

Zwei alte Freunde unter sich. Einst arbeiteten sie zusammen in der Direktionsetage von Caves Mövenpick.

Felix Meier ist heute der Direktor der Brauerei Müller. Dieses süffige Bier gibt es auch im Sempacherhof. Prost!



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NA

DANN


PROST!!!

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