•  
  •  

Was so alles im Jahr 2024 bisher passierte ...


Mein Vorsatz für 2024? Die Einfachheit perfektionieren!

Informationen zu ganz vielen Weinerlebnissen und Lebenserkentnissen findet ihr auch im Archiv ...


image-12519200-IMG_E9384-c51ce.w640.JPG
BORDEAUX 2000   NAPA 2001

 
Ein absolut gigantisches Tasting fand am letzten Samstag des Monats Februar 2024 in Zürich statt. Man könnte diesen unikaten Event erklärenderweise «THE ZUERICH-TASTING» nennen. Denn jedes Mal, wenn verschiedene Weinregionen kämpferisch aufeinandertreffen, dann resultiert eine ähnlich finale Deklarationen. Im Lead aller historischen Ereignisse dieser Art ist nach wie vor das «PARIS-TASTING». Da organisierte der Engländer Steven Spurrier eine Blindprobe mit französischen Weinen gegen Kalifornier. Zur Verblüffung der Weinwelt gewannen nicht die Franzosen. Mittlerweile haben Folge-Veranstaltungen die Tradition, dass sich dieses Resultat von ähnlich gegliederten Degustationen immer wieder exakt so wiederholt. Der Beweis für diese These wird in diesem Bericht geliefert!

Der 15 Seiten Analyse- und Tastingbericht von René Gabriel: www.bxtotal.com

AM ANFANG WAR EINE IDEE

«Wir könnten doch mal eine Verkostung machen, bei dem die Qualitätsvorgaben gleich hoch sind und halt zwei verschiedene Jahrgänge nehmen. So zum Beispiel Napa 2001 und Bordeaux 2000.» Das war eine Idee, welche bei einem früheren Schwander-Tasting von Takis (links) und Sven (rechts) entstand. Baschi nahm die kreativen Gedanken auf und schrieb seine besten Weinfreunde an. Mit der Bitte um «Flaschenideen» aus den jeweiligen Privatkellern. Die grossartigen Angebote kamen spontan und schnell wurde ein Datum gefunden. Das Zürich-Tasting stand!

ZWEI PESSAC-BEAUTYS

In jeder Serie wurden jeweils drei Bordeaux mit drei kalifornischen Weinen vermischt. Nebst dem zaghaften Ducru-Beaucaillou traten Pape Clément und Haut-Brion im ersten «Weinrennen» an. Den Pape würde ich nachkaufen, wenn ich nicht schon rechtzeitig zu 110 Franken gebunkert hätte. In der Schweiz sind Angebote teuer. In Europa gäbe es noch einige Offerten unter 200 Franken.  
 
2000 Château Pape Clément, Pessac-Léognan: Sattes Purpur, in der Mitte sehr dicht, am Rand mit rubinem Schimmer. Intensives, dichtes, pfeffriges Bouquet, exotische Hölzer, Kokosraspel und Himbeeren. Fast etwas zu Kopf steigend mit seinem Druck. Im Gaumen stoffig. Er kommt daher wie eine Essenz, die Frucht ist deutlich rotbeerig mit bläulichen Fruchtakzenten. Da ist alles drin, respektive fast zu viel. Erstaunlich, dass dieser Wein in den 20 Jahren Flaschenreife noch so jung daherkommt. Er scheint erst am zaghaften Beginn einer langen Genussreife zu sein. An diesem Tasting unter den Grössten und einer der Günstigsten. Nachkaufen! 19/20 beginnen

2000 Château Haut-Brion, Pessac-Léognan: Dunkles Purpur, gegen aussen zeigt er eine erste Reife mit sanft ziegelrotem Schimmer. Erdiges, klassisches Bouquet, sanfte Trüffelnuancen, Schokonuancen, Korinthen, Brazil-Tabak, Périgord Trüffel. Er legt ständig neue Schichten nach und vermittelt jetzt schon ein geniales Terroir. Wunderbar ausgelegt im Gaumen, superbe Balance, reife Tannine und alles passt zum Rest. Ein beruhigender Klassiker mit klarer Herkunftsansage. Erhaben und langlebig. Letzteres zeigt sich auch durch die nicht unbeachtlichen Tannin Reserven. Minim schlanker als die Médoc-Premiers.  Zwei Stunden dekantieren. 20/20 trinken

POYFERRÉ-FLASCHENPOKER

Von allen Bordeaux-Weinen schnitt der Poyferré am besten ab. Immerhin landete er auf Platz 6. Hinter fünf Kaliforniern!
Baschi staunte ob der Performance am Tasting und bemerkte, dass er diesen zu Hause schon ein paar Mal entkorkte und dass die Flaschen «unterschiedlich» daherkamen. Ein Phänomen, welches ich leider nicht nur beim Jahrgang 2000 von diesem kräftigen Saint-Julien-Deuxième konstatiere. Manchmal schleicht sich da ein minimer TCA-Fehler ein. Wer also diesen Wein so zwischen 200 bis 250 Franken nachkaufen will, geht damit auch ein gewisses Flaschenrisiko ein.  


Da Baschi bei seinem Kommentar von unterschiedlichen Flaschen von seiner Kiste zu Hause sprach, suchte ich im Netz nach 2000 Léoville Poyferré mit den Begriffen «wooden case» oder «Holzkiste». Leider wurde ich beim Scrollen nicht fündig. So musste ich mich halt mit der Kamera in meinen Keller begeben und dort eine Kiste fotografieren.  

2000 Château Léoville-Poyferré, Saint-Julien: Extrem dunkles, schier undurchdringliches Weinrot, nur dezent aufhellend am Rand. Gigantisches, mit schwarzen Beeren bespicktes Powerbouquet; Holunder, Heidelbeeren, schwarze Schokolade, Minze Nuancen. Vielschichtig, mineralisch und intensiv zugleich. Nebst würzigen Eindrücken von Küchenkräutern findet sich auch ein Hauch von Eucalyptus. Das hätte die Fährte auch nasal auf einen Kalifornier locken können. Eine volle Aromenpackung im reichen, aber auch erfrischenden Nasenbild. Im Gaumen «oberkräftig», schier noch arrogant. Die Gerbstoffe sind megapräsent und versuchen sich zu integrieren. Ein Kraftakt mit Charakter. Die möglicherweise mangelnden Finessen macht er mit Power locker wieder wett. Ein Mega-Value! 20/20 beginnen

TEUERSTER, NICHT BESTER PREMIER

Wenn schon länderübergreifend verglichen wird, dann darf man auch kritisch in Bezug auf eigene Regionen hinterfragen. Der Mouton kam nicht so gut weg und ist momentan nur Sieger bei der Premier-Pricing-Analyse.

2000 Mouton-Rothschild (ca. CHF 1800)
2000 Lafite-Rothschild (ca. CHF 1200)
2000 Margaux (ca. CHF 900)
2000 Latour (ca. CHF 880)
2000 Haut-Brion (ca. 800)




Mit dem Jahrgang 2000 brach die Baronnie de Rothschild für einmal mit der Tradition eines Künstler Etiketts. Anstatt eines Labels wurde eine Prägung aufgedruckt. Als Tier wurde ein «Rambock» in Goldprögung geschaffen. Die Kreation stammt aus dem Jahr 1590. Geschaffen vom aus Augsburg stammenden Goldschmied Jakob Schenauer.
Gleichzeitig setzten die Rothschilds mit der Schaffung einer «etwas grösseren Flasche» eine gewichtige Distanz gegenüber allen anderen Bordeaux-Premiers. Das Gesamtgewicht dieser optischen Boliden beträgt seit dem Jahrgang 2000 neu 1.666 Kilogramm. Somit haben die neuen Originalholzkisten auch keinen Platz mehr in herkömmlichen Weingestellen. Die gesamten «Bruttoregistertonnen» einer 12er OHK beträgt, seit dem 2000er über 20 Kilogramm.  

SPEKTAKULÄRER NEUBAU

Der revolutionäre Neubau von der neuen Lynch-Bages-Produktionsstätte ist nicht jedermanns Sache. Meiner Ansicht nach wurde hier aber alt und neu hervorragend arrangiert. Wichtig ist es, dass der Wein zukunftsweisend mit bestmöglicher Technik Jahr für Jahr auf Top-Niveau hergestellt werden kann.

Der erste Jahrgang in den neuen Kellern war 2020. Es ist der einzige Lynch, welcher schon als Fassprobe bei mir die maximale Punktezahl bekam. Beim 2000 begann ich zaghaft mit möglicherweise (zu) zaghaften 18 Punkten.

Damals war noch der leider verstorbene Jean-Michel Cazes im Lead. Seit dem Jahrgang 2006 hat Jean-Charles Cazes (Bild) das Zepter von diesem oft gigantischen Pauillac-Value übernommen.  

2000 Château Lynch-Bages, Pauillac: Innen recht dunkel, aussen deutlich aufhellend. Laktisches Bouquet, Gaba Spitzwegerich Tabletten, Lakritze, dunkles Malz und Rauch. Im Gaumen lang, kräftig-elegant, bemerkenswerte Tannine und auch hier wieder unglaublich viel Lakritze, sowie Kandis anzeigend. Süss, völlig schwarz von der Fruchtintensität her, dramatisches Finale. Hier scheint die Frucht im Innern des Weines konserviert worden zu sein. Ein bewegender, monumentaler Bordeaux, der es blind nicht nur mit den anderen Pauillac-Premiers aufnehmen kann, sondern auch locker mit den allerbesten Napa Weinen. Hier bahnt sich eine (noch) erschwingliche Legende an! 20/20 trinken 





2000 Château Margaux, Margaux: Sattes, dunkles Weinrot, schier Schwarz in der Mitte, am Rand nur wenig aufhellend. Geradliniges, perfektes Bouquet, von dunkler Frucht geprägt, Brombeeren und Heidelbeeren, aber auch eine Nuance von Maulbeeren im minim laktischen, wachsigen Ansatz anzeigend. Weit ausladend. Im Gaumen so was von feminin und elegant, die Tannine sind seidig, die erhabene Länge faszinierend. Komplexität und Finesse am Maximum. Er ist jetzt schon genial zu trinken, weil die Tannine so wunderbar gereift sind. Durch seine absolut geniale Balance hält er noch viel Dekaden durch. Dies bei immensem Genuss. Als ich ihn schluckte, vermischte ich den Weinrest im Extrakt mit dem Speichel. Es kam nochmals eine gewaltige Aromen-Ladung von riesengrossem Bordeaux-Wein ins emotionelle Genussspiel. 20/20 trinken 


EIN SONDERBLEND NAMENS CLARET

Da ist zwar schon viel Cabernet Sauvignon drin. Aber auch noch andere «Grapes» wie Merlot und Petit Verdot. Er verdiente seinen Rang. Falstaff taxiert ihn mit 100/100!

   
2001 Claret, Robert Foley, Napa Valley: Unglaublich dicht, fast Schwarz in der Mitte. Grossartiges, hoch aromatisches und gleichzeitig beruhigendes Bouquet. Warme Ausstrahlung mit dunklem Cabernet-Touch Pumpernickel Brot, Teer, Korinthen. Er geht dabei in die Tiefe und legt mit jedem Nasenkontakt sanft nach. Man kann sich daran nicht sattriechen. Im Gaumen cremig, komplex und erhaben. Auch hier wieder auf schwarze Frucht setzend und fraglos Weltklasse dokumentierend. Unglaublich langes Finale. Ein stimmungsgeladener, charaktervoller Napa! Und das wird noch locker 20 Jahre lang so bleiben. 20/20 trinken

JURORENSIEGERQUARTETT

16 Juroren gaben ihre Tipps ab. Nicht welcher Wein sich im Glas befand, sondern ob es sich bei der jeweiligen Kostprobe um einen Napa oder Bordeaux handelte.

Vier Weinfreaks tippten alles richtig! Von links nach rechts; Silvio, Takis, Torkel und Georges. Bravo!!!







TO KALON – TRAUBEN SEIT 1868

Der Napa Pionier Hamilton Crabb pflanzte diesen Rebberg im Jahr 1868. Der Weinberg To Kalon galt immer schon als Lieferant von allerbesten Napa-Trauben.
Im Jahr 1993 riss sich Andy Beckstoffer dieses Rebland unter den Nagel als die damaligen Besitzer von Beaulieu finanziell strauchelten.

Er bepflanzte die Parzellen neu. Vor allem mit Cabernet Sauvignon, aber auch mit Cabernet Franc. Die Trauben von To Kalon sind bei den «Nichtbesitzern» und somit Traubenaufkäufern sehr begehrt. Er wird gemunkelt, dass für eine Tonne von diesem aussergewöhnlichen «Napa-Trauben-Kaviar» bis zu 100'000 Dollar bezahlt werden.

Man rechne! Das macht 100 Dollar pro Kilogramm Tauben. Beim dickhäutigen Cabernet Sauvignon ergibt die Ausbeute maximal 75% fertigen Wein. Dies entspricht wiederum genau jener Menge, welche es für eine Flasche Wein braucht. Somit betragen die «Netto-Inhaltskosten» für eine Flasche To Kalon 100 Dollar. Plus alle weiteren Kosten wie Flasche, Etikett, Herstellungs-Logistik, Löhne, Marketing, Marge. What else? Meine Schätzung ist, dass eine Flasche Schrader To Kalon die Winery so um 300 Dollar verlässt. Somit sollte die Rechnung trotz «Beckstoffer-Hausse» irgendwie doch noch gut aufgehen …

Wie der Schrader 2001 schmeckte? www.bxtotal.com weiss es ...

1928 MOUTON MIT ANNE COLGIN

Drei Mal traf ich die «Grande Dame» des kalifornischen Weinbaus. Einmal in München und zwei Mal in Los Angeles. Bei einem grossen Tasting, organisiert von Weinfreund Robert Langer, sass Anne neben mir und war begeistert vom 1928er Mouton Rothschild.




Tage später schickte sie mir eine Mail: Here is my note «The star of the evening for me was the gorgeous Mouton which danced on the palate with the ease and grace of Shirley Temple! At 90 the wine still exhibits the essences of black fruits with hints of mint and tobacco. A true beauty!»

Shirley Temple? Ich recherchierte; geboren 1928, wie der erwähnte Mouton. Am gleichen Tag wie René Gabriel: 23. April!!!
 
2001 Colgin Carriad, Napa Valley: Sehr dunkles Granat, rubiner Rand, gewisse Reifetöne vermittelnd. Die Nase zeigt dunkle Früchte und noch keine Terroiranzeige, Flieder, Holunder, Waldhimbeeren und Black Currant. Irgendwie kommt er burgundisch rüber. Mittlerer Druck, also auf Eleganz setzend. Im Gaumen saftig mit seidiger Textur, hochfeine, delikate Tannine aufzeigend. Eine richtiggehende Delikatesse mit Nonchalance im langen Finale. 19/20 trinken  

BASCHI SCHWANDER: ORGANISATOR, DEGUSTATOR UND AUCH MEDIATOR

Er organisiert US-Weinproben und liebt Bordeauxweine gleichzeitig. Und er mag Champagner und alles, was man mit sehr, sehr gutem Wein bezeichnen kann. Er war federführend bei diesem Zürich-Tasting. Mit seinen hervorragenden Connections schaffte er es auch als Mediator die richtigen Weine mit den richtigen Teilnehmern zu koordinieren.

Ein kleiner Film zum Zürich-Tasting:
https://www.youtube.com/watch?v=dNURSMKJrDM

image-12519161-Schott_Zweisel-c9f0f.jpg

IN EIGENER SACHE

Als «Glasmacher» lästert man nicht über die Konkurrenz. Das gehört sich nicht. Nicht auszudenken, wo die Welt der Weingläser heute stehen würde, wenn es nicht derartig geniale, pragmatische Vordenker wie Claus Maria und Georg Riedel gegeben hätte.
Am Zürich Tasting «mussten» wir aus einem Schott Zwiesel Glas (Bild oben) verkosten. Da hatte ich wahnsinnig Mühe, denn es war nasal oberanstrengend die Aromen aus dem zu hohen und zu schmalen Becher herauszufiltern.

Meine Beanstandung lässt sich berechnen und ist somit einfach nachvollziehbar. Es sind eigentlich genau die drei Hauptgründe, weshalb ich das Gabriel-Glas kreierte.

Die Glasöffnung oben vom Schott Zwiesel ist zu klein. Der Duft «verschmältert» sich und lässt keine Fächerung zu. Die Distanz vom Wein bis zur Öffnung ist länger. Die Geschmackspyramide nimmt mehr ab und die Intensität verringert sich. Die schlimmste Vergleichs-Differenz: der Querschnitt der Oberfläche vom Wein beträgt beim Schott Zwiesel lediglich 4.5 Zentimeter. Beim Gabriel-Glas (Bild unten) wären 9.5 cm. Somit ist die absorbierende Duftfläche hier mehr als vier Mal grösser.

Wie pflegte der ehemalige Kellermeister von Mouton, Raoul Blondin jeweils zu sagen? «Il ne faut jamais mettre und Grand Vin dans un petit verre.» Recht hatte er!  






100 PUNKTE ODER 20 PUNKTE?

Jedes Bewertungssystem hat sein eigenes System. Und jeder, welcher sich mit ihm befasst, hat seine eigene Justierung. Amerika ist, was Publikationen angeht, Wine-Spectator und Parkerland.

Da regiert das 100-Punkte-Berwertungssystem. Als Gegenpool wirkt hier das US Davies Institut in Kalifornien mit dem 20-Punkte-Skala. Also gibt es in Amerika, wie auch in Europa, zwei verschiedene Bewertungs-Möglichkeiten.

Ich bleibe bei meiner 20-Punkteskala!

Dann kann ich fünf Mal mehr trinken wie Robert Parker … 😉

US-WINES; YES, I’M LOVING IT!

Auch wenn meine persönliche Bordeauxliebe mit den vielfachen Blindvergleichen mit US-Weinen schon etliche Male auf dem Prüfstand war, so gelingt es mir nach wie vor beide Kategorien bedingungslos zu lieben. Ich denke, das kommt bei meinen Bewertungen in dieser Story gut rüber. Hoffe ich auf jeden Fall.

Ich bin mir sicher, dass das legendäre «Paris-Tasting» in Bordeaux mehr bewirkt hat, wie in Kalifornien selbst. Zu selbstgefällig waren die Franzosen. Mit dem weltweiten, jedoch nicht registrierten Copyright der Deklaration «Terroir» haben sich die Franzosenwinzer immer wieder eine falsch anmutende Berechtigung verschafft. So in der Richtung, dass grosse Weine erst mit dem Alter richtig gross sein müssen. Und es somit auch keine Jugendfrucht braucht. Mit diesen Argumenten haben sie stetig wiederholende Herstellungs-sünden abgetan. Dabei war es der liebe Gott und Robert Parker, welche mit dem Jahrgang 1982 den Bordelaiser Winzern erklärten, dass reife Tannine und intensive Frucht für die Zukunft eine sichere Verkaufsstrategie sein können. Die grössere Langlebigkeit der Weine links und rechts der Gironde ist heute längst kein Verkaufsargument mehr. Erstens werden auch die grossen Weine der Welt immer jünger getrunken und zweitens haben die Kalifornier mehrfach bewiesen, dass deren Top-Weine ebenfalls bemerkenswert reifen können und dabei ebenfalls «Terroir» vermitteln.

Mit kalifornischen Weinen pflege ich seit meinen ersten Kontakten eine enge Beziehung. Mein erstes Verblüffungserlebnis war ein 1977 Zinfandel von Robert Mondavi. Dann zeigte mir der leider verstorbene Weinhändler Hans Müller reife Kalifornier bei einem Besuch in Wattwil. Als Wirt vom Hotel Kreuz in Sempach standen – nebst vielen Bordeaux’ – nicht wenige US-Weine auf der gut dotierten Weinkarte. Während meiner Zeit als Chefeinkäufer bei Mövenpick Wein durfte ich auch die US-Sparte betreuen. Mit einem beträchtlichem Einkaufsbudget. Da gehörten auch recht viele Reisen in die gelobten USA-Weinregionen dazu. Leider sinken meine reifen Napa-Sonoma-Kellerbestände permanent und so besuche ich so oft in kann Baschis Weinproben. Was ich an diesen Weinen auch besonders gerne mag; ich bekomme dabei mitunter nicht selten eine klammheimliche Lust auf Bordeauxweine …

HOW ABOUT NAPA MERLOT?

Wenn die wenig wirklich guten Napa Merlots gegen Bordeaux Weine vom rechten Ufer antreten müssten, käme es wohl zu einem dokumentarischen Umkehrsieg für die Crus rund um Libourne. Als ich nach möglichen 2001er aus Kalifornien in meinem Inventar suchte, fand ich diesen Paloma Merlot. Ohne grosse Erwartungen entkorkte ich ihn spontan am Sonntag. Einen Tag nach dem Zürich-Tasting, um ihn zur Pizza zu geniessen.
Es war sensationell und als ich nach diesem Wine surfte, entdeckte ich, dass er vom Wine Spectator vor fast 20 Jahren sogar als «Wine oft he Year» gehandelt wurde.  
Infos zur Winery: www.palomavineyard.com

2001 Paloma Merlot, Spring Mountain District Napa Valley: Unglaublich dunkle Farbe, aussen minime Brauntöne, innen fast Schwarz. Das weit ausladende Bouquet duftet nach Dörrfrüchten, Korinthen, Feigen, Backpflaumen, Vanillemark, Schokolade und Lakritze. Im zweiten Ansatz steigt eine sehr angenehme, harmonische Süsse aus dem Glas. Diese erinnert an Kandiszucker und Mocca Jogurt. Im Gaumen geht es hoch aromatisch weiter. Auch hier zeigt er eine passende Süsse, welche von einer wunderschön begleitenden Säure gestützt wird. Dieser geniale Napa Wein beweist zwei Thesen gleichzeitig. Erstens, dass grosser Merlot in Kalifornien durchaus ein spannendes Thema sein könnte. Und zweitens; dass die wohl besten hervorragend reifen können. 19/20 trinken

image-12519191-Didis_Frieden-d3d94.jpg

GRANIT MONTROSE

2000 Château Montrose, Saint-Estèphe: Dunkles Scharlach-Granatrot, aussen feine Reifetöne. Trocken-erdiges Bouquet, hölzerne Noten, Tabak, Trüffel, Korinthen, Teer, Bakelit, speckig und rauchig. Die Frucht ist nicht mehr existent und hat einer unglaublich mineralisch-salzigen Terroir Note Platz gemacht. Er kommt nur zaghaft sich heraus und gibt – nach einer Viertelstunde – würzige Cabernet-Kräuternuancen zum Besten. Im Gaumen kompakt, gleich viel Fleisch wie Knochen zeigend, immer noch stark adstringierend. Die noch grosszügig vorhandenen Tannine wirken irgendwie «unsaftig» und barock und verleihen dem Zungenbeet einen ledrigen Touch. Ein sehr geduldiger Montrose, der momentan daherkommt wie ein gigantisches, leider noch zähes Porterhouse-Steak. Irgendwie dokumentiert er noch die alte Montrose-Epoche. Kein Wunder, denn damals war noch Jean-Louis Charmolüe der Besitzer. Und seine charakteristischen Weine reflektierten Jahr für Jahr seinen eigenen Charakter. Gigantisch ist er eigentlich schon, aber er entwickelte sich fast nicht an der Luft. Auch nicht nach längerem Karaffieren. Da wäre ich sehr neugierig gewesen, wie dieser granitige «Gerbstoffbock» in der Zürcher Blindprobe abgeschlossen hätte. 19/20 beginnen

*************************************************************************************************************************************************************************

image-12505751-IMG_E9130-8f14e.w640.JPG

EIN PENSIONIST GEHT IN RENTE


 
Es tönt gleich und es ähnelt sich auch eigentlich in deren Praxis. Und doch ist es nicht ganz dasselbe. Zumindest im Fall von Weinfreund Jörg Studach. In Pension ging er schon vor ein paar Jahren. Rentner wird man erst, wenn man seine erste Rente bekommt. Das war bei ihm im Januar 2024 der Fall. Dieses hart verdiente AHV-Geld hat er aber nicht auf die hohe Kante gelegt, sondern mit seinen engeren Freunden am letzten Tag des erwähnten Monats lukullisch entsorgt.



Blättern wir ein paar Jahre zurück. Da hatte Jörg die Chance, seine Anteile der Firma Softec im Rahmen eines Management Buyouts zu verkaufen. Dieses Portefeuille erlaubte ihm, vorzeitig «in Pension» zu gehen bzw. seine beruflichen Tätigkeiten stark zu reduzieren. Trotzdem musste er der AHV natürlich brav weiterhin Geld überweisen, um später diese AHV-Rente zu erhalten.
Die «Alters- und Hinterlassenenversicherung» bildet die staatliche Säule des schweizerischen Dreisäulensystems zur Sicherung des finanziellen Grundbedarfs im Alter.

Der frühere Bundesrat Hans Peter Tschudi wird als «Vater der AHV» bezeichnet, welche im Jahr 1948 lanciert wurde.
Die Formel ist heute genauso, wie damals: Wer «zu viel» einbezahlt kriegt die Maximalrente. Wer «genug» einzahlt, kriegt auch die Maximalrente. Wer «zu wenig» einzahlt, kriegt eine Teilrente. Wem die Rente nicht fürs Auskommen reicht, kann Ergänzungsleistungen beantragen.

Jörg gehört zu jenen Grosseinzahlern, welche wohl weit über 100 Jahre alt werden müssten, damit das einbezahlte Geld wieder vollständig zurückfliessen könnte. Also ist der Studach ein besonders «sozialer Einzahler».

Die allerersten 2’450 Auszahlungsfranken spendete er für einen guten Zweck. Nämlich dem Erhalt von bereits bestehenden Freundschaften. Er lud zum Gourmetlunch und Weinbüffet ins Restaurant Reussbad Luzern. Wer sich mit gastronomischen und önophilen Grundkosten auskennt, kann sich schnell ausrechnen, dass bei dieser Einladung auch «Folgerenten» angeknackt werden müssen …

2005 Château Léoville-Poyferré, Saint Julien: Die Farbe; fast Schwarz. Das Bouquet gibt sich besonders dunkel, heisst; schwarzes Pfeffermehl, Brombeeren und Rauch. Also setzt dieser Poyferré nasal deutliche Cabernet-Akzente. Im zweiten Ansatz Minze, Eucalyptus. So erinnert das Nasenbild auch etwas an Kalifornien. Im Gaumen fest, mit Biss, kräftiges Finale. Ein charaktervoller Saint-Julien, den man blind auch in der Region Saint-Estèphe suchen würde. Kam sehr, sehr gut an in der Tischrunde. 19/20 beginnen





TURMBAU ZU BORDEAUX

Der Turm auf Chateau Gruaud-Larose ist modern und passt wie eine Faust aufs Auge zum Rest des Weingutes. Aber immerhin bietet er eine tolle Aussicht über die Rebberge.

2006 Château Gruaud-Larose, Saint-Julien: Mittleres Weinrot, am Rand aufhellend.  Wunderschöne Zedernwürze, heller Tabak, Lakritze und dunkelbeerige Fruchtresten. Im Gaumen erstaunlich fein, perfekte Balance und sehr angenehm von der Adstringenz her. Ein royaler wunderschöner, erhabener Bordeaux. Diesen bald 20jährigen Wein kann man noch unter 100 Franken kaufen. Ab jetzt ein Punkt mehr wie früher. 19/20 trinken

P.S. Während meiner Zeit als Einkaufschef bei Mövenpick kaufte ich manchmal bis zu 40'000 Flaschen pro Jahr für die Subskription.




EINE ZIEMLICHE 2008ER-SENSATION

Dieser Jahrgang bekommt bei mir durchzogene Bewertungen. Der Bewertungsschnitt liegt so etwa zwischen 16 und 17 Punkten. So richtig grosse Weine gibt es da leider nicht viele. Ein paar aber schon. Und da gehört dieser ausser-gewöhnliche Figeac dazu. Er bekam bei mir schon als Fassprobe 19/20. Heute noch eine sehr gute Kauf-Empfehlung für Ungeduldige, denn die Reife ist jetzt erstmals vorhanden …
 
2008 Château Figeac, Saint-Emilion: Sanft aufhellend mit minimen Reifetönen. Offenes, wohltuendes Bouquet; Birnenweggenmark,  Caramel, Dörrpflaumen, Vanille, Earl-Grey-Tee, und Kaffee im Duft. Im Gaumen malzig, weich, cremig- Die Gerbstoffe sind sehr anschmiegsam. Einer der besten Weine dieses nicht einfachen Jahrganges. 19/20 trinken




image-12505769-2009_Montrose_Rene_Gabriel-aab32.jpg

EINE IMPOSANTE 2009-LEGENDE

Welches waren meine drei allerbesten Weine an diesem Lunch? Es sind die gleichen Drei. Montrose, Montrose und Montrose!!!
 
2009 Montrose, Saint-Estèphe: Für die Farbe gibt es fast nur ein Wort; Schwarz!!! Klar sind da auch noch ein paar rote Reflexe dabei, aber Schwarz dominiert eindeutig. Die Nase nobel, gewaltig tief, Pumpernickel, Black Currant, Lakritze, Trüffel und Heidelbeeren. Bereits nasal ist die absolute Sensation vorhanden. Im Gaumen mächtig, imposant, adstringierend und noch viel weiteres Potential aufzeigend. Doch dieser Montrose ist komplett unnahbar. Er kommuniziert und die Tannine weisen einen ersten Charme auf. Das Finale ist endlos. Dieser Wein ist schlicht und einfach perfekt. Ein bewegender Genussmoment! 20/20 trinken


Der Péby Faugères - auch mit 20/20 und die anderen Weine? www.bxtotal.com weiss es ...

image-12505772-RESTAURANT_REUSSBAD,-c51ce.jpg

**************************************************************************************************************************************************************************

image-12503645-IMG_9127-c9f0f.w640.JPG

LASAGNE ESSEN & LAS CASES TRINKEN
 
Hast Du es gemerkt? Schau doch den Titel nochmals genauer an. Richtig - zwei Mal ist LAS etwas grösser geschrieben als die anderen Buchstaben. Das dient dem Wortspiel der Thematik von diesem Montag-Event. Die Idee kam von Baschi, der gleichzeitig als Gastgeber fungierte. Er lieferte den LAS Cases und seine Frau Sue die hausgemachte LASagne.

Damit sei auch wieder mal auf sie Symbiose von Essen und Wein hingewiesen. Meiner Ansicht generell eine oft gehemmte Variante es allen recht zu machen. Ich finde diese Zwangsformel oft übertrieben und würde mir zu dieser Thematik gerne etwas mehr allseitige Toleranz wünschen.

Aber eine meiner Gabriel-Lieblingsformeln kommt bei diesen beiden Elementen ganz gross zur Geltung.

Mein Wein-Food-Verbindungs-Motto ist nämlich entweder «Teuer trinken und günstig Essen». Oder halt umgekehrt.  
Was ich damit meine? Zu einem teuren Wein kann man durchaus ein kaltes Plättli essen. Oder bei einem Spitzenkoch zum teuren Menu einen eher günstigen Wein bestellen. Falls es sowas dann vor Ort wirklich auch gibt.

Warum ich diese Formel entwickelt habe? Meist reicht die persönliche Genusskapazität gar nicht für beide Elemente aus. So kann man sich bei einer teuren Flasche gut auf den Wein konzentrieren und beim teuren Menu auf die vielen Speisengänge.
Auch die Variante günstigen Wein und günstiges Essen würde ich gelten lassen. So nach dem anderen Gabriel-Motto: «Es muss nicht immer weiss Gott was sein». Oder wie es Oscar Wilde einmal zitiert hat: «Die Einfachheit ist die Sehnsucht der Komplizierten.»

Bei einem Stück Käse und einem Glas Dôle kann man sich selbst sehr gut beweisen, dass man nicht zu den Etepetete-Snobs gehört.
Wichtig ist, bei Allem, was man isst oder trinkt; man muss es bewusst machen. Man muss es selbst erleben. Sich Zeit nehmen, runterfahren, sich darauf freuen. Sich in Demut üben. So lange nicht jedem Menschen der Zugang Trinkwasser garantiert werden kann, ist alles andere was trinkbar ist oder mit fester Nahrung zu tun hat ganz und gar nicht selbstverständlich. Think about it!

1978 Château Léoville-Las Cases, Saint-Julien: Noch immer eine recht jugendlich wirkende Farbe, nur wenig Reifetöne am Rand. Die ersten Sekunden vom Nasenbild erinnerten mich spontan an die Holunderblütenbonbons von Ricola. Da war so etwas Frisches, Kräutriges im Bouquet. Und – ebenfalls nur ein paar Sekunden lang – waren blaubeerige Primäraromen zu finden. Hoch aromatisch, mit mittlerem Druck. Im Gaumen hat er in den letzten Jahren etwas abgespeckt. Wobei so richtig füllig war er eigentlich nie. Das würde auch gar nicht zum Jahrgang passen. Er ist schon lange auf dem Genusspeak und verteidigt diese Phase schon erstaunlich lange. Macht unerhört Spass. Zusammen mit dem Pichon-Lalande bildet dieser Las Cases die Qualitätsspitze aller 1978er Bordeaux. Was ich damit behaupten will; alle Premiers können hier nicht mithalten. Die Klassement Pyramide ist nicht immer logisch und hier heisst es: «Die Ausnahme bildet die Regel.» 18/20 austrinken

MEHR PAUILLAC WIE SAINT-JULIEN

Meine These ist, dass ein Saint-Julien in der Regel eine Art «verdünnter Pauillac» ist. Was ich damit meine? Geschmacklich nähern sich die Saint-Juliens oft ziemlich genau einem Pauillac an. Nur der Körperbau wirkt dabei  minim leichter, dafür etwas eleganter. Wenn aber ein Saint-Julien besonders dicht und fleischig ist, dann geht er dann schon in Richtung Pauillac. Der 1989er Las Cases liefert den Beweis für diese Theorie …
 
1989 Château Léoville-Las Cases, Saint-Julien: Innen von unglaublich dichter Farbe, aussen feiner Reiferand mit sanft ziegelroten Reflexen. Die ist Nase dicht, schier bullig, sehr kompakt und mit viel Druck ausgestattet. Man findet Spuren zum heissen Jahrgang, dies in Form von Korinthen und Dörrpflaumen. Im zweiten Ansatz: Lakritze, getrocknete Heidelbeeren und Trüffel. Im Gaumen voll im Fleisch, konzentriert und mit enormem Druck im imposanten Finish. Das war für mich der absolut beste Wein des Abends. Ein Weinhändler hatte noch vier Flaschen zu 175 Franken im Angebot. Hatte! Die sind jetzt auf dem Weg nach Eschenbach. 19/20 trinken







STILTON UND PORTWEIN

Der 1991 Quinta de Terra Feita ist für mich besser als der «richtige Taylors». Eine Portlegende. 20/20 trinken






AND THE WINE-OSCAR GOES TO …

Eschenbacher Weinwanderer Jasskönig. Auf dem Bild sieht man den strahlenden Sieger Jürg Richter. Er holte den zweiten Titel. Letztes Jahr gewann Hugo Gabriel. Bärti Stocker lag heuer nur grad einen winzigen Punkt hinter Jürg.
Ferner liefern …
Im zweiten Rang: Bärti Stocker
Im dritten Rang: Baschi Schwander
Im vierten Rang: Hugo Gabriel
Im fünften Rang: Philipp Buholzer
Im sechsten Rang: Guido Rast
Im siebten Rang: René Gabriel
Im achten Rang: Robi Hocher

**************************************************************************************************************************************************************************

image-12502112-Titelbild-6512b.w640.JPG

Wenn zwei Genussmenschen an einem Strang ziehen, dann verdoppelt sich das gefühlte Erlebnis. Das war das Ziel vom geplanten «Linner». Linner? Das ist eine Kombination zwischen Lunch und Dinner. Will heissen, der Event begann am Nachmittag und hörte am Abend auf. Ein lukullischer Halbmarathon in sieben Akten. Passiert am Samstag, 27. Januar 2024 an der Sonnenbergstrasse 109 in Zürich. Dort kocht und lebt Richard Kägi. Ein Mann mit viel Lebensmittel-, Gemüse-, Früchte-, Fisch- und Fleischerfahrung. Dieselben Kenner-Attribute könnte man bei ihm bei Allem, was flüssig ist ebenfalls auflisten.

Kennengelernt habe ich den Richi bei einem gemeinsamen Lunch bei Werner Tobler in Hildisrieden. Wir hatten das Heu schnell auf der gleichen Bühne. Dort ist dann auch relativ spontan die Idee zu einem gemeinsamen Event entstanden.

100% MERLOT, 100% NEUE BARRIQUEN - EIN AUSTRIA ROTWEIN MUST!


2015 Merlot Saturio Ried Bügel, Garagenwinzer Nikolai: Magnum. Sattes Rubin-Purpur. Intensives Fruchtbouquet. Rote Kirschen und Waldhimbeeren wechseln sich im Reigen ab, dahinter Hagebuttengelee, Parisette Brot und Vanille. Man muss ihm nicht entgegen gehen, denn er gibt sich sehr kommunikativ und versprüht seine primären Nuancen in verschwenderischem Masse. Im Gaumen geht es mit der roten Frucht nahtlos weiter, samtenes Extrakt und gebündeltes Finale. Ich bin mir nicht so sicher betreffend seiner effektiven Reifephase. Wer ihn aber jetzt (schon?) trinkt, macht garantiert keinen Fehler. 19/20 trinken

2016 Merlot Saturio Ried Bügel, Garagenwinzer Nikolai: Magnum. Mitteldunkles Granat mit zart rubinem Rand. Offenes Bouquet, viel rote Frucht, Pflaumen, Erdbeeren, Kirschen, aber auch eine subtile Würze mit fein durchzogenen Kräuternuancen. Ein Hauch Milchkaffe deutet auf minim laktische Züge hin. Mit jedem Kontakt kommen neue, feine Aromen Schichten dazu. Im Gaumen zartfleischig. Er zeigt noch eine gewisse Adstringenz und deutet so sein weiteres Alterungspotential an. Während der 2015 schier etwas burgundisch daherkommt, weist hier der Grundcharakter eher in Richtung Pomerol. Er scheint auch ein besserer Food-Sparringspartner zu sein. Zwei Stunden dekantieren. 19/20 beginnen

FILTRIEREN NÜTZTE NIX

Er wollte einfach nicht. Hatte definitiv keinen «Zapfen», aber halt einen Bock. Das ist beim Mouton 1983 halt leider manchmal so. Und beim 1986er und 1988er auch. Die gute alte Zeit war halt manchmal nur die alte Zeit. Ohne gut!

1983 Château Mouton-Rothschild: Magnum. Aufhellendes, etwas rostig wirkendes Granat mit dem Alter entsprechenden Reifereflexen. Reduktives, bockiges Bouquet mit minimen Spuren von Kontaminierung. Torf, Malz, Korinthen, Rauch, schwitzendes Leder und auch feuchter Keller. Zeigt aber Konzentration und eine gewisse Tiefe. Das ist wieder mal so ein Nasenbild wie es dieser Mouton nicht selten zeigt und man nicht sicher ist, ob er korkt oder wieder mal seine «andere, leider weniger attraktive Seite» dokumentiert. Im Gaumen mürbe, wirkt mehlig, aber gleichzeitig sehr konzentriert. Die Grösse ist da. Der Spass kommt vielleicht mit dem Dekantieren. Hoffentlich. Schauen wir mal. Er blieb nach ein paar Stunden in der Folge leider «stinkig». Also keine Bewertung. 

ZWEI MAL 19-PUNKTE!

Das waren zwei tolle Magnums. Sehr unterschiedlich. Der Valandraud 1998 voller Power. Der Lafleur 2001 voller Finessen. Manchmal ziehen sich Gegensätze an. Oder jeder bleibt für sich gewaltig ...

Wie alle Weine und das Essen vom Event Kägi & Gabriel schmeckten findet man im grossen Bericht von René Gabriel auf www.bxtotal.com




image-12502127-KÄGI_KOCHT-c9f0f.jpg


**************************************************************************************************************************************************************************

WIE HAST DU ES SO MIT AL DENTE?

In Teneriffa besuchten in einem wirklich guten Italiener. Super Service. Tolle Gerichte. Als absoluter Hit wurde dort als Hauspezialität Spaghetti Carbonara mit dem verheissungsvollen Attribut «unique Carbonara» angeboten. Da die vorgängigen Portionen generell klein waren, orderte ich mir – statt Dessert – dieses italienische Hauptgericht. Ich war happy, dass sich die georderte Ration dann optisch den mengenmässig den vorgängigen Mengen angliederte.

Mit Neugier nahm ich den ersten Bissen. Al dente? Damit mein man, gemäss Wikipedia: «(italienisch dente „Zahn“; deutsch „für den Zahn (spürbar)“) ist in der Küchensprache der Ausdruck aus der italienischen Küche für die Zubereitung insbesondere von Teigwaren (Pasta), aber auch Reis und Gemüse, die so gegart sein müssen, dass ihr Kern noch nicht ganz weich ist..».

Meine Spaghetti boten von der Konsistenz her einen echten Sparringspartner mit meinen Zähnen. Vom Querschnitt her waren die innen mehr weiss wie leicht gelb, respektive transparent. Also befanden sich diese zwischen noch nicht gekocht und nicht richtig gekocht. Wie auch immer. Der wie in der Karte beschriebene knusprige Bauchspeck schmeckte wie aus dem Wasser gezogen. Die Sauce bestand gefühlt nur aus reinem Eigelb. Auf die Frage, ob ich da noch etwas Reibkäse bekommen könnte, antwortete mir der Chef de Service, in der Sauce sei schon genügend Käse integriert worden. Ich musste das Gericht nicht bezahlen, aber es blieb leider ein schaler Geschmack zwischen meiner ordentlich vorgetragenen Reklamation und dem Chef de Service hängen …

Zugegeben, ich bin eher der «Weichmacher» von Teigwaren. Da bleibt die Sauce besser kleben. Al dente? Also lieber nicht! Dies, obwohl die Gabriels eigentlich urtümlich aus Italien (Centovalli) stammen. Also koche ich alle Teigwaren etwas länger als angeben. Dann schütte ich diese ab, lasse noch ganz wenig Wasser drin und stabilisiere diese – nebst persönlichem würzen – mit etwas Olivenöl oder Butter und lasse diese bei niedriger Temperatur bis zum Verzehr-Einsatz noch etwas ziehen.  

So richtig al dente mag ich also definitiv nicht. Zudem habe ich gelesen, dass man von Pasta eher zu viel isst. Dann gehen die Dinger auch noch auf im Magen, weil erst dort gefühlsmässig «fertiggekocht wird».
Bin ich der Einzige, der kein «Aldenter» ist? Und nicht gerne al dente isst?     

Foto: chefkoch.de

**************************************************************************************************************************************************************************

image-12495956-Screenshot_2023-01-20_121607-c20ad.w640.png

10 JAHRE GABRIEL-GLAS SCHWEIZ
 
Begonnen hat es in der Schweiz. Ein paar Jahre früher. Am 1. April 2010 (kein Scherz) präsentierten wir das brandneue, just produzierte Gabriel-Glas, in Zürich an einem Event mit Gästen, Freunden und Journalisten. Doch das Zentrum der Tätigkeiten lag und liegt auch heute noch in Österreich. Nämlich in Hallein, Nähe Salzburg. Dort laufen alle Fäden zusammen. Seit der Gründung ging es stetig - mit konstantem Zuwachs - bergauf. Heute ist das Gabriel-Glas in über 60 Ländern vertreten. Ecuador und Armenien sind die neuesten «Mitglieder».

Auch die Schweiz startete zur gleichen Zeit mit zaghaften Mengen. Aber noch nicht mit einer eigenen Firma. Wir importieren zwar schon Gläser und es gab auch schon eine Webseite, aber der Vertrieb musste nach und nach aufgebaut werden.
Ich fungierte noch als Berater von Mövenpick und organisierte Events und Weinreisen. Karin war damals noch vollzeitbeschäftigt als Geschäftsführerin vom Mövenpick Weinkeller in Zürich-Enge. Mit Erlaubnis der Direktion durfte sie eine Lagerecke benutzen und erste Glas-Pakete in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein verschicken.

Damals wurden alle Gläser noch im weissen Industriekarton angeliefert und jede Design-Verpackung musste mühsam zusammen-gefaltet werden. Die Rechnungen liefen bis 2013 über meine Firma Weingabriel GmbH. Die Aufträge nahmen stetig zu. Immer mehr Weinhändler nahmen das Gabriel-Glas ins Sortiment auf. Auch die Gastronomie hatte dieses Universal-Glas für sich entdeckt. Was als Nebenjob für Karin begann, war nach ein paar Jahren so nicht mehr zu handhaben. Mit einem lachenden und weinenden Auge gab sie ihren langjährigen Job bei Mövenpick auf und wurde Geschäftsführerin und Mitbesitzerin der neuen Gabriel-Glas (Schweiz) GmbH.
Gleichzeitig entstand – nach zweijähriger Bauzeit – Mitte des Jahres 2013 im luzernischen Eschenbach der Neubau an der Unterdorfstrasse: das neue Heim der Gabriels.

Nach dem Motto «Wohnen und Arbeiten» entstanden hier ideale Voraussetzungen für Lager- und Büroräume. Wobei zu erklären ist, dass sich Karins Klein-Office in einer Nische zwischen Lift- und Aussenwand befindet und die Crew reichlich improvisiert am Küchentisch arbeitet. Geht doch!

WE ARE FAMILY

Das Gabriel-Glas ist und bleibt eine Familiensache. Die beiden Firmen Gabriel-Glas Hallein und Gabriel-Glas Schweiz sind seit 2024 in eine Familienholding (ALLGA-CONTI GmbH) integriert und die Kinder Stefan und Melanie sind bereits jetzt schon sorgfältig auf eine spätere Stabsübergabe vorbereitet worden. Doch bis dahin versucht sich der René halbwegs als möglicher Rentner und die Power-Karin ist noch voll «in Duty»!

JUBILÄUM IM BRANDENBERG ZUG
Ein Jahr zuvor starteten die Vorbereitungen für die geplante Jubiläumsfeier. Als erste Massnahme musste ein Datum (13. Januar 2024) gefunden werden, an dem alle Mittglieder des Gabriel-Clans präsent sein konnten. Dann suchten wir nach einer Location, welche a.) relativ zentral gelegen und b.) mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist. Von meinen langjährigen «Jass-Eskapaden» und Gelagen mit meinen leider verstorbenen Freunden Guschti Brandenberg und Marino Aliprandi kam mir der Brandenberg (Bild) in Zug in den Sinn. Nachdem ich beim Geschäftsführer Christian Hempel die Reservation gefixt hatte, wurde der Anlass auf meiner Webseite publiziert und via Gabriel-Glas-Kunden beworben.

Nach dem Apéro begrüsste Karin Gabriel die Gäste und stellte während einer Rede von ziemlich genau fünfzehn Minuten ihr Dream- Team vor. Arbeitstechnisch sind das fürs Tagesgeschäft vorwiegend Schwiegersohn Till Rao Farine und Tochter Melanie Margaux Farine-Gabriel. Es sei hier verdankenswerter Weise von mir vermerkt, dass Karin seit Beginn massgeblich für den Erfolg von Gabriel-Glas in allen Belangen hauptverantwortlich war/ist.


WEISSE MAGNUM VON DOWN UNDER

Einen Weisswein vom Jahrgang 2014 wollten wir unbedingt als Vorläufer servieren. Das war ein weit schwierigeres Unterfangen, als passende Rotweine zu finden. Wir beschafften uns ein paar mögliche, weisse Italiener. Die waren alle müde oder fad. Also war das erst mal nix. Dann fand ich ein Angebot von recht vielen Magnums vom Sauvignon Blanc Cloudy Bay 2014 im Markt. Sofort liess ich mir per Express ein Muster schicken und blockierte den Rest. Gemeinsam mit der Glas-Familie verkosteten wir ihn schon am anderen Tag. Und alle waren begeistert. Und diese Begeisterung schlug sich auch im Saal um, als wir diesen Wein zum Apéro und zur Vorspeise (gebackene Felchenfilet mit Salat) servierten.

2014 Sauvignon Blanc, Cloudy Bay, New Zealand: Magnum. Unglaublich frische, brillante Farbe; helles Gelb mit lindengrünem Schimmer. Intensives, duftiges Bouquet mit vielen Noten von Grapefruit, Limetten, Passionsfrucht, Stachelbeeren und weissem Pfirsich, auch grasig-würzige und grüne Paprikanoten spielen mit. Dabei schimmert eine parfümierte, fein salzige Mineralik durch. Vollkommen intakt und man freut sich auf einen ersten Schluck. Saftiger, säurebetonter Gaumen, geschmeidiger Fluss, tolle Aromatik bis zum Schluss. Ein unglaublicher Wein, der sich praktisch zehn Jahre problemlos auf höchstem Genussniveau gehalten hat. Und das wird respektive würde so auch noch ein paar Jahre bleiben, wenn man ihn nicht vorher ausgetrunken hätte. Er hatte qualitativ keine Mühe mit den gebotenen Rotweinen mitzuhalten. Ausser bei der Farbe und dem Geschmack. Was wiederum mehr als logisch klingt. Kam auch beim Publikum extrem gut an. Und bei meiner «Weisswein-Karin». Was wiederum auch logisch klingt. 19/20 trinken

Foto: Schweizer Glas-Chefin Karin Gabriel.  

WIE KOMMT DAS MON CHÉRI IN DEN DOMAINE DE CHEVALIER?

Bei Bordeauxweinen kommt es oft zur Beschreibung von Kirschen und Schokolade. Und wenn beide fast gleich akzentuiert sind, dann erinnert das Ganze an ein Mon Chéri. Von diesem Ferrero-Verkaufsschlager werden jährlich 130 Millionen Kilogramm verkauft.

2014 Domaine de Chevalier, Pessac-Léognan: 9 l Salmanazar. 65% Cabernet Sauvignon, 30% Merlot, 5%Petit Verdot. Sattes, dunkles Rubin mit lila Schimmer. Das Bouquet ist einerseits recht intensiv, zeigt aber auch schon sehr elegante, minim laktische Ansätze. Rote Kirschen und Aromen von hellen Pralinen erinnern an ein Mon Chéri. Im zweiten Ansatz: Kaffee, Kokosnuancen, Kruste von Weissbrot und helle Pralinen. Das Nasenbild gibt sich sublim-füllig. Sehr charmant im Gaumen, will heissen, die Tannine geben sich gereift, die Balance ist wunderbar, der Fluss cremig und er endet harmonisch und lang. Ein sehr finessenreicher Domaine der Chevalier, der sein Altern in der Flasche zu einer positiven Evolution genutzt hat. Er bietet einen ersten, möglicherweise etwas burgundisch anmutenden Genussspass. Könnte es sein, dass er in dieser Restfruchtphase allenfalls sogar besser gefällt als in seiner späteren Endreife? Oder ist es der mögliche «Salmanazar-Bonus»? 18/20 trinken  

QR-CODE AUF DER KAPSEL

Wenn man auf den Link drückt, so erscheinen alle wichtigen Informationen zu diesem Wein.
So auch die Bewertungen …

Wine-Spectator 94/20 / James Suckling 92 - 93
Decanter: 18/20 / Jancis Robinson 17.5/20
Wine Advocate / Wine Enthusiast 96/100
Fehlt eigentlich nur noch eine wichtige Bewertung. Die von mir. 😉   





2014 Château Léoville-Barton, Saint-Julien: 9 l Salmanazar. 83% Cabernet Sauvignon, 15% Merlot, 2% Cabernet Franc. Recht dunkles Granat, am Rand mit rubinem Schimmer aufhellend. Das Bouquet beginnt zaghaft mit Kirschen und Heidelbeeren, lädt elegant aus und zeigt feine Schichten. Nach ein paar Minuten ist ein Schimmer von Zedernholz spürbar, ergänzt mit Fliedernuancen, blaubeerigen Blüten und schwarzem Pfeffer. Im Gaumen schier seidig im Fluss, die Tannine sind schmeichelnd und die Säure stützt gut. Schmeckt nicht nur klassisch nach Bordeaux, sondern zeigt auch schon viel von der erhabenen Barton-Aromatik. Sehr ehrlich vinifiziert und so schon bald ein optimaler Genuss. Ein möglicher Business Wein. Business Wein? Das sind Weine, welche man am Mittag zum Lunch trinkt und danach noch gut arbeiten könnte. Wenn «Mann» müsste! Liebhaber von Weinbomben werden meine Bewertung wohl nicht so richtig verstehen. Finessentrinker schon! 19/20 beginnen

SALMANAZAR: WIE SERVIEREN?

Es geht einfacher als man denkt. Sohn Stefan machts vor. Die geöffnete Grossflasche auf einer rutschfesten Unterlage schräg halten und den Wein sanft in eine Karaffe mit grosser Öffnung dekantieren.








BORDEAUX IST NICHT NUR TEUER

Vom fantastischen Phélan-Ségur 2014 gib es heute noch mehrere Angebote im Schweizer Markt unter 50 Franken.

Melchiorflaschen habe ich leider nur noch an einem Ort in der Welt gefunden. Und zwar nicht als käuflich erwerbbar, sondern als Ankündigung zur Entkorkung auf meiner Webseite www.weingabriel.ch für diesen Anlass. Somit ist auch die letzte 18-Liter auf dem Globus genüsslich entsorgt worden …

2014 Château Phélan-Ségur, Saint-Estèphe: 18 l Melchior. 64% Cabernet Sauvignon, 36% Merlot. Unglaublich dunkle Farbe; in der Mitte fast Schwarz, aussen dunkles Purpur. Dunkles, würziges, zu Anfang noch etwas reserviertes Bouquet. Von Beginn weg herrscht – von der Aromatik her – eine klare Cabernet-Ansage: Schwarze Pflaumen, Cassis, Brombeeren, eine Nuance Teer und Rauch, welche die Tiefe dieses Weines anzeigen. Im zweiten Ansatz eine Dominanz von Black Currant-Pastillen. Feinfleischiger Gaumen, beeindruckt durch eine unerwartete Konzentration. Gibt sich ausgeglichen, bei noch etwas fordernder Adstringenz, hoch aromatisches, langes Finale. Ein nobler wie auch kraftvoller Saint-Estèphe den man, blind verkostet, vorbehaltslos als Grand Cru einschätzen würde. In dieser Melchiorflasche scheinen noch unglaublich viele Primäraromen eingefangen zu sein. Da ich diesen Wein vor ein paar Monaten auch in der Normalflasche verkosten durfte, behaupte ich, dass diese «Mega-Gross-Flasche» momentan wesentlich besser daherkommt. Gehört sicherlich zu den spannendsten, günstigsten und gleichzeitig auch besten Weinen dieses noch unterschätzten Jahrganges. 19/20 beginnen

BIS ZUM LETZTEN TROPFEN

Ich hatte sehr grosszügig kalkuliert. Es war anzunehmen, dass Besitzer von Gabriel-Gläsern auch gerne Wein trinken. Also nahm ich diese 12er-Kiste vom 2014 Château Faugères eher anstandshalber mit. Die Trinkbilanz über die rund fünf Stunden liess sich aber sehen. Eine Stunde vor Kaffeebeginn musste auch diese OHK noch dran glauben.  Somit wurden von den 73 Teilnehmern folgende Weinmengen verköstigt. Sauvignon Blanc Cloudy Bay 11 Magnums. Je eine Neunliter Domaine de Chevalier, Léoville- Barton und Pichon-Baron. Plus die 18 Liter Phélan-Ségur und die 12er Kiste Faugères. Macht Summa Summarum just nicht ganz einen Liter Wein pro Teilnehmer. Zum Wohl!

2014 Château Faugères, Saint-Emilion: Joker-Wein, Normalflasche. 85% Merlot, 10% Cabernet Franc, 5% Cabernet Sauvignon. Die Farbe immer noch sehr dunkel mit lila Reflexen im Granat. Das Bouquet zeigt würzig-florale Noten, ergänzt durch viel Frucht (Himbeeren, Holunder, Walderdbeeren und Cassis). Eine zart vanillige Süsse schwingt im Hintergrund mit. Im Gaumen gibt er sich im ersten Moment noch dezent kernig und fein pfeffrig. Dann weicht sich das satte Extrakt auf und erzeugt gewinnenden Charme. Entweder eine Stunde dekantieren oder noch zwei, drei Jahre warten. Ein unglaublicher Grand Cru Classé-Wert, welcher – nach bald 10 Jahren Lagerung – in eine recht lange Genussphase mutieren wird. Es ist nicht der einzige Bordeaux, der aufzeigt, dass in diesem klassischen Jahrgang bedeutend mehr steckt, als allgemein erwartet wird. 18/20 beginnen
P.S. Der Faugères 2014 gefiel mir auf einer Bordeauxreise so gut, dass ich im Frühling 2023 ein Sonderangebot kreierte. Insgesamt wurden in der Folge 11 Paletten importiert und verkauft. Das war die allerletzte Kiste. ☹



GOLDAUER GRÜMPELBAND

Unterhaltung und Stimmung pur.

Das ist die Goldauer Grümpelband.







**************************************************************************************************************************************************************************

HOSANNA, HANSPETER & HIRSCHFILET

Der Gastgeber hiess zwar Bärti. Aber dieser Vornamen fängt nicht mit «H» an und passt so halt nicht zur Titel-Trilogie. Also habe ich mit zur Einleitung dieser Geschichte rund um den Bordeaux 2000 vom rechten Ufer (Saint Emilion und Pomerol) den Vornamen des Störkochs Hanspeter zu Hilfe genommen. Das Hirschfilet stammte aus Aargauer Jagd von Freunden. Und der einzige Cru mit dem eingangs erwähnten Anfangsbuchstaben war der Hosanna. Der stammte aus dem Keller vom W1-Besitzer. Dort fand denn auch die gemütliche Jass- und Genussrunde statt. Dies an einem der ersten Tage im hoffnungsvollen Jahr 2024.


ROUGET LIEGT AM JAKOBSWEG

Einer der ehemaligen Jakobswege führte von Paris nach Santiago de Compostella. Pomerol war bereits im Mittelalter berühmt für seine Gastfreundschaft. Dass es heute Wein in dieser Region gibt, war den Römern zu verdanken.
Die Postadresse von Château Rouget erinnert auch heute noch an diese Zeit; 6 Rte de Saint-Jacques-de-Compostelle, 33500 Pomerol.

2000 Château Rouget, Pomerol: Die Farbe ist mit einem mitteldichten Purpur ausgestattet, nur am Rand Reifetöne zeigend. Das Bouquet gestaltet sich schwierig, reduktiv, Pneu, dunkle Rosinen und Liebstöckelaromen. Auch im Gaumen bereitet er nur noch verhaltenen Spass, gibt sich unharmonisch und körnig, endet mit Bitternoten und gibt sich insgesamt leidlich überholzt. Hier sehe ich leider keine positive Zukunft, weil die Gegenwart schon nicht mehr positiv ist. 15/20 vorbei


EINMAL PRO JAHR IN ESCHENBACH
Graf Neipperg gibt sich die Ehre. Und zwar jedes Jahr. Weil Stefan Neipperg jeweils für Primeurverkostungen in die Schweiz reist, verbindet er die Anreise mit einer Einladung der Eschenbacher Weinwanderer. Dort wird erst etwas gewandert und dann in der Jagdhütte gegessen und schöne Weine getrunken. Im Jahr 2023 habe ich diese Foto geknipst. Da spielt der Saint-Emilion-Graf mit dem Hund Eloy unten links. Mit dabei in der unteren Reihe von links; Bündner Winzer Daniel Gantenbein, Maitre Fromager Bernard Anthonny, Faugères-Besitzer Silvio Denz. Oben Baschi, Philipp, Jürg und André.
   
2000 Château Canon La Gaffelière Saint-Emilion:
Immer noch sehr rotfarben und optisch jung wirkend mit Karmesin-Schimmer. Für einen mehr als 20jährigen Wein zeigt er immer noch viel eingefangene Primärfrucht; rote Johannisbeeren, Himbeeren, Walderdbeeren und etwas Brombeeren im Hintergrund. Zarte Röstnoten, Milchkaffee und zart pfeffriger Ansatz. Im Gaumen mit fein stützender Säure, nobel und kräftig zugleich und mit langem Würzfinale ausgestattet. Ein grossartiger Wein der zur Elite des rechten Ufers gehört. Und unter diesen ist dieser fantastische Saint-Emilion einer der preiswertesten. Leider gibt es dazu keine Angebote mehr in der Schweiz. Das kommt wohl daher, weil Bärti alles zusammengekauft hat. Im übrigen Europa gibt es mehrere Offerten unter 150 Franken. Und das ist er heute noch locker wert. 19/20 trinken  

DER JÜNGSTE SPITZENPOMEROL

Die Weinberge sind älter als der Cru! Früher hiess das Weingut Certan-Guiraud und war in den fünfziger Jahren eines der bekannteren Pomerol Weingüter.
Im 16. Jahrhundert liess sich die frühere Besitzer-Familie de May in der Hochebene des Pomerols nieder und pflanzten dort die ersten Weinberge in dieser Region an.  
1998 erwarb die Familie Moueix (Trotanoy, La Fleur-Pétrus etc.) das ehemalige Weingut Certan-de-May und splittete dieses auf.

Ein Teil wurde an den Léoville-Las-Cases Besitzer Jean-Hubert Délon verkauft. Ihm gehört in Pomerol Château Nenin. So wurde diese Parzelle in dieses Weingut integriert.
Aus einem weiteren Teil (100% Merlot) entstand der Cru der Certan-Marzelle. Davon findet man im Markt noch ältere Jahrgänge, weil dies in nicht so guten Jahren das Label des Zweitweines vom ehemaligen Certan-Guiraud war.

Unter der Moueix Ägide entstanden nur zehn Certan-Marzelle-Jahrgänge 2000 bis 2009. 2010 wurde diese Produktion in den Wein von La Fleur-Pétrus integriert. Somit verblieben für den neuen Hosanna noch 4.5 Hektar Rebland mit Toplagen auf dem berühmten Plateau von Pomerol. Bepflanzt sind die sich auf Lehm und Kies befindlichen Flächen mit 70% Merlot und 30% Cabernet Franc. Letztere stammen aus dem Jahr 1956 und bilden das Herzstück von diesem aufstrebenden Weingut, welches sich in den letzten Jahren bei der preislich zweitobersten Pomerol-Elite etablieren konnte.

Firmenintern wird der Hosanna oft als das weibliche Gegenstück zum zuweilen männlich daherkommenden Trotanoy bezeichnet.

P.S. Der Hosanna 2000 bekommt jetzt, in seiner Hochblüte von mir 20/20 Punkte. Wie er schmeckt? www.bxtotal.com weiss es  ...

**************************************************************************************************************************************************************************