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WAS SO WEINIGES IM JAHR 2019 PASSIERTE ...



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GROSSE MAGNUMPROBE FARNSBURG ORMALINGEN

18 Rotweine, 4 Sauternes. Von 1918 Château Margaux bis 1961 Pichon-Lalande.





KLEINES JAHR – GROSSER WEIN

Das gibt es, zumindest was ganz alte Jahrgänge betrifft, fast nur im Bordelais. Und sehr oft sind es die Premier-Grands-Crus. Was im gewissen Sinne wiederum die Terroir-Garantie erklärt. Der Wein ist immer noch sehr vital. Genau so wie Emil Steinberger, Quincy Jones und Jean-Paul Belmondo. Die stammen nämlich auch alle aus dem Jahr 1933 …

1933 Château Haut-Brion, Graves: Magnum. In der Mitte immer noch sehr dicht, die Farbe zeigt die entsprechende Reife an mit deutlich braunen Tönen. Das Nasenbild beginnt mit cerealen Noten und erinnert an ein dunkles Malzbier (Guinness). Die als Dörrbirnen wahrnehmende Süsse zeigt gewisse Affinitäten zu einem alten Sauternes (ohne Botrytis). Man findet viel Rosinen und auch mineralische Züge (Pertinax). Im Gaumen zwar nicht grad einen grossen Jahrgang dokumentierend, aber doch noch sehr viel Freude bereitend. Die Säure wirkt hier als Stabilisator. Ich hatte schon zwei Mal das Glück diesen Wein verkosten zu dürfen und er lag bei mir immer auf 17/20. Diese wunderbare Magnum verdiente sogar noch einen Punkt mehr. 18/20 austrinken   

1920 Château Guiraud, Sauternes: Magnum.

Sehr dunkles Braun mit grünlichem Schimmer. Das Bouquet ist von Beginn weg erschlagend; dunkles Caramel, Gerstenmals, gehackte Dörrfeigen, Quittengelee, Malmsey-Madeira und Pedro-Ximenez. Im zweiten Ansatz findet Likörnoten; Chartreuse, Danziger Goldwasser und Grand Marnier Centenaire. Der üppige Körper sprengt fast den Gaumen, mundfüllend, komplex, übercremig. Trotz der Rubenshaften-Fülle tanzt er schier beschwingt über die Zunge. Besser geht nicht! 20/20 trinken


1961 Château Pichon-Lalande, Pauillac: Magnum. Rostrotes, aufhellendes Weinrot. Das Bouquet dokumentiert den immer wieder von Michael Broadbent zitierten «Erd-Eisenton». Am Anfang zeigte er gewisse Glutamatspuren. Solche findet man auch in grösseren Moutons, just nach dem Entkorken.   Im zweiten Ansatz geht die Cabernetsüsse voll auf. Schwarze Fruchtresten werden abgelöst mit Dörrpflaumen, Zedern und Pfefferkörnern. Der intensive Gaumen zeigt zartes Extrakt, dabei wirkt er dicht, kompakt und doch sehr feingliedrig. Erst ist es ein feiner Wein und dann entwickelt er immer mehr Power gegen das Finale. Die schier unbeschreibliche Pauillac-Süsse bleibt buchstäblich im Gaumen und liefert einen phänomenalen Nachhall. Er dokumentiert die Grösse der besten Weine von diesem zurecht als Jahrhundertjahrgang gehandelten Millesime. In dieser perfekten Magnum hält er noch Jahrzehnte. Getrunken an der MAgnumprobe im Restaurant Farnsburg in Ormalingen. 20/20 trinken  



WER SUCHT, DER FINDET
Rein zufällig kann man die Weine der Farnsburg auch für zu Hause kaufen.
Und ebenso rein zufällig findet man da auch momentan noch ein paar Magnums vom 1961er Pichon Lalande. www.wine-rarities.com


KANN MAN WEIN STREICHELN?

Offensichtlich nicht. Zumindest gemäss Literatur. Der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890 – 1935) bemerkte einmal ganz konsterniert: «Schade, dass man einen Wein nicht streicheln kann!».

Dieses berühmte Zitat stammt aus seinem Reisebericht mit dem Titel «Das Wirtshaus zu Spessart». In diesem Schriftstück gibt es gar einen Passus bei dem erwähnt wird, dass er und seine Freunde aus einem Gasthaus herausgeworfen wurden, nachdem diese bei einem Wein Korkengeschmack monierten.
Wenn man die Chance hat einen derartig feinen und Musse fördernden Wein wie den Ducru 1962 im Glas zu haben, so ist man sich nicht mehr so sicher, dass Mann Wein nicht doch streicheln kann …

1962 Château Ducru-Beaucaillou, Saint Julien: Jéroboam. Rostrote, eher matte Farbe. Das Bouquet beginnt würzig, Thuja, Gewürznelken, Lorbeer und feine Rauchnoten. Erinnert in gewisser Weise an einen reifen Clos de la Roche von Dujac. Im zweiten Ansatz Pfeffernoten und es steigt eine pflaumige Süsse auf. Im Gaumen fein, dicht und elegant, weist eine wunderschöne Balance auf. Er weiss auf seine eher leichte Art sehr zu gefallen. Da verlangt man sehr gerne nach einem zweiten Glas. 18/20 trinken


CREPES-SUZETTE-FINALE


An der grossen Farnsburg-Magnumprobe konnte man wählen. Käse, Sorbet oder Crepes Suzette. Letzteres war meine Variante. (Foto)










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1991 CHÂTEAU VALANDRAUD

Die Valandraud-Geschichte fängt nicht gut an. Die wunderbaren Trauben vom Jahrgang 1990 mussten Murielle und Jean-Luc Thunevin verkaufen, weil noch keine Kellereinrichtung vorhanden war. So ist denn der Jahrgang 1991 der erste Valandraud. Produktion lediglich 1'500 Flaschen. Die meteorologische Konstellation war miserabel. Frühjahresfrost dominierte die katastrophale Situation. So gibt es denn in diesem Jahr keinen Pétrus, keinen Cheval-Blanc und keinen Ausone. Aber immerhin einen Valandraud. Und der ist heute noch sehr gut zu trinken und zeigt keinerlei Alterserscheinungen (16/20). Da staunten meine Kellergäste. Und ich erst …


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MAGNUMABEND IM SEMPACHERHOF
 
Was für ein Bild! 20 Magnumflaschen auf einem Tisch. Und zwar auf dem Kellertisch von René Gabriel. Just vor dem Entkorken.
Nach langer Vorankündigung war es am Mittwoch, 19. Juni 2019 endlich so weit.

Kurz vor drei Uhr öffnete ich die alarmgesicherte Türe zum Weinkeller und begann die bereit gestellten Magnums zu entkorken und zu degustieren. Eine nach der Anderen. In aller Ruhe.

Dekantieren? Auch an diesem Anlass wurde mir wieder die Frage gestellt, in welchem Fall man dekantiert und wenn ja, wie lange.
Eigentlich ist jede Flasche individuell. Es kommt halt schon drauf an ob eine Flasche Ducru 1995 bei konstant 12 Grad gelagert wurde oder in einem Keller mit grösseren Temperaturschwankungen das Dasein fristete. Also gibt es letztendlich keine Regel. Jeder muss selbst entscheiden. Dabei stellt sich auch die Frage, ob man möglichst viele Primär-aromen im Glas haben will. Oder ob man die weichere, eher abgeklärte Genuss-Variante bevorzugt. Und somit den Wein recht lange in der Karaffe belüftet.  

Keine Regeln also. Dekantieren bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks.   
Bei einer Verkostung wie dieser muss man die Flaschen, respektive in diesem Falle die Magnums, zwingend auf den Event trimmen.
Der Ablauf ist der Folgende: Kapsel oben abschneiden. Man könnte natürlich auch gleich die ganze Kapsel entfernen. Das mache ich zu Hause eigentlich immer. Aber wenn man die Identität einer Flasche optisch wahren will, dann muss die Kapsel schon ersichtlich sein. Hat auch mit der optischen Wertigkeit etwas zu tun.

Wein entkorken. Dann vorsichtig in die bereit gestellte Karaffe umgiessen. Mittels einer starken Taschenlampe kontrolliert man den Fluss und stoppt das Dekantieren sofort, wenn das Depot im Begriff ist in den Hals zu rinnen.  
Das Depot fülle ich in ein hohes Cocktailglas. In der Zwischenzeit wasche ich die leere Flasche (diesmal Magnum) mit Wasser aus und giesse den dekantieren Wein aus der Karaffe wieder mittels Plastiktrichter in die Magnum. Dann dekantiere ich das Depot vom Cocktailglas vorsichtig in die Magnum. Fertig!  

Rund 30 Weinfreunde verkosteten die obigen Weine. Die Stars des Abends: Valandraud 1995 und Figeac 1998. Beide mit 20 Punkten.

90 JAHRE ALTE MAGNUM

1929 Château Rausan-Ségla: Magnum. Aufhellende Farbe, rostrot mit deutlichem Rand aussen. Das Bouquet ist intakt zeigt Kakaonoten, getrocknetes Rosenholz, Kaffee, feine süssliche Terroirnuancen. Diskret und doch wunderbar im Duft. Im Gaumen elegant, Süssholz, minime Tanninresten aufweisend, welche ihn über die Jahre solide begleitet haben, im Finale fein erdig, Sommertrüffel, Dörrtomaten aber auch noch Fruchtnuancen von getrockneten, roten Pflaumenschalen. Sehr aromatisches Finale mit Nuancen von mild gesalzener Soyasauce und Dörrbirnen.  Hier zeigt er fast mehr Aromen wie in der Nase.
Ein Altweinwunder, welches die feminine Margauxklasse beweist. Glück gehabt mit dieser wunderbaren Magnum. Nach 90 Jahren Weinwunder! 19/20 austrinken


DALIA-LAVI-MOUTON

Es klang irgendwie verzweifelt, als im Jahr 1970 die israelische Sängerin Dalia Lavi die Frage stellte: «Oh wann kommst Du?».
Die gleiche Frage stellen sich beim 1994er nicht nur Mouton-Fans, sondern auch der Gabriel selber. Alle guten Anlagen sind da. Von Beginn weg. Aber der Mouton entwickelt sich wie ein «Slow-Motion-Pauillac». Wenn ich ein Jahr älter werde, so wird dieser Mouton in einem Jahr nur ein paar Monate älter. Aber so langsam tut sich was. Ganz langsam …

1994 Château Mouton-Rothschild, Pauillac: Magnum. Noch sehr dunkles und auch sehr jugendliches Granat mit violettem Einschlag. Das reduktive Bouquet ist deutlich von einem Pauillac-Absender geprägt, Veilchen, Cassis, Mokka, die Fruchtkomponenten sind fast nur schwarzbeerig und er geht auch ziemlich in die Tiefe. Im zweiten Ansatz feine Ledernoten.  Im Gaumen von fester und asketischer Statur. Er spielt so richtig mit seinen Gerbstoffmuskeln und zeigt damit seine immer noch anhaltende Jugendlichkeit. Diesen Umstand merkt man auch daran, dass er irgendwie immer noch gewisse Primäraromen im Innern aufzeigt. Kein Mouton-Charmeur. Ich sehe ihn immer noch nicht ganz am Anfang seiner Genussreife. Also ein Langsamentwickler, der dann wohl umso länger durchalten wird. Ich freue mich über meinen nicht unbeträchtlichen Bestand in meinem Keller und ich freue mich auch auf 2025. Dann vermute ich, dass ich mit dreistundenlangem Dekantieren einen ganz grossen Mouton erleben darf. Die Preise steigen kontinuierlich an. 19/20 warten    

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RIESLING MACHT DEN TAG

Kartenspiel mit Freunden. Rotweine zum Mittag. Rotweine zum Nachtessen. Am Nachmittag: Riesling. Den 2004er Kabinett von Egon Müller findet man wohl eher selten auf einer Weinkarte in der Schweiz. Und wenn, schon gar nicht für 84 Franken. Gesucht hatte ich nach einem anderen Weisswein. Aber als ich diese Trouvaille sah, konnte ich nicht wiederstehen. Immer noch wunderbar frisch, feinfüllig mit einer perfekten Reifefirne. Ich habe mich da gefragt, woher die Kokosnoten stammen. Die passten wunderbar zum Rest. Mit weniger wie 10 Prozent Alkohol bekommt man da beim ersten Schluck schon Lust auf den Fünften.

Es hat keinen Sinn den Namen des Restaurants anzugeben. Als wir gingen, war der Bestand auf Null gesunken …

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BORDEAUX 2016 IST AUF KURS  

Ein paar Fassproben degustierte ich zwar schon. Dies war aber nach 30 Jahren stetem Primeurverkosten der erste Jahrgang, an dem ich nicht mehr nach Bordeaux pilgerte. Umso gespannter las ich die diversen Berichte meiner «Amtskollegen». Konklusion: Bordeaux 2016 muss ganz gross sein!   

Letzten Samstag (also so Mitte Juni) standen bei Weinfreunden in Belp 16 verschiedene 2016er auf dem Tisch. Der spontan geöffnete Montrose ist nicht auf dem Bild. Also kann man hier von einer veritablen Arrivage-Degustation sprechen, denn diese Weine wurden just ausgeliefert.
Verallgemeinerungen sind in der Regel fehl am Platz. Wer sich hier aber auf schwarz-violette Jungbordeaux einstellt ist auch fehl am Platz. Die Farben sind nicht so unnahbar dunkel, wie man es bei einem so gigantisch angepriesenen Jahrgang erwarten würde. Ist kein Makel und kann auch ein Vorteil sein, weil nicht zu stark mazeriert. Vom Nasenbild zeigen sich die 2016er erstaunlich zugänglich. Sämtliche Prüflinge bieten mehr Erstfreude wie beim Bordeaux 2015. Ich habe die Bordeaux’ 1982 noch in ganz guter Erinnerung. Ein solches Arrivage-Nasenrodeo hatte ich bisher nie mehr erlebt. Auch beim 2016er nicht.   

Im Gaumen sind die Weine kräftig, bei meist toller Konzentration und erstaunlich geschliffenen Tanninen. Irgendwie schizophren: gefällig und gross gleichzeitig. Dies ist das neue Qualitätsmanagement für Gerbstoffe, welches ganz Bordelais übergreift. So sind die Weine jungschön und doch sehr altersfähig. Daran darf/muss man sich mehr und mehr gewöhnen. Also sind diese Weine nicht zurecht gemacht, sondern einfach perfekt vinifiziert. Das Niveau lag – trotzdem wir keine Premiers im Glas hatten – sehr hoch.  

Nicht so richtig gefallen haben mir Kirwan (unharmonisch) und Poujeaux (zu leicht). Auch der Sociando-Mallet lag etwas hinter meinen Erwartungen. Verlass ist auf Phélan-Ségur, du Tertre (einer der besten Jahrgänge) und – wie schon immer in letzter Zeit; Meyney. Alle bekannten Namen liefern auf Niveau 18 bis 19 Punkten ab und liegen auf 2016er-Erfolgskurs. Der beste Wein des Abends für mich: Château Calon-Ségur. Hier wird das dokumentarische Niveau der letzten Jahre bestätigt. Mein Liebling an diesem Tasting: 2016 Château Brane-Cantenac. Eine hoch elegante Margaux-Katze auf Samtpfoten! Der kostet zwar auch schon um 80 Franken herum. Ist aber im Verhältnis zu andern Deuxièmes immer noch eine wunderschöne Genussaffäre.  

500 2016er-Degustationsnotizen von meinem Verkostungs-Partner André Kunz findet man auf www.bxtotal.com

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KEINE AHNUNG VON GRENACHE!

Wer im Netz nach diesen Wein sucht, wird schnell mal auf winesearcher.com verwiesen. Dann staunt man gleich zwei Mal. Erstens beim Preis der mit etwa 663 Franken angegeben wird. Nochmals reibt man sich die Augen, wenn man die durchschnittlichen Bewertungen für diesen teuren Wein sieht: 89 von 100 Punkten. Normalerweise stimmten da immer beide Faktoren. Also so nach der Faustregel: Je teurer der Preis – desto höher die Wertung.

Ich habe mir überlegt, warum dem so ist. Sicherlich ist ein Château Rayas vom Geschmack her nicht unbedingt mehrheitsfähig. Und von den verfügbaren Mengen auch nicht. Was mich stutzig macht ist, dass diese bescheidenen Wertungen doch eigentlich von Profis stammen. Und mit 89 von 100 Punkten wirkt dieser 1999er buchstäblich degradiert.    

Gestern hatten wir bei uns einen Kellertisch. (Siehe weingabriel.ch / Events, ganz am Schluss). Alles mit Endziffer XXX9. Weil ich wusste, dass Rainer gerne Châteauneuf mag, nahm ich diesen 1999er Château Rayas in die Liste. Für mich war es – neben ganz anderen Kalibern – der schönste Wein des Abends. Die Farbe leidlich Rot, deutlich aufhellend, mit orangem Rand. Der Duft unglaublich; helle Rosinen, Rosenholz, dominikanischer Tabak, getrocknete Hagebutten, Pfefferkörner, Datteln, Kreuzkümmel und getrockneter Zitronenthymian. Ein nasaler Tanz mit weit ausladendem Terroirparfüm. Im Gaumen fein, samtig, leicht wirkend und doch sehr nachhaltig. Eine Grande Dame der südlichen Rhône schlechthin! Ein fragloser Maximalpunktwein, also 20/20.

Was wenige wissen; dieser Rayas ist ein 100%iger Grenache. Und – es scheint so, dass viele Bewertungsprofis keine Ahnung von einem der besten Grenaches der Welt haben. All diese Verkostungs-Heinis bewerte ich mit 89 von 100 Punkten …   

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WELCHER VOGEL KANN NICHT FLIEGEN?

Meist seien es grosse Vögel. So zum Beispiel Strausse, Kasuare, Emus und Nandus. Das weiss Wikipedia. Stimmt nicht ganz. Heute ist noch ein weiterer, flugunfähiger Vogel dazu gekommen.

Und der war auch gross. So eine Art Magnumgefieder, genauer der Honivogl. Der hat sich im Keller plötzlich selbständig gemacht, während ich am Tisch am Degustieren war. Ich hörte ein glasiges Bewegungsgeräusch. Dann blickte ich spontan in die richtige Richtung und dann sah ich den weinigen Vogel tatsächlich fliegen. Aber leider nur eine Sekunde lang. Dann prallte er auf den Boden und sofort flogen viele Einzelteile dieses Magnumvogels im weiten Kreis herum.

Also war ich heute ein Pechvogel. Und fliegen kann ich auch nicht …   


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ZWEI GANZ BESONDERE BLINDPROBEN

Sie trafen sich nach langer Zeit per Zufall in der Stadt. Schulkollegen von damals. Es gab viel zu berichten und nach geraumer Zeit kamen die beiden auf den Wein zu sprechen. Und Mann stellte fest, dass beide zu Weinliebhabern mutiert waren. Spontan lud der Chefarzt gewordene Hans den Fritz (Elektriker) für nächstes Wochenende ein.

Voller Vorfreude dekantierte er einen Château Latour 2005 und schenkte diesen als ersten Rotwein «blind» ein. Er wollte den Fritz testen. Dieser nahm sich aber wenig Zeit fürs Rätseln und trank das Glas in einem Schluck aus und bemerkte: «Du hast aber guten Wein! Da muss ich mich ja richtig anstrengen, wenn ich mich revanchiere. Muss sicherlich recht teuer gewesen sein. Der hat aber was. Kräftig, muss ich schon sagen. Könnte ein Franzose sein. Aber ich kenne mich leider in diesen Weingegenden nicht so richtig aus. Wir trinken auch kräftige Weine, aber meist aus Chile!» Etwas enttäuscht zeigte Hans den wertvollen Château Latour her. Das Etikett schien aber den Fritz nicht besonders zu interessieren, sondern vielmehr eher den Rest der Karaffe …

Ein paar Wochen später sass Hans bei Fritz und auch er bekam einen Rotwein ohne Angabe eingeschenkt. Er studierte lange, aber er hatte Mühe beim Zuordnen. Der Wein schien noch recht jung und trotzdem wies er irgendwie nur wenig Tannine auf. Da erinnerte er sich, dass Fritz beim letzten Besuch so nebenbei erwähnt hatte, dass er zu Hause oft chilenischen Wein trinkt. Also versuchte er es erst einmal mit dem Land und sagte mutig: «Chile». Fritz staunte und nickte. Also schnüffelte Hans weiter und versuchte sich erst Mal mit einem möglichen Jahrgang und mutmasste: «Noch sehr jung – könnte ein 2017er sein!». Fritz antwortete darauf: «Leider weiss ich den Jahrgang nicht. Der stand nicht auf dem Tetra-Pack» …     

P.S. Die abgebildete Karaffe heisst Alpha-Decanter. Den gibt’s bei www.gabriel.glas.com (Schweiz) und www.gabriel-glas.at (Europa)
   
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2007 BLOCK B MIT 20/20

Alles ist völlig anders! Ich spreche hier von einem NZ-Pinot-Noir, welcher von der Farbe her der dunkelste Pinot-Reflektionen meines Lebens zeigt. Und von einem Pinot Noir der irgendwie wie ein La Mouline von Guigal schmeckt. Wegen den superreifen Aprikosen im verschwenderischen Nasenbild. Und von einem dramatischen Pinot Noir, welcher absolute Weltklasse definiert. Aber definitiv nicht aus dem Burgund stammt. Und so exorbitant füllig ist, dass er auch gar nicht aus Burgund stammen kann/könnte. Ein Rubens-Mund voll Giga-Pinot! Üppig – cremig – ergiebig. Das Maximum dessen, was Pinot Noir in seiner Grenze überhaupt abliefern kann. Und doch wie eine «dicke Berta» irgendwie noch locker nonchalant über die Bühne tanzen kann.


Den Wein kannte ich früher schon und ich habe ihn immer gerne über die Jahre getrunken. Aber heute hat er das Maximum abgeliefert! Den Winzer Kay Schubert kenne ich schon lange. Ich war schon ein paar Mal bei ihm in NZ zu Gast. Wir hatten diesen Wein auch schon ein paar Mal aus dem Gabriel-Glas bei im Zuhause. (Er ist der Importeur von Gabriel-Gal in New Zealand!). Heute war ich ohne Kay unterwegs – aber mit seinem Wein. Ein emotioneller Pinot Noir - ganz gross. Da schiessen seine frei gelegten Emotionen wie ein Pfeil in Dein Weinherz. Just heute passiert! Der 2007 Pinot Noir B Wairapa Schubert Wines aus Martinborough ist ein Pinot Noir wie von einem anderen Stern. Im Markt wird man diesen Wein wohl nicht mehr finden – aber noch viele jüngere Schubert Weine, welche seit Jahren völlig unterschätzt werden. Kompromisslose New-Zealand-Pinot-Liebe. Buy it – and discover! 20/20    

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DER KLEINE UNTERSCHIED

Sobald Namensvetter oder vergleichbare Güter auf der Weinbühne stehen,  werden schnell mal die Klingen gewetzt? Ein paar Beispiele: Welcher Léoville ist der Beste? Gewinnt Cos gegen Montrose? Pichon Baron oder Pichon-Lalande?

Manchmal kommt es aber ganz freiwillig zu solchen Vergleichen. Bei einem Besuch auf Haut-Brion wurden wir von Barbara Wiesler noch auf Mission zu einer Verkostung eingeladen.

Dort standen Château Haut-Brion und Château La Mission Haut-Brion – beide vom Jahrgang 2011 – auf dem Tisch.  
Nun ist es so, dass in grossen Jahren meist der Haut-Brion die Nase vorne hat. Und der Mission dafür sehr oft in schwierigen Jahren punktet. Der Jahrgang 2011 ist ein mittelgrosses Jahr. Also gibt es da keine Faustregel. Der tendenziell rotbeerige Mission (18/20) ist momentan leicht «Cabernet-krautig» (was später dann zu Kräutern wird) und er bockt ein Bisschen. Während man dem Haut-Brion (2011) seine Erhabenheit schon ziemlich gut ansieht. Er kommt daher wie fast bei einem ziemlich grossen Jahrgang. Kein Wunder – denn dieser 2011er gilt auch beim Direktor Jean-Philippe Délmas als Geheimtipp. Da die Genussreife nicht mehr allzu weit weg ist, traf ich eine folgenschwere Entscheidung. Ich trank erst denn Mission. Danach den Haut-Brion. Es gibt für jedes önologische Problem eine Lösung …


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RENDEZ-VOUS AM ROSENBERG

Erst wilde Rosen, dann erst Rebberge! Vom «Hügel mit Rosen» soll der Namen

von Château Montrose erhalten haben. Doch diese mögliche These liegt schon mehr als zwei Jahrhunderte zurück …

Unser Besuch war schon vor mehr als einem halben Jahr eingefädelt. So eine Stunde muss man für einen Weingutsbesuch im Bordelais schon einrechnen. Dies ist der Zeitraum für eine normale Visite. Für uns war es ein besonderes Erlebnis, denn wir waren zu einem anschliessenden Lunch mit tollen Weinen eingeladen.


Auf dem Bild Karin und ich mit dem nimmermüden Montrose-Direktor Hervé Berland (geb. 1950). Der grosse PDF-Bericht ist auf www.bxtotal.com aufgeschaltet. Mit Erlebnissen  wie Montrose 2011, 2009, 2005 und 1995. Sowie 1904! (siehe unten)

1904 CHÂTEAU MONTROSE

Als kleines Dankeschön für die Lunch-Einladung nahm ich diese Flasche aus meinem Keller mit. Ich transportierte die Bouteille stehend, sodass sich das Depot während der Fahrt setzen konnte. Wie ich zu diesem 1904er kam, weiss ich nicht mehr, der der Kauf ist schon mehr wie 20 Jahre her. Der Wein wurde gleich zu Beginn dekantiert und war somit gut zwei Stunden in Luftkontakt, bis er eingeschenkt wurde. Die Farbe mehr Braun wie Rot mit Kupferreflexen am Rand. Das Bouquet wunderbar süss, malzig, wildes Leder zeigend, Nusslikör, Fernet-Branca, getrocknete Feigen und dominikanische Cigarren. Im Gaumen leicht, fragil aber immer noch sehr gut im Schuss. Die Aromen im süsslichen Finale erinnerten an Irisch-Moos und Kräuterlikör. Wunderbares Altweinerlebnis. 18/20 austrinken  

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KLEINER JAHRGANG – GROSSER WEIN

Was ist der Unterschied zwischen einem Wein aus einem ganz grossen Jahrgang und einem Wein von einem bescheidenen Jahrgang? Die Antwort ist ganz einfach. Bei einem ganz grossen Jahrgang liegen die Erwartungen auf einem mörderischen Niveau. Bei einem bescheidenen Jahrgang erwartet man wenig. Und genau hier liegt das Potential des Verblüffens.  

Der Bordeauxjahrgang 1992 war schwierig. Die Weine leicht. Viele davon wurden aufgezuckert, weil der Regen aktiver war wie die Sonne. Und doch gibt es – nach 25 Jahren – immer noch Weine, welche heute überraschen und echt viel Spass bereiten, ja zum Teil ganz grossartig sein können.
Für einen memorablen Weinabend wurden wir angehalten entweder einen Lafleur aus einem grossen Jahr oder sonst einen remarkablen Bordeax-Wein mitzubringen. Ich entschied mich für eine Magnum Lafleur 2001, welche ich sechst Stunden lang dekantierte. Zum Spass dekantierte ich auch noch eine Flasche 1992 und verdeckte den Jahrgang mit einem Klebeband.

Die freakige Weinrunde war schnell einer Meinung: «Grossartig – grosser Jahrgang»! Dann ging ein  Raunen durch den keinen Saal, also ich das Geheimnis mit Lafleur 1992 lüftete. Was lernt man aus diesem Verdikt? A.) Pauschalurteile für einen Jahrgang sind sinnlos. B). Der Teufel steckt im Detail. Und C.). Im Markt suchen und mit möglichst wenig Personen teilen …     

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1929 CHÂTEAU RIEUSSEC

Trotz der vielen Yquem’s in meinem Leben gehört dieser legendäre Rieussec zu den allergrössten Süssweinerlebnissen meines Lebens. Schwarz wie die Nacht. Süss wie eine gigantische Trockenbeerenauslese. Emotionen welche den ganzen Körper mit Endorphinen torpedieren.  20/ 20






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RAUCHZEIT

Mit dem Genuss einer Zigarre ist es wie beim Genuss vom Wein. Es errechnet sich ein Faktor aus Zeit, Lust und Länge. Die Länge einer Zigarre verlangt nach einem gewissen Zeitfenster. Und der Genuss einer Zigarre ist ein in sich geschlossener Akt.

Wenn ich unterwegs bin, dann nehme ich mir immer verschiedene, gut gelagerte Zigarren aus meinem Keller mit und lege diese in ein längliches, luftdichtes Plastikgeschirr. Wenn ich etwas länger unterwegs bin, lege ich noch eine kleine Kartoffel dazu. Die Kartoffel gibt Feuchtigkeit ab und so trocknen die Havannas nicht aus.    

Diese Woche hatte ich einmal einen ganzen Nachmittag Zeit und gönnte mir (seit Langem wieder einmal …) eine Partagas Lusitanias. Die hat eine Länge von 194 Millimeter und einen Ringmass von 49 Millimeter. Das ist ein ideales Format. Ich hasse dünne, lange Zigarren, weil sich da der aromatisierte Rauch zu fest durch die Blätter hindurch kämpfen muss.

Qualitatives Rauchen ist – zugegebenermassen – anstrengender wie Wein zu geniessen. Mann muss das Ding immer im Auge behalten. Nachbrennen ist keine Option. Für mich ist die Partagas Lusitanias eine der edelsten Double-Coronas, welche es im Markt gibt. Und ich habe auf die Uhr geschaut und lag mit meiner Rauchzeit im obersten Bereich: 87 Minuten …

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MEIN BESTER 1977ER

Bis jetzt war alles irgendwie bestenfalls nett, was ich da von diesem Jahrgang verkosten durfte, respektive mitunter musste. Die besten Weine von diesem recht schwierigen Jahrgang stammen wohl aus Kalifornien und Australien. Portweine wären auch noch eine Variante. Der Sassicaia gefiel mir vor Jahren auch nicht schlecht. Aber das ist schon lange her. Bordeaux wird schwierig. Ein paar gute Erinnerungen fallen auf Château Poujeaux und Château Ducru-Beaucaillou. Aber auch da ist bereits längst Genuss-Sense.

Während einem tollen Weinwochenende entkorkte Max Gerstl grosse Weine und Jahrgänge von Egon Müller. Da stand auch ein 1977 Scharzhofberger Riesling Beerenauslese Eiswein auf der Probenliste. Meine Erwartungen waren nicht besonders hoch. Dies ist meistens die beste Voraussetzung, um viel Freude zu generieren. Aber nur wenn der Wein auch abliefert. Und das hat er! Es war ein süsses, frisches, rosiniges Erlebnis, wie ich es mir kaum hätte vorstellen können. 19/20

Somit gibt es für alle Weinfreunde aus dem Jahr 1977 eine freudige Nachricht für die nächstmögliche Eigenjahrgangszelebration. Die Sache hat nur einen klitzekleinen Haken: Die Verfügbarkeit ist minim und der Preis pro Flasche liegt «leicht über 4000 Franken» …  

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JEAN-LOUIS CHAVE:

VIVE LA DIFFERENCE

Es lebe der kleine Unterschied! Schon auf den ersten Blick sind diese beiden Flaschen sehr unterschiedlich. Hermitage links –   Ermitage rechts. Ein Etikett wirkt klassisch, das andere gibst sich schon fast knallig mit seinem roten Kleid. Aber beide Flaschen sind Weine aus gleichem Hause, nämlich von Jean-Louis Chave. Und beide vom gleichen Jahrgang; 1998!

Glück dem Weinfreund, der nicht nur die theoretischen Unterschiede nachlesen kann, sondern die Chance hat, diese Weine nebeneinander direkt zu vergleichen. So geschehen an einem besonders eindrücklichen Weinabend mit Max Gerstl als Gastgeber. Doch bevor wir zu den Verkostungsnotizen kommen doch noch etwas Theorie. «Die Familie Chave erzeugt an der Rhône schon seit 600 Jahren Weine und gehört zweifelsohne zu den besten Produzenten der Welt». So fasst der angesehene deutsche Weinhändler Heiner Lobenberg die Standortbestimmung für dieses Weingut zusammen. So um die 25'000 Flaschen füllt Chave in einem normalen Jahr von seinem Hermitage ab. Er gilt als Traditionalist und auf der Webseite http://hermite.fr/domaine-jean-louis-chave/ wird deutlich darauf hingewiesen, dass der Chave-Hermitage ein Blend aus verschiedenen Lagen sei und man – im Gegensatz zu vielen anderen Produzenten – darauf verzichte eine Supercuvée zu lancieren. «Dies als Reflex und Respekt vor diesem magischen Hügel», meinte Jean Louis Chave in einem Interview. Ein paar Jahre zuvor war die Einstellung zu diesem heute stets uniquen Blend noch etwas anders. In den ganz grossen Jahren wie 1990, 1991, 1995, 1998, 2000 und 2003 liess sich Chave dazu hinreissen, eine Minimenge speziell zu selektionieren. Der Name: Cuvée Cathelin. Der Name stammte von ihm befreundeten Künstler Bernard Cathelin, welcher ihm die Etikette gestaltete. Die kleine Menge und der Umstand, dass dieser Wein insgesamt nur sechs Mal auf dem Markt lanciert wurde, verleiht den noch wenigen, im Markt befindlichen Flaschen Kultstatus. So muss / müsste man heute für den hier erwähnten 1998er Ermitage gleich mehrere Tausend Franken hinblättern.  Der normale Hermitage ist auch nicht ganz günstig. Aber so ab 430 Franken wäre man mit von der Partie.

Die Verkostungsnotizen dieser beiden Weine findet man auf www.bxtotal.com 

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HERMITAGE-DREIFALTIGKEIT

Das kleine Kirchlein (Chapelle) auf dem Etikett verleiht diesem Wein seit jeher immer schon eine tendenziell christliche Note.

An einer freundschaftlichen Weinprobe standen gleich drei Jahrgänge Hermitage La Chapelle gegenüber. Diese stammten noch definitiv aus der Jaboulet-Ära.

Da waren gewisse Jahrgänge manchmal gigantisch und kleine sackschwach. Die allerbesten Jahrgänge waren so brachial, dass diese an Einzigartigkeit und Charakteristik kaum zu übertreffen waren. Da ich keine Lust aufs Schreiben aber viel Drang nach Genuss hatte legte ich den Kugelschreiber beiseite. Und ich wählte lediglich die richtige Chronologie des Ablaufes. Erst trank ich den wohl gereiften 1991er (18/20). Dann den noch jugendlich wirkenden 1990er (20/20). Und dann den hünenhaften, extrem tiefschürfenden 1978er (20/20). Incroyable …

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EINE INVESTITION DER NATUR

Max Gerstl ist der festen Überzeugung, dass sich die Natur bei jedem Jahr entscheidet.

Entweder gibt es guten Wein oder gute Menschen. Zu seinem Geburtsjahrgang schreibt der englische Weinguru Michael Broadbent: «Der 1951er gibt sich die grösste Mühe, der schlechteste Weinjahrgang dieses Jahrhunderts zu sein.»

Ein paar recht gute Rioja's hatte ich da schon mal im Glas. Aber wenn man den weissen Domaine de Chevalier 1951 vor sich hat, dann kann man der generellen These von Max nur beipflichten ...


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SCHARZHOFBERGER & WILTINGER BRAUNE KUPP

Diese zwei Namen lassen jedem Rieslingfan von deutschen Weinen das Herz höher schlagen. Auf diese Namen sind seit Jahrzehnten Verlass und der bestmögliche Genuss in der Regel garantiert. Der beste helvetische Kunde vom Weingut von Egon Müller ist der Bündner Max Gerstl. Aber er sammelt nicht nur – er entkorkt auch! So geschehen an diesem letzten Mai-Wochenende in Bad Ragaz. Und der Winzer Egon Müller war Ehrengast und erzählte begleitend aus dem historischen Nähkästchen.

Dabei waren absolute Raritäten, welche im Markt heute praktisch unauffindbar sind, oder dann halt reichlich teuer. Aber bei Einladungen spricht man nicht vom Geld, sondern vom bestmöglichen Genuss. Ein Auszug aus dem ausufernden Angebot: Schwarzhofberg Kabinett 1983, 1988, 1989, 1990, 1999, 2007. Wiltinger braune Kupp Auslese Goldkapsel: 1975, 1988, 1999. Scharzhofberger Spätlese: 1971, 1975, 1976. Wiltinger braune Kupp Spätlese Versteigerung: 1989, 1994, 1997. Scharzhofberger Auslese: 1964, 1966, 1971. Scharzhofberger Auslese Goldkapsel: 1975, 1989, 2010. Scharzhofberger Beerenauslese: 1975, 1976, 1976. Schwarzhofberger Eiswein: 1995, 1998, 2002. Kurz vor Mitternacht entkorkte Gerstl noch das Gastgeschenk von Egon: 1994 Schwarzhofberger Trockenbeerenauslese. Daraufhin entglitt ich in der Nacht in dies süssesten Träume meines Lebens.  
Ein unvergesslicher Reigen von Erlebnissen auf allen bestmöglichen Stufen. Ein innerer Vorbeimarsch. Eine zweite Chance, einen derartigen Genussmarathon noch einmal zu erleben gibt es nicht. Aber die Erinnerung daran, wird unvergesslich bleiben …     

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JIABEILAN: BESTER CHINA-ROTWEIN

Die umtriebige Winzerin Zhang Jing kenne ich schon von einem früheren Besuch. Im Flieger von Peking nach Yinchuan sass sie zufällig gerade vor mir. Und sie freute sich sichtlich auf den folgenden Besuch dieser besonders weinigen Truppe aus Europa.

Das Weingut liegt 1138 Meter über Meer. Die knapp 27 Hektar kleine Domaine produziert jährlich weniger wie 100‘000 Flaschen.  
Eigentlich heisst der offizielle Name Helan Qingxue Vineyard. Aber hat sich im Laufe der Zeit Jiabeilan als eigentlicher Brand etabliert.
Gegründet wurde Jiabeilan im Jahr 2005. Es zeichnen mehrere private Besitzer. Die quirlige Zhan Jing (Bild unten) ist Mitbegründerin und die führende Weinmacherin. Ihr Handwerk lehrte sie in Frankreich. Unter anderem arbeitete sie auch eine Zeit lang auf Château Palmer. Sie katapultierte Jiabeilan nicht nur in die Elite der Weingüter von China. Sie gewann auch im Ausland schnell an Aufmerksamkeit und ergatterte viele Auszeichnungen. Als Meilenstein für Chinas Weingeschichte gewann sie mit dem 2009er Reserve die Decanter Wine Trophy.

2016 Cabernet Sauvignon Grand Reserve Jiabeilan: Kommt im Herbst 2019 auf den Markt. Produktion: 3000 Flaschen. 22 Monate im französischen Eichenfass. 100 % Cabernet. Extrem dunkles Granat. Das Bouquet beginnt fein rauchig und zeigt so seine Tiefe. Darauf folgen Black-Currant, Trüffel, Lakritze und Kräuter. Im nasalen Vergleich könnte man hier einen tollen Blend zwischen Napa und Chile ansetzen. Ein Elixier von einer konzentrierten, aber nicht schwerfälligen Cabernet-Essenz. Der Gaumen wird ebenfalls von schwarzen Beeren dominiert, gefolgt von einer tiefen Würze. Der Begriff Terroir ist hier angebracht. Der Wein gibt sich mächtig, mit intensivem, stützendem Tanningerüst. Das Finale ist hoch aromatisch mit und endet mit einer fantastischen Länge. Dramatisch und sinnlich zugleich. Kein anderer China-Cabernet vermittelte mir bisher eine so dokumentarische Zukunftsvision. Das Alterungspotential sehe ich bei mindestens 20 Jahren. Dieser grandiose 2016er Jiabeilan kann sich in der Weltklasse-Elite bei einer Blindverkostung fraglos messen.  Mein bester China-Rotwein! 19/20 2022 – 2040



CHÂTEAU CHANGYU-MOSER: MASSE & KLASSE


Es geht auch anders mit dem Wein aus China.  Mit ausländischer Hilfe. Das Château Changyu Moser XV ist ein gigantisches Bauwerk. Irgendwie wirkt dieses Weinschloss in Yinchuan von aussen wie ein Gebäude, welches im Massstab Drei zu Eins errichtet wurde. Das riesige Bauwerk soll ab jetzt die Marketing-Lokomotive des riesigen Changyu-Konzernes werden.

Seit 2013 ist Mann da auf bestem Weg. Der gebürtige Österreicher Lenz Moser ist nicht nur Co-Namensgeber für das Weingut, sondern er zeichnet auch verantwortlich für die Produktion. Er hat als erfolgreichen Gag einen weissen Cabernet Sauvignon lanciert. Damit landet er zwei Weinfliegen auf einen Schlag.

Der weisse Cabernet Sauvignon kommt so gut an, dass die Produktion laufend gesteigert werden muss. Und – der weisse Cabernet verbessert den Rotwein, weil er aus einer Vorproduktion (Saigné) hergestellt wird.

Beim normalen Cabernet Sauvignon hat Moser entschieden, diesen ohne Holzausbau in die Flaschen zu füllen. Das Resultat ist ein enorm süffiger Wein, der Frucht und Aromatik in einer solch intensiven Form aufzeigt, wie man ihn vergleichsweise in China kaum findet.

Der Cabernet Sauvignon Grand Vin geht da noch eine Stufe höher. Die neuesten Jahrgänge wirken schon recht geschliffen und neigen dazu sich mit recht hochwertigen Weinen aus der weiteren Welt zu konkurrenzieren. Potential nach oben gibt es noch. Doch es ist bei näherer Betrachtung klar, dass dies einer der ganz wenigen, recht grossen Betriebe ist, welcher nicht nur mit Quantität, sondern auch mit Qualität aufwartet. Changyu-Moser hat in den letzten Jahren eine unvergleichliche Exportkarriere hingelegt und etabliert sich so als gerne gesehener Botschafter für sehr gute chinesische Weine im Ausland. 



WIE SCHAUTS MIT DEN CHINESICHEN MASSENWEINEN AUS?

Die Superlative beim Wein aus China findet eher in der Menge, wie in der Qualität statt! Die grössten Produzenten gehören dem Staat. Er werden massentaugliche Produkte in die Flaschen gefüllt. Die sind aber aus qualitativen Gründen bedingt exportfähig.  700 verschiedene Produzenten gibt es aktuell. Tendenz steigend. Das geografisch weit gefächerte Weinland boomt und man rechtet damit, dass die Volksrepublik China in den nächsten Jahren zum grössten Weinmarkt der Welt mutieren wird.

Die ganz grossen Betriebe wie Great Wall, Dynasty, Changyu und Grand Dragon beherrschen den Markt. Wer glaubt, dass man in den Regalen der Händler und Supermärkte besonders günstigen China-Wein kaufen kann, der irrt sich. Die Verkaufspreise werden – aus   Nationalstolz und falscher Profitgier – künstlich marktfremd hochgehalten.

In ein paar Jahren wird dieses Problem eklatant sein. Denn – die Konkurrenz ist schon unterwegs. Vor allem Weine aus Chile, Australien und Spanien finden immer mehr Flaschen den Weg durch die offenen, chinesischen Importtüren.  Diese Weine sind in der Regel a.) wesentlich günstiger und b.) wesentlich besser. Dies deshalb, weil es dem überwiegenden Teil der Weine aus China an Frucht und auch Trinkspass mangelt. Die ganz grossen Betriebe haben es schlichtweg nicht im Griff, deren riesige Produktion mit einem übergreifenden Qualitätsmanagement vom Rebberg bis hin in die Flasche zu überwachen.

WEINREISE NACH CHINA

20 Weinfreunde aus der Schweiz, aus Deutschland und Österreich waren mit mir als Reiseleiter eine Woche zwischen Yinchuan und Yantai unterwegs.
Wir wurden wie Exoten behandelt. Eine so grosse, private Interessengemeinschaft für Chinesischen Wein war wohl bisher noch nie zwischen den Rebbergen und den Weingütern unterwegs.
Viele Betriebe waren von unserer Visite schlichtweg überfordert. Man ist dort noch nicht überall auf das Präsentieren des Weingutes vorbereitet.  
Bei einem Weingut standen vier verschiedene Weinglastypen für die Gruppe auf dem Tisch. Da hätte es viel Potential für das Gabriel-Glas.


WINE-CITY IN YANTAI 


Hier wird der Gigantismus sichtbar. Die Dimensionen sprengende Wine-City von Changyu ist in der Fertigstellung. Ein Champagner-Turm mit Büros und zwei recht kitschig anmutende Schlösser bilden die Rahmenbedingungen. In der Mitte sind Dutzende von Gebäuden in Fassformen aneinandergereiht. Das Herzstück bilden überdimensionierte Keller, welche mehrere Zehntausend Barriquen aufnehmen können.
Wer diese riesigen Hallen als Besucher durchwandert, bekommt die unglaublichen Massendimensionen von gewissen Markt-Leader-Weinen hautnah mit.







GROSSER TANK - KLEINER GABRIEL

Ich bin da vor einem Tank gestanden, welcher schier eine Million Liter auf einmal aufnehmen kann. So schlank habe ich schon lange nicht mehr ausgesehen!

Vom berühmtesten Changyu-Wein, dem Golden Dragon, werden rund 50 Millionen Flaschen jährlich gefüllt. Tendenz immer noch steigend. Diesen Wein haben wir mehrmals verkostet. Er wirkt artisanal und die Gerbstoffe geben sich etwas spröde. Der Geschmack zeigt grünliche Cabernet-Konturen. Aber 15 Punkte könnte man ihm attestieren.   


WENGCHEN CASTLE

 China Dreamland beim Flughafen Yantai. Ein Weinschloss mit Hotel. Daneben nochmals zwei (etwas kleinere Schlösser). Jeden Tag mindestens 1000 Besucher. Eine angegliederte Vinothek verkauft den Wein. Aber nicht den von diesem China-Schloss. Sondern von einem Schloss, welches der reiche Besitzer in Bordeaux gekauft hat. Château Lucas. Hatte ich noch nie in meinem Leben im Glas. Bei uns im Markt könnte man eine Flasche um 20 Euro kaufen. In der Hausvinothek in Yantai kostet eine Magnum um 1000 Euro. Muss wohl an den Transportkosten liegen ....


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GABRIEL-GLAS IN TOKYO

Drei Tage Events, Presse-Lunch, Wine & Dine.

Fantastisches Land.



REPRÄSENTANTIN IN JAPAN

Mieko Matsuo ist unsere Glas-Dame in Japan.



GEHT SUPER ZU REISWEIN

RESTAURANT GABRIEL TOKYO

Ob man es glaubt oder nicht. Es gibt da ein Restaurant, das nach Gabriel benannt wurde.

Natürlich wird dort nur aus dem Gabriel-Gold-Glas getrunken. Hier ein Bild mit den Wirtsleuten.


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BURGUND 1916 – 2008: FRAGIL BIS GENIAL

Alles ist möglich – nix is fix! Dies ist die These, wenn man einen Abend lang viele alte Burgunderweine öffnet.

Da habe ich schon ganz chaotische Erlebnisse hinter mir. Aber, wenn die Flasche gut ist, dann kann ein reifer Burgunder sehr gut sein. Oder genial. Vielleicht flippt man genau aus diesem Grund bei den Weinen der Côte d’Or viel mehr aus, wie bei Erlebnissen rund um einen gereiften Bordeaux. Einerseits, weil die Erwartungshaltung beim Pinot Noir tiefer liegt. Andererseits, weil man in der Regel generell viel mehr Bordeaux‘ wie Burgunder entkorkt.

Das Enttäuschungspotential liegt beim Burgunder ziemlich hoch. André Kunz meinte auf dem Nachhauseweg nach dieser Probe:
«Es gibt da keine generellen Garantien. Weder bei der Lage, noch beim Jahrgang und auch nicht beim Produzenten».       
Wir hatten an unserem Burgunderabend, bei dem insgesamt 25 Bouteillen entkorkt wurden, prozentual eine hohe Genussquote. Die lag so hoch wie selten. Doch beginnen wir von vorn. Es dreht sich um den Mittwoch, 8. Mai 2019. Also der Tag des Kriegsendes im Jahr 1945. Eigentlich hätte ich da aus historischen Gründen auch einen Burgunder aus dem Jahr 1945 einbauen können. Aber leider weist da meine Burgunderecke im grossen Weinkeller grad ein ziemlich unpassendes Loch auf.

Am Morgen entkorke ich die Weine und probierte diese, schrieb Verkostungsnotizen. Um diese dann am Abend nochmals zu vergleichen und auch Voten von den Gästen mit im Text einzubringen. Die Weine stellte ich stehend in die Kartons und liess diese am Veranstaltungsort im Auto. Das Wetter war eher kühl und so konnte ich die Ausschanktemperaturen gut einstellen. Wobei anzumerken ist, dass Weine – im Karton belassen – auch in einem warmen Saal die Temperaturen sehr gut halten. Dies als Tipp für Veranstalter …
     
Der Austragungsort war, wie schon so oft, der Sempacherhof in Sempach-Station. Der liegt direkt neben dem Bahnhof. Wenn die eigenen Zimmer ausgebucht sind, dann gibt es 100 Meter neben diesem Gasthof ein weiteres Hotel. (Birdland). Praktischer geht’s fast nicht.

Ein paar Reminiszenzen weiter unten. Der grosser Bericht




1992 Montrâchet Marquis de Laguiche, Joseph Drouhin: Goldgelbe, intensive Farbe. Intensives, üppiges und weit ausladendes Bouquet. Es duftet nach gelber, mild gesalzener Alpenbutter, Mandelmilch und getrockneter Kamille. Mundfüllender Gaumen, die absolute Opulenz eines Rubens-haften Grand Crus zeigend, besonders cremiger Fluss. Gebündeltes, extrem langes endloses Finale. Die Vollkommenheit und auch das Maximum eines grossen Chardonnays anzeigend. Ich durfte diesen Wein jetzt zum dritten Mal trinken. Er hat in seiner Entwicklung eine bemerkenswerte Performance hingelegt. 20/20 austrinken 



MITTEN IM ERSTEN WELTKRIEG

Man kann sich kaum vorstellen, unter welch schwierigen Bedingungen die Winzer während den Kriegen arbeiteten. Meist waren die Männer an der Front und die Frauen bestellten mit Familie und Verwandten das Weinwerk.
Auf der Suche nach der Jahrgangsqualität auf www.jahrhundertweine.de heisst es, dass der Jahrgang eher bescheiden war. Zu viele Tannine – zu wenig Finessen, so der Tenor. Und weiter steht da; es seien kaum noch trinkbare Weine im Markt vorhanden. Diese Behauptung stimmte nicht. Zumindest bis zu diesem Burgunderabend. Da gab es noch einen Wein aus dem Jahrgang 1916. Und der war viel mehr als noch «trinkbar»!

DER ALLERBSTE WEIN DES ABENDS

1999 Musigny, Cuvée Vieilles Vignes, Comte Georges de Vogüè: Immer noch sattes Purpur in der Mitte, mit sanften Reifetönen gegen den Rand. Das Bouquet ist füllig, dezent laktisch, zeigt erst Caramel- und Butternoten, dann Vanille und milde, eichige Töne. Immer mehr kommt – mit dem Luftzutritt – die geniale Fruchtaromatik zu Tage. Damassinepflaumen, rote Kirschen. Himbeeren, ergänzt durch wunderschöne Pinot-Noir-Grundaromen.  Man erspürt nach etwa 10 Minuten die Musigny-Terroiraromatik. Insgesamt liefert er ein sehr komplexes, ja vollkommenes Nasenbild. Im Gaumen beginnt er perfekt und er endet auch perfekt. Die Fülle ist elegant und reich gleichzeitig. Die Tannine sind in der vollen Reife und doch noch weitere Garantie abliefernd. Musse und Power in Einem. Ein sehr bewegender, emotioneller Côte-de-Nuits der Sonderklasse. Und diese Sonderklasse hat logischerweise auch sein Preis. Unter 1000 Franken ist da im Markt nichts mehr zu finden. Etwa drei Stunden dekantieren bringt ihn ans absolute Maximum. 20/20 beginnen

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DIE DONATSCH-SENSATION AN DER 100. WEINBÖRSE:

2013 PINOT NOIR RÉSERVE PRIVÉE,
ÜBER 1000 FRANKEN PRO FLASCHE

Auch in der Schweizer Weinszene sind kleine Wunder möglich. Und neuerdings auch grosse Wunder. Ganz grosse!

An der 100. Weinauktion der Weinbörse wurden 30 Flaschen vom spektakulären 2013 Pinot Noir Réserve Privée vom Weingut Donatsch öffentlich versteigert. Beim Lot 1388 bot ein Käufer bis 5300 Franken. Macht inkl. Kommission, Lotgebühr und Mehrwertsteuer sagenhafte 1075 Franken pro Flasche!  
 
 
Die Auktion fand am Samstag, 4. Mai im Grand Resort Bad Ragaz statt. Vor der Mittagspause konnten die mehr als 100 Gäste diesen in der Szene bereits im Vorfeld hoch bewerteten Wein verkosten.

Zu Beginn der Nachmittagssitzung fand die Versteigerung der Donatsch-Weine statt. Unter anderem kamen auch alle je produzierten Pinot Noir Unique vom Jahrgang 2000 bis 2015 unter den Hammer. Und zwar alles Magnumflaschen.  Der Ausrufpreis betrug 2000 Franken. Für diese Raritäten wurden musste der Käufer brutto 4'400 Franken bezahlen.

Direkt danach, gingen die fünf Sechserkisten vom 2013 Réserve Privée in die Versteigerung und da kam es zur Sensation. Dieser Wein schreibt als aktuell teuerster Rotwein der Schweiz ein neues Kapitel.

Beim diesem Pinot Noir handelt es sich um eine Selektion einer einzigen Barrique aus der «normalen Produktion» vom Prestige-Pinot «Unique». Als nächster Jahrgang kommt irgendwann dann der 2015er auf den Markt.

Insgesamt sind ganz viele Schweizer Weine in den letzten Jahren auktionsfähig geworden und erreichen nach ein paar Jahren Preise, welche über dem ehemaligen Lancierungspreis liegen. Die Auktionsbeliebtheit wird von Gantenbein angeführt. Aber auch andere bekannte Schweizer Produzenten oder deren Weine erreichen immer wieder sehr gute Resultate.

Am Abend wurde im Ochsen Malans mit der Familie Donatsch gefeiert. Auch im Rahmen des Weinbörse-Jubiläums. Mit 55 Freunden der Weinbörse und Gästen vom Ochsen. «Sehr gute Weine = sehr gute Stimmung», so das Motto. Höhepunkt; eine immer noch tolle Grossflasche vom 1999 Pinot Noir Spiger!

www.donatsch.info / www.weinboerse.ch

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SATURIO 2017 - PERFEKTE MERLOT-PRÄZISION

Andreas Nikolai nennt sich Garagenwinzer. Und seine Webseite tönt genauso www.garagenwinzer.at.
Produziert wird ein einziger Wein. Der heisst Saturio! Seit 2014. In Minimengen. Vom Erstlingsjahrgang wurden lediglich 199 Flaschen gefüllt. Mittlerweile geht die Bonsai-Produktion gegen 1000 Bouteillen. Der Wein ist ein hundertprozentiger Merlot. Und er wird in 100 % neuen Barriquen ausgebaut. Seit seinem noch jungen Beginn ist dieser Saturio ein Komet in der österreichischen Weinszene. Und der aktuelle Jahrgang 2017 ist der allerbeste in dessen noch kurzen Geschichte …


2017 Saturio Ried Bügel, Garagenwinzer Nikolai: Die Farbe ist Violett-Schwarz! Das gigantische Bouquet beginnt mit einem bombastischen Fruchtdruck; Heidelbeeren, Holunder und viel Cassis. Im zweiten Ansatz findet man auch florale Noten, tintige Nuancen, Nelkenwürze, schwarzes Pfeffermehl und helle Edelhölzer. Er wirkt von der Fruchtfrische her wie eine Fassprobe. Im Gaumen dicht, konzentriert, sublimer Fluss mit schier seidig anmutenden Tanninen, das Finale katapultiert die Aromen gewaltig in die Länge. Die Vinifikation ist absolut präzis. Ich habe noch nie in meinem Leben eine derartig verschwenderische Merlot-Primärfrucht erlebt. 19/20     

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BORDEAUX 1986: PESSAC AM SCHÖNSTEN

Die Weinbörse feierte die 100. Auktion in deren Geschichte. Mit Weinen aus dem Gründungsjahr 1986. Mit einem besonders feinen Menu. Im Hotel Rössli Bad Ragaz.
Nebst 13 verschiedenen Bordeaux’ wurden auch zwei «ausserirdische» Weine entkorkt. Ein Garrafeira aus Portugal und der Heitz Martha’s Vineyard aus Kalifornien.

Die Weine aus dem Bordelais standen aber logischerweise im Zentrum. Das machen sie jeweils ja auch im Katalog der Weinbörse.  

Und wie präsentiert sich der Bordeaux 1986 nach mehr als 30 Jahren Flaschenreife?

Der grosse Bericht: www.bxtotal.com


VIER JAHRE IM FASS

Joe Heitz hat genau das richtig gemacht, was die Bordeauxwinzer falsch machten.
Aufgrund der massiven Tannine hat man den 1986er fast vier Jahre im Fass reifen lassen, bevor man ihn in die 83'265 Flaschen füllte.

1986 Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard, Heitz: Insgesamt zwar dunkel, aber doch durchs Band von aussen bis innen eine schöne Reife zeigend. Pflaumiges Bouquet, mit einer defensiven Süsse und gleichzeitig  bemerkenswerter Tiefe. Im zweiten Ansatz Biermalz, erste Kräuternoten und cereale Röstnoten. Blind hätte man nicht so richtig gewusst, ob man ihn nach Kalifornien oder ins Bordelais verfrachten müsste. Irgendwie war es wie ein Aromenbrückenschlag zwischen diesen beiden Weingebieten. Im Gaumen mittelgewichtig, jedoch recht fleischig, zeigt immer noch weiter ausbauende Tannine, welche den Fluss etwas aufrauhen. Trotz langem Fassausbau wirkt er noch irgendwie roh. Aber da steckt er mit den 1986erMédocs im selben Boot. Mit langem Dekantieren kriegt man den Muff fast raus. 18/20 trinken

DAS DEPOT IST WIE BLUT

Die Farbe vom Haut-Brion 1986 war sogar noch dunkler wie jene vom Mouton 1986.

Ich degustierte ihn am Morgen. Und nochmals am Abend. Die Differenz war marginal. Also ist dieser immer noch massive Pessac-Premier ein Langsamentwickler …

EINE GANZ BESONDERE SAUCE

Die leicht oxydative, dritte Flasche vom Mouton 1986 nahm ich nach Bad Ragaz mit.  Und ich überreichte diese dem Rössli-Chef Ueli Kellenberger (Bild). Er reduzierte diesen leicht lädierten Pauillac in die Sauce ein.

Das Hauptgericht (und nicht nur dieses …) schmeckte in der Folge ganz wunderbar!

YQUEM MIT PERSPEKTIVEN

Im Prinzip galt Sauternes zu Beginn als beste Region vom Jahrgang 1986. Die Bedingungen waren ideal für die Edelfäule. Die Trauben in Barsac wurden viel früher als in Sauternes geerntet. Der Ernteschluss war dort sehr spät und endete erst Mitte November. Heute ist das Ansehen vom Jahrgang nicht mehr generell ganz so hoch wie zu Beginn.

1986 Château d’Yquem: Leuchtendes Gelbgold, noch nicht so entwickelt (der Rieussec ’86 in der gleichen Serie war wesentlich dunkler!). Nachdem ich recht viele 1986er immer wieder verkostete, ist dies der einzige Wein bei dem man von der ersten Sekunde an Botrytis findet. Wenn auch nicht so intensiv. Das Bouquet ist weit ausladend und facettenreich. Es frische Beeren da, hoch reife Früchte und auch getrocknete Früchte. So im Bereich Aprikosen, Pfirsich, Mirabellen und Orangen. Verhalten und zärtlich zugleich. Im Gaumen sublim und doch füllig, die Säure ist eingebunden, der Fluss weich, fast eine seidige Textur aufweisend. Das Finale ist gebündelt, intensiv und sehr lang. Ein ganz grosser Yquem ist es nicht. Jedoch ist hier auch noch nicht das letzte Wort gesprochen, denn die Genussreife fängt erst an. Und weil es a.) ein Sauternes und b.) ein Yquem ist, rechnete ich hier mit einer Genussgarantie bis fast ins Jahr 2100. 19/20 beginnen    

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FULL HOUSE IM OCHSEN MALANS

Die Weinbörse feierte im Rahmen der 100. Auktion den Schlussabend im Gasthof Ochsen Malans.

Mit der Familie Donatsch und ihren herrlichen Weinen. Mit Gerstensuppe, Bündner Trockenfleisch, Käsebüffet und Aprikosenkuchen.

Hier dekantiert Martin Donatsch grad eine Neunliterflasche vom immer noch ganz wunderbaren 1999 Pinot Noir Spiger. Derweil Kellnerin Moni die Karaffe hält. 

Der Ochsen war seit mehreren Monaten komplett ausgebucht!

www.donatsch.info

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AUSONE 1994: DA IST BERGMINZE DRIN

Unter allen Saint-Emilion ist Ausone der Marathonläufer. Wenn andere sich schon «Vertschüssen» fängt er meistens erst an. Der Grund dafür ist der sehr kalte Fasskeller. Da reifen die Weine halt langsamer. Und brauchen dann entsprechend länger. Die Weine des Jahrganges 1994 tun sich eh schon seit längerem schwer zu reifen. Und so ist es denn kein Wunder, dass man diesen Ausone noch stundenlang dekantieren könnte. Haben wir nicht gemacht und so bekamen wir seine Jugendlichkeit noch viel stärker mit. Aber – er hat mir so gut gefallen wie noch nie seit der Fassprobe. Ketzer oder Önologen mögen vielleicht den etwas artisanalen Unterton monieren. Diese Toleranz habe ich mir als Altweinfreak eh schon lange angewöhnt. Mir gefällt bei diesem Wein seine asketische Präzision. Und vor allem sein Bouquet. Das ist ein richtiger Kräuterwettkampf, bei dem die Bergminze allen voranschreitet. Kein spassiger Ausone, sondern ein klassischer.

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JETZT AUFGESCHALTET: BORDEAUX 2018

Der Weinfreak André Kunz war zwei Wochen im Bordelais. Er hat 800 Weine verkostet. Davon 487 akribisch beschreiben und bewertet. Seine persönliche Hitparade wird von Château Montrose angeführt. Aber auch 18 weitere Weine erhielten die maximale Punktezahl.

Acht Weine könnten mit deren Entwicklung ebenfalls 20-Punkte erreichen. 38 Fassproben wurden mit 19/20 taxiert. Und 102 Weine liegen auf 18/20.

   
2018 - eine Power-Beauty! Für André Kunz war es in der Oberliga der beste Jahrgang den er als Fassverkostungen degustiert hatte. Der Blend sieht aus wie 2016 (die gleiche Frische) und 2010 (Teife und Kraft). Den Trinkspass werden die 2018er von den Jahrgängen 1982 und 1990 erben. Wenn auch auf garantiert höherem Gesamtniveau. Alle Notizen sind jetzt in der Suchmaschine aufgeschaltet.  www.bxtotal.com (rund 100'000 Notizen und Bewertungen von René Gabriel & André Kunz).

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KALBSHAXE MIT LAFITE 1959
 
Essen in Verbindung mit Weinen wird meiner Ansicht nach meistens überbewertet. Als gelernter Koch und Weinfreak kenne ich da beide Seiten. Manchmal ist aber gerade diese hochgejubelte Symbiose das Mass aller Dinge. Und schliesslich gilt ja bekanntlich auch noch der Spruch «aller guten Dinge sind vier!».

Warum denn vier? Die Ausnahme bestätigt in unserem Falle die Regel. Das weinfröhliche, vierblättrige Kleeblatt bestand aus Riccarda, Romi, Kaspar und Bärti. Alle im Jahr genialen Weinjahrgang 1959 geboren. Und somit ergab sich für jeden von ihnen im Jahr 2019 die unwiderrufliche Gelegenheit, 60 Jahre alt zu werden.

Die einen feierten schon, die anderen haben es noch vor sich. Aber wenn sich Freunde mit deren Ehepartnern treffen, so kann / könnte man ja durchaus mal eine kleine Feier mit ganz grossen Weinen veranstalten. Zum Beispiel an einem regnerischen Sonntagmittag. So gegen Ende April beispielsweise. Und an einem Ort, bei dem auf dem Teller Speisen aufgefahren werden, welche an sich schon ein Erlebnis sind. Und in Verbindung mit ganz grossen Weinen dadurch grad nochmals erlebnisreicher werden. Beispielsweise beim Cusinier Werner Tobler im Bacchus im luzernischen Hildisrieden.

So jetzt sind die Rahmenbedingungen eigentlich schon mal gründlich deklariert. Jede Partie nimmt ein paar Flaschen vom besagten Jahrgang mit. Die Kapseln werden zum Teil mühsam entfernt. Dann versucht man mit dem Durand-Korkenzieher die auch schon etwas ins Alter gekommenen Korken aus der Flasche zu ziehen. Mann dekantiert nach Bedarf und dann ab ins Gabriel-Glas.

Manche Bouteillen werden gar nicht erst eingeschenkt. Das Risiko ist ein oft unfairer Partner. Ist aber kalkulierbar. Wenn etwas nicht passt, so freut man sich umso mehr an den besonders eindrücklichen Flaschen. Und – von denen gab es an diesem besonders weinigen Sonntag eine ganze Menge.




Vier 1959er unter sich.

- Kaspar Bättig
- Bärti Stocker
- Riccarda Müller
- Romi Bättig



Normalerweise gilt die Regel, dass Weine in einer halben Flasche schneller reifen. Es gibt aber auch eine Regel, dass dies bei ganz grossen Weinen nicht unbedingt stimmt.

1959 Château Lafite-Rothschild, Pauillac: Das Bouquet beginnt mit einem grossartig gereiften Cabernetduft. Die Pauillac-Süsse ist derartig berauschend, dass er blind mit dem Mouton verwechselt wurde. Backpflaumen, Cassisresten, dunkle Rosinen und auch minzige wie auch schwarzschokoladige Spuren aufweisend. Im Gaumen fleischig, aber auch geschmeidig, gebündelt im extrem druckvollen Finale. Einer der besten 1959er Elite-Bordeaux. In der Schweiz könnte man jetzt grad noch eine Flasche bestellen. Für 3'000 Franken – plus Mehrwertsteuer. 20/20 trinken      


Der ganze Bericht, inklusive dem sagenhaften Pétrus 1959 auf www.bxtotal.com

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RICHEBOURG IM RAUCHHAUS
 
Es war ein Ausflug in eine frühere Zeit. Nicht grad bis ins Jahr 1773 zurück. Da wurde nämlich dieser Bauernhof in einem Hypothekenprotokoll erstmals urkundlich erwähnt. Aber doch eine Reise in eine ganz besondere Zeit. Eine kleine Truppe von Weinfreunden erhielt Audienz im einzigen noch in Betrieb stehenden Rauchhaus der Schweiz. Ort: Hergiswil am Napf (LU).

Gastgeber: Mitbesitzer Franz Hodel (links), sein Bruder Hans (nicht auf dem Bild) und Kaspar Bättig (rechts). Nicht zu übersehen ist denn auch die geräuchte Speckschwarte.  



Für Vegetarier ungeeignet. Es war ein ganz besonderer Samstagmittag rund um den Rauch im Rauchhaus. Mit deftigen, durchs Band schweinigen Speisen. Alle perfekt geräuchert. Und mit Weinen welche alle ebenfalls mit einem «R» wie Rauch aufwarteten. Die beiden Rieslinge wurden zum Apero ausgeschenkt. Die Beilage passte zum Thema. Würziger Bauernspeck gesalzen und geräuchert und in Stäbchen geschnitten.

DIE R-FLASCHEN
Riesling Oberhauser, F.X. Pichler 2013
Riesling Paradiesgarten von Winning 2017
R Spätburgunder Huber, Malterdingen 2003
Rioja Reserva Roda, Spanien 2010
Rioja Monte Real Gran Reserva 1998
Richebourg Gros Frère, Burgund 1999
Rauzan Ségla, Margaux 1996
Rauzan Ségla, Margaux 1994
Ridge Monte Bello Kalifornien 1994

Der ganze Bericht von René Gabriel, auf www.bxtotal.com 

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In Erinnerung an den verstorbenen Weinpfarrer Hans Denk (Foto VINARIA)

HOCHWÜRDEN GEHT ZU BETT

Es gibt viele Geistliche, welche gleichzeitig profunde Weingeniesser sind. Entweder von den Mengen oder vom Wissen her. Bei dieser Geschichte treffen beide Elemente auf ein und denselben Pfarrer zu.

Als wir gegen Abend im damaligen Restaurant Schaffelner (nähe Linz, Stadt Haag) eintrafen, sass er noch am Mittagstisch, verdrückte die letzten Marillenknödel und trank dazu ein halbes Fläschchen Süsswein. Und es standen noch zwei leere, normale Flaschen auf seinem Tisch, die von früherer Fisch-Verzehrung und Fleischeslust zeugten. Auf den Kaffee verzichtete der gewichtige Seelsorger und wechselte im freien Flug zum Apéro, welcher für die Teilnehmer der anschliessenden Château Montrose-Vertikale stattfand.
Die Intervalle des Servicebesuches mit der Weissweinflasche schienen ihm etwas zu lang zu sein und so fragte er höflich nach einer «eigenen Flasche» mit der Bitte eines diskret aufgestellten Eiskübels in seiner Griffnähe.

Dann bat der Veranstalter zu Tisch und schenkte die ersten fünf Gläser mit verschiedenen Jahrgängen Château Montrose ein. Die Tannine dieses borstigen St. Estèphe schlugen so richtig auf die Zunge, die am Schluss der Probe wie sandgestrahlt wirkte.

Dem Pfarrer schienen die Gerbstoffe aber nichts auszumachen; er lächelte gütig, roch jeweils kurz am Glas und schüttete einen Wein nach dem anderen in seinen Schlund. Notizen schrieb er keine nieder. Er könne sich das auch so merken. Auf dem Menu-Blatt standen alle zu verkostenden Weine und auch noch ein Hinweis auf einen Tischwein. Der Pfarrer fragte höflich, wann dann dieser Tischwein aufgefahren würde, weil bei ihm jetzt schon kein Wein mehr auf dem Tisch sei …

Der Veranstalter bemerkte, dass dieser eigentlich für das Essen vorgesehen wäre, aber man könne diesen ja schon mal öffnen und allenfalls bereits jetzt ein bisschen verkosten. Gesagt, getan! Als das nette Servicefräulein sich wieder nach dem Einschenken von Hochwürden entfernen wollte, griff dieser nach der Flasche: «Lassen Sie diese doch hier – man weiss ja nie, wann Sie wiederkommen!» Weitere Serien folgten und endlich kam die versprochene Hauptspeise. Doch wo war der geplante Tischwein geblieben? Leider schon ausgetrunken. Es gab einen offensichtlichen, namentlich unausgesprochenen Haupttäter.

So musste der Veranstalter zur offiziellen Weinkarte des Restaurants greifen und seine Kalkulation für diese tolle Weinprobe war definitiv dahin.
Zum Ausklang bestellte sich der harte Kern noch die eine oder andere Flasche. Der Pfarrer gab sich immer noch durstig, ziemlich redselig, sichtlich genussvoll, aber irgendwie, was das Mitbestellen von zu bezahlenden Flaschen anbelangte, eher von seiner geizigen Seite.
Am Schluss sass nur noch ein Trio am Tisch. Der Wirt, der Pfarrer und ich. Zeit zum «ins Bett gehen», meinte der Hausherr und so standen wir auf. Was uns gelang – gelang dem Pfarrer nicht so ganz. Er schwankte sichtlich wie bei einem kleinen Schiff bei Sturm und setzte sich gleich wieder, um den hoch wogenden Gerbstoffwellen auszuweichen.  

Jetzt half nur noch ein begleitendes Pilotieren. Franz Schaffelner griff unter den rechten Arm des gewichtigen Gottessohnes und ich unter den linken Arm. Und so schleppten wir ihn durchs Restaurant und hatten unsere liebe Mühe, die nahezu 200 Kilogramm schwere Persönlichkeit die Treppe hinauf zu bugsieren.

Im Zimmer setzten wir den promilligen Koloss auf die Bettkante und fragten höflich: «Hochwürden, geht′s?». Er nickte abwinkend und wünschte uns noch lallend eine gute Nacht. Und Gottes Segen!

Am anderen Morgen sassen alle schon längst beim Frühstück. Bis auf eine Person. Die «Betthelfer» bekamen es langsam mit der Angst zu tun. Hätten wir ihn hinlegen sollen, anstatt einfach so sitzend, sich selbst zu überlassen? Ist er nach hinten gekippt und hat sich an der Bettkante womöglich den Kopf angeschlagen? Oder ist er nach vorne aus dem Bett gefallen?

Franz und ich gingen nach oben. Klopften erst leise, dann immer lauter. Kein Ton. Jetzt öffneten wir die Türe und staunten nicht schlecht: Hochwürden sass immer noch genau so da – wie wir ihn vor Stunden verabschiedet hatten …

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50 JAHRGÄNGE CHÂTEAU PALMER

«Monsieur Palmer», Thomas Duroux (Bild RvdF) gab sich die Ehre. Auf eine Einladung von René Gabriel, reiste er von Margaux nach Luzern. An einem Wochenende entkorkten wir 50 Jahrgänge von diesem besten Troisième Cru. Von 1928 bis 2011. Der schönste war 1959. Der grösste 1961. Ein paar jüngere, geniale Jahrgänge wie 2005 und 2009 werden diese Legenden derreinst ersetzen. Ein paar wengier teure und doch sehr grosse Jahrgänge sollte man sich vielleicht noch in den Keller legen.

Der grosse Gabriel-Bericht mit 20 PDF-Seiten, mit Verkogstunsnotizen, Wertungen, Anekdoten und Fotos ist auf www.bxtotal.com aufgegeschaltet. 





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2006 – EIN PINGUS-PALMER?

In Spanien gibt es einen Leader-Kultwein!
Dieser heisst Pingus und hat den Besitzer Peter Sisseck berühmt und reich gemacht. Dieser
Ultra-Premiumwein aus Ribera del Duero  vermittelt Finesse und Power in Einem. Durch seine Rebsorte Tempranillo zeigt er, trotz Ausbau in französischer Eiche, oft eine berauschende Süsse. Dieser schon fast erotisch anmutende Palmer 2006 gleicht dem Pingus in recht vielen Dingen. Bleibt aber doch ein Palmer, wenn auch mit «spanischem Akzent»!

2006 Château Palmer: Sattes Purpur, rubiner Schimmer. Irgendwie hat man das Gefühl, dass man erste, farbliche Evolutionskonturen sieht. Die Nase zeigt die «Evolutionsvermutung» ebenfalls an. Die Frucht ist am Abklingen und wird durch Terroirnuancen ersetzt. Zedernholz, helles Leder, Pfifferlinge, Bakelit und Spuren von Korinthen und leicht angedörrten Pflaumen. Obwohl man nasal von einer ersten Reife sprechen kann, wirkt das Bouquet immer noch etwas reserviert, was jedoch wiederum Jahrgangstypisch ist. Im Gaumen fleischig, der Fluss ist noch etwas aufrauhend und mit mürben Tanninen bestückt. Im Finale zeigt sich mehr Frucht wie in der Nase und der süss anmutende Finish zeigt Aromen von Black-Currant-Pastillen und Sandelholz. Die Gesamtkonstellation dieses versprechenden Weines lässt vermuten, dass er momentan ganz einfach keinen Bock hat. Also den Korkenzieher vor diesem Wein verstecken. Mutiert in seiner vollen Reife eher zu einem Médoc-Klassiker. Diese Vermutung passt dann auch zu einem Blend, welcher mit 56 % für einen Palmer sehr Cabernet-lastig ist. Ab 2025 erstmals entkorken und dann drei Stunden lang
dekantieren. 19/20 warten    

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ETIKETTE TRÜB – WEIN KLAR

Lieber so wie umgekehrt. Der Palmer 1961 ist eine der ganz grossen Legenden des Médoc’s. Und genau dieser Wein hat Château Palmer in einer Zeit bei der alle Augenmerke nur auf die Premier Grand Crus gerichtet waren, weit herum berühmt gemacht.

1961 Château Palmer: Füllniveau Mid-Shoulder. Immer noch extrem dunkel, in der Mitte schier Schwarz – aussen jedoch schon mit braunen Tönen sein Alter anzeigend. Die Nase duftet nach Waldhimbeeren. Es hat schon genau so weitherum im Keller geduftet, als ich den Wein dekantierte. Pralinen, Malz, Caramel, Sandelholz und immer wieder viele Beeren in jeglichen Form, aber immer deutlich von Himbeeren dominiert. Geröstete Mandeln, ein ganz feiner Hauch von flüchtiger, minziger Säure findet man auch. Nicht schlimm, aber halt auch zur damaligen Vinifikationsart passend. Im Gaumen ist er ein Ausbund von Süsse. Die gereifte Merlotextression erinnert an einen gigantischen Pétrus. Oder halt an einen der grössten Musigny welchen es je gab. Genau so ist Palmer 1961. Eine verdiente Legende, welche für eine ganz lange Zeit das Marketingtool dieses drittklassierten Gewächses im Médoc war. Man würde, bei ganz kritischer Betrachtung ein paar minime  Alterbeschwerden finden, aber bei so grossen Persönlichkeiten wischt man so einen kleinen Makel ganz einfach unter den Tisch. Und ist unendlich dankbar, dass man an einer solchen Legende teilhaben durfte. 20/20  

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SEIT 2009 SICHERHEITS-SCHUTZ

2009 Château Palmer: Die Farbe ist von ganz dunklem Purpur mit lila Reflexen, unglaublich satt in der Mitte. Geniales Bouquet voll reifer Beeren. Der intensive Beginn zieht los mit Maulbeeren, Walderdbeeren, Kirschenkompott und Ansätzen von Dörrpflaumen. Im Untergrund findet man Pumpernickelbrot, dunkles Malz, Vanillemark und dunkle Edelhölzer, sowie frisch gerösteten Arabica-Kaffee. Ergänzt durch feine Rauchwürznoten welche die unglaubliche Tiefe dieses Nasenbildes anzeigen. Der Gaumen ist mundfüllend, der Körper an sich erinnert an gewisse Bilder von Rubens. Die Konturen sind reich und weich gleichzeitig, im Innern findet man minime Spuren eines jungen Portweins, kurioserweise hinterlassen die Fruchteindrücke im Gaumen mehr rot- bis blaubeerige Komponente. Das dramatische Finale ist bombastisch und zeigt einen legendären Jahrhundertpalmer an. Freude schöner Weinfunken! Die erste Genussreife sehe ich ab 2025. Also muss man hier nicht ewig warten. Dann wird er für viele Jahrzehnte einen riesengrossen Genuss abliefern. Mit Gabriel-Garantie! 20/20 warten   




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«M» WIE MOUTON – ODER MARTHA’S
 
Normalerweise entsteht bei Dual-Tasting immer grad ein Wettkampf. In diesem «Doppeltasting» stand links immer ein Martha’s Vineyard und rechts immer ein Mouton.

Aber ich hatte nach der grossangelegten Blindverkostung vom Wochenende zuvor (Pauillac vs. Napa) keine Lust mehr auf Vergleiche. Und ein Martha’s Vineyard von Heitz schmeckt ja auch immer ganz an als ein Mouton-Rothschild vom Baron.

So lehnte ich mich zurück, griff nur ganz sporadisch zum Kugelschreiber und genoss mein Weinwochenende mit Freunden rund um Dresden in vollen Zügen. Der schönste Martha’s war 1975, gefolgt vom 1991 und 1987. Natürlich hatten wir da auch ein paar dumpfe Exemplare zu gute. Dies ist sich der Martha’s aus dieser Zeit aus historischen Gründen schon selbst schuldig.

Die schönsten «Moutontönner»; 1983, 1985 und mit einer unwahrscheinlich guten 1990er-Flasche aufwartend. Und irgendwann werde ich dann von einem reifen 1986er-Jahrhundertmouton berichten. Aber das dauert wohl noch mindestens eine Dekade …     

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DANKE BRUNO

Während meiner Mövenpick-Zeit hatte ich zwei Mal das Vergnügen mit Bruno Giacosa zu dinieren. Er war ein sehr guter Zuhörer. Vor allem deshalb, weil er selbst fast nichts sprach. Und – er konnte sehr gut Italienisch. Und nur das. All dies erschwerte in der Regel einen geselligen Abend. Also lag die ganze Kraft stundenlang im Schweigen. Eigentlich sprach er mehr mit seinen buschigen Augenbrauen. Wenn er diese anhob, schien er eine partielle Fröhlichkeit anstreben zu wollen. Was ihm aber selten gelang. So sind halt Charakterwinzer. Und von seiner Sorte gibt es heute fast keine mehr. Er starb im Januar 2018 und hinterliess viele Barbaresco Legenden. Den 2004er (19/20) mit dem roten Etikett hatte ich an diesem Wochenende in Dresden im Glas. Taufrisch, das Maximum an burschikosem, kräutrigem und schwarzrosinigem Terroir-Nebbiolo ausstrahlend. Und irgendwie auch introvertiert. Genau so wie Bruno es auch immer war …  

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SCHWARZ KANN ROT

Der Winzer Martin Schwarz produziert entlang der sächsischen Weinstrasse ein bemerkenswertes Weinallerlei. Ich traf diesen charismatischen Winzer in Dresden. Mit dem Motto «klein aber fein» proklamiert er den bestmöglichen Wert dieser Weine aus dieser immer noch unbekannten, respektive unterschätzten Weinregion. Und – er kann auch Pinot Noir! Der 2016 Friedstein ist leicht, und ehrlich. Er zeigt in seiner eleganten Art und Weise eine mehr als nur gefällige Grösse. Das waren die besten Sauerkirschen, welche ich vom Norden von Deutschland je im Gaumen hatte. Sinnlich – mit Lebensfreude. 18/20  http://www.schwarz-wein.de/weine/

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Ich liebe Bordeauxweine, weil …

sie mich schon mein ganzes Genussleben lang treu begleitet haben. Indirekt haben mich die Weine welche an der Gironde, der Garonne und der Dordogne heranwachsen in der überaus attraktiven Weinszene bekannt gemacht. Ihnen verdanke ich einen grossen Teil meines geschäftlichen Erfolges.

Sie sind die Quelle meiner allergrössten Genussemotionen. Der Wein von Bordeaux hat mir auch unzählige Freundschaften vermittelt. Es lässt mich beflügelnde Gedanken formen. Und – er tröstet mich manchmal in etwas schwierigeren Zeiten. Nicht durch die Menge, sondern wegen seinem fördernden Hang zur Musse. Gut gewählt, bereichert er manch privates Fest von uns. Und wenn man zu selektionieren weiss, wird man dabei ganz und gar nicht ruiniert. Den ganz vielen, tollen Crus Bourgeois sei Dank!

Mein bordeauxlastiges Kellerinventar bietet ein riesiges Potential an selektivem Genuss für weitere Dekaden. Nicht zuletzt ist/wäre da auch eine sichere Geldanlage mit den vielen Bouteillen verbunden.

Diese tollen, grossen Weine haben mein Leben massgeblich geformt. Eine sehr gute Flasche Bordeaux hat dieselbe Lebenserwartung wie ein Mensch. Und durchläuft ganz ähnliche Phasen in seiner Entwicklung. Ganz alte, grosse Weine zeigen mir auf, dass es auch in meinem letzten Lebensdrittel immer noch grossartige Genussmomente geben kann. Merci Bordeaux!

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1948 CHÂTEAU PETRUS

Auch der sonst in der Regel hartgesottene Gabriel wird bei einem solch raren Pomerol weich. Ein sehr, sehr guter Freund war so grosszügig und öffnete diese Rarität an einem schon fast stinknormalen Nachmittag mitten in der Woche.

1948 Château Pétrus: Extrem dunkle Farbe, schier schwarz in der Mitte, nur wenig aufhellend und auch wenig Reifetöne zeigend. Das Bouquet ist gigantisch und legt gleich los, kandierte Himbeeren und frische Maulbeeren, dann Pralinen, Menthol und Zitronenmelisse. Alles sehr vielschichtig und mit einer berauschenden Süsse überdeckt. Im Gaumen mit einer unglaublichen Perfektion beginnend. Im Innern ist auch da noch unglaublich viel Frucht vorhanden. Insgesamt zeigt er die bestmögliche Dramaturgie eines gereiften Merlots. Nach immerhin 70 Jahren in der Flasche! Ein bewegender Schluck der nach so vielen Jahrzehnten Château Pétrus nicht zu Unrecht eine schier unereichbare Spitzenposition im Libournais innehält. 20/20

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1986 COS D'ESTOURNEL

Irgendwie schizophren. Es sind noch viele Gerbstoffe da und der Wein oxydiert darunter. Konklusion: Sofort entkorken und etwas dazu essen. 17/20 Tendenz sinkend.








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NAPA VALLEY VS PAUILLAC

HEIMSPIEL IM NAPA-GRILL!


FRUCHT VERSUS TERROIR?


 
Wer vergleicht muss fair sein! Da macht es gar keinen Sinn «Äpfel mit Birnen zu vergleichen». In diesem Bericht geht es um eine gross angelegte Blindverkostung mit rund 100 Publikumsjuroren. Sechs Cabernets aus Napa (Kalifornien) standen im Clinch mit sechs Châteaux aus Pauillac (Bordeaux). Mit einem hüben wie drüben vergleichbaren, grossen Jahrgang (2015). Und dem gleich hohen Einkaufs-Budget auf beiden Seiten.   

Der Storytitel bringt – unabhängig vom Resultat – meine persönliche Einschätzung auf den Punkt. Das Titelfoto erzählt auch schon visuell den Ausgang dieser einmaligen Blindverkostung. Zwei lachen und geben sich siegesverwöhnt. Links im Bild; Weinfreak Baschi Schwander (www.mybestweine.ch) in der Mitte Gregor Greber (www.napawine.ch) und Inhaber vom Napa-Grill in Zürich. Rechts – etwas weniger glücklich aussehend – René Gabriel (www.bxtotal.com). Das Endresultat war ein heroischer Erfolg für die Weine aus dem Napa Valley. Und das kann man – angesichts der Resultate – fast nicht mehr Schönreden.

AND THE WINNER IS …

Lediglich drei Punkte trennen den Napa-Siegerwein Bulgheroni (Schnitt 96/100) vom Pauillac-Verlierer Clerc-Milon, welcher vom Publikum mit durchschnittlich 93 von 100 Punkten bewertet wurde. Dies beweist das hohe Qualitäts-Niveau der zwölf Kandidaten.  
Nimmt man die Noten aus früheren Verkostungen, so erklärt sich die Differenz ebenfalls. Sebastian Schwander taxierte den Bulgheroni mit 96+/100. René Gabriel benotete den Château Clerc-Milon bei der Primeurverkostung im Jahr 2016 mit eher schwachen 17/20. Also stimmt die recht polarisierende Rangliste. Zumindest rein rechnerisch …
 
1. Platz: 2015 Bulgheroni Lithology Cabernet Sauvignon. Gesamtpunkte: 9439.
2. Platz: 2015 Brand Napa Valley Brio. Gesamtpunkte: 9406.
3. Platz: 2015 Sinegal Estate Winery Estate. Gesamtpunkte: 9404.
4. Platz: 2015 Barbour St. Helena Cabernet Sauvignon. Gesamtpunkte: 9383.
5. Platz: 2015 Château Pichon-Baron-Longueville, Pauillac. Gesamtpunkte: 9367.
6. & 7. Platz: 2015 Arkenstone Wines Estate Red Wine. / Kelly Fleming Estate Cabernet Sauvignon. Beide Gesamtpunkte: 9345.
8. Platz: 2015 Château Pichon-Comtesse-de-Lalande. Gesamtpunkte: 9332.
9. Platz: 2015 Château Pontet-Canet, Pauillac. Gesamtpunkte: 9290.
10. Platz: 2015 Château Lynch-Bages, Pauillac. Gesamtpunkte: 9252.
11. Platz: 2015 Château Grand-Puy-Lacoste, Pauillac. Gesamtpunkte: 9230.
12. Platz: 2015 Château Clerc-Milon, Pauillac. Gesamtpunkte: 9155.

FRUCHT VERSUS TERROIR?

Mit diesem Co-Titel habe ich mir ganz persönlich die Frage gestellt, warum das Endresultat zu einem solchen Debakel für die Bordeauxweine ausarten konnte. Ja – ist es denn wirklich ein Debakel? In einem sportlichen Dual-Wettkampf gewinnt in der Regel immer der Stärkere. So war es auch an diesem Samstag. Und so war es eigentlich schon immer, wenn sich Kalifornier gegen Bordeauxweine massen.
Kalifornier haben mehr Frucht! Sie behalten diese auch viel länger. Meist bis zum Ende der eigenen Genussphase. Die allerbesten USA-Cabernets können aber durchaus ebenfalls den Begriff «Terroir» für sich beanspruchen. Dies beweisen nicht wenige Legenden. Zum Beispiel der 1978 Cabernet Sauvignon Shafer oder ein paar Martha’s Vineyard von Heitz. Hier gilt der Jahrgang 1974 als Massstab. Auch bei Bordeaux findet man viel Frucht. Etwas mehr in den Weinen mit Merlot (Saint Emilion und Pomerol). Etwas weniger in den Crus vom linken Ufer. Dort dauert die Fruchtphase meist nur kurz. Dann gehen diese Langstreckenläufer in die Reduktion und öffnen sich erst wieder zum Beginn der Genussphase. Dies dürfte ein gewisses Handicap in dieser Probe gewesen sein.

POWER VERSUS FINESSEN?
 
Zwar suchen die Bordeauxwinzer ebenfalls die Kombination von Power und Finesse. Das Qualitätsmanagement im Rebberg, welches auf die maximale Reife der Tannine ausgerichtet ist, generiert dann in der Regel ein Endresultat von rund 13.5 % Alkohol. Dieser Wert wurde dann auch auf allen degustierten Bordeaux so deklariert. Dies sieht im Napa ganz anders aus. Der «leichteste US-Cabernet Sauvignon» dieser Blindprobe (Sinegal Estate) gab einen Wert von 14.7 % auf dem Label an. Der Siegerwein (Bulgheroni) gewann mit einem Vorsprung von 2 % Alkohol gegenüber allen Bordelaiser Grand Crus! Hier protzte die Information: 15.5 Vol. % auf dem Etikett! Dies ist kein Vorwurf meinerseits, sondern ganz einfach ein Fact, welcher letztendlich sicherlich nicht unbedeutend für den Sieg war.  

Die etwas andere Rangliste von René Gabriel auf elf Seiten findet man auf www.bxtotal.com

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WAR EIN WEINIGER EIN APRILSCHERZ.

Danke für die vielen Bestellungen!





Subskription heute bis 22 Uhr:

100 MAGNUM HONISINGER VON HIRTZBERGER!!!

Noch ist das Etikett nur ein gestalterischer Entwurf. Diesen Wein wird es nur einmal geben. Und – er ist auch einmalig …

Bei unserer Jahresverkostung zum Jahrgang 2018 stellte ich ganz am Schluss die lakonische Frage, warum es eigentlich nirgends einen Blend von Riesling und Grünem Veltliner gäbe. Franz Hirtzberger junior antwortete darauf: «Irgendwie ist das eine heilige Kuh. Die Rebsorten sind aber so unterschiedlich, dass daraus wohl daraus eine Verfremdung des initialen Produktes erfolgen würde. Ganz ehrlich gesagt, habe ich so etwas auch noch nie ausprobiert!»

«Probieren geht über Studieren», sagte ich ihm. In den weiteren Diskussionen um einen möglichen Blend dieser Wachauer-Rebsorten-Titanen, kamen wir darauf, dass ein solches Unterfangen im unteren Bereich sicherlich keinen Sinn machen würde.
«Vom Stil her wirkt der Grüne Veltliner für mich wie ein weisser Burgunder. Je reicher er ist, desto mehr bläht er sich auf. Aussen fett, innen eher gestützt durch das Extrakt wie durch die Säure» legte ich in die Runde. «Der Riesling wirkt schlanker, rassiger und hat mehr Säure», entgegnete Franz Hirtzberger junior. Also müsste man, dem Grünen Veltliner mengenmässig den Vortritt lassen und dann mit Riesling ergänzen, damit die mögliche Harmonie erreicht wird.
Die Flasche Honivogl 2018 stand noch auf dem Tisch und ich bat Franz nochmals die Fassprobe vom Singerriedel zu holen. Wir einigten uns auf einen Drittel Riesling und zwei Drittel Grüner Veltliner. Mit dem Messbecher machten wir eine Spontanassemblage. Doch der Riesling wies einen zu grossen Stempel im Blend auf. Nach einer Viertelstunde lag die Assemblage bei 72 % Honivogl und 28 % Singerriedl. Wir gaben das Glas in die Tischrunde und alle waren begeistert. Ein garantierter Kultwein war geboren!

Die Aromen kumulierten sich und der Körper zeigte Reichtum und Fleisch. Es ist anzunehmen, dass dieser «HoniSinger» ein legendäres Potential von gut 50 Jahren haben wird. So spontan wie diese einmalige Story begann, so spontan beschlossen wir, dieses einmalige Experiment abzufüllen.
Der Wein ist bereits in einem kleinen Stahltank assembliert und wird am Samstag, 14. September 2019 ab 6.35 Uhr bei Vollmond in 100 Magnumflaschen abgefüllt. Aus gesetzlichen Gründen muss hier auf den Begriff «Smaragd» verzichtet werden. Also wird lediglich «Wachauer Weisswein» auf dem Etikett stehen.

Der Preis dieser kultträchtigen Magnum ist mit 200 Euro festgelegt (inkl. Porto und Versand / Auslieferung nur im EU-Raum). Pro Person gibt es maximal eine Magnum. Man kann diese ab sofort unter honisinger@hirtzberger.at bestellen. (Lieferadresse nicht vergessen). Dieser werden nach dem Prinzip «first come – first serve» zugeteilt. Mit der Bestätigung erfolgt nach dem Subskriptionssystem eine Rechnung. Diese ist innert 14 Tagen zu bezahlen, sonst wird die Allokation weiter gereicht. Die Auslieferung erfolgt Ende Oktober 2019.

WAR EIN APRILSCHERZ - DANKE FÜR DIE VIELEN BESTELLUNGEN

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1969 Viña Tondonia: Immer noch recht dunkle Farbe, im Untergrund dann aber doch eine reichlich braune Färbung zeigend. Selten habe ich ein Bouquet erlebt, das so intensiv nach geröstetem und erkaltetem Kaffee in einem duftete. Dann süssliches Malz und erdige Terroirtöne. Klar den Absender von einem gereiften, wenn auch etwas ältlichem Rioja von sich gebend. Im Gaumen ist er immer noch mit einer wunderbaren, süsslichen Tempranillonote ausgestattet, die Tannine sind abgeklärt und fein, das Finale intakt, gebündelt und hoch aromatisch. Eine schiere Rioja-Altweinlegende. 19/20    








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ANNE-CLAIRE SCHOTT: EIN NATURTALENT

Sie leicht älter wie 30 Jahre. Sie ist Winzerin. Und sie liebt die Natur. Zwar studierte sie erst Kunstgeschichte und Soziologie. Dann entschied sich Anne-Claire Schott den Winzerbetrieb der Eltern in Twann zu übernehmen. Also machte sie auch noch die Ausbildung zur diplomierten Önologin.

In erster Linie wird das erfolgreiche und etablierte Sortiment von Vater Peter weitergeführt. Doch das reicht der Tochter nicht. Sie lancierte – mit Preisen weit über der traditionellen Weinliste – ihre ganz persönliche Deklaration mit dem Namen «Aroma der Landschaft». Momentan sind es eine Edition Blanc, ein Pinot Gris welchen Sie auch als «Orange Wein» bezeichnet und ein Pinot Noir. Letzterer (2017) zeigte sich bei der Probe leicht reduktiv. Er wird aber in ein paar Jahren, oder mit längerem Dekantieren, als «zarte Versuchung des Pinots» in die Schott-Geschichte eingehen.

In Luzern stellte sie ihre «Aromen der Landschaft» bei einem Treffen der Jungwinzer vor. (www.jsnw.ch). Man spürt, dass sie sich momentan in einer Zwischenetappe befindet. Nach dem Motto: «Schon viel erreicht – aber noch viel vor!». Sie lässt zwar ihre Weine schonend mit möglichst wenig personellen Eingriffen laufen. Sie macht Maischegärungen, verzichtet möglichst auf Schwefel und füllt die Weine praktisch unfiltriert in die Flasche. Die nächsten Jahrgänge sollen sich dann noch näher der Natur annähern. (Naturweine). Damit beweist sie Mut, wirkt in gewissen Phasen – aus Normalkundensicht – möglicherweise etwas beratungsresistent. Sie hat aber mit dem normalen Sortiment den nötigen Joker. Mit ihrer oberen Linie fühlt sie sich als Winzerin frei von Konventionen und etabliert sich mit deren Spezialprodukten in einem schmalen, nicht vergleichlichbaren Segment in der helvetischen Weinszene. Der Erfolg gibt ihr recht, wie der weisse 2017er beweist.

2017 Blanc, Schott Weinbau, Twann: Verkaufspreis, CHF 45. Ein Blend aus Chasselas, Pinot Noir, Pinot Gris, Chardonnay, Sylvaner und Sauvignon Blanc. Die Trauben werden entlang der Steinmauern selektioniert. Intensives Gelb, brillant leuchtend. Mineralischer Bouquetbeginn, er zeigt eine fein salzige Würze, Karambolle, Reineclauden, blumige Spuren und Nuancen von Akazien sowie minimen Spuren von Safran. Das Nasenbild ist sehr vielschichtig, nicht zu intensiv dafür sehr nobel in seiner sehr ansprechenden Ausstrahlung. Im Gaumen saftig und gut balanciert. Beim Schlürfen explodiert seine grandiose Aromatik und zeigt im Finale eine elegante Länge. Ein Weisswein ohne geschmackliche Konkurrenz. Vinifiziert auf sehr hohem Niveau! 18/20  www.schottweine.ch

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PINOT RHEIN – DAS GEGENTEIL VOM BURGUND

Bei dieser Geschichte geht es um einen grossartigen Pinot Noir aus dem Bünderland. Doch zuerst werfen wir einen Blick auf die Konkurrenz an der Côte d’Or.

Schaut man auf eine Lagenkarte im Burgund, dann wird es erst komplex, dann kompliziert. Da ist es nicht genug damit, dass fast jeder Rebstock einen eigenen Namen hat. Meist sind unter einer noch so klitzekleinen Lage mehrere Besitzer zu finden. Beim legendären Grand Cru Clos Vougeot sind es heute beispielsweise mehr wie 60 Eigentümer. Bei einem Besuch bei Maurice Ecard probierte ich all seine Lagen durch. Irgendwie schmeckten all seine Weine gleich, oder zumindest sehr ähnlich. In Savigny füllt Ecard unter anderem folgende Premier Crus ab: Les Serpentieres, Les Haut-Jarrons, Les Peuillets, Les Cloux, Les Narbotons und Les Jarrons. Alles Miniproduktionen. Als kühne Idee schlug ich ihm vor, doch einfach seine beste Lage eigenidentisch abzufüllen und die anderen als «Premier Cru» zu vereinen und auf dem Rückenetikett die Lagen als Information anzugeben. «Mais non» war seine kurze Antwort. Irgendwie war danach der Abend für mich (und besonders für ihn) gelaufen. Da habe ich begriffen. Die Lagen – auch wenn gleichwertig – sind heilig und werden bis zum maximalen Masochismus auseinander dividiert.  

Ortswechsel in die Bündner Herrschaft. Der leider verstorbene Winzer Thomas Mattmann halt als «Luzerner Weinwinkelried» in dieser Region viele Steine ins Rollen gebracht. So hatte er auch die Idee, mehrere Dorflagen mit ein paar Winzerkollegen zu vermischen. Daraus entstand der Brand «Pinot Rhein». Das heutige Produktionstrio besteht aus folgenden Weingutsbetreiben: Familie Adank auf Fläsch, Weingut Heidelberg aus Maienfeld Weingut Treib aus Malans. Die Winzer selektionieren zusammen jeweils «das Beste vom Besten» und bauen jeweils drei Pièçen aus. Das ergibt rund 900 Flaschen pro Jahrgang.  

2015 Pinot Rhein, Schweizer Rotwein, AOC Graubünden: Produktion 900 Flaschen, Verkaufspreis 52 Franken. Sehr dunkles Granat mit bläulichen Reflexen. Das Bouquet zeigt viel Primärfrucht, vor allem schwarze Kirschen, etwas Schokonoten und eine dezente Süsse von ausgereiftem Traubengut. Die Ausrichtung ist sehr komplex und geradlinig. Die Röstnuancen stützen, wirken aber dezent im Hintergrund. Im zweiten Ansatz findet man schwarze Pfefferkörner und minime Rauchnoten welche auch gleichzeitig die beachtliche Tiefe anzeigen. Im Gaumen satt, feinstoffig, sehr aromatisch und mit einer traumhaften Balance, langes intensives Finish. Dieser Pinot hat internationale Klasse und gehört zu den Leadern in der Region. Mit einem Blend aus verschiedenen Terroirs ist er eine Sonderklasse für sich. Er verfügt über ein beachtliches Alterungspotential. 19/20       www.pinothrein.ch

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DEN MÄUSEN SEI DANK!

Schlechte Füllniveau sind schlecht. Für den Wein und für die Auktion. Schlechte Etiketten sind schlecht zum Verkaufen. Aber sehr gut zum Trinken. Also gilt hier das Motto: «des einen Freud, des anderen Leid». Dieser 1983er Figeac war so eine «Mäuseflasche». Will heissen, dass ich oft Bouteillen begegne, bei welchen die Etiketten von Mäusen an- oder gar abgeknabbert wurden. Dank dem mittleren Leimstreifen, blieb ein Teil des charakteristischen Namenszuges und sogar der Jahrgang erhalten.

Der Wein duftet trocken-süss, nach Datteln, Kardamom und Nelkenköpfen, dahinter Leder und Cigarbox. Im Gaumen moosig-süss. Er ist mit einem ältlichen, grossen Rioja zum Verwechseln ähnlich. Er hat sein Rentenalter schon seit ein paar Jahren erreicht, gibt sich aber noch rüstig. Der unterprozentige Cabernet-Anteil macht das partielle Altweinwunder aus. 17/20   

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GLEICH VIEL WASSER WIE WEIN

Das hat mir einmal ein Arzt empfohlen. Und ich versuche mich daran zu halten. Um dies besser zu kontrollieren hatte ich zur Magnum 2001 La Mission Haut-Brion gleich eine Anderthalbliterflasche Mineralwasser geöffnet. Doch leider ging die Rechnung nicht ganz auf. Der Wein war so gut und schön fast unverschämt süffig, dass am Schluss dann doch noch reichlich Wasser übrigblieb.
Im Vordergrund: Ein gut gefülltes Blech mit Schweinefüsschen und hausgemachten Frikadellen. Dazu gab es ebenfalls hausgemachten Kartoffelstock. Da war ich für einen guten Moment lang im siebten Genusshimmel.  




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2009 PINOT NOIR BANNOCKBURN FELTON ROAD

«Seid Ihr einverstanden mit einem Pinot?», fragte ich in die Tischrunde, als ich die Weinkarte vom Brandenberg studierte. Alle nickten. Also bestellte ich diesen Felton Road in der Magnum zu 189 Franken. Was ich meinen Tischgenossen nicht sagte, dass ich einen Pinot Noir aus Neu Seeland bestellt hatte. Claudia brachte den Wein in der Karaffe und servierte allen vier Mannen. Der Wein fand spontan Begeisterung und gefielt auch mir sehr, sehr gut. Nach 10 Jahre in der Flasche immer noch fruchtig, würzig und gehaltvoll. Ein ganz grosser 19-Punkte-Pinot. Zudem ist dies als Magnum und von der Reife her eine absolute und auch leistbare Rarität. Der Trinkfluss war beachtlich und wir waren einstimmig der Meinung, dass eine genau gleiche zweite Magnum geordert werden sollte. Geschickt leitete ich auf ein anderes Exemplar über. Falls es da wirklich noch weitere Magnums gibt, habe ich da schon eine ganz gute Idee. Mit anderen Weinfreunden …

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MONTE BELLO 1980

Es war kein grosses Jahr in Kalifornien! Man erkennt aber die besten Weingüter insbesondere daran, dass diese auch bei schwierigem Umfeld Sonderleistungen erbringen.

Als ich meine Gäste durch den Keller führte, sagte einer von ihnen – mit Blick auf die wenigen Flaschen von Monte Bello welche da im Regal herumlümmelten: «Das ist mein Lieblingswein».

Es gibt nicht Schöneres, als einem Weinfreund einen Gefallen zu tun. Und dabei selbst mittrinken darf. Also grapschte ich diesen «schönen Berg» und stellte ihn fürs Mittagessen bereit.

1980 Cabernet Monte Bello: Die Farbe war Orange und bräunlich ziemlich aufhellend. Solche Reflektionen hatte ich schon oft bei ganz alten Bordeaux aus mässigen Jahren gesehen. Die Nase torfig, ledrig, schwarze Pfefferkörner zeigend und mit einer ordentlichen Prise Jod versehen. Hätte ich wohl blind im Pessac vermutet. Dann legte er an Süsse zu und wurde kräutrig-malzg. Im Gaumen merkte man schon ein paar Lücken im dezent gezehrten Fluss. Als Speisenbegleiter, lebte er dann aber (nochmals) so richtig auf. Die beste Zeit hatte er hinter sich. Aber er lieferte allen Beteiligten eine sehr schöne Zeit.    

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UNPLUGGED GIBT’S JETZT NOCH MIT EINEM X

Hannes Reeh gehört zu den Aufsteigern am Neusiedlersee. Und zu den Vergrösserern in Andau. Erst wurde grad die neue Winery fertig. Jetzt baut man schon wieder. «Grösser, schneller, weiter» scheint in dieser lang verwaisten Region heute ein aktives Schlagwort zu sein.

Wir sind angemeldet und gehen durch die emsigen Hallen. Es wird überall gearbeitet und Weine für den Abtransport bereitgestellt. Das Geschäft brummt offensichtlich. Muss es auch – bei diesen immer grösser werdenden Dimensionen.

Dann werden wir zur Probe geladen. Hannes Reeh sitzt am Tisch wie ein gemütlicher Weinbär. Spricht ruhig, mit sonorer Stimme. Er hält nichts von modern-fruchtiger Vinifikation mit tiefen Gärtemperaturen und Kaltmazerationen. Er «köchelt» seine Weine auf recht hohen Temperaturen, gibt ihnen so viel Kraft und eine besondere Ausdrucksweise. Die Weine haben Power, verlangen nach Speisebegleitung und bieten den (zu) wenigen Weinfreaks von gereiften Weinen eine garantierte Genuss-Offenbarung in ein paar Jahren.

Die Palette überzeugt. Jeder Wein hält was er verspricht. Aber es sind halt keine Gaumenschmeichler, sondern fleischige bisweilen auch ziemlich fordernde Exemplare. Dann stellt er sein allerneuestes Projekt vor. Den Unplugged X. Der wird dann wohl bald zur gefragten Marketinglokomotive und zeigt das Maximum dessen auf, was die erfolgreiche Vision von Reeh bisher bietet.

2015 Unplugged X Hannes Reeh, Andau: Erster Jahrgang! Verkaufspreis 48 Euro. 35 % Cabernet Franc. 30 % Cabernet Sauvignon, 30 % Merlot, 5 % Zweigelt. Eine Best-Selektion aus verschiedenen Weingärten. 24 Monate in neuen französischen Eichenfässern ausgebaut. Extrem dunkles Violett mit Granatrand aussen. Das intensive Bouquet beginnt mit vorwiegend dunklen Aromen wie Mocca, Pumpernickelbrot, Lakritze, schwarzem Pfeffer und Tabak. Beim zweiten Ansatz sickern schwarze Beeren durch. Mehr Brombeeren wie Cassis. Alles liegt vom Nasendruck her im intensiven Bereich. Im Gaumen ist dieser massige Rote primär fleischig und zupackend, zeigt eine sehnige Muskulatur und eine versprechende Adstringenz durch die nicht ganz unbescheidenen Tannine. Die Aromen des Bouquets wiederholen sich im Gaumen. Das Finale ist mächtig und drückt sich nach weit hinten. Eine männliche, sehr robuste Cuvée, welche Jungweintrinkern wie eine Fata Morgana vorkommen muss. Den ersten richtigen Trinkgenuss sehe ich so ab 2024. Und dann kann dieser X zu einem der lagerfähigsten Rotweinen Österreichs mutieren. Für mich liefert er den Beweis, dass man in der Andau-Region durchaus mit Berechtigung von Terroir und Potential sprechen darf. 19/20 warten!   
Der mit den ungepluggten: https://hannesreeh.at/

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19 PUNKTE FÜR DEN FABIAN VON ERNST

Vor sechs Jahren stand ich schon einmal in seinem Keller. Aber nicht in dem heutigen. Damals konnte man die Produktion von Bernhard Ernst aus dem burgenländischen Deutschkreutz noch mit Fug und Recht als «Garagenweine» bezeichnen.

Die Weine waren genau so wie er zum Familiennamen hiess, nämlich «ernst». Straffe Weine, mit ausreichend Tanninen und Potential. Aber es waren auch Weine, welche Mühe hatten aus den etwas strengen Vinifikationseiern heraus zu schlüpfen. Das Potential war aber auf jeden Fall vorhanden und ich merkte mir den jungen Winzer, um ihm später wieder Mal auf die Finger zu schauen …

Gesagt – getan! Gegen Ende Februar 2019 war es wieder so weit. In der neuen, schlichten, modernen und gleichzeitig auf die Funktionalität getrimmten Winery empfing uns der sympathische Deutschkreutzer Winzer. Den «Ernsti» probierten wir nicht. Ist ja auch was für Kinder – denn dabei handelt es sich um einen Liter Traubensaft zu 4 Euro.

Bevor ich die Weine verkoste, studiere ich die Preisliste. Die Preise sind mega-attraktiv. Einen Grüner Veltliner gibt es für € 6.50. Den günstigsten Rotwein, den Zweigelt, kann man sich für € 7.50 in den Kofferraum packen lassen. Unter dem Seriennamen «Sideway’s» verkauft Ernst Merlot, Pinot Noir und Syrah. Kleine Produktionen unter tausend Flaschen, alle zu (extrem preiswerten) 22 Euro. Dichte, euphorische Weine – ein Fingerlecken für jeden Sommelier, der diese Weine entdeckt und seinen Gästen weiterempfiehlt.

Der teuerste Wein ist ein ERNST 2015 – ein Blend aus den besten Lagen Hochberg und Goldberg. Wir probierten ihn. Ein sattes Cuvée mit enorm Potential. Genau einzuordnen kann man diesen Luxuswein (Preis 100 Euro) wohl erst am Beginn seiner Reife. Etwas unten durch rutscht bei uns der ZION 2015. Nicht weil der Wein schlecht ist, aber bei den Spitzenweinen sind wir beim Verkosten so verwöhnt worden, dass dieser halt nicht ganz mithalten konnte.

Seine Bordeauxsehnsucht stillt Bernard Ernst mit seinem La Mission 2014. Eine solide Cuvée mit Merlot und Cabernet Sauvignon. Schmeckt logischerweise nicht nach seinem Vorbild La Mission Haut-Brion. Ist dafür mit 35 Euro wesentlich günstiger. Als Bordeauxkopie kommt er aber recht gut ins Glas und will sich lieber morgen als heute schon so richtig zeigen.        

Doch nun zum Epizentrum aus der Produktion von Ernst: Drei Mal Blaufränkisch. Der Hochberg 2015 (18/20) macht das Vorspiel und zeigt sich schon recht zugänglich und vermischt baldige Freude mit einem weiteren Zehnjahrespotential. Mit 14 Euro ein absolut spassiges «Soforthinfahrenundkaufmust». Der Goldberg 2015 zeigt seine goldene Qualitätsseite. Dieser lagerfähigste Blaufränkisch der Ernst-Produktion mischt in etwa 5 Jahren und dann für gute 10 Jahre bei der Topliga vom mittleren Burgenland mit. Ausser bei seinem Preis: 16 Euro. (Eine Sensation!)  

Am allerbesten hat mir der Blaufränkisch Fabian 2015 gefallen. Der hatte bei unserem Besuch so richtig seinen Tag. Dabei handelt es sich um Reben welche 1949 gepflanzt wurden. Der schwere Lehmboden lässt den Wein so richtig mollig und reich werden. Die Produktion liegt so um 4'000 Flaschen.

2015 Blaufränkisch Fabian, Weingut Ernst, Deutschkreutz: Sehr dunkles Weinrot und nebst intensivem Rot auch violette und lila Reflexe im Innern zeigend. Das Bouquet versprüht Brombeeren, Cassis und reife dunkle Pflaumen. Durch die lange Zeit am Stock findet man einen minim laktischem Schimmer, welcher das Nasenbild cremig-füllig abrundet. Nebst Frucht findet man auch frische, florale Nuancen und er zeigt, obwohl jetzt schon so enorm offensiv, auch eine bemerkenswerte Tiefe. Im Gaumen mit sehr reichem Körper unterwegs. Dieser zeigt jetzt schon wahnsinnig viel Charme. Der Fluss ist so samtig zu sein, dass man das verborgene Tanningerüst fast nicht bemerkt. Dieses bietet eine solide Lebensversicherung. Von der Entwicklung her wohl ein Model «Immerschön» mit einem Genuss-Potential für mindestens 10 Jahre. Wenn man bei den ganz grossen Blaufränkisch’ – nebst deren eigenen Typizität – auch manchmal Affinitäten zu einem grossen Burgunder oder Rhône-Wein nachsagt; dieser sensationelle Fabian hat von allen Etwas. Und von diesem «von allem Etwas» enorm viel! Die gesamte 2015er-Blaufränkischpalette von Bernard Ernst ist eine Preis-Genuss-Sensation sondergleichen. Und momentan hat dieser sagenhafte Fabian die Nase leicht vorn. 19/20 Bravo!  
Vom einstigen Newcomer zur Austria-Rotwein-Elite: https://www.weinguternst.at/

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ZUM TOD VON PATRICK BOPP

Unsere Wege kreuzten sich erstmals vor mehr als 20 Jahren. An einem Event mit Jacky Donatz. Ein junger, neugieriger Mann auf dem Weg zum Weinfreak. An seiner Seite sein Schatz Nadja. Sie waren ein Paar und blieben eins.
Erst waren es nur Begegnungen an weiteren Weinveranstaltungen. Die Mouton-Semesterraritäten-Probe 1998 in Adelboden der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Begegnungen im Familienkreis, Kartenspielen, Ausflüge. Mit seiner aufflammenden Weinliebe intensivierte sich auch unsere Männerfreundschaft. Die jährlichen Höhepunkte; die Semester-Raritäten-Degustationen.   

Irgendwann kam für ihn der Punkt, dass er sein weiniges Hobby zurückstecken musste, um sich seiner immer grösser werdenden Familie zu widmen. Eine Rochade, welche ihm erst nicht leichtfiel. Doch dann wurde er so richtig Vater. Ohne Wenn und Aber. Selten habe ich einen Freund erlebt, der sich so viel intensive, bewusste Zeit für Kinder und Frau nahm. Nicht einfach nur pflichtbewusst, sondern hingebungsvoll.

In allem was er machte, war er präzis und zuverlässig. Dokumentiert bis ins letzte Detail. Trotz dem Motto: «Family First», schaffte er es während seinem begrenzten Freiraum seinen Freundeskreis weiter zu pflegen. So stellte er sich auch immer sehr gerne als mein «Edelsommelier» zur Verfügung. Er war stundenlang in den verschiedenen Kellern meiner Weinproben in Bordeaux, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei hat er für eine kaum messbare Wertsumme Weine entkapselt, entkorkt und dekantiert. Auf die richtige Ausschanktemperatur geschaut. Und dann beim Einschenken geholfen. Er hat uns so unglaublich viel Veranstaltungsdruck abgenommen und ich konnte mich um die Gäste kümmern und in Ruhe verkosten. So war der Genuss dieser tollen Weine für mich, Dank Patrick, praktisch uneingeschränkt.  

In den vielen Stunden, in denen wir gemeinsam unterwegs waren, sprachen wir viel über die Zukunft. Er hatte da ganz konkrete Pläne. Kinder bis zum Erwachsensein begleiten, die Partnerschaft pflegen, beruflich aufs Maximum zu gehen. Vielleicht nochmals in Richtung Notar etwas Eigenes lancieren. Leben und Geniessen. Allenfalls mit einer etwas früheren Pensionierung.

Am Samstagmorgen, 16. Februar 2019 fanden diese Pläne ein jähes Ende. Nach zwei Wochen Skiferien mit der geliebten Familie fiel er auf der Piste einfach um. Sofort waren Hilfskräfte und Ärzte zur Stelle. Doch Patrick hat es leider nicht mehr geschafft, in diese zukunftsträchtige Welt zurück zu kehren.  

Wein ist nicht alles im Leben. Aber er hat ihn wie einen roten Faden durchs Leben begleitet. Was ihm noch viel mehr bedeutete (seine Familie), muss er nun, unfreiwillig zurücklassen. Mit nur 49 Jahren ist er gestorben. In meinem Kalender stehen mindestens noch 10 künftige Daten von Semester-Veranstaltungen, Abenden mit den Weinfreunden Pilatus, Ausflüge in die Unterlauelen, Jassen in Eschenbach. Ganz besonders hatte er sich auf den 1. Juni 2019 vorgefreut. Da wollte er mit seinen allerbesten Freunden seinen 50igsten Geburtstag feiern und seinen Lieblingsbordeaux, den Château Lafleur, zelebrieren. Schon vor einem Jahr fixierte er mit mir als ersten Gast diesen Termin, weil er mich da unbedingt dabeihaben wollte.

Lieber Patrick. Danke für die wertvollen Stunden. Für Deine notarischen Beratungen für mich und meine Familie. Für Deine stete Hilfe an meinen Verkostungen. Deine Zuverlässigkeit, Deine Offenheit, Dein Fachwissen und Deine Hilfsbereitschaft haben mich stets zu tiefst beeindruckt.   
Du bist uns, ohne Ankündigung, viel zu früh vorausgegangen. Deiner Nadja und Deinen Kindern wünschen wir viel Kraft diese Trauer zu überwinden. Die Zeit wird irgendwann helfen, den Schmerz zu vergessen. Dich aber werden wir nie vergessen! Häb’s guet – im Weinhimmel …     

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141-JÄHRIGER MOUTON-ROTHSCHILD

Als Entschuldigung für meinen Excel-Salat den ich bei den beiden Mouton-Anlässen im Old Swiss-House in Luzern angerichtet hatte, sponsorte ich der zweiten Gruppe einen 1878-Mouton aus meinem Keller. Irgendwann, vor recht vielen Jahren, hatte ich da zwei Flaschen gekauft. Keine Ahnung mehr wo und wann das war.

Will man heute so ein Ding in Top-Zustand kaufen, so müsste man wohl an die 10'000 Franken dafür hinlegen. Aber das Unterfangen ist utopisch, denn es gibt keine einzige Flasche davon im Markt. Nach längerem Surfen fand ich eine letzte Transaktion bei Christies im Jahr 2000.  

Als feierliche Zelebration entkorkten wir diese uralte Flasche direkt vor den Gästen. Ich war so aufgeregt, dass ich zuerst vergass die kaum sichtbare Bleikapsel zu entfernen. Dann griff ich zum Durand-Korkenzieher und brachte den schwarzbraunen Korken recht gut heraus.

Als ich anschliessend anfing den Wein zu kommentieren, bemerkte ich, dass es wohl keinen einzigen Mensch aus diesem Jahrgang gibt, welcher heute noch lebt.


Am anderen Morgen recherchierte ich meine Behauptung im Netz. Es soll da tatsächlich einen Mann namens Toto gegeben haben, welcher Jahr 1870 in Indonesien geboren wurde und im Alter von 146 Jahren 2016 starb. Unser Mouton 1878 war 141 Jahre alt und er «starb» 2019 am Valentinstag …


1878 Mouton-Rothschild: Füllniveau der Flasche; sehr tiefe Schulter. Mitteltiefe Farbe, trübes Braun, oranger Rand. Die Nase beginnt moosig, zeigt in der Folge feuchtes Leder, Tabak, Malagarosinen, nasse Baumrinde, minime Acetonoten, Spuren von Soyasauce, und Paste von Rinderbouillon. Im zweiten Ansatz findet man zunehmend süssere Komponente wie eingedicktem Birnensaft, Malagarosinen und braunem Nusslikör.  Im Gaumen ist die Konsistenz noch knapp da, minime Muskeln geben dem greisigen Körper halt, das Finale zeigt einen kapseligen Schimmer. Der Nachklang ist aber insgesamt ansprechend und – vom Geschmack her – immer noch sehr angenehm. Dieses sehr fragile Erlebnis ist kein Genuss-Moment wie man es mit jüngeren Erlebnissen vergleichen kann. Einem solchen Methusalem begegnet man mit Demut und Respekt. Und mit der Gewissheit, dass man nie mehr im Leben wieder Mal einem Mouton 1878 begegnen wird. Da braucht es dann auch keine Punkte …








Konzentriertes Arbeiten. «Baron Philippe de Buholzer» beim Dekantieren vom 141 Jahre alten Château Mouton-Rothschild 1878! 











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RIESENSCHNITZEL & LATOUR

Gibt es noch attraktive Weinkarten in der Schweiz? Ja - aber leider immer weniger. Eine Weinkartenoase in der Nähe ist das Restaurant Brandenberg in Zug. Hier gibt es nicht nur tolle Weine sondern auch reife Flaschen. Für den Latour 1975 haben wir 280 Franken bezahlt. Und er war wunderbar. Wenn man Altweine liebt ...







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GIBT ES NUR AUF DER WEINBÖRSE-AUKTION

Die Versteigerung ist am 4. Mai in Bad Ragaz. Martin Donatsch ist persönlich da und man kann diesen sagenhaften Pinot Noir dort auch verkosten. Ich habe ihn schon probiert ...

2013 «Privée» Pinot Noir Malans, Weingut Donatsch: Produktion: 300 Flaschen. Nicht im Verkauf erhältlich. 30 Flaschen werden an der nächsten Weinbörse-Auktion im Mai 2019 in Bad Ragaz versteigert. Verkostungsnotiz von René Gabriel: Sehr dunkles Rubin mit violettem Schimmer. Für einen Pinot Noir ist das eine unglaublich dunkle Farbe! Das Bouquet lädt aus und ist wuchtig zugleich. Bereits von der ersten Sekunde weg zeigt er einen Reigen von ganz reifen Beeren. Diese tanzen von Himbeeren, über Erdbeeren zu Maulbeeren bis hin zu Cassis. Reife Pflaumen, Vanille, Kokos wie auch geröstete Fruchtkerne findet man im zweiten Ansatz. Jedes Mal, wenn man diesen Wein wieder zur Nase führt, sind wieder völlig neue Aromen da. Die schon schier erotisch anmutende Süsse ist atemberaubend, aber nicht marmeladig. Im Untergrund schwingen Nuancen von Edelhölzern (Zedern), frisch geröstetem Kaffee (Arabica) und faszinierende Kräuternoten (Zitronenthymian) mit. Der Gaumenbeginn ist üppig – cremig – harmonisch. Die Säure und die Tannine geben sich in diesem Zusammenspiel richtiggehend harmoniesüchtig. Die perfekte Balance ist da! Beim Schlürfen explodieren die Fruchtnoten, welche Frische und Reife gleichzeitig zeigen. Dieser «Privée» erinnert mich an meine absolut allergrössten Burgunder-Jungweinerlebnisse. Und in diese Weltklasseliga gehört er fraglos. Was Martin Donatsch aber mit diesem unglaublichen Pinot Noir gezeigt hat: wo die neue Messlatte des Pinot-Maximums in der Schweiz aufgelegt wird. Als ich den Wein verkostete hatte ich, aufgrund des bisherigen Schaffens dieser Malanser Domaine, eine unverschämt hohe Erwartungshaltung. Diese wurde nochmals bei Weitem übertroffen. Mit der Verkostung von diesem ausserirdischen Wein verbinden mich die grössten Genuss-Emotionen meines Lebens. Er ist jetzt genial und wird sich selbst in den 20 Jahren ein helvetisches Denkmal setzen. Glück dem, der diesen Wein einmal verkosten durfte. Oder gar ein paar Flaschen besitzen darf. Zum Ersten! Zum Zweiten! Zum Dritten! Auf an die Auktion im Mai! 20/20 trinken

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DER LETZTE MOUTON-ABEND?
 
«Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche», sagte einst der Komponist Gustav Mahler. Also können Traditionen nur existieren, wenn das Feuer nicht erlischt…

Mit zunehmendem Alter kommt es bei mir zum Effekt, dass ich selbst grosse Weine schon x-mal verkosten, respektive geniessen durfte. Der Beginn des Jahres stand bei mir schon seit  mehr als einem Jahrzehnt als Mouton-Abend im Kalender. Meist im Januar setzten sich jeweils Weinfreunde aus ganz Europa im geschichtsträchtigen Restaurant Old Swiss House in Luzern an den Tisch. Philippe Buholzer (der Wirt) und René Gabriel (der Organisator) trafen sich jeweils schon am Nachmittag im rustikalen Rittersaal, um zusammen die Flaschen zu Entkapseln, zu Entkorken und zu Dekantieren.

Übernommen hatte ich diesen Event vom damaligen Leiter des Weinkellers Mövenpick in Basel. Marcel Voumard. Er – selbst ein unverbesserlicher Mouton-Fan, organisierte jeweils rund um den Todestag des Baron Philippe de Rothschild (20. Januar 1988) einen Event mit Weinen aus dem Hause Rothschild. Mit viel Mouton, aber auch mit Château Clerc-Milon, Château d‘Armailhac oder Opus-One.

Nachdem Marcel Voumard pensioniert wurde, übernahm ich diese Tradition. Und dies nicht ungern … Wie ganz viele, andere Sammler, hatte auch ich in meinen ersten Jahren Moutonflaschen subskribiert, gekauft oder ersteigert. Mit dem Effekt, dass diese Exemplare eigentlich mehr dem Exhibitionismus
wie dem persönlichen Genuss dienten.

Parallel fing ich an, Wein intensiv zu degustieren, an Verkostungen teil zu nehmen und auch selbst solche Events zu organisieren.
Dabei las ich aus Publikationen, dass Mouton-Rothschild vom ehemaligen Deuxième Status, mit dem Jahrgang 1973 zum Premier Grand Crus avancieren konnte.

Was ich jedoch aus dieser Epoche verkostete, machte mich selten glücklich. Und da ich Weine eigentlich zum eigenen Genuss kaufe oder um mit Freunden zu teilen, wollte ich mich von diesen nicht begeisternden Flaschen trennen.
Doch das Veräusserungsunterfangen gestaltete sich nicht einfach. Die Auktionskataloge waren berstend voll von Mouton-Flaschen und die Preise lagen am Boden.

Wenn Verkaufen nicht attraktiv genug ist, scheint das Entkorken dann doch wiederum die besser Alternative. So war ich denn recht froh, dass ich gewisse Flaschen über den Mouton-Memory-Abend «entsorgen» konnte. Da hatte ich nämlich den «Fünfer und das Weggli», wie die Schweizer manchmal zu sagen pflegen.

Denn – so bekam ich gutes Geld für meine Mouton-Flaschen und durfte dabei erst noch gratis mitschlürfen. Eine bessere Formel für diese Rothschild-Transaktion hatte ich bis noch vor ein paar Jahren nicht evaluieren können. Doch Zeiten können sich ändern! Bei Mouton, bei mir, aber auch bei den Gästen … Mouton-Rothschild mauserte sich in letzter Zeit an den Auktionen. Die Nachfrage stieg, die Preise zogen an. Daran ist nicht zuletzt der asiatische Markt mit schuld.

Mit zunehmenden Alter, wird man des Degustierens etwas müde. Ich schätze heute lieber einen Wein über längere Zeit zu geniessen, wie zwei Dutzend Provenienzen über einen Abend zu Verkosten. Gleichzeitig schien es mir, dass sich das Interesse an einem spezifischen Mouton Abend seitens Publikums reduzierte. Doch dieser Eindruck täuschte. Im Nachhinein … Da ich sehr lange im Voraus plane, hatte ich den Mouton-Abend im Januar 2019 schon längst publiziert und auch bereits ein paar Anmeldungen ins Excel eingetragen. Etwas später entschieden wir, mit Freunden im Januar 2019 eine längere Reise nach Australien und Malaysien zu unternehmen. Also musste ich den Mouton-Abend verschieben. Als ich das neue Datum festgelegt hatte, lud ich eine neue Excel-Datei mit dem Vermerk «2019 / Moutonabend / Februar» auf meinem PC herunter. Daraufhin meldeten sich in den folgenden Monaten Teilnehmer an. Doch der Event füllte sich nur schleppend.

«Komisch», dachte ich mir. Jetzt hatte ich den Preis seit Jahren gleich gelassen, das Angebotene war von der Palette her äusserst schmackhaft, der Mouton legt im Markt an Attraktivität zu und trotzdem will es mir nicht gelingen, den Abend zu füllen. Also war es an der Zeit mit dieser Tradition zu brechen. Aufhören, wenn es am Schönsten ist! Und so brachte ich bei der Eventankündigung den Zusatz: «Letzter Mouton-Abend» an.
Als ich die Bestätigungen raus mailen wollte, stellte ich mit Schrecken fest, dass sich zwei Dateien (Januar und Februar) mit dem ein und demselben Event im Computer befanden. Jetzt war der Abend masslos überbucht und musste den Schlamassel irgendwie flicken. Dies konnte ich in der Folge regeln, indem ich parallel eine Woche später nochmal einen ähnlichen, inoffiziellen Mouton-Abend im Old Swiss House organisierte.

Als der Wirt Philipp Buholzer erfuhr, dass dies dann der letzte Mouton-Abend bei ihm stattfinden sollte, reklamierte er. Denn er wollte irgendwann mal – bei einer besonderen Gelegenheit – eine Flasche Mouton Rotschild 1961 aus seinem Keller sponsoren. Dieses tolle Angebot konnte ich auf keinen Fall ausschlagen. Und so findet denn im Januar 2020 (bereits auf www.weingabriel.ch publiziert) der allerallerletzte Mouton-Abend statt. Wenn es denn so ist …


1988 MOUTON-ROTHSCHILD: KAUFEN! KAUFEN! KAUFEN!

Der berühmte, britische Weinautor Hugh Johnson deklarierte einst Weinliebhaber als intelligent. Manchmal zweifle ich aber an dieser These. Besonders in Bezug auf gereifte, grosse Bordeauxweine.

So kann man jetzt noch im Markt problemlos Kistenweise Mouton 1988 kaufen. Und zwar für weniger als 500 Franken. Das ist heute ein fast legendärer Mouton und bei optimalen Flaschen bekommt man da eine ziemlich grosse 20-Punkte-Garantie mitgeliefert!   


Aber nein – es scheint, dass ganz viele Weinfreaks lieber für ganz junge Jahrgänge deutlich mehr bezahlen wollen.

Gut für mich, denn seit Jahren kaufe ich von diesem Wein, wenn immer möglich nach. Das Foto (oben) habe ich selbst gemacht. Mit dem Portraitmodus. Einfach eine Kiste rausziehen und klicken. So einfach geht das …

1988 Château Mouton-Rothschild: Unglaublich dunkle Farbe, irgendwie hat man das Gefühl blickmässig immer noch lila Reflexe im Innern zu erhaschen. Die Nase ist extrem tiefgründig, Trüffel und Teer, dann Malz, Rindsbouillonpaste, Pumpernickelbrot. Der Gaumen ist fleischig, satt und die Tannine sind gerundet. Der gigantischste Eindruck entsteht eigentlich, wenn man den Wein im Nachklang nochmals so richtig auslotet! Das war eine dramatisch grosse Flasche. Er gibt sich jetzt reif und ist mit einem weiteren Genusspotential von mindestens 30 weiteren Jahren versehen. Es gibt davon minim unterschiedliche Flaschen. Das war ein solides Meisterexemplar! 20/20 trinken

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AUS ZARTER FRAUENHAND

Aus zarter Frauenhand! Seit 1992 ist die Familie Chevrier-Loriaud Besitzer von diesem Château, welches eher einem Bauernhof gleicht. Doch wichtig ist nicht wie das Weingut ausschaut. In die Region Blaye verirren sich eh nur wenige Weinjournalisten.
Gemäss Webseite wird der Wein zu 99 % aus Frauenhand hergestellt. Vom Blend her ist er zwar für die Region, aber nicht für Bordeaux typisch. Die Assemblage besteht nämlich aus zwei Drittel Merlot und einem Drittel Malbec!
Bel-Air la Royère ist in der Schweiz bekannt durch seinen Entdecker und emsigen Förderer Max Gerstl. Er hat mich vor ein paar Jahren einmal in die Region zu einem sonntäglichen Lunch geschleppt. Seitdem empfinde ich viel Sympathie für diesen wenig bekannten Wein und er hat mich noch bei keinem Kontakt enttäuscht.

1999 Château Bel-Air La Royère: Imperiale. Sattes, sehr dunkles Rubin-Granat, wenig Reifetöne. Kirschiges Bouquet, Sommerflieder und Rosenpfeffer. Im Hintergrund zeigt sich eine minim grützenhafte Süsse. Im Gaumen stoffig, die Beeren schwanken hier von Rot auf Blau, man findet gar noch Cassis und Maulbeeren. Insgesamt kann man ihm burgundische Allüren zugestehen. Ein bemerkenswerter Wein was Preis- und Alterung anbelangt. Wirkt noch sehr frisch für einen 20jährigen Wein. Aber da wird wohl auch der Grossflaschenbonus eine Hand im Spiel gehabt haben. 17/20 trinken     

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Zwischen Mensch und Wein ist das Glas das wichtigste Verbindungsglied. Es muss alles transportieren können, was die Flasche hergibt!

Aus diesem Grund habe ich das Gabriel-Glas geschaffen. Es gibt mir das Gefühl, alles zu erleben, was vom Genuss her möglich ist!     










                                     www.gabriel-glas.com

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MONSIEUR CHEVALIER
 
Olivier Bernard gehört zu den besonders ausgeprägten Winzerpersönlichkeiten des Bordelais! Er schreibt, vor allem im Süden von der Stadt Bordeaux, seine persönliche Erfolgsgeschichte. Seit 35 Jahren …

1983 übernimmt er das Familienweingut Domaine de Chevalier in der Gemeinde Léognan. Damals beträgt die Rebfläche 18 ha. Heute stehen 45 Hektar in der Produktion.

Genau 10 Jahre später, also 1993, engagiert er sich in der Graves-Region für die Domaine de la Solitude und bringt diese nach oben.

Im Jahr 2006 beteiligt sich Olivier Bernard – zusammen mit Stephan de Neipperg (Canon-La Gaffelière), Robert Peugeot (Autoher-steller) und Xavier Planty (Direktor Guiraud) – am Château Sauternes-Château Guiraud.

2009 wird ein weiteres Weingut aus Pessac-Léognan ins wachsende Bernard-Portfolio aufgenommen; Château Lespault-Martillac.

2011 lanciert der emsige Bordeaux-Winzer das Projekt Clos des Lunes. Mehr darüber auf der nächsten Seite.
In den letzten Jahren amtierte Olivier Bernard zudem noch als Präsident der angesehenen Union des Grands Crus. Und ist Vize-Präsident der Académie du Vins de Bordeaux.

Bernard ist ein unermüdlicher Ambassador für Bordeaux und deren wunderbaren Weine.
Wer diese weltberühmte Stadt an der Gironde via Flugzeug besucht, der kann sein neuestes Projekt bestaunen: Als besonders vinösen Willkommensgruss liess Olivier Bernard direkt beim Airport Reben anpflanzen …

Am 4. Februar 2019 setzte sich Olivier Bernard ins Flugzeug um seine beeindruckende Palette an weissen, roten und süssen Weinen vorzustellen. Der Sempacherhof im Luzernischen Sempach-Station war schon seit Monaten ausgebucht und rund 80 Gäste nahmen auf den begehrten Stühlen Platz.
Folgende Weine wurden in die Gabriel-Gläser eingeschenkt.

2014 Clos des Lunes, Lune d'Argent, Bordeaux blanc (Bouteilles)
2009 Esprit de Chevalier, Pessac-Légonan  blanc 2009 (Double-Magnum)
1999 Domaine de Chevalier, Pessac-Léognan blanc 1999 ( Impériale)
2009 Domaine de la Solitude rouge, Pessac-Léognan 2009 ( Impériale)
2009 Château Lespault-Martillac rouge, Pessac-Léognan (Bouteille)
1979 Domaine de Chevalier rouge, Pessac-Léongan ( Magnums)
1989 Domaine de Chevalier rouge, Pessac-Léognan (Bouteilles)
1999 Domaine de Chevalier rouge, Pessac-Léognan (Double-Magnum)
2009 Domaine de Chevalier rouge, Pessac-Léognan (Bouteilles)
2009 Château Guiraud, Premier Grand Cru, Sauternes (Impériale)

Der Erlebnisbericht auf fünf Seiten: www.bxtotal.com 

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HABEN SIE AUCH EINE «JUBILÄUMFLASCHE» ZU HAUSE?


Da strahlt unser Einschätzer Carlo Haueter!

In der Hand hält er eine ganz besondere Trophäe! Es ist eine Impérialflasche Château Pétrus 2000. Das ist eine unglaubliche Rarität und es ist schwierig abzuschätzen, zu welchem Hammerpreis da ein neuer Besitzer den Zuschlag erhält. So zwischen 30'000 bis 60'000 Franken ist alles möglich. Vielleicht auch mehr?

Wir haben schon ganz viele Zusagen für unglaublich tolle Weine. Unter anderem kommen mehrere Dutzend Flaschen von der Domaine de la Romanée-Conti in den Auktionskatalog …

Im Rahmen der «100. AUKTION DER WEINBÖRSE», welche am 4. Mai 2019 in Bad Ragaz stattfindet suchen wir noch ganz besondere Trouvaillen, Legenden, Originalkisten und Grossflaschen.

Das wäre jetzt der richtige Moment, um Ihre längst gehüteten Schätze zu vergolden. Unsere Auktionsliste wird nicht nur in der Schweiz gesehen. Viele Broker und Weinhändler aus dem Ausland bieten an unseren Versteigerungen regelmässig mit. So erreichen unsere Einlieferer die besten Welttagespreise für deren Weinschätze.   

Noch bis Ende haben Sie die Möglichkeit eine Inventar- / Angebotsliste Carlo Haueter wb@weinauktion.ch zu schicken.

Rund um die Jubiläums-Auktion gäbe es noch Events. Diese sind aber leider alle schon im Vorfeld ausgebucht.

Während unserer Live-Auktion können Sie eine extrem rare Weltpremiere in Sachen Schweizer Pinot verkosten und auch ersteigern. Aber nur total 30 Flaschen. Wir sehen uns in Bad Ragaz?  www.weinboerse.ch

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GENUSS IST DIE ERFÜLLUNG EINER VISION

Das steht bei mir als Eingangsslogan auf der weinigen Webseite www.weingabriel.ch. Heute las ich im Facebook von einem Glückspilz, der vom Martha’s Vineyard mehrere Flaschen besitzt. Was heisst da mehrere Flaschen? Ich sah ein Foto von einer veritablen Kartonwand. Voll bespickt mit diesem kultigen Cabernet Sauvignon aus dem Napa!   

Und dieses Bild blieb mir den ganzen Nachmittag im Kopf und erschien immer wieder wie ein weggeworfener Bumerang vor meinem geistigen Auge. Als ich in der Küche fertig gekocht hatte, musste ich eine Entscheidung für den heutigen Tischwein treffen. Aber das Hirn hatte keine Chance gegen das «geistige Auge».

Also griff ich zu einem 1987 Martha’s Vineyard von Heitz. Jetzt sitze ich vor dem Compi unten, derweil oben es herrlich vom Ofen duftet. Und auch im Glas vor mir duftet es ganz herrlich. Nach reifem, autochthonem Kalifornier. Da sind erst Malz, Leder, Kräuter und gekochtes, kaltes Pflaumenmuss, dann dunkle Schokolade, dann ein Nasenblend aus 70 % Eucalyptus und 30 % Minze. Im Gaumen spürt man im Untergrund das berühmte «Dümpeln» alter Heitz Weine. Das geht dann vielleicht weg. Oder bleibt im Hintergrund. Es gibt keinen anderen Rotwein auf der Welt, dem ich so viel verzeihe wie einem Martha’s. Besonders wenn er heute immer noch so jung ist und durch seine Reduktion durch die restlichen Gerbstoffe ein weiteres Potential von zig Jahrzehnten anzeigt. 19/20 trinken

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KULTPINOT AUF DEM TISCH

Die Titelbehauptung ist marktschreierisch.

Ein Wein wird nämlich erst zum Kult, wenn er sich im Markt über lange Zeiten etabliert hat. Und die Nachfrage wesentlich grösser ist als das Angebot. Ein Angebot zu dem sagenhaften 2013er Pinot von Donatsch gibt es zwar noch nirgends. (Produktion total: 300 Flaschen).

Wir dürfen aber in Bad Ragaz an der 100. Weinbörse 30 Flaschen davon versteigern. Wer je die Chance hatte, diesen Wein zu verkosten, der wird ihm aber spontan den Kultstatus verleihen. Einen solchen Pinot Noir hat die Schweiz noch nie gesehen! Wer an die Auktion kommt, darf diesen XXXXX vor der Mittagspause verkosten. Und nach der Mittagspause ersteigern.

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Sie müssen gegen mich als Bieter antreten ...

Auf dem Bild von links: Martin Donatsch, René Gabriel, Heidi Donatsch, Thomas Donatsch

Infos folgen: www.weinauktion.ch

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MANDELGARTEN IM GLAS

Ein Wein aus dieser Lage vom Jahrgang 2002 ist zwar schon recht gereift. Die Geschichte von diesem Grossen Gewächs ist aber noch viel älter. Bereits im Jahr 1456 wurde dieser Weinberg im Zinsbuch des Kloster Weißenburg erwähnt. Der Mandelgarten gehört zum Besten, was die Pfälzer Weinbaugemeinde Gimmeldingen zu bieten hat.

Meine Geschichte ist logischerweise etwas jünger. Beim «Inventar srcollen» stiess ich auf einen vergessenen Posten. Den 2002er Mandelgarten von Christmann hatte ich vor vielen Jahren einmal bei einem Weingutsbesuch gekauft. 19 Flaschen befanden sich noch im Keller und ich überlegte mir, ob ich diesen Riesling nicht in eine grosse Raritätenprobe im Jahr 2020 (siehe www.weingabriel.ch / Events) integrieren wollte.

Wer grosse Weine ankündigt, der sollte sich dessen auch sicher sein. Und so machte ich heute eine «Stichkontrolle». Und dieser Check bereitete mir unglaublich viel Spass.

2002 Riesling Mandelgarten, Christmann, Gimmeldingen, Pfalz: Bereits an der Farbe würde man nie auf einen 17jährigen Weisswein schliessend. Immer noch hellgelb, leicht golden mit grünem Schimmer. Die Nase angenehm süsslich, wuchtig, ausladend mit Spuren von tropischen Früchten wie Papaya, Passionsfrucht und Jackfrut, eine Nuance milder Honig, Melissentöne und feinen Kümmelwürznoten, die herkunftsträchtige Mineralik ist parfümiert zu erahnen. Im Gaumen füllig und lebendig, reich und wunderbar gereift. Riesling muss tanzen und er tanzt. Irgendwo im Hinterkopf hat man eventuell das Gefühl noch hell caramelisierte Mandeln zu erhaschen, aber das liegt wohl auch an dem affinen Namen Mandelgarten. Da freut mich jede Flasche, die ich mit meinen Freunden teilen darf. 19/20 trinken  

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LUST AUF EINE KONKRETE BLINDPROBE?

Eigentlich hasse ich Blindverkostungen! Die daraus resultierenden Resultate schiessen oft weit am eigentlichen Ziel vorbei.

Vor einer Woche sass ich bei einer recht gemütlichen Runde mit unserem Gabriel-Glas-Importeur Boon in Singapur. Doch gemütlich war es nur so lange, bis einer der geladenen Gäste ansetzte und von einer gewaltigen Blindprobe vom letzten November berichtete. Sie hätten da zwölf verschiedene Chevalier-Montrachet’s vom Jahrgang 2014 blind gegeneinander verkostet. Geht’s noch! Einen so grossen und raren und logischerweise auch sehr teuren weissen Burgunder richtet man nicht, man geniesst ihn bewusst und mit Demut. Auch wenn es ein und derselbe Cru ist, so sind doch die Stilrichtungen verschieden. Die Favoriten – reine Geschmacksache! Dabei sei angemerkt, dass mein letztes Chevalier-Erlebnis schon viele Jahre zurück liegt …
Im April vergangenen Jahres durfte ich in Holland bei einer Magnum 2010 Romanée-Conti dabei sein. Sicherlich ein ganz grosser Wein, aber noch viel zu jung. Hätte man mir diesen exorbitant-teuren Wein blind serviert – ich hätte ihn wohl tendenziell «verpasst».

In meinen önologischen Anfängen stellten wir – unter Freunden – oft Blindproben zusammen. Meist mit konkreten Rahmenbedingungen. Ich muss zugeben, dass ich dabei viel lernte. Wichtig war es mir immer, dass ich die grossen Weine von den bescheideneren unterscheiden konnte. Auch generierte ich aus diesen Events meine persönlichen Kaufempfehlungen.  

Ganz besonders schlimm sind die «Tutti-Frutti-Blindproben». Man hat keine Ahnung was kommt und die Weine stammen aus verschiedenen Ländern, Jahrgängen und Rebsorten. Wenn man sich dann ganz intensiv konzentriert, um den Weinen möglichst gerecht zu werden, hört man von Ferne immer wieder die lästigen «Prahler-Errater». Nach dem Motto: «Die Nummer vier ist ganz sicher ein Mouton!». P.S. der Begriff «Errater» stammt aus dem Lateinischen «Erratum» und heisst sinngemäss «einen Fehler begehen». Meist werde ich da noch höflich gezwungen das Chaos zu kommentieren …
Und trotz allen Voten will ich Euch hier eine ganz besondere, konkrete, spannende Blindprobe schmackhaft machen!

Sechs Bordeaux aus Pauillac treten gegen sechs hoch bewertete Weine aus dem Napa an. Alles Cabernet oder was? Alle vom gleichen, beidseitig grossartigen Jahrgang 2015. Auf beiden Seiten wird das gleiche Budget auf die Waagschale gelegt. Die Teilnehmer sind die Juroren und bestimmen die Rangliste. Baschi Schwander und ich sind die weinbeschreibenden Kontrahenten. Der Termin ist der Samstagmittag, 30 März in Zürich. Infos dazu hier

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BORDEAUX-ABSTINENZ

Wenn ich hier an dieser Stelle schreibe, dass ich einen ganzen Monat lang keinen einzigen Bordeaux vor mir im Glas hatte, dann werden viele Leser dies sofort als Fake-News abtun. Es ist aber wahr und hat gar nicht weh getan. Auf unseren Reisen durch Australien und Asien mussten wir – mangels fairer Angebote – meistens auf Alternativen zugreifen. So konnte ich viele neue Weine kennenlernen oder bei den Australiern auf bekannte Weingüter zugreifen. Aufgrund der Hitze war es meistens intelligenter viel Wasser zu trinken oder ein lokales Bier zu ordern.

Gestern kam die Renaissance. So lange stand ich noch nie im Keller, bis ich mich endlich entschlossen hatte. Die Wahl fiel auf den Lynch-Bages 1985. Ein kühler, defensiver Pauillac. Elegant, nicht aufdringlich, immer noch sehr bekömmlich. Während 30 Tagen vermisste ich den Wein aus Bordeaux in keiner Weise. Und jetzt spürte ich bei jedem Schluck was ich einen Monat lang verpasste.

Ich stamme zwar aus der Schweiz, aber beim Bordeaux kommen bei mir schon auch gewaltig viele Heimatgefühle auf ...    



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GÜNSTIGER TREIBSTOFF

Als ich 1975 erstmals den Tank meiner Billig-Occasion füllen musste, zahlte ich in der Schweiz pro Liter Normalbenzin 98 Rappen.
In Australien haben wir im Januar 2019 unser Mietauto mit umgerechnet 85 Rappen pro Liter getankt.

Danach waren wir in Malaysien. Dort ist der Sprit noch billiger ...
Wenn wir hier Auto fahren, dann unterstützen wir ganz kräftig den Staat, damit er sich immer wieder neue Spielchen mit den Autofahrern aushecken kann.



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Tofu, Seegurke, getrocknete Austern in Singapur.

Kann sein, muss aber nicht ...

#bestellichniemehr

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