DANIEL CATHIARD VERLÄSST DIE WEINWELT
Dass der Besitzer von Château Smith Haut-Lafitte (Pessac-Léognan) vom Sportler (Skirennfahrer) zum Winzer mutierte, kann man überall nachlesen. Dass er auch grillieren konnte, wissen wohl nur wenige. Das Bild knipste ich im Jahr 2011 vor seinem Fischerhaus, welches sich auf einer Insel mitten in der Garonne befindet.
Wir lernten uns im Jahr 1991 kennen, als ich seinen 1990er relativ unsanft beschrieb. Er verteidigte sich insofern, dass er das Weingut just nach der Ernte gekauft hätte und nur noch minimen Einfluss bei der Assemblage auf diesen Jahrgang einüben konnte. Ich sah den dynamischen Mann und auch das Potential von dem Weingut, welches unter der Eschenauer-Ägide zuvor leider permanent unspannende Jahrgänge auf den Markt brachte …
Doch das Wetterpech verhinderte einen guten Start. 1991 wurde zum Frostopfer. 1992 litt unter Sonnenmangel und Wasserreichtum. Auch der 1993er wurde zum Regendesaster. Der Smith-Haut-Lafitte 1994 war korrekt, leider aber auch kein Überflieger. Aufgrund des stetigen Regeneinbruchs kurz vor der Ernte pflückte man die Trauben vom 1995er aus Angst wohl etwas zu früh. So füllte man diesen zugegeben sehr guten Bordeaux leicht hinter den generellen Jahrgangserwartungen ab. So dauerte es zermürbende Jahre, bis der Smith-Haut-Lafitte endlich in die Appellations-Top-Liga aufsteigen konnte. Mit Daniel im Lead für das Weinmachen (Mithilfe von sehr guten Önologen) und mit seiner Frau Florence als äusserst umtriebige Vermarkterin wurde das Bordeaux-Portfolio immer grösser. Ergänzt durch «Filialen» im Burgund und im Napa-Valley.
Je besser die Weinqualtität, desto intensiver wurde unsere Freundschaft. Ich lud Daniel zum ersten Welt-Wein-Festival nach Bad Ragaz ein. Auch für mehrere Tastings der Académie du Vin. Zu weiteren Events in der Schweiz. Unvergesslich; der Weinabend im Sempacherhof. Mit befreundeten Bordeaux-Winzern organisierte ich eine grosse Gala nach Wien …
Und immer, wenn es die Zeit erlaubte, klingelte ich an die Tür. Ein paar Mal nächtigte ich in ihrer privaten Chartreuse und kochte bei Gelegenheiten in der rustikalen Küche. Mehrmals logierten wir mit Gruppen im benachbarten Source de Caudalie. Unzählige Diners fanden unter meiner Reiseleitung auf dem Weingut selbst statt. Nicht selten machte ich selbst die Führung durchs Château, wenn mal grad kein Guide zur Verfügung stand. Und oft waren wir danach zu einem privaten Apero bei den Cathiards Haus eingeladen.
Dem Jahrgang 2009 verlieh Robert Parker das begehrte 100-Punktemaximum. So grosszügig war ich nie, aber er sein «S-H-L» lag bei mir stets auf einem sehr guten, soliden, zuverlässigen, oberen Mittelwert. Einer meiner Jahrgangs-Lieblinge ist der 2005. Meine zwei letzten 19-Punkte-Einträge dazu. Eine Magnum bei einem Diner auf dem Château: «Wunderschönes Nasenparfüm und im Gaumen superelegant. Noch ein Glas bitte!» Und eine Normalflasche beim Kartenspielen in Zug. «Ein wunderwunderwunderschöner Wein!»
Am 29. Januar 2026 ist Daniel Cathiard im Alter von 81 Jahren verstorben.
Bordeaux verliert eine grosse Persönlichkeit. Ich einen sehr guten Freund! Adiéu Daniel!

MÄANDERN SIE AUCH GERNE?
Gesamthaft gesehen schreibe ich mehr als ich lese. Damit gehöre ich zur Mehrheit. Es wird weniger gelesen heutzutage. Und somit mehr geschrieben? Ich dachte zwar, dass dem nicht so sei, musste mich aber belehren lassen.
Der Grund liegt an der Zunahme von Mails (statt Telefonieren!) und den oft wenig überlegten, spontan ins Handy gehackten SMS, welche in Unmengen in den Äther gespuckt werden. Gemäss aktuellen Berechnungen sind es weltweit ca. 25 Milliarden Nachrichten, welche via Short Message System pro Tag verschickt werden. Meist sind es dem auf Deutsch übersetzten Begriff geschuldeten Kurztexte, welche einem Minimum an Grammatik unterliegen.
Durch meine aktive Schreiberei habe ich mir einen recht umfangreichen Wortschatz angeeignet. Diesen verwendete ich bestmöglich in meinen zehn Büchern, den vielfachen Ausgaben von WeinWisser und auf meinen Webseiten. Es geht dabei nicht nur darum zu informieren, sondern auch zu unterhalten. Ich nenne es oft «Wine-Entertainment». Der Mövenpick-Gründer Ueli Prager bemerkte einst: «Gabriel kreiert durch träfe Wortverbindungen neue Begriffe für die Weinwelt».
Eigentlich hatte ich meine schon fast ausufernde Wortsammlung für meine Schreibinventur schon längst abgeschlossen. Bis vor zwei Jahren! Da begegnete ich im Roman «Schlaflos in Seelisberg» von Blanca Imboden dem für mich neuen Wort «mäandern». Irgendwie passte es in die beschriebene Situation und man konnte sich auch ohne Recherche vorstellen, was damit gemeint war. Also las ich es und vergass es gleich wieder.
Auf dem Rückflug von Teneriffa blätterte ich als Alternative zur aufkommenden Langeweile im Edelweiss-Magazin. David Schumacher beschrieb dort seinen ersten Besuch in Varna. Das ist eine bulgarische Stadt mit etwas mehr als 300'000 Einwohnern am schwarzen Meer. Ich nahm mir spontan vor, diese Region auf meine persönliche Löffelliste zu setzen. Mit dem Motorrad! Irgendwann. Hoffentlich nicht zu spät. Denn eine Löffelliste beinhaltet Dinge, welche man noch definitiv unternehmen will, bevor man den Löffel abgibt. Wenn ich dann mal dort sein werde, mache ich es ganz genau wie David Schumacher. Ich habe mir jetzt schon fest vorgenommen, dass ich dann auch zwischen Strand und Meeresgarten mäandern werde.
Wenn ich jetzt - genau an dieser Stelle - hätte Beschreiben müssen, was genau mit Mäandern gemeint ist, hätte ich passen müssen. Das Wort hat mich aber derart neugierig gemacht, dass ich beim Tastenhacken recherchiert habe. Dabei wurde klar, dass der ursprünglich geprägte Begriff historisch wesentlich bedeutender ist als dessen spätere Anwendung auf eine lediglich ähnliche Tätigkeit.
Ein Mäander ist nämlich eine Flussschlinge, die durch Verlagerung des Stromstrichs, also der Linie mit der höchsten Strömungsgeschwindigkeit, entsteht. Ein mäandrierender Fluss hat einen sehr kurvenreichen Verlauf. Der Begriff stammt vom griechischen Namen «Maiandros» für den Fluss Menderes in der heutigen Westtürkei.
Im menschlichen Leben kann man mäandern für «langsames, zielloses Herumgehen» verwenden. Die Laufgeschwindigkeit wird mit «Schlendern» definiert.
Wenn mir das nächste Mal langweilig wird und ich grad kein Edelweiss-Magazin zur Hand habe, dann mäandre ich durch Eschenbach …
Erlebnisse aus früheren Jahren findet man im Archiv ...

